Operette tot?

  • Theater Arth (Schweiz) hat derzeit eine wunderbare Inszenierung von "PolenBlut (Nedbal) im Programm. Sehr witzig isnzeniert, hervorragend gespielt und gesungen.....

    mfg aus Wien

    Alfred

    Wenn ich schon als Vorbild nicht tauge - lasst mich wenigstens ein schlechtes Beispiel sein !



  • Ich möchte nur ein kurzes Statement zur Fledermaus aus Ferrara abgeben - und versuchen neutral und gerecht zu formulieren

    (hier noch mal verlinkt, damit man nicht suchen muß


    Wahrscheinlich werde ich der Einzige Tamino sein, dem diese Fledermaus gefällt und die meisten werden sich das Video erst gar nicht anschauen.

    So würde ich das nicht sehen:

    Beginnen wir mal bei einem interessanten Faktum:

    Das Publikum in Ferrara hat über große Teile der Aufführung eher verhalten reagiert.

    Lassen wir das mal beiseite und schaun wir welche Meinung Ich mir gebildet habe:

    Es gibt da mehrere Aspekte, aus denen man das beurteilen kann.

    Zunächst mal: Wenn Italiener was machen ist es IMMER geschmackvoll , elegant und grazil

    Man beachte die hübschen Jacket des Balletts (wahrscheinlich gefallen mit die so gut, weil ich mit 20 selber solche getragen habe - war damals noch gewagt:baeh01:)

    Aber auch die jugendlichen Akteure sind eine Augenweide.

    Die Choreographie ist einfach (und bestimmt nicht perfekt) aber optisch sehr ansprechend uns wirkungsvoll

    Ob eine halbszenische Darstellung dem Werk gerecht wird ist eine eigene Frage - aber man hat -typisch italienisch - das Beste daraus gemacht.

    Auffallen, daß ich den Eindruck hatte, daß alle Beteiligten enormen Spaß an der Sache hatten - weit über "Professionalität hinaus" Ein guter Schachzug der Regie war, daß das Ensemble sich zu gegebner Zeit mit Sektgläsern in den Zuschauerraum begab und dem Poblikum zuprostete. Spätestens hier waar der Bann gebrochen.

    Natürlich verlor das Stück wichtige Eigenheiten, einerseits das "wienerische" (geht ja auch nicht anders) und das "bombastisch-Repräsentative" (Fest bei Orlowsky)

    Andrerseits blieben wichtige Eigenschaften erhalten. Dazu gehört der Humor. Ich habe mit sowohl die beiden Couplet der Adele kritisch angeschaut - und ich muß sagen, die Darstellerin hat das mit meisterhafter Bravour gelöst. Hier ist vielleicht anzumerken, daß das "listige Dienstmädchen" ja vom Ursprung her eine Figur der "Commedia del Arte"

    ist - und das kam in der Darstellung hier gut heraus. Mir haben auch die kleinen Balletteinlagen gefallen, die den "Czardas" der Rosalinde" optisch unterstrichen haben. Der "Czardas - so habe ich es dereinst gelesen - ist übrigens gar keiner, sondern eine witzige Parodie, ein Fake - was ja zur Situation passt.

    Orlowsky ist eine russische Figur - also keine Verfremdung -OK. Der sehr "entkleidete" Alfredo zu Beginn - ist vermutlich durchaus realitätsnah, aber so hat man sich das um 1874 (!') nicht darzustellen gewagt....!!:hahahaha:

    Fazit: Wer die Fledermaus das erste Mal in dieser Aufführung sieht, kennt nur Teilaspekte des Werkes, wer aber das Werk schon seit Ewigkeiten in zahlreichen - immer wieder ähnlichen Aufführungen gesehen hat (Es werden ja meist Varianten der Otto Schenk Inszenierung gezeigt), der kann sich über eine erfrischende, jugendliche und "mutige" Alternative freuen - weitab vom Original - aber noch entfernter von irgendeiner Art von zerstörerischen Regietheater....

    Alles in allem ein Genuss


    Alfred Schmidt 2023

    für Tamino Klassikforum Wien

    Wenn ich schon als Vorbild nicht tauge - lasst mich wenigstens ein schlechtes Beispiel sein !



  • Diese italienischen "Fledermaus" konnte ich nichts abgewinnen. :( Mieser Ton, unscharfes Bild. Will das heuzutage wirklich noch jemand so sehen und hören? Der Dirigent bringt nicht einen Funken Schwung und Glanz in die Darbietung. Die Regie bedient sich bei einem Klischee nach dem anderen. Auch die Sänger finde ich nicht überzeugend. Die Raffinesse und Gewagtheit des Werkes wurde nach meinem Eindruck nicht an einer Stelle erfasst. Da reicht es nicht, Alfred in Unterhose hinzusetzen. Klamauk statt Erotik! Ich kann verstehen, dass das Publkum so verhalten reagierte.

    Es grüßt Rüdiger als Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent