Verdis Simon Boccanegra: Warum so selten?

  • Wenn man alle Beiträge gelesen hat, kommt man zu dem Schluss, dass das Werk durchaus präsent ist.

    In diesem Jahrhundert präsenter als im letzten. Das liegt nicht nur an Plácido Domingo. Auch die Dirigenten lieben dieses Stück sehr, weil es wesentlich sinfonischer ist als der frühe Verdi oder die Trilogia popolare. Ich würde "Simon Boccanegra" neben "Macbeth" und vielleicht noch "Luisa Miller" und "Falstaff" zu den großen Gewinnern und Aufsteigern der letzten Jahre (innerhalb des Verdi-Repertoires) zählen. Absteiger im Vergleich zu früheren Zeiten sind "Il trovatore", "La forza del destino", in gewisser Weise (quantitativ) sogar "Aida" und ganz besonders stark "Ernani", der mal ähnlich populär wie "Nabucco" und weit populärer als "Macbeth" oder "Luisa Miller" war, inzwischen aber kaum noch gespielt wird.

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


    Inhalten aller Art in Beiträgen anderer in diesem Forum stimme ich hier ausdrücklich nur dann zu, wenn ich ihnen in Antwortbeiträgen ausdrücklich zustimme! ;)

  • Lieber Hart! Lieber Stimmenliebhaber!

    Wenn man alle Beiträge gelesen hat, kommt man zu dem Schluss, dass das Werk durchaus präsent ist.

    In diesem Jahrhundert präsenter als im letzten.

    In der zweiten Hälfte der 60er Jahre und Anfang der 70erJahre des letzten Jahrhunderts hatte Simone Boccanegra eine sehr bemerkenswerte Konjunktur. Vorher war er zwar auch nie ganz von den Bühnen verschwunden. Zumal in New York, San Francisco und Buenos Aires erfreute er sich anhaltenden Beliebtheit. Allerdings dürfte die Oper kaum je zuvor so viel gespielt worden sein.


    Da ich durch die Aufnahme mit los Angeles, Gobbi und Christoff zu einem glühenden Verehrer dieser Oper geworden war, habe ich in dieser Zeit kaum eine Gelegenheit ausgelassen, Aufführungen auf der Bühne zu besuchen.
    So habe ich eine Reihe großartiger Besetzungen erlebt:


    1966 Amsterdam--Vernizzi: Santunione, Mori, Glossop, Trama, Derksen

    1966 München-----Patané: Stella, Cecchele, Taddei, Tozzi, Cesari (2 mal)

    1968 New York----Molinari-Pradelli: Tucci, Shirley, NcNeill, Hines, Milnes

    1969 Berlin---------Maazel: Janowitz, Cosutta, Wixell, Talvela, van Dam (6 mal)

    1969 Wien----------Krips: Janowitz, Cossutta, Wächter, Ghiaurov, Kerns

    1970 Venedig------Votto: Chiara, Martinucci, Zanasi, Raimondi, Ciminelli

    1970 Berlin---------Maazel: Janowitz, Franco Tagliavini, Wixell, Talvela, van Dam (mehrmals)

    1970 München-----Abbado: Janowitz, Ilosfalvy, Wächter, Raimondi, Murray (mehrmals)

    1971 Mailand------Abbado: Freni, Gianni Raimondi, Cappuccilli, Ghiaurov, Schiavi


    Aber auch in den 70er und 80er Jahren habe ich noch etliche Aufführungen des Werkes gehört.

    Piero Cappuccilli in der Titelrolle bin ich an 4 verschiedenen Opernbühnen begegnet.

    Aber auch Renato Bruson, Sherrill Milnes, Giorgio Zancanaro und Jose van Dam habe ich im letzten Jahrhundert live auf der Opernbühne in der großartigen Partie hören können. Leider nicht Herlea. Als er angesetzt war, hat er abgesagt: Ich musste mit Alexander Agache vorlieb nehmen.


    In diesem Jahrhundert fehlen meinem Eindruck nach leider die angemessenen Interpreten für die Partie. Vladimir Chernov, Thomas Hampson und Roberto Frontali empfinde ich als Notlösungen. Eigentlich hält nur Hvorostovski einem Vergleich mit den Interpreten der 60er, 70er und 80er Jahre stand. Nimmt man noch Warren und Gobbi, die ich nur von Aufnahmen kenne, dazu, muss man sagen, dass die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts reich, sehr reich war an hervorragenden Interpreten des Simon Boccanegra - und die Verdi-Aficionados und Melomanen dementsprechend auch große Aufführungen haben hören können.


    Beste Grüße


    Caruso41






  • Hallo Caruso, ich empfinde Hampson nicht unbedingt als Notlösung, in der Live-Aufnahme aus Wien 2013, macht er das richtig gut, wer allerdings einen dunkleren Boccanegra bevorzugt der ist dann nicht so gut dabei bedient, aber er ist doch sehr ausdrucksstark in seiner Interpretation!


    Die Besetzung ist sehr ausgewogen und homogen!




    Hier ist die Besetzung nicht ganz so homogen, damit meine ich Secco und Frittoli, beide empfinde ich nicht ganz so gut, wohlgemerkt nach meinem Gusto!;)


    Den letzten den ich Live sah war Z.Lučić, auch er hat mir ausgesprochen gut zugesagt!


    Auch Grundheber und Bröcheler empfand ich nicht unbedingt als Notlösungen!

    Die besten Live gehörten von mir waren Bruson und van Dam :thumbup::thumbup::thumbup:!


    LG Fiesco

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

  • Caruso41 :


    Deine Liste ist wirklich beeindruckend und beneidenswert.


    Erstaunlicherweise wurde Nucci bislang gar nicht genannt. Beim Simone in Wien 2008 habe ich ihn für mich wiederentdeckt und 2018 nochmal in Mailand in der Rolle erlebt.


    Cappuccilli habe ich leider nie als Simone erlebt. Somit ist mein Simone Bruson.


    Da derzeit viele neue Stimmen in die Opernhäuser drängen, bleibt auch die Hoffnung auf einen guten Simone.

  • Lieber Kapellmeister Storch!


    Nucci habe ich als Simone nicht gehört. Zufall? Oder Absicht? Er ist kein Bariton, den ich besonders schätze, aber bewusst bin ich seinem Simone nicht ausgewichen!


    Lieber Fiesco!


    Grundheber habe ich relativ früh schon als Simone in Hamburg gehört. Später auch wieder! In ihm sehe ich bestimmt mehr als einen Notnagel - auch wenn er nicht die Fülle und Farbe hatte, die ich von einem Interpreten der Rolle erwarte. Dafür hatte er die Grandeur und das Pathos, den Furor und die Härte des Richters für die große Signoria-Szene. Die fehlten nun Hampson leider gänzlich.


    Im übrigen bin ich froh, keine Taxonomie meiner Simone-Sänger aufstellen zu müssen.


    Gute Nacht für heute!


    Caruso41

  • Lieber Caruso41,

    lieber Fiesco,


    dafür habe ich Grundheber verpasst, den ich sehr schätze, aber fast nur im deutschen Repertoire gehört habe.


    Die Deutsche Oper soll ja irgendwann die neue Produktion aus Paris bekommen. Ich wünsche mir, dass dann auch Tézier singt.

  • Die Deutsche Oper soll ja irgendwann die neue Produktion aus Paris bekommen. Ich wünsche mir, dass dann auch Tézier singt.

    Lieber Kapellmeister Storch!

    Tézier wäre nicht meine Wunschbesetzung für den Simone! Er ist ein guter Bariton, der seine Qualitäten vor allem im französischen Fach beweist. Im Verdi-Fach finde ich ihn eigentlich nur für den Posa, Giorgio Germont, Renato und Luna adäquat. Für den Simone würde mir der große Atem fehlen und vor allem die Fähigkeit weite Bögen zu spannen. Zudem ist die Stimme einfach zu hell für diese Oper, die doch eine sehr dunkle Tinta hat.


    Aber was zerbrechen wir uns den Kopf des Betriebsbüros?


    Beste Grüße

    Caruso41


  • Zudem ist die Stimme einfach zu hell für diese Oper, die doch eine sehr dunkle Tinta hat.

    Hallo Caruso, das ist das einzige was ich auch an Hampson zu bemängeln hätte, vielleicht lag es auch daran, daß ich mit dem Rest zufrieden war, er hat hat den Boccanegra in der Inszenierung gut dargebracht, das hat mich dann für alles andere entschädigt! ;)


    LG Fiesco

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

  • Ich habe ihn hervorragend in Ernani in seiner Geburtsstadt Marseille gehört.

    Der Carlo erfordert ist natürlich auch was ganz anderes als der Simone!

    …..das ist das einzige was ich auch an Hampson zu bemängeln hätte, vielleicht lag es auch daran, daß ich mit dem Rest zufrieden war, er hat hat den Boccanegra in der Inszenierung gut dargebracht, das hat mich dann für alles andere entschädigt! ;)

    Ja, so wird es sein. Wenn die darstellerische Leistung überzeugt, überhört man leicht, wenn in einer Phrase, die Warren, McNeill, Wixell und Taddei in einem durchsingen, zweimal zwischengeatmet werden muss. Und man nimmt es auch hin, dass der Fluch nicht mit der dunklen Wucht der Stimme g e s u n g e n, sondern ohne die geforderte Tonhöhe herausgebellt wird.


    Aber das Thema dieses Threads war ja gar nicht die Qualität der Interpreten. Gefragt war, warum das Werk so selten gespielt wird. Wir sind uns doch einig, dass es keinen Grund für diese Frage gibt. Zumindest seit den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts muss man nicht über eine Vernachlässigung des SIMON BOCCANEGRA klagen!


    Da sind wir doch einig?


    Liebe Grüße


    Caruso41


    Beste Grüße


    Caruso41

  • Grundheber habe ich relativ früh schon als Simone in Hamburg gehört.

    Hallo Caruso41,


    erst gestern habe ich mich auf dem Weg von der Elbphilharmonie zur U-Bahn mit meinem Bekannten darüber unterhalten, dass wir vor der "aktuellen" Guth-Inszenierung den Simone Boccanegra wohl auch in der Vorgänger-Inszenierung gesehen haben; dass muss dann vor so ca. 30 - 33 Jahren gewesen sein. Leider haben wir weder Inszenierung noch Besetzung zusammenbekommen (und ich Trottel habe irgendwann einmal meine alten Programme entsorgt). Wir tippten auf eventuell Grundheber und Fabio Luisi am Pult. Inszenierung Toni Palmer? - Kannst Du mit Infos aushelfen?

  • Hallo Caruso41,


    erst gestern habe ich mich auf dem Weg von der Elbphilharmonie zur U-Bahn mit meinem Bekannten darüber unterhalten, dass wir vor der "aktuellen" Guth-Inszenierung den Simone Boccanegra wohl auch in der Vorgänger-Inszenierung gesehen haben; dass muss dann vor so ca. 30 - 33 Jahren gewesen sein. Leider haben wir weder Inszenierung noch Besetzung zusammenbekommen (und ich Trottel habe irgendwann einmal meine alten Programme entsorgt). Wir tippten auf eventuell Grundheber und Fabio Luisi am Pult. Inszenierung Toni Palmer? - Kannst Du mit Infos aushelfen?

    Ein gewisser "MSchenk" hat hier im Forum einmal des Rätsels Lösung gegegen;


    27.10.2017 (Staatsoper Hamburg) Giuseppe Verdis "Simon Boccanegra"


    ^^

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"


    Inhalten aller Art in Beiträgen anderer in diesem Forum stimme ich hier ausdrücklich nur dann zu, wenn ich ihnen in Antwortbeiträgen ausdrücklich zustimme! ;)

  • Lieber Michael,


    auch wenn ich nicht gefragt wurde und falls es auch 1991 sein kann (;) ) Korrekt, es war eine Inszenierung von Tony Palmer, auch Fabio Luisi ist richtig, aber den Simon Boccanegra sang Bernd Weikl. Auch der Rest der Besetzung war sehr prominent: Maria Guleghina als Andrea Grimaldi, Jewgenij Netsterenko als Fiesco, Vincente Ombuena als Gabriele Adorno, Giovanni de Angelis als Paolo Albiani.


    Das Programm habe ich nämlich aufbewahrt...

    Grüße aus der Nähe von Hamburg


    Norbert


    Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche.
    Gustav Mahler

  • Maria Guleghina als Andrea Grimaldi

    Amelia/Maria


    LG Fiesco

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)

  • Lieber Stimmliebhaber, Lieber Norbert, ich danke Euch! - Ich konnte mich tatsächlich nicht mehr daran erinnern, dass ich mir die Frage schon selbst beantwortet hatte :untertauch: