WSO - wie geht es weiter?

  • Zitat

    Original von GiselherHH
    Egal, was man von Mortier halten mag (in Paris ist er ja auffallend zurückhaltend): für Salzburg war es eine dringend notwendige Roßkur (insbesondere für die Leute, welche die Festspiele nur aus der Perspektive touristischer Umwegrentabilität betrachten). Auch wenn vieles nicht Gold war, was dort glänzte. Zudem hat der Mann Humor, einen ziemlich bösartigen sogar, wenn man an die vorsätzliche Abschlachtung des austriakischen Nationalheiligtums "Fledermaus" durch Neuenfels zurückdenkt...


    :hello:


    GiselherHH


    War das jetzt die Schadenfreude darüber, was Mortier in Salzburg angerichtet hat, oder eine vollkommene Verkennung der Lage?


    Was glaubst du eigentlich, wieso man jegliche Spuren von Mortier ausradiert hat und nichts mehr an seine Intendanz erinnert? Man ist heilfroh, dass dieses Kapitel abgeschlossen ist und die Roßkur, von der du sprichst, hat außer Verärgerung nichts gebracht. Und wirtschaftlicher Schaden ist bei Festspielen wie Salzburg keine brauchbare Programmgestaltung.

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!


  • Das mag die Perspektive von Leuten sein, die den künstlerischen Wert einer Festspielsaison allein nach dem Umsatz von Trachtenjankern und Dirndln in der Getreidegasse bemessen. Wie gesagt, sicher war nicht alles während der Ägide Mortiers festspielwürdig. Aber immerhin wurde programmatisch etwas gewagt und das Publikum wesentlich verjüngt. Auch wenn Mortier diese Roßkur im Gestus einer Teufelsaustreibung betrieb...


    :hello:


    GiselherHH

    "Mache es besser! (...) soll ein bloßes Stichblatt sein, die Stöße des Kunstrichters abglitschen zu lassen."


    (Gotthold Ephraim Lessing: Der Rezensent braucht nicht besser machen zu können, was er tadelt)

  • Zitat

    Original von GiselherHH
    Aber nach dieser beispiellosen Pressekampagne gegen ihn, hatte er meines Erachtens jedes Recht, Neuenfels auf die "Fledermaus" loszulassen (das geht jetzt nicht gegen das Stück, sondern gegen die Fetischisierung durch ein bestimmtes Publikum, das sich gern an der eigenen Dui-Duu-Sentimentalität berauscht und über die Spitzen und Abgründe nur allzu gern hinwegsieht). Und die ohnmächtige Wut dieses Society-Gschwerls vor laufender Kamera serviert zu bekommen, diese puterrot angelaufenen Prominentenzahnärzte und Industriekapitäne samt Anhang, deren Festspielerwartungen dermaßen unterlaufen wurden, dass sie nur noch unzusammenhängende Satzfetzen stammeln konnten: das war es mir am Ende doch wert!


    Also reduzieren wir die Salzburger Festspiele auf Sandkastenspiele der persönlichen Eitelkeiten. Außerdem sind Festspiele nicht für Leute gedacht, die sich am Fernseher über die Reaktion empörter Festspielbesucher abhauen, sondern für Besucher, die Produktionen auf hohem Niveau erleben wollen, und sich dabei nicht als gepflanzte Versuchskaninchen fühlen wollen.



    Zitat

    Das mag die Perspektive von Leuten sein, die den künstlerischen Wert einer Festspielsaison allein nach dem Umsatz von Trachtenjankern und Dirndln in der Getreidegasse bemessen.


    Nein, das ist die perspektive von Leuten, die den Wert von Festpielen an ihrer Publikumsfrequenz und Publikumsakzeptanz messen. Und gerade in dieser Beziehung hat Mortier regelrecht abgewirtschaftet.

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!


