Hallo Forianer,
auch in diesem Thread möchte ich wichtige Bernstein-Einspielungen benennen, die es verdient haben, noch heute beachtet zu werden.
Herzliche Grüße
von LT ![]()
Hallo Forianer,
auch in diesem Thread möchte ich wichtige Bernstein-Einspielungen benennen, die es verdient haben, noch heute beachtet zu werden.
Herzliche Grüße
von LT ![]()

Das Werk, das den Komponisten Bernstein weltberühmt machte, in einer grandiosen von ihm geleiteten Aufnahme. Spitzenklasse!
Herzliche Grüße
von LT ![]()
Hallo
Also, hm hm, wie sag ich's nur....
Eine totale Fehlbesetzung des Tony, eine mittlere Fehlbesetzung der Maria, und die großartige Marilyn Horne kann das Desaster wirklich nicht alleine ungeschehen machen.
Immerhin eine Aufnahme mit dem Maestro himself....
ZitatOriginal von Theophilus
und die großartige Marilyn Horne kann das Desaster wirklich nicht alleine ungeschehen machen.
Immerhin eine Aufnahme mit dem Maestro himself....
Hm, hm, hm - ganz allein ist Frau Horne ja nun nicht, denn Tatiana Troyanos macht ihre Sache IMO mehr als ausgezeichnet.
Herzlichst,
Medard
Na gut, einverstanden...
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ZitatAlles anzeigenOriginal von Liebestraum
Das Werk, das den Komponisten Bernstein weltberühmt machte, in einer grandiosen von ihm geleiteten Aufnahme. Spitzenklasse!
Herzliche Grüße
von LT
Gabs da nicht einmal ne TV-Dokumentation über die Aufnahmen, die einen völlig entnervten Carreras und einen völlig genervten Bernstein zeigten?
Antwort von Blackadder:
Hi, Blackadder, meinst Du das
"http://www.youtube.com/watch?v=33oQRhxeIbQ"
Ja, danke...
ZitatOriginal von Blackadder
...
Gabs da nicht einmal ne TV-Dokumentation über die Aufnahmen, die einen völlig entnervten Carreras und einen völlig genervten Bernstein zeigten?
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Die Pointe dabei ist, dass die DG für dieses Dokument eines Desasters in Form einer DVD noch ordentlich abkassiert!!! (Making of: West Side Story)
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Hallo Theophilus,
ZitatAlso, hm hm, wie sag ich's nur....
Wow...
Den Tag tu ich mir rot anstreichen im Kalender.
Wir sind einer Meinung...
Diese Aufnahme der "Story" ist leider gar nicht gut.
Bernstein träumte den Traum, aus dem Musical eine amerikanische Nationaloper entstehen zu lassen, die sich nicht, wie die meisten bisherigen amerikanischen Opern, am europäischen Verismo orientiert.
Nachdem er merkte, daß "A Quiet Place" nicht lief (obwohl ich glaube, daß es ein sehr gutes Werk ist), wollte er die "Story" auf Oper trimmen. Und besetzte den US-Boy mit einem Spanier, der mit spanischem Akzent singt und die Puertoricanerin mit einer Neuseeländerin, die sich um einen spanischen Akzent müht. Hauptsache, Opernsänger...
Und weil die aber dnicht sprechen können, werden die Sprechstellen Schauspielern anvertraut, womit der nahtlose Übergang vom Sprechen zum Gesang dahin ist.
Eventuell ganz interessant ist, wie Bernstein mit dem Rhythmus arbeitet, wie er aus dem Wechselspiel von Rhythmus und darüberliegender Melodie Spannung schöpft. Insgesamt stimmt mich diese Aufnahme aber eher traurig.
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Hallo Edwin
ZitatOriginal von Edwin Baumgartner
Wow...
Den Tag tu ich mir rot anstreichen im Kalender.
Wir sind einer Meinung...
...
Jetzt musst du aber wirklich etwas falsch gemacht haben! ![]()
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Hallo Forianer,
Diese Einspielungen zählen zu den besten Aufnahmen vom Violinkonzert und vom Doppelkonzert im Katalog.
