Meister des Klavierstücks

  • Zitat

    Original von Alfred_Schmidt
    Aber es gibt zahlreiche, durchaus hörenswerte "Miniaturen" von Komponistern, die heut vergessen, oder aber nur wenigen Musikfreunden bekannt sind - oft nur namentlich.


    Nachdem hier ausnahmslos relativ bedeutende Komponisten genannt wurden und keine unbekannten Komponisten, nenne auch ich einen, den ich für ziemlich bedeutend halte:
    Hanns Eisler
    Neben den 3 Klaviersonaten, der Sonatine und den zwölftönigen Variationen gibt es eine größere Menge von Sammlungen von "Stücken" - ganz der Tradition Schönbergs und Weberns folgend, zum Teil Charakterstücke (z.B. "Kratzbürste") z.T. eher pädagogisches (Fugen). Darunter sind einige wirkliche Perlen, und zwar tonal, atonal und zwölftönig. Besonders wichtig ist wohl op. 8 mit dem witzig-ironisch-aufbrausenden aber dennoch eher "sachlichen" als Schönberg-expressiven kurzen Stück, das Eislers eigene Charaktereigenschaften trefflich charakterisieren soll.


    Eine tolle Aufnahme gibts bei Berlin:

  • Salut,


    wer [von den einigen Clementibegeisterten] die Ohren noch nicht voll genug hat - hier gibts weitere 102 "Klavierstücke", die sich absolut lohnen:



    Muzio Clementi [1752-1832]
    Gradus ad Parnassum op. 44
    Gesamtaufnahme


    Andrea Bacchetti, Bruno Canino, Luca Rasca, Francesco Cipolletta,
    Maurizio Baglini, Paolo Zannini, Gianluca Luisi, Enrico Pompili,
    Roberto Prosseda, Marco Sollini


    Hier ist alles dabei: vom Miniaturstück, über Fugati, Fugen, große virtuose Feuerwerke... gelegentlicher Anklang an Chopin ( :wacky: ).


    Wirklich sehr zu empfehlen, man erlebt eine Überraschung nach der anderen... für mich eine modernere Fortsetzung des wohltemperirten Clavirs, wenn auch die Intention des Komponisten eine andere war.


    :hello:


    Ulli

    Der Glaube kann Sätze verbergen.


  • Offenbach als Komponist von Klavierstücken ?
    Ja - sowas gibts.


    Wie klingst das ?


    Die Einstufung fällt schwer: Ein wenig Chopin, ein wenig Schubert, Fields und vielleicht von der Stimmung her - Joplin.


    Gefällige Ohrwürmer mit einer Tendenz zur Salonmusik, oder kostbare Miniaturen ? Wer will das schon beurteilen....
    Ich liebte diese Aufnahmen jedoch vom ersten Ton an.


    mfg aus Wien
    Alfred

    SPARE IN DER NOT - DA HAST DU ZEIT DAZU



  • Ein kleiner Meister der Klaviermusik: Stephen Heller!


    Ich schließe mich Alfred Schmidt an, und möchte hier auf Stephen Heller aufmersam machen. Nur all zu leicht wird er in die Etüden und Salong Ecke geschoben. Sicher, ihm kommt vielleicht nicht der Rang neben seinen Zeitgenossen Schumann, Mendelssohn oder Chopin zu!


    Dennoch lassen sich unter seinen zahlreichen Werke "gute" Werke finden. Auf seine Schubert Transkriptionen habe ich schon an andere Stelle aufmerksma gemacht.


    Bleiben die Impromtus op. 129! die beiden Umfangreichen Werke (ca. 5-6 Minuten) sind virtous und spielfreudige Werke, denen es weder an Scharm noch an Finesse fehlt.


    auch die beiden Polonaisen op.132 verfehlen nicht ihre Wirkung. Während die erste Polonaise noch an die frühen von Chopin erinnert, entwicklet sich die zweite Polonaise zu einem "Schlachtross" das mit brillianten Passagen aufwartet und wuchtigen Akkorden dahinreitet. Zwar finden beide Werke nicht die "Form" von Chopins op. 44 oder op. 53, dennoch finde ich heben sie sich ab von sonstigen Salong -Polonaisen durch ihre Frische!


    Beide Werke wurden von der ungarischen Pianisten Iylona Pruni bei Hungaroton erfreulicherweise eingespielt.



