Von alla turca zu 1001 Nacht - Der Orient in der Musik

  • schon sehr früh begann die abendländische musik, elemente der türkischen oder - weiter gefaßt - der orientalischen musik aufzunehmen, zu verarbeiten, zu parodieren, wobei der 'orientalismus' im 19. jhd. vor allem in der französischen und russischen musik einen klanggewaltigen höhepunkt erreichen sollte.


    symphonische werke, lieder, ganze opern widmen sich dem reiz des fremden, erotische motive - mehr oder weniger verhüllt - standen wie in der malerei und der literatur neben dem eindruck des faszinierenden, fremden, sehnsuchtsvoll betrachteten im mittelpunkt.


    sicherlich ein thema, das eine intensive beschäftigung erfordert.


    deshalb nicht nur die frage, welche werke gefallen euch, sondern vielleicht auch einige musiksoziologisch und -historische betrachtungen.


    :hello:

  • Natürlich die Entführung an allererster Stelle (Konstanze, dich wiederzusehen.....siehe Ohrwurmtheorie)
    und


    2. L'italiana in Algieri


    habe ich zwar "nur" an der Volksoper gehört/gesehen, aber das war ein wunderschönes Erlebnis.


    im 18./19. Jahrhundert war türkisch 'tres à la mode' - Malerei, Architektur - es gab türkisch eingerichtete Salons, auch Kronprinz Rudolph hatte einen.


    Deshalb auch der Niederschlag in der Musik, besonders in den italienischen Opern. Aber auch Mozarts - Rondo "alla turca" oder Haydn's Militärsinfonie lassen unüberhörbar türkische Töne einfliessen.

    WHEN MUSIC FAILS TO AGREE TO THE EAR;
    TO SOOTHE THE EAR AND THE HEART AND SENSES;
    THEN IT HAS MISSED ITS POINT
    (Maria Callas)

  • ... eine hübsche Ergänzung zum Thema wäre evtl. auch dieser Thread hier, der das Ganze quasi aus der musikalischen Sicht "vor Ort" zu beleuchten versucht... :hello:


    Die Einbeziehung der Originale der auf europäischer Seite so häufig ausschließlich nach typisch abendländischen Vorstellungen vertonten orientalischen Sujets gibt einem eine ganz neue Sichtweise auf das ganze "Alla turca"-Geklingel des 18. und frühen 19. Jahrhunderts.


    Ich fand es sehr erhellend, hier ein paar Hörerfahrungen machen zu können.

    "Es ist mit dem Witz wie mit der Musick, je mehr man hört, desto feinere Verhältnisse verlangt man."
    (Georg Christoph Lichtenberg, 1773)

  • Salut,


    Mozarts "Entführung" ist für mich am wenigsten türkische Musik, auch wenn man die Einschränkung auf sogenannte programmhafte Janitscharenmuik einbezieht. Mozarts 'alla turca' hat ebenso viel/wenig mit türkischer Musik zu tun, wie Haydns 'all ongarese' mit Ungarn.


    Hier noch ein paar Ergänzungen:


    1683 - Beginn der Türkenoper?


    Musik im Osmanischen Reich


    Die Wiener Feinbäcker übrigens sollen - der Anekdote folgend - durch ihr beruflich bedingtes Frühaufstehen bemerkt haben, dass unsere künftigen EU-Mitglieder und dereinstigen Befürworter des Türko einen Tunnel unter der Stadtmauer graben. Dadurch konnte die selig schnarchende Verteidigung rechtzeitig informiert und zum siegreichen Handeln bewegt werden. Zu Erinnerung an diesen glückhaften Vorfall haben die Feinbäcker ein sichelförmiges Gebäck entwickelt, an dem sogar Marie-Antoinette derart Gefallen fand, dass sie es sogleich in Versailles etablierte und zärtlich Croissant nannte. Dies frz. Wort bedeutet "Mondsichel" und bezieht sich auf die türk. Flagge bzw. "zunehmen" und bezieht dann eher auf Marie-Antoinette.


