ZitatOriginal von Knusperhexe
das kann ich nicht nachvollziehen. Bei einem TV-Stück wird ja erst ein Plot entworfen und wenn sich dann jemand auf den Schuh getreten fühlt, dann sollte erst mal überprüft werden, ob der Betreffende nicht übersensitiv urteilt. Kann sein, muss aber nicht, negative Propaganda kann sehr subtil zur Meinungsbildung eingesetzt werden. [...] So weit würde ich natürlich nicht bei Deinem Jägerbeispiel gehen :D, aber möglich ist alles.
Hallo Knuspi,
ich sehe da nicht so große Unterschiede. Zugegebenermaßen ist das Publikum im TV größer. Aber die Geschichte der "Idomeneo"-Inszenierung von Neuenfels - von der ich auch nur das kenne, was man im TV sehen konnte - zeigt, dass sich das Problem ähnlich im Theater stellt. Natürlich ist Theater auch meinungsbildend, auch wenn nicht mehr in diesem Maße, wie es Mozart und Schiller sehen konnten.
Man kann aus der "Entführung" auch eine Aufklärungs-Propaganda sehen. Das Stück geht übrigens auf ein Singspiel von Bretzner zurück Und die Kenner der Bretznerischen Vorlage waren durchaus nicht einverstanden mit der Bearbeitung bei Mozart (die die dramaturgische Idee des Renegaten bei Bretzner nicht aufnahm). Schinck schreibt zu der Neufassung von Stephanie: "Uiberhaupt sind diese ewigen Großmuthen ein ekles Ding, und fast auf keiner Büne mehr Mode, als auf der hiesigen. Und man kann beinahe sicher darauf rechnen, daß so ein Stük, in dem brav gegrosmutet, versönt und vergeben wird, schreiendes Glük macht, wenn es auch auf die unnatürlichste Art zu diesen Dingen kömmt." Im weiteren argumentiert Schinck noch, dass diese Großmut zu unnatürlich sei, um sie nachzuahmen (Schinck, 1782). Bretzner selbst protestierte auch vergeblich gegen die Verstümmelung seines Stückes: bei Bretzner vergibt der Bassa, weil er in Belmonte seinen Sohn erkennt.
Da der Edle im Stück ein abgefallener Spanier ist, die einzige agierende türkische Person aber jemand, der sich als sehr unsympathisch herausstellt, ist die Entführung nicht gerade das Stück zur Völkerverständigung mit der Türkei ![]()
ZitatHmm, und beim theater: Ja, da sehe ich es genauso. [...]
Grundsätzlich ist es für mich etwas anderes, ein Stück zu interpretieren, als es so zu vergewaltigen.
Dem wird man im Grundsätzlichen zustimmen können, aber diskutiert werden muss das immer noch im Einzelfall. Und jeder wird da sicher die Grenzen anders setzen. Es ist doch auch ganz gut, dass es unterschiedliche Geschmäcker gibt.
Es grüßt Peter