    Gruß
    Niko

  • Catherine.png


    Katharina Kozeluh-Cibbini (1790-1858 )


    wurde zunächst von ihrem Vater unterrichtet. Sie wollte Pianistin werden und nahm Unterricht bei Musio Clementi. Im Jahre 1805 trat sie zum ersten Mal als Pianistin auf. Sie wurde als eine der vorzüglichsten Klavierspielerin Wiens gepriesen und gehörte zum engeren Bekanntenkreis von Ludwig van Beethoven.


    Ihre Pianisten-Laufbahn mußte sie umständehalber aufgeben, ein Frauenschicksal ihrer Zeit. Sie heiratete den Hofgerichtsadvokaten Anton Cibbini und und bekleidete gleichzeitig das Hofamt der ersten Kammerfrau der Kaiserin Karolina Augusta und deren Nachfolgerin. Sie komponierte gefällige Klavierstückchen für die Salons und gab ihnen die Formen von Polonaisen, Walzer, Variationen und Polonaisen, zur heutigen Zeit vereinzelt gern als Zugabe gespielt. Auch Kammermusik in kleiner Besetzung ist in geringer Zahl ist von Katharina Kozeluh-Cibbini überliefert.


    Aus ihrem Werkverzeichnis seien die 6 Walzer op. 6 für Klavier angeführt – im Schnitt dauert jede Komponsition 3,5 Minuten


    :angel:
    Engelbert

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  • oder wie wär's mit Sergei Michailovich Liapunov (1859-1924), der unter anderem auch unter Sergei Taneyev im Moskau studiert hat:




    Die 12 Etuden hat Liapunov seinem älteren Arbeitskollegen, den auch in diesen Breitengraden wohl bekannteren Herrn Liszt gewidmet. :rolleyes:


    Viele Grüsse
    Pianomania

    "Die Welt ward ihm Klavier. In Terzen, Quinten, Oktaven sprang sein Denken, Dur und Moll spannte sein Herz."
    Carl Sternheim

  • Ich bekenne gleich offen; In erster Linie geht es hier um die (heute) weniger bekannten Komponisten, ich vermeide bewusst das Wort "Kleinmeister", denn viele, die hier Erwähnung finden werden, waren zu Lebzeiten alles andere als das, lediglich das nachgeborene Publikum, Kritiker und Musikhistoriker späterer Zeiten haben sie dazu gestempelt.


    Natürlich werden auch Komponisten mit hohem Bekanntheitsgrad hier Erwähnung finden, sei es zum Vergleich, sei es der Komplettheit wegen. Jedoch sollten sie eher am Rande gestreift werden, insbesondere dann, wenn ihnen schon ein eigener Thread gewidmet wurde. Wenn ein Komponist dieses Genres keinen eigenen Thread bekommt, dann liegt das in der Regel nicht an der Qualität seiner Werke, sondern an der Wahrscheinlichkeit wie viele Forianer überhaupt Aufnahmen von ihm haben - oder - noch radikaler - wie viele Aufnahme es von ihm überhaupt gibt.


    An hand eines Beispiels will ich zeigen was gemeint ist: Ich habe heute - parallel zu diesem Thread einen über Mendelssohns "Lieder ohne Worte" gestartet (Nein das war kein Zufall). Diese Sammlung von Klavierstücken ist, wenngleich nicht in allen Sammlungen vertreten -. generell gut dokumentiert, bzw sind viele Einspielungen davon vorhanden. Der Komponist ist weltberühmt - wenngleich durch andere Werke - somit stehen die Chancen für eine zumindest moderate Beteiligung wesentlich besser als bei jenen, die vorzugweise Miniaturen geschrieben haben, oder aber so aus der Mode gekommen sind, daß man ihn lediglich 1 bis 2 CDs zugestanden hat. In Neuerer Zeit jedoch sind einige dieser Komponisten im Rahmen der Belebung des Nischenrepertoirs wieder ein wenig näher an Rampenlicht gerückt, sodaß auch dieses Theme eine bescheidene Chance haben könnte.
    Ich bitte allfällige Interessenten an diesem Thread, nicht mit einer Aufzählung von Komponisten, die in dieses Schema passen zu beginnen, sondern sich EINEN herasuszusuchen, eine CD von ihm zu empfehlen, und einige Bemerkungen über seine Werke niederzuschreiben. Ein weiterer Komponist könnte bei Bedarf in einer Woche nachgereicht werden...


