Kurznotizen aus den Opernhäusern!

  • Die Heidelberger "Rhein-Neckar-Zeitung" meldet heute:


    [zitat]Theater sucht Statisten
    Für die Mannheimer Hofoper Alessandro, die am 31. Mai Premiere hat, sucht Regisseur Günter Krämer hagere männliche Statisten ab 65 Jahren, die bereit sind, bei den Proben und Vorstellungen nackt aufzutreten. Interessenten melden sich bitte beim Nationaltheater unter Tel. 0621-1680 242.[/zitat]
    Es handelt sich um die Oper "Alessandro" von Gian Francesco de Majo (Musikalische Leitung: Tito Ceccherini, Inszenierung:
    Günter Krämer, Bühne: Jürgen Bäckmann, Kostüme: Falk Bauer, Chor: Tilman Michael, Dramaturgie: Regine Elzenheimer).


    Näheres hier.


    Werk und Komponist sind mir unbekannt.

  • Zitat

    Original von Gurnemanz
    Die Heidelberger "Rhein-Neckar-Zeitung" meldet heute:


    [zitat]Theater sucht Statisten
    Für die Mannheimer Hofoper Alessandro, die am 31. Mai Premiere hat, sucht Regisseur Günter Krämer hagere männliche Statisten ab 65 Jahren, die bereit sind, bei den Proben und Vorstellungen nackt aufzutreten. ...
    Werk und Komponist sind mir unbekannt.


    Die Strategie wird aber immer bekannter. Wird 2008 das Opernjahr der nackten Alten?


    :hello: Rideamus

  • Kurznotiz zum Thema Wortdeutlichkeit:
    War gestern in der WSO im Rosenkavalier, dank des Dirigates von Runnicles ein durchaus netter wenn auch nicht aussergewöhnlicher Abend. Ärgerlich war die Besetzung der - an sich ja eher kleinen Rolle - des Faninal mit Alan Opie. Auch nicht-native Speaker könnten eine Rolle zumindest phonetisch lernen (was z.B. auch bei Jane Archibald als Sophie zu bemerken war), was Faninal gestern sang bleibt ein Geheimnis. Auch stimmlich schrecklich - da sollte man doch im Bestand der Staatsoper bessere Leute haben. Dabei glaube ich mich zu erinnern dass mir Alan Opie vor einigen Jahren als Balstrode im Peter Grimes ganz gut gefallen hat.
    Der Rest des Abends ist rasch berichtet. Ricarda Merbeth war stimmlich ganz gut aber darstellerisch ist sie von der Fürstin Resi leider noch weit weg. Sie war eine perfekte Daphne, als Marschallin fehlt ihr noch die Persönlichkeit. Wolfgang Bankl aus dem Hausensemble mag an kleineren Häusern einen erfolgreichen Baron Ochs abgeben, im grossen Haus fällt das Fehlen einer profunden Tiefe aber sehr schmerzlich auf. Darstellerisch ist er der Rolle noch nicht wirklich nahe gekommen. Bleibt der immer wieder erfreuliche Oktavian der Angelika Kirchschlager. Man ging also trotz mancher Widrigkeit zufrieden nach Hause.
    LG
    Isis

  • Gestern erlebte ich einen Opern-Nachmittag, der mich so sehr begeisterte und anrührte, daß ich hier eine Lobeshymne anstimmen werde:


    Das Theater der Stadt Heidelberg präsentierte - nach durchaus gelungenen Neuinszenierungen des "Don Giovanni" und "Le nozze di figaro" in den letzten Jahren - ein weiteres Mozart-Opus: "Idomeneo - re di Creta".


    Um die Lichtpunkte der Aufführung (die Premiere war am 28.03.08) an den Anfang zu setzen: Die drei Rollen des Idamante (Jana Kurocová), der Ilia (Silke Schwartz) und Elettra (Maraile Lichdi) waren wunderbar besetzt: optisch - aber vor allem stimmlich! Solide auch Idomeneo (Winfrid Minkus) und Arbace (Emilio Pons) - mitreißend dabei die Heidelberger Philharmoniker mit dem erst 28jährigen GMD Cornelius Meister (von dem hier das Gerücht umgeht, daß er vermutlich nicht mehr allzulange in Heidelberg zu halten sein wird...). Dabei hatte ich noch die wunderbare Gardiner-Einspielung im Ohr und konnte gestern keine Einbuße feststellen. Kraftvoll mit Verve, feinfühlig in den leiseren Passagen - ich war überwältigt! Und im Terzett "Pria di partir, oh Dio!" (Idamante, Elettra, Idomeneo) und Quartett "Andró ramingo e solo" (Idamante, Ilia, Idomenei, Elettra) hatte ich das Gefühl, schöner und anrührender geht es gar nicht.


    Zur Inszenierung: Die Regisseurin setzte ganz auf die darstellerischen Fähigkeiten der jungen Sänger/innen - und auf die Musik Mozarts! Dazu paßte ein Bühnenbild, das an Requisiten nur das Nötigste zeigte, mit immer wieder offenem Blick des unverstellten Bühnenhintergrunds - das Bühnenbild durchsetzt mit abstrakten Elementen, die sich einer historisierenden Zuordnung verweigern -, so etwas wie Brechtsches Theater. Die Darsteller in heutiger Bekleidung, kein Bezug auf die mythische Welt oder die Zeit Mozarts, allerdings auch ohne sichtbare Anspielungen auf gegenwärtige Ereignisse oder Themen: Es war allein das lebendige Spiel der schauspielernden Sänger - Klasse!


    Poseidon kam nur in der Reflexion der Beteiligten vor, folgerichtig, daß Idomeneo selbst die Stimme übernimmt, die am Ende mit dem erlösenden Spruch das glückliche Ende herbeiführt: die Vernunft kommt nich von außen, sondern aus dem Menschen selbst. Eine weitere Abweichung vom Libretto: Elektra kommt am Ende noch einmal zurück, um selbst der glücklichen Ilia das Brautkleid zu überreichen.


    Auch die Chorszenen überzeugten mich: Es gab kein Seeungeheuer: Allein in der Choreographie der kollektiv Strauchelnden und Taumelnden wurde der Schrecken sichtbar.


    Um eine solche Idee - konsequentes Vertrauen auf die Handelnden selbst - zu realisieren, braucht es natürlich das richtige Personal. Und das war gestern zu erleben.


    Fazit: Es war ein zutiefst beglückender Mozart-Nachmittag. Wer es selbst überprüfen mag, sei an mehrere Aufführungen im Mai verwiesen.


    Nachklang: Die Regisseurin Arila Siegert äußert sich im Programmheft zu ihrer Inszenierung:


    Der Krieg, den wir selber anzetteln mit uns selbst, der Krieg zwischen den Vätern und den Söhnen und den Müttern und den Kindern, zwischen Jung und Alt - das ist ein Konflikt, den ich versuche an derHaut der Figuren abzuhandeln. Idomeneo ist ein Stück, in dem es um solche seelischen Zustände geht. Und die Musik ist das Medium, das die seelischen Zustände am deutlichsten reflektiert. Ich wollte das nicht theatralisch ansetzen, sondern den Ausgangspunkt sinnbildlich im Orchster haben. Ich entwickle das Drama aus der Musik und will durch das Hören das Sehen sensibilisieren.


    Ich finde, der Regisseurin ist das gut gelungen.

  • Traviata Wiener Staatsoper 23.4.08


    Endlich mein erstes persönliches Rencontre mit Piotr Beczala :)
    Gestern abend hat er (spät aber doch) Alfredo in der Traviata an der WSO gesungen. Ich war schon sehr neugierig da ich diesen Sänger bislang nur aus kurzen Fernsehausschnitten und schwärmerischen Berichterstattungen in div.Opernzeitschriften kannte.
    Also - er wird mir ans Herz wachsen! Obwohl er sichtlich noch nicht ganz fit war (die erste Aufführung der Serie hat er abgesagt) eine wunderschöne Strimme, ich hab nur noch nicht ganz herausgefunden wie er es macht - technisch scheint die Stimme keinen wirklichen Kern zu besitzen, trotzdem klingt er wunderschön. Glückliches Zürich ;)
    Sehr gut gefallen hat mir auch Zeljko Lucic als Vater Germont, er hat eine wenn auch ungeschliffene, so doch beeindruckende Stimme die mir timbremäßig sehr gefällt. Vom Publikum leider meist unterbewertet, von mir jedoch ausserordentlich geschätzt, Krassimira Stoyanova als Violetta. Es ist sicher nicht ganz ihre Rolle, vor allem der erste Akt nicht, aber sie hat ein so wundervolles Timbre dass einem jedesmal das Herz aufgeht. Sie hat keinerlei Starallüren, daher ist die Reaktion des Publikums meist zurückhaltender als der Leistung angemessen wäre.
    Wäre nicht das langweilige, zerdehnte Dirigat (Palumbo) zu bemänglen könnte ich sagen meine erste Begegnung mit Beczala hat in würdigem Rahmen stattgefunden.
    LG
    Isis


    P.S. Sorry Gurnemanz, ich hab den reply auf den Idomeneo/Heidelberg erwischt, wollt eigentlich zu Re:Kurznotizen aus den Opernhäusern.

  • Na, dann freue ich mich auf die Samstag-Traviata! Ich habe Beczala ja schon einige Male gehört, allerdings noch nie an der WSO. Lucic hat mir vorige Woche ausgezeichnet gefallen, er hat für mich eigentlich den Abend gerettet, denn über Chungs Alfredo breite ich lieber den Mantel des Schweigens, und Krassimira Stoyanova ist so eine Sache: Stimmlich finde ich sie wunderbar, aber ansonsten langweilt sie mch einfach. Daher gefiel sie mir bisher am besten als Desdemona, wo ja schon die Rolle passiv angelegt ist, aber Violetta ist sie für mich einfach keine. Für mich ist sie das weibliche Pendant zu Botha: beide höre ich wahnsinnig gerne, aber ich muss ihnen bei dem, was sie auf der Bühne tun (oder meistens, besonders im Falle Bothas, eben nicht tun) nicht zwingend zuschauen. Also klassische Hörplatzkandidaten ;)
    lg Severina :hello:

  • Leider nicht ganz unrichtig, Stoyanova ist nicht wirklich "spannend" aber ich finde ihre Stimme so schön dass ich ihr das nachsehe. Zu Botha hab ich ein sehr gespaltenes Verhältnis, im deutschen Fach ist er momentan trotz seiner enormen "Bühnenstatik" sicher einer der besten. Im italienischen Fach mag ich ihn gar nicht, Geschmacksache. Am ehesten gefallen hat er mir in den Vespri Siciliani, als Otello oder Cavaradossi muss ich ihn nicht haben, total senza italianitá (beim Otello liegts aber auch an mir - ich halt die Mielitz-Inszenierung nicht aus, bin meist in den oberen Rängen, das permanente violette bzw. weisse Gegenlicht aus dem "Boxring" führt spätestens im dritten Akt zu Sehstörungen und Kopfweh).
    LG
    Isis

  • Am Sonntag Abend war in Frankfurt Premiere von Leos Janaceks später Oper "Die Reisen des Herrn Broucek auf den Mond und ins 15. Jahrhundert" mit folgender Besetzung:


    Musikalische Leitung Johannes Debus
    Regie Axel Weidauer
    Bühnenbild Moritz Nitsche
    Kostüme Berit Mohr
    Dramaturgie Zsolt Horpácsy
    Licht Joachim Klein
    Chor Alessandro Zuppardo

    Broucek Arnold Bezuyen
    Mazal / Blanktyny / Petrik Carsten Süß
    Málinka / Etherea / Kunka Juanita Lascarro
    Sakritán / Lunobor / Domsik Simon Bailey
    Würfl / Caroskvouci / Schöffe Gregory Frank
    Piccolo / Wunderkind / Scholar Anna Ryberg
    Komponist / Harfoboj / Miroslav Peter Marsh
    Maler / Duhoslav / Vojta Michael McCown
    Dichter / Oblacny / Vacek Nathaniel Webster
    Kedruta Yvonne Hettegger
    Svatopluk Cech Frank van Aken


    Der Chor der Frankfurter Oper befindet sich mittlerweile auf einem - vor allem im Vergleich zu ihm selbst vor drei, vier Jahren - Tiefpunkt. Unmotiviertes, undifferenziertes, unsauberes Singen und lustloses Spiel. Nicht wiederzuerkennen ist dieses Ensemble, das einst z.B. in Cardillac mit perfekter choreographischer Disziplin und nicht minder eindrucksvollen sängerischen Leistungen prunken konnte. Ähnlich indisponiert das Orchester unter der pauschalen Leitung des oben ersichtlichen Herrn. Immerhin: sie waren nicht zu laut, dafür des Öfteren ziemlich weit vom Schuss, intonatorisch wie rhythmisch. Von Klangkultur (soll ja bei Janacek gar nicht so unwichtig sein...) keine Spur.


    Sängerisch gebührt meine ganze Hochachtung Herrn Bezuyen, der sich dieser herkulischen Partie- er ist die ganze Oper hindurch ununterbrochen auf der Bühne - mit vollem Einsatz und großem Erfolg voll gewachsen zeigte. Erschütternd war dagegen die Wiederbegegnung mit der einst bezaubernd schwerelos, rund und klar singenden, mit blühender Grazie spielenden Juanita Lascarro: eine in der Höhe gepresste, fahl gewordene, schwer strapazierte Stimme, die unter der Überlastung durch die Vielzahl ihrer sängerischen Verpflichtungen an der Frankfurter Oper zusammenzubrechen droht.


    Der Rest der Sänger war solides Mezzoforte ohne auch nur den Versuch, Linien zu bilden.


    Regie: gemäßigt "modern", dabei geistlos verkrampft und unklar.


    Aber: welche Musik, welch ein Stück - welch Erlebnis! Janacek treibt uns durch die Wechselbäder einer in einer Prager Kneipe beginnenden, über den Mond und die Hussitenkriege in die Mülltonne führenden Odyssee des seine Knackwürste und sein Bier noch deutlich über die schwellenden Formen seiner Haushälterin liebenden Hausbesitzers Broucek. Herrlich, wie er sich auf dem Mond wiederfindet, wo zwar von vollfleischigen Primitivkapitalisten keine Spur zu finden ist, dafür die reine Künstlergesellschaft ziemlich "mondsüchtige" Züge trägt. Auch in der heldenhaften alten Zeit findet Janacek einen Standpunkt, der ihm zu gleicher Zeit ein monumentales Schlachtenepos und dessen ironische Brechung zu gestalten erlaubt, wobei sich in der Figur des Broucek sowohl ein überlegener Blick wie inferiores Kriechertum zu einer wahrhaft grotesken Mischung verbinden.


    So wird denn niemand geschont, Lösungen gibt es keine, aber viel in magische Klänge gehüllte Anlässe zur Selbstreflexion. Vor der Gewalt dieses Stückes verblasst die Aufführung zum bloßen Anlass, zur akustischen Krücke einer mehr als hörenswerten künstlerischen Aussage.


    :jubel: :jubel: :jubel:


    Aus der kunsthedonistischen Fankurve grüßt
    Flo

    "Dekonstruktion ist Gerechtigkeit." (Jacques Derrida)

  • Danke für den informativen Bericht.


    Tja, den Frankfurter "Broucek" hatte ich eigentlich im Visier - als eingefleischter Janácek-Fan, der ebendieses (zu Unrecht) selten gespielte Werk vor Jahren in Heidelberg begeistert erleben konnte - was übrigens damals meinen Glauben, Wagner sei der größte Musikdramatiker aller Zeiten, nachhaltig erschütterte, bis heute. (Ich meine nicht nur den "Broucek", sondern das Opernschaffen Janáceks insgesamt, mit dem ich damals bekannt wurde.)


    [zitat]Original von Barockbassflo
    Unmotiviertes, undifferenziertes, unsauberes Singen und lustloses Spiel. Nicht wiederzuerkennen ist dieses Ensemble [...]. Ähnlich indisponiert das Orchester unter der pauschalen Leitung des oben ersichtlichen Herrn. Immerhin: sie waren nicht zu laut, dafür des Öfteren ziemlich weit vom Schuss, intonatorisch wie rhythmisch. Von Klangkultur [...] keine Spur. [...]
    Der Rest der Sänger war solides Mezzoforte ohne auch nur den Versuch, Linien zu bilden.[/zitat]
    Das klingt ja gar nicht gut.


    Nun überlege ich mir ernsthaft, ob ein Besuch in Frankfurt überhaupt noch lohnenswert wäre... die haben doch eigentlich mehr drauf... ich erinnere mich beispielsweise an eine wirklich eindrucksvolle "Kat'a Kabanova"...

  • Die 80. Aufführung der Produktion von Pier Luigi Pizzi fand an einem heißen Frühsommertag statt und das Staatsopernorchester durfte Sakko-frei musizieren, unter der bewährten Leitung von Marco Armiliato, der souverän wie meistens durch das spanische Sittendrama führte. Ich bin gespannt, ob er einmal die Möglichkeit haben wird, auch für eine Premiere verantwortlich zu sein – verdient hätte er es alle Mal! In der Eröffnungsszene ging er es lautstärkemäßig etwas forsch an, doch mit Fortdauer der Aufführung ergab sich eine schöne Harmonie zwischen Orchestergraben und Bühne.


    Die Inszenierung (bzw. das, was nach den Jahren davon übrig geblieben ist) lässt den Darstellern doch einigen Spielraum zur Entfaltung, was allerdings nicht immer angenommen wurde. So kam es phasenweise zum „Rampensingen“, andererseits hatte man das Vergnügen, den Posa der Vorstellung nach erfolgtem tödlichen Schuss aus dem Hinterhalt sich an eine Körperstelle greifen zu sehen, die – wenn getroffen – nur in dem Falle tödlich ist, wenn unter Umständen die Bauchaorta in Mitleidenschaft gezogen wird…


    Dies alles konnte aber den wirklich guten Gesamteindruck nicht trüben. Franco Farina verkörperte glaubhaft den Titelhelden, er hat eine gute und offene Höhe, mit Fortdauer der Aufführung neigte er etwas zum Forcieren, konnte aber auch die lyrischeren Passagen schön phrasieren.


    Ein sehr nobler, sangesdeutlicher Posa war Thomas Hampson, den wir nicht mehr oft in Österreich hören werden – zu sehr haben ihm die Querelen um den Fall Herberstein persönlich zugesetzt, wie er nach der Vorstellung sagte. Es ist eine seiner besten Rollen und er geht ganz in der Persönlichkeit des Idealisten auf. René Pape andererseits ist ein sehr jugendlicher Filippo II. Ich bin sehr gespannt, wie er den Part in 10 – 20 Jahren gestalten wird. Seine Stimme ist noch etwas jugendlich, die Tiefen sind noch nicht so ausgeprägt. Allerdings konnte er wirklich sehr glaubwürdig die Frustration ob der nicht vorhandenen Liebe seiner Frau zu ihm gestalten. Zur Zeit ist sein Filippo noch mehr enttäuschter Ehemann denn absoluter Herrscher.


    Die Kritik nach der ersten Vorstellung dieser Serie über Stefan Kocán war nicht gerade enthusiastisch, daher war ich um so angenehmer überrascht, den jungen Bass zu hören. Seit seinem Staatsoperndebüt als Komtur ist seine Stimme breiter geworden, er hat die notwendigen tiefen Töne drauf – und da auch der König ein jugendliches Timbre hatte, war die gemeinsame Szene sehr harmonisch. Janusz Monarcha konnte nicht ganz an die Leistungen der anderen Sänger anschließen, sein Mönch war wenig überzeugend. Auf der anderen Seite bewies Gergely Németi in seinen Kurzauftritten als Herold und Lerma sein Talent und Potential.


    Einen hervorragenden Gesamteindruck hinterließen die Damen des Abends, allen voran Luciana D’Intino als Eboli. Sie wird wahrscheinlich nicht mehr eine überragende Schauspielerin, doch das ist in Anbetracht ihrer Persönlichkeit und Stimmführung wirklich nebensächlich. Sie erhielt den größten Publikumszuspruch während der Vorstellung. Elisabetta wurde glaubhaft von Norma Fantini dargestellt, die eine ihrer besten Leistungen seit einiger Zeit ablieferte. Als Tebaldo reüssierte wieder einmal die junge und hochbegabte Laura Tatulescu, die Damenriege komplettierte als Stimme vom Himmel die verlässliche Simina Ivan.


    Der von Thomas Lang einstudierte Staatsopernchor war ein weitere Pluspunkt der Vorstellung – besonders die Damen wussten da zu überzeugen.


    Im Rahmen dieser Vorstellung wurde Dr. Georg Springer zum Ehrenmitglied der Staatsoper ernannt und nahm die Auszeichnung als spanischer Grande entgegen – nach dem Motto „Back to the roots“ war er wieder wie dereinst als Statist beim Autodafé tätig.


    Alles in allem zeigte die Wiener Staatsoper wieder einmal, zu welcher Qualität dieses Haus auch bei einer Repertoirevorstellung fähig ist und entließ ein Publikum, dass von den Leistungen auch hörbar sehr angetan war, in den nächtlichen Platzregen, der pünktlich bei Vorstellungsende über die Innere Stadt nieder ging.

    Hear Me Roar!

  • Hallo,
    ich bin neu hier und habe bisher wenig über Hamburger Inszenierungen gelesen. Ich war am 14.06.08 in Turandot und es hat mir so gut gefallen, dass ich eine Woche später, am 21.6. noch einmal hingegangen bin.
    Zunächst hat mich das Bühnenbild, die Kostüme (Mit Ausnahme der beiden Hauptpartien: Turandor hatte 2 Kostümwechsel und warum sie im letzten Akt ein rotes Nicki-Kleid anhatte, verstehe ich nicht. Es sah genau so billig aus, wie der Karnevallsumhang vom Prinzen Kalaf und der weiße Schlafanzug vom Kaiser. Toll jedoch der Chor, Timur, Ping, Pang, Pong und Liu) und die Gestaltung des Chores außerordentlich beeindruckt.
    Zum Bühnenbild: Im Hintergrund die Treppe zum Palast die Bluttriefend an der obersten Stufe zum Plasttor an beiden Seiten mit aufgestapelten Totenschädeln umfasst war. An der linken und rechten Seite jeweils zwei Treppen und Senkungen über die eine Brücke zur Treppe führt. Oberhalb des Palasttores eine Palastfenster in dem im ersten Akt Turandot im zweiten Akt der Kaiser und im dritten Akt der Henker (was ich aber nicht nachvollziehbar fand) erschienen sind. In diesem Bühnenbild spielt – mit Ausnahme des 2. Bildes (Ping, Pang, Pong Szene) – die gesamte Oper. Bühnenbild und Chorkostüme und Maske stellen ganz auf die Schreckensherrschaft Turandots ab. Bluttriefend, der Chor mit Totenschädelmasken und Ketten, die Hände flehend haltend und auf voller Verzweiflung dem Mond entgegensehnend. Überhaupt fand ich den Mondaufgang am ergreifensten.
    Musikalisch, bzw. gesanglich war an beiden Abenden der Chor phantastisch und ebenfalls an beiden Abenden die Besetzung der Liu (leider finde ich den Namen gerade nicht). Ich schätze aber, dass es auch an der dankbaren Rolle liegt. Carl Tanner als Prinz Kalaf fand ich OK bis gut, allerdings war er im Ensemble mitunter nicht zu hören. Am zweiten Sonnabend gefiel mit Alexander Tsymbalyuk als Timur auch sehr gut. Der erste Sonnabend war für Elizabeth Connell als Turandot nicht so gelungen. Entsprechend war am Schluss auch der Applaus. Am zweiten Sonnabend war sie dagegen herausragend und zwar gerade auch im Spiel. Ich hatte mich am ersten Abend noch gefragt, warum die Oper nach einer Nebenrolle benannt ist (was natürlich übertrieben ist, ich meinte damit, dass ich sie stellenweise auf der Bühne „vergessen“ hatte), so konnte ich sie am zweiten Sonnabend nicht aus den Augen lassen. Sie war absolut präsent, sogar dann wenn sie nicht gesungen hat. Und gesungen hat sie wirklich klasse. Am ersten Abend fand ich, dass die Metamorphose vom Splattermonster zur liebenden Braut noch etwas zu schnell ging. Beim zweiten Sonnabend war es besser, aber ich glaube das diese Metamorphose durch den Kuss das Kernproblem der Story, die schwierigste Aufgabe jeder Inszenierung und das größte Problem des Nachlasses von Puccini ist. Trotz allem es waren zwei tolle Abende mit tollen Sängern: Hatte am ersten Sonnabend die Liu-Besetzung noch als einzige Brava-Rufe aus dem ganzen Haus, so war Elizabeth Connell am zweiten Abend der herausragende Star.


    Die Inszenierung war etwas statisch. Kalaf stand oft nur herum und wartete auf seinen Einsatz. Besser kann man sicherlich auch die "Folterszene" machen. Das Solo-Trio - die ich in meinem Lob vergessen habe, sie waren auch toll - hatte ein paar seltsame Auftritte. Ich fand den Auftritt aus einer Kiste heraus nicht lustig, aber wems gefällt... Der Altoum war von seinem Standort 10 m über der Bühne kaum zu hören und hatte offensichtlich auch Schwierigkeiten mitzusingen. Ich habe ihn aber bewundert, dass er den ganzen Akt vor dem tiefen Abgrund stand.


    Mein letztes Wort gilt dem Orchester: Wenn auch die Leistungen der Sänger in Hamburg schwanken, vom Orchester war ich noch nie enttäuscht. Und nächste Spielzeit gehe ich vielleicht noch mal in Turandot.

