Verachtet mir die Meister nicht - Richard Wagner: Die Meistersinger von Nürnberg

Alfred_Schmidt · 295 Beiträge · letzte Antwort von Rheingold1876

295 Beiträge
  • Hallo Giselher,
    ich teile Deine Einschätzung völlig. Zumal der "Lohengrin" den Angriffskrieg rühmt. Es heißt nämlich, Lohengrin führe einen Kampf "gegen einen Feind, der uns nie bedroht". Meiner Meinung nach ist das die einzige Oper, bei der ich es verstehe, daß der Starverbrecher der Weltgeschichte sie geschätzt hat.
    In den "Meistersingern" ist die Deutschtümelei meiner Meinung nach deshalb schwächer, weil es in der bewußten Ansprache um den Unterschied zwischen den angehobenen Fürsten der romanischen Prägung und dem im Idealfall volkstümlichen deutschen Fürsten geht.
    Abgesehen davon wage ich zu behaupten, daß weder ein Autor noch ein Komponist daran schuld ist, wenn er lange nach seinem Tod von einem gehirnweichen Diktator vor seinen ideologischen Karren gespannt wird.
    LG

    ...

  • Moin,


    ich wollte gar keine Diskussion a la "Es ist viel Hitler in Wagner" vom Zaun brechen. Leider hab ich ja auch schon erleben müssen, dass ein Thread bei Tamino gesperrt wurde, der sich in diese so intererssante wie diskutierenswerte Richtung bewegte. Ich denke, alle, die sich hier gern (oder weniger gern) mit Wagner befassen, haben sich auch mt dessen Wechselwirkung mit den oder zumindest Adaption duch die Nazis beschäftigt.


    Um den eingangs zitierten Thomas Mann noch mal zu bemühen. Er stellte während des Zweiten Weltkriegs die Frage: "Wenn zweien dasselbe gefällt und einer davon ist minderwertig - ist es dann auch der Gegenstand?" (Das Wort minderwertig in diesem Zusammenhang zu verwenden, fiele heute wohl auch niemandem mehr ein.)


    Aber wie gesagt, solche Diskussionen sind hier wohl nur schwer zu führen. Leider.


    Und ich will das lohnende Meistersinger-Thema nicht blockieren. Mir war es nur darum zu tun, dass ich mit eben diesem Werk mehr Probleme hatte, als zum Beispiel mit dem Lohengrin. Das wird - namentlich, wenn ich das von Giselher angeführte bedenke - an meiner mehr oberflächlichen Beschäftigung mit letzterem Musikdrama geschuldet sein. Aber das wird geändert. Und ich danke für die Anregungen.


    :hello:


    Gruß, l.

    "Jein".

    Fettes Brot

  • Zitat

    "Wenn zweien dasselbe gefällt und einer davon ist minderwertig - ist es dann auch der Gegenstand?"


    Thomas Mann in allen Ehren - aber allein die Frage ist absurd! Wie wir wissen, war Stalin ganz vernarrt in ein Mozart-Klavierkonzert (leider ist mir entfallen, welches es war) - er hörte es noch auf dem Sterbebett. Müssen wir uns jetzt überlegen, ob Mozarts Klavierkonzerte minderwertig sind?
    Prinzipiell habe ich gegen "Nationalopern" oder nationale Festopern absolut nichts einzuwenden. Warum soll ein Komponist nicht stolz auf seine Nation sein dürfen? Meiner Meinung nach muß das ebenso akzeptiert werden wie eine etwaige kritische Distanz des Komponisten.
    Das Problem entsteht erst, wenn aus dieser Nation ein verbrecherischer Diktator hervorgeht, der die Ehre der ganze Nation nachhaltig beschädigt. Zwangsläufig wird dann alles als korrumpiert betrachtet, was mit diesem Diktator zusammenhängt.
    Ein Beispiel: In München steht ein Museum, das Hitler bauen ließ und "Haus der Deutschen Kunst" nannte. Nach dem Krieg wurde es in "Haus der Kunst" umbenannt, weil "deutsch" zu einem Pfui-Wort geworden war.
    Aber hätten bzw.haben wir ähnliche Gefühle bei einem "Museum of American Arts"? Oder einem "British Museum"?
    Deshalb finde ich es schade, daß man Werke wie die "Meistersinger", die nun wirklich nichts für die Hitler-Diktatur können (und auch als Oper des Bürgertums nicht eben eine Militär-Diktatur ideologisch unterstützen), immer wieder verteidigen muß gegen die Unterstellung, diese Oper wäre eine Paradeoper der Nationalsozialisten gewesen.
    Das war sie ebenso wenig, wie Mussorgskijs "Boris Godunow" die Paradeoper des Leninistisch-Stalinistischen Verbrecherregimes war.

