Operette tot?

  • Die Operette ist die bekannteste aller
    Kunstgattungen.


    Die Operette ist die unbekannteste aller
    Kunstgattungen.


    Die Operette kennt jeder, denn jeder
    kennt Operetten.


    Die Operette keinnt keiner, denn niemand
    kann sagen, was Operette ist.


    Die Operette ist ihre eigenen Dauerkrise.


    Operetten wird es immer geben.


    Dieser Spruch fiel mir eben in die Hände.

  • Hallo. musica!


    Da ich lange nichts mehr von Dir hörte teile ich Dir mit, daß ich mir mit dieser Aufnahme wieder etwas gute Laune zur Gemüte führe. Ja, wenn wir unsere Operetten nicht hätten! Melde Dich mal wieder!




    Gruß Wolfgang

    W.S.

  • Hallo Wolfgang,


    Wiener Operette mit Wiener Charme, sehr schön. Außer Rita Streich sind mir die Sänger nicht bekannt, habe ich etwas versäumt?


    :jubel:

  • Hallo, musica!


    Es freut mich, von Dir mal wieder etwas zu hören. Über den "Bettelstudent" von ENGELBERT kann ich mir kein Urteil erlauben. Nur soviel: Zur Operette, die mir gefallen muß, gehören erstklassige Sänger. Und, das wissen wir beide sehr gut, sind Operetten oft schwerer zu singen als Opern, wegen ihrer Leichtigkeit.


    Die Sänger und Sängerinnen der Operette "Wiener Blut", von der wir reden, sind allesamt erstklassige Interpreten. Irma Beilke war eine sehr gute Koloratur-Sopranistin, die auch einen eigenen Thread hat. (Bei mir z.Beisp. Zerline in "Fra Diavolo"). Die anderen Interpreten habe ich zumeist in verschiedenen Operetten-Aufnahmen.



    Gruß Wolfgang

    W.S.

  • Hallo, musica!


    Es freut mich, von Dir mal wieder etwas zu hören. Über den "Bettelstudent" von ENGELBERT kann ich mir kein Urteil erlauben. Nur soviel: Zur Operette, die mir gefallen muß, gehören erstklassige Sänger. Und, das wissen wir beide sehr gut, sind Operetten oft schwerer zu singen als Opern, wegen ihrer Leichtigkeit.


    Wem sagst du das....man muss halt alles können, singen, spielen, tanzen, sprechen....


    Zitat


    Die Sänger und Sängerinnen der Operette "Wiener Blut", von der wir reden, sind allesamt erstklassige Interpreten. Irma Beilke war eine sehr gute Koloratur-Sopranistin, die auch einen eigenen Thread hat. (Bei mir z.Beisp. Zerline in "Fra Diavolo"). Die anderen Interpreten habe ich zumeist in verschiedenen Operetten-Aufnahmen.


    Gruß Wolfgang


    ich werde mich mal schlau machen und nachlesen, man lernt ja nie aus. :hello:

  • Hallo liebe musica,


    ich persönlich glaube, dass die Operette nicht tot ist, wobei, wenn ich das richtig sehe, der Begriff Operette ja auch nicht unbedingt eindeutig ist. Einige sogenannte Operetten werden ja von ernsthaften Musikwissenschaftlern und auch Dirigenten ohne Weiteres als (komische, volkstümliche oder wie auch immer ) Opern eingestuft, wenn ich z.B. an den Zigeunerbaron oder die Fledermaus denke. Also die Mehrzahl der Operetten sind schon genau solche Werke für die Ewigkeit wie die Mehrzahl der Opern.
    Ich habe in meiner Jugend viele Operetten am Fernsehen gesehen und auch etliche live im Theater und habe ein inniges Verhätltnis zur Operette entwickelt.
    Als junger Chortenor war mein erster Operettenchor der Einzugsmarsch aus dem Zigeunerbaron, und ich habe mich auch im privaten Kreis an der einen oder anderen Tenorarie versucht, z. B. am Wolgalied aus dem Zarewitsch oder dem Auftrittslied der Barinkay aus dem Zigeunerbaron.
    Ein Tenor, der mit uns und unserem Chor schon mehrere Chorkonzerte zusammen gemacht hat, unter anderem zuletzt den Messias zu Weihnachten, ist z.B. an der Dresdner Staatsoperette engagiert, und solange noch irgendwo Operette in einer solchen Umgebung regelmäßig aufgeführt wird, ist sie auch nicht tot.
    Neben dem schon genannten Zigeunerbaron und der Fledermaus gehören der Bettelstudent und er Vogelhändler zu meinen Lieblingsoperetten.


    Liebe Grüße


    Willi :thumbsup:

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Das die Operette nicht tot ist, dazu leistet mein Ensemble seinen Beitrag. Hier einige Programmpunkte für das nächste Konzert:


    F. Lehar:
    Zarewitsch:

    Wolgalied
    Einer wird kommen


    Giuditta:
    Meine Lippen, sie küssen so heiß


    Land des Lächelns:
    Dein ist mein ganzes Herz


    Die lustige Witwe:
    Lippen schweigen


    C. Zeller
    Der Vogelhändler

    Grüß Euch Gott
    Schenkt man sich Rosen in Tirol


    J. Strauß
    Die Fledermaus
    Spiel ich die Unschuld vom Lande


    Zigeunerbaron
    Ja das Schreiben und das Lesen
    Wer uns getraut
    Werberlied


    R. Stolz
    Der Favorit
    Du sollst der Kaiser meiner Seele sein


    R. Sieczynski
    Wien, Wien nur du allein


    F. Grothe
    Die schwedische Nachtigall

    Lied der Nachtigall


    :hello:

  • Als junger Chortenor war mein erster Operettenchor der Einzugsmarsch aus dem Zigeunerbaron, und ich habe mich auch im privaten Kreis an der einen oder anderen Tenorarie versucht, z. B. am Wolgalied aus dem Zarewitsch oder dem Auftrittslied der Barinkay aus dem Zigeunerbaron.

    Lieber Willi,


    hierzu fällt mir ein, dass ich Anfang der 60er noch eine Aufnahmeprüfung ablegen musste, bevor ich in den Gesangverein meines Geburtsortes aufgenommen wurde. Der Chor umfasste über 100 Mitglieder, hatte viele Preise gewonnen und war damals weit über die Grenzen des Landkreises Duderstadt hinaus bekannt. Ich wählte die Passage: hast du dort droben vergessen ... aus dem Wolgalied. Ich musste mehrmals anfangen, und immer einen Ton höher, bis ich zum Schluss alles mit Kopfstimme sang. Daraufhin wurde ich dem 1. Tenor im Chor zugewiesen mit den Worten, jetzt habt ihr einen der hoch und leise singen kann. Die folgenden Jahre im Chor werden mir unvergesslich bleiben. Der Operette bin ich bis heute treu geblieben, obwohl von Ausnahmen abgesehen, gute Operettensänger heute rar gesät sind.


    LG, Bernward


    "Nicht weinen, dass es vorüber ist
    sondern lächeln, dass es gewesen ist"

    Waldemar Kmentt (1929-2015)


  • Da hast du sicherlich Recht, lieber Bernward, obwohl ich die heutige Operettenszene nicht mehr so kenne. Das war vor Jahrzehnten noch anders, wo fast jede Woche eine andere Operette im Fernsehen lief und auch veritable Sängergrößen wie Kurt Böhme in Operetten auftraten, Kurt Böhme, der mir nicht nur als einer der ganz großen Opernbässe, sondern auch z.B. in seiner Rolle als Kálmán Szupán, dem Schweinefürsten (übrigens nicht zu verwechseln mit dem Baron Koloman Szupan aus der "Gräfin Mariza" von Emmerich) unvergesslich geblieben ist.
    Aber um auf die Operettentenöre zurückzukommen, war mir einer der liebsten Peter Minich, der nicht nur stimmlich, sondern auch schauspielerisch zu überzeugen wusste, z.B. in seiner Rolle als Adam im "Vogelhändler", sowie der beliebte Tenorbuffo, mein Namensvetter Willy Hofmann.


    Liebe Grüße


    Willi :)

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

  • Hallo, musica!


    Mir bleibt die Operette weiterhin erhalten. Heute brauche ich zum Abschalten einfach leichten Genuß. In Form von Ausschnitten aus dem "Bettelstudent", "Gasparone", "Eine Nacht in Venedig" und dem "Zigeunerbaron". Natürlich mit guten Sängern. Eine Wiener Aufnahme mit Gerda Scheyrer und Karl Terkal. Obwohl auch Wagnerianer, aber ohne Operette würde mir wirklich was fehlen.



    Gruß Wolfgang

    W.S.

  • Lieber Wolfgang,


    ja, kann ich gut verstehen, mir geht es ebenso und wie ich eben über google festgestellt habe, gibt es doch noch einige Theater, die Operette auf dem Programm haben.


    Wir haben sicher viel zu erzählen.....


    :hello:

  • Hallo, musica!


    Ich habe ein Sängerportrait mit drei CD von dem ehemaligen Kölner Tenor JEAN LÖHE erworben, wo einige Operettenquerschnitte u. A. auch selten gespielte Stücke drauf sind. Es gibt Ausschnitte aus "Die Dubarry", "Gasparone", "Der arme Jonathan", "Die Czardasfürstin", "Gräfin Mariza", "Der Vizeadmiral" (Millöcker), "Clivia", "Die Vielgeliebte", "Der Kurier der Königin" (Dostal), "Das Dreimäderlhaus", "Schwarzwaldmädel", "Balkanliebe", "Der Vetter aus Dingsda", "Cagliostro in Wien", "Flieder aus Wien" (Raymond), "Der Vogelhändler", "Marietta", "Zigeunerliebe" und der "Der Bettelstudent".


    Da habe ich Einiges zu hören. Darum noch einmal: "Die Operette ist nicht tot", jedenfalls nicht für uns!



    Herzlichst Wolfgang


    Königswinter

    W.S.

  • Ich glaube nicht, daß die Operette tot ist - schon deshalb nicht, weil einige, die dies lauthals verkünden.


    Operette widersetzt sich erfolgreich dem Regietheater - vielleicht scheint sie deshalb der Regietheatermafia - nutzlos und nicht erhaltenswert.


    Mörbisch und sein Erfolg wird immer wieder gern ins Treffen geführt - und in der Tat zu Recht.
    Und weiter oben wurde irgendwo die Vermutung geäussert, dieser Erfolg sei nur der großen Seebühne und dem großen Aufwand zu verdanken.


    Das sollte man differenziert betrachten. In der Tat ist ein gigantischer Aufwand ein Pluspunkt, den eine Operette erst attraktiv erscheinen lässt, diese heitere Scheinwelt. Zudem gehört noch eine Portion subtilen Humors hinzu, von mir aus auch kräftigen.
    Leider lassen viele Aufnahmen die ich aus Deutschland gesehen habe diese Zutat vermissen - oder es wird billiger Klamauk geboten, wie beim "berühmten" "Weissen Rössel". Ich habe diese Aufnahme zwar genossen - sie aber eher im Bereich des Kabaretts angesiedelt gesehen....


    Die Seebühne ist indes nicht nur ein Vorteil. Die muß gefüllt werden, stellt akustisch Probleme dar, die allerdings seit einigen Jahren optimal gelöst wurden - und lässt die Solisten klitzeklein erscheinen - von den Imponderabilien des Wetters mal ganz abgesehen.
    Operette wurde für Opernbühnen geschrieben, da kommen sie - richtig inszeniert - am besten zur Geltung.


    Auf der Suche nach Bildern von der Mörbischer Inszenierung des 2011er Zigeunerbaron bin ich auf etwas anderes gestossen, eine Aufzeichnung des Auftrittslieds von Zsupan - aufgenommen in Bad Ischl....