    Ich erwähne im Augenblick keinen, und überlasse Euch fürs erste den Vortritt...


    mfg aus Wien
    Alfred

    SPARE IN DER NOT - DA HAST DU ZEIT DAZU



  • An sich ist diese Rubrik ja gedacht, Werke dieses Genres von weniger bekannten Komponisten in den Blickpunkt z rücken - aber vielleicht ist es ein Guter Beginn, wenn wir uns mal mit einem diesbezüglichen Werkzyklus eines der bekanntesten Komponisten dieser Richtung befassen: Robert Schumann. Hier fällt zunächst die Auswahl schwer, weil er hat etliches in dieser Richtung geschrieben. Wie wärs, wenn ich hier als erstes die "Kinderszenen" erwähne. Die kennt vermutlich jeder, und somit ist ein Anfang gemacht.
    Wir wollen hier nicht in die Tiefe gehen, denn ein relativ ausführlicher Thread zu Schumanns Kinderszenen

    existiert bereits:
    Schumann: Kinderszenen
    Aber es ist meiner Meinung nach wichtig eines der bekanntesten Werke zu jenem Genre, das wir hier besprechen wollen wenigstens erwähnt zu haben. Der Zyklus wurde 1838 veröffentlicht, nachdem Schumann aus einem Pool von ca 30 Kompositionen 13 ausgewählt hatte. Schumann betont ausdrücklich, daß dieser Zyklus nicht für Kinder, sondern für Erwachsene, welche sich ihrer Kindheit erinnern, geschrieben wurde: Schumann hielt schriftlich fest,m welchen Erfolg dieses Werk hattem und wie beeindruck die Leute davon waren - am meisten jedoch - laut eigener Aussage - er selber.
    Jedes der Stücke bekam einen passenden Titel, allerdings erst im Rahmen der Zusammenstellung des Zyklus - keineswegs schon bei der Komposition."Träumerei" ist das wohl bekannteste, "Der Dichter spricht" laut Aussagen diverser Musiklexika, jedoch das Schlüsselwerk....


    mit freundlichen Grüßen aus Wien


    Alfred

    SPARE IN DER NOT - DA HAST DU ZEIT DAZU



  • Hier befinden wir uns an der Grenze, denn es gibt doch ein gerüttelt Maß an Aufnahmen von Gottschalk - aber ich bin mir fast sicher, die wenigsten Forianer kennen was davon - von den Mitlesern ganz zu schweigen.


    Louis Moreau Gottschalk (1829-1869) hatte spanische, französiche und jüdische Wurzeln, seine Musik enthält aufgrund seiner Bigraphie auch spanische, lateinamerikanische und kreolische Elemente.
    Die mir zur verfügung stehenden Quellen berichten über seine Vorfahren durchaus unterschiedliches. Laut Wikipedia war Gottschalks Vater ein spanischer Jude, der Harenberg Klaviermusikführer indes berichtet von einem Vater deutscher Abstammung, der jedoch in London geboren wurde, wärend seine französichstämmige Mutter aus Haiti kam.Er selbst wurde in New Orleans geboren.
    Er war eine schillernde exzentrische Persönlichkeit, ein weltberühmter Konzertpianist der die gesamte Welt bereiste. Wenngleich seine Musik heute ein wenig den Geruch der "Salonmusik" kam (ich finde persönlich nichts verwerfliches daran- Gottschalk übrigens auch nicht, er verwendet sogar selbt für einige Stücke die Bezeichnung "Polka de Salon") so war er zu Lebzeiten von seinen Komponistenkollegen anerkannt, sogar Chopin besuchte in Paris 1845 eines seiner Konzerte. Gottschalk war damals erst 16 Jahre alt. Gottschalk studierte in Paris, lebte in den USA, die er aber wegen eines publik gewordenen Verhältnisses mit einer Schülerin verlassen musste, Fortan lebte er in Südamerika. Seine exzessive Konzerttätigkeit verursachte während eines Konzertes einen Zusammenbruch, dem er binnen 2 Wochen erlag. Er starb am 18. 12 1869 in Tijuca/Rio de Janeiro.


    Für Vorsichtige kann man die preiswerte Naxos CD empfehlen.
    Mutigen und Vollständigkeitsfanatikern sei die Serie mit Philip Martin ans Herz gelegt (ich selbst werde sie jetzt nach und nachkomplettieren, hab erst 2 davon)- von der nur einige hier abgebildet sind....
    Wie klingts ?
    Ironisch überspitzt würde ich sagen: Chopinesk mit Anklängen an Scott Jopin eine Art Vorläufer gewissermaßen (?)



    Ich hoffe wenigstens, einige wenige für Gottschalk interessieren oder im Idealfall sogar begeistern zu können
    und verbleibe


    mit freundlichen Grüssen aus Wien
    Alfred

    SPARE IN DER NOT - DA HAST DU ZEIT DAZU



  • B000025UKJ


    Für Elise - 18 berühmte Klavierstücke

    von Eschenbach, Askenase, et al.