  • Zitat

    Original von Theophilus
    Also reduzieren wir die Salzburger Festspiele auf Sandkastenspiele der persönlichen Eitelkeiten.


    Salzburg war also zuvor nie ein Ort "persönlicher Eitelkeiten" - auch nicht bei HvK, seinen Glitterati und Nabobs? Ganz abgesehen von denen sogenannter "Journalisten", die seitens Mortier nicht genügend gebauchpinselt wurden. Aber quod licet Herbie, non licet Morti...


    :hello:


    GiselherHH

    "Mache es besser! (...) soll ein bloßes Stichblatt sein, die Stöße des Kunstrichters abglitschen zu lassen."


    (Gotthold Ephraim Lessing: Der Rezensent braucht nicht besser machen zu können, was er tadelt)

  • Mit großem Vergnügen lese ich alle Beiträge
    zum Thema Wiener Staatsoper
    und der Nachfolge von Ioan Holender. :yes:
    Zunächst verstehe ich die Aufregung seit gestern
    nur bedingt. :rolleyes:
    Herr Holender hat einen Vertrag der läuft ganz
    normal am 31.08.10 aus. Der Herr Direktor hat
    sich doch dann wieder s e l b s t ins
    Gespräch gebracht. :no:
    Nun hat Österreich eine
    neue Regierung und er ist ein schlauer Fuchs
    merkte das er nicht mehr verlänget werden
    würde und schreibt den Brief an die APA mit
    der Mitteilung er stünde nicht mehr zu Verfügung
    und erklärt in bekannter Art das er der einzige
    Österreicher sei der eine Ahnung von der
    Situation an der Staatsoper hätte!!!!
    (gestern in Zeit im Bild Kultur)
    Nun ist die neue Ministerin unter
    ZUGZWANG geraten. X(


    Nachfolger ist meiner Meinug keiner in Sicht, es
    fehlt die Manager Persönlichkeit auf dem Markt!
    Will absichtlich hier nicht Namen ins Rennen bringen
    und auch nicht an der Diskussion um die genannten
    Personen beteiligen, aber bei manchen Namen
    kommen schon auch größere Zweifel auf!


    gruss aus münchen


    :pfeif::pfeif::pfeif:

    mucaxel

  • Zitat

    Original von mucaxel
    Nun hat Österreich eine
    neue Regierung und er ist ein schlauer Fuchs
    merkte das er nicht mehr verlänget werden
    würde und schreibt den Brief an die APA mit
    der Mitteilung er stünde nicht mehr zu Verfügung


    Ich glaube nicht, daß er besonders wild darauf war, verlängert zu werden - er hat angeboten, ein Jahr länger als vertraglich festgelegt, zu bleiben, um eine ordentliche Übergabe zu ermöglichen.


    Zitat

    und erklärt in bekannter Art das er der einzige
    Österreicher sei der eine Ahnung von der
    Situation an der Staatsoper hätte!!!!


    Auch wenn ich seine "bekannte Art" etwas anstrengend :D finde - ich gebe ihm uneingeschränkt recht.


    Zitat

    Nun ist die neue Ministerin unter
    ZUGZWANG geraten. X(


    Es hätten längst Ausschreibungen stattfinden müssen, egal ob Holender bis 2010 oder 2011 bleibt. Und länger als bis 2011 zu bleiben hat er weder angestrebt noch zugesagt. Ich sehe da ein Versäumnis des Ministeriums, Holender wird angesichts dessen den Hut drauf gehaut haben.


    :hello:
    Austria

    Wir lieben Menschen, die frisch heraus sagen, was sie denken - vorausgesetzt, sie denken dasselbe wie wir (Mark Twain)

  • Bei Austria merkt man, daß sie Wienerin ist. Sie durchschaut die Sache nämlich sehr gut.
    Daß Holender über 2010 hinaus nicht mehr will, hat er mehrfach deponiert. Daß es ihm niemand geglaubt hat, ist nicht seine Verantwortung.


