Lieber Jörg,
faszinierend - schreibt Gurnemanz. Und dieses Wort trifft sehr genau, wie ich Dein neues Gedicht empfinde, das wieder ungeheuer farbenreich und vielschichtig geraten ist!
Vielen Dank auch für dieses!
LG, Elisabeth
seit 200422 Jahre Klassikgespräch
Tamino Klassikforum · seit 2004 · DAS Internetforum für klassische Musik
Lieber Jörg,
faszinierend - schreibt Gurnemanz. Und dieses Wort trifft sehr genau, wie ich Dein neues Gedicht empfinde, das wieder ungeheuer farbenreich und vielschichtig geraten ist!
Vielen Dank auch für dieses!
LG, Elisabeth
liebe elisabeth, lieber gurnemanz,
herzlichsten dank für eure lieben worte. ich freue mich sehr!
und ja, lieber opernkollege, du hast recht, ganz bewußt habe ich z.t. (zu) vertraute bilder zu 'ent'kombinieren versucht und bewußt in den strophen 1 und 3 bzw. 2 und 4 die 'positiven' bzw. 'negativen' empfindungen/möglichkeiten/fragen bzgl . des 'du' verarbeitet, obwohl auch die positiven schon ein wenig'eingetrübt' sind. ganz wichtig wieder die ambilvalenz der 'metaphern'.
euch beiden und allen anderen auch nur das allerbeste im neuen jahr ![]()
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LVI.
Warum Schnee?
Warum Schnee in den Augen,
warum ein geschorener Mund?
Brach liegen Träume -
fuhr man Narben schon ein?
Öl greift in Wolken -
zwei Sensen,
gefror’n
Haar wird gewogen;
auch Namen
mischt man mit Spreu
Dann erntet man Brauen -
doch warum taugen
die Flügel zu nichts?
Im Eis tanzen Rachen,
und ein Sandherz zerfällt ...
Dann Schweigen,
Traumspur -
bloß Schnee
folgt auf’s Wort
(c) 2008, Jörg Borse
Lieber Zauberschloßherr,
da lese ich heute wieder Beeindruckendes von Dir - das tröstet ja ein wenig über Deine gestrige Abwesenheit hinweg. Ein herzliches Dankeschön erneut!
Der winterlichen Kälte angemessen, eindrucksvoll - und wieder der "klingsorsche" merkwürdige Schluß!
Im Eis tanzen Rachen,
und ein Sandherz zerfällt ...
... das gefällt mir besonders: "Sandherz" - ja!
lieber gurnemanz,
erneut, herzlichen, nein herzlichsten dank für lob und gefallen und die lieben worte - auch diejenigen über mein fehlen am gestrigen tage. ich habe mich sehr darüber gefreut
und nehme sie als ansporn für weiteres wie kommendes erscheinen.
einen wunderbaren abend
jörg ![]()
LVII.
Elegie
(An J.-A.)
Du mußtest aus Händen
zweier Engel sein:
Wie ein Jahrhundert,
das begann
In der Hand schliefen Meere,
und es schien,
als wöge man Gärten
in Deinem Mund
Auch Wolken bereisten ein Lachen;
Deinen Namen
schrieb man auf Luft
Und Deine Lider,
seestill und blau:
Man vergaß,
die Träume zu zähl’n ...
Doch auch Engel werden gewogen,
und Einer kam
wie ein Schneien über’n Tag
Von Deiner Stirn wusch er Blumen -
dann trat er aus Räumen
und löschte die Zeit
(c) 2009, Jörg Borser
Ein ganz neuer Ton, lieber klingsor, und er gefällt mir wohl! Eine mildere, freundlich-warm-abgedunkelte Sprache, eben "elegisch" - da frage ich mich, ob dies ein (einmaliges?) Abweichen von Deiner selbstgewählten Hauptstraße ist oder ob sich nun ein neuer Weg auftut ...?
Und der Schluß erinnert mich von fern an das "Motto" der Opernfigur, deren Namen ich selbst hier führe: "... zum Raum ward hier die Zeit."