    Ich hätte von dieser CD noch ein Charakterstück beizusteuern, das, von einem nur mäßig bekannten Komponisten stammend, in Zeiten der "Finanzkrise", "Bankenkrise" und er dringend erforderlichen Einführung der "Finanztransaktionssteuer" aktueller denn je ist: "Die Wut über den verlorenen Groschen".


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

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  • Auch wenn Stephen Heller einen eignen Thread sein eigen nennen darf, so gehört er hier doch erwähnt


    Stephen Heller - Meister des Klavierstücks


    Er gehört - richtig geraten - zu den eher weniger bekannten Komponisten - dennoch gibt es einige interessante Aufnahmen mit Charakterstücken für Soloklavier von ihm. Nächstes Jahr feiert er seinen 200 Geburtstag, mag sein, daß hier was dazukommt. Immerhin umfasst sein - vorwiegend dem Klavier gewidmetes - Gesamtwerk etwa 150 Opuszahlen. Das meiste ist für Soloklavier. In seinen besten Werken erreicht er meiner Meinung nach durchaus die Qualität von Schumann, der seine Werke übrigens schätzte. Hellers Miniaturen sind - ähnlich wie bei Schumann, Mendelssohn und anderen zu Minizyklen mit Übertiteln zusammengefasst.



    Hier 3 Beispiele, die auf der Aufnahme mit Daniel Blumenthal enthalten sind.


    Spaziergänge eines Einsamen op. 78 (1851)
    Wanderstunden op. 80
    In Wald und Flur op 81


    ______________________
    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred

    SPARE IN DER NOT - DA HAST DU ZEIT DAZU



  • Man sollte nicht glauben wie viele Meister des Solo-KLavierstücks es einst gab - aber natürlich mussten die bürgerlichen Salons der Prä-Grammophon-Ära mit Musik versorgt werden. Und da bot sich das Klavier als Medium geradezu an - in fast jedem bürgerlichen Haushalt stand eines...
    Die heute hier vorgestellte CD mit Werken von Juliusz Zarebski (1854-1885) habe ich offenbar im letzten Augenblick ergattert. Sie ist bei jpc nichtmehr im Angebot, bei Amazon wird sie vereinzelt noch privat angeboten - teilweise zu Wucherpreisen.
    Wenn Zarembski heute auch weitgehend unbekannt ist - zu Lebzeiten war er es nicht, obwohl ihm nur 31 Jahre vergönnt waren und er nur etwas mehr als 30 Werke hinterließ. Liszt sah in ihm einen Pianisten ersten Ranges, aber als Komponist musste der Virtuose oft dem Lyriker am Klavier weichen...


    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred


    PS: Ich werde versuchen in Hinkunft meine Neuerwerbungen hier schneller vorzustellen - damit die Leser Gelegenheit zum hineinhören und gegebenenfalls zum Kauf haben


    Noch ein PS: Ich neige dazu, jene CDs - in welche ich gerade hineinhöre um sie anschliessend EDV-mässig zu erfassen und anschliessen einzuordnen in Threads zu erwähnen. Als ich die erwähnte CD nun in die Kartei eingeben wollte, habe ich zu meinem Erstaunen gesehen, daß ich sie doppelt hatte. Sie wird daher vermutlich irgendwann in einem Tamino Preisausschreiben oder etwas ähnlichem landen. Zum Verkauf steht sie nicht bereit, weil das Porto hier in relativ ungünstiger Relation zum Warenwert steht und ich ein fauler Mensch bin der wegen ein paar Euro nicht aufs Postamt gehen möchte..

    SPARE IN DER NOT - DA HAST DU ZEIT DAZU



  • Unbedingt eine Entdeckung wert: Federico Mompou, ein Katalane, der in Paris studierte. Wunderbare Musik, eine sehr eigene, höchst originelle Musiksprache, Musik für Klavier, zumeist Miniaturen, zugleich schlicht und in dieser Schlichtheit raffiniert. Der Philosoph und Musikwissenschaftler Vladimir Jankelevich verfaßte über ihn ein Essay. Mompou selbst - er wurde steinalt - spielte sein komplettes Klavierwerk ein. Die Aufnahmen gab es als günstige Box bei Brilliant Classics, leider vergriffen. Natürlich unbedingt zu empfehlen die unvergleichliche Alicia de Larrocha, der Mompou sein Preludio Nr. 7 widmete - die unten abgebildete CD gibt es sehr günstig. Zu den namhaften Interpreten, die Mompou schätzten und spielten, gehörten neben Alicia de Larrocha Artur Rubinstein und Arturo Benedetti Michelangeli.



