Warum ist "klassische Musik" nicht "populär"

  • Ärger will ich auch keinen, mir ist da nur etwas der Kragen geplatzt - darf ja auch mir mal passieren.
    Im Grunde ist Deine Suche ja richtig, es geht ja immer um "Schönheit" nur ist das wieder ein spezielles Thema. Was ist überhaupt schön ?


    Ich habe gelernt das Schönheit etwas genauso unfassbares ist, wie der begriff Kunst.
    Oder was macht einen Menschen schön ? Sein Aussehen oder sein Wesen ?
    So viel anders ist das bei der Kunst und der Musik auch nicht.


    Ich versuche - mir gelingt das auch nicht ständig - alles irgendwie anzunehmen um davon etwas für mich mitzunehmen.
    Aber ich kann im Moment immer noch nichts mit Schönberg anfangen, und in der Kunst ist Penck mein Feindbild.
    (er erfüllt wirklich alle Klischees die es gibt - absolut zum kotzen)
    Vielleicht ist er ja ein netter Kerl...wer weiß... zumindest hat er es zum Professor in Düsseldorf geschafft (obwohl er selbst nie Kunststudierte, weil man sein Talent für nicht ausreichend befand).
    Aber ich weiß auch, dass das in einigen Monaten vollkommen anders sein kann - wie gesagt im Moment zeigt mir Robert Stuhr einige Kostbarkeiten der Spätromantischen Musik und der zeitgenössischen Musik.
    Ich bin da sehr offen für und bin erstaunt, dass in unserer zeit fast genauso unterschiedlich komponiert wird wie im Barock - allerdings dürfte unsere Zeit das an Facetten noch weit übertreffen.



    Ich finde es halt nur sehr schade, dass man viel zu oberflächlich in solchen Dingen ist - ich denke in der Musik und in der Kunst sollte man die Werke nicht nur nach dem ersten Eindruck her beurteilen - das ist wie bei den Menschen, da kann man ganz großartigen Begegnungen einfach verpassen.....



    :hello:

  • Zitat

    Original von der Lullist
    Aber ich kann im Moment immer noch nichts mit Schönberg anfangen, und in der Kunst ist Penck mein Feindbild.


    Versuchs doch mal mit Schönbergs 5 Orchesterstücken op. 16 und dem Streichtrio.
    Ich kann mir irgendwie nicht vorstellen, dass einen das kalt läßt ...

  • Auf die Diskussion, was schön sei und was nicht, will ich mich an dieser Stelle lieber nicht einlassen. Vielmehr aber auf folgendes: Es mag sein, daß die Gleichung Klassik=Elite, bzw. Klassik=unpopulär nicht ganz richtig ist. Für die Oper kenne ich folgende Zahlen aus den Jahren 1990/91: Da verbuchten die deutschen Musiktheater wöchentlich 220 000 Besucher - gegenüber 200 000 Zuschauer in den Stadien der deutschen Bundesliga. Gut, es mag unfair sein, da - dagen wir mal - Hertha BSC nicht jeden Tag spielt (Gott sei Dank). Aber daß Klassik kein Massenvergnügen und unpopulär sei, das wage ich zu bezweifeln. Eine ensprechende Statistik für die deutschen Konzerthäuser wäre sehr interessant, oder? Kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, daß sie zu Ungunsten der Klassik ausfallen würde!


    Beste Grüße aus Berlin.
    PS: Die Zahlen sind zu finden in: Bermbach, U. (Hrsg.): Oper von Innen. Berlin 1993, S. 11

  • Kann ich bestätigen, was die Stuttgarter Oper betrifft. Mehrfach als Oper des Jahres ausgezeichnet, ist sie ein Magnet für alle Bevölkerungsschichten, was ein Auslastungsgrad von 98% bestätigt. :angel:

    Freundliche Grüße Siegfried

  • Zitat

    Original von Kurzstueckmeister
    Versuchs doch mal mit Schönbergs 5 Orchesterstücken op. 16 und dem Streichtrio.Ich kann mir irgendwie nicht vorstellen, dass einen das kalt läßt ...