    :hello:


    Ulli

  • Die Oper entstand nach einem Drama des Leipzigers Christoph Friedrich Bretzner, der sich folgend äusserte:


    "Ein gewissen Mensch namens Mozart in Wien hat sich erdreistet, mein Stück 'Belmont und Constanze' zu einem Operntext zu missbrauchen!"


    Mozart verwandelte Belmonte in seiner Oper in den Sohn von Selims ärgstem Feind, und das ist ein Zeichen seiner Humanität. Selim Bassa wurde somit zum Vorläufer Sarastros. Bedenke man auch die damalige Zeit: Die Türkenbelagerung war noch nicht vergessen und die 'Osmanen' wurden als blutrünstige Ungeheuer dargestellt. Gegen diese Tendenz kämpfte Mozart ganz bewusst an, und er hatte auch einen Verbündeten: Josef II., ein sozialer, fortschrittlich denkender, toleranter Kaiser.


    Selim Bassa ist zwar nur 'Halb'-Osmane, immerhin ein Zugeständnis an den damaligen Zeitgeschmack.

    WHEN MUSIC FAILS TO AGREE TO THE EAR;
    TO SOOTHE THE EAR AND THE HEART AND SENSES;
    THEN IT HAS MISSED ITS POINT
    (Maria Callas)

  • Zitat

    Original von nala
    Mozart verwandelte Belmonte in seiner Oper in den Sohn von Selims ärgstem Feind, und das ist ein Zeichen seiner Humanität.


    Hallo Nala,


    Höre Dir jedenfalls mals Mozarts frühere Oper "Zaide" an und beschäftige Dich mit dem Libretto. Dann siehst Du viele Parallelen zur Entführung.


    LG, Paul

  • danke Paul für den Hinweis, am liebsten höre ich
    "Ruhe sanft, mein holdes Leben"
    Kiri te Kanawa

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    (Maria Callas)

  • Salut,


    die Zaide ist aber noch weniger "türkisch", als wie die Entführung... :wacky:


    Wie wär's mal mit echt-orientalischer Musik aus dem 17./18. Jahrhundert... DAS groovt. Hat sich auch bis heute kaum verändert - die wissen eben, was gut ist, die Döneriden.


    :D


    Güle-Güle
    Ülly

  • nun, orient par excellence wird natürlich in rimskij-korsakoffs sinfonischem meisterwerk 'sheherazade' dargestellt.
    eine kaum noch zu überbietende instrumentationskunst trägt dazu bei, die vier episoden aus '1001 nacht' klangprächtig und -mächtig zu gehör zu bringen.
    :jubel: :jubel: :jubel:

  • Zitat

    Original von Siegfried
    Allen, die sich darüber streiten, was denn nun türkische Musik ist und was nicht, empfehle ich einen Bummel durch den Basar von Istanbul.


    Du meinst die bis auf Anschlag gedrehten und dadurch verzerrten undefinierbaren Klänge, die aus billigen Kassettenrekordern schallen? :D

  • einen impressionistisch und intellektuell abgeklärten orientalismus findet man natürlich in einem meiner absoluten lieblingsstücke: ravels 'sheherazade' für sopran und orchester. schönere musik gibt es m.e. kaum. davon zeugen auch meine glaub ich nun 14 einspielungen. ;) aber eine ideale habe ich immer noch nicht gefunden ;(


    :hello:

  • Neben den Exotismen der klassischen Musikepoche und den Ausflügen in den Orient im 20. Jahrhundert sollten wir die Romantik nicht vergessen.
    Daher möchte ich hier Robert Schumann ansprechen.


    "Das Paradies und die Peri" für Soli, Chöre und Orchester war zu Lebenszeiten des Komponisten neben seiner ersten Sinfonie das am meisten aufgeführte Werk. Jetzt hat sich die Situation geändert. Im Mittelpunkt des öffentlichens Interesses stehen die Klavierwerke, die anfangs nur wenig bekannt waren, während die Peri eher eine Randexistenz im Konzertleben hat. Schumann kannte bereits mit 19 "die bedeutendsten Dichter "ziemlich aller Länder". Es ist so gut wie sicher, dass er Thomas Moores Versepos "Lalla Rookh" (1817) längst kannte, als es ihm der Zwickauer Lehrer Emil Flechsig am 4. August 1841 erneut nahebringen wollte.


    (zu Schumanns Vorkenntnis von Moores Dichtung und zur Entstehung des Librettos siehe:


    Gerd Nauhaus: Schumanns Das Paradies und die Peri. Quellen zur Entstehungs-, Aufklärungs und Rezeptionsgeschichte. In: Mayeda, Akio und Niemoeller, Klaus Wolfgang: Schumanns Werke - Text und Interpretation... Mainz, Schott, 1987, Seite 134 - 136.)


    Das Werk greift die dritte Episode jener Erzählungen auf, die in "Lalla Rookh" ein persischer Prinz unerkannt seiner Braut erzählt, um ihr Herz zu gewinnen.
    Eine Peri (ein Zwischenwesen, das etwa den europäischen Nixen und Elfen vergleichbar ist) wird aus dem Paradies verwiesen. Der Zutritt werde ihr erst wieder gewährt, wenn sie "des Himmels liebste Gabe" herbeibringe. Ihre ersten zwei Versuche unternimmt sie mit dem Blut eines Kriegers, der in der Schlacht gefallen ist, und dann mit den Tränen eines Mädchens, das mit seinem Geliebten in den Tod geht. Erfolgreich erweist sich allerdings erst der dritte Versuch, wo sie die Tränen der Reue eines Sünders zu den Pforten des Paradieses bringt. :angel: :angel::angel:


    Schumann schildert klangkoloristisch die Landschaften Syriens und das dramatische Geschehen, allerdings ohne typische, orientalisierende Stilmittel einzusetzen. Die Charakterisierung der Personen und die Idee des Erlösungsmythos schienen ihn stärker interessiert zu haben.


    Am Anfang war "Das Paradies und die Peri" ungemein erfolgreich. Nach den Aufführungen am 5. Dezember und am 11. Dezember 1843 in Leipzig gab es überschwängliche Rezensionen in den Leipziger Zeitungen. Das Leipziger Tageblatt und Anzeiger schrieb von "einem Werk, dessen hohe Genialität eine große Bewegung im musikalischen Bewusstsein der hiesigen Künstler in einem Grade in Anspruch genommen hat, wie uns in der Tat seit geraumer Zeit nicht mehr vorgekommen."


    Hermann Krigar lobte am 17. Februar 1847 in seiner Rezension der Aufführungen der Berliner Singakademie Schumann dafür, dass er "es wagte, trotz Pfaffen und Pietisten, das Oratorium von seinem herkömmlichen Inhalte, einer pietistisch-christlich-jüdischen Unterlage, und von der strengen Psalmodie apostolischer Fanatiker und gefangener Juden zu säubern." :no:Es sei ein Werk "nicht für den Betsaal - sondern für heitre Menschen." ?(
    (Nauhaus, s.o., S. 144-145)


    Unbedingt anzumerken ist an dieser Stelle, dass der von den Schumanns am meisten verehrte zeitgenössische Komponist Felix Mendelssohn-Bartholdy war.

  • Liebe Forianer,


    Mich erreichte heute ein Leserbrief, den ich Euch nicht vorenthalten möchte.
    Da das Unterforum "Leserbriefe" nicht so frequentiert war wie vermutet, wurde es ja geschlossen - Daher hier an dieser Stelle:


  • Ich bin beeindruckt! :jubel::jubel:


    Ein Leserbrief.... wow!