    ...

  • Ich habe Barenboim in Bayreuth(Holl) erlebt und in Berlin (Struckmann) und war jedesmal begeistert , wobei Struckmann als Sachs (ein viriler Konkurrent für Stolzing!) die Nase vorn hat.
    Wem die Oper unter "Generalverdacht" steht, sei nochmal die hier bereits erwähnte DVD mit Prey als Beckmesser empfohlen: Der Stadtschreiber als tragischer, liebenswerter Intellektueller, der in dieser Inszenierung nicht denunziert wird und mit versöhnlichem Schluss.
    Das absolute Gegenteil ist IMO Keilberth mit Kusche als Beckmesser, der den Trottel gibt.

    res severa verum gaudium


    Herzliche Grüße aus Sachsen
    Misha

  • Lieber Edwin Baumgartner,


    es ging mir wie gesagt nicht darum, eine Grundsatz-Diskussion zu führen.


    Gleichwohl finde ich es völlig opportun, Fragen zu stellen, wie es eben auch Thomas Mann tat.


    Ich denke auch nicht, dass der Problemkreis "Wagner und die Nazis" damit erschöpfend betrachtet ist, dass Wagner qua Geburtsdatum kein Nazi sein konnte. Oder dass Nationalopern ja an sich nichts Verwerfliches seien. Beides ist doch unbestritten.


    Eher ginge es um Themen wie Antisemitismus, um übersteigerte Vaterlandsliebe, um Todessehnsucht usf.


    Ich habe die Fragen, die ich mir dazu bislang stellte, pro Wagner bantwortet. Nicht umsonst nenne ich ihn als meinen Lieblingskomponisten. Aber es steht doch ebenso außerhalb jeden Zweifels, dass Wagner eine schillernde, vielmehr noch eine hochgradig ambivalente Person ist. Und bei ihm steht eben auch nicht die Musik für sich allein; dazu hat er denn doch zu viel und mit zu großer Ernsthaftigkeit veröffentlicht.


    Ich kann es keineswegs als ärgerlich empfinden, sich über derlei Gedanken zu machen, Fragen zu stellen.


    Bei mir hat dies - vor allem auch auf Grund der Anregungen in just diesem Thread - dazu geführt, dass ich beginnen konte, mir ein Werk Wagners zu erschließen, zu dem ich vormals überhaupt keinen Zugang fand.


    Gruß, l.

    "Jein".

    Fettes Brot

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  • Lieber Lohengrins!
    Meiner Meinung nach wird in dieser Frage das Pferd aber vom Schwanz her aufgezäumt. Wagner war Parteigänger von einzig und allein einem Mann: Wagner. Wenn ein jüdischer Komponist einen Mega-Erfolg landete, fraß Wagner der Neid und er war Antisemit. Wenn er von Juden Unterstützung erfuhr, umgab er sich mit einem fast ausschließlich jüdischen Freundeskreis. Man kann sich bei diesem Mann ohne feste Meinung alles heraussuchen, was man will, Menschenfreundliches wie Menschenfeindliches. Niemanden hat das sonderlich gestört. Bis Hitler kam, die Wagnerschen Auswüchse, die es eben auch gab, ideologisierte - und seither werden Fragen gestellt.
    Dieselben Fragen müßte man sich aber auch in Bezug auf Alban Berg stellen, an dessen Antisemitismus die Freundschaft zu Schönberg zerbrach, und in Bezug auf Anton Webern, über dessen Verhältnis zum Nationalsozialismus der Mantel eisigen Schweigens gebreitet wird. Und dazu kommen noch massenhaft andere Künstler.
    Natürlich sind solche Fragen berechtigt - nicht berechtigt finde ich allerdings, sie immer wieder mit Ausschließlichkeit im Fall Wagner - und hier speziell im Zusammenhang mit den "Meistersingern" - zu stellen. Mit gleicher Berechtigung müsste man sie nämlich auch im Fall Eugen d'Albert stellen - denn nicht die "Meistersinger" waren Hitlers liebste Oper, sondern "Tiefland"...
    LG

    ...

  • Besonders abenteuerlich fand ich immer die Thesen von Zelinsky, der sein Buch 1976 nach dem Motto "Was nicht passt wird passend gemacht" geschrieben hat (Kurzfassung seiner Thesen "http://www.wz.nrw.de/magazin/artikel.asp?nr=230&ausgabe=1999/4&titel=Wagners^Vernichtungsantisemitismus?&magname=Wagner^im^Dritten^Reich"
    )
    Mir scheint das aber auch symptomatisch für den deutschen Umgang mit der Geschichte zu sein. Da meinen viele Vergangenheitbewältigung nur in Form von Flagellantismus betreiben zu können und dazu müssen natürlich "Heroen" der Kultur "vom Sockel geholt" werden. Wagner - Edwin hat in treffend caharkterisiert - bietet sich da ob seiner gelegentlichen Entgleisungen als dankbares Objekt an.

    res severa verum gaudium


    Herzliche Grüße aus Sachsen
    Misha

  • Zitat


    Man kann sich bei diesem Mann ohne feste Meinung alles heraussuchen, was man will, Menschenfreundliches wie Menschenfeindliches. Niemanden hat das sonderlich gestört. Bis Hitler kam, die Wagnerschen Auswüchse, die es eben auch gab, ideologisierte


    Stimmt. Wöllte man etwa Wagner gegen den Nationalsozialismus stellen, müsste man nur seine politischen Zeitungsartikel aus jener Zeit bemühen, in der er eng mit Bakunin befreundet war.


    Etwa:


    "Ich (gemeint als: "ich, die revolution", Anm. Myschkin) will zerstören jeden Wahn, der Gewalt hat über den Menschen. Ich will zerstören die Herrschaft des Einen über die Andern, der Todten über die Lebendigen, des Stoffes über den Geist; ich will zerbrechen die Gewalt der Mächtigen, des Gesetzes und des Eigenthums. Der eigne Wille sei der Herr des Menschen, die eigne Lust sein einzig Gesetz, die eigne Kraft sein ganzes Eigenthum, denn das Heilige ist allein der freie Mensch, und nichts Höheres ist denn Er. Vernichtet sei der Wahn, der Einem Gewalt giebt über Millionen, der Millionen unterthan macht dem Willen eines Einzigen, der Wahn, der da lehrt: der Eine habe die Kraft die Andern alle zu beglücken. Das Gleiche darf nicht herrschen über das Gleiche, das Gleiche hat nicht höhere Kraft denn das Gleiche, und da Ihr Alle gleich, so will ich zerstören jegliche Herrschaft des Einen über den Andern.
    (...)
    Zerstören will ich die bestehende Ordnung der Dinge, welche die einige Menschheit in feindliche Völker, in Mächtige und Schwache, in Berechtigte und Rechtlose, in Reiche und Arme theilt, denn sie macht aus Allen nur Unglückliche."

    Gedruckt in Volksblätter Nr. 14, Dresden, am Sonntag, dem 8. April, 1849.


    (Der ganze Text lässt sich über die Stichworte "wagner" und "die revolution" über google finden)


    Zitat


    Dieselben Fragen müßte man sich aber auch in Bezug auf Alban Berg stellen, an dessen Antisemitismus die Freundschaft zu Schönberg zerbrach, und in Bezug auf Anton Webern, über dessen Verhältnis zum Nationalsozialismus der Mantel eisigen Schweigens gebreitet wird.


    Berg soll Antisemit gewesen sein?
    Wo kann man mehr darüber lesen?

  • Zitat

    Wo kann man mehr darüber lesen?


    Leider nirgends.
    Meine Quelle ist Richard Hoffman, Komponist und Sekretär von Arnold Schönberg in den USA. Hoffman berichtete mir von einem Streit zwischen Berg und Schönberg, der sich in aller Öffentlichkeit, nämlich bei einem gemeinsamen Spaziergang auf der Wiener Ringstraße abgespielt haben soll. Unter anderem habe Schönberg Berg vorgeworfen, in dem von Berg erstellten "Lulu"-Libretto kämen namentlich im 3. Akt antisemitische Stellen vor. Berg soll darauf mit tatsächlich antisemitischen Aussprüchen geantwortet haben, wodurch die Freundschaft zwischen Berg und Schönberg zerbrochen ist.
    Meines Wissens nach wird in der Literatur auch von diesem Bruch nichts erwähnt. Wer freilich Richard Hoffman kennt, wird niemals auf die Idee kommen, es handle sich lediglich um eine von ihm erfundene Geschichte.

    ...

  • Zitat

    Original von Edwin Baumgartner
    Lieber Lohengrins!
    Meiner Meinung nach wird in dieser Frage das Pferd aber vom Schwanz her aufgezäumt. Wagner war Parteigänger von einzig und allein einem Mann: Wagner. Wenn ein jüdischer Komponist einen Mega-Erfolg landete, fraß Wagner der Neid und er war Antisemit. Wenn er von Juden Unterstützung erfuhr, umgab er sich mit einem fast ausschließlich jüdischen Freundeskreis. Man kann sich bei diesem Mann ohne feste Meinung alles heraussuchen, was man will, Menschenfreundliches wie Menschenfeindliches. Niemanden hat das sonderlich gestört. Bis Hitler kam, die Wagnerschen Auswüchse, die es eben auch gab, ideologisierte - und seither werden Fragen gestellt....
    LG


    Lieber Edwin,


    was du als "Mann ohne feste Meinung" charakterisierst, das meinte ich mit den Attributen "schillernd und ambivalent".


    Nochmals also zur Klarstellung: Mir geht es nicht darum, Wagner zum Nazi zu machen. Aber es muss doch wohl erlaubt sein, Fragen zu stellen, die um seinen Antisemitismus, die Todesverklärung usf. kreisen. Das heißt auch keineswegs, lieber Misha, dass dies Flagellantentum ist. Ich empfinde es für mich als wichtig, mich mit einem Komponisten, den ich über die Maßen schätze, so weit auseinaderzusetzen, dass ich ihn mir als Menschen vorstellen kann. Der Einwand, dass etwaig missgünstige Äußerungen ledglich "gelegentliche Entgleisungen" sind, greift mir insofern zu kurz.


    Dass man es leid ist, immer wieder die Meistersinger als Ausgangspunkt kritischer Fragen zu erleben, bedaure ich. Mein Kritk-Ansatz war insofern jedoch (mt Ausnahme von Sachsens Schlussansprache) ein höchstpersönlicher: Die Oper gefiel mir nicht, war mir zu dumpf, und im Gesamteindruck eben auch "deutschtümelnd". Doch notabene habe ich ja vordem erwähnt, dass ich dank dieses Threads glücklicherweise auf die HvK-Einspielung aufmerksam gweorden bin. Und nun befasse ich mich eben intensiver mit den Meistersingern, musste auch manches Urteil als Vorurteil sehen.


    Gleichwohl bin ich dankbar, dass die behauptete Unlust manches Taminoaners nicht zum automatischen Exitus dieser Diskussion geführt hat. Jede echte Meinung, die man aufnimmt, vervollständigt ja ein Bild.


    :hello:


    Gruß, l.

    "Jein".

    Fettes Brot

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  • Hallo Lohengrins,
    versteh' mich bitte nicht falsch - auch bei mir ist der Zugang zur Person eines Komponisten, auch dessen dunkle Seiten kennenzulernen. Eine eindimensionale Heroisierung, wie sie im Positivismus üblich war, ist in keinem Fall haltbar.
    Worum es mir geht - das trifft nicht Dich persönlich, sondern die allgemeine Diskussion in der Sache: Warum immer wieder ausgerechnet Wagner?
    Denn verehrt haben die Nationalsozialisten auch Bruckner, Schumann, Beethoven, Wolf und vor allem Liszt, dessen "Les préludes" sie bekanntlich als Kennung für die Siegesmeldungen mißbrauchten. Sie alle sind in der gleichen Lage wie Wagner: Sie konnten sich gegen den Mißbrauch ihrer oft grandiosen Musik nicht mehr wehren.
    Bei ihnen werden solche Fragen allerdings kaum gestellt - zurecht nicht, weil es meine tiefste innere Überzeugung ist, daß man ein Verbrechen nur dann begehen kann, wenn man die Chance hat, sich auch anders zu entscheiden.
    Wenn die bewußte Frage aber immer wieder nur an Wagner festgemacht wird bis zur absurden Behauptung, daß Hitler der geistige Sohn Wagners war (damit meine ich nicht Deine Beiträge, sondern die allgemeine Diskussion, etwa seitens des unseligen Hartmut Zelinsky), bekommt man eben das Gefühl, daß hier ein "Denkmal" gestürzt werden soll.
    Und das finde ich höchst bedenklich - zumal Wagner eine der tragenden Säulen der Musikgeschichte ist.
    LG

    ...

  • Hallo Edwin,


    vielen Dank. Ich verstehe Deine Diskussionslinie jetzt viel besser.


    (Und als studierter, nicht ausübender Jurist muss ich sagen, dass Deine Formulierung "meine tiefste innere Überzeugung ist, daß man ein Verbrechen nur dann begehen kann, wenn man die Chance hat, sich auch anders zu entscheiden" natürlich überzeugen muss.)


    Und vielleicht ist das ja wirklich die entscheidende Frage: Warum ausgerechnet immer wieder Wagner?


    Vielleicht, weil er sich so weit ich das überblicken kann, von den genannten Komponisten am ausführlichsten schriftlich geäußert hat - auch zu Themen, die nicht direkt oder ausschließlich Musik zum Thema haben.


    Vielleicht, weil seine Nachfahren (Winifred zum Beispiel) sich so willfährig vor den braunen Karren haben spannen lassen - und ihm das (völlig zu Unrecht) angelastet wird, a la umgekehrter Sippenhaft.


    Vielleicht, weil die Festspiele ein derart symbolmächtiger Ort und Anlass sind, bei dem ein Missbrauch besonders schwer und nachhaltig wiegt.


    Vielleicht, weil Wagner (ähnlich wie Nietzsche) stets polarisierte (und es darauf zu Lebzeiten auch anlegte).


    Wirklich eine gute, nachdenkenswerte Frage. Dankeschön.


    :hello:


    Gruß, l.

    "Jein".

    Fettes Brot

  • Hallo Edwin


    Zitat

    Worum es mir geht - das trifft nicht Dich persönlich, sondern die allgemeine Diskussion in der Sache: Warum immer wieder ausgerechnet Wagner?
    Denn verehrt haben die Nationalsozialisten auch Bruckner, Schumann, Beethoven, Wolf und vor allem Liszt, dessen "Les préludes" sie bekanntlich als Kennung für die Siegesmeldungen mißbrauchten.