    [media]1yxRnwUijpI[/Youtube]


    Das ist Operette wie sie einst an kleineren Theatern gespielt wurde (diese Einspielung entstand indes erst 2008 )


    Wo findet sich hier nun das, was ich als "subtilen Humor in der Operette" bezeichne ?
    Man betrachte die dickliche Fleischhauerfigur des Zsupan, die in ein "schweinchenrosa" Rokokokostüm (!!) gezwängt ist, und dabei geradezu kokett herumtänzelt, erfolgsgewohnt, selbstgefällig - nein selbstverliebt....


    Und eine Prise Kitsch kann auch nicht schaden.....


    Am Rande darf ich noch das Enagement des Labels cpo erwähnen, welches in letzter Zeit einige Neuaufnahmen unbekannter Operetten herausbrachte.....


    mit freundlichen Grüßen aus Wien


    Alfred


    Jeder, der versucht aus der großen Herde, die da heißt ›Gesellschaft‹, auszubrechen, ruft das Mißfallen der Herde hervor.

    Francesco Petrarca (1304-1374)


  • Zitat

    Operette widersetzt sich erfolgreich dem Regietheater

    Leider wohl nicht ganz. Wenn ich daran denke, was wir an Operetten von der Komischen Oper Berlin im Fernsehen vorgesetzt bekamen und wenn ich auch an die Frankfurter Fledermaus denke, dann wird es mir noch jetzt übel. Ich freue mich jedes Jahr auf die Mörbischer Seefestspiele.


    Liebe Grüße
    Gerhard

    Regietheater ist die Menge der Inszenierungen von Leuten, die nicht Regie führen können. (Zitat Prof. Christian Lehmann)

  • Gottseidank wird die Operette auch an der Wiener Volksoper wieder Ernst genommen, was bei den Vorgängern des jetzigen Direktors nicht immer der Fall war und auch versäumt wurde, ein jüngeres Ensemble aufzubauen.


    Aber ich weise auch wieder einmal auf das Badener Theater hin, das nicht nur in seiner Sommerarena prächtige Aufführungen ohne Modernismen bietet.


    Auch gibt es rund um Wien und auch in Wien immer wieder lohnenswerte Sommer - Operette zu sehen und zu hören.


    Liebe Grüße von


    Erich, dem Operngernhörer

    Meine Meinung steht fest. Bitte verwirren Sie mich nicht durch Tatsachen.

  • Mein lieber Freund Erich!


    Deine Worte bezüglich der Wiener Volksoper sind ja richtig, doch auch hier entsinne ich mich einer grauslichen Geschmacksverirrung ("Die lustige Witwe"), ansonsten aber seien wir froh, dass die Sparte Operette an der Währinger Straße eine gute Heimstätte hat, obwohl Du richtig anmerkst, dass man mehr tun könnte (Ensemble, Dirigenten, die nicht nur wild hineindreschen lassen, wie leider oft der Fall ist - an dieser Stelle muss ich anmerken, dass der Orchestergraben generell tiefer abgesenkt gehörte).


    Aus der Operettenstadt Wien grüßt
    Fritz, der diese Kunstform eigentlich mehr am Rande goutiert.

    Arrestati, sei bello! - (Verweile, Augenblick, du bist so schön!)

  • Als Deutscher habe ich da mal eine Frage an die Österreicher. Bei der Diskussion "Operette tot oder nicht?" werden immer wieder die Mörbischer Seefestspiele als postives Beispiel angeführt. Vom Bad Ischler Lehár Festival ist aber so gut wie nie die Rede, obwohl sich meines Wissens gerade dieses auch um wenig gespielte Operetten verdient gemacht hat. Siehe auch jüngstes Beispiel mit dem "Fidelen Bauern" von Leo Fall.


