Requiem ohne Brahms und Mozart

  • Das fehlt mir hier ,


    habe da eine Aufnahme, auf Doppel LP,mit:


    Pilar Lorengar - Sporan,
    Erszébet Kommlóssy - Alt,
    Robert Ilosfalvy - Tenor,
    Tom Krause - Bariton.


    Das London Symphonie Orchestra, die Ambrosian Singers,


    Dirigent István Kertész.


    Dieses Requiem war zuerst für den Konzertsaal bestimmt, wird ab zeitweise auch inKirchen aufgeführt.

  • Hallo,


    per Zufall habe ich ein neues, sehr wertvolles Requiem entdeckt:


    Das 1817/1818 komponierte Requiem c-moll op. 23 des portugiesischen Komponisten Joao Domingos Bomtempo [1775-1842]:




    Joao Domingos Bomtempo [1775-1842]
    Requiem [1817/18] c-moll op. 23


    Angela-Maria Blasi, Sopran
    Liliana Bizineche-Eisinger, Mezzo
    Reinaldo Macias, Tenor
    Michel Brodard, Baß


    Chorus & Orchestra of the Gulbenkian Foundation
    Michel Corboz


    Das Werk beginnt ganz heimlich und leise, ähnlich wie Joseph Martin Kraus' Trauerkantate für Gustav III., mit leisen, mahnenden Paucken - unterlegt mit gezupften Streichertupfern. Es ist ein wunderschönes Werk, das vom Komponisten wie folgt gegliedert vertont wurde:


    Introitus
    Requiem aeternam
    Kyrie eleison


    Sequentia
    Dies irae
    Tuba mirum
    Iudex ergo
    Quid sum miser
    Iuste Iudex
    Ingemisco & confutatis
    Lacrymosa


    Offertorium
    Domine Iesu Christe
    Hostias


    Sanctus & Benedictus
    Sanctus
    Benedictus


    Agnus Dei
    Agnus Dei
    Requiem aeternam


    Musikalisch ist das Werk des mir bis dato völlig unbekannten Schubert-Zeitgenossen von höchster Güte! Dabei klingt es stellenweise bereits sehr viel eher nach Verdis Vertonung, als nach Musik, die im Zeitalter von Schubert komponiert wurde. Dazu gehören u.a. unisone Chorostinati, quasi eine Art Sprechchor [allerdings fließend, nicht abrupt], die immer wieder in den steten Fluß des Werkes integriert sind. Das muß in der damaligen Zeit wirklich neu und ungewöhnlich geklungen haben. Umso weniger verstehe ich die Erläuterungen im Booklet: Dieses konzertähnliche Werk in der tradition der Wiener Schule [...] ?( - Wer hat denn da keine Ohren?


    Besonders mag ich aus diesem Werk das Ingemisco und die Strophe Cum sanctis tuis, quia pius es - Was für himmlische Töne! Das Streicherunisono zu Beginn des Agnus Dei erinnert mich stark an die lgs. Einleitung zu Haydns 103. Sinfonie. Das Werk ist ingesamt unheimlich beruhigend, es gibt eher wenig Aufregung darin. Corboz' feinsinnige Herangehensweise tut ihr übriges dazu.


    Der mit Muzio Clementi befreundete Komponist soll ein sehr guter Pianist gewesen sein. Das Requiem entstand zum Gedenken an den portugiesischen Dichter Luís Vaz de Camões [c1524-c1580] - wie es dazu kam, steht nirgends. Nur zu dumm, daß die Widmungsträger von Requien in den seltensten Fällen etwas davon haben...


    Ein Werk nach meinem Geschmack - mit dem üblichen Beigeschmack eben:


    Empfehlung für Requien-Sammler!


    :angel:


    Ulli

    Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
    (Vincenzo Geilomato Hundini)

  • Hallo,


    Erst kürzlich fanden zwei hier noch nicht genannte Totenmessen einzug in meine Sammlung:



    Habe beide schon gehört - beide sind sehr empfehlenswert, wenn auch sehr unterschiedlich.


    Das Sgambati-Requiem ist "eher" im Stile des Verdi-Requiems, wenn auch etwas weniger opernhaft.
    Ropartz Werk ist ein lyrisches Requiem in der Art des Fauré-Requiems.
    Beide Stücke sind wirklich überraschend hörenswerte und wunderschöne Gattungsbeiträge!


    LG
    Raphael

  • Hallo, Ulli!



    Also, das ist eines meiner Lieblings-Requien...von hinten.
    Von der Entstehungszeit her sollte es mir ja eigentlich musikalisch passen - aber das ist einfach schlecht komponiert... mir fällt keine andere Beschreibung ein. :no:


    Viele Grüße,
    Pius.

  • Hallo!



    Die Totenmesse, die Rossinis Kollegen nach dessen Ableben gemeinsam zusammengeschustert haben, ist zwar ein Flickwerk, aber dennoch lohnend zu hören. Daß Verdi großgeschrieben auf dem Cover draufsteht und die Mitkomponisten in Fußnotengröße darunter, ist durchaus ungerecht. Zwar ist Verdis Part der längste, allerdings dann doch nur 13,5 von 112 Minuten. Und qualitativ ist er nicht der schlechteste, aber auch nicht so eindeutig der beste, wie man das vielleicht vermuten würde. Er komponierte übrigens den Schluß des Requiems: Libera me - Dies irae - Requiem aeternam - Libera me. Dies verwendete er dann ein paar Jahre später in seinem berühmten Requiem wieder.
    Nun ist es aber an der Zeit, die anderen Komponisten zu nennen, und zwar großgeschrieben :D :
    Antonio Buzzolla, Antonio Bazzini, Carlo Pedrotti, Antonio Cagnoni, Federico Ricci, Alessandro Nini, Raimondo Boucheron, Carlo Coccia, Gaetano Gaspari, Pietro Platania, Lauro Rossi, Teodulo Mabellini.


    Oben abgebildete CD (inzwischen hat Rilling noch eine neuere Aufnahme des Werkes rausgebracht - sonst scheint sich keiner dafür zu interessieren) gibts übrigens bei Amazon Marketplace nachgeschmissen.


    Viele Grüße,
    Pius.

  • Hallo,


    ich vermisse in den bisherigen Beiträgen das Werk von Olivier Messiaen "Et expecto resurrectionem mortuorum". Es wurde 1964 im Auftrag der Republik Frankreich zum Gedenken an die Toten der beiden Weltkriege geschrieben. Es vertont zwar nicht den lateinischen Requiemstext, aber andere Texte um Tod, Trauer und Auferstehung, weshalb ich dieses Werk der Sache nach zu den Requien zählen würde.


    Mir gefällt folgende Aufnahme besonders gut:



    "Et expecto resurrectionem mortuorum" gehört meiner Meinung nach neben Hatmann (1. Sinfonie) und Bach (Actus tragicus) zu den ergreifendsten Requienkompositionen.


    Viele Grüße,


    Sinfonie


    :hello:

  • Jantz frisch:



    Marc-Antoine Désaugiers [1739-1793]
    Requiem (1785)


    Sabine Revault d'Allonnes, Patrick Garayt,
    Jacques Chardon, Jean-Louis Serre


    Ensemble Vocal du Chesnay
    Ensemble Vocal Loré
    Orchestre Français d'oratorios


    Jean-Pierre Loré


    Bloß nicht in die Hörschnipsel klicken... Wunschlistenverdächtig...


    :faint:


    Kennt's schon jemand?


    :hello:


    Ulli

    Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
    (Vincenzo Geilomato Hundini)

  • Hallo!


    Ich möchte nochmals auf


    Das Requiem von Jean Gilles


    hinweisen, das hier im thread noch gar nicht erwähnt wurde.
    Es ist derzeit sehr günstig als neue Brilliant-Einzel-CD zu erwerben.


    Auch wenn ich nun offiziell keine Requien mehr sammle (das wird mir zu anstrengend), kommen hin und wieder ein paar neue Exemplare in meine Sammlung. Noch ungehört warten bei mir diese beiden CDs:



    Ich werde berichten...


    Getrennt habe ich mich inzwischen von den modernen Requien Hindemiths und Weills. Da ich keine Requien mehr sammle, brauche ich auch keine in meiner Sammlung zu haben, die ich nur des Requiemsammelns wegen aufgehoben habe - musikalisch haben sie mir nichts gesagt.


    Viele Grüße,
    Pius.

  • Zitat

    Original von Pius
    Auch wenn ich nun offiziell keine Requien mehr sammle [...]


    Huch, warum denn das? Bleiben halt mehr für mich... :D


    :hello:
    Thomas

    Da freute sich der Hase:
    "Wie schön ist meine Nase
    und auch mein blaues Ohr!
    Das kommt so selten vor."
    - H. Heine -

  • Lieber Pius,


    den Bruckner besitze ich selbst, habe ihn allerdings seit Jahren nicht mehr gehört- einen tiefgehenden Eindruck hat die CD seinerzeit nicht hinterlassen. Gekauft hatte ich sie ursprünglich um meine Requiemsammlung zu kompletieren.


    Wenn mich meine Erinnerung nicht täuscht: Erwartet man hier eine düster prachtvolle Totenmesse a´la Berlioz oder Verdi dürfte man enttäuscht werden, das Requiem ist ein vergleichsweise frühes Werk (ich habe die Aufnahme gerade nicht zur Hand).


    Musikalisch interessanter sind die Psalmenvertonungen. Das ist noch nicht der Bruckner wie aus den späteren Messen. Aber ich würde interessieren, wie Deine Eindrücke ausfallen!


    Herzliche Grüße,:hello: :hello:


    Christian

    Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen! (Cato der Ältere)

  • Hallo Thomas!


    Zitat

    Original von salisburgensis


    Huch, warum denn das? Bleiben halt mehr für mich... :D


    Ein Sammler-Spleen (Klavierquintette) reicht mir, zumal mein CD-Regal arg voll ist. Das heißt ja nicht, daß ich keine weiteren kennenlernen möchte, sondern nur, daß ich nicht mehr alles anschaffe, wo "Requiem" draufsteht.


    Das Requiem von Richafort habe ich übrigens gekauft, da Du es in Deinen "Unverzichtbaren" empfohlen hattest. Ich würde mich freuen, wenn Du diese Reihe fortsetzt, denn auf Deine Empfehlungen dort konnte ich mich schon mehrfach verlassen.
    Es ist ein würdiges Requiem für den großen Josquin (der aber nicht Richaforts Lehrer war, oder?), das ich ebenfalls jedem Renaissancemusikfreund empfehlen kann.


    Viele Grüße,
    Pius.

  • Hallo Christian!


    Zitat

    Original von Caesar73
    den Bruckner besitze ich selbst, habe ihn allerdings seit Jahren nicht mehr gehört- einen tiefgehenden Eindruck hat die CD seinerzeit nicht hinterlassen. Gekauft hatte ich sie ursprünglich um meine Requiemsammlung zu kompletieren.


    Wenn mich meine Erinnerung nicht täuscht: Erwartet man hier eine düster prachtvolle Totenmesse a´la Berlioz oder Verdi dürfte man enttäuscht werden, das Requiem ist ein vergleichsweise frühes Werk (ich habe die Aufnahme gerade nicht zur Hand).


    Zum Glück klingt das Bruckner-Requiem nicht nach Berlioz. :D
    Nach Bruckner klingt es allerdings auch nicht.
    Hauptsache, es klingt schön.
    Auch wenn es sicher keine der bedeutenden Requiem-Vertonungen der Musikgeschichte ist.


    Viele Grüße,
    Pius.

  • Zitat

    Original von Pius



    Also, das ist eines meiner Lieblings-Requien...von hinten.
    Von der Entstehungszeit her sollte es mir ja eigentlich musikalisch passen - aber das ist einfach schlecht komponiert... mir fällt keine andere Beschreibung ein. :no:


    Mein harsches Urteil gegen Vogler muß ich doch ein wenig zurücknehmen.
    Das Werk gefällt mir weiterhin nciht wirklich, es ist inhomogen, und manche Stellen finde ich "gegen den Strich" vertont (also so, wie ich es für ein Requiem nicht haben möchte). Wenn man sich aber nicht ganz auf die Mängel versteift, wird man auch manch schöne Passage entdecken.
    Einiges am mangelhaften Eindruck ist wohl auch den Interpreten geschuldet.


    Viele Grüße,
    Pius.

  • Hallo, liebe Requien-Freunde,


    neben dem Mozart- und Brahms-Requiem habe ich natürlich auch die Requien von Verdi, Dvorak, Berlioz, Duruflé und Fauré in meinem Bestand, teils sogar in mehrfacher Ausfertigung.
    Das Requiem von Verdi habe ich sogar noch am Samstag in einer grandiosen Aufführung in der Berliner Philharmonie erleben dürfen mit den Berliner Philharmonikern unter Mariss Jansons und dem überragenden Chor des Bayerischen Rundfunks. Das war fürwahr ein mehr als angemessenes Konzert zur Fastenzeit.
    Das Fauré-Requiem durft ich sogar vor mehreren Jahren schon (als Chortenor) mit aufführen, es war damals ein tiefes Erlebnis. Es ist eine wunderbare, sphärische Musik, ganz anders als die dramatischen Requein von Mozart und Verdi. Aber jedes Requiem der o.a. Komponisten ist auf seine Art einzigartig.


    Liebe Grüße


    Willi

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Hallo,


    1. Ich habe mir diesen Thread durchgelesen und beziehe mich mit meiner Stellungnahme auf einen Beitrag von "romeo&julia" vom 20.11.2006 (= Nr. 80), da diese Sichtweise m. E. bei allen anderen Beiträgen viel zu wenig berücksichtigt wurde. Das gilt, soviel ich sehen konnte, auch für Requiem "Mozart + Brahms" und für den Thread "Faure Requiem".
    Wegen der Vielzahl der Beiträge verzichte ich darauf, besonders herausragende Stellen zu zitieren - bei Interesse kann dies jeder Leser für sich selbst nachvollziehen.





    2. Ich weiß, dass ich mich mit der Stellungnahme zu diesen Fragen damit auf sehr dünnes Eis begebe, da Fragen dieser Art im Forum nicht erwünscht sind. Wenn im Forum allerdings "kirchliche Werke" besprochen/ zur Diskussion gestellt werden, kann man um die o. g. Fragen keinen großen Bogen machen, da die Intention der Werke und deren Interpretation unlösbar damit verknüpft sind.


    3. Es wird sich also nicht vermeiden lassen, dass ich viele meiner folgenden Aussagen in "…" setzen muss (und damit der Leser ein weites, sein eigenes Interpretationsfeld hat!) um möglichen Beanstandungen der Forenleitung keinen Anlass zu geben.


    4. Ob und in welcher Form die Macht/Kraft des Universums für den Menschen nach seinem Erdenleben ein Weiterleben vorsieht, wird für den Menschen unerfindlich bleiben, genauso wenig wie "Gott" mit dem uns gegebenem Vorstellungsvermögen für uns erfassbar/beschreibbar ist. Das bedeutet, dass alle - also nicht nur Requiem - mit der Kirche oder einer monotheistischen Religion im Zusammenhang stehenden Schriften und musikalischen Werke rein menschliche Vorstellungen beinhalten und es einer Gewichtung bei der Interpretation (Text + Musik) bedarf, sind nun kirchliche, religiöse oder gläubige Vorstellungen vorrangig berücksichtigt. (Die darstellenden Künste natürlich inbegriffen; hat da der Islam mit seinem Bilderverbot etwas "begriffen"? - gehört aber nicht hierher.)


    5. Dabei muss mir immer bewusst bleiben: "Ich befasse mich da mit etwas, was mit meinen menschlichen Möglichkeiten nicht erfassbar/begreifbar ist und alle textlichen - und damit zusammenhängend musikalischen - Äußerungen können nur Bilder, Gleichnisse, Metaphern sein, um mir mit meinen eingeschränkten menschlichen Möglichkeiten etwas Näher zu bringen, was für mich wichtig ist/sein kann, dessen letzte Erkenntnis mit aber immer verborgen bleiben wird."





    6. Zurück zum Requiem:
    Auf die zeitlichen, kirchlichen Zusammenhänge in Nr.80 darf ich verweisen. Es gibt natürlich auch noch soziale, gesellschaftspolitische Zusammenhänge, die, je näher unserer heutigen Zeit, sich von kirchlicher Sichtweise lösen können.

    7. Um der kirchlichen Autorität das nötige Gewicht zu verschaffen, war es erforderlich, den Kirchenanhängern eine ganz bestimmte Vorstellung vom "Leben nach dem Tod" zu vermitteln - Ablasshandel, die andere "Konfession" war da aber, mit anderen Mitteln, kräftig weiter beteiligt.


    8. Um das Streben nach der "ewigen Seligkeit" tatsächlich erstrebenswert zu machen, musste dieser "Zustand" in bestmögliche Vorstellungen gekleidet werden; umgekehrt musste das Nichterreichen dieses Zieles (mit allen denkbaren menschlichen Bemühungen und Versagen), "die ewige Verdammnis", in den nur denkbar schlechtesten Farben ausgemalt werden (dabei fehlt bei der anderen "Konfession" zwar das "Fegefeuer u. ä.", aber "durch Glauben allein" ist es nur eine andere Form des Dilemmas).


    9. Es kann z. B. für den Menschentyp "Luftikus" unter kirchlicher Sicht sinnvoll sein, dass er sich z. B. ein Werk wie "Jedermann" zu Gemüte zu führen oder sich "Dies Irae" (Berlioz!) in aufrüttelnder Musikinterpretation anzuhören. Für den gegenteiligen Menschentyp mag die Vorstellung hilfreich sein, "der gnädige Gott bewertet" sein Erdenleben aus einer für ihn nicht vorstellbaren Sicht und er kommt deshalb nur "zurück", weswegen der "strafende/rächende Gott" für ihn keine Lebenshilfe ist/sein kann, er wird sich an z. B. Faure "erbauen".


