Die Kette macht den Klang

  • Lieber Achim,
    ich bin doch ein Verfechter der Meinung, daß zuerst der Anfang der Kette stimmen muß, wenn man eine ausgewogenen Kette aufbauen möchte.
    Und da stehen die Lautsprecher-erst einmal- am Ende.


    Selber betreibe ich ja auch eine Kette, in der auch die Lautsprecher ausgewogen hereinpassen.
    Aber zu den Lautsprechern, welche ich betrieben habe und betreibe, habe ich ja schon einiges geschrieben.
    Trotzdem: Grundsätzlich investiere ich erst einmal in einen besseren CD-Player oder ein besseres Tonabnehmersystem oder auch in ein besseres Kabel, welches jetzt übrigens nicht horrend teuer sein muß und auch nicht sein darf.
    Ich bin ja kein Krösus.
    Oder einen besseren Phonovorverstärker etc. .


    Von der Stromversorgung, welche ganz am Anfang steht, einmal ganz abgesehen.
    Bei mir laufen an der Anlage mehrere verschiedene Stromkreise, welche ich extra habe legen lassen.
    Wenn ich den Unterschied nicht hören würde, würde ich es nicht gemacht haben.
    Und ich bitte darum, daß jetzt nicht über Gebühr über mich hergefallen wird:
    Ja, es gibt sogar recht große Klangunterschiede bei Stromkabeln.


    Gerade im April habe ich mit vier anderen Kollegen die neuen Kabel meines Kabeldealers ausprobiert und wir sind alle unabhängig voneinander an verschiedenen Anlagen zu derselben Auffassung gekommen, daß diese Kabel einen ziemlichen Gewinn darstellen.
    Sogar unsere individuelle Beschreibung des Effektes war gleich.


    Mein Kabeldealer ist ein Hobbytüftler und seine Kreationen sind nicht teuer.


    Trotzdem werde ich keine weiteren Informationen darüber schreiben, da dieses Thema besonders gerne als blödsinniges Voodoo abgetan wird.


    Darauf habe ich keine Lust, das soll jeder selber nach Gutdünken entscheiden und ausprobieren oder auch nicht.


    Ich bitte diese Beschreibung auch nicht als Missionierung zu verstehen.


    Es ist nur meine persönliche Erfahrung, welche ich mit diesem Thema habe.


    Meine CD-Player, mein Plattenspieler, mein Verstärker, die Phonovorstufe und letztlich auch meine Spendor-Lautsprecher arbeiten jedenfalls zu meiner absoluten Zufriedenheit.


    Das einzige, was nicht zu meiner absoluten Zufriedenheit arbeitet, sind meine Ohren.
    Da ist irgendwas mit der internen Verkabelung schief gegangen.
    :D :angel:
    LG,
    Michael

  • Lieber Michael,


    danke für Deine ausführliche Schilderung Deiner Hifi-Philosophie.


    Ich habe mich in den letzten Jahren (arbeitsbedingt) nur noch wenig mit Technik beschäftigt, meine Frau hat quasi mit dem Design des Wohnzimmers auch die Herrschaft über die Klangfähigkeiten der Anlage übernommen :D.


    Mein Freund, der eine sehr ausgesuchte Anlage betreibt (wenn auch nicht übertrieben teuer), hat mich wieder motiviert, stärker in die Sache einzusteigen.
    Was soll ich sagen, die Diskussion hat sich halt in die Zubehörabteilung gedreht, nachdem scheinbar die Gerätehardware (zur Zeit) ausgereizt ist.
    Ich halte Kabel und Stromversorgung nicht für Voodoo, jedoch sind manche Glaubensbekenntnisse über Höreffekte schon nah dran.
    Ich glaube, viel kann auch über die raumakustischen Verhältnisse bewegt werden, wobei hier häufig die Faktenlage der Optimierung die Grenze vorgibt (nicht jeder kann die Architektur seiner Wohnung) den Hörerfordernissen anpassen).
    Daher ist für viele der Kopfhörer ein Ausweg, für mich persönlich aber eher nicht, weil ich lieber "frei" höre, wenn auch dann qualitiativ zwangsläufig beschränkt.


    Herzliche Grüsse


    Achim :hello:

  • Zitat

    Original von Michael Schlechtriem
    ich bin doch ein Verfechter der Meinung, daß zuerst der Anfang der Kette stimmen muß, wenn man eine ausgewogenen Kette aufbauen möchte.
    Und da stehen die Lautsprecher-erst einmal- am Ende.


    Lieber Micha,


    Wer, wie ich, notgezwungen, oft einem KH benützen muß, hat natürlich noch die Möglichkeit vorläufig auszuweichen.
    Denn gute KH sind jedenfalls viel billiger als gute LS.


    Und mein Fall ist kein Sonderfall, denn wenn ich meinen Schwager nehme, der schwerhörend an einem Ohr geworden ist, der ist ohnehin gezwungen fast nur die Kopfhörer aufzusetzen. Sonst schreit meine Schwester Zetermordio.


    Auch gibt es die Möglichkeit, daß sich in einem Zimmer das TV-Apparat und der Verstärker befinden. Dann kann einer, wenn er nicht TV "mitgenießen" will, via KH doch was anderes hören.


    LG, Paul

  • Zitat

    Original von musicophil
    Auch gibt es die Möglichkeit, daß sich in einem Zimmer das TV-Apparat und der Verstärker befinden. Dann kann einer, wenn er nicht TV "mitgenießen" will, via KH doch was anderes hören.


    Lieber Paul,


    dazu braucht man absolut geschlossene Kopfhörer, denn sonst hört man an leisen Musik-Passagen den TV-Ton mit und das stört ungemein. X( Ich habe es mit meinem AKG K 240 versucht, aber es funktioniert auch dann nicht, wenn ich die Musik sehr laut aufdrehe. Gerade in der klassischen Musik gibt es immer wieder leise Stellen. Außerdem dringen die lauten Passagen nach außen und stören den TV-Gucker.


    Gruß
    Tresor

    Diese Sprache, die wir Musik nennen, ist eine Sprache, die aus einem Raum kommt, den wir Seele nennen. GIORA FEIDMAN

  • Lieber Achim,

    Zitat

    meine Frau hat quasi mit dem Design des Wohnzimmers auch die Herrschaft über die Klangfähigkeiten der Anlage übernommen .


    wäre ich verheiratet, dies wäre ein Scheidungsgrund.... :D
    :stumm: :angel:


    Zitat

    Mein Freund, der eine sehr ausgesuchte Anlage betreibt (wenn auch nicht übertrieben teuer),


    Richtig!
    Auch dies kann und wird High-End sein, der Teufel steckt im Detail und nicht bei den überteuerten Fetischgeräten.
    Das ist bei einem Musikinstrument auch nicht anders.
    Und ich behandele meine Anlage eigentlich ganz ähnlich wie mein Instrument.
    Entdämpfung und schnelle Ansprache ist mein Ansinnen in beiden Fällen.


    Diese hochpreisigen Fetischartikel klingen oft sowieso grausig.


    Meine persönliche Definition von "High End" ist eine völlig andere, geprägt seit 20 Jahren von solchen Händlern und Kennern wie Walter Fischer(hier bei Tamino Mitglied, aber leider in den letzten Monaten mal wieder wenig gesehen-schade. Walter, komm bitte wieder zurück! )


    Zitat

    (nicht jeder kann die Architektur seiner Wohnung) den Hörerfordernissen anpassen).


    Genau das habe ich auch machen können- habe jetzt aber leider nicht sehr viel davon.


    Zitat

    jedoch sind manche Glaubensbekenntnisse über Höreffekte schon nah dran


    Nicht nur nahe dran, ich bin vollständig Deiner Meinung!
    Die allermeisten dieser Glaubensbekenntnisse sind die Druckerschwärze nicht wert, auf der sie geschrieben wurden.........


    Deshalb ist es mir persönlich auch wichtig, daß die positiven klanglichen Eigenschaften der Stromkabel und NF-Kabel meines Kabeldealers an vier verschiedenen Anlagen von verschiedener Güte und verschiedenartigem Aufbau (Röhre, Transistor, Hornlautsprecher, Redekos, Spendors etc.) ohne Absprache identisch wargenommen wurden.
    Da gibt es dann kein philosophisches Drumherumgerede.
    Entweder, es funktioniert, oder nicht.


    Niemals würde ich mir ein Kimber-Kabel für 500,- den Meter oder ähnliches kaufen, auch wenn es noch einen Furz besser "wäre" .


    :hello:


    Michael


  • Ja, für mich ist jede Komponente wichtig aber vor allem deren Kompatibilität zusammen, inklusiv Raumakustik.


    Ich finde aber es ist wichtig zu wissen, welche Zwecke die eigene Anlage haben soll. Je nach Zielsetzungen und Rahmenbedingungen (z.B. Budget) ist eine bestimmte Strategie bei der Zusammenstellung zu wählen. Da kann durchaus die Wahl, eine bestimmte Komponente anstatt alle zu priorisieren, der richtige Weg sein.


    Mein Weg war (und ist): eigenes Hörraum; vom Profi empfohlenen raum-akustischen Massnahmen realisieren und alle Komponente als wichtig zu betrachten.

  • Nach 30 Jahren ernsthafter Beschäftigung mit HiFi - hab mir bspw. von dem recht schmalen Budget einer studentischen Hilfskraft ein Halbspur Revox B77 Bandgerät für die damals (um 1980) wahnsinnige Summe von 2000 Mark zugelegt - bin ich zu der Überzeugung gekommen, daß man in einer Kette große und kleine Fehler machen kann.


    Ich glaube zum Beispiel nach etlichen Hörproben im Blind-AB-Vergleich nicht an die Wirksamkeit armdicker Kabel - 1,5 bis 2 mm Querschnitt und aus Kupfer reicht - da kann man fast gar keinen Fehler machen, wenn man nicht gerade auf 20m langen Telefonzweidraht geht. Um vollständig auf der sicheren Seite zu sein, hab ich 4mm verlegt.


    Auch bei guten CD-Spielern fällt es schwer, Klangunterschiede festzustellen, das sind dann nur noch winzige Nuancen, die Edelkomponenten wie die großen Sony ES, die Denon, die NAD oder die Rotel voneinander unterscheiden. Allenfalls Möglichkeiten zu kleinen Fehlern in einer Kette - aus meiner Sicht auch nicht wirklich relevant.


    Bei End-Verstärkern dürfte die relative Fehlermöglichkeit schon größer sein, im Gegensatz zu Michael Schlechtriem würde ich hier doch eher auf Nichtröhren-Masse setzen, große Elkos, große Ringkerntransformatoren, diskreter Aufbau, reichlich Kühlrippen...da kommt schon was zusammen. Ich würde mir jedenfalls keinen Endverstärker kaufen, der nicht wenigstens 20 Kg auf die Waage bringt. Vorverstärker sehe ich weniger kritisch, eigentlich müssen die ja nur die richtige Quelle sortieren und die Signale dann durch möglichst wenige und nur passive (klangunkritische) Bauteile schleusen. Phono-Vorverstärker sind ein anderes Thema, aber ich beschäftige mich so selten mit spanabhebender Verformung, daß dies für mich nicht so relevant ist.


    Bei Lautsprechern kann man sicherlich die größten relativen Fehler machen. Da sie aber bei pfleglicher Behandlung so gut wie nicht verschleißen (abgesehen vom Reißen der Gummisicken der Baßchassis, dem man aber mit ein bißchen Silikon vorbeugen kann) würde ich mir heute weniger die aktuellen, sondern eher Spitzenlautsprecher von vor 15 Jahren kaufen, die klassischen "Telefonzellen" (Ti 5000, ALR Nummer 7, Isophon Vertigo ...), die man den ganzen Tag hören kann, ohne daß sie nerven. Bei vielen scheinbar guten LS merkt man es jedenfalls erst spät, wenn sie hier und da ein bißchen dick auftragen oder zischeln, und Verfärbungen aller Art wird man in der Klassik früher oder später nur noch schwer ertragen können - Partyboxen wären also vollständig daneben.


    Die Aufstellung ist sicherlich ebenfalls kritisch, aber wenn man LS nicht gerade in die Ecke oder zu nah an die Wand stellt, sollte die für den jeweiligen Raum optimale Aufstellung per Ohr auffindbar sein. Meßinstrumente und Spezialisten braucht es da meiner Meinung nach nicht so unbedingt. Allerdings muß der Ehegespons mitmachen, wenn die Telefonzellen so "mitten im Raum" herumstehen.

  • Hallo m-mueller,

    Zitat

    Meßinstrumente und Spezialisten braucht es da meiner Meinung nach nicht so unbedingt


    völlig richtig, aber Spendor-LS sind leider extrem aufstelungskritisch, da kann man schon einmal Hilfe benötigen.