Ungeliebte Sänger/innen - Voting 2007

  • Lieber Manuel Garcia,


    Deiner letzten Äußerung kann ich nur Recht geben. Aber hier ging es ja nicht um eine Gesamtbewertung dieses oder jenes Künstlers, sondern um die simple (und damit auch verkürzende) Aussage, wer einen - möglichst mit Nennung des Grundes - besonders enttäuscht, nervt oder verschreckt.
    Wie Du auch bereits erwähnt hast, sind die spezifizierten Threads der richtige Ort für differenzierte und innerhalb des Lebenswerks (sofern ein solches schon existiert) eines Künstlers gewichtende Kritik.
    Ich halte es für legitim, wenn Teilnehmer, die keinesfalls auf schwache Leistungen hoffen, um sie niederzumachen, sondern vielmehr große Freude an großartiger und großartig vorgetragener Musik haben, hier Kandidaten nennen, die eben diesem Ideal ihrer Meinung nach besonders zuwiderlaufen. Eben diese Teilnehmer tun das diametral Entgegengesetzte in Threads wie "Auf den Leib geschrieben ..." etc. Dort wird auch nicht in aller Länge die besondere Eignung oder die spezielle Qualität einer Interpretation vorgestellt. Nur scheint solches Vorgehen kein Empfinden zu stören, solange es nur positiv genug ist.


    Mich erinnern die Diskussionen in diesem Thread an einen weiteren, dessen Titel ich erst suchen müßte. In diesem ging es um in die Jahre gekommene Stars, die - Zenith hin oder her - gewissermaßen bis zum Umfallen weitermachen und so unter Umständen ihr eigenes Bild demontieren. Argumente, Reaktionen - alles sehr ähnlich.


    LG,


    Christian


  • Es existiert somit also in der Tat ein Olymp der Unangreifbaren. Wenn man sich mal über diese Grenze gesungen hat, soll der geneigte Zuhörer lediglich in stiller Ehrfurcht und offenen Mundes verharren ?


    Letztlich läuft es auf das hinaus, was der Inquisitor oben geschrieben hat. Eine hinreichend kritische Betrachtung ist vielmehr die Grundlage, um wirkliche Spitzenleistungen angemessen würdigen zu können. Einzelne Defizite des einen Künstlers zu erkennen, gibt einem überhaupt erst das Material in die Hand, andere ausreichend würdigen zu können, die diese Defizite nicht aufweisen. Ansonsten landet alles irgendwann beim kritiklosen Fan-Verhalten, dass man so oft in der Oper erleben kann: Da brechen Beifallsstürme los und Fussgetrappel erschüttert den Raum, obwohl der Sänger nicht einmal seinen eigenen Maßstäben genügt hat.


    Allerdings sollte natürlich die Grundlage des Urteils zumindest gewissen Mindestmaßstäben genügen. Selbst hier bei Tamino habe ich schon (zu oft) erlebt, wie beispielsweise die Interpretation einer 40 Minuten dauernden Sinfonie aufgrund von vier jeweils nicht mal eine Minute dauernden "Amazon"-Hörbeispielen brachial zerrissen wurde. Nur macht das nicht den Künstler, sondern den Rezensenten lächerlich!


    Im übrigen halte ich es - wie bereits Peter mehrfach feststellte - für viel effektiver, um Begründung einer angeblich überharten Meinung zu bitten und diese dann gegebenenfalls in der Sache zu kritisieren.
    Aber die ewige Prinzipienreiterei, wieweit man überhaupt gehen dürfe, wird zu nichts anderem führen, als das weiterhin Hasslisten kursieren und emotional aufgeladene Urteile aus dem Boden schießen. Aus der Welt schafft man sie dadurch nicht.


    Gruß
    Sascha

  • Zitat

    Original von Antracis


    Es existiert somit also in der Tat ein Olymp der Unangreifbaren. Wenn man sich mal über diese Grenze gesungen hat, soll der geneigte Zuhörer lediglich in stiller Ehrfurcht und offenen Mundes verharren ?



    Besonders fasziniert bin ich von der Tatsache, daß es immer wieder Fischer-Dieskau zu sein scheint, der von den einen als heilige Kuh, von den anderen als das Grundübel vorgeführt wird. Und in diesem Zusammenhang kommt es auch gern zu den hitzigsten Gesangs-Debatten, die ich bis jetzt gelesen habe. Wenn jemand schreibt, er könne die Stimme von Maria Callas nicht ertragen, so habe ich als Callas-Bewunderer überhaupt kein Problem damit, denn ich kenne ihre Defizite und gestehe jedem zu, sie als Sängerin auch in der Gesamtbewertung abzulehnen. Bei DiFiDi (welch ein Signet!) geht es aber fast immer hoch her. Woran könnte das liegen? Und welcher große Künstler hat einen unangreifbaren Status wirklich nötig?


    LG,


    Christian

  • Zitat

    Original von Antracis
    Es existiert somit also in der Tat ein Olymp der Unangreifbaren. Wenn man sich mal über diese Grenze gesungen hat, soll der geneigte Zuhörer lediglich in stiller Ehrfurcht und offenen Mundes verharren ?


    Nein, genau das Gegenteil habe ich hier vertreten. Insofern sind wir einer Meinung.


    Nur: "ab einem gewissen Grad" - vielleicht auch generell - ist es nicht mehr möglich mit einer Rangnummer und so aussagefähigen 4-Wort-Sätzen wie z.B. "klingt wie schrilles Kuhgebruell" einem Sänger oder einer Sängerin gerecht zu werden.


    Warum der Gesang Fischer Dieskaus so polarisiert ist in der Tat sehr interessant und könnte auch Gegenstand einer einigermaßen rationalen Diskussion sein. Was an seiner Stimme spricht viele, vor allem aus der Generation, die mit ihm groß geworden ist, so an, dass jegliche Kritik zu einer Art "Gotteslästerung" wird und umgekehrt was verleitet andere zu "Negativrangnummer" und abwertenden Kurzsätzen. Auch grundsätzlich, was prägt unseren Geschmack, wie weit sind wir in der Lage uns von solchen Prägungen zu emanzipieren, was prägt unsere Ablehnung, wie weit sind wir in der Lage diese differenziert zu artikulieren?


    Vielleicht spielen auch ganz andere, z.B. historische Dinge eine Rolle. Man muß sich vielleicht auch in die Nachkriegszeit versetzen um zu verstehen, welche Faszination von diesem Sänger ausging. Der "junge, unbelastete Sänger, der trotz allem deutsches Kulturgut, das Lied, wieder hörbar und genießbar" machte! Eine solche politische Rolle eines eigentlich Unpolitischen mag ein weiterer Grund für die Faszination sein, der für die jüngere Generation bestenfalls bedeutungslos ist. Welche Rolle spielen solche außergesanglichen Dinge? Sind sie es, die (vielleicht zusätzlich) so polarisieren?


    So eine Diskussion würde mich wirklich sehr interessieren (aber nicht hier, lieber im Thread Fischer Dieskau)


    Beste Grüße


    Manuel García

  • Zitat

    Original von Manuel García
    So eine Diskussion würde mich wirklich sehr interessieren (aber nicht hier, lieber im Thread Fischer Dieskau)


    Ich möchte dennoch ein Punkt nennen. Was andere Menschen vielleicht schlecht finden, seine sehr deutliche Aussprache - vielleicht übertrieben - finde ich gerade ein Pluspunkt. :D
    Für mich, Ausländer, Bub von etwa 15 Jahr, noch kaum Deutsch gelernt, war gerade dieses pronocierte Singen ein Segen. Ich konnte den Text wortwörtlich folgen.


    LG, Paul

  • Hallo, lieber Faun,


    ich bin relativ neu bei Tamino akkreditiert. Von den meisten Foren bin ich recht angetan. Bei den "Ungeliebten Sängerinnen und Sängern" oder als Steigerung sogar Hass-Sängern bin ich hin und hergerissen. Es wird zwar auch hier analysiert und subjektiv argumentiert.
    Nur alle angeführten Sängerinnen und Sänger sind arrivierte Künstlerinnen und Künstler, also Menschen, die durch ihr Wirken Opernfreunden oft über viele Jahre hinweg Freude bereitet haben. Natürlich kann es da unterschiedlich Meinungen und Bewertungen geben. Die Aufgeführten aber gezielt "runter zu machen " und abzuwerten, halte ich nicht für fair und positiv. Wir alle, die Opern lieben, sollten mithelfen, die Tradition der Oper und das Andenken an Sängerlegenden zu erhalten. Nichts gegen eine Kritik eines Interpreten in einer bestimmten Partie aber bitte nicht generell.
    Ich würde also in meinen Schlussfolgerungen noch weitergehen als der liebe Faun. Dieser Thread sollte bitte geschlossen werden oder noch besser durch das Thema: Geliebte Sängerlegenden ersetzt werden.

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Für mich gibt es eigentlich keinen Sänger, den ich aus tiefstem Herzen hasse; gelegentlich aber geht mir Josef Greindl auf die Nerven (was nicht unbedingt an ihm liegt, sondern an seiner Omnipräsenz auf Aufnahmen der Fünfziger-/Sechzigerjahre).


    Bei wem mir aber die Spucke weg bleibt, das ist Placido Domingo in seinen Wagneraufnahmen, denn ansonsten halte ich sehr viel von ihm.


    Man schaue sich nur einmal diesen Schluss des ersten Walküren-Aktes an. Normalerweise gereicht mir ja schon Waltraud Meier zur Flucht, aber wie Domingo sich hier in einem knödeligen Niemandsland zwischen Deutsch, Tschechisch, Spanisch und Irgendwas bewegt und dabei eine fast giglihafte Darstellung abliefert, das ist echt nicht zu fassen. Mir kommt da grade eine Idee: Sollte Domingo (Gott behüte!) irgendwo einen Abend mit deutschen Opernarien aufziehen, würde ich hingehen und nach der Vorstellung konsequent mein Geld zurück verlangen 8)...

  • Mich verfolgt Evelyn Herlitzius in ihrer Rolle als Isolde. Zugegeben: Ihre Schauspielkünste sind noch recht gut, aber dieser Sopran :no: Sie kreischt unglaublich und in Wien hab ichs noch ertragen, in Dresden war es schon sehr an der Grenze, jetzt wollte ich nach Berlin und diese Dame singt schon wieder die Isolde :boese2: :boese2: :boese2:
    Jetzt weiche ich nach Köln aus, dort steht sie mal nicht auf der Besetzungsliste...ich hoffe nur, sie springt nicht ein...

  • Zitat

    Original von Louis
    Mich verfolgt Evelyn Herlitzius in ihrer Rolle als Isolde. Zugegeben: Ihre Schauspielkünste sind noch recht gut, aber dieser Sopran :no: Sie kreischt unglaublich und in Wien hab ichs noch ertragen, in Dresden war es schon sehr an der Grenze, jetzt wollte ich nach Berlin und diese Dame singt schon wieder die Isolde :boese2: :boese2: :boese2:
    Jetzt weiche ich nach Köln aus, dort steht sie mal nicht auf der Besetzungsliste...ich hoffe nur, sie springt nicht ein...


    Hallo Louis,
    da halte ich dir die Daumen, denn just das passierte Freunden von mir, die im Vorjahr vor Eva Johanssons Brünhilde nach Wien flüchteten, in der Hoffnung, hier ihren Liebling Nina Stemme zu erleben. Die sagte ab, und die Einspringerin hieß......... erraten :wacky:
    lg Severina :hello:

  • Was ich nicht ganz nachvollziehen kann: Hingehen und Geld zurückverlangen.


    Das ist wie beim TV, da gibts auch einen Knopf zum Abschalten bzw. gar nicht einschalten!


    Im übrigen: Den Thread finde ich ziemlich zeitgeistig, so ganz nach dem Geschmack der heutigen Gesellschaft: Alles Negative, Schlechte kommt zuerst, die Skandale und all das....wozu?


    Ist es nicht genug sich an der Welt zu erfreuen, gerade in der Klassikwelt???

  • Zitat

    Original von Antracis
    [quote]


    - Netrebko: Eine aufgepumpte Medienfigur


    Ein nicht sehr nett formuliertes Fazit, das aber durchaus auch am Ende einer sachlichen Analyse stehen könnte.



    bravo!

  • Ich verfalle nicht in "Hasstiraden" wie hier manchem unterstellt wird. Ich hasse keine/n. Ich muss mir lediglich die Ungeliebten nicht anhören.


    Also ich meine z.B. dass die Netrebko nicht so gut singt, wie ihr Management uns glauben macht. Da wird ein Medienzirkus aufgezogen, nur als Beispiel: es wurden in München Tickets verkauft für ca. € 400, nur um die Netrebko in einem Lokal speisen zu sehen!? Sonst nichts! ?(


    Es gibt viele nicht so gepuschte Sopranistinnen die viel besser als die Netrebko sind! Z.B. die junge deutsche Sängerin Marlies Petersen! Oder die koreanische Sopranistin Sunhae IM!


    Das selbe galt für den "Medienstar" Pavarotti, für meinen Geschmack war er ein absolut überbewerteter "Knödltenor" der meinte mit Geschrei ist alles gut. Der hätte sich mal ein Beispiel an Enrico Caruso nehmen sollen, der war wirklich gut!


    Leider ist es bei uns halt so: je besser das Marketing, desto besser scheint die Stimme zu sein!? Ein gepuschter Zeitungsartikel und schon rennt die "Claque" ins Theater und zahlt Preise die schon abartig sind. Nach dem Motto - je teurer die Karten, desto besser muss der Sänger, oder die Sängerin sein! :no:


    Da bleiben die guten Sänger/innen die sich ein so teures Management nicht leisten können auf der Strecke. Leider!


    Gruß aus der Diaspora :hello: 40km westlich von München


    principae

    Alles was du sagst, sollte wahr sein. aber nicht alles was wahr ist, solltest du auch sagen!

    Voltaire, (1694 - 1778),

  • Hallo principae!


    ich möchte deine ansichten zum teil bestätigen, zum anderen muss ich folgendes loswerden: pavarotti wurde vielleicht auch gepusht, aber er wurde zu recht gepusht; es ist doch heut unbestritten, dass er einer besten in seiner kategorie war. Hat er wirklich "geschrien"? ich hab einiges von ihm und er scheint immer wohl temperiert zu singen wie ich finde... geschmackssache :) callas u. caballe wurden auch gepusht und hatten auch was zu bieten; ein unvergleichliches timbre, unvergleichliche performance etc... was netrebko angeht; ich suche immer nach etwas dramatik in ihrem singen; aber ich find da nichts... die letzte gesamtaufnahme bellini mit garancia hat mich wiedermal nicht überzeugt... es ist so, als könnte sie "nicht aus sich raus" kommen, aber vielleicht kann sie das ja anscheinend garnicht... es leben die alten stars :))

  • Hallo Gregor,


    deine Meinung bzgl. Pavarotti ist sicher richtig, jedoch zum Ende seiner Karriere ist seine Stimme sehr schrill gewesen, da hat er alles mit Lautstärke zugedröhnt. Als junger Sänger in den 60ern war er mal richtig gut und auch noch nicht der Medienstar der sich alles erlauben kann. Da ist das Publikum noch nicht gerannt wenn Pavarotti draufstand.


    Mit der Netrebko, die leider 20kg zugelegt hat, ist es ähnlich. Hier in München gibt es einen Netrebko-Hype der nicht zu verstehen ist. Auch die Presse ist streng Netrebko-hörig. Sie kann singen wie sie will, es wird alles beklatscht. Selbst konstruktive Kritik wird nicht geduldet. Das ist "Majestätsbeleidigung". :angry:


    § 1: "Die Netrebko ist Spitze! :yes:
    § 2: Ist die Netrebko mal nicht gut, tritt automatisch §1 in Kraft! :motz:


    Die Netrebko ist gut, aber manchmal eben nicht. z.Zt ist sie nicht so gut, sie zehrt von Früher.


    wer Tippfehler findet darf sie behalten!


    Gruß aus der Diaspora, 40km westlich von München :hello:


    principae

    Alles was du sagst, sollte wahr sein. aber nicht alles was wahr ist, solltest du auch sagen!

    Voltaire, (1694 - 1778),

  • Liebe Forianer,
    zu Pavarotti: ja, er war überragend, aber das war dann Anfang der 80er auch vorbei - und zum Schluß war er nur mehr eine optische und stimmliche Karikatur seiner selbst. Wer sich die Erinnerung an eine der schönsten Stimmen der 70er bewahren wollte, hat dann nur noch abgeschaltet.
    zu Netrebko: meine Güte, sie hat halt ein hübsches Lärvchen, wenn man nicht zu dicht dran steht, und singt passabel. Wer ihr verfallen ist, wird 20 kg mehr von ihr auch noch mögen, egal, wie die sich auf die Stimme auswirken oder nicht. Ich habe sie finster im Verdacht, auch ein ganz klein wenig träge zu sein - das wird ihr noch zu schaffen machen, denn die Masse will ja gefüttert werden und fängt an zu murren, wenn sie nicht genügend Fleisch bekommt.


    Meine ungeliebten Sänger sind -bitte nicht ganz so viele Steine schmeißen...- bisweilen Fischer -Dieskau (can't hear the music for the interpretation...), obwohl der Verstand mir natürlich sagt, daß das ungerecht ist angesichts der großen Verdienste um das deutsche Lied etc, aber ich kann mir nun mal nicht helfen;
    und auf der weiblichen Seite -auch mindestens Majestätsbeleidigung- Jessye Norman. Da stört mich diese unterschiedslos orgelnde Stimme, und ich habe auch ein ästhetisches Problem wegen ihrer eher säulenhaften Erscheinung.


    Und in eine ganze Kiste mit den Ungeliebten gehören Sängerinnen, die mit zwitschernden Stimmchen, keinem Atem und einem Pfund Schmalz in der Stimme so tun, als würden sie Operette singen. Da nenn' ich aber keine Namen, das würde den Rahmen sprengen...


    Grüße!
    Honoria

    "...and suddenly everybody burst out singing"
    Busman's Honeymoon

  • Interessant, gibt es denn hier jemanden, der die Netrebko "mag"? Seine Sicht der Dinge würde mich sehr interessieren! Was genau findet ein wirklicher Fan an der Netrebko? Ein schönes Gesicht? Schöne Beine? Oder doch eine Interpretation die tief bewegt?

    Einmal editiert, zuletzt von GregorAnton ()

  • Ich mag die Anna Netrebko, obwohl ich sicherlichi nicht zu denjenigen gehöre, die alles von ihr vorbehaltslos gutheißen. Ich habe AN schon in einigen Produktionen an der Wiener Staatsoper erlebt - vor und nach der Babypause.


    Was natürlich - das gebe ich zu - auch eine Rolle spielt, dass sie so populär ist, dass sie verdammt gut (für meinen Geschmack) aussieht - aber alleine das hat sicherlich nicht zu ihrer Popularität geführt, obwohl ihr Management den ganzen Hype darum aufgebaut hat. Dies wurde aber in einem Thread, wo es nur um AN geht, schon eingehendst besprochen.


    Ich möchte zuallererst einmal die Dinge an ihren Auftritten besprechen, wo ich persönlich Verbesserungsbedarf sehe. Dass sie kein Koloraturwunder ist, das dürfte bekannt sein - besonders nach der Schwangerschaft dunkelt die Stimme aber immer mehr nach und in der Lucia war sie eine Enttäuschung. Das kann aber auch damit zusammenhängen, dass die Wiener seit 30 Jahren "unsere Grubsi" gewohnt sind. Sie ist eine recht gute Bühnendarstellerin - was auf jeden Fall schon ein Pluspunkt ist, der sie von vielen anderen Sängerinnen unterscheidet - und Oper ist nun Mal ein "Gesamtkunstwerk". Ich habe woanders schon einmal geschrieben dass es SängerInnen gibt, die ich gerne auf der Bühne agieren sehe, von denen ich mir aber niemals eine CD kaufen werde, weil die Stimme alleine nicht die Qualität hat, die ich in Ruhe zu Hause anhören möchte.


    Interessant war, wie die Regie die Aufführung des Liebestranks zu Gunsten ANs zusammengeschnitten hat. Ich war live bei dem Elisir mit Villazon und im ersten Akt hat man Anna kaum wahrgenommen - so sehr wurde sie von der Bühnenpräsenz eines Villazon und Nucci überstrahlt. Dieses Defizit merkt man auf DVD gar nicht.


    Wo Anna Netrebko wirklich hervorragend ist - das ist das französische und slawische Fach. Ich weiß nicht, wer die DVDs von Ruslan & Ludmilla bzw. Betrothal at the Monastery kennt - aber da überzeugt sie mich stimmlich total. Und ihre Interpretation der Juliette war schlicht und ergreifend berührend. Mir gefällt auch ihre Manon (sei es nun in der Wiener Inszenierung oder der von LA) sehr gut. Ich finde, dass sie sich mit dieser Rolle recht gut identifizieren kann und die französischen Lyrismen kommen ihr mehr entgegen als italienischer Belcanto ich stimme zu, dass sie bei der Capuleti-Einspielung von Garanca in den Schatten gestellt wurde (obwohl ich da auch dem Dirigenten ein wenig Schuld gebe, der bei ANs Arien enorm geschleppt hat).


    Als Traviata ist sie gut - und ich sehe da das "Gesamtpaket" = Stimme, Aussehen, Bewegung auf der Bühne. Natürlich hat sie den Spitzenton nicht, aber kann dafür anderwertig punkten - ihre Sterbeszene war sehr berührend, auch als Mimi - da kenne ich bis dato nur die CD - hat sie mich überzeugt, ohne an vergangene Größen wie die Freni heranzukommen.


    Für mich eine ihrer besten Aufnahmen war die Wiedergabe des "Song to the Moon" aus Rusalka be einem der Waldbühnenkonzerte unter Marco Armiliato - aber wie gesagt - da sind wir wieder im slawischen Repertoire.


    Man sieht, ich habe sicherlich einige Vorbehalte gegen AN, bin aber fast bei jeder ihrer Vorstellungen an der STOP drinnen.


    Warum? Nun, das ist die Conclusio - ich finde, dass sie eines der besten GESAMTPAKETE (=Stimme, Technik, Aussehen, Schauspiel) ist, das es in ihrem Bereich gibt. Soprane, die diese "Gesamtpakete" auch haben, sind m.E. nach auch die Diana Damrau und Natalie Dessay, bei den Mezzos sicherlich Elina Garanca (da gehe ich sogar in den kotz-langweiligen "Werther" immer wieder, um sie zu sehen und zu hören).


    Übrigens - das beste Gesamtpaket aller Zeiten - La Divina - Maria Callas :jubel: :jubel:

    Hear Me Roar!

  • Zitat

    Original von GregorAnton
    Interessant, gibt es denn hier jemanden, der die Netrebko "mag"? Seine Sicht der Dinge würde mich sehr interessieren! Was genau findet ein wirklicher Fan an der Netrebko? Ein schönes Gesicht? Schöne Beine? Oder doch eine Interpretation die tief bewegt?


    Ist ein "Fan" nicht auch ein Gerät, das heiße Luft verwirbelt?


    :untertauch: Steffen

  • Einen schönen guten Morgen,


    gerade las ich die so verschiedenen Ansichten zu A.N. und werde nun meinen "Senf dazu geben".


    Ja, ihre Stimme hat durchaus Wohlklang und gefällt; eine wirklich gute Interpretin ist sie, stimmlich gesehen für mich nicht...dieses Manko macht sie mit anderen Begabungen oft vergessen. Sie sieht ja gut aus, hat Charme und leidet äußerst dekorativ für ihre Fans reicht das offenbar und das ist auch okay. Ich glaube der "Kritikerpapst" Jürgen Kesting...dem ich nicht immer zu folgen gewillt bin...hat über sie ind Rolando Villazón anlässlich der "Traviata" in Salzburg gesagt:" Das sind die besten Sänger für Leute, die besser sehen als hören können" dem ist nichts hinzu zu fügen!
    Was die Zukunft (vollere Stimme, anderes Repertoire) bringen wird, muss man abwarten, zum Orakel tauge ich nicht.


    LG


    Fides ;)

    La vita è bella!

  • Daß man mit Herrn Bonisolli seine Probleme haben kann, kann ich ganz gut nachvollziehen, obwohl er es nicht ganz auf meine Liste geschafft hat. Denn wenn er Dirigenten hatte, die ihn zügeln konnten (dasselbe gilt für Del Monaco), dann konnte er Beachtliches leisten.


    Hier kommt die Neuauflage meiner Negativliste:


    Nr. 1: Joseph Calleja
    Nr. 2: Anna Netrebko
    Nr. 3: Joan Sutherland
    Nr. 4: Paolo Gavanelli
    Nr. 5: David Hobson


    Eigentlich wollte ich wieder Warren und DiFiDi auf die Liste nehmen (weil sie mich inzwischen in JEDER Aufnahme nerven), aber verglichen mit Gavanelli und Hobson... naja.


    :hello:
    M.

  • Für mich ist die Netrebko nur schön anzuschauen, zum Hören weniger.
    Sie singt unbeseelt, zu routiniert und ihre Intonation - na ja -.


    und den Fischer-Dieskau, oh Mann, der Philosoph der Töne, furchtbar. Alles muss er bis ins Kleinste analysieren und vergisst dabei ganz die "Herztöne".


    Dann wäre da noch Rene Kollo -viel Gesicht, wenig Stimme-
    weiter: Debora Sasson, sehr hoch, aber sehr dünn


    weiter fällt mir im Augenblick niemand ein......

    Einmal editiert, zuletzt von Kristel ()

  • Zitat

    Original von Edwin Baumgartner
    ...machen wir eine tabellarische Auflistung einfach mit + und - . Die Reihenfolge:
    Intonation...Aussprache...Volumen


    Dietrich Fischer-Dieskau
    -...................-...................+


    Hiemit kann ich was anfangen.
    Ich habe das Glück als Ausländer mehr zu achten auf Intonation und besonders Aussprache.
    Soweit ich das Deutsch von FiDi beurteilen kann, ist es besser, deutlicher und verständlicher, als das von seinen meisten Kollegen.
    Als ich erst ein, zwei Jahre Deutsch gelernt hatte, konnte ich ohne Textbuch Opern von ihm folgen (Fricsays Orpheus mit Stader und Streich z.B.). Und seine Lieder...


    Volumen dagegen... darüber kann ich nicht urteilen. Denn das wird im Tonstudio manipuliert bzw könnte dort manipuliert werden.


    Bei mir würde die Beurteilung für FiDi also lauten
    Dietrich Fischer-Dieskau
    Intonation...Aussprache...Volumen
    ++...................++...................?