Herzliche Grüße
von LT ![]()
Hallo zusammen,
es ist vieles schon gesagt worden zu den großartigen Einspielungen und vielseitigen Verdiensten Leonard Bersteins. Dem positiven schließe ich mich bedingungslos an, der Kritik nur teilweise...
Sein Tschaikowski (DGG) hat z.B. dazu geführt, daß Karajans Aufnahmen nach und nach vollständig aus meiner Sammlung verschwunden sind.
Um gleich Position zu Karaja zu beziehen:
Ich habe nur noch eine einzige Aufnahme, die von HvK geleitet wird: Brahms Violinkonzert mit Mutter, WP, live. Ob ich die noch brauche, weiß ich noch nicht sicher... ![]()
Ich bin durchaus nicht unkritisch allem gegenüber, was Lenny je abgeliefert hat, ich habe die falsche (aber schöne!) Legende um die Mahlerrenaissance "durch ihn" auch über Lebrecht und die Biographie entlarven müssen...bin mit den Aufnhamen mit dem Israel PO nicht glücklich und würde mich ansonsten darüber freuen, eine komplette Sammlung der Sony/ CBS-CDs zu besitzen. Ohne Prince-Charles-Bilder.
Lenny ist ein Idol für mich. Ich liebe diesen Dirigenten, Lehrer, Musikanten, Lebemann für alles was er war und tat.
Viele Grüße
Accuphan
PS: Lenny, nicht Lenni und auch nicht Lennie. Bitte, wenn schon Kosename dann bitte richtig...!!!! =)
Hallo allerseits,
fast alle der mir bekannten und hochgeschätzten Aufnahmen sind schon genannt worden.
Dennoch erwähne ich sie noch ein weiteres Mal, um Gesagtes zu unterstreichen:
Was Bernstein mit Berlioz' Symphonie fantastique angestellt hat, ist für mich eine wahre Ekstase. Genuss pur - im selbst für mich schwer zu hörenden 3.Satz.
Auch wenn Wolfgang die frühere Aufnahme Strawinskijs Sacre gelobt hat, möchte ich auch die spätere mit dem New York Philharmonic Orchestra nicht ungenannt lassen - die 59er ist ja eh vergriffen, soweit ich weiß - und so wie es mir geht und man nur seine 72er kennt (Sony), dann ist man auch hier überwältigt!
Schostakowitschs 5. unter Lenny blieb ebenso nicht ungenannt - dem möchte ich mich anschließen. Gekoppelt mit der Neunten (Sony) und eingespielt mit den New Yorkern macht es mir immer wieder riesige Freude, diesen Klängen zu lauschen. Irgendwie habe ich im Hinterkopf, dass mal jemand sagte, Bernstein sei kein wirklich guter Schostakowitsch Dirigent - auch dies mag stimmen, wenn man vielleicht auf einen Roshdestvenskij oder sonst wen zurückgreifen kann, aber ein Unberührter in dieser Hinsicht findet sicher auch bei ihm einen schönen Zugang zu dieser Musik.
Bei Berlioz fällt mir jetzt gerade auch noch das Requiem ein, welches ich auch besitze - leider ohne jeglichen Vergleich, außer einem kurzen Reinhören in mehrere Aufnahmen bei Thomas vor über 6Monaten...
Allerdings ist das Tuba mirum so packend, dass allein dies die Suppe zum kochen bringt und das Herz höher schlagen lässt!
Teils etwas unverständlich ist mir die Kritik an seinen Tschaikowskij Interpretationen.
Die 1. und 2.Symphonie finde ich herrlich ergreifend - wenn mir auch wiederum der Vergleich untersagt ist...
Bei allem Lob möchte ich auch mal etwas negative Kritik von mir geben.
Coplands 3. gefällt mir nicht wirklich. Mag einerseits am Werk liegen, da auch dies mich nicht wirklich erreicht, andererseits fehlt mir so ein bisschen das bernsteinsche Feuer.
Ebenso konnte mir bisher Brahms' Violinkonzert mit Kremer nicht zusagen...die Aufnahme erwähnte Liebestraum. Dagegen spricht mich das Doppelkonzert schon viel mehr an - da steckt in meinen Augen viel mehr Leidenschaft dahinter.