    Ich stimme mit deinen Aussagen weitgehend überein. Aber eine mögliche Hilfestellung zu deiner Frage:


    Bruckner: Österreicher (außerdem völlig unpolitisch)
    Schumann: Waldesrauschen-Romantik (überspitzt, ich weiß, aber politisch kann man ihm schwer kommen)
    Beethoven: Wahl-Wiener (und Aufklärer)
    Wolf: Österreicher
    Liszt: Ungar (oder damals Österreicher)


    Ich denke, du siehst, worauf ich hinaus will. Wenn du einen Komponisten suchst, der sich auch gesellschafts- oder kulturpolitisch geäußert hat (und wenige haben es so eifrig betrieben wie Richard W.), und der mit Deutschem Wesen, Deutschtum oder Deutsch-WasWeißIchNoch in Zusammenhang gebracht werden kann, fällt automatisch als erster Name Wagner. Man kann es auch einen historischen Zufall nennen, aber es ist einfach so...

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!


  • Zitat

    Original von Kurzstueckmeister
    Hitler: Österreicher (und wie sind seine Bilder?)


    Das ist eben ein sehr schlechter Treppenwitz der Weltgeschichte....



    Davon gibt es aber bei einigem Suchen sicherlich reichlich Vorläufer (Alexander war kein Grieche, Napoleon kein Franzose...)

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!


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  • Irrtum. Alle genannten waren Deutsche. Sowas wie "österreichische Nation" ist erst später erfunden worden.


    (Mit "alle genannten" meine ich jetzt weder Alexander den Kleinen, noch Napoleon.)

  • Wir diskutieren aber hier darum, warum heute die Meinung so eindeutig auf Richard W. zielt...

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!


  • Zitat

    Original von Kurzstueckmeister
    Irrtum. Alle genannten waren Deutsche. Sowas wie "österreichische Nation" ist erst später erfunden worden.


    Historisch nicht ganz korrekt: Seit 1804 gibt es ein österreichisches Kaiserreich (und damit auch einen österreichichischen Staat) auch wenn das damals natürlich ganz Kakanien umfasste. Insofern hat Theophilus mit seiner Zuordnung recht. Aber nun zurück zu Wagner!


    Herzliche Grüße,:hello: :hello:


    Christian

    Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen! (Cato der Ältere)

  • Ob "Staat" und "Nation" dasselbe war?


    Aber Du hast Recht, zurück zu Wagner. Als Freund alter Instrumente bei alter Musik habe ich natürlich folgende CD meiner Sammlung einverleiben MÜSSEN:


    Wagner Ouvertüren
    Norrington dirigiert seine London Classical Players


    Bislang hat mich die Meistersingerouvertüre in dieser Aufnahme immer mitgerissen!



  • Geht mir auch so! Ich fand es immer wahnsinnig schade, dass Norrington den Weg nicht weiter beschritten und eine ganze Wagner-Oper aufgenommen hat. Zwar bin ich kein Wagnerianer (wieder so ein diffiziler Begriff :D ) doch diese Aufnahme ist durchaus eine, die ich mit auf die Insel nehmen würde.


    Herzliche Grüße,


    Christian


    P.s.: Das Faß "Staat" oder "Nation" lassen wir mal besser zu. Ganze Generationen von Historiken haben dazu seit Jahrhunderten jede Menge Papier und Tinte verbraten. ;)

    Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen! (Cato der Ältere)

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  • Hallo Leute,


    stellt doch mal eure Meistersinger-Aufnahmen vor;
    ich fange an:


    Müller-Lorenz-Prohaska/Furtwängler (Bayreuth 1943)
    Scheppan-Suthaus-Schöffler/Abendroth (Bayreuth 1943 :jubel: )
    Schwarzkopf-Hopf-Edelmann/Karajan (Bayreuth 1951)
    Bode-Cox-Ridderbusch/Varviso (Bayreuth 1974)
    Flemming-Seiffert-Holl/Barenboim (Bayreuth 1996)
    Watson-Thomas-Wiener/Keilberth (München 1963)
    Janowitz-Konya-Stewart/Kubelik (München 1967 :jubel: )
    Reining-Noort-Nissen/Toscanini (Salzburg 1937)
    Jessner-Kullman-Schorr/Leinsdorf (Metropolitan 1939)


    Gruß Heldenbariton

    Wie aus der Ferne längst vergang´ner Zeiten
    GB

  • Bei mir sieht's in der Sammlung so aus:


    Keilberth / München /Eurodisc
    Knappertsbusch / Studio Wien
    Knappertsbusch / live München :jubel: :jubel:
    Kubelik / München :jubel: :jubel: :jubel:
    Sawallisch / München :jubel:
    Solti / Chicago
    Toscanini / Salzburg

    ...

  • Nun gut, hier meine Liste...


    CD / CD-ROM:


    - Bodanzky MET 1936 live (Schorr, Maison, Rethberg) :jubel:
    - Toscanini Salzburg 1937 live (Nissen, Noort, Reining)
    - Furtwängler Bayreuth 1943 live (Prohaska, Lorenz, Müller)
    - Abendroth Bayreuth 1943 live (Schöffler, Suthaus, Scheppan) :jubel:
    - Böhm Wien 1944 Radio (Schöffler, Seider, Seefried)
    - Jochum München Staatsoper 1949 live (Hotter, Treptow, Kupper) :jubel:
    - Karajan Bayreuth 1951 live (Edelmann, Hopf, Schwarzkopf)
    - Knappertsbusch Bayreuth 1952 live (Edelmann, Hopf, della Casa)
    - Kempe EMI Berliner PO 1956 Studio (Frantz, Schock, Grümmer) :jubel:
    - Knappertsbusch Bayreuth 1960 live (Greindl, Windgassen, Grümmer)
    - Kubelik München 1967 Radio (Stewart, Konya, Janowitz) :jubel:
    - Goodall ENO 1968 live (englisch) (Bailey, Remedios, Curphey)
    - Karajan EMI Dresden 1970 Studio (Adam, Kollo, Donath)
    - Varviso Philips Bayreuth 1974 live (Ridderbusch, Cox, Bode)
    - Dohnanyi Wien 1975 live (Ridderbusch, King, Janowitz)
    - Sawallisch EMI München 1993 Studio (Weikl, Heppner, Studer)
    - Levine MET 2001 live (Morris, Heppner, Mattila)


    DVD:


    - Stein DG Bayreuth 1984 (Weikl, Jerusalem, Häggander)
    - Leitner Zürich 1984 live (McIntyre, Kollo, Niehoff) :jubel:
    - Frühbeck de Burgos ArtHaus Berlin 1995 (Brendel. Winbergh, Johansson)
    - Levine DG MET 2001 live (Morris, Heppner, Mattila)



    Grüße


    GiselherHH

    "Mache es besser! (...) soll ein bloßes Stichblatt sein, die Stöße des Kunstrichters abglitschen zu lassen."


    (Gotthold Ephraim Lessing: Der Rezensent braucht nicht besser machen zu können, was er tadelt)

  • Wieso, das sind doch nur die absolut notwendigen Einspielungen... :D Aber andere Forumsmitglieder haben von ihrem jeweiligen CD-Steckenpferd noch weit mehr Einzelaufnahmen!

    "Mache es besser! (...) soll ein bloßes Stichblatt sein, die Stöße des Kunstrichters abglitschen zu lassen."


    (Gotthold Ephraim Lessing: Der Rezensent braucht nicht besser machen zu können, was er tadelt)

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  • Hallo Giselher!
    An meinem linken großen Zeh hängt ein kleines grünes Ding mit Glupschaugen, vier Augen, sieben Beinen (eines kommt mitten aus dem Schwanz!!!) und großen schwarzen Zähnen und knabbert und knabbert.
    Das ist der Neid, der mich frißt!
    Woher hast Du den Goodall...????
    :hello:

    ...

  • Hallo Edwin,


    "nun nage Dich Neid..." :D Dem lieben Tierchen an Deiner unteren Extremität verpaßt Du am besten einen anderen Schnuller und besorgst Dir, wie ich, die CD-ROM "The Operas of Richard Wagner" aus der "Audio Encyclopaedia" des amerikanischen Opernenthusiasten Mike Richter (Überblick unter wehwehweh.mrichter.com/ae/ae.htm), auf der ist der Goodall-Mitschnitt auch drauf (kostet wie jede andere CD-ROM dieser Serie etwa 10 US-Dollar plus Versand). Die Audio-Qualität ist zwar nur passables Mono, aber man hört doch mehr als genug, um einen Eindruck von der Aufführung zu gewinnen. Goodall wird seinem Ruf als Langstreckendirigent mal wieder mehr als gerecht (5 Stunden reine Spielzeit!), aber wenn man sich einmal auf das langsamere Grundtempo eingelassen hat, dann findet man sich schnell zurecht. Und wenn er dann mal das Tempo anzieht, dann wirkt das gleich viel stärker!


    Ich hatte vor einiger Zeit in einer Newsgroup Gerüchte gelesen, dass CHANDOS die Aufnahme in ihrer englischen Opern-Serie herausbringen würde. Momentan scheint das Projekt aber wegen rechtlicher Probleme auf Eis gelegt zu sein.


    Grüße


    GiselherHH

    "Mache es besser! (...) soll ein bloßes Stichblatt sein, die Stöße des Kunstrichters abglitschen zu lassen."


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  • Zitat

    Original von GiselherHH
    Wieso, das sind doch nur die absolut notwendigen Einspielungen... :D Aber andere Forumsmitglieder haben von ihrem jeweiligen CD-Steckenpferd noch weit mehr Einzelaufnahmen!


    Ich habe tatsächlich meiner Meinung nach von einigen Dingen schon zu viel. Aber 17mal habe ich nichtmal die Eroica oder die 5. von Beethoven...(Maximum bei Opern dürfte 4x Don Giovanni sein).
    Was nicht heißen soll, dass es etliche gibt, die mehr haben...


    Zum Thema. Zwar bin ich kein großer Wagnerkenner, aber ich möchte diversen genannten Punkten zustimmen bzw. sie bekräftigen. Von der letzten Szene abgesehen, kann ich nichts Nationales entdecken, selbst hier geht es um die Kunst, nicht um das Reich. Und selbstverständlich verspottet Wagner die zum steifen Pomp neigenden Meistersinger mit all der gelehrten Polyphonie schon in der Ouverture, allerdings auf gutmütige Weise. Komödie bedeutet in der Oper selten Schenkelklopfen, ich finde die Beckmesserszenen jedoch auch nicht besonders witzig. Bei Wagner reicht zur Klassifikation als Komödie wohl schon, dass es keine Toten gibt :stumm:
    Die Thematisierung von Kunst, Künstlertum, Tradition und Neuerung finde ich sehr spannend, das Verhältnis von "Regel" und "Freiheit" durchaus schlüssig formuliert in Sachsens Antwort auf Walters Frage, wie er nach der Regel anfange, "Ihr stellt sie selbst und folgt ihr dann."


    viele Grüße


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Habe mir in Bayreuth mal den Barenboim zugelegt weil er dort sehr günstig zu erwerben war.


    Also das Dirigat gefällt mir sehr gut.Ich schätze generell Barenboim sehr als Wagnerdirigent aber darüber sind die Meinungen ja geteilt.
    DIe Aufnahme gefällt mir schonmal wesentlich besser als Solti!
    Karajan hab ich grad nicht im Ohr werd ich morgen mal hören.


    Glanzpunkt für mich Robert Holl als Sachs :jubel:
    Die Meister im gesamten sehr gut.
    Seiffert mag ich sowieso sehr als Stolzing...
    Auch Andreas Schmidt ist sehr solide als Beckmesser, mehr aber auch nicht.Er sing ihn halt aber da fehlt mir die Interpretation egal auf welcher Art...


    Insgesamt eine sehr solide Aufnahme meiner Meinung nach.


    Noch ein kleiner Zusatz:
    Endrik Wottrich könnte ich mir besser als Stolzing vorstellen als als David.
    Und wie ich mitbekommen habe soll er den ja auch 2007 in Bayreuth singen?!?!


    Mfg

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