    Es standen wieder einmal Wahlen vor der Tür. Eigentlich hätte die alte ÖVP-geführte Regierung noch handeln müssen. Aber wenn sie das gemacht hätte, hätte es wohl wieder geheißen, es sollen noch schnell Personen auf Posten einzementiert werden.
    Also hat man es - auch im Glauben, daß die ÖVP sowieso die Wahlen gewinnt - nicht gemacht und nur ein paar Abstiegskandidaten irgendwo untergebracht, wie das in Österreich üblich ist.


    Dann gingen die Wahlen aber pro SPÖ aus - und es folgte eine elend lange Regierungsbildung.


    Holender mahnte, die Zeit für Planungen liefe davon. Und aus dieser Situation heraus erklärte er sich bereit, für ein weiteres Jahr zur Verfügung zu stehen, dasdamit für die Suche nach einem Nachfolger gewonnen wäre.


    Allerdings nannte Holender eine Bedingung: Mitspracherecht bei der Wahl seines Nachfolgers.


    Und das will die SPÖ offenbar nicht - wohl wissend, daß Holender den ÖVP-nahen Welser-Möst favorisiert und ganz bestimmt nicht den Wunschkandidaten des Bundeskanzlers, also Shicoff.


    Meine Interpretation ist, daß man eine Verschleppungstaktik angewendet hat, um Holender zu signalisieren, daß man ihn eigentlich um das Zusatzjahr (und das inkludierte Mitspracherecht) nicht bitten will. Und da hat Holender eben in einem Fax an die APA und die dem Bundeskanzleramt nahestehende "Wiener Zeitung" die Konsequenzen gezogen.


    Dementsprechend nicht bestürzt zeigt man sich im Kulturministerium. Ich habe sogar den Eindruck, man ist dort einigermaßen erleichtert.


    --------------------------


    Nun zu Mortier.


    In Salzburg war das Aufräumen nach dem Karajan-Personenkult unbedingt notwendig.
    Was hätte denn sonst kommen sollen? - Schallplattenwiedergaben der Aufnahmen des Verewigten Anifers im Großen Festspielhaus?


    Statt nun einen neuen Personenkult aufzubauen, hat Mortier umgestellt auf Werkbezogenheit. Ich fand das den einzig gangbaren Weg, auch wenn es einem Kahlschlag gleichkam.


    Aber nur dieser Kahlschlag hat es ermöglicht, daß der in künstlerischen Konzeptionen bemerkenswert unauffällige Ruzicka nicht völlig abstürzt. Obwohl ich einen starken Qualitätsverlust sehe. Aber das ist wohl eine andere Diskussion.


    Den Vorwurf, Mortier habe Stücke gespielt und Musiktheater gemacht, das keiner sehen wollte, verstehe ich nun wieder überhaupt nicht.
    Waren die Leute gezwungen, sich das anzuschauen?
    Natürlich nicht!
    Und wer nicht weiß, was ihm bei einer Neuenfels-Inszenierung blüht, hat sowieso vom Gegenwartstheater so wenig Ahnung, daß er auch eine Otto-Schenk-Inszenierung aus den falschen Gründen bejubelt hätte.


    Mortier an der Staatsoper? - Nun: Es wäre in meinen Augen dann interessant, wenn er das Repertoiresystem akzeptiert und einverstanden ist, an den Säulen des Wiener Repertoires, also bei Mozart, Wagner und Strauss (merke, oh Theophilus, die Edwin'sche Objektivität!), nicht zu rütteln. Wenn er dieses Repertoire mit Regietheater überzieht, soll es mir recht sein. Und wenn er auf die freien Plätze lieber Janacek und Ligeti setzt als Donizetti und frühen Verdi, ist es mir umso lieber.


    Wenn er die beiden von mir genannten Voraussetzungen, über die sich die Wiener Staatsoper nun einmal definiert, nicht zu erfüllen bereit ist, dann freilich wäre es besser, wenn Mortier nicht kommt.