Okay, nun will ich aber neben Berlioz' Symphonie fantastique und Strawinskijs Sacre endlich einen meiner Lieblinge ins Spiel bringen und wenn ich vor lauter Mahler in diesem Thread nichts überlesen habe, dann wurde er mit diesem Werk noch nicht erwähnt:
Ives Symphonie Nr.2
Ich habe speziell für das Finale erst eine andere Herangehensweise hören kann und ich war von dem Unterschied derart schockiert...die unheimlich amüsante und gleichzeitig erschreckende Wirkung bei Bernstein schien diese mehr als nur in den Schatten zu stellen. Den wenn etwas gar nicht existiert, wie könnte es in den Schatten gestellt werden. Fragt mich nicht, was für eine Aufnahme das gewesen sein soll - ich weiß es nicht mehr. Aber mit Bernstein ist der Schluss so was von g**l :faint: Erst diese unnachgiebige Steigerung und dann dieser irrsinnige Schlussakkord...
Dagegen traumhaft der Beginn des 2.Satzes - gefühlvoll und schwebend, gleitet er dort entlang.
Und mal kurz weg von Aufnahmeempfehlungen.
Generell schätze ich bei Bernstein diese ergreifende Emotionalität. Gleichzeitig aber auch souverän - packende Spannungsbögen auch in ruhigen und langsamen Phasen eines Werkes und dafür um so pompöser und gewaltiger, wenn es zu Steigerungen kommt.
Sicherlich ist er nicht perfekt gewesen und hat auch so seine schwächeren Aufnahmen, allerdings ist er bei mir irgendwie der Einzige Dirigent, bei dem ich jederzeit JA zu einer Interpretation sagen würde - um sie kennen zu lernen, versteht sich. Aber ich gehe da halt mit einer positiven Grundeinstellung heran und erwarte etwas mich fesselndes und zur Begeisterung treibendes Musikstück.
Gruß, Maik

Nach Klemperers und Fricsays mustergültigen Aufnahmen des "Fidelio" ist dies wohl die Interessanteste.
Herzliche Grüße
von LT ![]()
ZitatAlles anzeigenOriginal von Liebestraum
Hallo Forianer,
Diese Einspielungen zählen zu den besten Aufnahmen vom Violinkonzert und vom Doppelkonzert im Katalog.
Herzliche Grüße
von LT
Jaaaa!!! Insbesondere das Doppelkonzert ist in dieser Einspielung IMO unerreicht!!!
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Herzlichst,
Medard
ZitatOriginal von Maik
Bei Berlioz fällt mir jetzt gerade auch noch das Requiem ein, welches ich auch besitze - leider ohne jeglichen Vergleich, außer einem kurzen Reinhören in mehrere Aufnahmen bei Thomas vor über 6Monaten...
Allerdings ist das Tuba mirum so packend, dass allein dies die Suppe zum kochen bringt und das Herz höher schlagen lässt!
Gruß, Maik
Hallo Maik,
ja, IMO ist Bernsteins Einspeilung des Berioz' »Requiem« tatsächlich fraglose Referenz!! Da schneiden Colin Davis, Maazel und sogar Ormandy eher bescheiden ab (Maazel hat das Ding ganz schön blutleer runtergespielt
). Allein Charles Munch hat tendenziell die Bernstein'sche abgründige Tiefe - aber präsentiert das Ganze doch erheblich gefaßter. Das »Tuba mirum« ist wohl nie zuvor und niemals danach mit einer solch bracchialen Intensität interpretiert worden wie bei Bernstein - das, was Bernstein da musikalisch inszeniert, isteinfach das Jüngste Gericht. Allein für seine Einspielung des Berlioz' Requiems gehört Lenny IMO ins Pantheon der Dirigenten des 20. Jahrhunderts!!
Herzlichst,
Medard
Hallo Medard!
Mensch, da schweben wir ja gemeinsam auf einer Wolke ![]()
Hab vor zwei Tagen bei meiner Madame das komplette Requiem mal wieder gehört - leider in etwas zurückhaltendem 'Tonumfang', allerdings war es dennoch ganz wundervoll!
Warst du es nicht auch, der mir vor ein paar Tagen im 'Was hört ihr gerade Thread' auf die Finger gekloppt hat, als ich Bernsteins 3.Symphonie Kaddish zum ersten Mal zu hören bekam???
Ich glaube ja.
Ebenfalls am Wochenende wieder reingehört und mir gefällt es immer und immer mehr
Somit entwickelt sich Bernstein auch als Komponist bei mir weiter vorwärts, nicht nur als ein eigentlich unangefochtener Dirigent.
Allerdings ist mir auf der Fahrt zu meiner Freundin beim Hören Tschaikowskijs Vierter unter Kubelik eingefallen, dass ich selbige Symphonie auch mit Lenny habe - und die ist so was von Grotten schlecht! Echt unter alle S**.
Die reicht nicht mal einen Hauch an Mravinskij, geschweige denn an Rafael Kubelik
Keine Chance...das war die größte Enttäuschung, vielleicht gar die einzige, welche ich ausnahmslos auf die Interpretation zurückführen kann, da mir das Werk bekanntlich gefällt.
Aufnahme ist bei Sony mit den New Yorkern erschienen.
Maik

Bernstein gelingt hier eine grandiose Interpretation dieses Werkes.
Herzliche Grüße
von LT ![]()
Bernstein ist ein umstrittener Dirigent – und das ist auch gut so. Langweilig – für mich auf gar keinen Fall.
Seine hoch emotional aufgeladenen Interpretationen vieler Werke gehören für mich immer noch zu den Besten. Bernstein neigte nie zu glatten Interpretationen, alles hat Ecken und Kanten, der Orchesterklang ist vielschichtig, auch Nebenstimmen bekommen Gewicht. Diese Herangehensweise an Musik ist sicherlich nicht jedermanns Sache, aber ich finde auf jeden Fall fast immer spannend und sehr lebendig.
Seine unkonventionelle Art bzw. sein ganzer Lebensstil haben dem teilweise doch recht verknöcherten Klassik-Leben einiges an Vitalität zurückgegeben. Besonders eindrucksvoll finde ich dies in den Videos der Mahler-Sinfonien mit den Wienern zu beobachten. Man vergleiche einfach mal die ziemlich zurückhaltend und heute antiquiert wirkenden Orchestermusiker mit der Lebendigkeit Bernsteins, die immer noch gefangen nimmt (s.a. Probe-Aufnahmen) – da scheinen Welten dazwischen zu liegen.
Seine Aufnahmen, wie bereits gesagt, fast immer spannend und sehr emotional, machen auf viele Werke einen neuen und interessanten Blick möglich.
Hier meine TOP-Liste, die sicherlich auch erweiterbar ist:
Alle Mahler-Zyklen
Beethoven (WP) – Sinfonien und Klavierkonzerte; Fidelio
Schumann (WP) [auch meine Referenz]
Haydn (NP) – fantastische Aufnahmen und das zu dieser Zeit!!!!
Seine eigenen Orchesterwerke (nicht nur die Sinfonien, auch die Serenade und andere)
Rosenkavalier – mal anders
Tschaikowsky – Sinfonien
.......
Außerdem möchte ich, was hier im Forum kaum geschehen, seinen Tristan mit ins Spiel bringen (abgesehen von den Sängerleistungen) – das ist Emotion pur, extrem und teilweise gewagt. Ich habe auch mal von einer Anekdote gehört, dass der große Wagner-Dirigent Karl Böhm Bernstein bei einer Probe zum Tristan gehört haben soll. Er soll sinngemäß gesagt haben, dass es bisher noch niemand gewagt haben soll, den Tristan so im Sinne Wagners zu spielen, wie Bernstein es getan hat. Na ja – eine Anekdote. Aber wenn da was dran sein sollte
Bernstein war für mich immer der mir nähere Gegenpart zu Karajan.
Das war die eine Liga.
Die andere waren die Alten, "Klassischen": Bruno Walter, Klemperer, Wand, E.Kleiber u.a.
Eine dritte Liga sind für mich die "Interessanten" Gardiner, Harnoncourt, Norrington, C.Kleiber
Eine vierte besetzt vielleicht Zinman.
So jedenfalls würde ich die Beethoven-Symphonien einteilen.
Bernstein, von dem ich das Brahmssche Doppelkonzert mit Maisky/Kremer, die Missa solemnis, den Fidelio u.a. habe, gefällt mir wegen seines Herüberbringens von Emotionalität, die nicht gesucht, sondern gefunden ist.
Ihm traue ich zu - weil er selber ein ausgezeichneter Komponist ist, den Aufbau, die inneren Zusammenhänge der Komposition, die vom Komponisten gewollten Melodielinien herauszufinden.
Seine Erläuterungen im Fernsehen kenne ich, er ist ein guter Pädagoge, kann gut erklären (was man von vielen, in der Wissenschaft erfolgreichen Hochschullehrern nicht sagen kann). Und so glaube ich, daß er mir ein autentisches Klangbild vermitteln kann.
Sein Gegenpart (für mich) Karajan kann die Dramatik hervorragend gestalten, aber, immer bin in der Versuchung, ihm das nicht abzunehmen, sondern wittere immer Selbstdarstellung.
So ist Bernstein für mich ein ganz wichtiger Vermittler d e r Musik, die ich besonders liebe, zwischen den "Interessanten" der 3. Liga möchte ich ihn immer wieder hören, sozusagen als Erholungspause, während die "Klassischen" der 2. Liga selten drankommen.
Gruß aus Bonn ![]()
Hallo allerseits ![]()
Gerade für einen Neuling, als der ich mich zwar nicht mehr fühle aber sehen muss, weil ich diese Wocher gerade mal einen Monat dabei bin, ist die Lektüre vieler Threads im Nachhinein oft besonders aufschlussreich, auch und gerade im Hinblick auf gruppendynamisches Verhalten. So kommt es immer wieder zu Diskussionen, die sich im Eifer des Gefechtes in einem relativ marginalen Detai fest fressen. Im Falle dieses BERNSTEIN - Threads ist es die Person und Position Gustav Mahlers.
Die Diskussion, ob Bernstein die Mahler-Renaissance angestoßen hat, die in meiner Wahrnehmung und wohl auch der des breiteren Publikums eher eine Naissance war, erscheint mir ungefähr so relevant wie die Frage, ob Paulus ein guter Missionar des Christentums war, wo es doch schon so viele Missionare vor ihm gegeben hat, die Christus noch persönlich kannten. Wichtig ist in beiden Fällen doch die WAHRNEHMUNG. Natürlich war Bernstein als gewinnende Persönlichkeit wie auch als Amerikaner, der beständig um die Finanzierung seiner Orchester, Musicals etc. werben musste, doppelt prädestiniert für die gerne aus dem Elfenbeinturm heraus verachtete Marketingarbeit. Sie gehört aber zu einem guten Dirigenten und Komponisten seit Jahrhunderten dazu, denn unsere fast voll subventionierten Opernhäuser, die derartige Aktivitäten weniger vordringlich zu machen scheinen, sind nicht von ungefähr eine weltweite Rarität. Klappern gehört auch zu diesem Handwerk, und wenn jemand sich darauf gut versteht, ist das IMO kein Grund zur Geringschätzung - eher das Gegenteil.
Aber zum eigentlichen Thema, Bernstein selbst.
Ich hatte zwar nur einmal das Glück, ihn live zu erleben (und auch das nur begrenzt, nämlich in Tanglewood, wo man ihn auf meinem Rasenplatz kaum zu sehen bekam), aber es gibt wohl keinen anderen Dirigenten, dem ich so viele Erstbegegnungen mit mir unbekannter Musik verdanke, die mir seither unentbehrlich scheint, von Beethoven über Berlioz bis hin zu Carl Nielsen, ganz zu schweigen von den amerikanischen Komponisten, für die er sich stets vorbildlich eingesetzt hatte, etwa Gershwin oder Charles Ives' erste drei Symphonien, mit denen ich ohne sein leidenschaftliches Dirigat (und das seiner Schüler wie Tilson-Thomas) bis heute große Berührungsängste hätte.
Gleiches gilt für seine eigene Musik, wobei ich seine Werke für das Musiktheater eindeutig seinen Symphonien vorziehe. Jemand, der in so verschiedenen Genres wie der Oper (TROUBLE IN TAHITI für mich mehr noch als A QUIET PLACE, in die er seine frühere Kurzoper eingearbeitet hat), Operette (CANDIDE), Musical (ON THE TOWN, WEST SIDE STORY und das leider fehlgeschlagene und deshalb völlig zu Unrecht unbekannte 1600 PENNSYLVANIA AVENUE) dem Ballett (FANCY FREE), dem geistlichen Chorwerk (MASS) Werke geschaffen hat, die in ihrer Gattung zu den besten ihrer Zeit gehören, wird nie ganz in Vergessenheit geraten.
Jemand, der es vermochte, im aufgezeichneten wie im geschriebenen Wort so unvergleichlich differenziert und dennoch allgemein verständlich (sogar für Kinder in seinen YOUNG PEOPLES CONCERTS) tiefe Einblicke in das Wesen der Musik zu vermitteln, wird immer vorbildlich sein.
Jemand, der als Dirigent mindestens mit seinem leidenschaftlichen Einsatz für das jeweilige Werk jedermann beeindruckte, der ihn erlebte, bleibt vorbildlich, zumal dann, wenn ihm selbst in eher unausgeglcihenen Einspielungen so unerwartete Entdeckungen gelingen wie das selten als solches wahrgenommene "italienische" Terzett Marschallin-Octavian-Ochs im ersten Akt des ROSENKAVALIER (s. diesen Thread hier: Ensemblegesang)
Anlässlich seines 75. (?) Geburtstages gab es eine sehr schöne Würdigungsveranstaltung in Tanglewood, in der Lauren Bacall frei nach Kurt Weill auf das Köstlichste die Vielseitigkeit von "Poor Lenny" besang. Vielleicht war diese Vielseitigkeit sein Hauptproblem. Unser Kult des singulären Genies lässt ungern das Multitalent zu, sobald es sich über die Grenzen des komponierenden Librettisten hinaus wagt, und spekuliert umgehend, dass jemand, der vieles kann, unmöglich in allem gut zu sein vermag, folglich in nichts gut genug sein kann.
Bernstein passte eben in keine unserer vertrauten Schablonen, und deshalb war er manchem so unheimlich, dass er ihn lieber gleich abtat. Den Kern seiner Bedeutung hat sein Freund Marcel Prawy sehr gut erkannt, als er schrieb: "Mozart war der größere Komponist, aber wo sind seine Bücher? Schopenhauer war der größere Philosoph, aber wo sind seine Kompositionen?" Um so bewundersnwerter, dass man ihn nicht auf seine Vielseitigkeit zu reduzieren brauchte, sondern dass er es vermochte, mit jedem seiner Talente buchstäblich Hervorragendes in die Welt zu setzen.
Vieles davon wurde in diesem Thread schon erwähnt, Vieles fehlt noch.
Aber dieses Posting ist ohnehin schon zu lang. ![]()
Rideamus
Hallo Stabia,
eine interessante Einteilung, die Du für Dich gefunden hast.
Deckt sich durchaus auch mit meiner Wahrnehmung. Wenn ich beim Begriff der Liga bleibe, pendel auch ich hauptächlich zwischen der 1. und 3.. Allerdings spielt Karajan für mich kaum eine Rolle. Im Gegensatz zu Bernstein wirkt bei ihm vieles gewollt und rein dem Effekt dienlich.
Ich kann deshalb nicht nachvollziehen, weshalb Bernstein oft ein Hang zur Selbstdarstellung (Show) vorgeworfen wird, wenn er dirigierte. Ich erlebe seine Dirigate als echt. Das fällt mir bei Karajan eher schwer.
Gut sollte ein conducter sein, denke ich mal
Denke ich auch, nur: was hat ein Zugschaffner hier zu suchen?
Soweit ich weiß, war das keines von Bernsteins Multitalenten. Jedenfalls hat er sich nie darin versucht.
Rideamus
Hallo.
ZitatOriginal von Andreas
...
Ich kann deshalb nicht nachvollziehen, weshalb Bernstein oft ein Hang zur Selbstdarstellung (Show) vorgeworfen wird, wenn er dirigierte. Ich erlebe seine Dirigate als echt.
...
Beim Show-Vorwurf bin ich ambivalent. Grundsätzlich ist es so, dass wenn ich Bernstein erlebte, ich ihn stets als "echt" empfand. Nur stellte sich komischerweise häufig mit einem gewissen Abstand doch so ein Gefühl ein, dass diese Echtheit, diese Tiefe der Empfindung ein wenig zu offensiv zelebriert wurde. Interessanterweise hatte ich das Gefühl, dass die Tendenz zum Dick-Auftragen bei Bernstein mit dem Alter eher zunahm - und bei Karajan (vielleicht auch wegen dessen körperlichen Vermögens) abnahm.
Der frühe Bernstein ist mir jedenfalls der liebere.
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Gruß, l.
Hallo in die Runde,
ich bekam eine CD geschenkt, die sehr nach Raubkopie oder ähnliches aussieht:
Beethoven Klavierkonzert Nr. 5
Bernstein, Serkin
New York Philharmonic
Aufnahme: Manhattan Center, New York 1962
Label: Universe.
Kennt jemand diese Aufnahme, ich habe sie noch nicht gehört.
Lieben Gruß aus Bonn ![]()
Ich habe mich jetzt bereits in diesem Thread als Bernstein-Verehrer geoutet.
Trotzdem möchte ich an dieser Stelle noch mal ganz spontan ein Statement abgeben, sozusagen aus „aktuellem Anlass“:
Nach langen Jahren der Abstinenz erschien es mir nämlich heute plötzlich an der Zeit mal wieder zu Brahms Sinfonien zurückzukehren. Es sollte die 3. sein – und ich griff zu Bernstein (WP). Das war auch gut so. Bernsteins Interpretation entfernt Brahms vom Bild des formstrengen und konservativen Musicus, wie ich es noch in der Schule kennengelernt habe. Bei Bernstein wird die 3. zu einer wahren Seelenlandschaft, es wird unter emotionaler Höchstspannung musiziert. Melancholie pur. Besonders eindrucksvoll für mich die letzten beiden Sätze.
Ich weiß, dass Bernsteins Brahms von der Kritik arg in die Mangel genommen wurde. Ich kann das vor dem Hintergrund eines bestimmten Brahms-Bildes durchaus nachvollziehen. Kann dieses Bild aber in seiner Ausschließlichkeit nicht teilen und finde, Bernstein trägt einiges dazu bei, eine sehr spannende Seite von Brahms erlebbar zu machen.
Es bleibt dabei – Bernstein gehört zu den ganz Großen.
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ZitatOriginal von Edwin Baumgartner
Was ich allerdings wirklich für eine der Großtaten Bernsteins halte: Er war einer der ganz wenigen Dirigenten seines Renommees, der sich für neue Stücke eingesetzt hat, Uraufführungen gemacht und wesentliche Werke des neuen Repertoires nachdirigiert und vieles davon auch eingespielt hat. Mit Ausnahme von Stokowski, Boulez weiß ich keinen Dirigenten der Top-Garnitur der westlichen Hemisphäre, der ähnlich gehandelt hätte.
Das wird auch in Glenn Goulds Madrigal für den CBS-Präsidenten Goddard Lieberson angedeutet:
"Lennie Bernstein will Boulez spielen,
No no, auch Stockhausen?
Nein, nein, Lennie, das kannst du nicht machen,
warum musst du so verdammt avangardistisch sein?"
Was sicher als Kritik an der konservativen Aufnahmepolitik der Schallplattenfirma gemeint war.
Viele Grüße
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Hallo Andreas,
ich geselle mich zu Dir
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Wenn auch bei Bernstein, besonders im Alter, seine übertriebene Gestik kritisiert wurde. Ich glaube nicht, dass dies das sogenannte "Dick-Auftragen"
war. Er war m.E. immer mit dem Herzen dabei, und das hat man auch als Hörer gespürt.
LG ![]()
Emotione
Bernstein hat die Musik gelebt! Das kam von Herzen!
Von Schauspiel keine Spur!
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Unumstritten vielleicht nicht, aber gerade bei Bernstein käme ich im Traume nicht auf langweilig.
Was ihm besonders lag m.E., war Tschaikowsky, Mahler, Beethoven, sicher noch einige mehr.