    Beste Grüße
    Holger

  • Robert Schumann und Felix Mendelssohn Bartholdy haben ihn geschätzt, im Musikleben seiner Zeit hat er eine nicht unbedeutende Rolle gespielt: Ferdinand Hiller (1811-1885) Heute ist er indes weitgehend vergessen. Die verdienstvolle Edition von cpo versucht den ein wenig entgegenzusteuern. Hier eine Aufnahme mit Klaviersonate, Klavierstücken und sogenannten Ghaseles, was auf eine alte lyrische Gedichtform anspielt Man könnte schreiben, Hillers Miniaturen brauchen sich vor jenen seiner berühmten Kollegen nicht zu verstecken - aber das träfe am Ziel vorbei, weil Hiller zu Lebzeiten ja ebenso berühmt war wie sie.....

    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred

    SPARE IN DER NOT - DA HAST DU ZEIT DAZU



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  • Hiller war zwar berühmt, allerdings vor allem als Virtuose und Pädagoge. Mit der Publikation seiner Werke hatte er leider zeitlebens Probleme. Die Werke auf dieser CD würden mich allerdings sehr interessieren.

  • Es war Mendelssohn, der sehr gut über ihn urteilte, in einem Lexikon aus 1905 war kritischeres zu lesen, nämlich, dass zwischen hervorragendem auch viel Mittelmaß zu finden sei, was stets dazu führe, dass mancher zu Lebzeiten sehr geschätzte Komponist, nach dessen Tod - wo der Einfluß der Persönlichkeit nicht mehr gegeben sei - relativ schnell vergessen werde.
    In der Tat ist es so, dass mir keines seiner an sich gefälligen Werke wirklich im Gedächtnis haften blieb - aber ich habe das meiste ja höchstens 2 Mal gehört. Die Frage ist, wie das bei Schubert und Schumann wäre, wenn man sie nicht immer wieder zu hören bekäme......(?)


    mir freundlichen Grüßen
    und Gute Nacht
    Alfred

    SPARE IN DER NOT - DA HAST DU ZEIT DAZU



  • Klavierstücke von Heinrich Schulz-Beuthen (1838-1915), einem heute fast völlig vergessenen Komponisten, der nicht mal einen eigenen deutschen Wikipedia-Eintrag sein eigen nennt. Geboren wurde er als Heinrich Schulz, der Zusatz Beuthen wurde erst nachträglich angefügt, um Schulz-Beuthen unverwechselbar zu machen.- Vergebliche Liebesmüh, wie es scheint. Ein Teil seiner Werke ist verschollen- vermutlich im 2. Weltkrieg verbrannt - aber einiges ist doch erhalten. Derzeit gibt es von diesem Komponisten lediglich 2 Cds im Angebot, wovon ich die abgebildete besitze. Sie ist eherer konservativ und klingt, als wären die Stücke 50 Jahre früher entstanden,im unmittelbarer Nachfolge von Franz Schubert und Robert Schumann. Franz Liszt war von ihnen begeistert, zeitgenössische Kritiker empfanden sie teilweise als "modern" Letzteres ist für mich überhaupt nicht nachvollziehbar......
    Persönlich gefielen mir die Werke auf Anhieb, besser als jene weiter oben ebenfalls von mir vorgestellten von Ferdinand Hiller.
    Man fragt sich vielleicht, wei es kommt, daß ein Komponist, der Gnade vor den Augen des berühmten Franz Liszt fand, so vergessen werden konnte. Dabei ist die Frage relativ einfach zu beantworten. Liszts Berühmtheit hält bis heute an - aber er ist eine lexikale Berühmtheit - wer hört heute noch seine Werke ???

    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred Schmidt
    Tamino Klassikforum

    SPARE IN DER NOT - DA HAST DU ZEIT DAZU



  • Heute möchte ich ein ganz besonderes Gustostück vorstellen:
    Es handelt sich um eine Aufnahme der Klaviersonaten Nr 1 und 2 von Robert Fuchs mit den Opuszahlen 19 und 88.Eine dritte aus dem Jahre 1919 (op 109) ist leider nicht verfügbar. Hier sind wir schon bei einem schwachen Punkt angelangt: Mindestens 112 Werke mit Opuszahl hat Fuchs komponiiert, davon zahlreiches für Soloklavier - aber das wenigste davon wurde aufgenommen. Daher muß ich meinem Wunsch, ihm einen eigenen Thread seiner Klavierwerke zu widmen vorerst entsagen und weise hier formlos auf seine 2 verfügbaren Klaviersonaten hin.
    Im Beiheft wird im Bezug auf die Klaviersonate Nr. 1 - sie stammt aus dem Jahre 1877 - auf die Ähnlichkeit mit Schuberts Stil hingewesen. Das stimmt meiner Meinung nach nur insofern, als der Eindruck, den diese Sonate hinterlässt ebenfalls ein klassisch-romantisch kantabler ist. Sie ist indes extrovertierter, signifikant leichter im Gesamteindruck und hat - bei aller Tonschönheit (die ich sehr schätze) weniger Tiefgang und setzt manchmal doch auf Publikumswirksamkeit.


    Die zweite Sonate ist etwas komplexer - Fuchs hat aber - obwohl 33 Jahre später komponiert - seinen Stil kaum verändert, also keine wirkliche Entwicklung durchgemacht, die Sonate war 1910, im Jahr ihres Erscheinen - bereits als rückwärtsgewamdt anzusehen.


    Sollten in den nächsten Jahre Veröffentlichungen von Fuchs' Klaviermusik es ermöglichen, dann werde ich einen eigenen Thread dazu starten und diesen Beitrag dazu herauslösen.


    Die Zeitschrift "The Gramophone" schrieb anlässlich der Erstveröffentlichung der abgebildeten Marco-Polo CD:


    "Daniel Blumenthal erweist sich wieder einmal als wahrer Meister und Anwalt zu Unrecht vernachlässigten Repertoires. Allen Hörern mit Sinn für Ungewöhnliches sei diese Platte dringend empfohlen."


    Diesem Statement kann ich mich bedenkenlos anschliessen - ohne etwas hinzuzzufügen


    mfg aus Wien
    Alfred

    SPARE IN DER NOT - DA HAST DU ZEIT DAZU



  • Hallo Taminos,
    auch ich möchte diesen Thread nutzen, um Euch kleine Klavierstücke vorzustellen ( ich wundere mich, dass Du Alfred eine Sonate zu den kleinen Stücken zählst... ). Mal wieder handelt es sich um meinen Lieblingskomponisten Ludolf Nielsen (1876-1939), der ganz im Manier der Kinderszenen Schumanns, zwei Hefte Noveletter komponierte, die 1908 als op. 21 bei Wilhelm Hansen veröffentlich wurden. Diese sind sehr einfach gehalten, ganz bewusst, denn die Stücke sind seinen geliebten Nichten und Neffen gewidmet, die diese Stücke auch selber spielen sollten und spielten. Dementsprechend malen die kleinen Werke Kinderszenen vor den Ohren des Hörers.


    Die Stücke auf Heft I tragen die Titel:
    Godmorgen - Guten Morgen
    Bedstemor fortæller - Großmutters Geschichte
    Gyngehesten - Schaukelpferd


    Heft II:
    Paa legepladsen - Auf dem Spielplatz
    Polichinel - Pulcinella
    Godnat
    - Gute Nacht


    Am liebsten spiele ich das Schaukelpferd, welches mit seinem witzigen hin und er in der Melodie das Wippen authentisch darstellt, sowie Godnat, ein wirklich romantisches Schlafliedchen mit skandinavischen Touch.


    Lediglich vom Heft II gibt es eine Aufnahme zu erwerben, die ich aber, wie ich an anderer Stelle bereits erwähnte recht uninspiriert finde.
    Daher möchte ich auch auf meine, vor wenigen Tagen ( nicht umbedingt bessere ) Version der beiden Hefte hinweisen.


    Beste Grüße
    Christian



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  • Da Christian Biskup zu recht beanstandet hat, daß Klaviersonaten keine "kleinen Klavierstücke" sind - habe ich den Threadtitel entsprechend modifiziert. Aber besonders bei Komponisten, wo nur eine oder zwei Aufnahmen für Klavier Solo existieren, werden oft größere und kleinere Klavierstücke miteinander auf einer CD untergebracht. So auch im Falle von Ignaz Moscheles (1794-1870). Allerdings ist die kleinere der auf der gezeigten CD enthaltenen Sonaten, lediglich ca 9 Minuten lang...
    Zwei Rondos, zwei Fantasien, ein Nocturne und ein nicht näher definiertes Stück runden den Inhalt der Veröffentlichung ab.
    Moscheles war zu Lebzeiten hoch angesehen, studierte bei Albrechtsberger und Salieri und war mit Beethoven und Mendelssohn befreundet. Er galt als einer der besten Klaviervirtuosen seiner Zeit. Heute ist er weitgehend in Vergessenheit geraten, seine Werke entsprechen nicht mehr dem Zeitgeschmack und werden nur mehr selten gespielt. Sie sind eher angenehm zu hören als revolutionär oder beeindruckend. Die hier gezeigte Aufnahme wurde mit einem Erard Flügel "Grand Piano du Concert" aus dem Jahre 1844 gemacht, wie Moscheles selber einen besaß. Er hatte ihn von Erard, mit dem er ebenfalls persönlich bekannt war als Geschenk erhalten. Die CD ist - nicht nur ihres Preise von derzeit 3.99 Euro ein Muß für jeden , der Klavierstücke des 19. Jahrhunderts und/oder historische Klaviere schätzt.......

    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred

    SPARE IN DER NOT - DA HAST DU ZEIT DAZU



  • Scheinbar interessieren sich heutzutage nicht sehr viele Leute für kleinere Klavierstücke, aber dennoch gibt es glücklicherweise zahlreiche Aufnahmen. Hier nun wieder ein in unseren Breiten völlig unbekannter Komponist: Johann es Fuss bzw Janos Fusz (1777-1819) Die hier gezeigte Aufnahme enthält Variationen, Deutsche Tänze, Ländler, Märsche etc. Anikó Horváth spielt auf einem Nachbau eines Hammerflügels von Anton Walter.
    Angenehme Unterhaltungsmusik des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts....

    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred

    SPARE IN DER NOT - DA HAST DU ZEIT DAZU



  • Er galt als einer der besten Klaviervirtuosen seiner Zeit. Heute ist er weitgehend in Vergessenheit geraten, seine Werke entsprechen nicht mehr dem Zeitgeschmack und werden nur mehr selten gespielt.


    Interessante Formulierung. Welche musikalischen Werke von sagen wir einmal vor 1900 entsprechen dem "musikalischen Zeitgeschmack"?

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • Interessante Formulierung. Welche musikalischen Werke von sagen wir einmal vor 1900 entsprechen dem "musikalischen Zeitgeschmack"?


    Wenn ich nicht wüsst´, dass der Washietl von der Presse vor einigen Jahren verstorben ist, hätte ich geglaubt, Deine wahre Identität endlich gefunden zu haben ;) .


    Ich meine wiederum, dass die Gerüchte über das angebliche Ableben des Dr. Engelbert Washietl maßlos übertreiben... ;)

  • Zitat

    Interessante Formulierung. Welche musikalischen Werke von sagen wir einmal vor 1900 entsprechen dem "musikalischen Zeitgeschmack"?


    Beispielsweise Beethovens Klaviersonaten ....
    --------------------------------------------------------


    Ein weiterer Komponist, dessen Klavierwerke hier kurz gestreift werden sollen ist Wilhelm Peterson Berger (1867-1942).
    Im Gegensatz zu seinen Sinfonien, die doch - bei aller Tonalität - ein wenig Kinder des frühen 20. Jahrhunderts sind - geben sich die Klavierstücke des Zyklus "Frösöblomster eher luftig leicht, gefällig und nicht allzu anspruchsvoll. Auf den Zyklus wurde bereits im Thread
    Wilhelm Peterson-Berger - der Schwedische Nationalkomponist
    hingewiesen...

    mfg aus Wien
    Alfred

    SPARE IN DER NOT - DA HAST DU ZEIT DAZU



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  • Weiter geht es mit diesem Quasi-Einmann-Thread - aber mehr als 6500 Seitenaufrufe im Laufe der Jahre bekunden doch ein gewisses - wenn auch bescheidenes - Interesse an diesem Genre.
    Die abgebildete CD ist Teil einer einst 4 CDs umfassenden Edition, wobei Folge 3 aus unerfindlichen Gründen nicht mehr lieferbar ist. Prinzipiell handelt es sich um eine Originalaufnahme von Collins Classics, welche, nachdem Collins seine Aktivitäten beenden musste von Hyperion/helios übernommen wurde.
    Xaver Scharwenka (1850-1924) ein Schüler von Theodor Kullak war zu Lebzeiten ausserordentlich berühmt, und zwar als Pianist, Komponist, Dirigent und Musikpädagoge. Der berühmte Wiener Kritiker Eduard Hanslick rühmte sein "Klavierspiel, frei von jeglicher Scharlatanerie", die Opuszahlen belaufen sich an die 90. Im bereiche des Soloklaviers schrieb Scharwenka zahlreiche Werke, darunter polnische Tänze und Sonaten. Der Stil ist eher konservativ, der Tradition des 19. Jahrhunderts verwurzelt.

