Maurice Ravel: Konzert für Klavier und Orchester in G-Dur

  • Lieber Karl, bei Aimard habe ich die Hörschnipsel gehört und mir gesagt: das brauchst du nicht! Ja genau, besonders beim 2. Satz ist ABM einfach göttlich! :)


    LG Holger

  • Hallo Holger,


    während ich bei ABM nach dem 2.Satz immer abbreche, höre ich bei den anderen Aufnahmen auch den 3.Satz noch durch.


    Schon irgendwie seltsam.


    Karl

  • Lieber Karl,


    gestern habe ich die Argerich gehört:



    Sie hat ja das Konzert (ihr eigener Kommentar: "das Konzert mag mich") unzählige Male aufgeführt. Aber diese Aufnahme von 2016 ist wohl ihre extremste! Sie spielt den 1. Satz so frei, als wäre er eine Jazz-Improvisation, also ohne die komplexen ästhetischen Transformationen in Klassizität, die eigentlich das Spezifische gerade dieses Konzerts ausmachen. Im 2. Satz geht so jegliche Sukzession verloren - man kann ja Parallelen zu Beethovens op. 111 entdecken, eine Variationsfolge, die immer bewegter wird und sich in reinen Klang auflöst: den Triller. Nichts davon mehr. Das Verrückte ist aber: Obwohl man eigentlich sagen muss, so geht es gar nicht, ist es trotzdem toll - sowas gibt es eben nur bei solchen Ausnahme-Musikalitäten wie Martha Argerich oder Glenn Gould, dass auch das eigentlich ganz "Falsche" noch fesseln kann! ^^


    Mehr als 2 Monate vergeblich gewartet habe ich auf diese bestellte Box mit der 1955iger Aufnahme von Vlado Perlemuter und Jascha Horenstein:


    A1CkW1v+HCL._SS300_.jpg


    bis mir jpc die CD vorgestern als vergriffen meldete. So musste ich sie via Amazon aus den USA nachbestellen! :hello:


    Schöne Grüße

    Holger

  • Hallo Holger,


    danke für den Tip, wird geordert.


    Allerdings:


    Zitat

    Sie spielt den 1. Satz so frei, als wäre er eine Jazz-Improvisation...

    das riecht ja so richtig nach Regietheater!!!:)


    Nette Grüße


    Karl

  • das riecht ja so richtig nach Regietheater!!! :)

    :D Die Studioaufnahme mit Abbado hast Du? Ich habe ja, lieber Karl, eine Karte für ihr Konzert in Essen am 16. Juli, wo sie zusammen mit Misha Maisky spielt! :)


    Ein schönes Wochenende wünscht

    Holger

  • Guter Tipp, da greife ich doch gleich in meinen Plattenschrank 8):angel:


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
    Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

  • Hallo Holger,


    die Studioaufnahme von 1967 habe ich.


    Die bisher einzige Aufnahme, die mich im 2.Satz ansatzweise an ABM erinnert, ist alleridngs die von Samson François aus 1959.


    Pascal Rogé, Entremont und Zimerman sind die nächsten Kandidaten.


    Nette Grüße


    Karl

  • Die bisher einzige Aufnahme, die mich im 2.Satz ansatzweise an ABM erinnert, ist alleridngs die von Samson François aus 1959.

    Die habe ich natürlich auch, lieber Karl - muss ich mir mal wieder anhören:


    51Mxgt6GoaL._SX300_.jpg


    Viel Spaß beim weiteren Hören!
    :hello:


    Schöne Grüße

    Holger

  • Zitat

    ABMs Aufnahme ist magisch und unerreicht. Schön wäre nur, wenn man einen ganz späten Mitschnitt von ihm mit Celi und den Münchener Philharmonikern bekäme um dann ABM mit ABM zu vergleichen.

    Hallo Holger,


    mit Ausdauer und viel Glück findet man gelegentlich sehr seltene Aufnahmen.


    abmundcelibidachew9jpg.jpg


    Heute - für nicht wenig Geld - in einem CD Shop im Staate Washington gefunden und sofort gekauft.


    Die Ravel Aufnahme ist von 1982 (London) und zum Glück noch analog aufgezeichnet worden.


    Nette Grüße


    Karl

  • Hallo Holger,


    mit Ausdauer und viel Glück findet man gelegentlich sehr seltene Aufnahmen.

