Symphonie-Schlüsse: originell, banal, langweilig oder unerwartet ?

  • Zitat

    Original von Robert Stuhr
    ...
    West Australian Symphony Orchestra
    Sydney Symphony Orchestra
    Melbourne Symphony Orchestra
    ...


    Und eine musikalische Australien-Tour ist gleich im Preis mit inbegriffen...

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • Ich möchte auch an einen Schluß erinnern, der für mich Gänsehaut-PUR ist:


    Rachmaninow: Sinfonie Nr.1
    Der Schluß des 4.Satzes wird gesteigert und gipfelt mit einem Wahnsinns-Gongschlag um dann erneut zum eigendlichen Schluß anzusetzen. Für mich der Wahnsinn. Als ich das als 18Jähriger dies zum ersten mal hörte war ich "hin und weg" - natürlich mit Swetlanow (Eurodisc).


    Dies ist Swetlanows neuere Aufnahme von 1995:

    Warner, 1995 DDD


    ----------------------------------------------------


    Ein anderer Schluß hat mit Rachmaninow´s 1ter gemeinsam, das hier ein erster Schluß vorhanden ist, der dann nach einer Generalpause mit erneuter Steigerung fortgesetzt wird.
    Bei Gershwin denkt man das Werk wäre schon zu Ende und dann geht es nochmal rund.
    :] Mir gefällts !


    Gershwin: Ein Amerikaner in Paris



    Decca, 1974 ADD


    Diese heute preiswerte Aufnahme mit Maazel ist sehr empfehlenswert, aber auch die Aufnahmen mit Metha (Decca) und Bernstein (SONY) stehen dieser in keinester Weise nach.


    --------------------------------------------------------


    Es sind ja schon eine Menge Schlüsse genannt worden und teilweise als Banal genannt worden.
    Mir fällt keiner ein, den ich als Banal empfinden würde.


    Die genannten von Tschaikowsky´s Sinfonie Nr.4 und Sibelius: Sinfonie Nr.5 finde ich nicht banal, sondern mir gefallen beide sogar sehr gut !

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Ist nicht der Schluß von Schostakowitsch's 11ter Sinfonie grandios? Nach dem verlorenen Solo der Oboe das plötzliche Irrlichtern des Fagotts, Anziehen des Tempos durch die Pauken, Raumerweiterung durch die Streicher, sodann der Einsatz des Blechs und dann die Glocke zum Schluß, idealiter so gespielt, daß der Nachklang des letzten Glockentons der Schlußton der Sinfonie ist.


    Unbefriedigend empfinde ich den Schluß von Bruckners 6. Sinfonie, wundervoll und bewegend den Schluß der 9. des Linzer Meisters (nein, nix da vierter Satz, den dritten meine ich).


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
    Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

  • Voll reingefallen ist das Publikum im Neujahrskonzert 2003 bei Carl Maria von Webers "Aufforderung zum Tanz" op. 65, wo nach dem heftig akklamierten "Finale" noch ein Nachsatz folgt.


    Herzlicher Gruß
    Alexander

    Freundlicher Gruß
    Alexander

  • Zitat

    Original von Santoliquido
    Ist nicht der Schluß von Schostakowitsch's 11ter Sinfonie grandios? Nach dem verlorenen Solo der Oboe das plötzliche Irrlichtern des Fagotts, Anziehen des Tempos durch die Pauken, Raumerweiterung durch die Streicher, sodann der Einsatz des Blechs und dann die Glocke zum Schluß, idealiter so gespielt, daß der Nachklang des letzten Glockentons der Schlußton der Sinfonie ist.


    Da gebe ich Dir recht - eine tolle Schlußsteigerung, vor allem
    wenn man die Glocke auch gut hört !
    Habe ich einmal live in Wien gehört, das war am Schluß ein richtig gespenstischer Nachhall - bedrückend und grandios zugleich !
    Auch in der 13. gibt es ja - allerdings pianissimo - einen finalen Glockenton; wenn das überzeugend dargeboten wird... vom Feinsten!
    Der Schluß der 14. gefiel mir zunächst eine zeitlang gar nicht, bis
    ich ihn überzeugend interpretiert gehört habe - das muß ein alles vernichtendes und dennoch plötzlich abbrechendes Crescendo sein,
    dann versteht man es richtig !



    Zitat

    Original von Santoliquido
    Unbefriedigend empfinde ich den Schluß von Bruckners 6. Sinfonie ....


