Die besten "Winterstuerme"

  • Ich kann mich irgendwie nicht auf die Winterstürme beschränken, und beziehe mich deshalb auf die ganze Partie, wobei ich natürlich bei weitem nicht alle Rollenvertreter kenne..


    Zitat

    Original von Mengelberg
    Also bevor Ihr hier alle in Wallungen geratet -
    meine Lieblingsversion ist (Vezzani hin- oder her): Franz Voelker, Bayreuth 1936. Da kommt fuer mich kein anderer heran.


    Franz Voelker ist für mich sängerisch maßstabsetzend dahingehend, dass er höchste belcantistische Tugenden mit einem wunderbaren Stimmklang verbindet, jedoch mit Einschränkungen in der scharfen Charakterzeichnung der Figur.


    Großartig ist hier (und auch sängerisch) Lauritz Melchior unter Walter, vor allem in den 3 Siegmundmonologen.


    Mein Favorit ist jedoch Ripleys Landsmann Jon Vickers. Klar, bei Ihm sind es eher "Wönterstörme, aber er vermittelt mit am glaubhaftesten den Siegmund, singt ungemein subtil in den Monologen und wie er am Ende das Finale Akt.1 auf Karajans breiten Bögen gestaltet, ist schlichtweg eine Sensation. :jubel:


    Erwähnenswert wäre noch Günter Treptow im Scala-Ring 1951. Er hat leider die grässliche Unart, die Vokale zu verfälschen, singt im Forte immer Siegmünd und Nötüng, aber insgesamt, vor allem getragen von Furtwänglers fantastischen Dirigat, stimmt mich doch die Leistung etwas wehmütig, wenn ich so an die aktuellen Leistungen denke, Siegfried Jerusalem, Poul Elming oder Robert Gambil (Wottrich darf ja dieses Jahr in Bayreuth ran. ;()


    Zitat

    Original von Siegfried
    Mir gefiel in dieser Rolle Peter Hofmann ganz gut mit seiner "Zwillingsschwester" Jeannine Altmeyer.
    Sowohl im Bayreuther Jahrhundertring als auch im Stuttgarter Ponelle-Ring erinnere ich mich an tosenden Applaus. :jubel: :jubel:


    Ich hab gerade die "Jahrhundertwalküre" zuhause, schaue mir die DVD an und genieße die fantastische Inszenierung. "Gefällt mir ganz gut" lässt sich mit meinem Eindruck von Hofmann in Einklang bringen. Auf der Soll-Seite stehen schon teils eklatante technische und stimmliche Mängel (weißt ja, Beckmesser und so ;):)), andererseits singt er sehr engagiert und die Darstellung hat etwas für sich. Ich lasse es mal eine zeitlang Wirken und melde mich dann hier nochmal.


    Jimmy King singt nicht an der Partitur, wohl aber an mir vorbei. Mich lässt sein Singen immer irgendwie kalt, ich kann leider deshalb weder mit der Solti- noch mit der Böhm Walküre viel anfangen, leider.


    Lobenswert möchte ich erwähnen, das Dietrich Fischer-Dieskau wenigstens darauf verzichtet hat, den Siegmund zu singen. :stumm: :D


    :hello:
    Gruß

  • Hallo Antracis,


    also den "Beckmesser" nehme ich hiermit (mindestens befristet) zurück.
    Dein Siegmund-Beitrag findet meine Zustimmung, J.King klingt mir etwas zu metallisch und grobschlächtig, den Böhm-Ring habe ich bestimmt nicht wegen ihm gekauft.
    Ein weiterer Siegmund fällt mir ein: Manfred Jung hat die Rolle mehrmals in Stuttgart gesungen. Nicht stimmschön, aber sehr textverständlich.
    So wie er meistens sang. Treptow kenne ich (noch) nicht, aber Vickers und natürlich Völker gehören zur Championsligue.

    Freundliche Grüße Siegfried

  • Hallo Siegfried,


    ich gestehe im Gegenzug ein, mich im Ärger über eine mir sehr mißfallende gesangliche (Un)art von Vogt etwas vergallopiert zu haben. ;)
    Ich hoffe, ihn auch mal live erleben zu dürfen, dann sehe und vor allem höre ich klarer. Den Siegmund singt er ja auch, und zumindest ein Forumsmember war ja sehr angetan von dieser Rollen-Darbietung.


    Du hattest ja, wenn ich mich recht erinnere, auch ein Auge auf den Furtwängler-Scala Ring bei 2001 geworfen. Greif ruhig zu, für den Preis bekommst Du ein fantastisches Dirigat und für meine Begriffe auf jeden Fall sehr interessante Gesangsleistungen. Alles bei weitem nicht perfekt, aber für meinen Geschmack sehr charismatische Sänger, die einen Eindruck hinterlassen.


    Jung kenne ich nur aus einem kurzen, im Radio mitgeschnittenen Götterdämmerungsauschnitt aus dem Boulez-Ring. Die Stimme ziemlich rauh, er wirkt auch angestrengt, trotzdem habe ich das "Lass ich liebste Dich hier" in ganz guter Erinnerung, weil es auf seine Art markant gestaltet ist, vor allem natürlich von Boulez sehr spannend dirigiert. Der Siegmund dürfte da natürlich stimmlich noch etwas besser im Rahmen seiner Möglichkeiten gelegen haben.


    :hello:
    Sascha

  • Eine der schönsten Winterstürme (DIE schönsten gibt es wohl nicht) ist die relativ neue Aufnahme von Ben Heppner. Wie er "holde Düfte haucht er aus" nahezu haucht und gleich drauf mit jubelnder Emphase "seinem warmen Blut..." fortführt: grandios. Punktum.


    In diesem Zusammenhang sei auch auf Heppners "Ein Schwert verhieß mir der Vater" hingewisesen, bei der er "welch ein Strahl bricht aus der Esche Stamm" so lyrisch, fast schon zerbrechlich singt, wo die meisten Heldentenöre gnadenlos über diese Stelle hinwegbolzen, weil noch so noch Resttestosteron von den Wälserufen haben.... :D

  • !Jimmy King singt nicht an der Partitur, wohl aber an mir vorbei. Mich lässt sein Singen immer irgendwie kalt, ich kann leider deshalb weder mit der Solti- noch mit der Böhm Walküre viel anfangen, leider." (Antracis)


    Kommt davon, weil du zu viel Lauritz Melchior hörst :D King singt so ein Mittelding-nicht so lyrisch wie Vickers, aber auch nicht so heroisch wie Melchior oder andere.
    Wenn ich die Walküre höre, hab ich stets den Gesang von Melchior im Kopf und da haben es andere arg schwer.


    Was mir an Karajan missfällt, ist das gedehnte Tempo. Zu den Winterstürmen mag es passen, aber nicht zu "Ein Schwert verhieß mir der Vater" und erst recht nicht zu der Erzählung über Siegmunds Vergangenheit. Der Text ist recht dramatisch, und Wagner wollte ja, dass die Musik Mittel zum Zweck ist, d.h. mittels der Musik sollte die Aussage des Textes verdeutlicht werden, und da passt das gleichmäßig langsame Tempo nicht. Wo wird da die Wut, wo der Schmerz ausgedrückt?

    Einmal editiert, zuletzt von Wanderer ()

  • James King war lange der Berliner Haustenor an der DOB, und ich staunte immer, dass man gerade ihm besondere Finesse unterstellte (er war ja ausgebildeter Violinist). Sein üppiges gesundes Organ war natürlich beeindruckend. Seine erste Rolle in Berlin und wohl in Europa war der Bacchus. Zu Wagner kam er erst später. Zuvor gab es viel Verdi und auch einen guten Don José.

  • Meine Uroma hat in ihrer Musiksammlung eine Tonbandaufnahme, die betitelt ist mit Franz Voelker , Ausschnitte aus der Walküre 1928. Kann das Hinhauen oder wurde das nur falsch bezeichnet?

  • Zitat

    Original von Wanderer
    Meine Uroma hat in ihrer Musiksammlung eine Tonbandaufnahme, die betitelt ist mit Franz Voelker , Ausschnitte aus der Walküre 1928. Kann das Hinhauen oder wurde das nur falsch bezeichnet?


    Da sind unsere Spezialisten für alte Aufnahmen gefragt. 1928 erscheint mir arg früh. Völker war damals in Frankfurt engagiert, und zwar in seinem ersten Engagement überhaupt. Meine frühesten Aufnahmen von ihm stammen aus den 30er Jahren.

  • Franz Voelkers frueheste Aufnahme von Die Walkuere ist aus dem Jahr 1936 (Bayreuth), danach kamen Studio-Aufnahmen (1937). Aber er hat schon 1927 Schallplatten gemacht (Ausschnitte aus Lohengrin).


    All the best


    Ripley

    Opera is when a guy gets stabbed and instead of bleeding, he sings.
    -- Ed Gardner

  • Banner Trailer Gelbe Rose
  • Noch entdeckt: "Winterstürme wichen dem Wonnemond...." 16. Titel der CD
    Lebendige Vergangenheit - Ludwig Suthaus (Vol.2)
    Release: 2006-12-14
    Label: PR
    Genre: Kunstlied Tenor, Sängerportrait Tenor, Oper
    Produktnr.: PR89677

    Freundliche Grüße Siegfried

  • Zitat

    Immer noch die Nr. 1 bei mir ist:
    Lauritz Melchior
    Bruno Walter
    1935


    Unbedingt! Kein zweiter Sänger hat die rhythmische Bewegung so grandios erfasst wie The Big Dane! Bei der Walter-Aufnahme störtmich nur, wie er nach zwischen "trennte - von ihr" arg nach Luft schnappt.


    Trotzdem: wenns eine Nummer eins gibt - dann nur Melchior!


    Gruß aus Lübeck
    Dieter

  • Lieber Paul,


    Als alter Karl-May-Leser muß ich die Ehre Nscho-tschis retten. Das an ihren Bruder Winnetou gerichtete "Räche mich" sind nicht ihre letzten Worte. Diese lauten: "Old - Shatterhand! Du - bist - da! Nun -- sterbe ich -- so --". Wenn Du überprüfen willst, benütze eine Fehsenfeld-Ausgabe, die zu Lebzeiten Mays erschienen ist. Die späteren Ausgaben des Karl-May-Verlags etc. sind von fremder Hand überarbeitet.


    Liebe Ripley,


    Wieso kennt eine Kanadierin Nscho-tschi? Das ist toll! In Vancouver habe ich übrigens gute Freunde, abgesehen davon, daß fast alle meine Verwandten in Canada leben. Wild und gefährlich, na ja, im Norden und an der frontier. Aber ein schönes Land ist es!


    Gruss aus Wien


    Waldi