    10. Unter der Voraussetzung von 5. können Aussagen den Tod betreffend besonders emotionsgeladen sein - "meine (geliebte) Existenz endet und was kommt dann…das christliche Heilsversprechen ist letztlich für mich nicht fassbar/begreifbar - es bleibt ein Vakuum - was ich nur mit Gottvertrauen füllen kann". Dies berücksichtigend ist nur logisch, dass 8. + 9. viel mit Emotion zu tun hat.


    11. Wer sich aber die Bergpredigt und insbes. die Seligpreisungen durch liest, wird keine Emotionen (oder Gefühlsduselei wie in manchem Requiem) finden. Gleiches gilt für viele Stellen der Bibel, insbesondere für die "Wunder", wo auf, für die damaligen Verhältnisse, sehr anschauliche Weise, weil aus dem praktischen Leben entnommen, Einsichten, Erkenntnisse vermittelt werden mit der Aufforderung, die persönlichen Konsequenzen für sich zu ziehen.


    12. Konsequenz für mich: Es gibt für jeden Menschen das "passende" Requiem, aber ich bin mir im Klaren darüber, dass hier irdische Vorstellungen in Töne gesetzt werden, die mich erbauen, aber meinen Verstand nicht lahm legen sollten/können. Dabei höre ich Musik, an der ich mich emotional und rational erfreuen kann, die aber für mich mit christlicher Gläubigkeit sehr wenig zu tun hat.



    Herzliche Grüße
    zweiterbass

    Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler

  • Lieber zweiterbass


    Danke für deine wertvollen Gedanken zu diesem thread. Menschen zu allen Zeiten beschäftigten sich mit dem Tod, der letzlich ein Geheimnis bleiben muss.


    Was der Hörer den Kompositionen entnehmen will, muss immer dem Hörer überlassen werden.


    Ich habe mir die Mühe gemacht eine Liste der in diesem Thread erwähnten Requien zu erstellen. Ich wollte meine CD-Sammlung nach den genannten Aufnahmen durchforsten und mich über mir noch unbekannte Werke informieren. Diese Komponisten wurden von den Tamino-Usern erwähnt:


    Giovanni Francesco Anerio: Requiem
    Osvaldas Balakauskas: Requiem in memoriam Stasys Lozoraitis
    Hector Berlioz: Grande Messe des Morts op. 5
    Heinrich Ignaz Franz von Biber: Requiem a 15 in Concerto in A-Dur; Requiem in f-moll;
    Johannes Brahms Ein Deutsches Requiem op.
    Joao Domingos Bomtempo: Requiem c-moll op. 23
    Alexander Borodin: Requiem
    Benjamin Britten: War Requiem; Sinfonia da Requiem;
    Anton Bruckner: Requiem
    Garvin Bryars: Cadman Requiem
    André Campra: Requiem
    Eustache du Caurroy: Requiem des rois de France
    Luigi Cherubini: Requiem in c-moll; Requiem in d-moll;
    Frederick Delius: Requiem
    Marc-Antoine Désaugiers: Requiem
    Maurice Duruflé: Requiem op. 9
    Antonin Dvorak: Requiem op. 89
    Joseph Leopold Edler von Eybler: Requiem in c-moll
    Gabriel Fauré: Requiem op. 48
    Lubus Fiser: Requiem
    Thomas Fortmann: Requiem
    John Foulds: A World Requiem
    Johann Joseph Fux: Requiem
    Jean Gilles: Requiem
    Sandro Gorli: Requiem
    F. J. Gossec: Grande Messe des Morts
    Charles Gounod: Requiem op. postum
    Francisco Guerrero: Requiem
    Heinichen: Requiem
    Hartmann: Sinfonie Nr. 1, Versuch eines Requiems
    Johann Adof Hasse: Requiem
    Joseph Haydn: zwei Dutzend Requiem unter Hoboken Verzeichnis XXIIa
    Michael Haydn: Requiem
    Charles d’Helfer: Requiem
    Paul Hindemith: For those we love
    Herbert Howells: Hymnus Paradisi
    Karl Jenkins: Requiem
    Nicolo Jommeli: Requiem
    Joseph Martin Kraus: Requiem d-moll
    Franz Lachner: Requiem in f
    György Ligeti: Requiem
    Andrew Lloyd Webber: Requiem
    Alonso Lobo: Requiem
    Duarte Lobo: Requiem
    Antonio Lotti: Requiem
    Olivier Messiaen: Et exspecto resurrectionem mortuorum (nicht der lateinische Requiem-Text)
    Christobal de Morales: Requiem
    Wolfgang Amadeus Mozart: Requiem, KV 626
    Johannes Ockeghems: Requiem-Sequenz
    Giovanni Pierluigi da Palestrina: Missa pro defunctis
    Ignaz Pleyel: Requiem
    Zbigniew Preisner: Requiem for a Friend
    Krzzysztof Penderecky: Polnisches Requiem
    Max Reger: (Lateinisches) Requiem op. 144 b
    Jean Richafort: Requiem
    Antonin Rejcha: Requiem
    Ropartz: Requiem
    Pierre de la Rue: Requiem
    John Rutter: Requiem
    Camille Saint-Saens: Requiem
    Alfred Schnittke: Requiem
    Robert Schumann: Requiem für MignonFranz von Suppé: Requiem
    Giovanni Sgambati: Messa da Requiem
    Charles Villiers Stanford. Requiem
    Franz Xaver Süssmayr: Deutsches Requiem SmWV104
    Franz von Suppé: Requiem in f
    Pierre Tabart: Requiem
    Giuseppe Verdi, Requiem; Messa per Rossini (Gemeinschaftskomposition)
    Georg Joseph Vogler: Requiem
    Kurt Weill: Berliner Requiem
    Richard Wetz: Requiem op. 50
    Bernd Alois Zimmermann: Requiem für einen jungen Dichter


    Doch es geht noch doller! Unter diesem Link


    http://www.requiemsurvey.org/


    sind 3046 Komponisten mit 4931 Requiem-Vertonungen zu
    finden. Er gibt erschöpfend Auskunft über alles, was mit der Vertonung des
    Requiem-Textes zu tun hat.

    .

    Knochen sind Bausteine. Sie bedeuten nicht den Tod, aber fallen ohne Fleisch auseinander.

    Enno Poppe

  • Was der Hörer den Kompositionen entnehmen will, muss immer dem Hörer überlassen werden.


    Lieber moderato,


    da stimmen wir völlig überein; mir ging es vor Allem, den Beitrag Nr. 80 zu ergänzen.

    und beziehe mich mit meiner Stellungnahme auf einen Beitrag von "romeo&julia" vom 20.11.2006 (= Nr. 80), da diese Sichtweise m. E. bei allen anderen Beiträgen viel zu wenig berücksichtigt wurde.


    Viele Grüße
    zweiterbass

    Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler

  • Lieber moderato (137),


    in deiner dankenswerten Aufzählung hast du die "Musikalischen Exequien" von Heinrich Schütz vergessen (ist überhaupt keine Kritik jetzt), die auch genannt wurden. Mir fällt das besonders auf, weil es mein Lieblingsrequiem ist, das ich mehrfach in meinem alten Vokalensemble gesungen habe. Das Besondere an unseren Aufführungen war, dass wir auf Solisten verzichtet haben und alles selbst gesungen haben, zur Not zu zweit. Damit haben wir eine Geschlossenheit erreicht, die das Stück sonst nicht immer hat. Besonders an diesem Requiem ist natürlich auch, dass es in protestantischer Tradition komponiert ist (das nächste große in dieser Tradition ist schon Brahms), dazu absolut auf den Text, wie immer bei Schütz.

    Johannes Kahrs (SPD) tritt zurück. Die Lücke, die er hinterlässt, wird ihn vollständig ersetzen (anon.)

  • Einwurf eines Nicht-Lateiners: "Requien" geht gar nicht...! Auf "Requiems" würde ich mich mit durch den Plural nach deutscher Grammatik noch einlassen. Aufwendiger, aber schöner natürlich: Requiem-Aufnahmen, -Vertonungen, -Einspielungen etc.


    [An anderer Stelle könnte man ja einen Quatsch-Thread für unmögliche Pluräler eröffnen: hinein kommen die Requien, die Stabat matern, Sanctusse, Sanctussen, Sancti, der "Gesang der Donanobis-Pa(r)cen", und natürlich die außermusikalischen Stati, Globusse u.v.a.m.] OT Ende

    "Das Thema, welches die Pauke zuletzt hat, findet gewiß keiner heraus!" (Gustav Mahler)

  • Lieber Accuphan
    Es bestehen verschiedene Möglichkeiten, den Plural des Wortes "Requiem" zu bilden: die von dir bevorzugte Form "Requiems" oder dein eleganter Vorschlag "Requiem-Vertonungen" sowie die von mir benutzte Mehrzahlform, die in Österreich auch benutzt werden darf "Requien". Es sind also beide Pluralformen möglich.