    Lieber Karl,


    hinter dieser CD-Box bin ich schon lange her - nur der Preis war mir dann doch zu astronomisch hoch, wenn man sie überhaupt denn noch bekommt. Wärest Du so nett, mir eine Kopie zukommen zu lassen - wenn es nicht zu viel Umstände macht? :)


    Schöne Grüße

    Holger

  • Hallo Holger,


    ich freue mich über jeden kleineren Internetanbieter von CDs, der uns weiterhelfen kann.


    Solche Leute unterstütze ich gerne, sonst bleibt ja nur noch der Eine übrig.


    Deshalb sollte man auf Kopien verzichten und dort kaufen, wie z.B. bei


    CD Laden


    Gruß


    Karl

  • Hallo,


    ich schicke mal voraus, daß


    Vergleiche natürlich auch Geschmacksfragen sind und es durchaus von Bedeutung sein kann, welche erste Begegnung man mit einem Werk hatte.


    Die Referenz von 1957 in Sachen G-Dur Klavierkonzert stammt bekanntermaßen von ABM, nun sitzt der Meister 25 Jahre später wieder am Flügel und man ist gespannt, was da kommen wird.


    Und wie eigentlich nicht anders zu erwarten, es ist keine Kopie von 1957. 25 Jahre hinterlassen Spuren, führen zu Veränderungen im Spiel.


    Am stärksten allerdings beim Orchester! Das sollte nicht erstaunen, da 1982 hier in London zwei Größen der Klassikmusik aufeinandergetroffen sind.


    Celibidache hat ein eigenes Verständnis von dem Werk, er setzt gelegentliche Ausrufezeichen, die sich das Orchester 1957 verkniffen hat. Während bei der älteren Aufnahme der Klavierpart eindeutig im Vordergrund steht, nimmt ABM nun seine Dominanz etwas zurück.


    Man darf davon ausgehen, daß die beiden Titanen sich darüber einig waren und diese vorsichtige Neuinterpretation des Werkes die Zustimmung von ABM hatte.


    Für mich zeigt der Vergleich zwischen 1957 und 1982 eines sehr schön auf:


    Es müssen nicht immer nur ausschließlich Stars auf der Bühne stehen, um Glanzpunkte zu setzen. Gelegentlich ist es das Zusammentreffen der richtigen Leute zum richtigen Zeitpunkt, um wie 1957 Musik für die Ewigkeit zu erschaffen.


    Das soll die Einspielung von 1982 nicht schmälern, sie ist allein aus Sammleraspekten schon ihr Geld wert, aber die Magie von 1957 hat sie nicht.


    Gruß


    Karl

  • Das soll die Einspielung von 1982 nicht schmälern, sie ist allein aus Sammleraspekten schon ihr Geld wert, aber die Magie von 1957 hat sie nicht.

    Die Aufnahme von 1957 ist auch unerreichbar. Es gibt singuläre Augenblicke, und das ist so einer! Kaum unterschiedlich zu 1957 spielt ABM allerdings 1965 in Tokyo - da ist diese magische Ausstrahlung noch spürbar:


    514Fnq6SaBL._SX300_.jpg


    Also in dieser CD-Box ist die Londoner Fernsehaufnahme:



    Ich dachte, da wäre die später versuchte Fernseh-Konzertaufnahme aus München drin, wo die Beleuchtung ausfiel und ABM das halbe Konzert mit teilweise dunkler Tastatur spielen musste. Die ist wohl weiterhin hinter Verschluss!


    Sehr intensiv und hoch expressiv sind die 1992iger Mitschnitte von Celi und ABM - nach seinem Zusammenbruch in Bordeau und Herz-OP. Das - ABMs Spätstil - ist dann wieder eine ganz andere neue Welt. Die Klangqualität der Mitschnitte bei Youtube ist leider bescheiden. Ich hoffe doch, es kommt irgendwann eine Box mit den Aufnahmen von Celi und ABM aus München!



    Schöne Grüße

    Holger

  • Hallo Holger,


    ich glaube nicht, daß es hier eine Neuauflage geben wird, aber irgendwann wird die CD jemand anbieten.


    Man braucht nur Geduld, Ausdauer und etwas Glück.


    Mit einem Sammlergruß


    Karl

  • ich glaube nicht, daß es hier eine Neuauflage geben wird, aber irgendwann wird die CD jemand anbieten.


    Man braucht nur Geduld, Ausdauer und etwas Glück.


    Mit einem Sammlergruß

    Erfahrungsgemäß ist es leider so, lieber Karl, dass die Preise so lange ins Unermessliche steigen, bis nicht eine normalpreisige bzw. preiswerte CD-Ausgabe erscheint. Ich meinte auch eigentlich, dass man im Rahmen der Celibidache-Edition die Konzertaufnahmen mit ABM in München und die auf Tourneen mit den Münchner Philh. gemacht wurden, endlich rausbringen könnte. Aber da müssen dann die Erben von beiden Seiten zustimmen - das ist sicher auch ein rechtliches Problem.


    Schöne Grüße

    Holger

  • Ihr Lieben, als Liebhaber des G-Dur Konzertes habe ich ein Suchanfrage an Euch. Kennengelernt habe ich das Werk im Rundfunk in einer Aufnahme mit Dinorah Varsi und dem Kölner RSO unter Zdenek Macal. Das Band, auf dem ich das mitgeschnitten hatte, ist mir leider abhanden gekommen, Plattenaufnahmen mit Dinorah Varsi jahrelang Fehlanzeige. Nun kommt eine Komplettbox Dinora Varsi auf den Markt und...genau diese Aufnahme ist nicht drin. Ich erinnere mich an einen unglaublich schön gespielten zweiten Satz und würde diese Aufnahme gerne noch einmal hören. Ist die jemandem hier schon einmal als Tonträger untergekommen?


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
    Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

  • Hallo Thomas,


    auf CD 9 dieser wirklich großartigen Komplett-Box findet sich auch eine Live-Aufnahme des G-Dur - Konzertes unter Zdenek Mácal mit dem WDR Sinfonieorchester, aufgenommen am 03.12.1971 im WDR Sendesaal Köln. Ist das nicht die Aufnahme, die Du meinst?


    Gruß,

    Rainer

  • Hallo Holger,


    wie gesagt, man braucht Geduld, Ausdauer und Glück, dann bekommt man Sammlerstücke auch zu einem annehmbaren Preis.


    So habe ich erst vor 1 Woche ein lange gesuchtes, bestimmtes Carrera Universal 132 Rennauto, das bei mir angenehme Kindheitserinnerungen auslöst, in einem sehr guten Zustand für knapp 1/3 des Sammlerpreises bekommen. Steht in der Vitrine und erzeugt beim Anschauen gute Laune wie klassische Musik beim Hören.


    Ich weiß, ist etwas abwegig, aber ...;)


    Es grüßt


    Karl

  • Hallo,


    die Doppel -CD mit ABM und Celibidache (Beitrag 69) beinhaltet noch 2 Überraschungen.


    Da ist das ältere Konzert von 1969 aus Helsinki, Beethovens KK5, das im 2.Satz diese ganz spezielle Klaviertechnik Michelangelis erneut zum Ausdruck bringt. Es erinnert an den 2.Satz des G-Dur Konzerts aus 1957, dieser klare und knappe Anschlag, der Ton überschreitet dabei nie die Grenzlinie, wo er bricht und Artefakte erkennbar werden. Einfach genial, kenne ich so bei keinem anderen Pianisten, wobei allerdings selbst ABM im späten Alter davon abgeht.


    Und dann gibt es noch auf der 2ten CD das KK3 aus München von 1981, das ist übelste Aufnahmequalität, das hat mMn einer aus dem Publikum still und heimlich aufgenommen. Klingt wie aus den 40iger Jahren, das hätte man sich wirklich sparen können.


    Es grüßt


    Karl

  • Da ist das ältere Konzert von 1969 aus Helsinki, Beethovens KK5, das im 2.Satz diese ganz spezielle Klaviertechnik Michelangelis erneut zum Ausdruck bringt.

    Ja, lieber Karl. Den Mitschnitt aus Helsinki habe ich als Einzel-CD. Es gibt noch einen zweiten mit Celibidache aus Paris, da fehlt aber die Angabe des Datums - vielleicht von Anfang der 70iger. Ich habe 13 Mitschnitte von KK5 von 1942 bis 1979!

    Und dann gibt es noch auf der 2ten CD das KK3 aus München von 1981, das ist übelste Aufnahmequalität, das hat mMn einer aus dem Publikum still und heimlich aufgenommen. Klingt wie aus den 40iger Jahren, das hätte man sich wirklich sparen können.

    Bei Youtube ist der glaube ich auch zu hören - wirklich umwerfend. Da verschmerze ich dann die Aufnahmequalität...


    Gestern hörte ich aus dem unfassbaren Konzert aus Köln 1987 oder 1988 Gaspard de la nuit - zum Glück ist das auch aus dem Publikum mitgeschnitten worden (Youtube). Dasselbe Programm habe ich von ihm in der Düsseldorfer Tonhalle damals erlebt - kurz vorher oder nachher. Das Programm hätte er aufnehmen sollen und das wäre eine Jahrhundertaufnahme geworden - leider ist er kurze Zeit später 1988 in Bordeau kollabiert.


    Einen schönen Sonntag wünscht

    Holger

  • Liebe Ravel-Liebhaber,


    ein Tipp für das Live-Erlebnis:


    am 11. Juni werde ich Yuja Wang in Dortmund erleben, wo sie mit dem Philharmonischen Orchester Luxemburg unter Gimeno neben Rachs KK Nr. 2 auch Ravels Konzert für die linke Hand spielen wird, und

    am 18. Januar 2020 werde ich in Köln Helen Grimaud erleben, wo sie mit den Bamberger Sinfonikern unter Jakob Hrusa Ravels Konzert G-dur spielen wird. Danach gibt es Mahler 4. Vielleicht ist in Dortmund ja auch Thomas anwesend.


    Liebe Grüße


    Willi:)


    Jetzt mache ich mich fertig für das Udo-Jürgens-Konzert.

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Hallo,


    heute habe ich endlich mal eine Aufnahme bekommen, die den Zauber des 2ten Satzes in ähnlicher Weise wie ABM 1957 einfängt.


    Frédéric Chopin: Piano Concerto No. 1 - Maurice Ravel: Piano Concerto G Major

  • Hallo,


    für den gefestigten Vergleich zwischen der Referenzaufnahme mit ABM und der Einspielung von Triendl hat es doch etwas gebraucht.


    Ich wollte mir da wirklich sicher sein und nicht einer Tagesschwankung unterliegen.


    Aber meine Meinung dazu hat sich verfestigt.


    Es gibt für mich nur diese zwei Aufnahmen, die ausdrücken, was sich Ravel bei dem Werk gedacht haben muss.


    Dabei geht es um eine gelegentlich auftauchende Stimmung, die einen ganz speziellen, leicht hellen Tastenanschlag erforderlich macht, der sehr pointiert und klar kommt, allerdings sehr knapp und ohne Nachklang.


    Es ist damit eine spürbare Einsamkeit verbunden, ein nicht von dieser Welt Gefühl, eine Art Verklingen und Verschwiinden.


    Bei ABM ist es noch einen Tick kantiger, der Kontrast noch stärker herausgearbeitet.


    Hier gibt es für mich aber kein besser oder schlechter mehr, da entscheidet die persönliche Stimmung, was gerade für mich paßt.


    Zur Zeit höre ich mehr Triendl.


    Es grüßt


    Karl

  • für den gefestigten Vergleich zwischen der Referenzaufnahme mit ABM und der Einspielung von Triendl hat es doch etwas gebraucht.

    Es ist natürlich klar, lieber Karl, dass das, was Triendl macht, der Versuch ist, ABM nachzuahmen. Jeder Pianist kennt halt seine Aufnahme. Nur gelingt ihm das dann doch nicht wirklich, wenn ich in den Anfang reinhöre. Das Unglaubliche bei ABM ist, dass die Melodie wirklich frei "schwebt" und sich vollständig von der Begleitung ablöst, geradezu schwerelos wird. Bei Triendl bleibt sie dann doch an dem Hm-Tata der Begleitfigur kleben. Im Vergleich mit ABMs metaphysischer Aura ist das so etwas "prosaischer". Ansonsten ist das aber auch ein schöner Klavierton! :)


    Schöne Grüße

    Holger

  • Hallo Holger,


    es wäre ja billig, ABM möglichst deckungsgleich nachzuahmen.


    Das tut Triendl nicht, die wichtigen Passagen kommen - für mich - exakt richtig, aber seine Interpretation ist insgesamt gleichmäßiger angelegt, etwas lockerer und runder.


    Aber das ist dann Geschmackssache, ich kann deine Argumentation auf jeden Fall nachvollziehen.


    Nette Grüße


    Karl

  • Das tut Triendl nicht, die wichtigen Passagen kommen - für mich - exakt richtig, aber seine Interpretation ist insgesamt gleichmäßiger angelegt, etwas lockerer und runder.

    Lieber Karl,


    ich habe die CD leider nicht, deswegen kenne ich nur Ausschnitte und habe entsprechend keinen Gesamteindruck. Auf jeden Fall habe ich noch Vlado Perlemuter ungehört hier herumstehen, damit muss ich mich auch noch beschäftigen! :)


    Schöne Grüße

    Holger

  • Lieber Holger,


    ich finde, wir sollten nur dann über eine Aufnahme diskutieren, wenn wir zumindest einen Satz daraus ganz gehört hat. Das sind wir den Künstlern schuldig. Alles andere ist Spekulation oder Voreingenommenheit.

    Ich habe von Oliver Triendl noch nie etwas gehört und bin jetzt neugierig.


    Viele Grüße

    Christian

  • ich finde, wir sollten nur dann über eine Aufnahme diskutieren, wenn wir zumindest einen Satz daraus ganz gehört hat. Das sind wir den Künstlern schuldig. Alles andere ist Spekulation oder Voreingenommenheit.

    Und was habe ich geschrieben, lieber Christian:


    ich habe die CD leider nicht, deswegen kenne ich nur Ausschnitte und habe entsprechend keinen Gesamteindruck.

    Allerdings sollte man die Kirche im Dorf lassen. Es reicht schon ein kurzes Reinhören und zu ermessen, dass ein Oliver Triendl den magischen ABM-Ton gerade in diesem Satz nicht hat. Vergleichbar ist hier eher Krystian Zimerman.


    Schöne grüße

    Holger

  • Hallo,


    augenscheinlich brauche ich länger, um mir ein gefestigtes Urteil zu bilden, aber dann bin ich mir auch sicher.


    Verglichen habe ich genug Werke zum Thema G-Dur Konzert, siehe

    ravelg-dur7okru.jpg


    Aber Zimerman kann ich beim besten Willen mit ABM nicht im gleichen Atemzug nennen.


    Die Schwierigkeit in der neutralen Beurteilung abweichender Interpretationen besteht mMn in unserer verfestigten Hörgewohnheit, wenn man ein Werk stark favorisiert, so geht es mir zumindest.


    Wenn man aber merkt, daß bei einem anderen Künstler erkennbar etwas dahintersteckt, muss man sich auf das ungewohnt Neuartige ohne Vorbehalte einlassen.


    Im vorliegenden Fall ist für mich Triendl der Zweite nach ABM, der die Sache richtig anpackt, wobei man nicht außer Acht lassen sollte, daß die Aufnahmequalität um einiges besser als bei ABM ist und dadurch der etwas kräftigere Grundton die Einspielung realistischer macht.


    Es grüßt


    Karl


  • Gerade habe ich die Aufnahme des G-Dur-Konzerts mit Vlado Perlemuter und Jascha Horenstein von 1955 gehört. Perlemuter, der erste Pianist, der Ravels komplettes Klavierwerk spielte und aufführte und mit Ravel persönlich befreundet war, ist auch nach heutigen Maßstäben immer noch einer der besten Ravel-Interpreten. Er spiegelt auch sehr gut den Zeitgeist, Jean Cocteaus "Musik ohne Sauce!". Perlemuters Ravel ist entsprechend nicht parfümiert, sondern scharf gezeichnet, glasklar und herb. Man staunt immer wieder, was er für Strukturen hörbar macht wie z.B. in Le Tombeau de Couperin; die berühmte Toccata hämmert er nicht einfach rauschhaft runter, sondern phrasiert die Rhythmen und melodischen Linien plastisch aus. Das Ravel-Konzert spielt er ganz anders als ABMs dann "klassisch" gewordene Aufnahme von 1957. Da wird nicht auf klassische Ausgewogenheit geachtet, auf stilistische Einheitlichkeit. Der 1. Satz behält den Charakter einer freizügigen Jazz-Improvisation. Perlemuter trifft aber stets den richtigen idiomatischen Ravel-Ton. Es gibt immer wieder Unebenheiten im Tempo - geschliffene Perfektion spielt einfach keine Rolle. Der langsame Satz ist wiederum im Sinne von Cocteau sehr irdisch, sehr plastisch phrasiert aber wirklich schön ausgesungen. Das Finale überdreht er im Tempo nicht. Horensteins Dirigat unterstreicht all das - man hört so manche Stimme (besonders im 1. Satz), die man bislang nicht gehört hat. Eine Aufnahme, die weniger die ästhetischen Transformationen betont als die Nähe zum Ursprung des musikalischen Materials - ein klassisches Konzert in der Nachbarschaft zum Jazz. Erst Martha Argerich in ihrer letzten Aufnahme erlaubt sich wieder solche Freiheiten, hat aber nicht diese Herbheit und Scharfzeichnung von Perlemuter, der eben nie sensualistisch weichzeichnet. Für die Interpretationsgeschichte eine wichtige Aufnahme - und Dank Vlado Perlemuters Authentizität immer noch ein wirkliches Hörvergnügen. :)


    Schöne Grüße

    Holger