Franz Schubert: 2. Sinfonie B-Dur - die Liebe und das Mädchen

  • Ich glaube auch nach einigem Nachhören, dass Herbert Blomstedt eine der überzeugendsten Gesamtaufnahmen der Schubert-Symphonien vorgelegt hat.


    Hallo Josef,
    immer diese "Kaufanreizsätze" ?(
    :?: Was macht denn die Blomstedtaufnahmen so umwerfend, wenn man meine Folgenden mir Vorliegenden berücksichtigt ???


    Mit Schubert hatte ich eigendlich abgeschlossen.
    Nach der GA mit Karajan (EMI) und nicht zu vergessen Karajan mit meinen hochgeschätzten Nr. 8 und 9 (DG) schätze ich die Kertesz-GA (Decca) ebenfalls überaus hoch. Dazwischen habe ich noch die spannenden Harnoncourt-Aufnahmen der Sinfonien Nr.1-6 (Warner) schätzen gelernt, die am Anfang dieses Threads mit Recht sehr beliebt und herausragend beurteilt wurden. Gegenüber Karajan haben die frühen Sinfonien weit mehr hörbare Strukturen und brio zu bieten. Wie ich über die beiden grossen Letzten mit Harnoncourt denke, darüber habe ich oft genug geschrieben = Ergebnis: :thumbdown:
    Dazwischen habe ich auch in Andere hineingehört, die von vornherein ausschieden ... Muti zum Beispiel ...


    Brüggen liegt noch für mich bereit (habe ich noch gar nicht abgeholt :D ) ... was soll ich nun noch mit Blomstedt ???
    :hello: Nenne mir weitere Gründe, die Harnoncourt und/oder Kertesz überflügeln und ich latze die 15Euro für Blomi gerne ...

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Hallo Wolfgang,


    na ja, Alfred hat das sehr schön in Beitrag 28 beschrieben, was die Blomstedt-Aufnahme(n) ausmacht. So vom Gefühl her würde ich sie auch am ehesten in der Kategorie "á la Böhm" einordnen, ohne jetzt behaupten zu wollen, es sei eine Kopie. Da ich um Deine Vorliebe für Karajan bei Schubert weiß, bin ich mir indes nicht hundertprozentig sicher, ob Dich der Blomstedt jetzt "umhauen" würde. Gerade bei der Großen C-Dur wird das ja schwerlich Deinem stromlinienförmigen Karajan-Ideal gleichen. Andererseits: Bei dem Preis kann man ja kaum etwas verkehrt machen. Sicher eine sehr gute Gesamtaufnahme, die keine Vergleiche zu scheuen braucht. Nur ist Deine Erwartungshaltung vermutlich eine andere als meine oder jene Alfreds. ;)


    Karajan finde ich bei der Zweiten (um die es hier ja primär geht) mit seinem spätromantischen Ansatz übrigens durchaus interessant und eine Empfehlung wert.

    »Das ist sehr groß, ganz toll! Man möchte sich fürchten, das Haus fiele ein.«

    – Goethe über den Kopfsatz der 5. Sinfonie von Beethoven

  • Jetzt habe ich - entgegen meinem Vorsatz - dennoch eine derhr kurzen Hörvergelich zwischen den beiden genannten Aufnahmen Böhm vs Blomstedt gemacht: Blomstedt ist dynamischer, soll heissen er kostet die Lautstärkeunterschiede stärker aus. Dennoch verliert er nie den "Liebreiz" des Werkes aus den Augen, Das mag teilweise ein Verdienst der Aufnahmetechnik sein, Böhm wirkt im unmittelbaren vergleich "braver", wobei es sich offensichtlich nur um Nuancen handelt. Aber- Joseph II sagte es bereits - das ist alles eine Frage der Erwartungshaltung. Die Unterschiede können auch via jpc Soundsamples recht gut gehört werden.
    mfg aus Wien
    Alfred

    SPARE IN DER NOT - DA HAST DU ZEIT DAZU



  • Nur ist Deine Erwartungshaltung vermutlich eine andere als meine oder jene Alfreds.


    So ist allerdings genau.
    Wenn ich mir jetzt nach den genannten Dirigenten noch eine weitere Schubert-Sinfonien-GA anschaffen würde als Karajan, Kertzesz und Harnoncourt incl.einiger Einzelaufnahmen mit Böhm, Szell und Bernstein, dann sollte das auch ganz anders oder revolutionär spannend sein.
    :!: Insofern verspreche ich mir von der Brüggen-GA einiges, die bereits von Alfred im Sinfonie-Nr.1-Thread für diese Sinfonie Nr.1 als "peitsched aggressiv, unwienerisch und ungehobelt" bezeichnet wurde und man solle (nicht ganz ernst gemeint) Schubert "weiträumig meinen", wenn man "normale" Aufnahmen als zu langweilig empfindet.


    Ich suche ja nicht den "wienerischen Liebreiz", sondern will was Spannendes hören, das mich nach meinen vorliegenden CD´s noch weiter aufwühlen kann. Insofern ist meine Erwartungshaltung natürlich genau diese und ich kann mir Böhm und Blomstedt (nach Eurer ausfürlichen Beschreibung) bei aller Werschätzung schonmal sparen ... denn die werden mir nicht viel Neues bringen.



    Ich habe vor einigen Tagen die Harnoncourt-Aufnahme (WARNER) der Zweiten gehört.
    Wie bei Kertesz, bin ich auch mit Harnoncourts spritzigem Ansatz voll zufrieden.

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Zitat

    Ich suche ja nicht den "wienerischen Liebreiz", sondern will was Spannendes hören, das mich nach meinen vorliegenden CD´s noch weiter aufwühlen kann.


    Da empfieht sich Strawinsky oder Schostakowitsch - Schubert ist zum "Aufwühlen" denkbar ungeeignet, ebenso wie Mozart und Haydn.


    Schubert "spannend " zu dirigieren ist ein typisch deutsches Mißberständnis, eine geschmackliche Entgleisung IMO, ebenso wie das Zuckern von Schlagobers, pardon "Sahne" :hahahaha:


    mfg aus Wien
    Alfred

    SPARE IN DER NOT - DA HAST DU ZEIT DAZU



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  • Da empfieht sich Strawinsky oder Schostakowitsch - Schubert ist zum "Aufwühlen" denkbar ungeeignet, ebenso wie Mozart und Haydn.


    Schubert "spannend " zu dirigieren ist ein typisch deutsches Mißberständnis, eine geschmachliche Entgleisung IMO, ebensü wie das Zuckern von Schlagobers, pardon "Sahne"


    RT-Kritik durch Bulvane? :D
    Nun hat ja auch Schubert seine düsteren Seiten und deutlich mehr als Haydn. Aber auch bei ihm findet sich so Einiges, z.B. die ergreifenden, düsteren Mollklänge der Einleitung zur Schöpfung.
    Doch dem Andante von Schuberts Zweiter den Leibreiz nehmen zu wollen, wäre schon ein Missverständnis. Da finde ich, das selbst der gute Blomstedt mit seinem langsamen Tempo etwas zu viel sucht. Großartig ist es zweifelsohne, doch fehlt mir daran etwas der Frühlungsduft auf einer sonnenbeschienenen Wiese im Mai.

  • Bei den frühen Sinfonien muss man die "dunklen Seiten" aber schon sehr sorgfältig suchen... (außer der "Tragischen", bei der es für mich aber etwas aufgesetzt wirkt).
    Allerdings ist das vorliegende Werk die erste mir bekannte Sinfonie, die in einem Dur-Werk das Menuett/Scherzo in die Molltonart setzt und Schubert fand das anscheinend einen so interessanten Kontrast, dass er es in der 5. genauso gemacht, dabei das Menuett freilich ein bißchen sehr eng an Mozarts große g-moll angelehnt hat. Ich bin mir allerdings ziemlich sicher, dass es Vorläufer bei heute weniger bekannten Komponisten gibt, denn Mozart hat schon in den 1770ern in der "Haffner-Serenade" (D-Dur) eines der Menuette in Moll (und Beethoven z.B. in der Cellosonate op.69 das Scherzo).
    Wie oben schon jemand sagte, ist aber ein Einfluss (oder jedenfalls eine Ähnlichkeit) dieser frühen Werke die spritzige Brillanz a la Rossini. Und die sollte m.E. nicht in der Wiener Gemütlichkeit untergehen.
    Sehr brillant und rasant finde ich die Aufnahmen des jungen Maazel mit den Berliner Philharmonikern um 1960. Leider ist es keine GA geworden (nur 2-8), aber besonders 2-4 und 6 daraus gehören zu meinen Favoriten.