    Dank an Herrn Akaoglu :hello: - für den Buchtipp (klingt interessant) und die Sache mit dem Viktualienmarkt (klingt logisch :D )

    "Es ist mit dem Witz wie mit der Musick, je mehr man hört, desto feinere Verhältnisse verlangt man."
    (Georg Christoph Lichtenberg, 1773)

  • Zitat

    Original von MarcCologne
    und die Sache mit dem Viktualienmarkt (klingt logisch :D )


    Klar. Die Türken sind ja alle bei Aldi. Wie sollen sie da auf dem istanbuler Bazar musizieren? :stumm: ...die Sache klingt nicht logischer, als die realen tangotönenden Akkordeons auf dem Strasbourger Münsterplatz oder die [tatsächlich] museumsreifen Kassettentapes auf dem Marktplatz in Varna.


    Ich möchte als durchaus türkophiler Mitmensch das Buch "Die blaue Reise und andere Geschichten aus meiner deutsch-türkischen Familie" von Iris Alanyali empfehlen:



    Nur von Geschäften mit den Nachfahren von Osmin nehme ich wegen unterschiedlicher Auffassungen seit langem freundlich dankend Abstand.


    :hello:


    Ulli

  • Vielen Dank an Herrn Akaoglu. Das Buch von Kurt und Ursula Reinhard gehört jetzt mit zu meinen guten Vorsätzen für das Neue Jahr bzw. zu den geplanten Lese-Aktivitäten. Mal sehen. ob`s klappt. Allerdings scheint auch das von Ulli empfohlene Buch lesenswert. Jedenfalls ist die graphische Gestaltung der Titelseite durchaus bemerkenswert und die Aufmerksamkeit weckend.

  • Ich hab's bereits gelesen (Ullis Buchempfehlung) und fand's witzig, allein schon der ungewohnten Perspektive (Junges Mädchen mit türkischem Vater und deutscher Mutter, das in Deutschland aufwächst) wegen. Aufschlussreich und originell - auch wenn's grad nix mit Musik zu tun hat :hello:

    "Es ist mit dem Witz wie mit der Musick, je mehr man hört, desto feinere Verhältnisse verlangt man."
    (Georg Christoph Lichtenberg, 1773)

  • Hallo,


    Um vielleicht nochmal auf orientalische bzw. orientalistische werke in der Klassik einzugehen:


    Camille Saint-Saens:
    - Op.89 Afrika - Konzertfantasie für Klavier und Orchester.
    Stellenweise sehr orientalisch angehaucht.
    -Op.103 Klavierkonzert Nr.5 "Ägyptisches"
    Der 2.Satz wimmelt nur so vor orientalisierenden (nict autentischen) Elementen.


    Richard Strauss
    Salome - Tanz der 7 Schleier


    Fazil Say
    Der exzellente türkische Pianist komponiert auch selbst und schlägt so Brücken zwischen West und Ost - Türkische Melodien/Rhytmen und Harmonien werden mit westlichen Klängen und Formen gepaart. Das Ergebniss sind teils sehr lohnende, hochinteressante Werke mit einer speziellen, individuellen Tonsprache.



    LG
    RL

  • Ich denke mal, die orientalischen Intervalle sind einfach anders: Übermäßige Intervalle und vielleicht doch weniger große Skalenweiten. Ich selbst liebe bereits die ungarischen Intervalle, die für mein Empfinden weit traurigere und oft auch leidenschaftlichere Gefühle erzeugen, als wir sie kennen, und im Orient scheint es mir persönlich wohl nicht anders sein, was noch zu ergründen wäre. Sicher eine Bereicherung. Unsere atonale Musik ist denen wohl eher fremd, nehme ich mal an, so wie uns meist ihre.
    LG Micha:hello:

  • Was passt besser zum und ist viel schöner als der 1001sten Beitrag : 1O01 Nacht!


