Kurznotizen aus den Opernhäusern!

  • Zitat

    Original von Knusperhexe
    Ich erinnere an den Hilsdorf'schen Troubadour, der mit Verdi nichts mehr gemein hatte. Mittlerweile kann man in essen ja nur noch derartige Inszenierungen sehen. Eine sehr einseitige Entwicklung.


    das magst du so sehen,ich sehe das nicht.
    am "troubadur" v. hilsdorf,sehe ich keine verfremdung.


    lg yago

  • Lieber Pfuetz und lieber Alviano, wenn ich lese, wie Wagner Opern heute inszeniert werden können und welche Konzepte dahinter stehen, baue ich gleich einige Vorurteile ab und bekomme Lust, es noch einmal mit diesem spannenden Zugang übers Theater damit zu versuchen.
    Was mich allerdings relativ abschreckt, ist, dass die Sänger offenbar in den von euch besuchten Aufführungen ihren Aufgaben nie gewachsen sind. Ich glaube, das würde ich als so negativ empfinden, dass mich auch die spannendste Regie nciht dauerhaft ablenken könnte.
    Oper ist nun mal zuerst in Szene gesetzter Gesang für mich und nicht zuerst in Gesang gesetzte Szene.
    Vielleicht sollten die Intendanten auch mal ein bisschen mehr Geld in die Sänger investieren ,anstatt nur die teursten Regisseure einzukaufen...... :rolleyes:


    F.Q.

  • Zitat

    Original von Fairy Queen
    Vielleicht sollten die Intendanten auch mal ein bisschen mehr Geld in die Sänger investieren ,anstatt nur die teursten Regisseure einzukaufen......


    Liebe Fairy,


    das ist ein spannendes Thema - ich bleibe mal beim Beispiel Essen - die spielen szenisch in der oberen Liga mit und haben einen GMD, der mit dem Orchester erstaunliches leistet, immer oberhalb von dem, was man von einem Stadttheater normalerweise erwarten würde.


    Im rein sängerischen Bereich ist das nicht so. Der Chor enstpricht gutem Stadtheaterniveau und auch bei den Sängerinnen und Sängern wird eher Mittelmass erreicht.


    Nur: das hört man an grösseren Häusern oft auch nicht besser. Bei Wagner kommt noch dazu, dass man heute froh sein muss, wenn für manche Partie überhaupt ein Sänger zur Verfügung steht.


    Der Titelrollensänger im "Tannhäuser", Scott MacAllister, kann sich über weitgehend positive Kritiken freuen - und er war besser, als manch anderer Fachkollege, den ich in den letzten Jahren gehört habe. Aber: reicht das?


    Nächster Punkt: wer im Publikum bemerkt überhaupt Schwächen? Wie oft hört man, das alles toll gesungen worden sei, obwohls nicht stimmt. Gerade kürzlich (bei Mozart) jubelte ein Herr neben mir für eine stimmschwache Sopranistin, die bei fast jeder Verzierungskette neben den Tönen lag.


    Dann: kleinere Häuser können oft keine grossen Gagen für Gäste bezahlen, da scheint manche Besetzung auch dieser Not gehorchen zu müssen.

  • Zitat

    Original von Fairy Queen
    Lieber Pfuetz und lieber Alviano, wenn ich lese, wie Wagner Opern heute inszeniert werden können und welche Konzepte dahinter stehen, baue ich gleich einige Vorurteile ab und bekomme Lust, es noch einmal mit diesem spannenden Zugang übers Theater damit zu versuchen.
    Was mich allerdings relativ abschreckt, ist, dass die Sänger offenbar in den von euch besuchten Aufführungen ihren Aufgaben nie gewachsen sind. Ich glaube, das würde ich als so negativ empfinden, dass mich auch die spannendste Regie nciht dauerhaft ablenken könnte.
    Oper ist nun mal zuerst in Szene gesetzter Gesang für mich und nicht zuerst in Gesang gesetzte Szene.
    Vielleicht sollten die Intendanten auch mal ein bisschen mehr Geld in die Sänger investieren ,anstatt nur die teursten Regisseure einzukaufen...... :rolleyes:


    F.Q.


    Was diese Dinge für mich entschärft, ist die Tatsache, daß es ja "live" ist, und man da auch immer irgendein Gehüstel, Geschniefe, oder sogar auch Kommentare von Nachbarn mit zu hören bekommt. Insoweit stimme ich Alviano zu, daß viele im Publikum es nicht so gut merken. In Stuttgart hat der Holländer schon ein wenig enttäuscht, auch, weil er mir noch zu viel "statisch" agiert hatte (viele seiner Stellen hat er wieder zum Publikum gewendet gesungen, obwohl ALLE anderen jeweils sich entweder bewußt den "Ansprechpartnern" zu- oder abgewandt hatten). So schlimm ist es aber auch nicht, daß man das Ganze nicht dennoch geniessen kann, es passiert ja auch unerhört viel auf der Bühne, und um das alles in sich aufzunehmen, ist, wie auch Alviano sagt, es schon notwendig, daß man die Oper vorher mehrfach (oder zumindest einmal) gehört (und den Text gelesen) haben sollte. Gut waren in Stuttgart auf jeden Fall die Mary (habe die Besetzungliste nicht zur Hand hier im Büro), der Steuermann, der Georg, und insbesondere die Senta. Auch die Chöre waren nicht unter Durchschnitt. Wirklich enttäuscht hatte mich der Holländer, und ein wenig der Donald. Dennoch: Verständlich gesungen haben sie, und agiert (bis auf des statische des Holländers) habe sie alle prima! Oper ist eben doch ein "Gesamtkunstwerk". Leider wird es da nie die perfekte Synthese geben, und somit sind wir ja alle an gewisse Abstriche gewohnt. Wenn es dann an anderer Stelle superklasse zugeht, läßt sich das verschmerzen!


    Mal sehen, wie es dann in Darmstadt beim Parsifal sein wird, Gurnemanz schrieb da ja, daß die Akkustik (das Haus ist gut) und auch die stimmlichen Leistungen hervorragend seien. Mal sehen, ob mich das dann über die von Gurnemanz so kritisierte Inszenierung hinwegtröstet...


    Mehr dazu, wenn wir es gesehen haben...


    Matthias


    P.S.: Ergänzung (nachträglich): Stefan Mickisch macht wunderbare CDs seiner Live-Einführungsvorträge in Bayreuth, die höre ich immer wieder mit Genuß vor einem Wagner-Opern Besuch... ;-)

  • Zitat

    Original von Fairy Queen
    Lieber Pfuetz und lieber Alviano, wenn ich lese, wie Wagner Opern heute inszeniert werden können und welche Konzepte dahinter stehen, baue ich gleich einige Vorurteile ab und bekomme Lust, es noch einmal mit diesem spannenden Zugang übers Theater damit zu versuchen.
    Was mich allerdings relativ abschreckt, ist, dass die Sänger offenbar in den von euch besuchten Aufführungen ihren Aufgaben nie gewachsen sind. Ich glaube, das würde ich als so negativ empfinden, dass mich auch die spannendste Regie nciht dauerhaft ablenken könnte.
    Oper ist nun mal zuerst in Szene gesetzter Gesang für mich und nicht zuerst in Gesang gesetzte Szene.
    Vielleicht sollten die Intendanten auch mal ein bisschen mehr Geld in die Sänger investieren ,anstatt nur die teursten Regisseure einzukaufen...... :rolleyes:


    F.Q.


    Zutiefst enttäuscht war ich, als Lars von Trier für den Ring in Bayreuth abgesagt hatte, da hatte ich mir ganz große Dinge versprochen... ;-)


    Matthias

  • Zitat

    Original von Alviano
    Nur: das hört man an grösseren Häusern oft auch nicht besser. Bei Wagner kommt noch dazu, dass man heute froh sein muss, wenn für manche Partie überhaupt ein Sänger zur Verfügung steht.


    Man darf nicht vergessen, daß Wagneropern doch recht lang sind (gut, der Holländer ist nur knapp über 2 Stunden, je nach Inszenierung), aber allein der 2. Satz des Parsifals ist länger als der ganze Holländer, das kostet also auch die Sänger viel Kraft.


    Zitat

    Original von Alviano
    Dann: kleinere Häuser können oft keine grossen Gagen für Gäste bezahlen, da scheint manche Besetzung auch dieser Not gehorchen zu müssen.


    Und die Sänger müssen für jede Aufführung bezahlt werden, die Inszenierung wird einmalig bezahlt... ;-) Da kann man also für einen Regisseur schon etwas mehr ausgeben, es ist ja nur ein Einmal-Posten... Und wie Du nun ja selbst siehst, kann damit "Geld" gemacht werden, denn gute Aufnahmen auf CD gibt es zuhauf, aber interessante Inszenierungen sind nicht so häufig anzutreffen. Und da Opernhäuser ja keine Benefizveranstaltungen sind, sondern mehr und mehr sich selbst finanzieren müssen, muß da schon überlegt werden, wofür das Geld ausgegeben werden soll. In Darmstadt z.B. stand mal die Schließung einer ganzen Sparte zur Diskussion, man hat sich aber entschieden, eher an den Bühnenmitteln (Aufwand bei den Kulissen) zu sparen, dafür aber Schauspiel und Oper beizubehalten! Und solche "Zwänge" können dann ja auch ggfls. wieder kreativ genutzt werden...


    Matthias

  • Ihr Lieben, ich wäre bei einer Wagner-Opern, wo mir die Musik ohnehin nciht so wichtig ist , auch eher toleranter, weil ich nur deshalb überhaupt hinginge, um einen Zugang zu dem Werk über das neue Konzept eines Regisseurs zu bekommen.
    Im Allgemeinen jedoch ist Oper für mch in erster Linie immer noch eine Gesangsveranstaltung, in der es mir zu einem serh grossen Prozentsatz auf die Sänger und deren Stimmen ankommt. Ich sage nur "CantiFraktion" :yes:
    Bei Mozart oder Bellini könnte es die weltbeste Inszeneirung sein, mit mässigen und schlechten Sängern wäre meine Freude so getrübt, dass von Genuss kaum noch die Rede sein könnte.
    Je weiter weg vom Belcanto der Stil einer Oper ist und desto weniger mir die Musik als solche gefällt, desto toleranter würde ich da vermutlich, weil andere Dinge mehr in den Vordergrund rücken. Da mögt ihr recht haben.
    Es scheint mir, bei den Wagnerschen Deklamationsopern sind die echten Fans wirklich froh, überhaupt etwas Brauchbares zu hören.
    So bescheiden bin ich bei meinen Lieblingsopern wahrlich nciht. :D


    F.Q.