    :?: Uwe

  • Lieber Uwe,


    das ist ein guter Hinweis. Wahrscheinlich sind die Mörbischer Festspiele die bekannteren, weil sie jedes Jahr (bisher nur mit einer Ausnahme, weil die Lizenz nicht gegeben wurde) vom ORF und von 3sat übertragen werden. Ich habe bisher noch nicht entdeckt, dass auch die Bad Ischeler Lehár-Festspiele übertragen werden, oder habe ich das übersehen? Vielleicht kannst du ja im Thema "Übertragungen in Rundfunk und Fernsehen" rechtzeitig darauf aufmerksam machen, wenn du so etwas entdeckst. Ich glaube, dir wären außer mir noch andere Taminos dankbar.


    Liebe Grüße
    Gerhard :hello:

    Regietheater ist die Menge der Inszenierungen von Leuten, die nicht Regie führen können. (Zitat Prof. Christian Lehmann)

  • Die Operette ist auf keinen Fall tot, ich würde eher sagen, dass diese vom Musical ein wenig in den Hintergrund gedrängt wurde, obwohl man diese beiden Genre eigentlich nicht miteinander vergleichen kann (wenn, dann vielleicht noch mit den frühen Musicals wie "My fair Lady", "Show Boat", "Hallo Dolly").


    Die Operette hat so viele unsterbliche Melodien hervorgebracht, die immer wieder gern gehört werden. Da aber die Handlungen vieler Operetten aus dem 19./20. Jahrhundert stammen (und leider auch oftmals " zu plüschig" inszeniert werden), werden sie in die altmodische Ecke gestellt.


    Mein Favorit bei den Operetten ist und bleibt "Orpheus in der Unterwelt" von Offenbach, da ist neben der grandiosen Musik auch die Handlung spritzig und zeitlos. :jubel:

  • Die Frage ist NICHT ketzerisch gemeint - mich interessiert die Antwort:


    Werden denn noch Operetten komponiert, um alleine schon deswegen von einer lebendigen Gattung sprechen zu können?

  • Hallo Wolfram,


    mir ist tatsächlich nicht bekannt, dass nach der "Frühjahrsparade" von Robert Stolz (1964) noch etwas gekommen ist. Überhaupt sind nach dem 2. Weltkrieg nur noch wenige Operetten bekannt( Fred Raymond, Gerhard Winkler, Erich Wolfgang Korngold haben kurz danach noch Operetten herausgebracht, die aber - soweit mir bekannt, von den Spielplänen verschwunden sind. Ich kenne außer diesen nur noch eine, die regelmäßig aufgeführt wird: Zeltinger Himmelreich von Stamm, aber die wird nur in Zeltingen selbst und nur von örtlichen Kräften gespielt (Und das weiß ich nur weil ich dort verwandte und Freunde habe).
    Das heißt aber nicht, dass die Operette tot ist. Vor allem werden immer wieder die großen Operetten von Offenbach, Strauß, Lehar Kalman usw. gespielt und ich habe den Eindruck, dass das in letzter Zeit vermehrt der Fall ist. Wieweit noch Neues bei der Zarzuela (der spanischen Art der Operette - die ich sehr liebe - entsteht, weiß ich nicht.


    Liebe Grüße
    Gerhard

    Regietheater ist die Menge der Inszenierungen von Leuten, die nicht Regie führen können. (Zitat Prof. Christian Lehmann)

  • Soweit mir bisher bekannt geworden ist, sind so ziemlich die letzten uraufgeführten Operetten folgende:


    1976 Schach dem Boss von Igo Hofstetter
    1969 Die Jungfrau von Paris von Friedrich Schröder
    1963 Rhapsodie der Liebe von Nico Dostal
    1963 Alles Kapriolen von Siegfried Köhler


    Die kleine Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Wer neuere oder ähnlich neue Operetten anzubieten hat, soll sich bitte hier melden.


    Die von Wolfram angeführte Frühjahrsparade von Robert Stolz war mir bisher nicht bekannt und ich habe sie in meine kleine Liste aufgenommen. Von Stolz gab es Ende der 50er/Anfang 6oer auch eine neu uraufgeführte Operette "Wiener Café", die seinerzeit auch für den Rundfunk produziert worden war. Wer kennt hier das genaue Uraufführungsjahr?.


    Viel Spaß und Glück bei der Schatzsuche.


