Symphonie-Schlüsse: originell, banal, langweilig oder unerwartet ?

  • Hallo Klaus!


    Was meinst Du mit "ausklingen lassen"? Die Symphonie endet mit einem gehaltenen Bläserakkord, der nach "Wegfall" des restlichen Orchesters zwar hörbar sein sollte, dessen Länge jedoch nicht übertrieben sein sollte (müßte mal zu Hause in die Partitur schauen). Ich weiß zwar nicht, was Du sonst noch so für Aufnahmen kennst, aber in den meisten mir bekannten ist das Verklingen auf den Bläsern deutlich zu vernehmen.


    LG
    Wulf

  • Klaus hat schon recht, der von den Bläsern ausgehaltene Akkord soll laut Partitur im ppp enden. Da tun sich die Orchester sichtlich schwer.
    Ich bin sicher, jeder versucht das beste, aber sowas wird leicht zu einer sehr wackligen Angelegenheit, intonationsmäßig. Verständlich daß man dann lieber auf Nummer sicher geht.
    Die von mir zur Kontrolle gehörte Aufnahme mit Harnoncourt bleibt jedenfalls in einem gesunden mezzopiano.


    Übrigens könnten die Toningenieure hier in Versuchung kommen, durch einen Fade-out nachzuhelfen. Ich bin eher beruhigt daß das nicht gemacht wird.


    Gruß, Khampan

  • Dann habe ich Klaus mißverstanden. Ich dachte er zielt auf die Länge des Akkords und nicht auf den Stärkegrad ab. Jetzt bin ich neugierig. Ich werde zu Hause gleich einmal nachschauen. :yes:

  • Jepp, vielen Dank an Klaus.
    Auch ich mache es Wulf gleich und werde in den kommenden Tagen mal verstärkt auf Dvoráks Neunte umschwenken.


    Ich bin gespannt ob ich selbiges Resultat feststellen kann.
    So vom Gefühl her und wie ich Fischer noch im Ohr habe, werden sie zwar auch noch etwas leiser zum Ende hin, allerdings bezweifel ich stark, dass es ppp ist...


    LG Maik

    Wie ein Rubin auf einem Goldring leuchtet, so ziert die Musik das Festmahl.


    Sirach 32, 7

  • Hallo, miteinander!


    Zu den skurrilsten, ja erschreckendsten Schlüssen einer Sinfonie gehört gewiss Charles Ives' Zweite.


    Ich habe vorhin einen neuen Thread dazu aufgemacht und würde mich über Eure Meinungen freuen. Ich hab auch eine eigene, die sich aber auf keine Quellen gründet.


    :)


    Grüße, Wolfgang

    Lieber Fahrrad verpfänden denn als Landrat enden!

  • Zitat

    Original von Wulf
    Seh überraschend ist doch auch der letzte Akkord der 2. Symphonie von Charles Ives.
    Absolut faszinierend. Und dennoch möchte man direkt ein "Igitt" ausrufen....


    Hallo Wolfgang - Ives 2 wurde hier schon genannt.
    Aber gut das dus nochmal sagst, jetzt bin ich aber gespannt und werde mir die Symphonie wohl mal zulegen... :D


    LG
    Raphael

  • Hallo,
    dieser Tage hat Müller-Brühl mit seinem Kölner Kammerorchster einen Schluß von Beethovens Fünfter hingelegt - und ich habe, weil ich diesen Thread gerade gelesen hatte - gut zugehört, der hat mir richtig gut gefallen. Denn,in der Vergangenheit habe ich oft gedacht, nochmal, nochmal, nochmal, nun ist es aber gut.
    Aber da habe ich gehört, man kann damit auch Spannung erzeugen, so, daß der Hörer erwartet, daß da noch etwas kommt.


    Ich denke, die Komponisten haben sich schon etwas gedacht dabei und nicht bloß Papier beschrieben um Zeilen (wie für eine Zeitung) zu schinden.


    Es liegt an den Dirigenten, das dann herauszufinden.


    Die Schlüsse der Klaviersonaten oder der Quartette sind so vielfältig wie die ganzen Musik. da findet man keinen gleichen Schluß. An mangelnder Phantasie kann es nicht gelegen haben.


    Gruß aus Bonn :hello: :rolleyes: :hello:

    Was Du nicht willst, das man Dir tu, das füg auch keinem andern zu

  • Hallo,


    Heute ist mir nochmal aufgefallen, wie gut mit der "Abgang" von Liszt Klavierkonzert Nr.1 gefällt...(auch keine Symphoni, ich weiss :untertauch: )
    Das ganze ist schon sehr bombastisch und kadenztiert, aber ich mag es einfach, wenn zunächst das Orchester und dann das Klavier mit den Doppeloktaven runterdonnern und dabei das Thema anreissen.


    Ganz doof: Litolffs Concerto Symphonique Nr.4...entweder beim Scherzo oder beim letzten Satz - jedenfalls wird da gegen ende einigermassen Spannungn
    aufgebaut, dann kommt aber ein ganz komischer, völlig danebenliegender, sehr schneller Streicher - Abschluss...kompositorisch unter aller Kanone...(wie alles von Litolff... :untertauch: :D)


    LG
    Rapahael

  • Hallo, miteinander!



    Allan Pettersson (die Zwölfte) und Charles Ives (die Zweite) wurden hier ja bereits genannt.


    Ich habe heute Petterssons 13. Sinfonie gehört - ich schätze, zum zweiten Mal (mindestens), und beim ersten bewussten Mal wohl doch nicht bewusst genug.


    Denn wie bei Charles Ives - ähnlich und doch ganz anders :D - hat mich der Schlussakkord verblüfft, wenn nicht verstört. Es ist ein strahlender Dur-Akkord, völlig unvermittelt nach 67 Minuten höchst komplexer, meist atonaler Phrasen, Schichtungen, bisweilen auch versteckter Zitate, dazwischen Inseln, die nach Moll tendieren, wie sie uns in den anderen Sinfonien auch oft begegnen.


    Findet sich aber erstmals im sinfonischen Schaffen des Schweden am Ende der Zwölften, der Chorsinfone nach Neruda, ein strahlender Dur-Akkord, so hat dieser dort etwas Befreiendes (siehe auch Uwe Schoofs Beitrag), während ich die Wirkung hier nicht recht deuten kann.


    Besten Gruß, Wolfgang

    Lieber Fahrrad verpfänden denn als Landrat enden!