    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred

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  • Bedauerlicherweise gibt es von Robert Volkmann (1815-1883) zu wenig Klavierwerke - und schon gar nicht auf Tonträger, daß man diesem Genre einen eigenen Thread widmen könnte. Dennoch ein interessantes Gebiet. Franz Liszt äusserte sein Bedauern darüber , daß Volkmann eigentlich so wenig komponiert habe. Dem kann man sich eigentlich nur anschliessen.Von Volkmann gibt es lediglich 2 CDs mit Werken für Klavier solo am Markt, und ich bezweifle , daß er wesentlich mehr geschrieben hat. Beide sind auf Hungaroton erschienen - Volkmann lebte viele Jahre in Budapest - und ist auch dort gestorben.Auf der abgebildeten CD finden sich einige Charakterstücke und die "ungarischen Lieder" op 20. Ich finde, daß Volkmann sich hier durchaus mit den ganz Großen messen kann, die Werke sind sehr prägnant. Ursprünglich war ich beim Hören der CD der Auffassung, es herrsche ein sehr bestimmter, heiterer Grundton - Aber ich wurde eines Besseren belehrt, als ich - das letzte Stück auf der Einspielung, "Au tombeau du Comte Szechenyi" op 41 hörte. - In jedem Falle sind Volkmanns Klavierwerke eine Bereicherung des Repertoires.

    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred

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  • Diese CD ist eine veritable Entdeckung. Der Mitzwanziger Allessandro Deljavan spielt mit Delikatesse und Sinn für Klangfarben Klavierstücke des heute beinahe vergessenen französischen Komponisten Benjamin Godard (1849-1895), die ihrerseits wahre Kabinettstückchen sind. Da gibt es nichts Belangloses - alles ist fein durchdacht und ausgehört. Godards geringer Bekanntheitsgrad geht vermutlich auf seinen frühen Tod - er starb an Tuberkulose - zurück.
    Die Aufnahme sollte jeder Liebhaber von "Klavierminiaturen" in seiner Sammlung haben.

    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred

    SPARE IN DER NOT - DA HAST DU ZEIT DAZU




  • Und hier ein weiterer fast vergessener Komponist, der Schumann Freund Ludwig Schuncke. Damit er nicht erneut vergessen wird habe ich seinen Namen und die bislang einzige CD mit Werken von ihm mehrfach in den geeigneten Threads positioniert. Schunke wurde zu Lebzeiten im Kreis von Schumann, Mendelssohn, aber auch von Chopin sehr geschätzt, ja sogar als "musikalisches Genie" gehandelt. Leider starb er im jugendlichen Alter an Tuberkulose. Oft herrschen unter Klassikliebhabern bein CD-Kauf gewisse Vorbehalte gegenüber unbekannten Komponisten. Hier schaffen die Möglichkeit in einzelnen Tracks hineinzuhören, einerseits, und die moderate Preisgestaltung von Brilliant Classics andrerseits, Abhilfe...

    mfg aus Wien
    Alfred

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  • ERgänzung und Nachtrag zu Beitrag Nr 46: Ludwig Schuncke.
    Ich habe mir heute die im obigen Beitrag vorgestellte CD mit den Werken


    Grande Sonata in g-minor op 3
    Divertissiment brillant sur des motifs allemands in B-flot op 12
    Caprice Nr 1 in C-op 9
    Caprice Nr 2 in c-minor op 10
    Rondeau brillant in e-flatt op 11
    Rondeau in D op 15
    Air suisse varié


    komplett angehört. Meine persönliche Einschätzung divergiert teilweise von jener die ich im - übrigen sorfältig recherchierten Booklet fand. So konnte mich die gelobte Klaviersonate beispielsweise nicht begeistern, indes fand ich Vergügen an manch kleinerem Stück, welches als "Weder besonders brilliant, noch innovativ" bezeichnet wurde und der Salonmusik zugeordnet wurde. In der Tat fand ich Anklänge an Chopin, wobei aber eine - aus meiner Sicht - eigenwillige eigne Tonsprache nicht zu überhören ist.
    Der Klavierklang der Aufnahme ist meiner Meinung nach nicht optimal, aber brauchbar.


    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred

    SPARE IN DER NOT - DA HAST DU ZEIT DAZU



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