    :) Uwe

  • Von Robert Stolz findet sich folgendes:


    1956 – Kleiner Schwindel in Paris (Uraufführung am 31. Dezember 1956 am Theater in der Josefstadt, Wien )
    1962 – Trauminsel UA 27. Juli 1962, Bregenzer Festspiele, Seebühne
    1963 – Ein schöner Herbst (Uraufführung 5. Juni 1963, Theater in der Josefstadt, Wien)
    1964 – Frühjahrsparade (Uraufführung am 5. März in der Volksoper Wien)
    1969 – Hochzeit am Bodensee, UA 23. Juli 1969, Bregenzer Festspiele, Seebühne


    :hello:

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • Als Deutscher habe ich da mal eine Frage an die Österreicher. Bei der Diskussion "Operette tot oder nicht?" werden immer wieder die Mörbischer Seefestspiele als postives Beispiel angeführt. Vom Bad Ischler Lehár Festival ist aber so gut wie nie die Rede, obwohl sich meines Wissens gerade dieses auch um wenig gespielte Operetten verdient gemacht hat. Siehe auch jüngstes Beispiel mit dem "Fidelen Bauern" von Leo Fall.


    Nun, das sind zwei völlig unterschiedliche Ansätze. Mörbisch hat besonders in den letzten beiden Jahrzehnten durch geschicktes Marketing und große Investitionen in eine jetzt phantastische Seebühne fast im Alleingang die Operette wieder in der Öffentlichkeit populär gemacht. Das etwas jüngere Festival in Bad Ischl ist eine vergleichsweise intime Veranstaltung. Es gibt erst seit etwa einem Jahrzehnt eine ordentliche Spielstätte, die sich mit ihren ca. 800 Plätzen gegen die ca. 6.000 in Mörbisch sehr bescheiden ausmacht. In der richtigen Erkenntnis, dass man Mörbisch nicht direkt konkurrenzieren kann, pflegt man ein anderes Repertoire, und das mit spürbarem Erfolg. Es gibt bereits durchaus interessante Einspielungen aus Bad Ischl (bei cpo).

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • Ich kann mir vorstellen das Operette in einem kleineren Rahmen wie in Bad Ischl durchaus besser " rübergebracht " werden kann als in Mörbisch. Man muss in Mörbisch die große Bühne ja erst mal bespielen und die Akustik ist wahrscheinlich in Bad Ischl noch besser als in Mörbisch. Und Mörbisch hat in den letzten Jahren vor allem sängerisch stark nachgelassen. Und schwungvolle Inszenierungen habe ich in den letzten Jahren auch vermisst. Es wirkte alles irgendwie zu steif.

  • Der 1916 geborene französische Komponist Francis Lopez hat - sozusagen in der Offenbach-Nachfolge - in Frankreich regelmäßig bis zu seinem Tod 1995 immer wieder neue Operetten abgeliefert.



    siehe hier: http://www.musicaltheatreguide…s/lopez/lopez_francis.htm


    ergänzend zu den dort aufgeführten Titeln hier noch ein paar spätere Operetten:


    1967 Paris: "Der Prinz von Madrid"


    1968 Lille: "Viva Napoli"
    1968 Paris: "La Caravelle d'Or"


    1971 Lille: "Gipsy"


    1976 Paris: "Volga"


    Bei uns ist der Komponist vielleicht noch durch seine Operette "Der Sänger von Mexoco" bekannt.


    LG


    :hello:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Zunächst mal eine kleine Kostprobe der Neuinszenierung aus Bad Ischl. Man folgt neueren Inszenierungsansätzen das Stück als Klamauk aufzuziehen, und es nicht ernst zu nehmen. Mag das im Einzelnen diskutierbar sein, so ist das Ergebnis dennoch ein Vergnügliches. Das Couplet "Was kann der Sigismund dafür daß er so schön ist" habe ich nur selten so gut gehört wie in dieser Aufführung.
    Der Jubel des Publikums mag die Frage beantworten ob die Operette tot ist oder nicht...