    Lieber dr. pingel
    Als ich den thread mir durchgelesen hatte, zögerte ich die "Musikalischen Exequien" von Heinrich Schütz zu nennen, weil ich mir nicht sicher war, ob der lateinische Requiem-Text verwendet wurde. Als ich bei anderen Vertonungen, die in diesem thread genannt wurden, vor dem gleichen Problem stand, habe ich diese Kompositionen dennoch in die Liste aufgenommen. Ich hoffe, du kannst mir meine Inkonsequenz nachsehen. Nachdem ich mich schlau gemacht habe, hier die ergänzenden Angaben zu den Texten, die Schütz verwendet hatte.


    Musicalische exequien op. 7 (1636), für Vokalsolisten & Continuo. Komponiert für das Begräbnis von Heinrich Posthumus von Reuss, Prinz von Thüringen, der am 3. Dezember 1635 verstarb
    1 "Nacket bin ich vom Mutterleibe kommen" SWV 279
    2 "Herr, wenn ich nur dich" SWV 280
    3 "Herr nun lässest du deinen Diener" SWV 281

    .

    Knochen sind Bausteine. Sie bedeuten nicht den Tod, aber fallen ohne Fleisch auseinander.

    Enno Poppe

  • Von John Tavener zwei Requiems



    Requiem for Father Malachy
    King's Singers, Nash Ensemble



    Requiem
    Elin Manahan Thomas, Andrew Kennedy, Josephine Knight


    Royal Liverpool PO
    Vasily Petrenko

    Knochen sind Bausteine. Sie bedeuten nicht den Tod, aber fallen ohne Fleisch auseinander.

    Enno Poppe


  • Nach dem 'Überflug' über diesen Thread wurde mir klar, dass auf das Requiem in g-moll von Domenico Cimarosa noch nicht entschieden genug hingewiesen wurde. Das Werk wurde von Cimarosa im Dezember 1787 begonnen, als ihn wenige Tage nach seiner Ankunft in St. Petersburg die Nachricht vom Tode der Herzogin von Serra Capriola, der Gattin von Cimarosas Förderer, erreichte.


    Das Werk ist wenig von äußerlicher Dramatik geprägt, es ist deutlich ruhiger als etwa die Requien von Mozart oder Michael Haydn. Und dennoch: die größere Getragenheit und Ruhe von Cimarosas Beitrag zur Gattung der Totenmesse macht es auf keinen Fall langweilig. Es beinhaltet viele schöne Melodien, ganz innigliche Stellen, die mir das Herz aufgehen lassen; z. B. aus dem "Offertorium" (Track Acht der CD, die Textstelle "Libera eis de ore leonis, ne absorbeat eas Tartarus". Oh, Himmel, ist das traurig-schön!


    Die oben gezeigte Aufnahme mit Elly Ameling (Sop.), Birgit Finnilä (Alt), Richard van Vrooman (Ten.), Kurt Widmer (Bass), dem Choeur du Festival de Montreux und dem Orchestre de Chambre de Lausanne unter der Leitung von Vittorio Negri (September 1968 ) scheint die einzig vernüftige Einspielung zu sein. Sie ist aus jedem aktuellen Katalog gestrichen, doch über amazon in unterschiedlichen Ausgaben alter PHILIPS-Mid-Price-Reihen aus den späten 80ern und den mittleren 90ern für einen guten Preis zu haben.


    Vittorio Negris Stil mag heute auch etwas überholt sein, sehr breite Tempi, teilweise ziemlich romantisierend 'dick aufgetragen', doch holen alle Beteiligten aus dem damals noch üblichen Interpretationsstil das Beste auf sehr hohem Niveau heraus. Das hat schon Klasse.


    Also, nur Mut, traut euch an Cimarosa heran,


    Garaguly

  • Ausnahmsweise kann ich auch mal von einem "Live"-Erlebnis berichten, denn im Sommer 2009 wurde in unserer Stadt, in unserer Kirche Verdis "Requiem" aufgeführt.


    Der Kantor der Kirche dirigierte die Baltische Philharmonie Danzig, zusammen mit dem Bach-Chor an St.Nikolai zu Stralsund.
    Die vier Solisten waren :
    Manuela Uhl, Sopran
    Regina Jakobi, Alt
    Felipe Rojas-Velozo, Tenor
    Andreas Schmidt, Bass


    Ich war mit einer Freundin da. Es war ein sehr heißer Tag, umso schöner war es im kühlen Kirchenraum. Damals hörte ich direkt noch kaum Klassik, es war erst so alles im Schwange, aber diese Gelegenheit wollte ich mir nicht entgehen lassen, wo sowas sonst kaum hier stattfindet.
    Die Wirkung dieser Musik und des Gesang in dieser Umgebung (unter einem fast 100m hohem Kirchengewölbe) war atemberaubend. Ich war völlig fasziniert und für die Zeit über total in einer anderen Welt. Hätte ich noch einen Platz in der Mitte ergattert, statt auf dem Seitenschiff, es wäre auch klangtechnisch wohl noch besser gewesen.
    Kurz danach habe ich mir das Werk auch sofort auf CD besorgt.

    "Die Glücklichen sind neugierig."
    (Friedrich Nietzsche)

  • Meine Hitliste:


    Tomás Luis de Victoria, Missa pro defunctis (1605)


    Eustache Du Caurroy, Requiem des rois de france (Missa pro defunctis, 1606)


    Antoine de Févin, Requiem d´Anne de Bretagne (Missa pro defunctis, ca. 1514)


    Das war noch Musik ...


    :hello:

    Zerging in Dunst das heilge römsche Reich


    - uns bliebe gleich die heilge deutsche Kunst!

  • Die Wirkung dieser Musik und des Gesang in dieser Umgebung (unter einem fast 100m hohem Kirchengewölbe)...


    Nu, das dürfte ein klitzekleinwenig übertrieben sein...


    ;)

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • Nu, das dürfte ein klitzekleinwenig übertrieben sein...


    ;)


    Wikipedia schreibt dazu:


    Die St.-Nikolai-Kirche in Stralsund ist die älteste der drei großen Pfarrkirchen der Hansestadt Stralsund. Sie wurde im Jahr 1276 erstmals urkundlich erwähnt. Ihren Namen erhielt die Kirche am Alten Markt nach Nikolaus von Myra, dem Schutzheiligen der Seefahrer.


    Die Kirche ist mit 103 Metern (Südturm) etwas kleiner als die Marienkirche am Neuen Markt. Ihre Gesamtlänge beträgt 87 Meter, die Höhe des mittleren Kirchenschiffs 29 Meter. Die beiden Seitenschiffe sind nur halb so hoch. Im gleichen Längenverhältnis stehen die Breite des Mittelschiffes mit ca. 13 Metern zur Breite der Seitenschiffe.


    :hello:

    Einer der erhabensten Zwecke der Tonkunst ist die Ausbreitung der Religion und die Beförderung und Erbauung unsterblicher Seelen. (Carl Philipp Emanuel Bach)

  • ..., die Höhe des mittleren Kirchenschiffs 29 Meter. Die beiden Seitenschiffe sind nur halb so hoch.


    Nun, zwischen 29m und "fast 100m" sehe ich doch einen kleinen Unterschied.... ;)


    Kann man übrigens aus der Tatsache, dass der Chor von Stralsund sang, schließen, dass es auch in dieser Kirche stattfand? SuW schrieb, dass sie in der Nähe der polnischen Grenze wohne, und davon ist Stralsund eigentlich doch ein wenig entfernt...

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • Nun, ich war mindestens dreimal in St. Nikolai zu Stralsund und kann mir gut vorstellen, dass da einem beim Verdi-Requiem im "Dies irae" die Ohren wegfliegen, wenn die Trompeten aus vier Ecken loslegen ... auch bei "nur" 29m Höhe.


    Tolle Kirche! Auch das ganze Ensemble mit dem Rathaus ist beeindruckend.


    Die interessanteste Orgel (Stellwagen) steht freilich in St. Marien. Daselbst im vergangenen Jahr gekauft:



    Manche CDs haben ihre Geschichten. Das wäre doch auch mal ein Thread ...


    :hello:

  • Um das Missverständnis aufzuklären...ich habe das Konzert nicht in Stralsund miterlebt (wurde dort aber auch aufgeführt), sondern in meiner Heimatstadt...der Kirchturm ist 92m hoch, okay das Kirchengewölbe selbst nicht, da weiß ich's nicht genau Wen es interessiert, lese zur Kirche hier :http://de.wikipedia.org/wiki/S…omaei-Kirche_%28Demmin%29
    Mein Kommentar, ich lebe "Ausfahrt Polen" war natürlich etwas scherzhaft gemeint...es sind schon noch mindestens 2 Stunden bis zur Grenze.
    Aber ich find's gut, wolfram, dass dir die Stralsunder Kirche plus Rathaus so gut gefallen...Stralsund hat insgesamt eine sehr schöne Innenstadt, da bin ich immer wieder gern.

    "Die Glücklichen sind neugierig."
    (Friedrich Nietzsche)