    Er wird demnächst mit Ustvolskaya konfrontiert, da hat er erst mal was zu knacken... :D

  • Die Frage nach der Beliebtheit von klassischer Musik kann man zweifach beantworten, was zum Teil auch in den Antworten hier im Forum zu finden ist. Wenn man unter Beliebtheit versteht, dass sich der Klassikhörer über Klassik im Freundeskreis unterhalten kann ohne schief angeschaut zu werden, so kann man davon ausgehen, so zumindest meine Erfahrung, ist Klassik unbeliebt. Geht man auf den Aggregatzustand "Klassikhörer", so kann man sagen, dass die Klassik nicht unbeliebt ist, da Konzerte und andere Veranstaltungen sehr gut ausgelastet sind. Das gilt auch für Speziallveranstaltungen wie Alegro Vivo oder ähnlichem.


    Für mich war eine einzige Musikstunde Auslöser dafür, um eine Ahnung davon zu bekommen, was klassische Musik sein kann. Es wurde die Moldau aufgelegt und Stelle für Stelle erkärt, was zu Hören ist. Da ging es nicht um die musiktheoretischen Themen, sondern was ist zu hören, was nachvollziehbar.
    Erklärung:"Hier hört ihr die Quelle sprudeln", "Hier geht es um eine Jagt" oder "Da beschreibt die Musik eine Bauernhochzeit". Shostakovichs 9. Sinfonie "erzählte" mir sozusagen eine Geschichte, indem ich mir die musikalischen Bilder übersetzte. Ich habe dann im Internet nachrecherchiert, was der Inhalt der Synfonie ist, und meine Bilder bestättigt gefunden. Die Musik muss dem Zuhörer etwas vermitteln. Dazu muss dieser aber auch zumindest ein Grundvokabular beherrschen, denn sonst bleibt klassische Musik ein Buch mit sieben Siegen, wie auch der Jazz.


    Von einer Kindergartenpädagogin habe ich 2 Cd vorgestellt bekommen, die speziell für Kinder klassische Musik kindgerecht erklären. Auch hier ist der Ansatz, die Bilder der Musik zu erklären. Später kann man auf die darunter liegenden Aspekte eines Werker eingehen. So kann man vielleicht das Interesse für klassische Musik wieder verstärkt wecken. Für mich war diese Art der Einführung sehr wichtig.

    Sagt nicht:"Ich habe die Wahrheit gefunden", sondern:"Ich habe eine Wahrheit gefunden." (Khalil Gibran; Der Prophet, dtv, 2002)

  • ein programmmusikgeschädigter
    :rolleyes:
    (um mich hier mal wieder als boshaft zu etablieren)

    Zitat

    meine Bilder bestättigt gefunden. Die Musik muss dem Zuhörer etwas vermitteln. Dazu muss dieser aber auch zumindest ein Grundvokabular beherrschen

  • Zitat

    Original von der Lullist
    und in der Kunst ist Penck mein Feindbild.
    (er erfüllt wirklich alle Klischees die es gibt - absolut zum kotzen)


    oh ja!


    hab's grad' ergoogelt, kannte ihn nicht - wäre besser so geblieben.


    LG


    Walter

  • Zitat

    Original von Kurzstueckmeister
    ein programmmusikgeschädigter
    :rolleyes:
    (um mich hier mal wieder als boshaft zu etablieren)


    Dazu fällt mir immer eine Folge der "Young People Concerts" von Bernstein ein, wo er - ich glaube es war "Don Quichote" ? - anhand eines Stückes erst eine vollkommen absurde und dann die "richtige" Geschichte "erklärt" um zu verdeutlichen, dass ein Programm zwar bei der Entstehung des Stücks bedeutsam gewesen sein mag, die Musik dann aber dennoch einen davon unabhängigen Wert besitzt.


    Gruß
    Sascha

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  • Was ist Programmmusik?


    Ihr Posting fühlt sich für mich wie eine gerade Linke an, die mich ohne Deckung triff. Vielleicht haben Sie etwas Nachsicht mit mir, ich interessiere mich für klassische Musik im weitesten Sinn, bin aber kein Intimer kenner dieser. Ich verfüge zur Zeit nur über diesen "oberflächlichen" Zugang zur klassischen Musik. Über Themen, Tonart oder Durchführung etc. kann ich mich nicht einem Musikstück nähern, da mir dazu das Wissen fehlt. Ich kann nur über das Schreiben, was für mich wichtig ist. Wenn ich wollte könnte ich auch schlaue Aussagen aus Büchern zitieren, die sicher besser klingen. Doch ich glaube, dass das nicht der Sinn dieses Forums ist.