    LG, Paul

  • Fidi mäkelt ständig an seinen eigenen gesungenen Tönen herum. Als überwiegender Liedersänger muss er nicht so ein grosses Volumen haben, wäre eher schädlich für`s Lied.
    Seine Aussprache ist korrekt, das stimm,t ABER: er überartikuliert. Die Intonation finde ich in Ordnung, soweit das meine Ohren vernehmen können.
    Ein Sänger sollte auch mal spontan sein, soweit das möglich ist. Natürlich sollte er sich an die Partitur halten, dennoch: dieses starre Absingen, kein Schmelz in der Stimme nur Überlegung und Berechnung. Da geht doch jede Spontaneität und Gefühlszeugung verloren. Die Musik allein reicht nicht aus, der Interpret ist es doch, der der Komposition Seele verleiht, und eben das ist bei FIDI zu sehr "gelehrt".
    Ist halt meine Meinung


    Was lobe ich mir das den leider zu früh verstorbenen Fritz Wunderlich...., aber das ist wieder ein anders Thema

  • Komisch, ich sähe es ähnlich wie Paul. Da Fischer-Dieskau sowieso einer meiner Lieblingssänger ist, bin ich da aber vielleicht subjektiv.


    Oft wurde hier geschrieben: Fi-Di wäre in der und der Opernaufnahme der Schwachpunkt, ich nenne nur unter vielen: Böhm-"Figaro", Jochum-"Meistersinger", Karajan-"Rheingold", Fricsay-"Don Giovanni".


    Ich finde ihn extrem wortverständlich, ich mag das Timbre.


    Daß Fi-Di nicht böse klingen kann, wie man auch schon öfter las, kann ich nicht nachvollziehen: Sein Don Giovanni etwa klingt durchaus bösartig und ehrfurchtgebietend.


    Vielleicht mag ich seine Art von Sprechgesang aber auch einfach sehr gern. Ähnlich ja bei Stolze, der auch schon oft niedergemacht wurde.


    Sicher: Jedem das Seine. ;)

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Zitat

    Original von Kristel
    Seine Aussprache ist korrekt, das stimm,t ABER: er überartikuliert.


    Liebe Kristel,


    Ich habe selbst Gesangunterricht gehabt. Und mir wurde gesagt immer so zu artikulieren, daß es fast übertrieben klang. Sehr stark zu prononzieren also. Damit jedes Wort verständlich wäre.


    Vermutlich rede ich dadurch sehr deutlich, denn das sagt man. Eine Folge der Gesangstraining also.


    LG, Paul

  • Die Aussprache eines Sängers, einer Sängerin ist sehr wichtig und ich selber lege großen Wert darauf bei meinen Schülern. Es gibt herrliche Stimmen, doch ihre Aussprache ist unter aller Würde.


    Meine Negativliste


    R. Schock
    W. Kollo


    mehr fallen mir nicht ein, zum Namen merken schon für mich untineressant.

  • Zitat

    Original von Kristel
    Fischer-Dieskau, oh Mann, der Philosoph der Töne, furchtbar. Alles muss er bis ins Kleinste analysieren und vergisst dabei ganz die "Herztöne".


    Ganz genau so sehe ich das auch. Das, was er macht, ist Singen vom Kopf aus und nicht vom Körper. Ich glaube, Kesting hat ihn Prof. Dr. Rigoletto genannt - das trifft es ganz gut.


    @Paul:
    Du hast recht, DiFiDi hat eine hervorragende Aussprache. Auch die Intonation ist über jeden Zweifel erhaben - und Volumen hatte seine Stimme übrigens auch. Das ist wohl der Grund, warum man ihn Partien wie Rigoletto, Scarpia und sogar Amonasro (hier in Berlin) hat singen lassen.
    Mir gefällt nur einfach dieses kopflastige Singen nicht. Timbre und Stimmbildung/-führung können für meinen Geschmack unattraktiver nicht sein. Aber ich rede auch hauptsächlich für Opernliteratur, in der man oft das "Tier" braucht, den ganzen Körper. Für gewisse Lieder mag DiFiDi eine Klasse für sich sein.


    :hello:
    M.