Na, da haben der Lullist und ich ja gerade an das gleiche gedacht. ![]()
Wie gesagt, die unterschiedlichen Prägungen geben vielleicht eine Antwort auf die unterschiedliche Ansichten...
Mignon ![]()
Na, da haben der Lullist und ich ja gerade an das gleiche gedacht. ![]()
Wie gesagt, die unterschiedlichen Prägungen geben vielleicht eine Antwort auf die unterschiedliche Ansichten...
Mignon ![]()
Übrigens: Heute läuft auf 3-sat der verschiedentlich angesprochene "Moses und Aron" aus der Wiener Staatsoper. Mal sehen, welches Match gleichzeitig übertragen wird...
Hallo,
wer nach 1970 geboren ist,der kann garkeine"altmodischen"
Inszenierungen mehr erlebt haben,es sei denn,auf Video,
in Italien,Covent Garden oder an der Met.
Herbert.
ZitatDen Wiener "Parsifal" finde ich ziemlich interessant und auf seine Weise gut geglückt.
Wenn man problemlos akzeptiert, dass die Gralsritter eine recht seltsame Bruderschaft sind, die Menschenopfer veranstaltet...
Mich konnte der Parsival eigentlich nur durch die musikalische Qualität überzeugen, die Inszenierung hat mehr Schatten als lichtvolle Momente.
Nun ist ja der Gralsbund eine etwas seltsame Gesellschaft. Und wenn man die Bibel wörtlich nimmt, dann ist Christus ein - allerdings freiwilliges - Menschenopfer (er stirbt um unserer Erlösung willen). Wenn ein/e Regisseur/in also in der Gralsbruderschaft nicht den christlichen Gedanken sieht, sondern diesen Bund sozusagen als Entartung des christlichen Gedankens darstellt, ist das natürlich gewöhnungsbedürftig - aber eine Interpretation, die zumindest mich eher zum Nachdenken anregt als wenn dieselbe Regisseurin den Holländer als Sozialrevoluzzer auf die Bühne stellt oder eine andere große "Könnerin" "Le Villi" als lesbische Utopie inszeniert oder ein anderer sogenannter Regisseur bei "Lohengrin" im Grunde gar nicht weiß, was er tut, sondern halt seinen Rundgang durch die Requisitenkammer dokumentiert.
Aus diesem Grunde für mich ja zum "Parsifal", weil für mich hier das Spannungsverhältnis Werk-Interpretation funktioniert (obwohl die vertretenen Gedanken nicht meine Gedanken sind), aber nein zu hirntoten Zutaten oder handlungsfremden Übermalungen der Stücke.
ZitatAus diesem Grunde für mich ja zum "Parsifal", weil für mich hier das Spannungsverhältnis Werk-Interpretation funktioniert (obwohl die vertretenen Gedanken nicht meine Gedanken sind), aber nein zu hirntoten Zutaten oder handlungsfremden Übermalungen der Stücke.
D'accord!
(Dennoch war mir der Parsival bei so viel schöner Musik optisch einfach zu häßlich; zum Glück wurde das musikalisch weitgehend kompensiert.)
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Salut,
ZitatOriginal von der Lullist
Es wird ja immer gegen "das Museum auf der Bühne" gewettert -
Die Wetterer sollten schon perfekt sein und auch gegen die entsprechende Musik wettern, denn die ist idR mindestens genauso alt...
ZitatDie Inszenierung der Proserpin in Schwetzingen war hart an der Grenze
Wegen mir hätte man sie weglassen können:
Positiv waren:
- Die Musik
- Der Stoff
- Die Interpretation
- Die Interpreten [bis auf Jupiter]
von der Inszenierung:
- Die wandelnden Blumen[t/k]öpfe [eine farbliche Augenweide!]
- Der Nebelschleier [allerdings in seiner Funktion verachtend verwendet]
Sonst nichts.
Wenn hier schon so einer, wie der Regisseur, meint, das Spektakel sei insgesamt zu intransparent, dann sollte er auch mit Gegenständen für Transparenz sorgen und nicht alles noch komplizierter machen, indem er nur schwarz und weiß als Deutungshilfe [für wen eigentlich, außer ihm selbst?] einsetzt - Gegenstände: ein toller Fernseher aus den 70er Jahren mit Bauklotzfernbedienung... das ist wirklich reif für's Museum. Zur Transparenz beitragen sollte der Nebelschleier, auf dem hin und wieder massenhaft erklärende Texte angezeigt wurden: gespiegelt, gedreht, in Laufschrift verkehrt herum: Alles klar! Wollte er damit die angebliche Unverständlichkeit unterstreichen oder gar erst herbeiführen, um seine Inkompetenz zu verbergen?
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Ulli
Meiner Ansicht nach sind auch die Regieanweisungen Teil des Theaterstücks/der Oper und müssen befolgt werden.
Ich fordere die historische Aufführungspraxis nicht nur im Orchestergraben sondern auch auf der Bühne!
Solange das nicht kommt (irgendwann wirds schon irgendwo kommen, es muss ja nicht alles andere verdrängen, die Alte Musik hat die Neue auch nicht komplett verdrängt) sitze ich in der Oper eben mit geschlossenen Augen.
ZitatIch fordere die historische Aufführungspraxis nicht nur im Orchestergraben sondern auch auf der Bühne!
Ich gehe noch weiter: Ich fordere die allumfassende historische Aufführungspraxis. Auch das Publikum hat in der Mode der Entstehungszeit der jeweiligen Oper zu erscheinen! Mozart und etwa eine Frau im Hosenanzug vertragen sich nicht, das stört den historischen Genuß!
Bravo Kurzstückmeister,
ich finde es auch lächerlich,wenn man im"Graben"auf alten
Instrumenten spielt und ganz wild auf Originalklang ist und
auf der Bühne agieren Countertenöre mit Handy und Leptop
in Opern von Händel.
Grüße nach Wien Herbert.
ZitatOriginal von Edwin Baumgartner
Auch das Publikum hat in der Mode der Entstehungszeit der jeweiligen Oper zu erscheinen! Mozart und etwa eine Frau im Hosenanzug vertragen sich nicht, das stört den historischen Genuß!
Absolut.
:beatnik:
ZitatOriginal von Edwin Baumgartner
Ich gehe noch weiter: Ich fordere die allumfassende historische Aufführungspraxis. Auch das Publikum hat in der Mode der Entstehungszeit der jeweiligen Oper zu erscheinen! Mozart und etwa eine Frau im Hosenanzug vertragen sich nicht, das stört den historischen Genuß!
Das wird wohl etwas teuer. Im Grunde aber ist das auch nicht so absurd. Ich bin oft sehr enttäuscht, dass bedeutende Bauwerke nicht besichtigt werden können und denke mir, dass sie als Museen geführt werden könnten (z.B. das Winterpalais des Prinzen Eugen in Wien, jetzt Finanzministerium :kotz: )
Will man aber die Stiegenhäuser und sonstigen Räume (das Stiegenhaus ist im Barock oft die Hauptsache) hindurchwandelnd betrachten, ist freilich die Frage, was mit all den leeren Räumen geschehen soll, denn irgendein anderes Museum unterzubringen (geschehen in einem Waren- oder Lagerhaus von Horta in Brüssel) oder wechselnde Ausstellungen zu machen (geschehen im Prunksaal der Wiener Hofbibliothek und in einer Villa von Mies van der Rohe in Krefeld) beeinträchtigt die Räume oft sehr. Das geglückteste Beispiel, das ich kenne, ist das Haus, das Renaat Braem für sich selbst baute, indem nun ein Kunsthistoriker wohnt und wöchentlich Führungen durch "sein" Haus macht (bis auf die obere Etage, wo es ihm somit erlaubt ist, nicht in permanenter Vorzeigbarkeit zu wohnen).
Warum also in einem Barockraum nicht im Barockkostüm wandeln, um den Raum nicht zu stören?
(und die Musik)
Hallo,
für Opernliebhaber, die sich nach der "guten alten Zeit" zurücksehnen, gibt es die Möglichkeit, Ausschnitte aus alten Opernaufführungen auf wehwehweh.youtube.com" kostenlos anzusehen. Ich habe mir gerade Carlo Bergonzi in Aufführungungsausschnitten aus "Ballo" (Tokyo 1967) und "Aida" (wahrscheinlich Arena di Verona, 1966) angesehen. Gesanglich absolut toll (wenn er auch das hohe B am Schluß der Aida forte singt und nicht im vorgeschriebenen piano), die Kulissen erkennbar aus Pappe und Personenregie nicht vorhanden. Gerade läuft das Sextett aus "Lucia" mit Bergonzi, Scotto, Zanasi u.a. (ebenfalls Tokyo 1967)...
Ein für mich als Wagner-Freund interessanter Fund: Ausschnitte aus der Meistersinger-Festvorstellung zur Wiedereröffnung der "Charlottenburger Städtischen Oper" in Berlin (heute Staatsoper) 1935. Nach einer Ansprache von Dr. Joseph Goebbels sieht und hört man das Meistersinger-Vorspiel, dirigiert von Karl Böhm, und den Schluß des 3. Aktes mit Sachsens Schlußansprache. Der bekennende Nazi und Intendant der Oper, Wilhelm Rode, gibt keinen Schusterpoeten, sondern das, was Wieland Wagner einmal den "popularitätsheischenden Kreisleiter Sachs" genannt hat. Er beschwichtigt weniger Stolzing, sondern agitiert im pathosgeschwängerten Stil der Zeit das Volk, wobei Rhetorik, Gestik und Mimik Rodes wohl nicht zufällig dem politischen Vorbild des Sängers angenähert sind. Die "Festwiese" ist im von-Arentschen Parteitags-Einheitsstil gehalten und die Atmosphäre entsprechend aufgeladen. Ein historisches Dokument, das den Betrachter mit Gefühlen, die zwischen Faszination und Ekel oszillieren, zurücklässt.
Grüße
GiselherHH
ZitatOriginal von GiselherHH
...Wiedereröffnung der "Charlottenburger Städtischen Oper" in Berlin (heute Staatsoper) 1935.
Blöde Frage, war ja bisher nur einmal in Berlin, aber ist in Charlottenburg nicht die Deutsche Oper?
Zum Thema "historischer Genuss" sag ich nur :kotz: Äusserlichkeiten.
Ich will einfach "nur" einen packenden Opernabend geniessen können ( sowohl von der Inszenierung, als auch vom musikalischen ) und historisierende Inszenierungen empfinde ich zum Großteil als ermüdend ( auch die Drottningholmer Aufzeichnungen die ich bisher gesehen habe, die mir btw auch musikalisch nicht wirklich zusagen ).
Hallo Michael,
hast Recht. In der Wochenschau-Aufnahme wird am Ende das Portal eingeblendet und da heißt es: "Deutsches Opernhaus". Der Nachfolger der Charlottenburger Oper ist die heutige Deutsche Oper Berlin an der Bismarckstrasse.
Grüße
GiselherHH
Hallo,
völlig korrekt. Die Staatsoper Berlin steht im Bezirk Mitte und zwar Unter den Linden. Ganz in der Nähe steht übrigens das dritte Opernhaus, die Komische Oper.
Gruß, Peter.
Zum ganzen Thema kann ich nur sagen, dass ich einer Operninszenierung vielleicht nicht in jedem Fall kategorisch ablehnend gegenüberstehe, nur weil sie modern oder nicht modern ist.
Ich denke, jede Art von Inszenierung kann Überraschungen bieten.
Allerdings sind meine Erfahrungen auf diesem Gebiet noch recht jung.
Hallo Masetto,
Der Aussage stimme ich völlig zu.
Als ich vor ca.2 Jahren mit dem Opernbesuchen begonnen habe, wollte ich immer möglichst oppulente, historische Inszenierungen sehen...die gabs bloß kaum...Heute empfinde ich moderne Inszenierungen westenlich interessanter als histoische Kostümorgien. Alledings kann ich einer guten hist. Inszenierung mit witz und charme auch viel abgewinnen!
Es ist ja heutzutage in der Fachpresse schon Fast verschriehen, dass MET und WSO fast nur oppulente und/oder historische Inszenierungen in petto haben...da geht es in manchem Provinztheater (ausgenommen Detmold
) oft anders her...provokanter, frischer...natürlich ist es auch eine Frage des "Budgets" was für eine Inszenierung geboten werden kann. MET und WSO gehen halt eher nach dem Geschmack des "Mainstream-Publikums" (Experten die hist. Inszenierungen bevorzugen: Bitte nicht persönlich nehmen und beleidigt sein!...) da die Preise dort teilweise doch arg gesalzen sind und so alle, auch die weniger anspruchsvollen Zuschauer auf ihre Kosten kommen.
Viele Grüße,
Raphael
Naja, auch eine historische Inszenierung kann man nach meinem Geschmack machen ![]()
Wann immer ich Rinaldo (Händel) unter Jacobs höre, habe ich knallbunte Bilder vor Augen und eine historische Inszenierung mit viel Budenzauber und Illusionen. Warum gibt es davon eigentlich keinen DVD-Mitschnitt :motz:
Gerade läuft z. B. L'Orfeo unter Jacobs. Das fällt sicher darunter, was man als moderne Inszenierung versteht, aber ich finde es höchst faszinierend, was dort choreographisch dargeboten wird. ![]()
Es gibt noch eine dritte, meiner Ansicht nach sehr sinnvolle Ebene, auf der man Musiktheaterwerke erarbeiten kann, und das ist eine möglichst abstrakte, die das Geschehen nicht in eine durch Kostüme oder Kulissen festgeschriebene Jetzt- oder Damalszeit verlegt, sondern die Grundgedanken des Werks in einem "zeitlosen" Raum zu visualisieren versucht. Um diese Grundgedanken nachzuvollziehen, braucht man aber große literarische Kenntnisse mindestens von Homer an. Worin bestehen eigentlich die Triebkräfte der Tragödie von Elektra, Orest, Iphigenie, Wotan, Siegfried usw? Da muss man schon mal in den Aischylos oder die Edda schauen, oder in die Poetik des Aristoteles oder die des Snorri Sturluson. Machen heutige Regisseure so was? Nun ja, ob zu Zeiten des Bärenfellwotan mit Hörnerhelm darüber nachgedacht wurde, ist auch zu bezweifeln.
Ich frage mich manchmal, ob heutige Regisseure überhaupt noch die stoff- und motivgeschichtlichen Hintergründe von Opern erarbeiten, seien es nun mythologische oder historische Hintergründe. Die Motivation, aktuelle Themen einzuarbeiten, was sich dann oft provokant auswirkt, beruht meiner Einschätzung nach oft auf einem Vakuum im Kopf des Regisseurs, was große literaturgeschichtliche Zusammenhänge angeht.
Wer (erfundene Beispiele) die Rheintöchter als Girlgroup oder Florestans Gefängnis als Guantanamo interpretiert, der beweist in meinen Augen weniger seine Originalität als seine scheuklappenbehaftete Gegenwartszentriertheit. Es wird immer behauptet, Oper müsse sich unbedingt der Gegenwart widmen, aber erstens sehe ich dafür keine argumentative Grundlage und zweitens bleibt es häufig auf der Ebene, dass mal eben ein Laptop oder Mobiltelefon gezückt wird, was keine wirkliche "Aktualisierung" ist.
Das für mich ideale Musiktheater ist eines, das möglichst abstrakt und zeitlos den Grundfragen der Stoffe nachgeht, darin sehe ich auch wahre Aktualität.
Hallo Draugur,
Deine "3. Variante" kam mir auch in den Sinn...
Ich habe aber gezögert, und es erstmal zu der modernen inszenierung gesteckt. Aber diese, schlichte Inszenierung kommt ja aeigentlich aus der Antike, wie du ja auch schon angefügt hast. Auch im Shakespear-Theater und dann auch wieder im Brecht-Theater finden sich solche Spielweisen.
Ein besonders gelungenes beispiel fand ich, die Inszenierung der "Hexenjagd" von Arthur Miller im Thalia-Theater in Hamburg. Der Chor wurde angedeutet, und die Szene und die Menschen waren ale äußerst schlicht. Schwarz und weiss dominierten das Bühnenbild. Rewuisite gab es fast kaum. Diese Art der Inszenierung kam beim B-Permieren Publikum jedenfalls nur bedingt gut an...
Ich empfand es jedoch als sehr gelungene, subtile Variante der Stückdeutung.
In der Oper habe ich derartige Inszenierungen jedenfals leider noch nicht gesehen.
Masetto:
Natürlich..wie gesagt, kann mich eine gut gemachte historische Inszenierung auch begeistern...und bei Barockoper darf es wenn's nach mir geht besonders auch der Pomp der Musik auf eine Pompöse Inszenierung treffen...! :].
Ich erinnere mich noch an die Lohengrin-Inszeierung von Klaus-Maria Brandauer an der Oper köln, letztes Jahr...zum einpennen...da waren alle Wagner-Inszenierungs-Klischees vertreten - leider. Eine renomiertes online-Opernrezensionsseite titelte: "Brandauer inszeniert Lohengrin - nicht".
Ebenso kam es mir vor. "Inszenierung" bedeutet für mich in aller erster Linie
nich nur eine platte "untermalung" der Handlung, sondern die Möglichkeit, über das Stück und die Inszenierung naczudenken.
Viele Grüße,
Raphael
Ja und bei Barockopern, insbesondere Zauberopern, kann man ja ruhig mit den modernsten Mitteln der Technik nachhelfen ![]()
Was ich noch ergänzend sagen wollte, ist, dass sich manche Regisseure offenbar auch zu schade sind, um gewisse brenzlige Momente wie Kampf-, Sterbe-, Liebes- oder was auch immer für Szenen einigermaßen realistisch in akkurater Kleinarbeit einzustudieren. Man kann an Stadttheatern immer wieder sehen, dass bei Fechtszenen meterweit aneinander vorbeigehauen wird, kein Blut o. ä. zu sehen ist und dann albern umgefallen wird. Ich habe eine Inszenierung gesehen, wo jemand im Bett mit dem Hammer erschlagen wurde, und das wurde vollzogen, indem an den untersten Rand seines Nachtlagers geklopft wurde (etwa einen Meter von seinem Körper entfernt). Oder in unserem jetzt abgespielten Tannhäuser "stürzt" sich der Titelheld am Ende "in sein Schwert", was aber so realisiert wurde, dass er auf die Knie gleitet und das Schwert NEBEN sich aufstützt. Das sieht dann eher nach irgendeiner unbeteiligten Abwartehandlung denn nach Sterben aus. Bei solchen Dingen geben sich doch schon Schülertheater mehr Mühe....
Am 11.03.2007 war ich in der Hamburger Staatsoper:
Verdi: Otello
Dirigentin: Simone Young
Inszenierung: August Everding
Zum Thema...:
Früher hatten mir derart konservative und in diesem Fall extrem statische Inszenierungen gefallen. Aber an diesem Abend fand ich diese fade. (Hier an dieser Stelle ohne Beurteilung des Orchesters, der Dirigentin und der stimmlichen Leistungen..)
Dagegen war die vormals gesehene moderne Inszenierung des Lohengrin (ebenfalls an der Hamburger Staatsoper) - Konwitschny inszenierte - grandios, spannend und aufregend. Ich werde diesen Lohengrin nie vergessen.
Ebenso seine (Konwitschnys) Inszenierung des Don Carlos...Klasse. Großes Theater.
Mein (momentanes) Fazit in Kurzform:
Mir ist beides recht: Modern oder klassisch-konservativ. Aber stimmig muß es sein. [Was "stimmig" bedeutet...Ich muß mir darüber noch schriftreife Gedanken machen...].
Allerdings sollte die Inszenierung nicht das sängerische Leistungsvermögen der Interpreten überfordern. Zu viel sportliche Unternehmung des Sängers oder der Sängerin können gegebenfalls schaden.
Außerdem sollte die individuelle Symbolik des Regisseurs nicht überhand nehmen. Bei einigen modernen Inszenierungen scheint mir das übertrieben zu sein. Ich möchte nicht den Abend lang rätseln: "Was will mir der Mann/die Frau damit sagen...". So weit möchte ich vom eigentlichem, dem 'Gesang im Gesamtkontext' nicht abgelenkt werden.
Provokation allein ist kein Inszenierungsgrund! Anregen zum Nachdenken...Ja.
Aber stets sollte auch gelten: Was hat der Librettist und insb. der Komponist sagen, ausdrücken, meinen wollen.
Bis dann.
ZitatOriginal von Draugur
Es wird immer behauptet, Oper müsse sich unbedingt der Gegenwart widmen, aber erstens sehe ich dafür keine argumentative Grundlage und zweitens bleibt es häufig auf der Ebene, dass mal eben ein Laptop oder Mobiltelefon gezückt wird, was keine wirkliche "Aktualisierung" ist.
Das für mich ideale Musiktheater ist eines, das möglichst abstrakt und zeitlos den Grundfragen der Stoffe nachgeht, darin sehe ich auch wahre Aktualität.
Aktualisierung um jeden Preis ist sicher unnötig. Trotzdem hat Oper immer auch mit der Gegenwart gespielt: Es gibt mehrere Beispiele aus dem 18. Jahrhundert, wo Sänger in Opern bekannte Personen aus der Gegenwart in Gesten und charakteristischen Stellungen nachgeahmt haben. Und sehr viele Opernhandlungen haben nun mal einen aktuellen politischen Bezug gehabt (z. B. die Opern von Verdi und so gut wie ALLE Barockopern) der von dem damaligen Publikum auch unmittelbar entschlüsselt werden konnte. Ich finde, dass es vollkommen legitim ist, diese Ebene bei einer neuen Inszenierung zu betonen.
Platt darf es natürlich nicht werden: Bei Florestan in Guantanamo hinkt alles, aber hätte man Florestan bei einer DDR-Aufführung in den 70er oder 80er Jahren in Stasihaft gezeigt, wäre das die mutigste und beste Inszenierung der Oper überhaupt geworden.
Kurz: Packende Aktualisierungen sind nicht leicht herzustellen und man sollte lieber auf sie verzichten, wenn einem nichts Geniales einfällt. Aber man muss es unbedingt versuchen dürfen.
ZitatOriginal von Amateur
Es gibt mehrere Beispiele aus dem 18. Jahrhundert, wo Sänger in Opern bekannte Personen aus der Gegenwart in Gesten und charakteristischen Stellungen nachgeahmt haben. Und sehr viele Opernhandlungen haben nun mal einen aktuellen politischen Bezug gehabt (z. B. die Opern von Verdi und so gut wie ALLE Barockopern) der von dem damaligen Publikum auch unmittelbar entschlüsselt werden konnte.
Die Herrscher-Verherrlichung der Opera seria, die ja in Mozarts Clemenza di Tito noch stattfindet, lässt sich m. E. nicht gut mit den doch eher zynisch-provokanten Aktualisierungen des modernen Theaters vergleichen. Und man muss bedenken, dass die damaligen aktuellen Bezüge "autorisiert" waren, da sie eben vom Librettisten und Komponisten stammten.
ZitatOriginal von Amateur
Und sehr viele Opernhandlungen haben nun mal einen aktuellen politischen Bezug gehabt (z. B. die Opern von Verdi und so gut wie ALLE Barockopern) der von dem damaligen Publikum auch unmittelbar entschlüsselt werden konnte. Ich finde, dass es vollkommen legitim ist, diese Ebene bei einer neuen Inszenierung zu betonen.
Salut,
ich halte Deine Konsequenz für nicht schlüssig. Schlüssig wäre, aktuell in der gewohnten [bzw. gehabten] Vielzahl neu komponierte Opern mit aktuellem politischen Bezug auf die Bühne zu bringen: Angela Merkel, Sopran - Guido Westerwelle, Altus - Edmund Stoiber, Tenor - Helmut Kohl, Baß...
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Ulli
ZitatAlles anzeigenOriginal von Draugur
Hallo Draugur,
Danke für Deine Einwände, auch wenn ich ihnen nicht ganz zustimmen kann. Ich finde zwar auch die wenigsten Aktualisierungen des modernen Operntheaters gelungen. Aber dass alle Aktualisierungen bloß zynisch-provokanter Natur sind, um die Opernbesucher zu ärgern, will ich, Idealist der ich bin, einfach noch nicht glauben. :baby:
Was nun die Aktualität von Barockoper und Opera seria betrifft, so ist sie weder frei von Provokation, noch beschränkt sie sich auf Herrscherverherrlichung. In Monteverdis Poppea sind es beispielsweise der Philosoph Seneca und mit ihm der damals topaktuelle Neostoizismus, die verherrlicht werden. Kaiser Nero und Poppea gehen zwar siegreich aus dem Ganzen hervor, werden aber moralisch vollkommen desavouriert. Überhaupt ist das Spannende an Barockopern nicht so sehr, wie der Herrscher verherrlicht wird, sondern wie die Gegner fertiggemacht werden.
In Lullys Persée wird beispielsweise der Gegenspieler Ludwigs XIV., Wilhelm von Oranien, als Bass singende Medusa lächerlich gemacht.
[QUOTE]Und man muss bedenken, dass die damaligen aktuellen Bezüge "autorisiert" waren, da sie eben vom Librettisten und Komponisten stammten.
Dagegen habe ich zwei Einwände. Zum Beispiel berichtet Mozarts Zeitgenosse Michael Kelly in seiner Autobiographie, dass er einmal in einer Oper auf ein Libretto von Da Ponte einen exzentischen Dichter darzustellen hatte. Weil Kelly gut Menschen imitieren konnte, machte er sich den Spaß daraus, seine Figur wie Da Ponte zu spielen: er kleidete sich wie er, stützte sich wie er rückwärts auf seinen Spazierstock und ahmte Da Pontes Lispeln sowie seinen Dialekt nach.
Alles andere als eine autorisierte Version und zynisch-provokant dazu! Es spricht allerdings für Da Ponte und seinen Theaterinstinkt, dass er sich nicht beschwerte, sondern Kelly gratulierte.
Aber auch abgesehen von dieser wahren Anekdote würde ich auf autorisierte Fassungen von Komponisten und Librettisten bei aktuellen Bezügen grundsätzlich nicht zu viel geben. Bis zum 18. Jahrhundert wurden Opern meistens für jede neue Aufführungsserie den neuen Aufführungsbedingungen angepasst - oft auch inklusive inhaltlicher Aktualisierungen. Dass man ihre Werke hunderte von Jahren später aufführen würde, daran dachten ihre Verfasser einfach nicht. Sie haben uns ein Vermögen hinterlassen, aber kein Testament das uns vorschreibt, wofür wir es ausgeben sollen.
ZitatAlles anzeigenOriginal von Ulli
Salut,
ich halte Deine Konsequenz für nicht schlüssig. Schlüssig wäre, aktuell in der gewohnten [bzw. gehabten] Vielzahl neu komponierte Opern mit aktuellem politischen Bezug auf die Bühne zu bringen: Angela Merkel, Sopran - Guido Westerwelle, Altus - Edmund Stoiber, Tenor - Helmut Kohl, Baß...
Ulli
Hallo Ulli,
eine Oper mit Angela Merkel als Titelfigur hat die Neuköllner Oper Berlin 2002 herausgebracht - womit bewiesen wäre, dass Oper nicht nur aktuell, sondern sogar ihrer Zeit voraus sein kann... ![]()
Übrigens merke ich, dass ich hier ganz gegen meinen Willen zum Lobredner von aktualisierenden Aufführungen werde. Dabei gilt meine heimliche Leidenschaft doch Inszenierungen in szenisch historischer Aufführungspraxis. :O Jedenfalls will ich ganz bestimmt nicht in jeder Barockoper, in der eine Herrscherin auftritt, Angela Merkel trällern sehen! Ich schließe nur nicht grundsätzlich aus, dass es Aufführungen geben könnte, in denen mir das gefallen könnte... ![]()
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Amateur
ZitatOriginal von Draugur
Die Herrscher-Verherrlichung der Opera seria, die ja in Mozarts Clemenza di Tito noch stattfindet, lässt sich m. E. nicht gut mit den doch eher zynisch-provokanten Aktualisierungen des modernen Theaters vergleichen. Und man muss bedenken, dass die damaligen aktuellen Bezüge "autorisiert" waren, da sie eben vom Librettisten und Komponisten stammten.
Die "Herrscher-Verherrlichung" wäre ja wenn überhaupt nur eine Ebene einiger Opere Serie. Es ist auch normalerweise keine simple Verherrlichung, sondern eher ein "Fürstenspiegel", wenn etwa dem mutigen, weisen, gerechten Cäsar der lüsterne, intrigante Despot Tolomeo (Ptolemaios) gegenübergestellt wird (oder sogar im Oratorium Kyros vs. Belsazar).
In einem Meisterwerk wie Händels "Alcina" ist überhaupt nichts von Herrscherverherrlichung zu sehen.
Die von Dir weiter oben angesprochene "abstrakte" Ebene finde ich ebenfalls einen sehr interessanten und vielversprechenden Ansatz!
Wenn ich die ersten "leeren" (und damals entsprechend verspotteten) Bühnen der Wieland-Wagner-Inszenierungen der 50er sehe, scheint mir das ein ähnlicher Zugang zu sein.
Ich wüßte auch nicht, warum moderne Theaterleute nicht mit Aischylos oder der Poetik des Aristoteles vertraut sein sollten. Ich würde mich sehr wundern, wenn sie das nicht wären (im Gegenteil haben die, die vom Theater nostalgische "Zeitreisen" oder idyllische Entspannung verlangen, sich offenbar überhaupt nie mit irgendeiner Poetik, egal von wem, befaßt).
Eins meiner faszinierendsten Theatererlebnisse waren die "Perser" in einer pseudo-archaisch-modernen Inszenierung (inkl. maskiertem Chor, aber auf deutsch :D) auf einer kleinen Studiobühne, wenn ich mich recht erinnere, das Debüt einer jungen Regisseurin.
viele Grüße
JR