    Nun frage ich mich hier laut, was zu diesem Thema komponiert worden ist. Erst einmal ganz konkret zur Geschichte um die schöne und kluge Sheherazade und ihre 1001 Geschcihten, mit der sie schliesslich nciht nur die Mord-Lust des KÖnigs stoppt sondern auch seine Liebe gewinnt. Dann aber auch im weiteren Sinne zum Orentalismus und Exotismus in der Musik.
    Zum Ersten fällt mir spontan nur Ravels Sheherazade ein, zum Zweiten natürlich eine ganze Menge mehr. Von Mozarts Entführung aus dem Serail über Rossinis Italienne en Algier, Lakmé und die Perlenfischer, Thaïs usw usw.
    Bitte aber keine Chinoiserien, das ist wieder ein anderes Thema.
    Mich interessieren insbesondere auch Lieder. Ich nenne hier mal beispielhaft:
    Fauré: Les roses d'Ispahan
    Bizet: L'adieu de l'hotesse arabe


    1001 Grüsse von Fairy Queen :angel:

  • Liebe Fairy Queen,


    Da ich zur Operette schon längere Zeit geschwiegen habe, nenne ich jetzt Leo Falls DIE ROSE VON STAMBUL. Die hat freilich schon 1916, als sie herauskam, manchen Türken gegiftet, weil man sich so nicht dargestellt sehen wollte. Aber wir Europäer schwanken ja auch noch immer zwischen Mittelalter und Moderne, manchmal geht es richtig express zurück in alte Zustände, daß man auch nur noch auf Gottes Hilfe bauen kann, oder auf die Allahs - political correctness ist ja angesagt.


    Mit ein wenig Nachsicht und wenn wir das maurische Spanien hier einschließen dürfen, ist auch auf Donizettis Oper ALAHOR IN GRANATA zu verweisen, über die man im Opernführer mehr erfahren kann.


    LG


    Waldi

  • Liebe Fairy Queen,


    wenn es Dir speziell um die Lieder geht, ist die von Waldi angesprochene Operette "Die Rose von Stambul" genau das Richtige. Das fast gleichnamige Lied "O Rose von Stambul" ist ein wirklich wunderschönes Lied, da es darin heißt: .... nur du sollst meine Sheherazade sein..., passt es perfekt zu Deinem 1001 Nacht Thema.


    Mehr Bsp. fallen mir im Moment leider auch nicht ein.


    LG


    Maggie

  • Liebe Fairy Queen,
    da fällt mir natürlich der Tanz der sieben Schleier aus der Dir ja so am Herzen liegenden »Salome« ein ;) . Nicht so ganz 1001 Nacht aber doch mit einigen expliziten Orientalismen.


    Ebenfalls deutlich orientalisch angehaucht ist der langsame Satz aus Bizets C-Dur Symphonie.


    Na und dann: Oper! Massenets Le Roi de Lahore und Thais geizen nicht mit orientalischem Flair. Wundervoll »orientalistisch« ist in Thais die Szene, in der jener asketische Einsiedler Athanael, der aufbricht um die Hure Thais zu bekehren, von zwei leichten Mädchen bezirzt wird (Akt I, 2. Bild: »Ah! Ah! Ah! .... Athanael, c'est toi!«.


    Auch ja, und dann noch was modernes: Reinhard Febels Variationen für Orchester (1980) verwenden die unendlich traurige, auf einer orientalischen Skala beruhende Melodie eines Liedes des armenischen Komponisten Gomidas. Febels Variationen sind ein hinreissendes und zugleich zutiefts erschütterndes Werk!! Gibt's hier etwas mehr drüber zu lesen...


    Soviel erstmal!


    Ganz, ganz herzlich,
    Medard

  • Nicht vergessen werden soll beim Thema "1001 Nacht" das Orchesterwerk von Rimsky-Korsakoff. Unter dem Titel "Scheherazade" vertonte Rimsky-Korsakoff 1888 in seinem op. 35 Szenen aus "1001 Nacht", u. a. Sindbad auf dem Meer. Es ist zugegebenerweise das einzige Stück aus dem 4-sätzigen Werk an das ich mich noch einigermassen erinnern kann...


    Die Operettenexperten können sicher noch was über "1001 Nacht" von Johann Strauß oder über "Im Reiche des Indra" von Paul Linke erzählen.

  • Zitat

    Original von Fairy Queen
    Was passt besser zum und ist viel schöner als der 1001sten Beitrag : 1O01 Nacht!