  • Zitat

    Original von pfuetz
    Mal sehen, wie es dann in Darmstadt beim Parsifal sein wird, Gurnemanz schrieb da ja, daß die Akkustik (das Haus ist gut) und auch die stimmlichen Leistungen hervorragend seien.


    Nun, ganz so uneingeschränkt positiv habe ich die stimmlichen Leistungen nicht bewertet (vgl. meinen Beitrag vom 06.03.2008 hier), aber ich war insgesamt ganz zufrieden und bin schon gespannt auf Deinen Bericht. Vielen Dank für Deine Besprechung des Stuttgarter "Holländers"; was ich hier von Dir und anderen (Alviano!!) lese, läßt vieles, was ich aus dem Feuilleton unserer Presse so kenne, so ziemlich verblassen; daher verfolge ich diesen Thread mit großem Interesse.


    [zitat]Original von Fairy Queen
    Im Allgemeinen jedoch ist Oper für mch in erster Linie immer noch eine Gesangsveranstaltung, in der es mir zu einem serh grossen Prozentsatz auf die Sänger und deren Stimmen ankommt.[/zitat]
    Ich kann gut verstehen, daß das für Dich als professionelle Sängerin wichtig ist. Für mich allerdings steht und fällt bei Wagner alles mit dem Orchester und ich höre über manche gesangliche Indisposition großzügig hinweg, wenn mich Dirigat und Orchester mitreißen, da dieses bei Wagner weit mehr als bei anderen, ich möchte sagen, Subjekt des emotionalen Geschehens ist und nicht nur Begleitung oder gar Hintergrund der Sänger.


    [zitat]Es scheint mir, bei den Wagnerschen Deklamationsopern sind die echten Fans wirklich froh, überhaupt etwas Brauchbares zu hören.[/zitat]
    So ist es, und insofern empfand ich den Darmstädter "Parsifal" musikalisch als durchaus gelungen.

  • Zitat

    Original von Fairy Queen
    Bei Mozart oder Bellini könnte es die weltbeste Inszenierung sein, mit mässigen und schlechten Sängern wäre meine Freude so getrübt, dass von Genuss kaum noch die Rede sein könnte.


    Das ist mit der Hauptgrund dafür, warum ich nicht gerne in Mozart-Opern gehe, es wird mir zu oft nicht überzeugend gesungen.


    Es ist schon richtig - bei veristischen Opern oder bei Wagner sind die Toleranzgrenzen etwas weiter gespannt, erwartet werden kann aber auch hier eine sängerisch einigermassen hinreichende Leistung.


    Der Gesang ist natürlich absolut wichtig für eine Oper - aber was macht denn ein kleines Haus, das keine Spitzenkräfte engagieren kann. Sollen die dann ihren Spielbetrieb einstellen? Das ist doch auch kein guter Weg...

  • Zitat

    Original von Fairy Queen
    Lieber Pfuetz und lieber Alviano, wenn ich lese, wie Wagner Opern heute inszeniert werden können und welche Konzepte dahinter stehen, baue ich gleich einige Vorurteile ab und bekomme Lust, es noch einmal mit diesem spannenden Zugang übers Theater damit zu versuchen.
    Was mich allerdings relativ abschreckt, ist, dass die Sänger offenbar in den von euch besuchten Aufführungen ihren Aufgaben nie gewachsen sind. Ich glaube, das würde ich als so negativ empfinden, dass mich auch die spannendste Regie nciht dauerhaft ablenken könnte.
    Oper ist nun mal zuerst in Szene gesetzter Gesang für mich und nicht zuerst in Gesang gesetzte Szene.
    Vielleicht sollten die Intendanten auch mal ein bisschen mehr Geld in die Sänger investieren ,anstatt nur die teursten Regisseure einzukaufen...... :rolleyes:


    F.Q.


    Da denken Fairy und ich wieder einmal ganz siamesisch, mich könnte auch die tollste Regie nicht über mittelmäßige oder gar schlechte Sängerleistungen hinwegtrösten! Ich fände dann zwar die szenische Umsetzung spannend, würde die Oper aber dennoch sehr unbefriedigt verlassen und hätte keineswegs das Gefühl, eben etwas ganz Großartiges erlebt zu haben.
    Außerdem bekenne ich mich da zu einem gesunden Egoismus: Wie viele im Publikum mediokre Sängerleistungen mitkriegen, ist mir herzlich gleichgültig, so lange ich die Defizite bemerke (Oder zu bemerken glaube ;) ) Um auf der berühmten Wolke 7 aus der Oper zu schweben, muss einfach der musikalische Teil stimen, das vermag kein Regisseur.
    Ist die Szene furchtbar -in welche Richtung auch immer - kann ich immer noch die Augen schließen und komme trotzdem auf meine Rechnung (So die Besetzung stimmt!), aber man kann schwer die Ohren verschließen.....
    Aber wahrscheinlich ist man als ein in Wien sozialisierter Opernfan da einfach geprägt: In Wien standen und stehen immer die Sänger und Dirigenten an erster Stelle, danach kommt lange nichts, und dann erst die Regisseure :untertauch:
    Ohne "Stars" (ob echte, gehypte, abgehalfterte...) geht bei uns gar nichts, das musste auch ein Holender nach einem bitteren Lehrjahr zur Kenntnis nehmen.
    lg Severina :hello:

  • Zitat

    Original von Gurnemanz


    Nun, ganz so uneingeschränkt positiv habe ich die stimmlichen Leistungen nicht bewertet (vgl. meinen Beitrag vom 06.03.2008 hier), aber ich war insgesamt ganz zufrieden und bin schon gespannt auf Deinen Bericht. Vielen Dank für Deine Besprechung des Stuttgarter "Holländers"; was ich hier von Dir und anderen (Alviano!!) lese, läßt vieles, was ich aus dem Feuilleton unserer Presse so kenne, so ziemlich verblassen; daher verfolge ich diesen Thread mit großem Interesse.


    Da will ich Dir nicht widersprechen, Du hast auch "Negatives" genannt, stimmt...


    Zitat

    Original von Gurnemanz
    [zitat]Original von Fairy Queen
    Im Allgemeinen jedoch ist Oper für mch in erster Linie immer noch eine Gesangsveranstaltung, in der es mir zu einem serh grossen Prozentsatz auf die Sänger und deren Stimmen ankommt.[/zitat]
    Ich kann gut verstehen, daß das für Dich als professionelle Sängerin wichtig ist. Für mich allerdings steht und fällt bei Wagner alles mit dem Orchester und ich höre über manche gesangliche Indisposition großzügig hinweg, wenn mich Dirigat und Orchester mitreißen, da dieses bei Wagner weit mehr als bei anderen, ich möchte sagen, Subjekt des emotionalen Geschehens ist und nicht nur Begleitung oder gar Hintergrund der Sänger.


    [zitat]Es scheint mir, bei den Wagnerschen Deklamationsopern sind die echten Fans wirklich froh, überhaupt etwas Brauchbares zu hören.[/zitat]
    So ist es, und insofern empfand ich den Darmstädter "Parsifal" musikalisch als durchaus gelungen.


    Und hier stimme ich Dir voll und ganz zu: Das Orchester und die aus ihm kommende Musik sind da auch für mich (sorry, Titania) wichtiger als die individuellen Sängerleistungen (mit Ausnahmen natürlich!). Und da stimme ich Gurnemanz wieder zu: Was ich in DA gehört habe bisher war im Orchester doch immer recht brauchbar, z.T. sogar besser als anderswo. Ich bin also gespannt auf Sonntag nachmittag/abend!


    Matthias


  • Hallo Alviano,
    Keiner wird als Star geboren, zunächst einmal ist er ein vielversprechendes Talent, und ein Intendant, der etwas von Stimmen versteht, versteht es auch die aufzuspüren. Nur leider verstehen eben heute viele Intendanten wenig bis gar nichts von Stimmen, verlassen sich ganz auf Agenturen, die wiederum ihre eigenen Süppchen kochen, usw.
    Holender (wie auch Pereira in Zürich) verstehen hingegen enorm viel von Stimmen, und wenn ich in meinem vorigen Post vom Wiener "Startheater" gesprochen habe, so heißt das ja nicht, dass bei uns jeden Tag eine Garanca oder ein Flórez auf der Bühne stehen, aber auch die "No-names" verfügen in der Regel über weit mehr als nur Mittelmaß. Viele der heutigen Stars sind aus der Holender'schen Talenteschmiede hervorgegangen (Z.B. auch Elina Garanca, die völlig unbekannt war, als sie an der WSO debutierte) und haben von Wien aus ihre Weltkarriere gestartet. Das ist immer sehr traurig, wenn wir unsere Publikumslieblinge ziehen lassen müssen, weil sie eben nicht mehr für 30 und mehr Abende zur Verfügung stehen. (Im Moment ist Adrian Eröd am Absprung, dem ich schon jetzt nachweine!)
    Noch einmal: Es gibt genügend außerordentlich begabte junge Sänger, die nur einen Pappenstil kosten, man muss sie halt finden! (Pjotr Beczala z.B. war Ensemblemitglied am Landestheater Linz, bevor ihn Pereira nach Zürich holte!)
    lg Severina :hello:


    PS: Dass unser künftiger Direkter nicht so viel von Stimmen versteht, ist bereits erwiesen und lässt mich ziemlich düster in die Zukunft blicken........

  • Lieber Pfuetz und lieber Gurnemanz, ich glaube , dass es neben der persönlichen Priorität vor allem auf die jeweilige Oper ankommt, ob Orchester oder Sänger im Blickpunkt des Interesses stehen. Wenn ich mal von einer von mir geliebten Oper jenseits des Belcanto, nämlich dem Wozzeck ausgehe:
    da kommt es mir auch sehr viel mehr auf das Orchesterspiel und die Klangfarben als etwa eine etwas "kreischende" oder nciht ganz disponierte Marie oder einen nciht besonders guten Tenor-Major an. Wenn da Inszenierung und Orchester stimmt, könnte ich das serh wohl geniessen, auch wenn mir gute Sänger selbstverständlich immer lieber sind.(wie euch ja auch)
    Ich nehme an bei Wagner ist diese Toleranz bei den echten Fans auch eher in Hinblick auf die ohnehin meist überforderten Stimmen da(Gurnemanz sagt es ja) als im Hinblick auf das Orchester.
    In Belcanto-Opern(dazu zählt im Wortsinne, nciht im Gattungssinne auch Mozart und Händel für mich und alles Italienische sowieso) ist das Orchester aber wirklich oft eine Sängerbegleitung. mit ganz grossem Wert und Anspruch, aberes bleibt doch Begleitung für Gesang.
    Wenn da der Gesang nciht stimmt, kann der Rest Spitzenklasse sein-siehe Severina, deren statement ich voll unterschreibe :hello: -es geht einfach nicht!
    Um es mal etwas pauschal zu sagen:
    Alles was mehr Deklamation als schöngesang(Bel-Canto) ist, also viele Opern ab Wagner sind gesanglich mit mehr Toleranz von mir zu hören als die Opern bis Wagner.
    Umso wichtiger wird dann eben die Inszenierung und das Dirigat. Ich glaube, ich bin da nciht serh weit von Alviano entfernt, der ja deswegen keinen Mozart hören mag. :(


    Was aber die Stimmenwahl angeht, gebe ich auch hier Severina ganz recht: es geht nciht um Stars oder internationale Spitzenkräfte sondern um ein Gespür für schöne Stimmen, was einfach viel zu kurz kommt.
    Die Schönheit und das spezielle Timbre einer Stimme treten leider immer mehr in den Hintergrund und werden unwichtig. Das macht mich total wütend und traurig, denn 0 8/ 15 Technik kann man allerorten halbwegs oder sogzr serh brauchbar hören , aber da kommt dann trotzdem nur Mittelmass im Gesang als Kunst raus.
    Ich höre lieber einen Sänger mit technischen Mängeln der aber eine wirklich berührende und zum Repertoire passende Stimme und Präsenz mitbringt als Gesangsautomaten, die ihre Töne richtig ausspucken und keine Individualität und Persönlichkeit haben. Das ist es, was mich so oft an Aufführungen enttäuscht. Gute Leistungen, brauchbare Leistungen, Respekt an diesen Leistungen, aber ncihts, was bewegt.
    Wenn ich dann scharfe Kritk an solchen Leuten wie Villazon lese, der Einer der wenigen ist, die überhaupt emotional mitreissen können... aber das ist jetzt wieder ien anderes Thema.



    Ich will im Theater bewegt werden, von der Musik, vom Gesang, von der Regie-am besten von Allem. Wo das gelingt, egal wem, ist es ein guter Operabend.
    Und da gibt es eben bei den verschiedenen Opern verschiedene Bewegungsmotoren.


    Fairy Queen

  • Liebe severina,


    es geht mir ein wenig um etwas anderes: viele kleinere Theater bieten das ganze Jahr über Oper, Operette und Musical an - die Namen der dort engagierten Künstler/innen sind über die Stadtgrenzen hinaus kaum bekannt und werden das auch in Zukunft nicht sein, tauchen in den überregionalen Feuilletons in aller Regel nicht auf und die Wiener Staatsoper ist nicht nur weit weg, sondern unerreichbar.


    Jetzt bietet das Ensemble vielleicht innerhalb von zwei Wochen "Zauberflöte", "Bohéme" und "Lucia di Lammermoor, die Sopranistin singt die Musetta, die Lucia und vielleicht noch die Königin, der Tenor singt den Tamino, den Rodolfo und den Arturo. Für die Premiere gabs als Lucia einen Gast, der konnte aber nur für 3 Vorstellungen geworben werden, also muss jetzt der Haussopran ran.


    Die Sängerin ist schon seit 15 Jahren hier engagiert, was auf der Stimme Spuren hinterlassen hat. Nicht mehr alles gelingt zufriedenstellend.


    Fairy sagt jetzt, das würde sie sich nicht anhören, weil ihre Toleranzgrenzen da überschritten werden.


    Und da frage ich: wo ist die Alternative? Das Einstellen des Spielbetriebs wäre für mich keine wünschenswerte.


    Gruss nach Wien

  • Liebe F.Q.,


    das unterschreibe ich alles sofort genau so!


    Aber auch genauso die offfene Frage von Alviano!


    Matthias

  • Zitat

    Original von yago


    das magst du so sehen,ich sehe das nicht.
    am "troubadur" v. hilsdorf,sehe ich keine verfremdung.


    lg yago


    Ich beziehe mich hierbei auf Partitur und Libretto. In meiner Ausgabe steht nichts von Kruzufix-Spielereien, Pappkameraden oder Hostienweitwurf drin.


    LG,


    Knusperhexe


  • Lieber Alviano,
    das stimmt sicher für richtige Provinztheater, dort ist auch das Publikum mangels Vergleiche wahrscheinlich gar nicht so geschult, um allzu große Ansprüche zu stellen,. Damit will will ich jetzt nicht behaupten, diese Leute verstünden generell nichts von Musik, um nicht missverstanden zu werden, aber ich erlebe es ja immer wieder an der WSO, wie hellauf begeistert oft Besucher aus der "deutschen Provinz" (Ist wirklich liebevoll gemeint! :lips: ) über Aufführungen sind, die wir als ziemlich dürftig einstufen. "Mensch, ihr habt halt tolle Sänger in Wien!" Wenn ich dann sage. "Schade, dass Sie nicht die wirklich tollen erleben dürfen!" ernte ich nur verständnislose Blicke. Natürlich haben diese vielen kleinen Bühnen mit ihren bescheidenen Möglichkeiten ihre Existenzberechtigung und müssen mit anderen Maßstäben gemessen werden als die oft hoch subventionierten großen und mittleren Häuser.
    Aber die von dir, Alviano, besuchten Bühnen würde ich ja nicht als "Provinz" bezeichnen. Essen und Frankfurt sind jedem Opernfan ein Begriff, aber eben eher auf dem Regiesektor, und da stellt sich für mich die gleiche Frage wie Fairy, warum man dort nicht mehr Augenmerk auf sängerische Qualität legt. Nicht auf die "großen Namen" (Die sich oft ja einer Bieito-Regie verweigern würden :stumm: ), sondern auf gute Nachwuchssänger. Aber das ist wohl wirklich ein ideologischer Unterschied zwischen Wien und vielen deutschen Bühnen - ohne gute Sänger funktioniert es bei uns nicht.
    lg Severina :hello:

  • Zitat

    Original von severina
    Lieber Alviano,
    das stimmt sicher für richtige Provinztheater, dort ist auch das Publikum mangels Vergleiche wahrscheinlich gar nicht so geschult, um allzu große Ansprüche zu stellen,. Damit will will ich jetzt nicht behaupten, diese Leute verstünden generell nichts von Musik, um nicht missverstanden zu werden, aber ich erlebe es ja immer wieder an der WSO, wie hellauf begeistert oft Besucher aus der "deutschen Provinz" (Ist wirklich liebevoll gemeint! :lips: ) über Aufführungen sind, die wir als ziemlich dürftig einstufen. "Mensch, ihr habt halt tolle Sänger in Wien!" Wenn ich dann sage. "Schade, dass Sie nicht die wirklich tollen erleben dürfen!" ernte ich nur verständnislose Blicke. Natürlich haben diese vielen kleinen Bühnen mit ihren bescheidenen Möglichkeiten ihre Existenzberechtigung und müssen mit anderen Maßstäben gemessen werden als die oft hoch subventionierten großen und mittleren Häuser.
    Aber die von dir, Alviano, besuchten Bühnen würde ich ja nicht als "Provinz" bezeichnen. Essen und Frankfurt sind jedem Opernfan ein Begriff, aber eben eher auf dem Regiesektor, und da stellt sich für mich die gleiche Frage wie Fairy, warum man dort nicht mehr Augenmerk auf sängerische Qualität legt. Nicht auf die "großen Namen" (Die sich oft ja einer Bieito-Regie verweigern würden :stumm: ), sondern auf gute Nachwuchssänger. Aber das ist wohl wirklich ein ideologischer Unterschied zwischen Wien und vielen deutschen Bühnen - ohne gute Sänger funktioniert es bei uns nicht.
    lg Severina :hello:


    Ich mag das nicht beurteilen, ich denke aber, daß selbst Bühnen wie Frankfurt und/oder Stuttgart weitaus weniger Subventionen bekommen, als die WSO. Selbst in Berlin (Hauptstadt gegen Hauptstadt) wurde ja in den letzten Jahren intensiv und laut darüber nachgedacht, Bühnen aus Geldmangel zu schliessen.


    Weiß hier jemand evtl. etwas Genaueres, über die Budgets, z.B. von der SOudL (Berlin), der Oper Frankfurt und z.B. der Staatsoper Stuttgart (und dann im Vergleich dem Aalto-Theater in Essen)?


    Man kann auch so argumentieren: In Österreich gibt es neben der WSO nicht noch allzu viele weitere Bühnen, da kann der Staat = Österreich) mehr Geld dorthin senden, während in Deutschland die Staatstheater Länderbudgets haben (Staat z.B. = Land Berlin, oder Baden-Württemberg oder Hessen), und deren Budgets sind nun mal nicht so reich bestückt... Und es gibt mehrere Staatstheater "von Rang" (OK, auch mehr Bürger), wer weiß, was da nun wie genau verteilt wird...


    Gespannt!


    Matthias

  • Zitat

    Original von Alviano
    Fairy sagt jetzt, das würde sie sich nicht anhören, weil ihre Toleranzgrenzen da überschritten werden.


    Und da frage ich: wo ist die Alternative? Das Einstellen des Spielbetriebs wäre für mich keine wünschenswerte.


    Lieber Alviano,


    bei mir sind die Toleranzgrenzen anders. Natürlich erwarte ich andere Leistungen, wenn ich in Berlin oder Wien in die Oper gehe (da zahle ich übrigens auch andere Preise). Wenn ich aber in Düsseldorf eine engagierte "Finta giardiniera" sehe, bin ich auch begeistert - vor allem von der Musik, und um die geht es mir immer. Dass "live" heißt, dass nicht immer alles so klappt, wie man es sich wünscht,gehört dazu. Aber auch eine kleine Bühne kann mit Engagement ein großes Kunsterlebnis vermitteln. Das habe ich bei Zemlinskys "Kleider machen Leute" in Hagen, bei den "Tödlichen Wünschen" in Detmold erlebt, das wünsche ich mir auch für den 11.4., wenn in Detmold die neue Oper Klebes uraufgeführt wird.


    Ich kann dann auch mäkelnd und beinchenzählend dabeisitzen, aber das ist nicht so meine Art. Ich versuche mich zu identifizieren, was da vor mir auf der Bühne und im Orchestergraben geschieht - und dann springt oft genug auch der Funken über, wenn es nicht eine so hochkarätige Aufführung ist. Von Klebe würde ich natürlich gerne mal eine Oper in Berlin, Frankfurt oder Wien erleben.


    Aufführungen voll schlimmster Routine kann es überall geben - und die sind dann auch überall so, dass sie meine Toleranzgrenzen überschreiten. Aber wo man mit Liebe zum Werk etwas zur Aufführung bringt, sind meine Toleranzgrenzen weit ...


    Liebe Grüße Peter

  • Hallo Matthias,
    was ich eigentlich die ganze Zeit sagen will, aber offensichtlich nicht rüberkommt, dass sängerische Qualität nicht nur mit großen Stars erreicht werden kann, man muss sich als Intendant halt nur umschauen, die Ohren offen halten. Auch bei uns in Wien treten oft genug "no-names" auf, die dann für Sternstunden sorgen, nur hat Holender die halt nicht auf gut Glück engagiert, sondern gewusst, welches Potential sie besitzen.
    Ein Beispiel: Als vor zwei Jahren Joseph Calleja nach einer ziemlich desaströsen Leistung in der ersten "Puritani"-Vorstellung freiwillig das Handtuch warf, stand bei der nächsten ein Shalva Mukheria auf dem Besetzungszettel, von dem wir nicht einmal wussten, wie man ihn ausspricht, geschweige denn, in welcher Tundra ihn Holender aufgespürt hatte. Und der Mann war ganz großartig, er toppte sogar noch meine Erinnerung an Flórez, und das will etwas heißen ;) Auch die Grubsi war hin und weg und soll gesagt haben "Endlich ein richtiger Tenor für mich!" Gute Sänger sind also nicht nur eine Geldfrage und ergo nur für hoch subventionierte Häuser zu haben!!!!!!
    Abgesehen davon zahlt die WSO vergleichsweise sehr bescheidene Gagen, Zürich, Barcelona, Madrid u.v.a. bieten wesentlich bessere Verträge!
    lg Severina :hello:

  • Zitat

    Original von severina
    Hallo Matthias,
    was ich eigentlich die ganze Zeit sagen will, aber offensichtlich nicht rüberkommt, dass sängerische Qualität nicht nur mit großen Stars erreicht werden kann, man muss sich als Intendant halt nur umschauen, die Ohren offen halten. Auch bei uns in Wien treten oft genug "no-names" auf, die dann für Sternstunden sorgen, nur hat Holender die halt nicht auf gut Glück engagiert, sondern gewusst, welches Potential sie besitzen.
    Ein Beispiel: Als vor zwei Jahren Joseph Calleja nach einer ziemlich desaströsen Leistung in der ersten "Puritani"-Vorstellung freiwillig das Handtuch warf, stand bei der nächsten ein Shalva Mukheria auf dem Besetzungszettel, von dem wir nicht einmal wussten, wie man ihn ausspricht, geschweige denn, in welcher Tundra ihn Holender aufgespürt hatte. Und der Mann war ganz großartig, er toppte sogar noch meine Erinnerung an Flórez, und das will etwas heißen ;) Auch die Grubsi war hin und weg und soll gesagt haben "Endlich ein richtiger Tenor für mich!" Gute Sänger sind also nicht nur eine Geldfrage und ergo nur für hoch subventionierte Häuser zu haben!!!!!!
    Abgesehen davon zahlt die WSO vergleichsweise sehr bescheidene Gagen, Zürich, Barcelona, Madrid u.v.a. bieten wesentlich bessere Verträge!
    lg Severina :hello:


    Doch, das kam rüber! Meine Argumentation ist: Die Intendanten haben andere Dinge im Kopf, als "nur Talent zu suchen" (ist auf keinen Fall abwertend gemeint!), denn dazu müßten sie ja auch reisen, und viel verschiedenes woanders hören. Und wenn das momentan primäre Problem ist, überhaupt Geld für irgendetwas zu finden, dann tritt "sowas" ggfls. etwas in den Hintergrund.


    Ja, ich denke auch, daß man mit "nur guten Sängern" und "regi-lis-langweilenden Inszenierungen" auch Geld verdienen kann, aber, ich denke, daß es eben andersrum "aus Geld Sicht" erfolgversprechender erscheint, Dinge inszenieren zu lassen, über die man spricht, als eine tolle Stimme zu haben, die man sonst nirgendwo bisher gehört hat, oder hören wird.


    Ist also wohl eine klare Marketing Entscheidung. Die ich verstehe, aber, wie Du, würde ich mich freuen, wenn eben auch noch zusätzlich Wert auf Stimmen gelegt würde.


    Ich denke aber, das ist weitaus schwieriger, als einen "großen Namen" im Regietheater für eine Inszenierung zu verpflichten...


    Also: Ich habe Dich verstanden, wünsche ich mir auch so, denke aber, daß Intendanten da andere Prios setzen (manchmal wohl auch aus Zeitgründen müssen!)...


    Matthias

  • Lieber Peter,


    da sind wir nicht weit auseinander - ich schätze die kleinen Häuser in unserer Theaterlandschaft sehr, da wird oft mit wenig Mitteln engagiertes Theater geboten, auch wenn sängerisch nicht alles so klingt, wie an grossen Häusern. Berlin und Wien kann arg weit sein, da freut man sich doch auch, wenn man ein funktionierendes Musiktheater vor Ort hat, gerade, wenn auch hier (in Hagen keine Seltenheit) unbekanntere Stücke den Weg auf die Bühne finden.


    Dass Klebe noch lebt, wusste ich gar nicht - der ist dann jetzt knapp über 80... Hut ab, wenn da jetzt noch eine Uraufführung ansteht. Ich selbst habe nur ein Stück von ihm gesehen: die "Fastnachtsbeichte" in der Uraufführungsinszenierung in Darmstadt und - es war mein erster Besuch dort - die Essener Premiere im Aalto-Theater...


    Gruss an den Rhein


    :hello:

  • Hallo zusammen,



    Das kann ich für mich auch unterschreiben – wobei mein Schwerpunkt auf Musik und Gesang liegt – wenn da was im Argen liegt, stört mich das viel mehr als bei der Regie. Was mich immer interessiert hat, was die Entwicklung einzelner Sänger oder eines ganzen (gewachsenen) Ensembles –gerade letzteres gibt es zunehmend seltener.



    Zitat

    Original von severina
    das stimmt sicher für richtige Provinztheater, dort ist auch das Publikum mangels Vergleiche wahrscheinlich gar nicht so geschult, um allzu große Ansprüche zu stellen,. Damit will will ich jetzt nicht behaupten, diese Leute verstünden generell nichts von Musik, um nicht missverstanden zu werden,



    Ich bin im richtigen Provinztheater (Coburg, Passau) groß geworden– „das Publikum“ gibt es weder in der Provinz noch im A-Haus. Nur dass man, wie auch schon Alviano andeutete, in der Provinz eher zum Kompromiss bereit ist, um vor Ort mit dem eigenen Ensemble überhaupt eine Vorstellung genießen zu können. Weniger kundige Opernbesucher kann ich genauso oft im Abonnement einer großen Hauses erleben…



    Zitat

    Original von Alviano
    da sind wir nicht weit auseinander - ich schätze die kleinen Häuser in unserer Theaterlandschaft sehr, da wird oft mit wenig Mitteln engagiertes Theater geboten, auch wenn sängerisch nicht alles so klingt, wie an grossen Häusern. Berlin und Wien kann arg weit sein, da freut man sich doch auch, wenn man ein funktionierendes Musiktheater vor Ort hat, gerade, wenn auch hier (in Hagen keine Seltenheit) unbekanntere Stücke den Weg auf die Bühne finden.


    ... genau das!


    LG, Elisabeth

  • Kurznotiz aus Opernhaus.


    Gestern mit einer Gruppe frz. Austauschschüler in Bayreuth.
    Seit neusestem Bühne für Festspielhausbesucher nicht mehr zu besichtigen, ledigl. Zuschauerraum u. Orchestergraben.


    O-Ton Führer:
    "Do hod vor kurzem aana wos gsehn aaf da Bühn, des hadda ins Indäned ins Woochner-Forum gschdelld, dann is do drüber disgudierd worn.
    Soiddem lässt die Laidung kaan mehr auf die Bühn.
    I versteh die Loid ned."


    Auf wen sich der letzte Satz bezog, blieb unklar...



    Sääs aus Frangn,



    audiamus



    .



    .

  • :no: :no:


    ... liest sich ja fraglos interessant und amüsant :yes: ;)
    - ABER ... Führung im Dialekt ?( :wacky: ?( :wacky:
    (1.April ist um - Rosenmontag auch...)


    EHRLICH
    Eine Freundin von mir führt gelegentlich durch Ausstellungen - sie "kann" ein vorzügliches Ruhrgebiets-Deutsch
    - würde sich aber schämen, mit solchem ihre Besucher zu behelligen !


    :no: :no:
    :hello:
    micha

  • Nun, lieber Micha, seit Thielemann wegen seiner zunehmenden Verpflichtungen als Notenwart für dieses Jahr die bislang persönliche Durchführung der Touristeninformation weitergegeben hat, muss man in Bayreuth auf Einheimische zurückgreifen.
    Der reife Führungsspätstil des Alten vom Hügel diktiert Sparkurs.


    Gruß in die Nachbarschaft,



    audiamus



    .

  • Zitat

    Original von audiamus
    O-Ton Führer:
    "Do hod vor kurzem aana wos gsehn aaf da Bühn, des hadda ins Indäned ins Woochner-Forum gschdelld, dann is do drüber disgudierd worn.
    Soiddem lässt die Laidung kaan mehr auf die Bühn.
    I versteh die Loid ned."



    Dialekt ist doch was Schönes. Sogar der fränkische. Außerdem passen hier sprachliche Form und inhaltliche Botschaft so gut zusammen... :D


    Aber sag mal: Haben die Schüler aus Frankreich die Sprache der Franken auf Anhieb verstanden? Oder musstest Du übersetzen? Ins Hochdeutsche? Ins Französische?



    Servusla


    Bernd



    Kurzer Nachtrag zum fränkischen Dialekt: Heute wird in der Rezension der hiesigen Lokalzeitung das Gespräch zweier Damen vor dem letzten Symphoniker-Konzert mit Ligetis Violinkonzert kolportiert: „Die schbiel’n an Ligetti“ – „Na, des wer ma aa überleb’n!“


    I versteh die Loid ned.

  • Lieber Bernd,


    wenn ich übersetzt hätte, wären die Kids wohl mit dem Franken immer noch besser dran gewesen.
    Nein, ich habe nur - auf deutsch - einigen Senf dazugegeben, für die Übersetzung sorgten eine städtische Führerin in Ganztagesbetreuung (die bei Jahreszahlen regelmäßig ins Schwimmen kam, da tausendachthundertviermalzwanzigdreizehn ja schon ein ziemliches Brett ist) sowie die französische Austauschkollegin.


    Zitat

    Außerdem passen hier sprachliche Form und inhaltliche Botschaft so gut zusammen...


    Und hier sprichst Du mir hochdeutsch aus der Seele.


    LG



    audiamus



    .


  • Meine Anmerkungen zur Musik sind hier: http://www.tamino-klassikforum…?postid=235795#post235795


  • Meine Anmerkungen hierzu sind hier: http://www.tamino-klassikforum…?postid=235839#post235839