    ...kommt auch auf die Interpretation an !
    Wenn der Dirigent genug Zeit lässt, daß Hauptthema des 1.Satzes nocheinmal feierlich zu präsentieren, ist das ein schöner Abschluß -
    ganz ähnlich der 7.Symphonie.
    Das Problem ist wahrscheinlich, daß die Schlußstretta so plötzlich und
    ohne längeren Atem hereinbricht - findest Du auch ?


    :hello:

    Gruß,


    Michael

  • Zitat

    Original von MFP


    Das Problem ist wahrscheinlich, daß die Schlußstretta so plötzlich und
    ohne längeren Atem hereinbricht - findest Du auch ?


    :hello:


    Oder wenn -wie bei Jochum- das Blech überhaupt nicht positioniert wird und die Streicher domieren. Was das Tempo betrifft: Klemperer jagt die 6. gewiss nicht. Die Idee, das Hauptthema des ersten Satzes noch einmal auszuspielen, ist in der Tat reizvoll. Deiner Anmerkung mit dem Atemholen werde ich einmal nachgehen.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Früher ist gottseidank lange vorbei. (TP)
    Wenn ihr werden wollt wie eure Väter waren werdet ihr so wie eure Väter niemals waren.

  • Zitat

    Original von MFP


    Der Schluß der 14. gefiel mir zunächst eine zeitlang gar nicht, bis
    ich ihn überzeugend interpretiert gehört habe - das muß ein alles vernichtendes und dennoch plötzlich abbrechendes Crescendo sein,
    dann versteht man es richtig !


    Lieber Michael,


    genau diese 14. Sinfonie Schostakovichs wolle ich als Beispiel eines vorzüglichen Endes nennen. Dabei darf ich aber auch sagen, dass ich sie in der orchestermäßig überragenden Interpretation von Yuli Turovsky (zunächst im Konzert und dann bei Chandos) kennen gelernt hatte. Dort spielt(e) das Orchester auch so exakt, dass es wie das Entsetzen klingt: Herzrasen setzt ein und alles erlischt dann.... Alle anderen Interpretationen, die ich bislang danach hörte, sind verwaschen: und dann ist alles schon vor dem Ende beim Teufel...


    Welche Interpretation hat Dich überzeugt?

    Gruß ab


    ---
    Und ich meine, man kann häufig mehr aus den unerwarteten Fragen eines Kindes lernen als aus Gesprächen mit Männern, die drauflosreden nach Begriffen, die sie geborgt haben, und nach den Vorurteilen ihrer Erziehung.
    J. Locke


  • Hallo Armin,


    ich bin mir nicht mehr ganz sicher - inzwischen höre ich den Schluß mit anderen Ohren - auch bei den nicht so gelungenen Aufnahmen !
    Entweder war es ein live-Konzert in Wien vor gut 10 Jahren
    oder sogar die von Dir genannte Aufnahme !
    Auch meine jüngste Erwerbung mit Maxim Schostakowitsch finde
    ich in dieser Hinsicht (Schluß) sehr überzeugend...

    Gruß,


    Michael

  • Zitat

    Original von MFP
    [quote]Original von a.b.
    inzwischen höre ich den Schluß mit anderen Ohren - auch bei den nicht so gelungenen Aufnahmen !


    ja, ein eigenwilliges Phänomen! Etwas in etwas dadurch hineinzuhören, was nicht herauszuhören ist, dass man es besser - oder zumindest anders - weiß.

    Gruß ab


    ---
    Und ich meine, man kann häufig mehr aus den unerwarteten Fragen eines Kindes lernen als aus Gesprächen mit Männern, die drauflosreden nach Begriffen, die sie geborgt haben, und nach den Vorurteilen ihrer Erziehung.
    J. Locke

  • Zitat

    Zitat Robert Stuhr
    Herr Baumgartner, wo bleibt denn Ihr journalistischer Spürsinn?


    :angry: Danke! :angry:
    Könntest Du in Zukunft bitte wenigstens ansatzweise Mitleid mit meiner Geldbörse entwickeln? :D
    :hello:

    ...

  • Zitat

    Original von Edwin Baumgartner


    :angry: Danke! :angry:
    Könntest Du in Zukunft bitte wenigstens ansatzweise Mitleid mit meiner Geldbörse entwickeln? :D
    :hello:


    Das ist angesichts des Neids über deine offenbar ohnehin unüberschaubaren CD-Bestände definitiv etwas viel verlangt!


    :wacky:

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!




  • Findest du die Neu-Aufnahmen interpretatorisch besser als seine fürhen?


    Danke!

    Gruß ab


    ---
    Und ich meine, man kann häufig mehr aus den unerwarteten Fragen eines Kindes lernen als aus Gesprächen mit Männern, die drauflosreden nach Begriffen, die sie geborgt haben, und nach den Vorurteilen ihrer Erziehung.
    J. Locke

  • Hallo a.b.


    das wüßte ich auch gerne, denn ich habe die Rachmaninoff-Sinfonien mit Ashkenazy (Decca-CD), Maazel (DG-CD) und Swetlanow (Eurodisc-LP).


    Man muß ja nun nicht alles mehrfach haben, aber die neuen Swetlanow-Aufnahmen würden mich trotzdem auch interessieren.


    Da ich aber großer Anhänger der Sinfonischen Tänze op.45 bin habe ich davon alle Swetlanow-Aufnahmen:


    1. Die erste mit dem Akademischen SO der UDSSR Moskau (Eurodisc-LP)


    2. Eine Live-Aufnahme mit dem Staatl.SO der UDSSR (REGIS-CD), die klangtechnisch am schlechtesten ist.


    3. Die Neue mit dem Moskauer PH (WARNER 1995 DDD), die klangtechnisch und interpretatorisch TOP ist, aber den letzten Biss der alten Tage (wie Nr.1 auf LP) nicht hat.
    Ich nehme an das es bei den Sinfonien auch nicht anders sein wird als bei op.45, aber trotzdem immer noch spitzenmäßig und das Beste was man heute kaufen kann.

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Hallo,


    Das ist in der tat eine Sache, die mich schon immer ebschäftigt und bisweilen auch amüsiert hat...Einiege Stücke wollen und wollen einfach nicht zum ende kommen...die Stretta zieht sich ellenlang und kommt nicht zum Punkt...ich wollte schonmal ein kleines Scherzstück komponieren, indem ich eine Stretta ca.5min lang laufen lasse...alle möglichen variationen...der zuhörer soll ständig das Gefühl heben, es sei zuende, und dann kommt noch ein tusch und noch ein Paukenschlag und noch mal....Bei Dvorak finde ich, sind die Enden teils recht banal und arg lang...In seiner neunten Symphonie ist der SChlussteil aer trotz seienr länge nicht platt, da er die Themen nochmal schön aufzeigt und "im SChnelldurchlauf revuepassieren" lässt. Auch der nett rausgezogene, leisesStehenbleibende Akkord im Holz(?) nahc dem letzten Tuttischlag ist in gewisser weise Symbolträchtg...


    EIn äusserst lustiges Ende, welches ich immer wieder gerne höre, ist, diesmal keine Symphonie, das von Korngold's KLAvierkonzert für die linke Hand, Op.17.
    Man muss es einfach mal gehört haben...Klavier und ORchester nehmen unendliche male anlauff und enden in einem Grossen, langen Tuttiakkord. Dann kommt eine längere pause, und der Anlauf beginnt, fast 1:1 von neuen...Man hat fast das gefühl, da ist ein Fehler auf der CD, oder der Player spielt nicht mehr richtig ab...


    Viele Grüsse,


    Raphael


    PS: Sehe gerade erst beim zweiten lesen, dass Dvorak schon gelobt wurde...

  • Hallo Raphael,
    als ich das Korngold-Konzert vor über 25 Jahren das erstemal aus dem Rundfunk aufnahm und hörte, hätte ich mind. drei mal fast auf den Ausknopf am Recorder gedrückt, weil ich dachte, daß es nun zuende sei :wacky:
    Monströs, aber ich finde es klasse!


    LG,
    Michael

  • Der Schluss von Tchaikovskys Fünfter! Ahhh! :jubel::jubel:
    Auch die Schlüsse seiner 4., die Schlüsse von Dvoraks 5. sowie 8., Beethovens 5. oder der Schluss von Brahms 2. gefallen mir außerordentlich gut und sollten nicht unerwähnt bleiben.
    Aber warum muss Brahms 3. im Pianissimo enden, warum nur? Das Finale baut sich so genial auf und endet dann einfach so. -gg-
    Ich mags laut, pompös und packend. :D

  • N'Abend,
    Zwielicht hat's schon erwähnt: atemberaubend ist der Schluß von Schostakowitsch 4.: ungeheure Steigerungen, die auf einen großangelegten Durchbruch zu zielen scheinen, bleiben in tosenden Akkordballungen hängen und stürzen in sich zusammen. Es folgt ein mehr als einhundert Takte währender Orgelpunkt im piano auf dem Grundton c - über dem Motive der Symphonie wie Erinnerungsfragmente geisterhaft vorüberziehen... Absolut erschütternt, traumatisch - unbeschreiblich...
    Ein unglaublicher Schluß einer unglaublichen Symphonie!!!
    (Entschuldigt bitte mein Pathos...)
    Herzlichst,
    Medard

  • Zitat

    Original von Hayate
    Aber warum muss Brahms 3. im Pianissimo enden, warum nur? Das Finale baut sich so genial auf und endet dann einfach so. -gg-


    Gegenfrage: Warum ärgerst Du Dich darüber? [o.k. - Du hast sie bereits beantwortet] - Vielleicht wollte Brahms genau DICH damit ärgern. Da hast Du die Antwort! Ich habe bereits gelernt, mir solche Schuhe anzuziehen... und ärgere mich mit Wonne!


    :hello:


    Ulli

  • Zitat

    Original von Hayate
    Ich mags laut, pompös und packend.


    Und ich mag gerade die Mannheimerenden, so still verhallend, absterbend. :D :D


    LG, Paul

  • Zitat

    Original von Ulli
    Das sog. finis homodomicilis :D


    :hahahaha: :hahahaha:


    auch im konzertraum höre ich das lieber. macht also nix aus wos passiert. :D

  • Schlüsse, die wie austauschbare Bausteine wirken, mag ich meist nicht, so nach dem Motto: jetzt brauche ich einen Schluss, nehme mir einen und setze ihn nach der Pause in Takt 536 ein. Fertig.


    Ich finde, Schlüsse müssen entstehen, müssen sich entwickeln bzw. ergeben.


    Mir fällt gerade ein wunderbarer Schluss ein; Er entsteht fast unmerklich, aber führt mit unaufdringlicher Kraft das Werk zu Ende. Ich rede von Allan Petterssons 12. Sinfonie. Der Schluss wird durch fast militärisch gespielter kleiner Trommel begleitet, Blechbläser wiederholen dauernd Sekundsprünge, um dann in einer wohltuenden Klangwolke feinster Sorte, eingeleitet durch die aufsteigende Tonleiter, im Grundakkord Erlösung zu finden.


    Und jetzt Schluss...


    Uwe

    Ich bin ein Konservativer, ich erhalte den Fortschritt. (Arnold Schönberg)

  • Immer wieder erstaunlich finde ich den vermeintlich plötzlichen Schluss der Sinfonia semplice - also der 6. Symphonie - von Carl Nielsen.
    Ehe man sich umschaut ist das Werk zu Ende.


    Der erste Satz aus der 4. Symphonie von Vainberg hat ein fulminantes - attaca-ähnliches Ende, das auch ziemlich abrupt daher kommt, sich aber dennoch bereits etliche Takte davor ankündigt.


    :hello:
    Wulf

  • Hallo,


    Wieso nicht?
    1min rauf und runter, und noch ein Schlag und noch drei Tuttischläge, und...und...und...Fazit: Tolle Smphonie (wenn auch ausgenudelt...zumindest der erste Satz :D ...aber der langsame Satz :jubel:...normalerweise bin ich nicht der größte Fan von langsamen Sätzen..aber dieser!!!) - Blödes, banales Ende!


    LG
    Raphael

  • Hi , Raphael!


    Ich muss zugeben, das nervt. :wacky:


    Zum spielen ist aber auch dieses toll :yes::D


    LG florian


    :hello:

    Gustav Mahler: "Das Wichtigste in der Musik steht nicht in den Noten."

  • Das Ende der akademischen Festouvertüre von Brahms mit dem Zitat von "Gaudeamus igitur" finde ich sehr schick. Eigentlich hängt mir das Lied ja durch gewisse Schnaps-Fernsehwerbungen (kann mir wer sagen, was Studenten mit Schnaps zu tun haben? ;) ) ziemlich zum Halse raus, aber hier kommt's doch schön schmissig daher.


    (Jetzt hab ich drei Ouvertüren genannt und immer noch keine Symphonie... :untertauch: )



    Gruß,
    Spradow.

  • Welche Interpreten trauen sich eigentlich wirklich, den Schlussakkord der "altbekannten" IX. Dvorak VERKLINGEN zu lassen? Mir fällt nur einer wirklich ein, von dem gibt`s keine offizielle CD, nur mein Avatar gibt einen Hinweis - hat früher mal ein Video davon gegeben.


    Weiters: Bruckner VIII - 2. Fassung - 1. Satz - "Totenuhr"


    Mozart Klavierkonzert Nr. 13, KV 415, 3. Satz


    Wieviele Komponisten haben eigentlich nach dem letzten Akkord noch ein oder mehrere "Pausentakte" als integralen Bestandteil der Musik oder Stille (ist auch Musik) in die Partitur notiert und wieviele Interpreten oder Tontechniker "musizieren" oder "gestalten" diese aus?

    "Play, man, play!" (M. Davis)
    "We play energy!" (J. Coltrane)