Kurznotizen aus den Opernhäusern!

  • Ich könnte es verstehen,daß sich kurz vor der Premiere ein Orchestermusiker Luft macht, wenn er mit der Probenpraxis nicht einverstanden ist. Doch weshalb eine Sängerin sich öffentlich den Mund verbrennt an einem Thema, welches nicht das Ihre ist, das verstehe ich nicht. So jung und unerfahren scheint mir Sophie Koch denn auch nicht mehr zu sein. Wem will ihre Aussage nutzen, wem schaden? ?(
    Ich bin zunächst auf die Premierenkritik gespannt. Da muß Mme. Koch zeigen, was sie drauf hat. Und sie wird als Charlotte gegen einen sehr, sehr langen Schatten bestehen müssen. Und der stammt von Elina Garanca.

    Freundliche Grüße Siegfried

  • Ich finde es gut, wenn solche Orchesterunsitten wieder einmal öffentlich gemacht werden. Danke, Frau Koch. Vor lauter Mucken wird die eigentliche Orchestertätigkeit für ein Opernhaus oder Konzertorchster zur "Nebensache"


    Außerdem ist Frau Koch durch diese Unarten selbstverständlich auch betroffen. Einmal, was künstlerische Ansprüche betrifft. Zum anderen die Tatsache, dass bei gemeinsamen Proben der Musikerwechsel und immer neue Korrekturen durch den Dirigenten nervend sein können.

  • Hallo Siegfried,


    muss eine Charlotte in München nicht gegen einen viel grösseren Schatten ansingen, als gegen den von E. Garanca? Ich denke an die berühmte Tochter eines berühmten Vaters (die ich damals nicht mit Domingo, aber mit einem sehr gut aufgelegten N. Shicoff erlebt habe)... 8)


    Gruss

  • Glückwunsch, Alviano, daß dir solche Opern-Sternstunden vergönnt waren! Brigitte Fassbender hat natürlich auch Maßstäbe mit ihrer Charlotte gesetzt. Doch Vergleichsmöglichkeiten mit heutigen Interpretinnen sind nur mittels Konserventechnik möglich. Deshalb wollte ich nicht so weit zurückgehen. :hello:

    Freundliche Grüße Siegfried

  • Moin Alviano,


    wenn Du Tiefland in Zürich sehen möchtest, dann solltest Du Dich beeilen, da es jetzt über Weihnachten mehrere Aufführungen gibt. Das war es dann für diese Spielzeit.


    Für mich war Tiefland ein Highlight in der letzten Sasion.


    Schau doch mal bei ww.opernhaus.ch.

    Grüsse aus Rhosgobel


    Radagast

  • Moin,


    beim stöbern auf der Seite der Nederlandse Opera (nach den Terminen für Schrekers` "Gezeichnete") sah ich heute früh, daß sie eine Neuproduktion der Toten Stadt von Janacek planen. Ist das ein Stück für Janacek-Anfänger?


    Besonders aufgefallen ist dabei das Produktionsteam: es spielt das Mahler Chamber Orchester unter Boulez (ich dachte immer, Mahler Chamber und Daniel Harding sind eine untrennbare Einheit), inszeniert wird von Patrice Chereau.


    Sophia

  • Hallo Sophia,


    es handelt sich um "Aus einem Totenhaus" von Janacek (nach Dostojevski); "Die tote Stadt" ist von Korngold.


    Meiner Meinung nach ist es nicht die ideale Oper für Janacek-Anfänger: Sehr duster, keine Hauptfigur. Die Musik ist allerdings sehr schön, und das Team Chéreau/Boulez ist sicherlich die Reise wert.


    Beste Grüsse,


    Jürgen

  • Hallo Sophia,


    Janaceks "Aus einem Totenhaus" mit Boulez/Chéreau ist eine dieser Koproduktionen, die quer durch Europa reisen: Premiere ist m.W. im Mai bei den Wiener Festwochen, es folgt Amsterdam, dann das Festival in Aix-en-Provence, und Scala und Metropolitan Opera haben sich auch noch drangehängt. Für solche Produktionen ist das Mahler Chamber Orchestra aufgrund seiner (auch terminlichen) Flexibilität besonders gut geeignet - auch Abbado hat seine "Zauberflöte" in Parma (einschl. CD-Produktion) mit diesem Orchester erarbeitet.


    Ich halte "Aus einem Totenhaus" für eine der zwei, drei wichtigsten und erschütterndsten Opern des 20. Jahrhunderts. Meiner Meinung nach ist sie für Janacek-Anfänger durchaus geeignet. Kommt natürlich immer darauf an, was man von Oper erwartet - aber zwei Opern-Newbies konnte ich immerhin mit der großartigen Frankfurter Mussbach-Produktion dieses Werkes begeistern.


    Viele Grüße


    Bernd

  • die wiener premiere ist am 12.5.2007 im theater an der wien.
    die näheren informationen gibt es hier


    faun

    die kritik ist das psychogramm des kritikers (will quadflieg)

  • Zitat

    Original von S.Kirch
    Besonders aufgefallen ist dabei das Produktionsteam: es spielt das Mahler Chamber Orchester unter Boulez (ich dachte immer, Mahler Chamber und Daniel Harding sind eine untrennbare Einheit)


    Zur Ergänzung: Das Mahler Chamber Orchestra hat zwar Harding als Chefdirigent, arbeitet aber auch (genauso wie jedes andere Orchester auch) mit anderen Dirigenten zusammen. Sehr regelmäßig ist beispielsweise die Arbeit mit Claudio Abbado, dem Gründer des Orchesters. CD-Aufnahmen fallen mir Ad hoc mit Abbado, Harding und Minkowski ein. Konzerte in der nächsten Zeit stehen an mit Harding, Ticcati, Holliger und Boulez.


    Sehr informativ ist die Internetseite des Orchesters, die man über google leicht findet (damit ist dem Link"verbot" genüge getan ;) ).


    Beste Grüsse,


    C.

    Die wirkliche Basis eines schöpferischen Werks ist Experimentieren - kühnes Experimentieren! (Edgar Varèse)

  • Besten Dank für die ganzen Informationen (und Korrekturen :O ). Googlen nach dem Orchester werde ich anschließend und zukünftig vorher versuchen, im Opernführer nach- resp. vorzulesen ;).


    Von Janacek kenne ich bis jetzt nur die Glagolitische Messe, die Opern Katja Kabanova, Die Sache Makropoulos und die Füchse habe ich je einmal gesehen ohne weitere Beschäftigung. Neulich wurde im Radio mal eine neue Einspielung eines Streichquartetts mit dem Artemis vorgestellt "Intime Briefe" o.s.ä., so kam ich überhaupt erst wieder auf den Komponisten.


    Was ich von einer Oper (und der Kunst) erwarte läßt sich pauschal gar nicht beantworten. Sicher auch gute Unterhaltung, Anrührung - erst einmal egal ob im humorvollen, traurigen oder gar wütenden :) Sinne.


    Amsterdam lohnt sich jedenfalls im Auge zu behalten - außer dem Janacek haben sie Schrekers` Gezeichnete im Spielplan und bei der Aufführung handelt es sich um die Übernahme der ziemlich hoch gelobten Inszenierung aus Stuttgart. Und Boulez ist neben einigen wenigen für mich sowieso außer Konkurrenz.


    Sophia

  • Zitat

    Original von Zwielicht


    Ich halte "Aus einem Totenhaus" für eine der zwei, drei wichtigsten und erschütterndsten Opern des 20. Jahrhunderts. Meiner Meinung nach ist sie für Janacek-Anfänger durchaus geeignet. Kommt natürlich immer darauf an, was man von Oper erwartet - aber zwei Opern-Newbies konnte ich immerhin mit der großartigen Frankfurter Mussbach-Produktion dieses Werkes begeistern.


    Hallo Bernd,


    die sehr gute Mussbach-Inszenierung habe ich damals auch gesehen. Der Saal war ziemlich leer, und nach seinem Abschied hat Cambreling in einem Zeit-Interview diese Produktion als Beispiel für die Banausigkeit des Frankfurter Publikums herangezogen.


    Ich finde "Aus einem Totenhaus" schwerer zugänglich als z.B. "Jenufa" oder "Das schlaue Füchslein". Aber erstens ist das subjektiv und zweitens sagt es nichts über die Qualität der Oper.


    Beste Grüsse,


    Jürgen

  • Hallo Jürgen,


    von den sechs oder sieben Aufführungen der Oper in Frankfurt im Februar/März 1994 habe ich fünf miterlebt - sie gehören zu meinen intensivsten Opernerfahrungen. Die Aufführungen direkt nach der Premiere waren in der Tat nicht sehr gut besucht, die letzte Aufführung der Serie war dann aber ausverkauft - die Qualität hatte sich herumgesprochen. Die Inszenierung wurde dann im April 1997 nochmal wiederaufgenommen, die Aufführungen (ich habe nochmals zwei besucht) waren sehr schlecht besucht. Leider dirigierte bei der Wiederaufnahme nicht mehr (der wirklich überragende) Cambreling, sondern der erste Kapellmeister Rumstadt, was der Aufführung viel von ihrer Eindringlichkeit nahm.


    Hat sich Cambreling in dem ZEIT-Interview, an das ich mich auch erinnere, wirklich abfällig über das Frankfurter Publikum geäußert - oder waren nicht eher die (ausgesprochen banausigen) Lokalpolitiker gemeint? Wie auch immer - das Publikum war mit Cambrelings überaus anspruchsvoller Spielplangestaltung und natürlich auch mit dem Semi-Stagione-System in der Tat überfordert.


    Kurze Bemerkung zu Peter Mussbach: Er war einer der großartigsten Opernregisseure, seine Inszenierungen von "Aus einem Totenhaus" und "Wozzeck", auch von "Don Giovanni" und "Lucio Silla" gehören zu den besten, die ich je gesehen habe. Aber seit einiger Zeit, insbesondere seit er Berliner Staatsopernintendant ist, produziert er nur noch profilloses Mainstream-Design-Musiktheater - weiß der Teufel, warum.


    Natürlich ist "Aus einem Totenhaus" nicht das Werk, das man normalerweise als Einstieg in Janaceks Opernwelt empfehlen würde, da hast Du natürlich Recht. Ich kann mir nur nicht vorstellen, dass die Oper in einer guten Aufführung jemanden nicht berühren kann. Letztlich ist die Erwartungshaltung entscheidend: Meine Freunde, die ich damals mit der Cambreling/Mussbach-Produktion begeistern konnte, hielten Oper generell für eine eher weltfremde Angelegenheit snobistischer Ästheten und wurden hier eines Besseren belehrt. Mit anderen Voraussetzungen wird das sicherlich anders ausgehen.


    Viele Grüße


    Bernd

  • Zitat

    Original von Zwielicht


    Hat sich Cambreling in dem ZEIT-Interview, an das ich mich auch erinnere, wirklich abfällig über das Frankfurter Publikum geäußert - oder waren nicht eher die (ausgesprochen banausigen) Lokalpolitiker gemeint? Wie auch immer - das Publikum war mit Cambrelings überaus anspruchsvoller Spielplangestaltung und natürlich auch mit dem Semi-Stagione-System in der Tat überfordert.


    Hallo Bernd,


    ich habe nicht mehr genau im Kopf, was Cambreling gesagt hat. Aber er hat, soweit ich mich erinnere, in der Tat aufs Publikum gezielt, das diese anspruchsvolle Produktion nicht angenommen habe. Ich fand das jedenfalls damals ziemlich hochnäsig.


    Seit Mortier die Oper leitet, dirigiert Cambreling ja öfter in Paris. Hier ist er sehr umstritten.


    Beste Grüsse,


    Jürgen

  • Zitat

    Original von Zwielicht


    Kurze Bemerkung zu Peter Mussbach: Er war einer der großartigsten Opernregisseure, seine Inszenierungen von "Aus einem Totenhaus" und "Wozzeck", auch von "Don Giovanni" und "Lucio Silla" gehören zu den besten, die ich je gesehen habe. Aber seit einiger Zeit, insbesondere seit er Berliner Staatsopernintendant ist, produziert er nur noch profilloses Mainstream-Design-Musiktheater - weiß der Teufel, warum.


    Bernd


    Ich befürchte, dass ist ein bewußtes Kalkül der Staatsopernindendanz. Mit Dörrie und Eichinger als Regisseure zeigt der Weg ja in eine eindeutige Richtung. Ich befürchte schlimmstes für den neuen Ring. Nachdem die musikalische Leistung des Hauses durch die phänomenale Arbeit Barenboims an der Staatskapelle inklusive stabilen Sängerensembles und sängerischen Highlights wie René Pape stetig ansteigt, ist die Regie zunehmend gefährdet, sich in einem fisch- und fleischlosen Bereich zwischen konservativen und modernen Stühlen anzusiedeln.


    Gruß
    Sascha

  • Zitat

    Original von JuergenB
    Seit Mortier die Oper leitet, dirigiert Cambreling ja öfter in Paris. Hier ist er sehr umstritten.


    Hallo Jürgen,


    ja, ich weiß. Allerdings hat das nach meinem Kenntnisstand mehrere Ursachen:


    - Probleme Cambrelings mit dem Pariser Opernorchester (wobei es müßig ist, über die wirklichen Gründe zu spekulieren)


    - die typisch französische Fraktionierung der Musik- und Kritikerszene, bei der oft auch auf Cambreling geschossen wird, wenn Mortier gemeint ist (wie heißt noch der entsprechende Kritiker bei "Le Monde"?)


    - den inzwischen entschiedenen Kampf um die Nachfolge Mortiers und die entsprechende Ausrichtung der Pariser Oper (Mortiers mächtiger Vorgänger, Hugues Gall und sein jetzt designierter Nachfolger, Nicolas Joel, haben die Angelegenheit in ihrem Sinne geregelt)


    Mir scheint, dass in diesen auch kulturpolitisch motivierten Grabenkämpfen die musikalischen Leistungen nicht immer unvoreingenommen beurteilt werden. Allerdings habe ich selbst nur den "Simon Boccanegra" gehört (den ich gerade durch seine vielkritisierte Distanz zum plakativen Brio-Verdi gelungen fand). Außerdem kenne ich die DVD mit der alten, aber nach wie vor großartigen Herrmann-Inszenierung der "Clemenza di Tito", bei der Cambreling m.E. fast das Niveau von René Jacobs erreicht. Du hast allerdings mit Sicherheit den besseren Einblick in den Pariser Opernalltag.



    Zitat

    Original von Antracis
    Ich befürchte, dass ist ein bewußtes Kalkül der Staatsopernindendanz. Mit Dörrie und Eichinger als Regisseure zeigt der Weg ja in eine eindeutige Richtung. Ich befürchte schlimmstes für den neuen Ring. Nachdem die musikalische Leistung des Hauses durch die phänomenale Arbeit Barenboims an der Staatskapelle inklusive stabilen Sängerensembles und sängerischen Highlights wie René Pape stetig ansteigt, ist die Regie zunehmend gefährdet, sich in einem fisch- und fleischlosen Bereich zwischen konservativen und modernen Stühlen anzusiedeln.



    Hallo Sascha,


    das sehe ich genauso. Wer ist denn als Regisseur für den "Ring" vorgesehen- etwa Mussbach selbst?


    Viele Grüße


    Bernd

  • Hi Bernd,


    habe leider noch keine Kenntnis davon, wer Regie führt. Keine Ahnung, ob es überhaupt schon offiziell bekannt ist. Bisher war nur in Erfahrung zu bringen, dass 2010 in Coproduktion mit der Mailänder Scala ein neuer Ring kommt und Pape sein Wotan-Debüt geben soll.


    Bin ja mal gespannt.


    Gruß
    Sascha

  • Nachdem sich der Darmstädter Intendant John Dew als ernstzunehmender Regisseur in ein künstlerisches Nirwana von qualvoller Schnarchqualität verabschiedet hat, sind die Inszenierungen seines ehemaligen Assistenten und heutigen Darmstädter Oberspielleiters Philipp Kochheim echte Lichtblicke: da werden spannende Geschichten erzählt und die Menschen auf der Szene ausgesprochen gut geführt - allerdings in einer Optik, die das arg konservative Publikum vor Ort zu einem wahren Exodus verführt.


    Vor kurzem hatte "Tosca"-Premiere, ein Remake einer Augsburger Produktion von Kochheim, die bei der Premiere in Darmstadt für Tumult sorgte. Das ist insofern erstaunlich, weil Tosca nunmal von politischem Mord und Folter, von Despotentum und Machtmissbrauch erzählt.


    Der Ansatz von Kochheim ist eigentlich einfach und doch sehr treffend: er verlegt die Handlung von Rom nach Santiago de Chile - und rückt sie somit sehr dicht an uns heran. Ich bin geradezu erschrocken, als der Scarpia in der Maske des gerade verstorbenen Augusto Pinochet auftrat, aber der Reihe nach:


    der erste Akt beginnt im etwas heruntergekommenen Haus, wo der Fotograf Cavaradossi wohnt, auf halber Treppe steht eine Madonna, im Treppenhaus versammeln sich Nutten und Fixer. Cavaradossi, der Regimekritiker, hilft seinem Freund Angelotti, beruhigt die elegante Sängerin Tosca, seine Freundin, dahingehend, dass mit der Attavanti, die Tosca auf einem Foto entdeckt hat, wirklich nichts läuft.


    Scarpia/Pinochet und seine Garde nehmen das Zimmer auseinander, das wird alles sehr realistisch abgebildet, der Hausmeister wird kaltblütig erschossen. Am Ende des Aktes öffnet sich die Rückwand: man sieht die Folterungen, die von verbrecherischen Ärzten vorgenommen werden, deutlicher, als man das vielleicht sehen möchte.


    Der zweite Akt bietet zwar ein modernes Ambiente, erzählt aber ganz stringent die Handlung der Oper - mit einer Folterung des Cavaradossi (hinter der Szene), die unter die Haut geht. Am Ende wird Tosca über der Leiche von Scarpia/Pinochet sagen: "E avanti a lui tremava tutta Santiago".


    Der dritte Akt zeigt die berühmte Arena von Santiago, wo tausende von verschwundenen und verschollenen Menschen durch die Faschisten ermordet wurden. Auch hier überzeugt Kochheim mit einer vorbildlichen Personenführung. Da gibt es keinen Leerlauf, kein Herumstehen, alles ist aufeinander abgestimmt. Am Ende wird sich Tosca in den Elektrozaun stürzen, der das Gelände abriegelt.


    Musikalisch war der Abend am 22.12.2006 selbst für Darmstädter Verhältnisse schwach. Das lag schon am Dirigat von Martin Lukas Meister, oft viel zu breit und spannungslos, setzte sich in einem kaum mehr als routiniert spielenden Orchester fort und gipfelte in einer unzureichenden Tosca (soviele danebengegangene Töne - bei fehlender Tiefe und schwacher Höhe - habe ich in letzter Zeit selten gehört) und einem Tenor, der sämtliche Unarten bot, die spätestens seit den 70ern nicht mehr angesagt sind. Dazu kam eine eher unruhige, flackernde Stimme mit enger Höhe. Einzig Tito You als Scarpia überzeugte - zwar dürfte der Scarpia - noch - eine Grenzpartie für ihn sein, aber er sang hinreichend souverän und sicher. Sämtliche Nebenpartien unter Wert.

  • Hi, ich hab's auch gesehen und fand's einfach nur ätzend! Diese Ort- und Zeitverschiebung empfand ich als furchtbar verkrampft, fühlte mich ausgesprochen unangenehm an Allendes "Geisterhaus" erinnert. Und die Sache mit dem Elektrozaun? Peinlich! Sorry, aber damit kann ich nichts anfangen.
    Nichts für ungut,
    Knusperhexe

  • servus knusperhexe


    da stimme ich dir zu. die historisch korrekten foltermethoden sind viel
    einprägsamer und direkter, als moderne - einfach bühnen wirksamer.


    faun

    die kritik ist das psychogramm des kritikers (will quadflieg)

  • Hallo Radagast,


    Danke für den Hinweise, aber das habe ich nicht mehr geschafft, jetzt noch nach Zürich zu fahren. Ich behalte es mal im Blick - vielleicht gibt es eine Wiederaufnahme in der kommenden Saison.


    Das Schauspiel macht ja in Zürich wieder von sich überregional reden, ist auch nicht schön 8)


    Gruss

  • Für die Stuttgarter Neuproduktion von "Jenufa" war ursprünglich David Alden vorgesehen, der aber dann im Dezember 2006 aus "dispositiven Gründen" (?) von seiner Aufgabe entbunden wurde.


    Ersatz fand Intendant Albrecht Puhlmann in Calixto Bieito, der nicht nur parallel zu Stuttgart noch seinen "Wozzeck" für Madrid vorbereiten musste (Premiere dort war am vergangenen Freitag), sondern dem insgesamt nur noch 15 Probentage zur Verfügung standen.


    Das Bühnenbild wurde den neuen Gegebenheiten angepasst, die Kostüme blieben wohl unverändert.


    Es lässt sich jetzt nur darüber spekulieren, wieviel noch in der Inszenierung der "Jenufa" von David Alden übriggeblieben ist - und was tatsächlich neu von Bieito dazugekommen ist.


    Das Ergebnis jedenfalls kann sich sehen lassen (und verschafft Puhlmann einen ersten, grossen Erfolg seiner noch jungen Stuttgarter Intendanz): die Aufführung ist aus einem Guss, sie ist rund und von der ersten bis zur letzten Minute hochspannend.


    Ich würde gerade diese Inszenierung auch denen empfehlen, die vielleicht Berührungsängste mit Calixto Bieito haben, aber bereit sind, sich einfach auf so eine Bildwelt einmal ohne Vorurteile einzulassen.


    Die starken Figuren im Stück sind die Frauen: die alte Burya, die Küsterin und Jenufa (die hier eben nicht nur Opfer ist). Ältere Männer, die Vorbildfunktion haben könnten, Vaterfiguren, fehlen. So sind die Männer hier die Schwachen, so brutal sie sich manchmal auch geben mögen.


    Grossen Wert legt Bieito einmal mehr auf die Personenführung, auf die Interaktionen der Menschen auf der Bühne, jede Figur wird in jedem Moment berücksichtigt, keiner steht herum.


    Die Szene zeigt eine Fabrikhalle, vielleicht im Ostblock, nach der "Wende". Alte Textilien werden weiter verarbeitet. Es ist ein Familienbetrieb der Buryas, ein Auslaufmodell, das wird schnell klar.


    Zu Beginn steht Barena, eine abgerissene Punkerin, an der Rampe und lacht (uns, das Publikum, aus?). Der Alte wird sie gleich zur eigenen Lustbefriedigung mit sich ziehen, während Jano, ein cooler Junge unserer Tage, mit weiten Hosen und Base-Cap, Fluppe im Mund, seine Schreibübungen an die hintere Fabrikwand sprayen wird. Viel kann er noch nicht, aber Herzen mit S(teva) + J(enufa) bekommt er schon hin. Auch die "Jungfrau Maria" gelingt schon fast fehlerfrei.


    Laca, ein proletarischer Typ, schwergewichtig, arbeitet im Betrieb als Arbeiter mit. Seine Liebe gilt Jenufa, einem etwas zu grossen, zu wenig schlanken Dorfmädchen, dass sich in ein eher unvorteilhaftes Stretch-T-Shirt gezwängt hat. Jenufa wiederum ist ganz vernarrt in den Steva, von dem sie ein Kind erwartet. Steva wirkt wie ein schmieriger Zuhältertyp in einem billigen Anzug.


    Die Rekrutenszene, Steva muss nicht zum Militär, die anderen jungen Männer schon, gerät zum Besäufnis, an Geld scheint es Steva nicht zu mangeln, so, wie er es unter die Leute wirft. Auf dem Höhepunkt dieser Szene versucht er Jenufa vor versammelter Mannschaft zu nehmen, was die Küsterin (im strengen, dunklen Kostüm) verhindert.


    Wie diese Frau auftritt, wie stark ihr Zorn ist, macht deutlich, welche Rolle sie in der Hierarchie des Dorfes spielt - hart, unerbittlich, keine, mit der man sich gerne anlegt.


    Dass Steva keine sichere Bank für die Zukunft ist, sehen alle - nur Jenufa nicht. Nachdem Laca aus Eifersucht Jenufa mit einem Messer im Gesicht verletzt hat, verprügelt ihn der Alte mit seinem Gürtel.


    Im zweiten Akt ist die Fabrik geschlossen. Hier versteckt sich die Küsterin mit Jenufa und derem Säugling, hier empfängt sie zuerst Steva und dann Laca, um beiden ihre Ziehtochter zur Frau anzutragen.


    Der erste will lieber eine Geldheirat mit der reichen Karolka - und keine Verantwortung für seinen Sohn und dessen Mutter übernehmen, der andere kann mit der Situation, dass ein anderer Mann Jenufa geschwängert hat, nicht umgehen.


    Die Lüge der Küsterin, das Kind sei tot, setzt eine grauenhafte Eigendynamik in Gang. In diesem Moment, wo die Küsterin nicht weiss, wie es weitergehen soll, ist sie die einsamste Frau auf der ganzen Welt, ihre Gefühlswelt ist desolat, ihr Verstand arbeitet nicht mehr richtig. In einem Affekt erschlägt sie den Säugling mit blossen Händen - um sofort in ein massloses Entsetzen zu geraten über die ungeheuerliche Tat. Fast wahnsinnig wird sie, ihre Verhaltensweisen führen bei den anderen zu kopfschütteln.


    Im dritten Akt dann ist die Fabrik neu eröffnet worden: schicke Nähmaschinen, Markenkleidung von "Karolka und Company" wird im Akkord produziert. Unter den Arbeiterinnen: Barena, zwar noch mit Pali-Tuch, aber ansonsten angepasst, wie die anderen auch (und die hat uns ausgelacht...?). Jano ist Azubi geworden, die Buryas in unterschiedlichen Aufgaben nur noch Angestellte.


    Nach dem Geständnis der Küsterin und dem Verzeihen von Jenufa (jetzt eine erwachsen gewordene Frau in schlichtem schwarz), geht die Küsterin ab in einen weissen Nebel.


    Laca und Jenufa bleiben an zwei Nähmaschinen sitzen, sie arbeiten, während sie miteinander reden - und dann lachen sie. Ein befreiendes Lachen, eines, das andeutet, dass es für die beiden doch eine bessere Zukunft geben könnte.


    Die sängerdarstellerischen Leistungen sind enorm. Allen voran die Küsterin von Leandra Overmann. Allein, wie sie die Szene der Kindstötung im 2. Akt meistert, ist ungeheurlich. Diese Szene gehört zum stärksten, was ich seit langem auf der Opernbühne gesehen habe. Leandra Overmann verausgabt sich völlig: sie singt nicht, sie schreit, spricht, stöhnt und singt - und das alles oft im Wechsel weniger Sekunden. Ihr gelingt damit ein Psychogramm, das Ausnahmerang hat.


    Auch Eva-Maria Westbroek ist als Darstellerin und Sängerin bemerkenswert, gleichfalls der Tenor Frank van Aken als Laca, der sich mit enormer Vehemenz und einigem sängerischen Geschick in die Partie stürzt.


    Besonders erwähnt werden muss Yuko Kakuta, die den Jano singt: eine Idealverkörperung. Die Sängerin ist etwa 1,60 M gross und sie macht die Illusion, hier einen Jugendlichen vor sich zu haben, perfekt. Die genaue Herausrbeitung dieser Rolle, die hier keine Nebenfigur ist, unterstreicht das Können des Regisseurs.


    Marc Piollet, der Wiesbadener GMD, hinterlässt einen sehr positiven Gesamteindruck. Mir hätte Janaceks Musik ruhig schroffer, härter, vorwärtsdrängender sein dürfen, aber spannend war auch die musikalische Realisation allemal.


    Grosser Jubel für die Sänger - und ebenfalls begeisterte Zustimmung für Calixto Bieito, verdient: er ist einer der wichtigsten Opernregisseure der jüngeren Generation.

  • Danke Alviano für deine ausführliche Schilderung.
    Ich hatte nach den Proben nicht mehr die Nerven,für dieses aufwühlende Stück. Dass die Sängerriege hervorragende Leistungen bringen kann, spricht für das Geschick des neuen Intendanten Puhlmann, der das jetzige Ensemble aus einer Resttruppe und neuen Künstlern zusammengestellt hat. Das lässt hoffen.