    Hier ein Ausschnitt von 2010 "Der fidele Bauer"



    In Übrigen habi ich schon in Beitrag 163 dieses Threads auf eine Aufführung aus Bad Ischl hingewiesen und auf ein köstliches youtube-Video verlinkt:


    MU?? man gesehen haben....


    Wie unschwer zu erkennen ist, kommt man - ganz operettenuntypisch - mit einem Minimum an Dekoration aus
    und betont anstatt dessen die Humoristische Seite der Stücke - hier kann man - meiner Meinung nach -
    den grundlegenden Unterschied - zwischen "deutscher" und "österreichischer" Mentalität sehen -
    Letzter ist -in Sachen Humor der englischen nicht unähnlich - man denke hier an Monty Python....




    Schauplatz Mörbisch.
    Es ist die letzte Aufführung unter der Intendanz Harald Serafin. Und wenn die Ausschnitte nicht trügen so ist es eine der besten Aufführungen der letzten Jahre, nach dem ja auch das Land des Lächelns vergangenes Jahr schon eine Abkehr von den Tiefpunkten der letzten Jahre andeutete...


    Der Schlußaupplaus, der sich auf Grund der enormen Entfernung zwischen Publikum und Bühne nur allmählich entwickelt, zeigt auch die Nachteile von Monsterbühnen und Freilichtaufführungen auf. Operette ist in erster Line fürs Theater gemacht....



    mfg aus Wien


    Alfred


    Jeder, der versucht aus der großen Herde, die da heißt ›Gesellschaft‹, auszubrechen, ruft das Mißfallen der Herde hervor.

    Francesco Petrarca (1304-1374)


  • (Welcher deutsche Tenor sollte heute denn Operetten singen?)


    Jonas Kaufmann - siehe besser noch höre Konzert in der Berliner Waldbühne am 16. August 2011. :)


    Empfehlung von Rheingold

    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Und hier noch ein bedeutendes Bollwerk der Operette:
    Das Stadttheater Baden und die Sommerarena





    mfg aus Wien
    Alfred


    Jeder, der versucht aus der großen Herde, die da heißt ›Gesellschaft‹, auszubrechen, ruft das Mißfallen der Herde hervor.

    Francesco Petrarca (1304-1374)


  • Die Operette ist nicht tot zu kriegen. Dafür ist sie viel zu gut. Sie hat aber ein Problem. Das Problem ist die Vermittlung. In der Weimarer Republik, einer Hochzeit der Operette, verhalfen ihr solche Regisseure und Theater-Macher wir Erik Charell zu ungeahntem Ruhm, weil sie das Genre ernst nahmen. Es wurde nicht geglättet - vielmehr wurde das Frivole, Gemeine und Hintersinnige der Stücke nach außen gekehrt. Das hier auch in anderen Zusammenhängen genannte "Weiße Rössl" im Großen Berliner Schauspielhaus dürfte die Welt auf den Kopf gestellt haben. Die Inszenierung ist genau dokumentiert. In Verruf, der bis heute andauert, ist die Operette durch die Nazis gekommen. Schluss mit lustig, mit Anspielungen und Frivolität. Operette hatte der züchtigen Unterhaltung des deutschen Volkes zu dienen. Hitler liebte Lehár. Das hat der Lehár nun wirklich nicht verdient. Nach Kriegende rettete sich diese verordnete Sichtweise sowohl in die alte Bundesrepublik wie auch in die DDR. Schließlich gab es Wichtigeres. Beide deutsche Staaten waren zumindest in ihren Gründerjahren gleich bieder, humorlos und lustfeindlich. Um nur zwei Namen zu nennen: Schock und die Rothenberger - der eine den Beton im Gesicht, die andere den Beton als Frisur auf dem Kopf, haben der Operette nach meiner Überzeugung mehr geschadet als genützt, obwohl sie wirklich auch gut gesungen haben. Erst als diese Sängergenerartion des tiefen Missverständnisses abgetreten war, hat Operette wieder eine Chance.


    Rheingold :)

    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent