Jonas Kaufmann, von München aus die Welt erobert

  • Ja, danke, das war sie! Diese Mischung von Präzision und Begeisterung ist für jeden Musiker schön. Ich hatte in meinem Essener Vokalensemble ein Ehepaar als Dirigenten, sie war zuständig für den Klang und die Emotionalität (sie sang auch immer mit), er für die Präzision. Für einen Chorsänger der Himmel auf Erden!

    Odi et amo. quare id faciam, fortasse requiris. nescio, sed fieri sentio et excrucior (Catullus)

  • Meckern ist einfacher als jubeln. Also meckere ich erst einmal.


    Das Konzert hat mich nicht begeistert, überhaupt kein Funke übergesprungen. Gottschalk als Ansager im Goldanzug verkörperte bestenfalls Zirkusniveau. Die auswendig angesagten Texte beherrschte er, aber er als Klassikfan? Fehlbesetzung. Wenn er sagt, daß auch in Corona-Zeiten Beethoven wie Beethoven klingt, finde ich das deplaciert. Die Laudatoren fanden dagegen sehr oft die passenden Worte.


    Wie schon weiter oben bemerkt - Damrau und Kaufmann mögen gute Sänger sein, aber dem Publikum haben sie mit der Leharmelodie nur bedingt einen Gefallen getan. Sicher kann man Kaufmann mögen, aber mir sagt er in leichter Muse nicht zu, er ist eher ein "schwerer" Tenor. Und Damrau hat mir vor 10 Jahren im Dresdener Rigoletto besser gefallen.

    Marlis Petersen war exquisit, auch Elina Garanca. Anne-Sophie Mutter ist und bleibt nicht nur eine hervorragende Geigerin, ihre Optik ist zeitlos. Ich muß gestehen, daß mir auch die Klarinettistin gefallen hat. Und die Dirigentin.


    Als Anhänger von Wagner oder R. Strauss, von Bruckner oder Mahler war meine Musik natürlich unterrepräsentiert. Das hat wohl auch etwas zu tun mit dem situationsbedingt verkleinertem Orchester.


    Ich kann es kaum erwarten, daß diese Situation bald zu Ende geht. Meine Lieblingskomponisten nur über Konserven zu beziehen, das ist wie Essen aus der Dose.


    Die Einschätzung der Wertigkeit des Preises kann man unter der Überschrift "Das Elend mit dem Echo" in der FAZ finden. Ich versuche gar nicht, es hier einzustellen.


    Herzlichst La Roche

    Ich streite für die Schönheit und den edlen Anstand des Theaters. Mit dieser Parole im Herzen leb' ich mein Leben für das Theater, und ich werde weiterleben in den Annalen seiner Geschichte!

    Zitat des Theaterdirektors La Roche aus Capriccio von Richard Strauss.

  • Leider habe ich Marlis Petersen verpasst. Aber ich kenne sie aus ihrer Düsseldorfer Zeit, da war sie schon sehr gut. Elina Garanca ist immer gut. Neulich war sie Teilnehmerin bei der TV-Quizshow "Wer weiß denn sowas?" Mit B. Hoecker hat sie alle Fragen beantwortet; darüber hinaus erschien sie mir als die klügste Frau, die da dort jemals aufgetreten ist.

    Zurück zum Echo: diese Art von Sendung ist auch nicht so mein Ding, allerdings ist es doch schön, ganz neue junge Musiker kennenzulernen. Dazu, wie gesagt, das wunderbare Stück von Rameau auf dem Klavier von diesem Isländer, überhaupt nicht glamourös, aber intensiv.

    Odi et amo. quare id faciam, fortasse requiris. nescio, sed fieri sentio et excrucior (Catullus)

  • Die Überschrift dieses Threads kam mir in den Sinn als ich dieser Tage den ersten Aufzug der "Walküre" aus der Bayerischen Staatsoper hörte - und sah. Cavaradossi hatte im Forum darauf aufmerksam gemacht. Es war eine konzertante Aufführung in dieser Besetzung:


    Sieglinde: Lise Davidsen

    Siegmund: Jonas Kaufmann

    Hunding: Georg Zeppenfeld


    Bayerisches Staatsorchester

    Asher Fisch


    Mich freut, dass Kaufmann gerade in der Pandemie eine für meine Vorstellungen vollendete Leistung in München zustande brachte. Er ist nun auf einen Höhepunkt angelangt, auf dem ein Sänger nicht ewig verweilt. Gut, dass dies in München geschah. Seine ausgeruhte dunkle, verschattete Stimme sagt mir für den unglücklichen, durch göttliche Fremdbestimmung so belasteten Siegmund mehr zu als ein strahlender sportlicher Heldentenor. Er ist der tragischer Held. In den Erzählungen im Beisein des lauernden Hunding gibt es grandiose Momente. Er geht singend seiner Geschichte auf den Grund, gelangt in immer tiefere Schichten Als ob er bei Freud auf der Couch liegt. Selten ist mir ein Opernschicksal so nahe gegangen wie durch ihn in dieser ausdrucksstarken Darbietung. Kaufmann bringt das Wort in Vollendung mit der Musik zusammen. Die Wälse-Rufe, die sehr gut gelingen, sind mir nie so wichtig gewesen.


    Lise Davidsen, auf die sich der Fokus der Zuschauer zuerst gerichtet haben dürfte, bietet mir (noch) zu wenig. Stimmlich ist sie zwar sehr gut aufgestellt, kann aber kaum Stimmungen und tiefer gehenden Gefühle erzeugen. Sie singt die Rolle mehr, als dass sie sie gestaltet. Und sie wirkt auf mich trotz ihrer 34 Jahre etwas reif wie eine gestandene Kammersänngerin. Und bei Zeppenfeld darf man auch nicht an die ganz großen Vorgänger denken, wenngleich er seine Sache gut macht. Er ist immer so ernst bei der Sache, was für diese Rolle ja kein Nachteil ist. Asher Fish war sehr bei den Sängern, deckte sie nie zu und gönnte sich keine Darstellung in eigenen Sache. Ein sehr versierten und kollegialer Kapellmeister erster Güte. Alles in allem eine Aufführung, die ich nicht sofort zu den Akten legen werde. Ich werde sie noch oft hören. :)

    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Wobei Frau Davidsen aber mehr Schlußapplaus bekam als Herr Kaufmann und mir hat sie auch besser gefallen als Herr Kaufmann. Und es war eine konzertante Aufführung und auch das nur der erste Akt, so kann man das Gestalten einer Rolle auch nicht überwerten.

  • "Weihnachten mit Jonas Kaufmann" am 22. Dezember 2021 im Wiener Konzerthaus.

    Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz

    Dirigent Jochen Rieder


    Abgesehen davon, dass ich seine Stimme ohnehin nicht so mag (obwohl ich ihn in manchen Partien und Produktionen schon sehr gut finde) und mich dieses Konzert weniger als gar nicht interessieren würde, finde ich es eine Frechheit, was bei seinen Auftritten die Karten kosten sollen. Was soll das? Wer bitte zahlt im Konzerthaus mehr als 120 Euro, außer es spielen internationale Orchester oder die Wiener Philharmoniker und man will auf den teuersten Plätzen sitzen, wobei da die besten Plätze bei solch teuren Orchesterkonzerten nicht die teuersten sind, sondern auf dem Balkon Mitte weit unter 100 kosten. Bei Kaufmann zahlt man auf dem Balkon über 200 und die teuersten Karten kosten fast 300 Euro.

    Auch wenn Anna Netrebko in so einem Nepp-Konzert wie diesem auftritt, gibt es dieses Phänomen. Und interessanterweise sind solche Konzerte ausverkauft. Mich stößt das aber so ab, dass ich überhaupt nirgends (!) mehr hingehe, wo solche Künstler auf dem Programm oder auf dem Theaterzettel stehen, weil sie mir damit so unsympathisch geworden sind.

    Bitte bedenken Sie, dass lautes Husten - auch zwischen den Stücken - die Konzentration der Künstler wie auch den Genuss der Zuhörer beeinträchtigt und sich durch den Filter eines Taschentuchs o. ä. erheblich dämpfen lässt.

  • Mich stößt das aber so ab, dass ich überhaupt nirgends (!) mehr hingehe, wo solche Künstler auf dem Programm oder auf dem Theaterzettel stehen, weil sie mir damit so unsympathisch geworden sind.

    Hinter "solchen Künstlern" sehen oft ganze Konzerne, sie wollen alle mitverdienen. Sänger, wenn sie erst einen gewissen Namen haben, sind nicht mehr frei. Das war wohl schon immer so. Und sie wollen natürlich auch ihr Stück vom Kuchen haben. Veranstaltungen, von denen Du sprichst, lieber Melot, sind nicht für unsereinen gedacht. Sie haben auch nicht mit Kunst zu tun. Niemand kann so gut singen, dass ich dafür 300 Euro hinblätterte. Wer es zahlen kann und will, gibt denen Recht, die solche Preise verlangen. Angebot und Nachfrage! Und Weihnachten gehe ich dann doch lieber in eine Kirche, wo der Laienchor singt. Das erreicht mich mehr, das geht mir zu Herzen.

    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Ich hab aber nur einmal 250 DM gezahlt um die 3 Tenöre im Düsseldorfer Fußballstadion sehen zu können. Ich hab gemeint das ich für das Geld weit vorne sitzen würde, saß aber im Innenraum in der letzten Reihe uns konnte das Konzert fast nur über die Videowände verfolgen.

  • Rheingold1876, da bin ich ganz bei dir, was die Veranstaltung in der Kirche angeht. Genau so geht es mir. Ich liebe es und finde es so richtig erhebend, nicht nur immer wieder in der Wiener Franziskanerkirche, wo nicht gerade Laien spielen und singen, sondern auch in anderen kleineren Kirchen, auch auf dem Land, z. B. Waizenkirchen in Oberösterreich.


    Ich glaube auch, dass Veranstalter hinter besagten teuer verkauften Konzerten stehen. In dem von mir genannten Fall steht das hier auf der Website des Konzerthauses:

    Dieses Konzert wird im Rahmen einer Kooperation zwischen der Wiener Konzerthausgesellschaft, MünchenMusik und Semmel Concerts veranstaltet.


    Münchenmusik und Semmelkonzerte werde ich mir jedenfalls merken.

    Bitte bedenken Sie, dass lautes Husten - auch zwischen den Stücken - die Konzentration der Künstler wie auch den Genuss der Zuhörer beeinträchtigt und sich durch den Filter eines Taschentuchs o. ä. erheblich dämpfen lässt.