Wie auch immer: Danke!
lieber raum-und-zeit-weiser gurnemanz,
auch diesmal sei bedankt. ich freue mich sehr!
und mit deiner betrachtung hast du völlig recht. ob aber ein neuer weg? ich denke nein. ich versuche nur, im rahmen meiner 'sprache' verschiedene 'stile' auszuloten und dem jeweiligen metier am besten entsprechend, anzuwenden.
und deshalb habe ich hier (das soll auch der ins 19.jhd. weisende titel verdeutlichen) einen 'rückgriff' unternommen in frühere zeiten, da ich es der thematik angemessen empfand und ganz bewußt ein 'schönes' gedicht schreiben wollte.
natürlich hätte ich es auch 'moderner' schreiben können, im stile meiner letzten gedichte und damit ganz anders (vielleicht sollte ich das mal zusätzlich. wäre literaturhistorisch interessant :-)). aber das wollte ich nicht.
z.zt. beschäftige ich mich auch mit 'gedichten aus alter zeit' bzw. 'romantischen gedichten' (titel steht noch nicht fest), bei denen eine romantisierende sprache 'moderne' metaphern begleitet. auch hier ist dies der fall.
ich wünsche eine wunderbare traumreiche nacht
jörg
Habe gerade entdeckt, dass ich vor langer Zeit einmal angefangen habe, "Anrufung" zu vertonen. Das Relikt ist enharmonisch leider eine Katastrophe (fängt in gis-Moll an, moduliert aber häufig nach eis-Moll (!)), hat aber, glaube ich, ansonsten Potential. Wenn du noch immer nichts dagegen hast, versuche ich mal, das Ganze zu Ende zu komponieren und, natürlich nur mit deiner Zustimmung, jemanden zu finden, der es aufführt.
Fragend und grüßend
Philipp ![]()
EDIT: So hört sich das Ganze bisher als midi-Datei an:
http://rapidshare.com/files/186727791/Anrufung.mp3.html
Wenn es dir nicht zusagt (vielleicht hättest du dir zu deinem Text eher etwas Pantonales vorgestellt?), arrangiere ich das Ganze einfach für Klarinette oder Flöte und Klavier um. ![]()
hallo, philipp,
natürlich kannst du es fertig komponieren und jemanden finden, der es aufführen möchte. du bist darin ganz frei (zumal ich leider über den file nur sehr wenig hören bzw. mir vorstellen kann).
aber auf jeden fall freue ich mich, daß dich meine worte anregen und bin gespannt. ![]()
ps: was verstehst du denn unter 'pantonal'?
LVIII.
Rosenende
Doch von Dir wußte ich nichts,
nichts von den Weiden,
den weißen Strähnen im Mund,
nichts von Fingern
und zehn Fragen aus Milch
Vielleicht hätt’ ich sonst den Flug
Deiner Tauben begriffen
oder die leichten
Spiegel im Meer
Oder ich hätte die Namen
der Erde gelernt
und den Gesang
aus Wolken dazu
O, wie gern’
hätt’ ich Finger getrunken,
auch zehnmal die Rinde
der Augen geschnitzt
Und mit Milch
wär’ ich bis ans Ende
der Rosen gegangen ...
Doch von Dir ahnte ich nichts:
Nur in Krügen
verschlossene Worte
und Strähnen,
gewogen im Ton
(c) 2009, Jörg Borse
Ja, lieber klingsor, das gefällt mir gut! Was sich schon in Deinem letzten Gedicht abzeichnete: Ich habe den Eindruck, daß sich bei Dir gerade etwas wandelt, wie eine Häutung (?), der Stil wird flüssiger, die Sprache empfänglicher, weicher...? Oder werde ich empfindlicher für rätselhafte Lyrik, da ich gerade beginne, mich für Baudelaire und Mallarmé zu erwärmen (wenn auch in deutscher Übersetzung)?
Wie's auch sei: Meinen herzlichen Dank auch für das Rosenende!
lieber gurnemanz,
erneut meinen allerherzlichsten dank. ich freue mich sehr!
und mit deiner betrachtungsweise hast du vollkommen recht. noch würde ich aber nicht von einer häutung sprechen, sondern nur von einem adäquaten anpassen der sprache an den gegenstand und den angestrebten ausdruck. ich versuche, neue stil- und sparchliche mittel anzuwenden, auszuprobieren und nebeneinander zu stellen.
das nächste - fast fertige - wird dich dahingehend wohl überraschen. ![]()
herzliche und dankende grüße
jörg
LIX.
Hexenlied
Rattentod und Sterbenest,
Beinhaus heißt mein Kuß
Rabenschlaf und Nachtherz, komm’ -
Du bist Liebe,
die sei tot!