    :hello:

    ...

  • Nachdem, was ich hier lese, bietet sich doch eine (offene oder verdeckte = z.B. Shicoff ) Übergangslösung geradezu an. Keiner der aktuellen politischen Wunschkandidaten erfüllt die essentiellen, außerkünstlerischen Anforderungen hinsichtlich eines virtuosen Umgangs mit eigenwilligen Politikern und Primadonnen.


    Und wenn Holender dann nach 18 Jahren und überwiegend positiver Bilanz (ich beziehe mich jetzt mal auf die Resonanz in diesem Thread) geht, sind das sicher zeitnah erst mal zu große Fußstapfen, als das der neue Intendant nicht in sie abstürzen würde.


    Vielleicht hat man in 2-3 Jahren auch ein genaueres Bild, in welche Richtung man will und kann das in die Personenfrage einbeziehen.
    Das Haus zum Vorreiter des modernen Regietheaters zu machen erscheint mir ebenso wenig erfolgversprechend, wie die Zeit 50 Jahre zurückzudrehen. Am Repertoiresystem und den von Edwin genannten Repertoireschwerpunkten festzuhalten dürfte auch nicht in Frage stehen, nur ein Idiot würde die traditionellen Stärken eines Hauses leichtfertig opfern. Auf große Namen auf der Bühne zu verzichten will und kann sich somit sicher auch keiner leisten.


    Zitat

    Edwin Baumgartner schrieb
    Und wenn er auf die freien Plätze lieber Janacek und Ligeti setzt als Donizetti und frühen Verdi, ist es mir umso lieber.


    Mir wäre es auch lieber, und ich denke, dass Haus könnte eventuell durch eine sehr attraktive Besetzung seinen Teil zur Promotion dieser Werke beitragen. Ich befürchte nur - ich lasse mich da gerne berichtigen - , dass es diese Werke in Wien hinsichtlich der Publikumsakzeptanz vergleichsweise noch schwerer haben dürften, als ohnehin schon ?


    Weiterhin ein Problem: Aus meiner Sicht eignen sich gerade die großen Wagner- und Mozartopern für Regietheater. Nur wird sich wohl aus wiener Sicht niemand an diesem Kernrepertoire "vergreifen" dürfen.



    Für mich stellt sich also die Frage: Wohin will man eigentlich gehen, dann die daraus folgende Frage, mit wem ?


    Gruß
    Sascha


  • Aber unter Herbert von Karajan wurden Rivalitäten niemals auf dem Rücken der Festspielbesucher ausgetragen, die ja durch ihren nicht unbeträchtlichen finanziellen Einsatz den Fortbestand der Spiele überhaupt erst ermöglichen.

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!


  • @ Edwin: Meine Freunde sind Neuenfelsfans und rechneten also ganz bestimmt mit keiner Schenkiade, trotzdem fanden sie die "Fledermaus" geschmacklos. O-Ton: "Wenn ihm zu einem Stück nicht mehr einfällt als es zu verarschen, soll er sich ein anderes suchen!" Dass Neuenfels genau das geliefert hat, was Mortier für Salzburg haben wollte, daran zweifle ich nicht. Du kennst Mortier sicher besser als ich, für mich ist dieser Typ schlicht und einfach :kotz: und wenn er seine "Kahlschläge" nun tatsächlich auch in Wien fortsetzen darf, überkommt mich schon jetzt das bloße Grauen. Dann erspare ich mir in Zukunft viel Geld für Opernkarten und die DVD-Produzenten dürfen sich freuen....... X(
    Giselher, ob du's glaubst oder nicht, aber es gibt tatsächlich auch Leute, die wegen der OPER nach Salzburg kommen. Ich war 15mal dort, war und bin kein Karajan-Fan, besitze auch kein Dirndl aus der Getreidegasse, weil ich mein sauer verdientes Geld lieber in sündteure Opernkarten investiert habe. Die wurden unter Mortier noch teurer, ohne dass einem dafür Adäquates geboten wurde, denn mich interessieren an einer Oper in erster Linie die Musik und die SÄNGER, und die waren zumindest im ersten Mortier-Jahr jämmerlich, womit das Kapitel Salzburg für mich seinen Abschluss fand.
    lg Severina