    Freundliche Grüße Siegfried

  • Freunde der Barockoper, auf nach Zürich! (Und Bartoli-Fans sowieso :])
    Gerade die unter meinen vier geplanten Opernaufführungen, von der ich mir am wenigsten erwartet hatte, geriet zum absoluten Höhepunkt meines Zürichaufenthalts und wird, das kann ich jetzt schon sagen, in meiner persönlichen "best-of-Liste 2007" ganz vorne rangieren. Die Rede ist von Händels "Semele", die von Robert Carson nicht nur klug, sondern auch witzig in Szene gesetzt wurde. Mit der Antike hat er ebenso wenig am Hut wie wohl ein Großteil des Opernpublikums, also verfrachtet er die Handlung in die royale britische Gegenwart. Die diversen Opferzeremonien, welche die verhinderte Eheschließung begleiten, finden also off-stage statt und spiegeln sich lediglich in den Reaktionen der Hochzeitsgesellschaft auf das Geschehen hinter einer weit geöffneten Türe wider. Der große Mythos von Jupiter und Semele wird durch Carson auf die höchst irdische Ebene einer sensationsgeilen Seitenblicke-Gesellschaft "gebeamt", denn das Libretto enthält ja alle Ingredienzien einer Skandal-Story a la BILD-Zeitung. (Braut verlässt Bräutigam am Hochzeitstag, brennt mit Geliebtem durch, bringt diesen mit ihren unmäßigen Forderungen an den Rand der Verzweiflung und endet schließlich als Opfer einer von der betrogenen Gattin inszenierten Intrige) Folgerichtig werden die verhinderten Hochzeitsgäste denn auch durch druckfrische Exemplare einer Illustrierten von der skandalösen Entwicklung unterrichtet. Schade, dass man von der Galerie aus die witzigen Schlagzeilen nur zum Teil lesen konnte! Ein roter Läufer, eine Reihe von ebenso rot gepolsterten Stühlen, die im zweiten Bild einem Thron weichen, später ein riesiges Himmelbett - das ist schon alles, was einem als Bühnenbild geboten wird, und es genügt völlig. Die subtile Personenführung, gepaart mit einem stets spürbaren ironischen Zwinkern ersetzen jedes antike Brimborium, das man sich bei einer Barockoper eigentlich erwartet. (Zumindest ich hegte diese Erwartung bzw. Befürchtung!)
    Natürlich steht Carson auch ein Ensemble zur Verfügung, das seine Intentionen perfekt umsetzt und keine einzige Schwachstelle aufweist.
    Man spürt förmlich das Vergnügen, mit dem die Sänger bei der Sache sind, und die gute Stimmung springt auch auf den Zuschauerraum über.
    Spätestens im 2. Akt, wenn Göttin Juno alias Elisabeth II (unschwer erkennbar an ihren "Attributen" wie Handtäschchen, Hut und später den grünen Gummistiefeln) von ihrer leicht verhuschten Sekretärin (eigentlich die Götterbotin Iris) über das Liebesnest der Turteltauben aufgeklärt wird, bleibt kein Auge trocken. Herrlich, wie Isabel Rey mit Landkarte, Beweisfotos etc. herumfuchtelt und angesichts der Wutausbrüche ihrer Herrin immer hektischer und schusseliger wird. :D :hahahaha: :hahahaha:
    Aber natürlich wird in dieser Aufführung auch GESUNGEN, und zwar wie! Auch hier wüsste ich niemanden, der die insgesamt großartige Ensembleleistung geschmälert hätte, herausragend waren in meinen Augen allerdings zwei Protagonisten, nämlich Charles Workman als Jupiter und Cecilia Bartoli in der Titelrolle.
    Der mir bis dato völlig unbekannte Workman begeisterte mich nicht nur mit seinem wunderschönen Timbre an sich (sinnlicher Schmelz inclusive) und der scheinbaren Leichtigkeit, mit der er alle Klippen der Partitur meisterte, sondern vor allem mit traumhaft schönen Piani - für mich immer der Gradmesser. Auch schauspielerisch überzeugte er mich voll und ganz. Völlig glaubhaft seine Verzweiflung über Semeles verhängnisvollen Wunsch, war er doch schon vorher nicht der wieder einmal auf außerehelichen Pfaden wandelnde und nur an Lustmaximierung interessierte"Göttervater", sondern ein sehr "normaler" Mann, der den Reizen Semeles so sehr verfallen ist, dass er alles tut, um sie bei Laune zu halten und an sich zu binden.
    Ja, und über allem "La Bartoli". Man muss sie einfach gesehen und vor allem gehört haben, diese Semele, mit Worten lässt sich das kaum beschreiben. Über ihre stimmliche Virtuosität ist schon so viel geschrieben worden, dass ich ich hier kaum neue Erkenntnisse beisteuern kann, daher belasse ich er bei einem einfachen GROSSARTIG. :jubel: :jubel: :jubel: Alleine wie sie es schafft, in der "Spiegelarie" (mir fällt jetzt kein besserer Ausdruck ein) nicht nur perfekte Koloraturen zu singen, sondern auch keine Sekunde Langeweile aufkommen zu lassen, diese Endlosschleife von Text und Musik mit einer Fülle gestalterischer Details zu einem Kabinettstückerl zu formen, verdient sämtliche Preise, die in der Musikwelt zu vergeben sind. :jubel: :jubel: Diese ganze Palette von selbstverliebten Blicken, kokketten Posen, dieses Sich- drehen und Wenden - wie schon gesagt: das kann man nicht beschreiben, das muss man erlebt haben!!
    Fazit: Hinfahren und anschauen!!!!!
    Liebe Grüße von Severina, noch immer ganz enthusiasmie :hello:rt

  • Zitat

    Original von severina
    Der mir bis dato völlig unbekannte Workman begeisterte mich nicht nur mit seinem wunderschönen Timbre an sich (sinnlicher Schmelz inclusive) und der scheinbaren Leichtigkeit, mit der er alle Klippen der Partitur meisterte, sondern vor allem mit traumhaft schönen Piani - für mich immer der Gradmesser.


    Hallo Severina,


    Bereits voriges Jahr, im Thread "Was hört Ihr gerade jetzt", habe ich Workman (Amerikaner) Superlativen gewidmet.


    Er ist aufgenommen ( :D ) in Mozarts "Il Sogno di Scipione"



    mit dem Freiburger Barockorchester. Leitung Gottfried von der Goltz.
    Weiter sang da u.a. Bruce Ford. Der wird Dir hoffentlich bekannter sein.


    LG, Paul

  • Oh, danke, Paul! :lips: Da werde ich mich gleich auf die Suche machen, denn dass ich von diesem wunderbaren Tenor etwas haben muss, steht für mich fest!
    lg Severina

  • Zitat

    Original von severina:
    Gerade die unter meinen vier geplanten Opernaufführungen, von der ich mir am wenigsten erwartet hatte, geriet zum absoluten Höhepunkt meines Zürichaufenthalts und wird, das kann ich jetzt schon sagen, in meiner persönlichen "best-of-Liste 2007" ganz vorne rangieren. Die Rede ist von Händels "Semele", die von Robert Carson nicht nur klug, sondern auch witzig in Szene gesetzt wurde. Mit der Antike hat er ebenso wenig am Hut wie wohl ein Großteil des Opernpublikums, also verfrachtet er die Handlung in die royale britische Gegenwart.


    Hallo severina,


    na, das freut mich ja, dass Dir diese "Semele"-Inszenierung so gut gefallen hat!
    Das, was Du beschreibst, kommt mir alles sehr bekannt vor - kann es sein, dass diese Inszenierung so um 2002 bei uns in Köln schon gelaufen ist und es sich hierbei um eine Koproduktion handelt?
    (Muss ich jetzt mal in meinen alten Programmheften wegen dem Regisseur und evtl. hierzu enthaltenen Hinweisen wühlen...)


    Jedenfalls habe ich diese "Britisch-Royale" Semele mit uns' Lisbeth als Juno noch in bester Erinnerung!
    So sollte Barockoper (wenn man sie schon "modern" bzw. "mal anders" inszenieren möchte) meiner Meinung nach sein:
    Spritzig, witzig, ironisch, gespickt mit humorigen Details und Einfällen, die heutigen Zuschauern helfen, den ganzen mythologischen Hintergrund (der für uns Heutige nicht mehr so geläufig ist) zu verstehen - oder ihn eben phantasiereich ersetzen - ganz große Klasse, wenn das - wie hier - gelingt :jubel:

    "Es ist mit dem Witz wie mit der Musick, je mehr man hört, desto feinere Verhältnisse verlangt man."
    (Georg Christoph Lichtenberg, 1773)

  • Hallo Siegfired,


    ich war über Deine Vorabfeststellung, dass in der Stuttgarter "Jenufa" zuviel Blut fliessen würde, etwas überrascht. Das hatte bei mir eine gewisse Erwartungshaltung geweckt und der Befürchtung Nahrung gegeben, dass das jetzt potentielle Interessent/innen abschrecken wird, die Aufführung zu besuchen. Auf der Szene konnte ich nun übermässigen Gebrauch von Blut nicht feststellen, im Gegenteil...


    Ein Intendantenwechsel bringt (leider?) immer etwas Unruhe in die Ensembles unserer Theater. In Stuttgart sind jetzt eben einge Sängerinnen und Sänger aus Hannover dazugekommen, man wird abwarten müssen, wie sich das Haus dadurch musikalisch entwickelt.


    In den letzten Jahren habe ich sehr unterschiedliche, sängerische Leistungen in Stuttgart gehört, finde aber vom Spielplan, den Inszenierungen und der musikalischen Seite her (auch Chor und Orchester) Stuttgart immer noch um einiges spannender als bsplsw. Frankfurt.


    Und auch jetzt noch, mit dem Abstand von zwei Tagen, setzt sich ein Gedanke bei mir fest: Leandra Overmann muss spätestens jetzt für die Küsterin in die engere Wahl als Sängerin des Jahres kommen - die Leistung ist fulminant. Schon in anderen Bieito-Inszenierungen war sie ein Zentrum der Produktionen, als Azucena, Santuzza und Eboli, aber auch in kleineren Rollen wie der Margret oder der Flora war sie bemerkenswert. Wie sie Stimme und Körper bedingungslos zur Rollengestaltung einbringt, ist phänomenal.

  • severina


    Hallo


    Das ist in der Tat eine ganz hinreißende Inszenierung. Und du hättest sie schon vor fünf Jahren in Graz sehen können, ebenfalls vorzüglich gesungen, wenngleich wahrscheinlich nicht ganz auf Züricher Niveau. Aber es gab auch gesanglich keinerlei Abstriche.


    :hello:

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • MarcCologne: Ja, ich denke auch, dass wir von der gleichen Inszenierung sprechen, denn Carson hat sie für Zürich nur aufgewärmt. Aber wie so oft schmecken aufgewärmte Gerichte vorzüglich! ;)
    @ Theophilus: Ja, da sieht man's wieder "Wozu in die Ferne schweifen...." :O :O Ich habe mir die Grazer Oper schon so oft vorgenommen, aber dabei blieb es meistens. Mein letzter Besuch datiert in grauer Vorzeit (Eine "Traviata" oder "Boheme" mit Araiza - ist schon so lange her, dass ich das garnicht mehr weiß.... :O)
    Liebe Grüße, Severina