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Bei den frühen Sinfonien muss man die "dunklen Seiten" aber schon sehr sorgfältig suchen... (außer der "Tragischen", bei der es für mich aber etwas aufgesetzt wirkt).


    Dieses Gefühl hatte ich auch schon mal, jedenfalls ist sie nicht mit der dunklen Seite in der neuerdings als 7. bezeichneten Unvollendeten zu vergleichen.
    Ich hatte mit den dunklen Seiten allerdings an das gesamte Schubertwerk gedacht, da ist die Auswahl ziemlich groß.

  • Zitat

    Da finde ich, das selbst der gute Blomstedt mit seinem langsamen Tempo etwas zu viel sucht. Großartig ist es zweifelsohne, doch fehlt mir daran etwas der Frühlungsduft auf einer sonnenbeschienenen Wiese im Mai.


    Tja - das ist eben das Problem mit den (meisten) Deutschen, die das "Wienerische", das bei Schubert einen nicht unbeträchtlichen Teil ausmacht, Hier mischt sich das "dunkle" mit dem "hellen"


    Die Ausländer sehen die Wiener immer freundlich und Walzer tanzend (auch im übertragenen Sinne)
    Aber das ist nicht die Wahrheit, Der "Wiener Charme", oder "Wiener Schmäh" , das (angeblich) leichte Blut, das sind oberflächliche Clichés. Denn worauf spart der Wiener sein Leben lang? "Auf a schäne Leich" (Begräbnis)


    Dennoch gibt es etwas, das nicht definierbar ist. Ich finde Blomstedt hat das Wienerische - und nicht nur das - recht gut getroffen, auch seine TEILWEISE recht langsamen Tempi finde ich für angebracht. Sie machen "ein großes Werk" aus dieser Sinfonie. Wenn wir im Hinterkopf behalten, daß Schubert Beethoven nahe kommen wollte (ohne ihn indes zu kopieren) so wäre diese Grröße durchaus angebracht. Schubert kommt Beethoven oft nahe, aber andrerseits ist er doch weit von ihm entfernt, weil ihm immer wieder das oberflächlich gemütliche "Wienerische" in die Quere kommt.


    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred

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  • Die Ausländer sehen die Wiener immer freundlich und Walzer tanzend (auch im übertragenen Sinne)


    Nein, Alfred, sicher nicht jeder Ausländer. Ich hatte in meinem Leben schon ausufernd Gelegenheit, den Wiener Charme zu studieren. Das Dunkle und Abgründige, das Schadenfrohe und Hämische sind in Wien auf eine unheimliche Art präsent, es schimmert in den unschuldigsten Momenten hervor, besonders einem "Piefke" geben sie gerne auf hinterfotzige Art einen mit :D;( Man muss sie halt mögen, die Wiener - und ich mag sie! Für genau diese Abgründigkeiten. Alles selbst erlebt. Ich schwör's. Ich war in den 90ern einige Jahre sehr oft in Wien. Liebesbedingt. Ja, man kann sie lieben, die Wienerinnen (in meinem Falle halt ein Exemplar dieser Gattung :D ). Es gibt sie definitiv, die kulturellen Missverständnisse (auf beiden Seiten)!


    Grüße
    Garaguly

  • Die Ausländer sehen die Wiener immer freundlich


    Sind da auch Forenbetreiber darunter gemeint?
    Eigentlich hatte ich nur das Andante im Sinn, das mir bei Blomstedt eher etwas nordisch klingt. Natürlich ist der Übervater Beethoven bei Schubert spürbar, wie etwa der Übervater Wagner bei Puccini aber ganz unverkennbar eigenständig sind in ihrem Schaffen doch.
    Und beim erwähnten Andate hüpfen die Kinder bei Otmar Suitner auf der Maiwiese etwas ausgelassener umher.

  • Freundlich ist nun die letzte Eigenschaft, die ich mit Wienern in Verbindung bringen würde, als erstes würde mir grantelig einfallen (besonders die Herren), als zweites charmant (besonders die Damen). Und das Abgründige im Wienerischen Charakter entgeht doch niemandem, der sich mit der Literatur, Kunst und Musik auch nur ein wenig beschäftigt hat, die dieser großartigen Stadt entsprungen ist.

    Der Traum ist aus, allein die Nacht noch nicht.

  • Es gibt sie definitiv, die kulturellen Missverständnisse (auf beiden Seiten)!


    und da reicht bei einigen oft schon ein einmaliges Erlebnis mit einem Kellner mit einer Goschn, um für immer an einer Aversion festzuhalten.
    Dass jedoch intern in Österreich auch einiges an Vorurteilen abläuft, so wie in allen Ländern, vergisst man dabei. Muss man wohl, denn ein Grazer, der einem Wiener zum Opfer fällt, wird ja nicht immer sagen wollen, ich werde Österreich nie wieder betreten.
    Meine ältesten 2 Freunde und Tennispartner seit vier jahrzehnten sind übrigens aus Graz.

  • Um mal zu Schubert zurückzukommen: Ich habe das vermutlich schon mal irgendwo geschrieben, aber ich halte es für nicht ganz unproblematisch, Schuberts (und noch mehr Mozarts, Haydns und Beethovens) Musik einen allzu spezifischen Wiener Tonfall zu unterstellen. Was wir mit letzterem verbinden, überlappt sich zwar gerade noch mit Schubert (der ja ein Generationsgenosse Lanners und Strauß seniors war), meint aber doch wohl weit eher das Wien des jüngeren Walzerkönigs um die Jahrhundertmitte oder gar das fin de siecle Schnitzlers, Mahlers und Freuds.
    Was man heute als Wienerische Mentalität versteht, mag vielleicht noch eine Verbindung zu den letzten Zügen der k.u.k. Zeit haben, aber zur Zeit des Wiener Kongresses und den 1820er? Da habe ich doch erhebliche Zweifel... diese Sinfonie stammt von 1815, nicht von 1865.


    Und es ist vielleicht auch ein Unterschied im Lokalkolorit, ob man ein Dutzend Klavierländler komponiert oder eine Sinfonie.

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  • Schubert "spannend " zu dirigieren ist ein typisch deutsches Mißverständnis


    Wenn ich schreibe "spannend" dann weis ich natürlich in wie weit ich bei Schubert etwas Spannendes erwarten kann. Hier für Spannung dann Strawinsky und Schostakowitsch als Gegenpol zu erwähnen halte ich verfehlt und am Thema vorbei. Wir reden hier über Schubert !


    Nehmen wir die Harnoncourt-Aufnahmen der Sinfonien Nr.1-6 (WARNER). Die halte ich bei den flotten Sätzen für deutlich spannender als so manche andere klassische Schubert -Sicht ... von Böhm oder auch Karajan (bei den frühen Sinfonien).
    *** Total aus dem Häuschen war ich bei einem TV-Bericht über Gerorge Pretre vor einigen Jahren. Dort wurde ein Proben und ein Konzertausschnitt vom Anfang der Schubert-Sinfonie Nr.3 gezeigt. Das war unwarscheinlich packend, wie aufgewühlt Pretre diesen Anfang rüber brachte. So eindrucksvoll mit Gänsehautfeeling hatte ich diesen noch bei keinem anderen Dirigenten gehört. Das meine ich bei Schubert mit Spannung !
    ;) Klar das die Komponisten aus dem 20.Jhd hier und da mehr Spannung zu bieten haben ... aber das ist ja gar nicht unser Thema !

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Die Befassung mit Schuberts Freundeskreis, ein Thread, den ich seit einigen Tagen wieder vermehrt "füttere". führt zwangsläufig auch dazu, sich mit sienen Werken zu befassen. Daher habe ich mir heute Abend die Namensgeberin dieses Threads "vorgenommen", also die Sinfonie Nr 2. Ich hbe hierzu eine Aufnahme mit den Wiener Philharmonikern und Riccardo Muti gewählt, eine einspielung, die nicht so recht angekommen sein wird, denn man fand sie zuletzt in der Serie "RED LINE", eine kostengünstige , aber lieblos aufgemachte Serie ohne Booklet und gespeist mit Aufnahmen "zweiter Wahl", sozusagen eine Resteverwertung. Manche Hersteller haben derartige Serien mit relativ alten Aufnahmen bestritten, EMI übersiedelte aber auch relativ neue Aufnahmen - sogar mit Topstars - in diese Serie, wenn die Verkäufe offensichtlich nicht den Erwartungen entsprachen....
    Ich hatte die Aufnahme erst kurz angesespielt, da fühlte ich mich veranlasst abzubrechen und Karl Böhm (nur ganz kurz !!) gegenzuhörern.
    wie erwartet war Böhm langsamer, obwohl er für den ersten Satz um über VIER Minuten weniger benötigt als Muti, aber das war, weil er die Wiederholungen negierte.


    Ansonst ist der Unterschied in der Wirkung (im ersten Satz)recht interessant: Bei Muti hat der Beginn etwas Feierliches, leicht Theatralisches, bei Böhm klingt er eher dunkel, bedrohlich. Dafür neigt Muti dann aus meiner Sicht ein wenig zum "hetzen" er fegt nur so durch den Satz, wogegen Böhm hier moderater zu werke geht und auf den schönen Klang achtet, bzw ihm den Vorrang gibt.
    Wie ich mir vorgenommen hatte, bin ich dann wieder zu Muti zurückgekehrt. Bei längerem Hören gewöhnt man sich an sein Schubert-Bild.
    Es ist - trotz Wiener Philharmonikern - nicht eigentlich "wienerisch" (Das gelingt Böhm mit den Berlinern besser), aber eine schöne, wenn auch nicht exceptionelle Widergabe, Ach EMI Nacgfolger, WARNER, dürfte sie nicht besonders Hoch einschätzen, denn die Sinfonie Nr 3 befindet sich nun auf einer Gedsmtaufnme und wird für 11.99 Euro abgegeben,,,,,


    mfg aus Wien


    Alfred

    SPARE IN DER NOT - DA HAST DU ZEIT DAZU



  • Ich habe noch etwas "Ketzerisches " zu sagen vergessen, Die Musikwissenschaft und einige Nachplapperer (zu denen ich vermutlich auch einst gehörte - man muß aufassen was man (ab)schreibt ;) beaupte sehr gerne, daß Schuberts frühe Sinfonien - und dazu gehört wohl die Zweite, sich gerne an den Vorbildern Haydn und Mozart oreintieren. Ich habe versucht, das heute vorurteilsfrei frech zu hinterfragen und bin zu dem Schluß gekommen, daß das einfach nicht stimmt, ebensowenig wie das Vorbild Beethoven hier durchzuhören ist. Aber ein immer wieder auftauchender Akzent einer Musiksprache, die ich schon oft gehört habe schimmert immer wieder durch und gibt der Sinfonie ein unverwechselbares Gepräge. Wo habe ich das schon mal gehört ? ich glaube es war -Franz Schubert....


    mfg aus Wien
    Alfred

    SPARE IN DER NOT - DA HAST DU ZEIT DAZU



  • Ich schätze die Sinfonien Nr. 1, 2 und 3 von Schubert mittlerweile mehr als die Nr. 4 - 9.


    Ich kann in diesen drei Frühwerken, die im Grunde viel mehr sind als das, mehr für mich entdecken und finde sie einfach interessanter und abwechslungsreicher.


    An erster Stelle steht für mich immer noch Claudio Abbados Einspielung mit dem Chamber Orchestra of Europe:



    Ansonsten finde ich die neuere Aufnahme mit Antonello Manacorda und der Kammerakademie Potsdam ausgezeichnet:


  • Ich habe zu Schuberts sinfonischen Schaffen immer ein etwas ambivalentes Verhältnis gehabt. Klar, die beiden späten (Unvollendete und große C-Dur) waren schon immer Favoriten, aber den Jugendsinfonien stand ich eher skeptisch gegenüber. Ich hatte sie bis jetzt nur auf Naxos CD’s (die beiden späten hatte ich mit George Szell und dem Cleveland Orchestra), die vielleicht nicht die besten Aufnahmen der Werke waren. Ich muss auch gestehen, dass ich seit Langem keine Schubert Sinfonie mehr hörte. Für mich war Schubert in erster Linie ein Komponist von herausragender Kammermusik und Lieder, als Sinfoniker hatte ich ihn eher nicht gesehen.


    Das änderte sich etwas über die Feiertage. Mein Sohn schenkte mir zu Weihnachten eine Box mit allen Sinfonien plus der Rosamunde Musik, gespielt von der Staatskapelle Dresden unter der Leitung von Herbert Blomstedt. Ich hörte mir alle an, angefangen mit der großen C-Dur bis zur Nr. 1. Meine ursprüngliches Urteil über die Jugendsinfonien habe ich danach zwar etwas revidiert, aber nicht ganz: Nr. 3 und Nr. 6 finde ich noch immer etwas langweilig, Nr. 1 und Nr. 5 sind gute aber nicht herausragende Werke, jedoch Nr. 2 und Nr. 4 zählen mittlerweile zu den für mich unverzichtbaren Werken. Besonders Nr. 2 ist ein sehr gelungenes Werk, in dem Schubert viel von seinen musikalischen Vorgängern (Haydn, Mozart und Beethoven) mit seiner eigenen persönlichen Note kombiniert und das alles zu einem überzeugenden Ganzem schmiedet. Sie ist meiner Meinung nach die beste der Jugendsinfonien.


    Diese Kombination von Alt unf Neu zeigt sich gleich in der Largo Einleitung. Der Beginn wurde offensichtlich von Mozarts 39. Sinfonie inspiriert, jedoch zeigt die Weiterführung der Einleitung definitiv Schuberts Handschrift. Auch das anschließende Allegro Vivace beginnt mit einem Hauptthema, das an dem von Beethovens Prometheus Ouvertüre angelehnt ist, aber das Seitenthema ist wiederum purer Schubert. Der energische Vorwärtsdrang des Hauptthemas und der Übergangsmusik erinnert etwas an den Kopfsatz von Haydns 102. Sinfonie, jedoch bringt Schubert mit seinem Seitenthema einen Ruhepol in den Satz, der in Haydns Kopfsatz fehlt. Interessanterweise werden beide Themen in der Exposition zweimal gebracht, beim Seitenthema eine neue Variante in den Blasinstrumenten und das Hauptthema wird vor dem Schluß der Exposition nochmals gespielt. Daher macht es für mich wenig Sinn die Exposition zu wiederholen (auch wenn das vorgegeben wird), weil der Satz dann zu repetitiv und mit einer Länge von gut 15 Minuten auch ermüdend wird.


    Es folgt ein etwas schlichter Variationssatz auf einen Mozart-ähnlichen Thema. Meiner Meinung nach kommt dieser Satz nicht ganz an die anderen drei heran. Hervorzuheben sind hier die Moll-Variation, die doch etwas freier als die anderen sind, und die kurze aber wunderschöne Coda.


    Das Menuett ist überraschenderweise in C-Moll. Die Menuette der Klassik waren normalerweise in der selben Tonart wie die Kopfsätze. Eine Ausnahme war Dittersdorfs Menuetto con Garbo aus der ersten Metamorphosen Sinfonie „die vier Weltalter“, das in A-Moll steht in Gegensatz zu den C-Dur der restlichen Sätze. Später stellte Beethoven das Scherzo seiner A-Dur Sinfonie Nr. 7 in F-Dur. Menuette und Scherzi in einer kontrastierenden Tonart zu führen wurde im 19. Jahrhundert immer mehr zur Norm und Schubert zeigt sich hier und in seiner 5. Sinfonie am Geist der Zeit. Das Menuett gewinnt durch die Moll Tonart an Gewicht und schafft dadurch einen Ausgleich gegenüber den etwas leichten Variationen von zuvor.


    Das Finale ist so eine Art Sonaten-Rondo mit einem Galopp Thema das etwas an die Übergangsmusik aus dem Kopfsatz von Haydns Quartett op 64 Nr. 3 erinnert. Der Grundrhythmus des Themas, eine Achtel und zwei Sechzehntel, zieht sich durch den ganzen Satz und wird von Schubert geschickt zu orchestralen Tuttis gesteigert. Es gibt auch ein graziöses Seitenthema, das aber eher eine untergeordnete Rolle in diesem Satz spielt. Ein sehr gelungenes Finale, das Schuberts beste Jugendsinfonie überzeugend abschließt.

    LG aus Wien.:hello:

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  • Etwa 9 Jahre ist es her, daß ich mich mit dieser Sinfonie befasst habe. 'Ich habe den Thread relativ genau gelesen uns bin verwundert, wie viel ich dereinst geschrieben habe. Offenbar besitz ich mehr -aufnahme als in meiner Datenbank verzeichnet sind, also Aufnahmen in die man nach dem Kauf kurz hineingehört hat und sie dann zurück zu den ungehörten gestellt hat. Vermutlich unter dem Schatten des Schubert-Dirigenten-Übervaters Karl Böhm. Hier wurden 2 Interpretationen besonders gerühmt - und überraschenderweisr gibt es sie beide in meiner Sammlung, die Blomstedt aufnahme ist noch nicht in der Datenbank eingetragen - aber ich habe sie dennoch gefunden. Wie ich soeben nachgelesen habe, habe ich sie seinerzeit positiv beurteilt. Allerdings schwebt über Schubert Aufnahmwn stets der Geist von Karl Böhm. Diesmal stehen indes 2 Aufnahmen der 2. auf meinem Hörprogramm, die ohne 'Vergleich gehört werden sollen. Es handelt sich um Blomstedt und Abbado.

    mfg aus Wien

    Alfred

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  • Bevor ich mich genussvoll der Blomstedt Aufnahme mit der Staatskapelle Dresden (dzt noch- oder wieder- lieferbar) widme ohne sie weiter zu kommentieren - das habe ich und andere schon bereits in vergangenen Beiträgen mehrfach getan - möchte ich noch ein paar informative Details anfügen und den Beitrag - und somit den Thread aufzuwerten:

    Johannes Brahms schätzte die Jugendsinfonien - und somit inkludiert die Zweite nicht sehr - und meinte man solle sie der Pietät halber aufbewahren, aber nicht veröffentlichen oder aufführen.

    Antonin Dvorak war- wie Wikipedia anmerkt - einer der wenigen Bewunderer, der frühen Sinfonien Schuberts, trotz deren Mozart- und Haydn-Nähe (ich bin es vielleicht gerade DESHALB)

    Kritik vom Evening Standard, London 22. Oktober 1877

    „Es ist gewiss nicht nötig, darauf hinzuweisen, dass Schuberts II. Symphonie in B-Dur auf keinen Fall seinen späten Werken gleich gesetzt werden kann, dennoch war die Aufführung interessant, und die Verantwortlichen am Crystal Palace verdienen unseren herzlichen Dank. Mr Manns und seine Kollegen scheuten keine Mühe für ihre Interpretation der Symphonie, laute Beifallsstürme waren die Folge.“

    mfg aus Wien
    Alfred

    Infos: deutsche WIKIPEDIA

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  • Ich besitze weder die Aufnahmen von Abbado oder Blomstedt, aber ich bin mit meinen Lieblingsaufnahmen dieses Werkes vollauf zufrieden:

    Schubert: Sym No 2 / 3 & 4  Sinf.1+2/Rosamunde-Ouvertüre


    Die Maazel-Aufnahme stammt aus den frühen 1960er Jahren und ist an Frische und jugendlichem Überschwang kaum zu toppen. Dagegen bleibt seine spätere Version mit dem SO des Bayerischen Rundfunks blaß und konturarm. Böhm, der ebenfalls mit den Berliner Philharmonikern arbeitet, ist eine zeitlose, mit liebevollen Details gespickte Aufnahme von Schuberts Frühwerk gelungen. Karajan (EMI) mit seiner späten Liebe zu Schubert konnte mich nicht vom Hocker reißen. Bei mir setzte sich der Eindruck fest, daß er hier mehr eine Pflichtübung vollzog, weil die EMI unbedingt eine GA mit ihm vorweisen wollte.


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Ich besitze weder die Aufnahmen von Abbado oder Blomstedt, aber ich bin mit meinen Lieblingsaufnahmen dieses Werkes vollauf zufrieden:

    Das kannst du auch sein. Über Böhm - wer ihn kennt und liebt - braucht man kein Wort zu verlieren.

    Die von Dir gezeigte Maazel Aufnahme besitze ich zwar nicht, aber ich kenne sie gut, ich habe sie in den 60er Jahren bei Donauland regelmäßig verkauft und konnte sie auch öfter hören. Ein damals frischer jugendlicher Lorin Maazel. Damals sah er so aus :

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    Ich hielt sie damals für eine seiner besten Aufnahmen. Der Zyklus wurde nie zu Ende gebracht (es fehlt die Nr 1)

    Die Jahrzehnte (2001) später entstandene Aufnahme mit dem Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks kann dieser alten Aufnahme IMO nicht das Wasser reichen - nicht mal aufnahmetechnisch. diese Mischung von Leichtigkeit und Wucht ist einfach unüberbietbar.


    Ls Betreiber des Forums ist es gewissermaßen meine "Pflicht" auch gelegentlich neuere Aufnahmen zu hören und vorzustellen - etwas, was ich ohnehin mit Zurückhaltung praktiziere. Dar+über mehr in einem anderen Thread, den ich derzeit plane....


    mfg aus Wien

    Alfred

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