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  • Hallo Severina,
    aber jetzt anders gedacht: Was soll Mortier machen? Neuenfels feuern? - Der schönste Skandal im deutschsprachigen Raum. Das würde kein Direktor machen - schon deshalb nicht, weil er sich dann die Frage gefallen lassen müsste, weshalb er eine solche Niete überhaupt engagiert hat.


    Warum reitet eigentlich niemand auf der "Zauberflöte" herum, die Ruzicka zuerst machen ließ und dann weggeschmissen hat und neu machen ließ? Das halte ich für wesentlich jenseitiger als die (zugegebener Maßen mißglückte) "Fledermaus".


    Es stimmt aber absolut nicht, daß Mortier gegen "das" Publikum agiert hat. Er hat gegen einen bestimmten Teil des Publikums agiert, nämlich gegen jenen Teil, für den die Aufführungen die Nebensache eines gesellschaftlichen Anlasses sind.


    Ist das so übel, wenn ein Intendant lieber ein verständiges als ein repräsentierendes Publikum haben will?


    :hello:

    ...

  • Zitat

    Original von Edwin Baumgartner


    Ist das so übel, wenn ein Intendant lieber ein verständiges als ein repräsentierendes Publikum haben will?


    :hello:


    Die Frage dürfte sein, ob man mit dem verständigen Publikum allein die Festspielaufführungen voll bekommt...


    Gruß
    Sascha

  • Zitat

    Ist das so übel, wenn ein Intendant lieber ein verständiges als ein repräsentierendes Publikum haben will?


    Nein, aber du prolongierst ja nur die Falschmeldungen vom Nordseestrand. Natürlich hat das repräsentierende Publikum in Salzburg mehr Bedeutung als anderswo, und kein Intendant kann darauf verzichten, aber der überwältigende Teil der 200.000 Karten geht an mehr oder weniger verständiges Publikum, das einen fairen Gegenwert für die hohen Kosten erwartet, die es aufwenden muss. Und Mortier hat in erster Linie jene bedient, die sich von der Ferne über das Theater in Salzburg amüsieren konnten.

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!


  • @Edwin: Gegen ein "verständiges" Publikum habe ich gar nichts, bloß hätte Mortier dann die Kartenpreise nicht erhöhen sondern senken müssen, denn ich glaube nicht, dass sich allzu viele aus diesen Kreisen die horrenden Preise leisten können. In meinen Augen ist aber die Salzburger Preispolitik genau auf die Repäsentationsgesellschaft zugeschnitten, die man angeblich NICHT haben wollte bzw. will. (Ich erinnere mich gut, dass ich vor zwanzig Jahren schon 21 Euro für einen Stehplatz hinblättern durfte...)
    Zur "Zauberflöte": Ich habe sie ja nur im Fernsehen gesehen und fand sie ziemlich missglückt, dass sie kein ähnlicher Aufreger wie die "Fledermaus" wurde, ist doch irgendwie logisch. Neuenfels hat erfolgreich provoziert und die Gemüter erhitzt die "Zauberflöte" (Weiß jetzt gar nicht mehr, wer dafür verantwortlich war) hingegen war nur albern und kitschig, und das hat noch nie für Schlagzeilen gesorgt. Ich glaube nicht, dass ich dir erklären muss, mit welcher Art von Stories man Auflagenzahlen in die Höhe treibt :D :D :D :D
    lg Severina

  • Hallo Theophilus,
    reden wir einmal nicht von der "Fledermaus", denn die Leistung eines Intendanten mißt sich wohl nicht an einer einzigen Inszenierung.
    Wo hat Mortier nun wirklich Mist gebaut?
    Weil er gewagt hat, lieber Janácek und Messiaen als Richard Strauss zu spielen? - Dem Mann gehören Orden sonder Zahl umgehängt!
    Daß er die zeitgenössische Musik fest etabliert hat? - Das war sie auch, ehe der Anifer Grabenbaumeister kam, der dafür halt wenig Interesse hatte.
    Meiner Meinung nach hat Mortier in Salzburg erstklassige Arbeit geleistet und ist einzig und allein der österreichischen Presse zum Opfer gefallen, deren Kulturjournalisten er nicht mit der von ihnen erwarteten Untertänigkeit entgegengetreten ist.


    Ein anderes Kapitel ist die Frage, ob Mortier für die WSO ein idealer Direktor wäre.
    Sollten wir da nicht zuerst einmal analysieren, was die Staatsoper nach Holender (den ja, glaube ich, auch Du für einen guten Direktor hältst) braucht, ehe man sofort sagt: Mortier auf keinen Fall?


    :hello:

    ...

  • UDO ZIMMERMANN
    ist schon an der DEUTSCHEN OPER BERLIN gescheitert!
    War da kurzfristig Intendant und ist frühzeitig gegangen...
    (worden)
    ?(?(?(

    mucaxel

  • Die Gerüchtküche um die Nachfolge von Ioan Holender
    ist nun eröffnet.
    Hier die Namen aus "DIE PRESSE" online vom
    28.02.
    NEIL SHICOFF + Pamela ROSENBERG
    und mit oder ohne GEORG SPRINGER.
    Artikel von Wilhelm Sinkovicz.


    :no:

    mucaxel

  • Hallo,


    Also Mortier fällt mal raus:


    ORF online heute:


    Ein Kandidat um die Nachfolge von Staatsoperndirektor Ioan Holender ist aus dem Rennen: Heute wurde in Paris bekannt gegeben, dass der ehemalige Intendant der Salzburger Festspiele, Gerard Mortier, bis 2009 an der Spitze der Pariser Oper, im Anschluss daran neuer Leiter der New York City Opera (NYCO) wird.


    Sein Vertrag als Generalmanager und künstlerischer Direktor wird auf sechs Saisonen abgeschlossen, hieß es seitens der New Yorker Oper. Der 63-jährige Belgier wird am 1. September 2009 Paul Kellogg folgen, der das Haus seit 1996 leitete.


    Austria

    Wir lieben Menschen, die frisch heraus sagen, was sie denken - vorausgesetzt, sie denken dasselbe wie wir (Mark Twain)

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  • Heute Mittag im Ö1 Radio "http://oe1.orf.at" Aussagen von der bewundernswerten Intendantin des Tiroler Landestheaters in Innsbruck Brigitte Fassbaender:


    "http://oe1.orf.at/inforadio/73889.html?filter=5" (ohne Anführungsstriche)


    Bitte bedenken Sie, dass lautes Husten - auch zwischen den Stücken - die Konzentration der Künstler wie auch den Genuss der Zuhörer beeinträchtigt und sich durch den Filter eines Taschentuchs o. ä. erheblich dämpfen lässt.

  • kurz, stichwortartig:


    Shicoff: sensibler Künstler, bestimmt engagiert, schlechte Deutschkentnisse, nach 1 Jahr entnervt und sanatoriumsreif


    Welser-Möst: künstlerisch sicher die beste Wahl, zuletzt auch bei den Philis im Aufschwung, aber spröder Typ (erinnert an Böhm), wird sich mit den Philis überwerfen


    Thielemann: das wäre was, so richtig "Druff gehauen in Wien", schwierige Persönlichkeit- macht nur was er will (manchmal MUSS man aber auch); in linken Kreisen der Gott sei bei uns; spätestens nach dem 3. Interview gibt es parlamentarische Anfragen der Grünen


    Pereira: auf Selbstverwirklichungskurs in Wien (wieviel kann man dem Publikum zumuten?), mehr Hass als Liebe zu Wien, will mehr Probenarbeit des Orchesters und mehr Premieren....


    DESHALB: Netrebko& Villazon- die könnten dann jeden Tag in Wien singen :D

  • Zitat

    Netrebko& Villazon- die könnten dann jeden Tag in Wien singen


    Glänzende Idee. Aber Umbenennung der Staatsoper in "Chez Anna" und von "Bild" gesponserte Plakate "Oh-là-là! Jetzt ist die Ne-stripp-ko ganz dick da!"


    Um wieder einmal etwas Ernst in die Sache zu bringen: Ich bin relativ sicher, daß die Freundschaft mit dem Kanzler zum politischen Willen mutiert und kein Weg an Shicoff vorbeiführt. Er wird mit relativer Sicherheit 2010 STOP-Direktor für die nächsten fünf Jahre.


    Sollte jetzt aber wider Erwarten doch noch die Vernunft Oberhand gewinnen, wäre ich weder für Thielemann noch für Welser-Möst (Dirigenten haben an der Staatsoper fast immer Mist gebaut, weil sie karrierebedingt nur ihre eigenen Interessen im Kopf hatten), sondern für Christine Mielitz oder für Brigitte Fassbaender. Mir wäre die Mielitz tendenziell lieber, da ich sie für die weltoffenere, fantasievollere von den beiden halte, aber mit Sicherheit wäre auch die Fassbaender eine gute Wahl.


    Vielleicht wird's ja was, wenn Shicoff 2012 fluchtartig das Haus verläßt...


    :hello:

    ...

  • Mal nicht den Teufel an die Wand, aber ich fürchte, du hast Recht! Wenn's wirklich der Shici wird, sollte man aber schon am Tag 1 mit der Suche nach einem Nachfolger beginnen.......
    lg Severina :hello:

  • Hallo Severina,
    ich habe im Grunde nur eine Hoffnung: Daß die Kulturministerin (natürlich in Absprache mit dem Kanzler) öffentlich zeigen können soll, daß sie nicht von Gusenbauer gegängelt wird und damit eine scheinbar eigenständige Entscheidung treffen kann. Die würde dann wohl aus parteitaktischen Gründen für eine Frau ausgehen - und dann wären Mielitz und Fassbaender natürlich im Rennen.
    Aber als Österreicher/in weiß man, wieviele Chancen auf Wahrscheinlichkeit so eine Überlegung angesichts des etwas geradlinigen Denkens unserer Politiker hat...
    :hello:

    ...

  • Holender-Nachfolge: Schmied für "Dualführung" Kulturministerin
    Claudia Schmied (SPÖ) hat sich heute in einem ZIB1-Interview für eine künftige "Dualführung" an der Wiener Staatsoper ausgesprochen. Ebenfalls Stellung nahm der mögliche Kandidat Christian Thielemann, derzeit Generalmusikdirektor der Münchner Philharmonie: Er bekundete prinzipielles Interesse für die Nachfolge des scheidenden Ioan Holender unter bestimmten Voraussetzungen.


    "Man muss da kühlen Kopfes sein", meinte Thielemann zur ZIB1. "Es wird vielleicht ein paar Gespräche geben und dann wird man weitersehen." Bei den handelnden Personen müsse jedenfalls "die Chemie stimmen", was auch vorher bei den möglichen Kandidaten abgeklärt gehöre: "Man muss die Leute doch fragen, ob sie zusammenpassen."


    Ebenfalls als möglicher Kandidat genannt wird Stardirigent Franz Welser-Möst. Nicht unwahrscheinlich ist ferner das Avancement von Tenor Neil Shicoff, der ein persönlicher Freund von Kanzler Alfred Gusenbauer (SPÖ) ist.

  • Lieber Edwin!
    Vieleicht ist doch noch nicht alles verloren...


    Zitat

    Stimmt, einige Medien versuchen, Thielemann zu pushen; aber daß er für eine sozialistische Ministerin in Frage kommt, halte ich eher für unwahrscheinlich.


    Habe heute in der Presse gelesen, daß unser Bundeskanzler mit Thielemann ein längeres Gespräch hatte, das Originalzitat der Presse:


    Zitat

    Gibt es eine Wende in der Diskussion um die Staatsoperndirektion? Bisher nahm man an, dass der Tenor Neil Shicoff der Favorit ist. Doch offenbar führt die Regierung, hoffentlich nicht nur zum Schein, zumindest Gespräche mit anderen möglichen Kandidaten. So soll es am Donnerstag ein eineinhalbstündiges Treffen zwischen Kanzler Gusenbauer und dem deutschen Dirigenten Christian Thielemann gegeben haben. Diesen favorisieren die Wiener Philharmoniker, die als Staatsopern-Orchester Mitsprache bei der Berufung der Direktion fordern.
    Manager Dominique Meyer Nachdem der frühere Intendant der Salzburger Festspiele Peter Ruzicka abgesagt hat, wird nun als Manager an Thielemanns Seite Dominique Meyer (51) genannt. Der gebürtige Elsässer, der Wirtschaftswissenschaft studiert hat, ist seit 1999 Generaldirektor des Pariser Théâtre des Champs Elysées, früher hatte er diese Position an der Pariser Oper und in Lausanne. Thielemann könnte allerdings auch Simon Rattle als Chefdirigent der Berliner Philharmoniker nachfolgen. Manche sagen, der Star-Dirigent, der als Karajan-Assistent begann, träume wie dieser von einer Achse Wien-Berlin. Das allerdings dürfte den Wiener Philharmonikern nicht gefallen. Die Ausschreibungsfrist für die Staatsoper endet am 21.4. Shicoff hält bereits Hof in Wien. Man gratuliert ihm. Am 28.3. & 2.4. singt er den Cavaradossi in „Tosca“. Als Sänger hat er bis 2012 – 2010 wird die Oper frei – Verpflichtungen, sodass er bei Zeiten wird wissen wollen und müssen, woran er ist.


    Ach was gäbe ich um Thielemann!
    Hätte eine Idee mit der die Philharmoniker die Politiker in die Knie zwingen könnten:
    Nehmts ihnen einfach das Abo weg!

  • Nur um kein Mißverständnis aufkommen zu lassen: Ich hielte Thielemann für eine identische Katastrophe wie Shicoff. Thielemanns Interessen sind engst begrenzt, er hat sich in Wien wie eine Primadonna gebärdet. Das mag ein guter Dirigent seines Repertoiresegments sein. Aber ich glaube, daß ein Staatsoperndirektor von einer höheren Warte aus handeln muß, weswegen ich prinzipiell für einen Manager oder allenfalls einen Regisseur plädiere, der bereits einschlägige Erfahrungen gesammelt hat.
    Ein guter Dirigent ist ebenso wenig zwangsläufig ein guter Operndirektor wie ein guter Operndirektor zwangsläufig ein guter Dirigent sein muß.
    :hello:

    ...

  • Zitat

    er hat sich in Wien wie eine Primadonna gebärdet.


    hm..... da hast Du eigentlich recht (auch wenn ich dann den Tristan vom Welser-Möst hören durfte).


    Zitat

    Ein guter Dirigent ist ebenso wenig zwangsläufig ein guter Operndirektor wie ein guter Operndirektor zwangsläufig ein guter Dirigent sein muß.


    Auch wahr, verdammt.
    Die Mielitz kann sich aber wiederum nicht sonderlicher Sympathien beim Publikum (v.a. Stehplatz) erfreuen...

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