    Liebe Fairy Queen,


    was für eine märchenhafte Idee, wie schön dass ich mir den 1001sten Beitrag noch aufgespart habe ...


    Zitat

    Nun frage ich mich hier laut, was zu diesem Thema komponiert worden ist.


    Ich möchte ein Werk zu Deiner Sammlung beitragen, das die Geburtsstunde des musikalischen Exotismus markiert: die symphonische Ode "Le Désert" von Félicien César David. Die Form der Ode-Symphonique bezieht sich auf die 9. Sinfonie von Beethoven. Im Mittelpunkt des Werkes erleben wir eine Karawane, die durch die Wüste zieht. Sie steht für die menschliche Gemeinschaft: die Arbeit, der Kampf gegen den Sandsturm, das abendliche Fest im Zeltlager, das Morgengebet zu Allah - alles wird gemeinschaftlich erlebt. Das Gegenbild dieses am Saint-Simonismus orientierten Lebens ist die krankende Zivilisation in den Städten. Der Freiheit der Wüste lässt zu folgenden Worten finden:


    Restez dans vos tombeaux de pierre,
    pâles habitants des cités,
    sans voir du ciel ni de la terre
    les majestueuses beautés.
    Là, votre existence flétrie
    par les ennuis, par les remords,
    Le désert est notre patrie;
    nous sont libres, fiers et forts.


    Musikalisch greift David immer wieder auf orientalische Vorbilder zurück bis hin zu dem vom Tenor vorgetragenen Ruf des Muezzins.


    Der Orient ist zur Zeit Davids nicht nur als Ort konkreter Intressenskonflikte der europäischen Großmächte, sondern als Projektionsfläche der zeitgenössischen Fantasie im Mittelpunkt des Interesse. Wo man zu Hause Engstirnigkeit, verklemmte Moral und Fantasielosigkeit sah, fand man in der Ferne die lockenden Geheimnisse, das Märchenhafte fremder Welten, die sublimen Künste des Erotisch-Sinnlichen. Was die verlogene Welt des Okzidents verbot, die poetisch-freien Geister aber bewegte, fand man im Orient.


    Die Uraufführung des Werkes am 8.12.1844 in Paris wurde ein triumphaler Erfolg für David. Hector Berlioz schrieb: "Ein großer Komponist ist erschienen. Sein Name ist Félicien David und das Meisterstück heißt 'Le Désert'".



    Auch von mir 1001 Grüße


    Peter

  • Liebe Fairy Queen,


    gerade im Bereich Oper / Operette gibt es natürlich jede Menge Beispiele:


    Webers Abu Hassan basiert auf einer Anekdote aus den Erzählungen aus 1001 Nacht. Die Handlung um einen bauernschlauen Schuldner spielt am Hofe des Kalifen von Bagdad. Der Orientalismus findet sich musikalisch, soweit ich mich erinnern kann, eigentlich nur in der Ouvertüre wieder. Weber hat dann später, wie Du als Feenkönigin sicher weißt, noch einmal große Teile seiner Oper Oberon in Bagdad angesiedelt.


    Jules Massenet hatte offensichtlich ein Faible für exotische Stoffe. Hérodiade ist Massenets Version des Salome-Stoffes. Wenn auch die Mauren erlaubt sind, kann auch noch die Oper Le Cid genannt werden, die vor dem Hintergrund der Reconquista spielt. Die handelnden Personen sind aber, wenn ich das richtig überblicke, alle Spanier.

  • :jubel: :jubel:
    Ihr seid klasse :jubel:


    Wie sieht es beim Kunstlied aus? Hat da jemand Ideen? Das wäre eigentlich fast am meisten dienlich, denn ich gehe im Moment für 2008 mit einem einem neuen Konzertprogramm schwanger "L'invitation au voyage " im Kopf, vermutlich mit drei Damen besetzt, hoher leichter Sopran, grosser lyrischer Sopran und Mezzo.
    Mir selbst fällt noch die Savoy-Operette "The Rose of Persia" ein, Gilbert and Sullivan.


    Fairy Queen