Schattenwort und Vogelbett,
Haare faulen, Rachelied
Abendlefzen, Augenhaut -
nun, Kindlein, stirb:
Ich bin Liebe,
die ist alt!
Zaubersprüche, über Kreuz,
Pferderücken, blut’ger Mund
Traumesfetzen, todestot -
Du bist Liebe
und warst falsch!
(c) 2009, Jörg Borse
Überraschung gelungen, lieber Hexenmeister! Wieder ein neuer Ton und er gefällt mir gut - nach dem Andante oder Adagio davor jetzt ein Scherzo? Jedenfalls habe ich mir das Hexenlied laut vorgelesen und bemerke bei mir einen ganz anderen (leichteren, frecheren) Tonfall als noch beim Rosenende. Danke!!
lieber gurnemanz,
erneut bleibt mir nichts übrig, als von herzen dank für dein lob zu sagen.
und zugleich für den interessanten musikvergleich zu danken. was mich besonders freut, da ich meine gedichte ja generell als worte ohne musik bezeichne.
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generell ist dieses gedicht ja neben atmosphärischen auch noch viel mehr: eine geschichte sowie eine reflektion über tiefe gefühle wie rache, hass und enttäuschte liebe. zudem ist es - was wahrscheinlich und (hoffentich) gar nicht auffällt, mein konstruiertetes gedicht. der begriff 'über kreuz geschrieben' ist symptomatisch.
wenn ich da jetzt alles aufzählte ..o je, da säße ich tage dran. aber kleine beispiele: worte (halbworte) werden variiert, nehmen bezug zueinander (nest, bett; oder beinhaus,schattenwort, todestot) in regelmäßigen abständen, oft über kreuz; dann der 3-tlg. aufbau, scheinbar immer ähnlich, aber doch verschieden. dann ist in allen strophen 1-5 in der 1. zeile tierisches , in der 2. 4. und 6. heißt es du bist liebe, ich, du ..etc.pp ...
ich kann die vielfalt nur anreißen und hoffe, es ist ein wenig deutlich geworden?
herzlich
jörg
ps: das nächste - schon fertig - wird wiederum ganz anders.
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Lieber klingsor,
eine aufschlußreiche Erläuterung, denn sie erklärt, warum ich spontan an Musik gedacht habe (an ein Scherzo), nicht nur wegen der Klänge, die ich sofort empfand, sondern auch über die bündige Form: Ja, daß es konstruiert ist, sogar in hohem Maße, das leuchtet mir ein, obwohl es andererseits auch wie schnell und ohne Absicht hingeworfen wirkt, wie spontan.
Nun bin ich gespannt auf Deinen nächsten Wurf.
ZitatOriginal von Gurnemanz
Ja, daß es konstruiert ist, sogar in hohem Maße, das leuchtet mir ein, obwohl es andererseits auch wie schnell und ohne Absicht hingeworfen wirkt, wie spontan.
lieber gurnemanz, genau so war es auch gedacht. schön, daß es auch so vermittelt wurde.
einen schönen abend
jörg
LX.
Neigen
Im Verneigen sinkt ein Gott dahin
und bietet seine Hand
Nur kurz
ein Gleiten
bis sein Arm verraunt
Er faßt
und läßt Dich
zu den Toten geh’n
Und im Hinübertreten
singt
Unsterbliches vorbei
(c) 2009, Jörg Borse
Diesmal, lieber klingsor: Das finde ich einfach nur schlicht und schön! Und wieder neu!
lieber gurnemanz,
und erneut freue ich mich über deine worte. ![]()
auch das nächste sollte wieder ganz anders werden.
herzliche abendgrüße
jörg
Lieber Jörg,
ich habe so lange keine Gedichte mehr gelesen, um so mehr hat mich dein letzte Gedicht berührt, es hat einen sehr tiefen Sinn, der in meiner jetzigen Verfassung tief mein Herz berührt.
Wenn du irgendwann mal einen Gedichtsband machst, melde ich mich schon mal zum Kauf an.
Es grüßt dich herzlich ![]()
liebe musica,
ganz, ganz herzlichen dank für deine lieben worte.
selbstverständlich werde ich dann an dich wg. des buches denken. ich hoffe, es wird tatsächlich in absehbarer zeit klappen. ![]()
dir auf jedenfall fall eine gute und wunderbare zeit mit der hoffnung, daß es dir gut geht!!!
lg
jörg
Lieber Klingsor, dein letztes Gedicht rührt an viele intensive und gute Erfahrungen, die ich mit Sterbenden gemacht habe.
Und bringt- auf einer ganz anderen Ebene- Verse in mir herauf, die ich erinnere(wahrscheinlich nciht richtig) und deren Autor mir nciht mehhr einfällt.
Gedulden, gedulden, gedulden
Gedulden unter dem Blau
Was wir dem Zweifel verschulden
macht uns das Reifen genau
Auf einmal lohnt sich der Glaube
ein Windhauch kommt, eine Taube
ein leisester Anstoss geschieht
eine Frau neigt leichtt sich entgegen
und bringt ihn zu Fall diesen Regen
in dem ein Gesegnetes kniet.
Keine Ahnung warum mir das gerade jetzt einfällt.
In jedem Fall danke für das MIt-Teilen dieser Deiner Verse!
F.Q.
liebe feenkönigin,
dank auch dir für deine liebe antwort. ich freue mich, besonders auch über das schöne gedicht. es handelt sich um 'palme' von paul valery, dessen genauen text aber auch nicht im kopfe habe.
schön, daß es dir bei meinen worten einfiel. es paßt auch, wenn es auch 'tröstender' ist als das meine. denn bei mir spielt ja das vorbei singende unsterbliche mit dem begriff 'vorbei (d.h. zuende) sein' bzw. es hat '(daran) vorbei' gesungen (und das ist eher intendiert).
herzliche grüße
![]()
(Neufassung folgt!)
Lieber klingsor,
gerade gelesen, mehrfach, doch diesmal habe ich Schwierigkeiten, offen gesagt: Neigen fand ich runder, in sich stimmiger. Hier jedoch sträubt sich's mir: "im Fell brannten Reistanz...", "sein Geschlecht schärfte den Mond" und andere Wortbilder - damit komme ich nicht zurecht. "Irritierend" - das trifft es. Aber vielleicht ist genau das Deine Absicht: verwirren, beunruhigen...? Gar nicht "stimmig" sein wollen?
lieber gurnemanz,
vielen dank für deine ehrliche antwort. ich schätze dies sehr! nur so kann man das selbstgeschriebene auch aus 'anderen warten' reflektieren.
einige worte, nun: bewußt irriteren sollte es nicht. und ich sehe es selbst auch nicht so.
tatsächlich - es wird wohl ein 'ausnahmegedicht' bleiben, mußte aber einfach geschrieben werden - ist hier der stil ein wenig fremder. ich wollte zum einen das gefühl von ravels sheherazade, andererseits aber auch von 'grausamen' szenen und darstellungen in asien einfangen, die uns europäer immer noch verschrecken können (wie ich dies letztes jahr vielfach in vietnam erfahren konnte). natürlich spielt hier auch ein erotische komponente mit. durch die wahl der metaphern wollte ich diese verstörende, phantastisch überbordende, zugleich faszinierende, luxuriöse und zugleich 'grausame' gefühl einfangen.
und dies alles mit einem eher 'ausschweifenderen', prosaischeren, 'östlichen' stil.
auch wenn ich dieses nicht zu meinen besten gedichten zählen würde (das war mir vorher schon klar), war es mir ein mich seit 2003 verfolgendes bedürfnis. und ich finde es trotzdem noch recht gelungen. ![]()
das nächste wird sich wieder im alten '(sprach)rahmen' bewegen. ![]()
herzlich in den abend grüßend
jörg
ZitatOriginal von klingsor
das nächste wird sich wieder im alten '(sprach)rahmen' bewegen.
Das verrät insofern nicht zu viel, lieber klingsor, als ich ja inzwischen weiß, daß Dein Rahmen nicht eben eng ist und für vieles Raum läßt - ich freue mich drauf.
Und daß Du auch meine kritische Reaktion ohne Groll annimmst, ermuntert mich, offen zu bleiben. Danke für Deine klare und einleuchtende Erläuterung - muß mal selbst wieder auf den Ravel zurückkommen...
Eine erholsame Nacht!
lieber gurnemanz, das freut mich.
und danke nochmals für die kritik. sie hatte zudem einen wunden punkt berührt, da ich mit dem gedicht selbst nicht zufrieden war ... ich werde es nochmals bearbeiten oder doch das projekt 'aufgeben' (man sollte einfach nichts erzwingen ...).
herzlichst und diesmal auf besondere art und weise dankbar
jörg