DA CAPO - Empfehlungsliste konventioneller Operninszenierungen auf DVD

  • Liebe Forianer


    Wie von einigen Forianern bereits des öfteren bedauert haben Opern-Neuerinsteiger bzw Einsteigewillige kaum eine Chance eine Oper so zu sehen wie sie vom Librettisten einst gedacht war.


    Jedoch gibt es zahlreiche Aufnahmen, welche teilweise auch auf DVD erhältlich sind, wo "der klassische Stil" noch gewahrt bleibt.


    Ich fordere daher auf, wer an diesem Thema interessiert ist, hier Empfehlungen auszusprechen - vorzugsweise mit kurzer Beschreibung.


    Da ich möchte, daß dieser Thread von Interessenten als Nachschalgewerk verwendet werden kann, gelten folgende Regeln:


    Pro Beitrag nur EINE Empfehlung, mit Besetzungsliste und Ausstatter und Regisseur etc(soweit Daten bekannt) Ganz kurze Beurteilung wäre erwünscht.


    Pro User NUR EIN BEITRAG pro Tag.
    (Dies soll sicherstellen, daß nicht jemand eine Liste von Empfehlungen postet, die dann gar nicht gelesen werden - häppchenweise ist das Vergnügen grösser


    Zwischenrufe werden erbarmungslos von der Moderation gelöscht.


    Vorhang auf


    wünscht Alfred


    Alfred

  • Gut,


    dann fange ich an mit La Clemenza di Tito von Mozart, da meine Videoerlebnisse gerade neu aufgefrischt sind:


    In einem der schönsten noch im Original erhaltenenen Barocktheater neben jenem aus Schwetzingen wurde ein ganzer Mozartzyklus aufgezeichnet, Dirigent des Kreises war Arnold Östman, La Clemenza di tito wurde 1987 aufgezeichnet.


    Über das familiäre Schloßtheater auf der schweidschen Königinneninsel kann im einzelnen hier nachgelesen werden.


    Das Label ARTHAUS hat diesen Mozart-Zyklus auf DVD herausgebracht und das zum m. E. erschwinglichen und verlockenden Preis: 29,99 € [pro Tortenstück :D ].



    Wolfgang Amadeus Mozart [1756-1791]
    La Clemenza di Tito


    Stefan Dahlberg, Tito
    Anita Soldh, Vitellia
    Lani Poulsson, Sesto
    Pia-Marie Nilsson, Servilia
    Maria Höglind, Annio
    Jeker Arvidson, Publio


    Drottningholm Court Theatre Chorus
    Drottningholm Court Theatre Orchestra


    :angel:

    Arnold Östman



    Vor dem Hintergrund der original erhaltenen Bühnenbilder [nur zum Teil durch Faksimiles ersetzt] wird hier zudem auf Originalinstrumenten der Zeit musiziert. Die Auswahl der Sänger gelingt Östman meistens extrem gut - das schlechteste, was ich bei Östman je hörte, war eine duchschnittliche Königin der Nacht. Da auch nachgeschneiderte Kostüme Verwendung finden, erübigt sich das Thema "Ausstatter" von selbst [die Originale sind im Theatermuseum zu bewundern und werden natürlich heute nicht mehr verwendet]. Ebenso erübrigt sich auch das Thema "Bühnenbild", da es hier eine zwar eine durch die vorgegebene Technik beschränkte, aber dennoch mannigfaltige themenbezogene Auswahl gibt: 15 Originaldekorationen sind noch intakt, vollständig mit Bühnenhinterwänden, Kulissen und Versatzstücken. Weitere etwa zwanzig sind nur teilweise erhalten und wurden rekonstruiert. Dazu darf man farbliche Entbehrungen in Kauf nehmen, da man großen Wert auf die Originalität legt: Diese Bühnenbilder können bei einem Szenenwechsel mittels geheimer Zauberkräfte in wenigen Sekunden dem folgenden Geschehen angepasst werden. Aber allein dies ist ein Augenschmaus! So sind auch die dunkelblauen Polsterbänke ziemlich abgesessen und -gewetzt und die goldenen Sitzplatznummern lassen sich nurmehr erahnen... diese Erfahrung aber bleibt einem persönlichen Besuch vorbehalten.


    Ich nenne Mozarts allgemein als "letzte Oper" bezeichnetes Werk zuerst, da in dieser Aufzeichnung während der Ouvertüre auch die den Originalen nachempfundenen Bekleidungen der Musiker [in Gebrauch] zu sehen sind, was bei übrigen Einspielungen aus dem Mozartzyklus nur selten - oder gar nicht - der Fall ist.


    Die "Inszenierung" erfolgt so, wie es gegen Ende des 18. Jahrhunderts üblich war: Titus erscheint nicht in Toga und mit Lorbeerkranz, sondern in Kleidung der damaligen Zeit - allerdings vor historisch korrekter Kulisse. Die übrigen Darsteller/innen sind diesem Vorgehen angepasst.


    Aus dem Booklet: Es "galt das Bemühen einem ganz und gar historisierenden Interpretationsansatz, nicht nur musikalisch, sondern auch szenisch. Der Zuschauer sollte sich mit Aug' und Ohr, mit Haut und Haar in die Entstehungszeit der Oper zurückversetzt fühlen. Mit der größten Konsequenz wurde damit dem typischen Regietheater deutscher Prägung eine Absage erteilt...." und meine Drottningholm-Bibel beginnt mit den Worten "Välkommen till 1700-tallet":


    Willkommen im 18. Jahrhundert


    Meine persönliche Lobrede zu dieser Einspielung befindet sich hier.


    Viele Grüße
    Ulli

  • Richard Strauss DER ROSENKAVALIER


    Elisabeth Schwarzkopf Marschallin
    Otto Edelmann Ochs
    Sena Jurinac Oktavian
    Erich Kunz Faninal
    Anneliese Rothenberger Sophie
    Wiener Philharmoniker
    HERBERT VON KARAJAN


    Salzburger Festspiele 1961


    Inszenierung Prof. Rudolf Hartmann
    Bühnenbild Teo Otto
    Kostüme Erni Kniepert


    Für mich war das ein Wiedersehen mit einer wirklich sehr, sehr
    guten Besetzung und einer stimmungsvollen Inszenierung.
    Rosenkavalier vom "Blatt" inszeniert. :yes:


    Daher mein DVD Favorit.
    :D :] :]

  • Ich empfehle die "Manon" (Massenet) in einer Produktion der WSO, Regie und Bühnenbild Jean-Pierre Ponnelle.
    Manon -- Edita Gruberova
    Des Grieux --- Francisco Araiza
    Lescaut --- Hans Helm
    sowie Georg Tichy, Wlfried Gahmlich, Pierre Thau, Margaretha Hintermeier u.a.
    Dirigent --- Adam Fischer
    Eine Aufführung, bei der man optisch, musikalisch und schauspielerisch auf seine Rechnung kommt.
    lg Severina

  • Hallo Forianer,


    diese "Manon" halte ich für wesentlicher empfehlenswerter:



    Manon
    Eine Aufnahme aus der Opera National de Paris
    Fleming, Alvarez, Vernhes, Senechal, Azzaretti,
    Opernorchester Paris, Lopez-Cobos (164 Min.)
    Sound:DSS 5.1 & DTS;Bild:WS;Sub:D, E,F, I,Sp



    Herzliche Grüße
    von LT :hello:

  • Zitat

    Original von Barezzi
    Sag mal,


    wenn man so liest, wie Du da der guten Severina immer in die Parade fährst, dann muss man schön sehr verträumt sein, um unterschwellige Liebe zu übersehen ;)


    :hello:
    Stefan


    8o 8o 8o 8o 8o 8o 8o 8o 8o 8o 8o 8o 8o 8o 8o 8o 8o 8o 8o 8o 8o 8o
    lg Severina (Willst du mich ins EXil treiben, bevor ich meinen roten Stern habe?? :D )

  • Zitat

    Original von severina
    8o 8o 8o 8o 8o 8o 8o 8o 8o 8o 8o 8o 8o 8o 8o 8o 8o 8o 8o 8o 8o 8o
    lg Severina (Willst du mich ins EXil treiben, bevor ich meinen roten Stern habe?? :D )


    Na ja, Ihr hattet Euch heute aber auch so schön dauernd in den Haaren und das bei seinem Nick :baby:


    :hello:
    Stefan


    PS: Welche Orte kämen denn für ein Exil überhaupt in Frage? :rolleyes:


  • Natürlich nur welche mit einer Oper! :D Übrigens: Nomen ist nicht immer Omen!!!! :stumm:
    So, jetzt verabschiede ich mich endgültig, bevor Alfred ob unserer tiefschürfenden Konversation Magengeschwüre bekommt!


    lg Severina :angel:

  • Zitat

    Original von severina
    So, jetzt verabschiede ich mich endgültig, bevor Alfred ob unserer tiefschürfenden Konversation Magengeschwüre bekommt!


    ...und Du aus Versehen heute schon befördert wirst :pfeif:
    Viel Spaß bei Lungen durchlüften ;)


    :hello:
    Stefan


  • Live-Aufführung von Mozarts Entführung aus dem Serail der Bayerischen Staatsoper 1980.


    Inszenierung: August Everding
    Dirigent: Karl Böhm


    Konstanze: Edita Gruberova
    Blonde: Reri Grist
    Belmonte: Francisco Araiza
    Pedrillo: Norbert Orth
    Osmin: Martti Talvela
    Bassa: Thomas Holtzmann


    Spannende Live-Atmosphäre (weniger spannend Bühnenbild und Kostüme) mit Böhms Mozart, einem tadellosen Orchester und hervorragenden Sängerinnen und Sängern.

    Bitte bedenken Sie, dass lautes Husten - auch zwischen den Stücken - die Konzentration der Künstler wie auch den Genuss der Zuhörer beeinträchtigt und sich durch den Filter eines Taschentuchs o. ä. erheblich dämpfen lässt.

  • Zitat

    Original von Joschi Krakhofer


    Einfach hinreissend, die beste Werbung für Rossini, die man sich wünschen kann!


    Ich bin ganz der gleichen Meinung. Eine Aufführung im Kleinen Festspielhaus 1988, die Spaß macht. Herrlich Araiza als Don Ramiro, Angela Denning und Daphne Evangelatos als Stiefschwestern und Walter Berry als Don Magnifico.

    Bitte bedenken Sie, dass lautes Husten - auch zwischen den Stücken - die Konzentration der Künstler wie auch den Genuss der Zuhörer beeinträchtigt und sich durch den Filter eines Taschentuchs o. ä. erheblich dämpfen lässt.

  • Eigentlich bin ich kein ausgesprochener Fan von Oper auf DVD oder im TV, aber hier meine Empfehlung (immerhin habe ich die Aufnahme bereits zweimal gesehen (das ist bei mir schon was)):

    Ein Film von Paul Czinner mit der Inszenierung von Herbert Graf: klassisch (wie hier verlangt), düster, wunderbar stimmungsvoll ausgeleuchtet, mich an erste Opernerfahrungen in Hamburg erinnernd, die ich schmerzlich vermisse.
    Furtwängler, an seinem Mozart scheiden sich die Geister, ich :jubel: vor ihm.


    Grümmer :jubel: (hätte bei dem Aussehen heute auf der Opernbühne wohl kaum noch eine Chance)
    Dermota :jubel: (auch wenn kein Wunderlich, ansonsten s.o.)
    Della Casa :jubel: (s.o. nicht, die Glückliche)
    Berry :jubel: (eigentlich immer :jubel:)
    Berger ;) (eher die Tante von Masetto, aber wenn es ihm gefällt)
    Edelmann (bin nicht so ein totaler Fan von ihm)
    Ernster (kann ich nichts zu sagen, erinnere mich nicht mehr)


    Zu den beiden ersten Aussagen (Grümmer/Dermota): wie arm sind wir heute mit unser auf's Aussehen fixierten Welt, was entgeht uns!


    :hello: Gustav

  • Hallo zusammen,


    in der Hoffnung, selbst hier Tipps zu den von mir auf unseren Bühnen sehr vermissten naturalistischen Inszenierungen erhalten zu können, versuche ich mal diesen Thread wieder zu beleben.


    Mein Beitrag wären die Meistersinger von Nürnberg aus der Met von 2001:

    Eine, wie ich finde, traumhaft schöne Bilderbuch Inszenierung von Otto Schenk und Schneider-Siemssen.
    Es wird alles so dargestellt, wie ein Kind es sich vorstellen würde. Für mich ideal, um einfach in die Musik einzutauchen ohne sich alle paar Minuten den Kopf über unverständliche Regieeinfälle zerbrechen zu müssen.
    Dazu kommt ein in meinen Augen sehr gutes Ensemble:
    Ben Heppner als Stolzing --> für mich ein glaubhafter Ritter mit passender Stimme.
    James Morris als Sachs --> Ein wunderbar gespielter und gesungener Sachs, dabei mehr Schuster als Poet.
    Thomas Allen als Beckmesser --> Gesanglich einwandfrei, schauspielerisch herrlich verkniffen.
    Karita Mattila als Eva --> Stimmlich sicher nicht die beste Eva, die ich kenne, aber jedenfalls gut, schauspielerisch eine naive, junge Eva, die auch mal ins Zappeln kommt.
    René Pape als Pogner --> wunderbares Portrait des fürsorglichen Vaters.
    James Levine dirigiert.


    Alles in allem eine sehr schön "erzählte" Oper für einen entspannten Wagnerabend.


    HG David


  • James Morris als Sachs --> Ein wunderbar gespielter und gesungener Sachs, dabei mehr Schuster als Poet.


    Mehr Schuster als Poet ist sicher eine sehr euphemistische Beschreibung für diese handfeste, null text gestaltende oder gar reflektierende Behandlung der Partie. Ich habe Morris 2008 in Berlin live als Sachs erlebt, da war seine mächtige Stimme zwar noch da, aber er hatte große Probleme mit Text und Rhythmus.
    Auch diese DVD gefällt mir von ihm gar nicht, da ist nichts differenziert, alles wird in einer Einheitslautstärke heruntergebetet - so stelle ich mir einen "wunderbar gesungenen" Sachs wahrlich nicht vor.



    In diesem Ausschnitt kann man sich selbst ein Bild davon machen, dazu kommen Intonationsprobleme in der Höhe ("deutsch und wahr"). Aber mein Haupteinwand bleibt: Mit dem Text und den Feinheiten kann Morris nichts anfangen. Kann man über seinen Wotan ob seiner stimmlichen Imposanz noch trefflich streiten - mir war da auch immer zu wenig Durchdringung - sein Sachs konnte und kann mich auch beim nochmaligen Hören gar nicht überzeugen. "Wunderbar gesungen" haben den Sachs für mich die Gestalter und nicht die reinen Stimmbesitzer.

  • Lieber Melomane,


    interessant, wie unterschiedlich offenbar unsere Auffassungen des Hans Sachs sind. Da kann man sicher disskutieren, welche Mischung aus Schuster und Poet die Richtige ist. Bei den sprachlichen Schwierigkeiten muss ich dir allerdings recht geben. Da wird er von anderen englischsprachigen Kollegen der Aufnahme in den Schatten gestellt. Mich hat das allerdings nicht sehr gestört. Aber auch hier mag das Ansichtssache sein. Ich lasse mich aber gerne eines Besseren belehren: Welches wäre den dein Favorit als Sachs auf DVD?


    HG David

  • Die Met-Inszenierung finde ich optisch wirklich sehr adäquat für diese "Festoper". Natürlich können Regietheater-Anhänger damit nichts anfangen.


    So sehr ich James Morris eigentlich schätze, halte ich ihn aber auch nicht für einen idealen Sachs. Trotzdem ist er m. E. durchaus akzeptabel und sollte einen nicht abhalten, diese Inszenierung anzuschauen.


    Welches wäre den dein Favorit als Sachs auf DVD?


    Auch wenn die Frage an Melomane gerichtet war: Bei Reduzierung auf DVD würde ich jetzt aus dem Stegreif heraus sagen: Bernd Weikl in der Wolfgang-Wagner-Inszenierung, Bayreuth 1984 unter Horst Stein.



    Die ist auch naturalistisch, wenn auch nicht ganz so opulent wie die von Otto Schenk. Selbst RT-Fans kommen auf ihre Kosten, weil ganz am Ende Wolfgang Wagner persönlich auftritt und Sachs und Beckmesser (Hermann Prey!) versöhnt. :D Mir gefiel das irgendwie immer.

  • Lieber David,


    die Morris-Interpretation des Hans Sachs kenne ich leider nicht. James Morris ist für mich der Wotan in der Schenk-Inszenierung der Met. Ob er da phonetische Probleme hat, das weiß ich gar nicht. Aber als Amerikaner deutsch zu sprechen bzw. zu singen, das ist wohl schwer. Man sollte das nicht überbewerten, denn ich möchte nicht wissen, was ein Italiener empfindet, wenn ein Koreaner den Alfred Germont auf italienisch gibt.


    Zurück zu den Meistersingern. Mein Favorit ist Glyndebourne mit dem für mich besten Hans Sachs, Gerald Finley. Er hat die Stimme immer voll im Griff, hat genügend Reserven für die Schluansprache und überzeugt als Schuhmacher und Poet. Ich muß nicht betonen, daß meine Empfehlung konventionell ist. Das ist die DVD:



    Herzlichst La Roche

    Musik ist eine heilige Kunst - Hugo von Hofmannsthal. Aussage des Komponisten aus der Oper "Ariadne auf Naxos" mit der Musik von Richard Strauss.


  • Lieber La Roche,
    lieber Joseph,


    vielen Dank für eure beiden Vorschläge!
    Gerald Finley kenne ich aus anderem Zusammenhang. Auf seinen Sachs bin ich sehr gespannt.
    Die Inszenierungen aus Glyndebourne haben mir bisher eigentlich immer recht gut gefallen.


    Bernd Weikls Sachs ist mir bisher nur von Sawallischs Meistersingern her bekannt. Wie gut schlägt sich denn die restliche Sängerriege unter Stein?


    HG David

  • Bernd Weikls Sachs ist mir bisher nur von Sawallischs Meistersingern her bekannt. Wie gut schlägt sich denn die restliche Sängerriege unter Stein?


    Lieber David,


    diese Aufnahme von Stein ist ja neun Jahre vor jener von Sawallisch entstanden, so dass Weikl hier sogar noch frischer herüberkommt (nicht dass ich ihn unter Sawallisch jetzt schlecht fände!). Ich müsste für eine detaillierte Analyse der übrigen Beteiligten wirklich nochmal nachhören, aber Hermann Prey als Beckmesser finde ich schon wirklich sehr gut, ist in dieser untypischen Rolle aber etwas Geschmackssache (Fischer-Dieskau ist der Rolle ja leider wie der Teufel dem Weihwasser aus dem Weg gegangen). Bei der sonstigen Besetzung habe ich niemanden schlechter als "gut" in Erinnerung (einige Rezensionen, die ich gerade überflog, scheinen das zu bestätigen). Siegfried Jerusalem musste ja zuweilen viel Kritik einstecken, aber wer hätte das 1984 wesentlich besser singen sollen? Peter Hofmann? Wohl kaum. Horst Steins musikalische Begleitung ist auch nicht von schlechten Eltern, selbst wenn ich hier andere Topfavoriten habe (Goodall, Knappertsbusch, Furtwängler). Also gerade von der Titelpartie her würde ich sagen, dass Weikl besser ist als Morris. Er verbindet den Schuster mit dem Poeten hervorragend, ist zudem mal ein Sachs im besten Alter, der bei Eva durchaus eine Chance haben könnte, und ist stimmlich in der Aufnahme auf seinem Höhepunkt.

  • Welches wäre den dein Favorit als Sachs auf DVD?


    Meine Leiblingsinterpreten des Sachs gibt es leider nicht auf DVD: Paul Schöffler, Ferdinand Frantz, auch Otto Wiener kann ich unter Keilberth einiges abgewinnen. Stewart und Hotter halte ich nicht für ideal, das ist aber ein weites Feld.
    Wenn ich mich für einen Sachs auf DVD entscheiden müsste, wäre es wahrscheinlich doch Wolfgang Brendel in der Aufzeichnung aus der Deutschen Oper Berlin. Ich empfinde ihn als hintergründiger als Bernd Weikl und gerade im Zusammenspiel mit Eike Wilm Schulte als Beckmesser zeigt er auch seine darstellerische Souveränität. Stimmlich sind sicher Abstriche zu machen, eine bassbaritonle "Sachs-Stimme" hat er von Hause aus nicht, macht aber vieles mit gestalterischer Intelligenz wett.




    Zitat von La Roche

    Mein Favorit ist Glyndebourne mit dem für mich besten Hans Sachs, Gerald Finley.


    Finley ist gestalterisch sicher besser als Morris, bei der übrigen Besetzung dieser DVD sind m.E. allerdings einige Kröten zu schlucken: Marco Jenztsch und insbesondere Anna Gabler sind wirklich alles andere als ideal.


    Zitat von 'Joseph II.

    Also gerade von der Titelpartie her würde ich sagen, dass Weikl besser ist als Morris.


    ?(

  • Lieber Melomane,


    auch dir vielen Dank für deinen Tipp.
    Mal schauen, ob die Bib die hier empfohlenen Aufnahmen hat...
    Angeregt durch unsere Diskussion hier bin ich auch noch auf diese Aufnahme gestoßen:


    Kennt ihr die? Taugt die was?
    Thielemann mag ich gerade bei Wagner und auch Johan Botha ist mir in sehr positiver Erinnerung.


  • Thielemann mag ich gerade bei Wagner und auch Johan Botha ist mir in sehr positiver Erinnerung.


    Der DVD liegt eine 5er Serie im Januar 2008 an der Wiener Staatsoper zu Grunde, ich habe damals von den 5 Aufführungen 3 live erlebt. Struckmann war leider damals stimmlich in keiner guten Verfassung, die ersten drei Vorstellungen hat er - zum Teil mit großen Einbrüchen - gesungen. In der vierten musste er vor dem 3. Akt aufgeben, Wolfgang Koch, als Kothner engagiert, übernahm den Sachs von ihm und Wolfgang Bankl, als Nachtwächter engagiert, übernahm den Kothner im 3. Akt. Die letzte Vorstellung übernahm Koch vollständig von Struckmann. Da Botha die ersten beiden Vorstellungen absagte, Peter Seiffert und Raymond Very sprangen ein, kann es sich in großen Strecken eigentlich nur um die dritte Aufführung der Serie handeln.

  • Kennt ihr die? Taugt die was?
    Thielemann mag ich gerade bei Wagner und auch Johan Botha ist mir in sehr positiver Erinnerung.


    Lieber David,


    zu Beginn meiner intensiven Beschäftigung mit Wagner stand Thielemann bei mir ganz hoch im Kurs. Über all die Jahre habe ich dann doch andere Dirigenten mehr schätzen gelernt. Was Thielemanns Wiener "Meistersinger" anbelangt, so ist die Besetzung in der Tat recht uneinheitlich geraten. Ich kenne davon aber nur den Rundfunkmitschnitt. Falk Struckmann, den ich an und für sich durchaus schätze, war mit der Partie des Sachs auf Dauer wohl schlecht beraten. Im Mitschnitt bricht er im Schlussmonolog sogar mal hörbar ein, was im Video nicht der Fall sein soll (im Forum meinte mal jemand, man habe da wohl später nachgebessert). Ich habe noch irgendwo einen Mitschnitt dieser Oper unter Thielemann aus Bayreuth 2002, wo Robert Holl den Sachs sang, nach meiner Erinnerung deutlich überzeugender. Auch Thielemann dirigierte da mehr so, wie mir das persönlich vorschwebt. Johan Botha ist (war) allerdings wirklich eine Klasse für sich! Auch wenn er optisch nicht dem Idealbild des Stolzing entsprach.

  • Falk Struckmann, den ich an und für sich durchaus schätze, war mit der Partie des Sachs auf Dauer wohl schlecht beraten.

    Struckmann debütierte als Sachs in der Neuproduktion der "Meistersinger" (Barenboim/Kupfer) 1998 an der Staatsoper Berlin. Dann kam eine Serie 1999, wo er in einer Vorstellung als angeschlagen angesagt wurde - und Robert Holl wurde aus Zürich eingeflogen, um notfalls von der Seite zu Ende singen zu können (Notenpult und Stuhl für ihn wurden an der Seite schon aufgebaut) - und dann sang Struckmann plötzlich den 3. Akt seines Lebens!


    2004 gab es noch in gleicher Inszenierung eine sehr gut besetzte Dreier-Serie unter Simone Young (zwei der drei Vorstellungen habe ich besucht) mit Struckmann und Botha- beide fand ich sehr gut.


    Soll heißen: Vor dem Wiener Einbruch 2008 war Struckmann ein richtig guter Sachs! Das sich Stimmen im Laufe der Jahre verändenr und damit auch das Repertoire eines Sängers, ist keine Neuigkeit. Nun ist er 60 (oder bald) und singt vorrangig Basspartien und durchaus mit Erfolg. Im vergangenen Herbst erlebte ich ihn 2x als Hagen in Dresden - übrigens wieder unter Thielemann! Wer keinen balsamischne oder schwarzen Bass erwartet, ist mit einem intelligent differenzierenden und sprachlich sehr guten Sängerdarsteller, der alle nötigen Töne für dieses Fach hat, gut bedient.

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


    Inhalten aller Art in Beiträgen anderer in diesem Forum stimme ich hier ausdrücklich nur dann zu, wenn ich ihnen in Antwortbeiträgen ausdrücklich zustimme! ;)

  • Finley ist gestalterisch sicher besser als Morris, bei der übrigen Besetzung dieser DVD sind m.E. allerdings einige Kröten zu schlucken: Marco Jenztsch und insbesondere Anna Gabler sind wirklich alles andere als ideal.

    Da kann ich Dir nicht widersprechen. Allerdings setzt die stimmliche und darstellerische Rollengestaltung, verbunden mit Bühnenpräsenz und Ausstrahlung bei Finley für mich Maßstäbe und läßt die von Dir angesprochenen Mängel (die ich auch empfand) verblassen. Dazu kommt eine hervorragende Chorleistung, eine starke Orchesterleistung und ein kraftvolles Dirigat von Jurowski. Dazu ein für meinen Geschmack passendes Bühnenbild und angepaßte Kostüme.


    Allerdings geht nichts über ein gutes Live-Erlebnis. Mein bestes war Chemnitz in den 90-ern mit Siegfried Vogel als umwerfender Sachs im historischen Nürnberg. Die 2015-er Meistersinger in Chemnitz kamen in keinem Punkt an diese Inszenierung heran. Begeistert war ich auch Ende der 90-er in Dresden., ich glaube Tomlinson war Sachs.


    Herzlichst La Roche

    Musik ist eine heilige Kunst - Hugo von Hofmannsthal. Aussage des Komponisten aus der Oper "Ariadne auf Naxos" mit der Musik von Richard Strauss.