  • Die Hamburger Staatsoper und das Theater Lübeck haben für die laufende udn die beiden folgenden Spielzeiten die gleiche Idee: den "Häppchenring", also in dieser Spielzeit Rheingold, in der nächsten dei Walküre usw.


    Während ich mich immer noch wundere, warum es keine Absprachen zwischen den Häusern gibt, freu ich mich über dei Möglichkeit eines Inszenierungsvergleiches eines kleinen (aber feinen) und eines großen Hauses.


    Dabei kommt Lübeck bei der Inszenierung gut weg. Ein pfiffiges Bühnenbild, der Grund des Rheines hat Rutschen auf denen die Töchter des Rheines hinabgleiten. Man sieht auch das Ufer in Form einer Kaimauer. Auch die Wiese vor Walhall fand ich überzeugend. Auch hier mehrere Ebenen die teilweise nur schwierig überwunden werden konnten. Die Riesen als Bauarbeiter mit Baucontainern. Ich fand auch Nibelheim überzeugend.


    Dagegen war das Bühnenbild in Hamburg die Rheinszene schon fast ärgerlich. Das Konzept war, dass die Götterfamilie ein großes Haus bewohnt. Die Wiese ist dabei der Dachboden des Hauses, wo eine gigantische Modelllandschaft stand (was ich gut fand), im Hintergrund das Fenster wodurch am Schluß die Familie zur Burg abtritt. Nibelheim lag im Heizungskeller, was ich sehr stark fand. Ärgerlich, weil mit Gewalt ins Konzept gepresst, die Anfangsszene. Die Töchter des Rheines im rosa Babydoll im Fluß-BETT. Das fand ich blöd. Auch das immerhin Titelgebende Rheingold, war erst ein goldener Schal, dann 20 Koffer und dann eine Ansammlung von Zetteln. Naja, was solls. Da muß man als Hamburger eben durch.


    Die Inszenierung war in beiden Fällen aber gut. Die Figuren wurden gut geführt, keiner stand einfach nur rum und alle Details wurden sinnvoll eingebaut. Lübeck war etwas simpler und näher an der Ursprungsstory. Wotan schleppt seinen Speer mit sich herum und hat seine Augenklappe. Alberich verwandelt sich durch Umdrehen und Jacke ausziehen in den Drachen. Marylin Freia wird in den Baucontainer eingesperrt und am Schluß fahren die Götter mit einer Baubühne hoch zur Burg. Das war gut rund und überzeugend. Hamburg war etwas gewollt, hatte aber mit der Nibelheim-Heizungskeller Szene die stärkste Idee: Die Verwandlung mit "Dampf" und Heizungsrohr. Das war Klasse und sher stark. Auch auf die Nibelungen wurde verzichtet.
    Überragend und beeindruckend ist für mich jedoch der Hamburger Anfang: Das Theater ist stockfinster. Auch im Orchestergraben ist kein Licht. Aus dem Nichts beginnt das Vorspiel und man sieht nur den kleinen roten Punkt auf dem Taktstock. Nur Musik und der kleine rote Punkt. Das hat mich so beeindruckt, dass ich manchmal davon träume. Mehr später..

  • Der Lübecker Orchestergraben ist für das Ringorchester zu klein und, ich bedauere es sagen zu müssen, das Werk für das Orchester zu groß. Der erste Aufzug war leider mißlungen, weil wohl nicht genug geprobt. Es wurde mit Laufe des Stückes zwar besser, aber die Klarheit Hamburgs erreicht Lübeck leider nicht. Vielleicht habe ich auch besser hingehört und war besser auf Hamburg eingestellt: Ich konnte die Motive in Hamburg klarer erkennen und es gab auch keinen Wettkampf zwischen Sängern und Orchester.
    Als bekennender Simone Young Fan - und da bin ich in Hamburg nicht der einzige: Am Schluß gab es SIMONE, SIMONE-Rufe - glaube ich natürlich fest daran, dass es ihr Verdienst ist. Gut war allerdings das Hamburger Staatsopernorchester schon immer.


    Bei den Sängern fand ich in Lübeck Antonio Yang als Alberich und Veronika Waldner als Erda herausragend. Ausfälle gab es zwar nicht, aber in den Vordergrund haben sich Donner, Froh und Freia nicht gesungen.


    In Hamburg waren alle Partien ausgezeichnet besetzt und gesungen. Super war Falk Struckmann als Wotan, Jürgen Sacher als Loge, Alexander Tsymbalyuk als Fafner und die Töchter des Rheins (Woglinde: Ha Young Lee, Wellgunde: Vida Mikneviciute und Floßhilde: Ann-Beth Solvang). Wolfgang Koch hatte als Alberich nicht die gleiche Präsenz wie Antonio Yang in Lübeck, auch Patrick Busert hat mir als Mime in Lübeck besser gefallen als Jürgen Sacher in Hamburg, wobei beide wirklich ausgezeichnet gespielt und gesungen haben.


    Zusammengefasst: Lübeck war kurzweilig, stimmig und hatte tolle Darsteller (Antonio Yang, Patrick Bussart und Veronika Waldner). Hamburg hatte die größeren Höhen (rote Punkt und Heizungskeller, Orchester) und blöderen Ideen (rosa Babydoll und Fluß-BETT). Die Inszenierung ist ein (knapper) Punktsieg für Lübeck und die Musik geht eingeutig nach Hamburg. Ich bin froh beides gesehen zu haben.


    Ich freue mich schon auf die nächste Spielzeit. Natürlich gehe ich noch einmal in Rheingold und freue mich schon darauf, dass Veronika Waldner die Fricka singt und natürlich besonders auf den roten Punkt.


    Für die Walküre in Hamburg habe ich eine der letzte 4 Premierenkarten und für die Walküre in Lübeck noch nicht.
    Ich kann es kaum erwarten...

  • Hallo, JL,


    kannst Du bitte zukünftig Deine Beiträge als neue Themen unterhalb von "Gestern in der Oper" einsortieren, und dabei darauf achten, die "Form" zu wahren ;-)


    so, wie im Thread "Nutzbarkeit erhöhen" beschrieben:


    http://www.tamino-klassikforum.at/thread.php?threadid=7786


    Danke!


    Dann gehen Deine Beiträge nämlich nicht unter, und man kann besser darauf antworten... ;-)


    Ein ganz herzliches Willkommen an Dich!


    Liebe Grüße,


    Matthias


    P.S.: Vielleicht kann ein netter Moderator das nachholen?

  • Dank für die Hinweise. Eigentlich wollte ich ja auch nur 4 Sätze schreiben und da hätte es gepasst. Es wurde dann aber immer länger.
    Aber ich habe ja in dieser Spielzeit noch mehr gesehen und schreibe dazu auch noch.

  • Ich lege meinen Text zum Ring neu an. Villeicht kann ein Admin ja meine beiden Beiträhge löschen. Oder auch nicht.

  • Im Herbst letzten Jahres war ich im Rosenkavalier. Unter der musiklaischen Leitung von Simone Young haben wir einen schönen, spannenden, musiktrunkenden Abend erlebt.
    Später habe ich gelesen, dass die Inszenierung bereits in mehreren Häusern gelaufen ist. Ich weiß zwar nicht wo das Problem dabei sein soll, denn wenn etwas gut ist und funktioniert, warum den nicht auch woanders laufen lassen? Inszenierung, Bühnenbild und Licht stammen von Marco Arturo Marelli und ich fand das ganze sehr überzeugend. Die Bühne lief langsam von rechts nach links und ein riesieger Spiegel betonte die Wandlung. Mir gefiel das sehr. Die Übergabe der Rose wurde als "Zeitlupenballett" gespielt: Klasse!
    In der Wirtshausszene im 3. Akt wurde mit Paravants und Pappwänden gearbeitet. Auch das fand ich gut. Und immer lief der Boden weiter. Angenehmer Nebeneffekt: Wollten die Darsteller nicht von der Bühne gefahren werden mußten sie in Bewegung bleiben.
    Ich habe aber gar nichts zu mäkeln. Der Gesang war genau so gut wie das Orchester. Allen voran die Marschallin (ich glaube Melanie Diener), der Octavian (?) und die Sophie (Ha Young Lee). Das Terzett im 3. Aufzug war zum heulen schön.
    Auch wenn ich gesteinigt werden sollte: Ich finde, dass der eine oder andere kühne Strich das Stück verbessern würde.

  • Meine erste Oper in dieser Spielzeit 07/08 mit einem interessanten Bühnenbildkonzept: Riesige Kästen stellten die verschiedenen "Erzählungsorte" dar. Das hat gut im Olympia- und im Antonia-Bild funktioniert. Im Giulietta-Bild hat sich mir der Sinn der Bewegung des Kastens verschlossen.
    Olympia war eine Marylinfigur, die aufgeblasen und nicht aufgezogen wurde. Das hatte nicht nur Witz, ich fand auch dadurch die Begierde Hoffmanns überzeugend.
    Der Antonia-Kasten stellt Intimität her. Das ermöglichte Konzentration und ein detailliertes Spiel. Auch die Spiegelszene war gut gelöst.
    Vom Giulietta-Bild habe ich nur ein großes undurchschaubares Durcheinander im Kopf. Der drehende Kasten und das Suchen "wer singt den jetzt gerade?" waren für mich völlig unverständlich. Gott sei Dank hatte ich den Opernführer und das Programmheft gelesen. War ja auch im Grunde egal was da passiert ist, Hoffmann scheitert wieder in Herzenssachen, erst in den Erzählungen, dann in Luthers schicken und stylischen Yuppiebar.
    Gesungen und gespielt wurde im übrigen auch vorzüglich. Die Besetzungsliste habe ich nicht mehr, aber die Frauenpartien waren mit einer Dame besetzt, die es im Spiel und Gesang sehr gut gemacht hat.
    Es hat mir insgesamt gut gefallen, aber nochmal gehe ich in dieser Inszenierung nicht hin, obwohl mich die Besetzung Olympia: Ha Young Lee und Giulietta: Miriam Gordon-Stewart (Das ist die tolle Liu, deren Namen mir entfallen war, s.o.) reizen würde.

  • Ich habe soeben erfahren, daß es in Münsters Opernhaus einen Brand gab.
    Der Schaden soll bei etwa 500.000 Euro liegen, die Seitenbühne ist abgebrannt und das Löschwasser hat den Bühnenboden zerstört.


    Der Orchestergraben soll auch noch etwas unter Wasser stehen und der Beginn der Spielzeit wird sich vermutlich um einen Monat verzögern.


    Ich fahre die Tage mal hin und schaue mir die Bescherung an..............


    LG,
    Michael

  • Das bedeutet natürlich, daß die Turan@dot.com Premiere nicht stattfinden kann.
    Hoffentlich wird dann nicht alles nach hinten hin noch enger, denn wir sind eh am Limit und mein kleiner bescheidener Abstecher nach Japan im Oktober, der bisher ohne Probleme möglich war, ist auch in Gefahr.



    Wir hatten hier schon mehrere Wassereinbrüche, der letzte liegt gerade einen Monat zurück.
    Unsere Stimmzimmer sind seitdem nicht mehr benutzbar gewesen, da stinkend und warscheinlich mit Schimmelbefall behaftet.


    Warscheinlich ist es jetzt noch schlimmer und ich fürchte, daß dies wieder nur behelfsmäßig repariert wird.


    Ihr könnt euch überhaupt nicht vorstellen, wie groß der Unterschied ist zwischen unseren wirklich stinkenden, verdreckten und abstoßenden Stimmzimmern und Klos im Untergeschoss nahe dem Orcherstergraben und den völlig neu renovierten und blitzeblanken Arbeitsunterkünften im 2.Stock bei der Intendanz für die Verwaltung.


    Es stinkt wirklich zum Himmel, auch der Orchestergraben, und es ist nicht mehr ertragbar.
    Kollegen melden sich krank mit Asthmaanfällen und ähnlichem.


    Wenn jetzt auch noch Löschwasser da unten reingeschwappt ist, dann gute Nacht.


    Zum Glück sind jetzt Ferien............


    LG,
    Michael

  • Zitat

    Original von Michael Schlechtriem
    Es stinkt wirklich zum Himmel, auch der Orchestergraben, und es ist nicht mehr ertragbar.


    Solange die üblen Düfte nicht in Zuschauerraum und Foyer dringen ...


    Nein, im Ernst, lieber Michael, ich drücke Dir und Deinen Kolleg/innen die Daumen, daß Ihr bald würdigere Arbeitsbedingungen bekommt - manchmal hat so eine Brandkatastrophe ja auch ihr Gutes, dann nämlich, wenn alle Beteiligten, auch die, die am Geldhahn sitzen, gerade die, merken, daß es so nicht mehr weitergeht und doch Neues her muß... So ähnlich läuft es gerade in Heidelberg - nachdem vor Jahren aus feuerpolizeilichen Gründen das Theater für ein paar Wochen dichtgemacht wurde und daraufhin das öffentliche Intreresse erwachte.


    Es muß also immer etwas passieren, das niemand übersehen kann. In diesem Sinn: Euch Münsteraner/innen viel Glück und Erfolg!

  • Meine Mutzter hat Karten für die Schloßfestspiele in Schwerin. Das ist eine Openair Openaufführung und dieses Jahr wird Carmen gegeben.
    Meine Mutter nimmt mich als Begleutung mit. Sicherlich müssen unter freiem Himmel Abstriche bei Musik und Gesang gemacht werden. Trotzdem freue ich mich.
    Ich habe die Besprechung in den Lübecker Nachrichten gelesen und die war ziemlich gut. Die Kulisse ist - den Bildern auf der Homepage zu folge - beeindruckend. Über die Besetzung usw. weiß ich noch nichts und bin gespannt.
    Die Aufführung ist direkt vor dem Schweriner Schloß und auf einer (halb?) Insel im Schweriner See. Alleine das ist schon die Fahrt wert. Das Schloß ist zwar nicht unbedingt in einem einheitlichen Baustil (das Gegenteil ist der Fall), aber es sieht trotzdem toll aus.
    Mir gefällt Carmen, auch wenn man die ganze Oper in Häppchen schon tausendmal gehört hat. Ich finde gerade die Figuren Klasse. Carmen ist eine selbbewusste Frau, die ihren Willen durchsetzt auch wenn sie es am Schluß nicht überlebt. Sonderlich viele solcher Frauen kommen in Opern ja nicht gerade vor.
    Ich werde übermorgen berichten.

  • http://www.theater-schwerin.de/repertoire/MT_1181139190.html


    Interessant, ich entdecke zu meiner Überraschung und Freude Judith Kubitz unter den Dirigenten.
    Wußte überhaupt nicht, daß sie jetzt in Schwerin ist.
    Sie ist eine fabelhafte Dirigentin, die einmal bei uns gastierte als Stipendiatin des deutschen Musikrates, und der ich seitdem eine große Karriere wünsche.


    "http://www.dirigentinnen.de/1kubitz.htm"


    Zitat

    Ich finde gerade die Figuren Klasse. Carmen ist eine selbbewusste Frau, die ihren Willen durchsetzt auch wenn sie es am Schluß nicht überlebt.


    Ja, das hat sie davon...... :D :stumm:

  • Ich möchte vorweg schicken, dass ich trotzdem sehr angetan war: Das Bühnenbild war groß und passte gut ins das Konzept. Carmen in Bildern, Kostümen und einer Kulisse die von heute stammen könnte. Das war wirklich großartig.


    Aber....leider hat es kurz vor der Ouvertüre angefangen zu regnen und hat im Grunde die ganzen 3,5 Stunden nicht aufgehört.


    Das das Ensemble trotzdem auf einem hohen Niveau singen und spielen konnte finde ich bemerkens- und bewundernswert. Die Produktion kam nicht ohne technische Verstärkung durch Lautsprecher aus, was mich doch gestört hat. Zudem schien das Mikro bei Andrea Zsanto (Carmen) nicht richtig eingestellt zu sein. Mal sang sie zu leise, mal kackte es und leider kam ihr Vibrato doch zu sehr herüber. Aber gespielt hat sie phantastisch, war präsent und überzeugend verführerisch und lasziv. Bewundernswert, wie sie sich in die Pfützen geschmissen hat und auf dem nassen Boden herumrollte. Das Sänger so etwas durchhalten hätte ich nicht gedacht.


    Mein Star des Abends war aber Marius Vlad (José), der in der ersten Szene noch mit durchsichtigen Regencape spielte und besonders im zweiten Akt traumhaft gesungen hat. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man seine Partie viel besser singen kann. Weich und empfindsam, fast lyrisch und doch kräftig. Wie gut muß er denn singen, wenn er nicht im triefend nassen Hemd im alten Garten in Schwerin steht?


    Dagegen sind mir die anderen Partien nicht so präsent. Durch die Verstärker wußte ich mitunter nicht wer gerade was singt und da ich -Gott sei dank, denn sonst hätte ich keinen Schirm aufspannen können - in der letzten Reihe saß, war das mit dem sehen auch nicht weit her. Escamillo habe ich erkannt, war auch gut, Micaela hielt spielerisch nicht so mit, aber das gibt die Rolle natürlich auch nicht so her. Auch bei ihr war es wohl nicht so perfekt ausgesteuert, denn ich konnte sie kaum hören.


    Probleme hatte der Chor, der wohl vor lauter Gewusel den Dirigenten auf den Monitoren nicht sehen konnte. Aber auch sie haben toll gespielt.


    Insgesamt hatte ich mich sehr gefreut und war wegen des Regens enttäuscht, aber es ist es wert nach Schwerin zu fahren um sich das Gesamtkonzept anzusehen. Ich bedauere es nicht, glaube aber nicht das ich in zukunft noch oft in Frelichtopern egehn werde... auch wenn mich Tannhäuser in Eutin reizen würde...


    Ach ja: Am Pult stand Martin Schelhaas.

  • Am Vorabend des 11.Septembers, dieses denkwürdigen Datums wo ja nicht nur der Terroranschlag gegen die Twin-Towers durchgeführt wurde, sondern wo auch in Chile eine demokratisch gewählte Regierung einem Putsch zum Opfer fiel, wurde zum 28.Mal in der angenehm unaufgeregten Inszenierung von Günter Krämer eine Oper aufgeführt, die vom Inhalt her eigentlich in keinem Spielplan fehlen sollte. La Juive ist nichts anderes als ein Appell gegen Intoleranz, Fremdenhass, religiöse Verblendung und Machtgier, bei der die „Guten“, Naiven, Liebenden unschuldige Opfer werden. Und das ist leider aktuell wie eh und je.


    Der Eléazar ist die Lebensrolle des Neil Shicoff, keine Frage. So sehr ich die eine oder andere Rollenauswahl von ihm nicht unbedingt goutiere, so bedingungslos überzeugend ist die Darstellung des von Hass zerfressenen jüdischen Goldschmieds. Auch braucht er keine zwei- bis dreiaktige Anlaufszeit, sondern ist von Anfang an präsent. Fehlt der Stimme vielleicht der tenorale Glanz früherer Tage, so hat seine Interpretation mit der Zeit an Intensität und Erschütterung dazu gewonnen – was kaum mehr möglich schien. Nicht nur bei seiner großen Arie im 4.Akt wusste er zu fesseln – seine schauspielerische Leistung im Schlussakt war für mich der erschütternde Höhepunkt des Abends – ein Mensch, der alles verloren hat, für das er gekämpft und an was er geglaubt hat stand da einsam und verloren auf der Bühne – einsam, obwohl er ja von einer Menschenmenge umgeben ist. Was mir – wie schon so oft – unangenehm aufgefallen ist – warum glauben einige Besucher, bei einem Wettbewerb zu sein, wer nach dem Verklingen des letzten Tons als erster Beifall klatschen muss? Da geht es nicht um ein sportliches Ereignis, wo spontan applaudiert wird, sondern man wird Zeuge einer seelischen Zerrissenheit eines Menschen, wo ein paar Sekunden Stille durchaus angebracht wären…


    Ho-Yoon Chung gab an diesem Abend sein Rollendebüt als Léopold, eine der schwierigsten und zugleich auch undankbarsten Rollen für Tenöre. Mit viel Einsatz kämpfte er sich, teilweise an seine Grenzen gehend, durch die Rolle, die er zur allgemeinen Zufriedenheit bewältigte, ohne allerdings zu verhehlen, wie viel Kraft er dazu brauchte. Er forcierte hörbar und es hörte sich dabei teilweise wie in einem Verismo-Reisser an.


    Obwohl er am Schluss vom Publikum viel Zustimmung erhielt, war Walter Fink in der Rolle als Kardinal Brogni nicht in bester Verfassung, was aber anscheinend im Jubel um Shicoff unterging.


    Soile Isokoski gelang ein berührendes Porträt der Rachel und sie klang jünger, als ihrem Lebensalter entspricht.. Sie erhielt genau so viel Zustimmung wie Shicoff.


    Eine wirklich positiven Eindruck nahm ich von zwei Ensemblemitgliedern mit nach Hause. Einerseits überzeugte Eijiro Kai als Ruggiero (obwohl sein Timbre eher trocken klingt, was wieder Geschmackssache ist), andererseits überraschte mich wirklich Jane Archibald als Eudoxie. Von beiden bis dato die beste Performance, die ich von ihnen gehört und gesehen habe. Ohne Fehl und Tadel ebenfalls Marcus Pelz in der kleinen Rolle des Albert und der von Thomas Lang einstudierte Staatsopernchor.


    Aus dem Orchestergraben kam nichts Überragendes, sondern eher Routine. Michael Halász erwies sich als solider Kapellmeister, der mit teilweise ziemlich grausamen Horn-Patzern seine liebe Mühe hatte.
    Ob das schöne Wetter oder das Fußballmatch, das an diesem Tag übertragen wurde, daran schuld waren, dass die Staatsoper bei weitem nicht ausverkauft war (bzw. einige Abo-Plätze leer geblieben sind), darüber kann man spekulieren. Alleine im Parkett waren ca. 40 Plätze frei geblieben, der Stehplatz war auch ziemlich schütter besetzt. Das war der Intensität des Stückes nicht angemessen. Jeder sollte, wenn nur möglich, zumindest ein Mal Shicoff in dieser Rolle erlebt haben!

    Hear Me Roar!

  • Il barbiere di Siviglia 08. September 2008 Staatsoper Wien


    Die Inszenierung der Oper von Günter Rennert ist zwar nicht mehr ganz taufrisch, ja man könnte sogar sagen sie ist reichlich verstaubt, aber nichtsdestotrotz habe ich sie als recht unterhaltsam erlebt. Nichts umwerfendes, hintergründiges, oder unverhofftes sondern eine reine komische Oper.


    Der Dirigent Karel Mark Chichon gab sein Hausdebüt. Teilweise schien er etwas übereifrig bzw überschwenglich. Die Lautstärke des Orchesters war bei einigen Passagen zu kräftig, so dass der Gesang förmlich verschluckt wurde.


    Als Rosina durfte ich in ihrem Rollendebüt Aleksandra Kurzak erleben. Den Namen dieser Sängerin werde ich mir auf jeden Fall merken, denn sie begeisterte mich. Ein für meine Ohren herrliches Timbre gepaart mit, so weit ich es einschätzen kann, erstklassigem Gesang und schauspielerischem Talent.


    Als Graf Almaviva stand Juan José Lopera auf der Bühne. Nachdem die Einstiegsarie eher im unteren Level einzustufen war, steigerte er sich und gab einen guten Grafen.


    Ohne Zweifel war Adrian Eröd als Figaro der Star des Abends. Schauspielerisch wie natürlich und vor allem auch sängerisch hat er nicht nur überzeugt, sondern begeistert.


    Als Doktor Bartolo war Wolfgang Bankl zu erleben. Diese Rolle scheint dem Sänger auf dem Leib geschrieben zu sein. Er war nicht nur witzig, schrullig und tolpatisch, wie es sich für diese Rolle gehört, sondern auch ein "furchteinflößender" :D Vormund. Kurz die schauspielerische Leistung war erstklassig, die sängerische hat mir sehr gefallen.


    Alles in allem war es ein sehr gelungener Opernabend, der mir sicher noch lange in Erinnerung bleiben wird, schon aus der Tatsache heraus, dass ich leider nicht so bald wieder nach Wien reisen kann, so gern ich es auch würde.



    LG


    Maggie

  • Hallo Maggie,


    Aleksandra Kurzak kenne ich von vielen Aufführungen her, denn sie war von 2001 bis 2007 fest an der Hamburgischen Staatsoper engagiert und hat dort ein sehr vielfältiges Repertoire gesungen (von der "Cleopatra" in Händels "Giulio Cesare" über die "Gilda" in "Rigoletto" bis zur "Sophie" im "Rosenkavalier"). Sie ist eine von vielen sehr vielversprechenden Nachwuchssängerinnen, die aus dem Hamburger Opernstudio stammen (neben Maite Beaumont, Danielle Halbwachs oder Inga Kalna) und mittlerweile in aller Welt singen (Kurzak sang auch schon an der MET, in Covent Garden und in Salzburg).


    :hello:


    GiselherHH

    "Mache es besser! (...) soll ein bloßes Stichblatt sein, die Stöße des Kunstrichters abglitschen zu lassen."


    (Gotthold Ephraim Lessing: Der Rezensent braucht nicht besser machen zu können, was er tadelt)

  • Ich habe Aleksandra Kurzak im Barbiere jetzt in Wien das erste mal gehört, mir hat sie auch sehr gut gefallen, vor allem wegen der bei hohen Sopranen sehr seltenen dunklen Timbrierung der Stimme. Sehr apart.
    Sonst war die Aufführung lieb wenn auch durch Chichons etwas überzogenes Dirigat teilweise heftig laut, aber vor allem Adrian Eröd lohnt jeden Abend :]


    LG
    Isis