Skrjabin, Alexander: Die Klaviersonaten

  • Aus aktuellem Anlass Alle sprechen über dasselbe Musikwerk wage ich eine Belebung dieses Threads.


    Diese Gesamtaufnahme des Labels Brilliant Classics der gesamten Klaviermusik mit dem Pianisten Dmitri Alexeev kam schon vor im Thread. Skrjabin, Alexander: Die Klaviersonaten

    Die Rezensenten, wie man beim Werbepartner nachlesen kann, sind begeistert. Das inaktive Mitglied a.b. war es nicht. Er hatte aber auch nur die Hörschnipsel angeklickt.


    Zuerst erschienen die Scheiben einzeln, dann wurden sie in einer Box zusammengefasst. Bald war sie nicht mehr erhältlich.


    Das Label hat vor fünf Jahren die Wiederveröffentlichung gewagt.



  • Soll ich? Eigentlich wollte ich einen Punkt machen. ^^


    Danke jedenfalls an moderato!

    Lieber Fahrrad verpfänden denn als Landrat enden!

  • Gruß pt_concours


    So, jetzt habe ich die letzten Tage wieder relativ viel Skrjabin gehört und möchte mit einem Zitat von S.Richter schließen, welches ich gerne in abgewandelter Form verwende, hier aber in originaler Form verwendet werden kann:


    Skrjabin ist nicht das tägliche Brot, sondern eher ein berauschender Likör, den man sich von Zeit zu Zeit genehmigt.“ 1980 (frei übersetzt)

    Als Thread-Eröffner kennst du dieses Zitat sicherlich. Es liegt bei dir, zu entscheiden, ob du es wagen sollst.


  • Ich besitze nun seit kurzem die gezeigte Box. Ich hab sie eher als Komplettierung meiner selbat zusammengestellten "tönenden Musikenzyklopädie" gekauft, als da ich ermutet härre, die Musik könne mir gefallen. Derzei bin ich bei CD 2 angelangt -die Box ist erfreulicherweise nach Opuszahlen (in diesem Falle auch chronologisch) geordnet, so daß ich quasi nahtlos vom spätromantischen Stil in die Atonalität - oder besser in die Tonalität Skrijabins hinübergeliten kann (wenn ich es zulasse)

    Die Jugendwerke - soweit ich sie bis jetzt gehört habe, klingen eher unauffällig, belanglos und angenehm, hinterlassen bislang allerdings keinen aufwühlenden, oder begeisternden Eindruck bei mir. Schaut man im Harenber Klaviermusikführer nach, dann wundert man sich, wie bedeutend der Komponist von den Verfassern eingeschätz wird, da gibt es Seiten über Seiten.

    Die Box ist IMO keineswegs ein Fehlkauf: ( 8 Cds mit Klaviermusik -Scriabins Lebenswerk - zum Preis von 2 Vollpreis CDs)



    mfg aus Wien

    Alfred

    SPARE IN DER NOT - DA HAST DU ZEIT DAZU



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  • Aus dem spezielleren Thread zum Werk der Doppelwoche (Sonate 8) von heute teilweise leicht verändert herüberkopiert:


    Die späten atonalen Nummern sechs mit zehn sind für mich längst sehr unterschiedlich in Konzeption und Anlage, gewiss auch in der linearen Basis-Thematik, die keineswegs immer atonal erscheint, und wohl auch, was die typischen Floskeln im Rahmen der Polyphonie und der Binnenausgestaltung anbelangt.


    Nur muss ich gestehen, dass ich nur bedingt etwas anfangen kann mit emotionalen oder symbolistischen Differenzierungen. Das muss ja nicht heißen, dass anderen das nicht vielleicht eher gelingt. Zwiespältig empfinde ich von daher auch die Farbsymbolik des Meisters und die vielen Detailattribute, von denen er in seinen Schriften (1) spricht und die ich ihm freilich nicht in Abrede stellen kann - wer wäre ich da! Doch was soll ich damit anfangen, wenn es zwei Beinamen gibt - oder sich zwei Beinamen durchgesetzt haben, eben diese beiden Messen - und ansonsten keine Beinamen zu finden sind oder dies scheinen?


    Und wenn Skrjabin selbst seine letzte Sonate mit Insekten assoziiert, dann begreife ich diese Bildlichkeit durchaus nicht. Sie wirkt auf lächerliche Weise lautmalerisch und desvouiert irgendwo den esoterisch-symbolistischen Gesamtansatz.


    (1) Freilich kenne ich diese Schriften nur in Auszügen anhand von Booklets und anderen Texten zweiter Hand.


    :P Wie viele Insekten sind da erst Beethoven in der Aria seiner letzten Sonate zugeflogen! Überdies ist das Trillermodell keines erst der letzten Sonate von Skrjabin.


    :cheers: Wolfgang

    Lieber Fahrrad verpfänden denn als Landrat enden!

  • An dieser Stelle sehe ich mich genötigt, auf den zweiten Band des Reclam-Klaviermusikführers zu verweisen, der (vermutlich durchwegs) für ein an Laien gerichtetes Handbuch ein erfreuliches Niveau aufweist - so auch zu den theoretischen Grundlagen der späten Sonaten Skrjabins.


    Die Harmonik basiert auf Dreiklängen, wobei die Dur-Terzen so verknüpft sind, dass jeweils einen Halbton tiefer sich die nächste progressiv anschließt - also etwa: c - e - es - g - ges - b - a -cis.

    So entsteht - natürlich auf weitaus komplexere Weise sowohl linear wie akkordisch - die charakteristische Tonalität Skrjabins. Die Musik ist also nur scheinbar atonal, abgesehen ohnehin von manchen klarer tonal geprägten Melodien. Davon war die bereits die Rede bei der Betrachtung der neunten Sonate, kürzlich Werk der Doppel-Woche.


    Dem Reclam-Band zufolge - und sich ohnehin auch aus dem relevanten Wikipedia-Artikel ergebend - ist der sogenannte "Mystische Akkord" wesentlich einfacher zu bestimmen. Er besteht aus Quarten und wird ideal verwirklicht im Prometheus. Angeblich spielt er aber für die Klaviersonaten gar keine Rolle und man kann (oder könnte) ihn dann natürlich auch nicht entdecken.


    Ich lasse indes mal alles so stehen, was vor wenigen Wochen im dortigen Kontext - und nicht nur von mir - geschrieben wurde. Zwar leuchtet mir das Konzept so ein, wie es im Reclam-Band präsentiert wird. Aber daraus folgt nun nicht messerscharf, dass jener mystische Akkord partout keine Rolle spielt in den späten Sonaten. Denn das glaube ich schon auch oder besser auch nicht 8o.


    Hier mögen sich jetzt Experten der Musikwissenschaft melden, sollten sie hier mitlesen. Ich bin keiner - nicht annähernd. Das Einzige, was mich ein wenig ärgert, ist die banale Tatsache, dass ich die Passagen zu Skrjabin vor wenigen Jahren gelesen hatte. Daran gedacht hatte ich aber nicht mehr. :(


    :cheers: Wolfgang

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