    Sagt nicht:"Ich habe die Wahrheit gefunden", sondern:"Ich habe eine Wahrheit gefunden." (Khalil Gibran; Der Prophet, dtv, 2002)

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  • Entschuldigung für die Linke
    :untertauch:
    Programmmusik ist Musik, die eine bestimmte Geschichte erzählt (ein "Programm" eben). Besonders bekannt z.B. der Till Eulenspiegel von Richard Strauss.


    Was mich etwas geärgert hat, war, dass Du aus Deinem persönlichen Zugang über Bilder (den ich für ziemlich Anfänger-typisch halte, in der Regel gewöhnt man sich das Bebildern der gehörten Musik im Laufe der Zeit ab) allgemeingültige Forderungen an die Musik ableitest (muss etwas "sagen" oder so).
    :hello:

  • Zitat

    Original von walter


    oh ja!


    hab's grad' ergoogelt, kannte ihn nicht - wäre besser so geblieben.


    Ich hatte nie Probleme mit Penck, habe mir sogar in Strassburg im Museum moderner Kunst eine Penck-Kunstkarte gekauft. Ich verstehe auch nicht, welche Klischees in seinen Bildern (biographisches weiß ich nix) zu finden sind.
    :hello:

  • Hallo Franz,



    ich hoffe es wird mir nicht als Unhoeflichkeit ausgelegt, wenn ich "Du" schreibe und den Vornamen nutze. Es ist hier im Forum Usus. :)
    Programmmusik ist im weitlaeufigen Verstaendnis Musik, der ein gewisses aussermusikalisches Programm vorliegt, welches durch den Komponisten in Toene gesetzt, wie z.B. die herrliche Moldau, die Du ja bereits in Rennen fuehrtest.
    Eine ebenso kongeniale Umsetzung ist der "Zauberlehrling" von Dukas nach der gleichnamigen Ballade von Goethe. Hier hoert man foermlich das Erwachen des Besens, das Unglueck der Besenteilung, die verzweifelten Versuche des Lehrlings all das wieder rueckgaengig zu machen.
    Natuerlich hat man auch ohne das Vorwissen darum, dass es sich um ein Stueck beschreibende Programmmusik handelt ein wundervolles Orchesterrondo mit brillianter Themenverarbeitung und Instrumentierung.


    Im Gegensatz zur Programmusik wird die sog. absolute Musik gesetzt, also Musik der kein aussermusikalisches Programm zugrunde liegt, sozusagen keine Geschichte, die mit Toenen erzaehlt wird. Viele Symphonien, Konzerte, Kammermusik sind ohne die Vorgabe eines aussermusikalischen Kontexts entstanden.


    Das heisst nicht, dass der Komponist nicht selbst im Kopf eine Geschichte hatte oder wie im Falle von sagen wir mal Symphonien von Sibelius durch Landschaften inspiriert wurde.
    Aber: Der Zuhoerer kann sich seinen eigenen Teil denken, es wird nicht wie beim "zauberlehrling" aufgefordert, genau jene Ballade zu hoeren.


    Lange Zeit war es eine deutsche Wesensart Programmmusik als gegenueber der absoluten Musik minderwertig einzustufen - IMO ein Aspekt des deutschen Kulturchauvinismus. Und in manchen Koepfen spukt das bestimmt immer noch rum.


    Sicher nicht beim Kurzstueckmeister. Er ist nur hin und wieder ironisch und wollte das besitmmt auch nicht als linken Haken einsezten. (Stimmts KSM?? :beatnik: ).


    So, genug von mir
    LG
    und gutes Eingewoehnen
    Wulf.

  • Zitat

    Original von Kurzstueckmeister
    Was mich etwas geärgert hat, war, dass Du aus Deinem persönlichen Zugang über Bilder (den ich für ziemlich Anfänger-typisch halte, in der Regel gewöhnt man sich das Bebildern der gehörten Musik im Laufe der Zeit ab) allgemeingültige Forderungen an die Musik ableitest (muss etwas "sagen" oder so).
    :hello:


    Den Einwand muß ich nun doch loswerden: Ich höre nun seit über 30 Jahren bewußt klassische Musik und kan mir das "Bebildern" nicht abgewöhnen. Freilich suche ich nicht krampfhaft nach Bildern, oftmals sind die inwendig gesehenen Bilder ungegenständlich, zuweilen ist das Stück einfach nur akustisch präsent. Das "Bilder-" oder "Farbensehen" erfolgt unwillentlich. Ich empfinde das nicht als schädlich oder abträglich und erachte ich das Phänomen nicht als Anfänger-typisch, sondern als individuelle Veranlagung.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
    Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

  • @ Kurzstückmeister


    Der Zugang ist klarerweise anfängertypisch und ich bin maximal fortgeschrittener Anfänger. Ich wollte keines Falls eine allgemeingültige Forderung an die Musik formulieren. Ich dachte in dem Satz: "Später kann man auf die darunter liegenden Aspekte eines Werker eingehen." würde schon auf die nächste Entwicklungsstufe beim Verständnis von Musik hindeuten, wie Du es verstehst. Auch ich möchte zu diesem Verständnis von Musik, werde aber wahrscheinlich das Niveau das hier im Forum herrscht nicht mehr erreichen. Was man in jungen Jahren versäumt, kann man kaum aufholen. Eine ähnliche Erfahrung beschreibt Konrad Paul Liessman in einem seiner Bücher. Ich bin im Forum um von Euch, die ihr mehr wißt, zu lernen, um mein Verständnis der Musik zu erweitern. Ich will nur sagen können : "Gefällt mir" oder "Gefällt mir nicht".


    Daher bin ich Wulf sehr dankbar für seine Erläuterung zur Programmmusik und der absoluten Musik. Dass es diese Unterscheidung gibt war mir bis dato nicht bewußt und zeigt mir die Sinnlosigkeit in jedem Stück das erzählerische zu suchen(was ich schon aufgegeben habe, da ich es nicht fand, jetzt weiß ich, auch nicht finden konnte). Es bleibt mir nur zu hoffen, dass ich hier mit meinen Beiträgen nicht allzuviel störe.


    Wulf
    Nein, das Du wird keines Falls als Unhöflichkeit ausgelegt und bedanke mich für Dein Du und die Erklärung des Usus im Forum. Als Neuer bin ich da etwas vorsichtiger. Danke für die Erklärungen, die mir sehr weiterhelfen.

    Sagt nicht:"Ich habe die Wahrheit gefunden", sondern:"Ich habe eine Wahrheit gefunden." (Khalil Gibran; Der Prophet, dtv, 2002)

    Einmal editiert, zuletzt von Franz Laier ()

  • Zitat

    Original von Santoliquido
    Freilich suche ich nicht krampfhaft nach Bildern, oftmals sind die inwendig gesehenen Bilder ungegenständlich, zuweilen ist das Stück einfach nur akustisch präsent. Das "Bilder-" oder "Farbensehen" erfolgt unwillentlich. Ich empfinde das nicht als schädlich oder abträglich und erachte ich das Phänomen nicht als Anfänger-typisch, sondern als individuelle Veranlagung.


    Hm, bei mir war es früher so, kommt aber fast nie mehr vor. Allerdings waren es glaube ich eher Bilder mit Bedeutung und nicht abstrakte Farben. Insofern nehme ich nicht an, dass es (bei mir) Veranlagung war.


    Ich hab schon erwartet, dass jetzt einige sagen werden, sie sehen auch Bilder und es sei keine Anfängersache. Hm ... Vielleicht liegt es auch daran, dass ich das Auftreten von Bildern nicht mehr unterstütze sondern eher unterbinde?
    ?(

  • @Franz


    Du störst hier überhaupt nicht, laß Dich bloß nicht von den Studierten einschüchtern !!!!! :D


    :hello:
    Austria


    :P für KSM

    Wir lieben Menschen, die frisch heraus sagen, was sie denken - vorausgesetzt, sie denken dasselbe wie wir (Mark Twain)

  • Hallo KSM,



    ich meine eher diese Klischees, wie sich der Normalbürger den typischen Künstler vorstellt:


    I. Künstlername (er heißt in Wirklichkeit Ralf Winkler)
    II. Kleidung (damit man es auch ja sieht dass er Künstler ist)
    III. Spirituelle bzw. Archaische Ansätze
    IV. alternatives Gebaren
    V. Ostkünstler der im Westen jetzt hofiert wird (auch noch politisch verfolgt in der DDR)
    VI. Kunst die man nur des Namens kauft


    Mit seinen Bilder kann ich persönlich nicht allzuviel anfangen, sie lösen bei mir absolut gar nichts aus. (steht auch dem Grafitti wieder zu nahe) Aber mir geht es da auch eher um die Person...bzw. wie diese Persönlichkeit vermarktet wird.
    In wie weit er was dazu kann lass ich mal dahin gestellt sein - wie gesagt, vielleicht ist er ein netter Kerl ;)

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  • Zitat

    Original von Franz Laier
    Danke für die Erklärungen, die mir sehr weiterhelfen.


    Immer gerne :) (Da ich selbst kein Musiker oder Musikwissenschaftler hoffe ich, dass man das so stehen lassen kann.)


    Wie gesagt, es bleibt jedem selbst ueberlassen, was er sich so denkt beim Anhoeren.
    Mir persoenlich geht es so, dass ich (vielleicht auch aus Mangel an Phantasie) Musik nur selten mit bestimmten Bildern verknuepfe, zumindest bei der "abosluten".


    Ich wuerde mir an Deiner Stellen keine Sorgen machen um das genaue Benennen von musikalischen Gegebenheiten, die Dir ins Auge fallen. Hier sind die wenigsten "Profis" - mit ein paar Ausnahmen - wir hoeren alle gerne diese wie Alfred so schoen sagt museal gewordene Musik und geben gerne unseren Senf dazu ab....natuerlich meist in einigermassen zivilisierten Ton.


    Insofern wird hier nur jemand als stoerend empfunden, der meint unbedingt das Niveau mit Faekalsprache oder durch selbstbeweihrauechernde Heilslehren runterzustufen muessen.
    Dass es hier nicht immer bierernst zugeht wirst Du schon schnell merken (spaetestens wenn sich Blackadder mal wieder zu Wort meldet :P ), aber eben alles ohne persoenlich oder rabiat zu werden. (So ne Faelle gabs hier leider auch schon.....).


    :hello:
    Wulf.

  • [quote]Original von Chorknabe
    Hallo, mir fallen da gleich mehrere Faktoren ein wieso klassische Musik nicht populär ist:


    1.) Sie ist nicht 'tanzbar'
    2.) Sie ist nicht so einfach vermaktbar
    3.) Vorurteile
    4.) Klassische Musik ist nicht einfach gestrickt


    Diese 4 Punkte haben sicherlich ihre Berechtigung. Ich glaube aber auch, dass gerade bei jungen Menschen Vorurteile bestehen, weil sie meist gar keine Berühung mit klassischer Musik haben (oftmals schon vom Elternhaus her). In der Schule wird es gleich mit einem "Muss" verbunden, was sowieso total uncool ist und dann erst richtig abschreckt.
    Da ich häufig mit Auszubildenden zu tun habe (Bürokommunikation - daher meist weiblich), habe ich so nebenbei das Interesse für klassiche Musik auch in dieser Altersklasse wecken können. So habe ich festgestellt, dass man über das "alltägliche Gespräch" auch zum Musikgeschmack kommt. Wenn ich dann erzähle, dass ich besonders Klassik, Opern und das Ballett liebe, dann ist meist schon eine gewisse Vorsicht auf der anderen Seite zu spüren. Die Berührungsängste sind dabei oftmals sehr groß. :untertauch:
    Wenn mir dann gesagt wird, dass man gar nichts von dieser Musik weiß, dann ist es für die/denjenige/n total überraschend, wenn ich einige Beispiele bringe, die sie/er garantiert kennen - und sogar schön finden - (z. B. aus der Werbung oder verarbeitet als Filmmusik).
    So habe ich erlebt, dass eine Auszubildende total begeistert von dem Paul-Potts-Werbespot war. Der "Song" sei so toll, den hätte sie noch nie gehört. Als ich ihr sagte, dass das aus einer Oper stammt, war sie sehr überrascht. Vor allen Dingen, dass dieses "Lied" schon "so alt" ist. Ich habe ihr dann noch andere Aufnahmen mit dieser Turandot-Arie vorgespielt. Erstes Interesse war geweckt, denn Sie kam dann auch und fragte mich zu anderen Stücken, die sie in der Werbung gehört hat und und so toll fand. Sie war hoch erfreut, dass es diese Stücke tatsächlich "richtig" gibt. Auf diesem Wege kann man z. B. schon Brücken zur klassichen Musik bauen.


    Ich möchte hier betonen, dass ich nicht nur Vorurteile gegen die klassiche Musik abbauen möchte, sondern auch versuche, Verständnis für den Musikgeschmack der mir Anvertrauten zu bekommen, sozusagen eine Geben und Nehmen.


    Übrigens kam kurz vor Weihnachten die o. g. junge Dame und erzählte mir, dass sie Opernkarten für "Rigoletto" hätte und nun mit ihrem Freund hingehen wird. Sie bat mich noch, ihr über die Handlung einiges zu erzählen - was ich natürlich gern getan habe, nicht ohne darauf hinzuweisen, dass sie an einer bestimmten Stelle auf keinen Fall an Pizza denken soll, denn die Oper war zuerst da. :pfeif:


    :hello:

  • In dem Bereich gibt es viel Musik, die mit elitärem, intellektuellem Anspruch komponiert wurde. Das merkt man oft wie z.B bei Mahler. Der Zugang zu beispielsweise Pop-Musik ist einfacher, da intuitiver.
    Gerade das fehlen von Percussion und typischen Rhythmus-Elementen macht klassische Musik oft langweilig (Was gar nicht stimmt).
    Viele Dinge, die der klassischen Musik zugeordnet werden, wurden für gewisse Bevölkerungsschichten gemacht und auch von der Mehrheit der Bevölkerung gar nicht gehört. Die haben Volksmusik gemacht und gehört.
    Ich glaube, das ganze Prinzip ist nicht mehr zeitgemäß. Sicher gibt es heute noch viele Leute, denen tanzbarere Musik zu primitiv ist. Aber die Mehrheit der Bevölkerung wird immer die einfache, leicht greifbare Musik bevorzugen, die einem den Zugang nicht unnötig erschwert.
    Natürlich hören die meisten Leute nicht aktiv Musik, sondern nebenbei.
    Es gibt aber viele Leute, die allerdings Filmmusik gut finden, die mit typischen Mitteln der klassischen Musik arbeitet. Weil auch die meist auf emotionale Reaktionen und nicht auf Nachdenken ausgelegt ist.


    Liebe Grüße der Patrick

    Bruckner+Wand So und nicht anders :)

  • Lieber Klassikfan1,

    danke, dass Du dieses Thema aufgegriffen und wieder belebt hast. Allerdings fehlt bei mir das Grundverständnis für diese Problematik. Es stimmt doch nicht, dass Klassische Musik nur von einem verschwindend kleinen Teil der Bevölkerung gehört hat. Mich hat es fast umgehauen, als ich diese Zahl das erste Mal hörte. Es besuchen weit mehr Leute Konzerte und Oper als sie zu Spielen der Bundesliga gehen!!! Wir Klassikfreunde lassen uns immer noch als Randgruppe abqualifizieren und in den Elfenbeinturm einer abgehobenen, elitären Minderheit drängen. Viel zu wenig wird berücksichtigt, welchen wirtschaftlichen Nutzen die Kultur-"Industrie" bringt, welche Bedeutung sie als Standortfaktor für eine Region hat und wie mit entscheidend sie für die Lebensqualität ist. Bei Betrachtung und Würdigung darf nicht nur die Hochkultur betrachtet werden. Einzubeziehen sind auch die Musik-, Gesangsvereine und Musikschulen und die Überschneidungen, die es zum Musical und zur gehobenen Volksmusik gibt.


    Es gibt aber viele Leute, die allerdings Filmmusik gut finden, die mit typischen Mitteln der klassischen Musik arbeitet. Weil auch die meist auf emotionale Reaktionen und nicht auf Nachdenken ausgelegt ist.

    In dieser Aussage liegt viel Wahrheitsgehalt. Die Filmmusik versteht es gekonnt -aus oft geklauter sinfonischer Musik -, weit mehr ein emotionales Erlebnis zu machen. Daraus müssen wir lernen. Jedes klassische Konzert sollte zum Event werden. Hoffnung macht, dass die meisten Profiorchester und Theater heute durchaus Marketing verstanden haben und auch PR-Maßnahmen gezielt einsetzen.

    Was verstärkt werden muss ist die Lobbyarbeit für unsere Ideale und eine gewisse Kampfbereitschaft für kulturelle Errungenschaften. Es darf und kann doch nicht sein, dass der Kulturbereich es ist, bei dem man meint, immer als erstes sparen zu können. Gegen diese Tendenzen und Ungerechtigkeiten müssen wir aktiv dagegen halten.

    Herzlichst

    Operus (Hans)

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!