Strawinsky - Le sacre du printemps

Uranus · 174 Beiträge · letzte Antwort von moderato

174 Beiträge

  • Hm, bin ich verwirrt? Die Einspielung ist nicht gestrichen. Die hier abgebildete Doppel-CD kann jedenfalls problemlos und regulär über a***on bezogen werden (und zwar nicht nur über Marketplace).


    Herzlichst,
    Medard

  • Zitat

    Original von GalloNero
    Ich habe mal einen Dirigenten sinngemäß sagen hören, Strawinsky sei mit dem Feuervogel ein absoluter Geniestreich gelungen, und er häbe leider nie wieder etwas vergleichbares kompoiert. Es kam so rüber, Strawinksy's Feuervogel sei perfekt, den Rest seines Werkes kannst Du eigentlich vergessen (ich überspitze bewußt). Ob er es so meinte oder ob ich es nur so auffasste sei dahingestellt.


    Das halte ich für eher eigenwillig. Ich für meinen Teil bin heilfroh, dass er ncihts mehr wie den Feuervogel komponiert hat. :D Ich muß allerdings zugeben, das Stück nicht gut zu kennen, weil ich es immer langweilig fand. Es zeigt natürlich ganz klar die "Wurzeln", nämlich Rimsky-Korsakoff mit einem Schuß Debussy und an einigen Stellen eben eine Vorahnung auf den "Primitivismus" von Le Sacre.


    Zitat


    Dann stieß ich hier im Forum auf den Sacre. Hier wird offensichtlich dieser über alles andere gestellt (und ich bin versucht mich dieser Einschätzung anzuschließen). Als ich mehr über Le sacre du printemps erfahren wollte, stellte ich fest, dass die Informationen hierrüber eher dünn geseht sind. Auch im Reclam Führer wird das Werk recht schnell abgehandelt. Nun quälen mich Fragen.


    Wird Le sacre du printemps hier im Forum überschätzt, oder da draußen unterschätzt? Oder habe ich nur die falschen Quellen angezapt?


    Es ist jedenfalls ganz sicher ein seltsamer Eindruck, wenn Strawinskij auf ein Werk reduziert wird. Die übliche Rezeption ist eher die eines "Chamäleons", eines "Picasso der Musik", der selbst eine Vielzahl von Stilen prägt und seinerseits von ihnen geprägt ist.


    Allein die drei frühen Ballette zeigen doch schon drei ganz unterschiedliche "Strawinskijs": folkloristisch-impressionistische Nachromantik, folkloristisch-eklektische Klangkollagen und -montagen (Petrouchka), folkloristisch-expressionistischer "Primitivismus". Les Noces etliche Jahre später ist vielleicht noch extremer als Le Sacre in dieser Richtung
    Dann kommt die Geschichte vom Soldaten, mit Jazz-Einflüssen, eher distanziert-ironisch. Dann der sog. Neoklassizismus. Aber welche Unterschiede gibt es zwischen Pulcinella oder "Dumbarton Oaks" und der Sinfonie in drei Sätzen oder gar der Psalmensinfonie! Das Ebony Concerto für Goodman ist eine Mixtur aus Neoklassik und Jazz.
    Zu den Werken ab den 40er Jahren kann ich gar nichts sagen, denn die sind wieder anders. Aber wenn ich recht sehe, hast Du ja die drei späteren Ballette, Apolllon Musagete, Agon usw. bestellt. Hör sie Dir an.
    Edwin und andere Experten haben in den Tiefen des Forums gewiß auch schon mehr zum Oeuvre geschrieben...



    viele Grüße


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Hallo JR,


    Zitat

    Original von Johannes Roehl
    Es ist jedenfalls ganz sicher ein seltsamer Eindruck, wenn Strawinskij auf ein Werk reduziert wird. Die übliche Rezeption ist eher die eines "Chamäleons", eines "Picasso der Musik", der selbst eine Vielzahl von Stilen prägt und seinerseits von ihnen geprägt ist.


    Obwohl ich ja erst einen Bruchteil seines Oeuvre kennengelernt habe, liebe ich ihn u.a. auch für diese Vielfallt, die er uns trotzt ((ich meine unanfechtbarer) Identität, entgegenbringt. Der Sacre ist für mich bis jetzt aber dennoch unschlagbar. So wie ich es rauslese geht es einigen Forianern ähnlich. Das hat nichts mit der Reduzierung auf ein Werk zu tun. Bei diesem Dirigenten und dem Feuervogel, da hatte ich diesen Eindruck. Hier im Forum aber nicht. Was ich mich allerdings immer noch Frage, ob Le sacre du printemps außerhalb dieses Forum (damals und heute) auch so herrausragend empfunden wird bzw. wurde.


    Liebe Grüße
    GalloNero


    P.S. Ich hatte heute zum ersten mal Chailly mit dem Sacre im Player. Ich möchte mich aber erst später äußern.

    ... da wurde mir wieder weit ums Herz ... (G. Mahler)

  • Hallo,
    zum Sacre unter Chailly...


    Die Cd (Ovation) hab ich über ebay in einem *Konvolut*
    erworben und nichtsahnend in den Player gelegt.
    Nochn Sacre... :rolleyes: dacht ich...


    Doch dann beim ersten Einsatz der großen Trommel,
    Schweissausbruch, Schock, wo ist die Fernbedienung,
    warum bebt auf einmal alles, warum finde ich den Volumeregler nicht,
    wieso wird das so langsam leiser, da rummst es auch schon wieder. Hektik!
    Meine Frau im Nachtgewand hab ich erst bemerkt als das Licht anging.
    "Is Gewitter?"
    Äh...ja... :angel:


    Zum Glück ging nichts zu Schaden, die Lautsprecher haben überlebt, die Nachbarn auch.
    War ja schon nach 1 Uhr nachts :pfeif:


    Mittlerweile mag ich die CD nicht mehr missen.
    Vorher waren Ansermet, Bernstein und Fedoseyev die Favoriten.


    Gruß
    embe

  • Zitat

    Original von embe


    "Is Gewitter?"
    Äh...ja... :angel:


    Gruß
    embe


    Köstlich!!! :hahahaha:



    Hättest Du mal antworten müssen: "Schlimmer. Es ist ein Stravinsky"


    :hello:

  • Zitat

    Original von Edwin Baumgartner
    Egal, von wem die Parallele zwischen "Sacre" und den Gaskammern stammt: Sie ist absurd und geschmacklos. Ekstatischer Tanz im KZ - was haben diese Choreographen nur für Gedanken?


    Die Parallele zu Picassos "Guernica" kenne ich, allerdings ist auch sie falsch. Picasso malte das Bild aus dem Wissen um das Geschehen in Guernica, Strawinskij komponierte ohne die geringste Kenntnis irgend eines weltumspannenden Schreckens.
    Strawinskij hat nicht Kriegsgreuel komponiert, sondern die zunehmende Ekstase eines Menschenopfer-Rituals im Zusammenhang mit einer heidnischen Kulthandlung. Als ob das nicht grauenerregend genug wäre...


    Ich habe den Thread lange nicht mehr im Auge gehabt. Vielleicht kann man ihn noch einmal wieder aufnehmen? Versetzen wir uns doch einmal in die Lage eines Choreographen zu Beginn des 21. Jahrhunderts, also annähernd 100 Jahre nach der Uraufführung des Sacre. Muss ich zurückgehen zu den ursprünglichen Intentionen des Balletts? Habe ich die Freiheit, die geschichtliche Entwicklung eines gesamten Jahrhunderts einfließen zu lassen in meine Form einer Aufführung? Kann ich die Erfahrung eines Jahrhunderts einfließen lassen, in denen so viele Menschen wie nie zuvor infolge fanatischer Ideologien geopfert wurden?


    Zur Korrektur der auch von mir nicht vorbehaltlos aufgenommenen Inszenierung: Die "Opfer" tanzten sich nicht ekstatisch in die Gaskammern, sondern schritten in schmerzlich langsamem Tempo, während die Musik (sprich: der reale Wahnsinn der Shoa) um sie herum tobte. Ich empfand es nicht als geschmacklos, allerdings im Zuge der gesamten vorherigen Inszenierung überraschend und nicht stimmig. Angesichts der Bedeutung des Themas vielleicht also doch geschmacklos? Ich weiss es nicht...


    Lassen wir aber die Thematisierung der Vernichtung jüdischer Menschen einmal beiseite und fragen uns, ob man stets das sich um sich selbst kreiselnde Mädchen darstellen muss. Ich finde, dass sich Choreographen nicht sklavisch an eine hundert Jahre alte inhaltliche Vorgabe halten müssen, sondern die Musik dadurch aktuell halten können, indem sie Erfahrungen der nachfolgenden Zeit verarbeiten dürfen. Wie sie das tun - daran müssen sie sich freilich messen lassen.


    LG
    B.

  • Hallo,


    Ich möchte auf die neuere, wirklich gelungene Einspielung der Bamberger Symphoniker unter Nott. Die Aufnahme ist einie der wenigen, die mich seit langem mal wieder begeistert hat!!! Ein sehr interessantes, transparentes Orchesterbild - viele mir bisher entgangene Details werden herausgekehrt.
    Eine absolute Empfehlung! :jubel: :jubel: :jubel: (Man beachte auch die Kopplung mit der schönen Symphonie in drei Sätzen!)



    LG
    Raphael

  • Die Kopplung mit der Sinfonie in drei Sätzen halte ich auch für die ideale (mit Psalmensinfonie kann man ja schlecht bringen...). Die gleiche Kopplung enthält auch die Salinen (Sony) Aufnahme, die mich allerdings ziemlich enttäuscht hat, auch und gerade klanglich.


    Chailly besitze ich inzwischen und gefällt mir gut. Allerdings wäre mir noch eine Alternative Richtung Boulez (CBS) mit Decca-Klangtechnik recht.


    Wie hat Nott die Violinen aufgestellt? Traut er sich auch hier antiphonisch?


    Gruß,
    Khampan

  • Zitat

    Original von Khampan
    einen Augenblick dachte ich wirklich - schluck! - die Bergischen Symphoniker - Orchester der Städte Remscheid und Solingen wären gemeint.
    schnell noch korrigieren...


    :hahahaha:...schon passiert, danke...!


    Zitat

    Original von Khampan
    Chailly besitze ich inzwischen und gefällt mir gut.


    Ich finde zwar mittlerweile, dass Chailly interessante Schwerpunkte setzt und auch einige verborgene Details ans Tageslicht befördert, jedoch gefallen mir einige Tempi sowie der Klang mancher Percussion-Instrumente nicht...


    Zitat

    Original von Khampan
    Wie hat Nott die Violinen aufgestellt? Traut er sich auch hier antiphonisch?


    Keine Ahnung - kann man das hören?


    LG
    Raphael

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  • Zitat

    Original von raphaell


    Keine Ahnung - kann man das hören?


    Ja, indem daß die Violinen nicht alle von einer Seite kommend klingen, und die Celli (u.U. auch die Kontrabässe) etwa aus der Mitte kommen.
    Anders ausgedrückt, antiphonische Aufstellung klingt ausgewogen in etwa von der ganzen Breite, nicht so von oben (Violinen) nach unten (Bässe) am Schnürchen aufgereiht.


    Gruß,
    Khampan

  • Hallo,


    alle "Staubis" aufgepasst! John Neumeiers Ballettcompagnie wird im Juni/Juli 2009 im Rahmen einer "Hommage aux Ballets Russes" die Rekonstruktion der Uraufführungsinszenierung des "Sacre" in Hamburg auf die Bühne bringen, also Nijinskij-Choreographie und Roerich-Bühnenbilder!


    LE SACRE DU PRINTEMPS


    MUSIK: Igor Strawinsky
    CHOREOGRAFIE: Vaslaw Nijinsky rekonstruiert von Millicent Hodson
    BÜHNENBILD UND KOSTÜME: Nicholas Roerich rekonstruiert von Kenneth Archer


    Aufführungen:


    28. Juni 2009 18:00 - 20:30 Uhr
    30. Juni 2009 19:30 - 22:00 Uhr
    11. Juli 2009 19:30 - 22:00 Uhr


    Das wird dann wohl ungefähr so aussehen:






    :hello:


    GiselherHH

    "Mache es besser! (...) soll ein bloßes Stichblatt sein, die Stöße des Kunstrichters abglitschen zu lassen."


    (Gotthold Ephraim Lessing: Der Rezensent braucht nicht besser machen zu können, was er tadelt)


  • Ebenjene Choreographie war soeben auf ARTE zu sehen: Das Mariinsky-Theater St. Petersburg feierte den Sommerbeginn, seine "weißen Nächte", mit der rekonstruierten Aufführung Nijinskys. Gergeiew leitete das Orchester des Hauses.


    Sehr spannend zu sehen, was die Premierenbesucher 1913 so aus dem Häuschen gebracht hat: Nijinsky verlangte von seinem Tanz-Ensemble ziemlich aberwitzige Dinge. Ich habe keine späteren Umsetzungen in Erinnerung, in denen die Tänzer und Tänzerinnen derart präzise auf die rhythmischen Strukturen des Stückes tanzen mussten. Absolute Schwerstarbeit!


    Musikalisch fand ich Gergeiews Version recht gut, wenn auch nicht restlos begeisternd. Es klang sehr roh, sehr archaisch, ich aber mag es obendrein, wenn die komplexen rhythmischen Strukturen klar hörbar sind. Bei guten Aufnahmen geht es mir etwas wie ein Geologe: Man kann alle übereinander gelagerten Schichten deutlich erkennen. Bei Gergeiew sumpften sie alle etwas ineinander, trotz aller urwüchsiger Kraft ein Manko in meinen Ohren.


    LG
    B.

  • Zitat

    Original von raphaell
    Ah...ähm....keine Ahnung...hör dir die Aufnahme mal an... :D


    Danke für deinen Beitrag! Denn ich gestehe ebenfalls: Ich habe bisher auch noch nie eine antiphonische Aufstellung herausgehört. :)

  • Nach dem Durchlesen des Threads habe ich die Chailly Doppel-CD bestellt. Bin gespannt. Mein bisheriger Favorit ist Jansons mit den Osloern, der wurde in dem ganzen Thread nur einmal am Rande erwähnt.


    Mir ist es leider nie gelungen, den Sacre mal live im Konzert zu erleben. Allerdings hat es meine Freundin geschafft, und sie war restlos begeistert. Übrigens auch unter Eschenbach, der ausgesprochen elegant dirigiert hätte.


    Strawinskys "Sacre" ist sicherlich eines der genialsten Stücke in der Musik des 20. Jahrhunderts. Andere Komponisten hatten danach sozusagen auch "ihren Sacre". Ich denke da an Prokofieff (Skythische Suite), Bartok (Der wunderbare Mandarin; obwohl ich nicht weiss, ob Bartok Strawinskis Sacre da schon kannte). Das mit "ihrem Sacre" meine ich nicht thematisch/inhaltlich, sondern hinsichtlich der Hemmungslosigkeit, Rhythmik und Brutalität (auch in Bezug auf Lautstärke) der musikalischen Sprache. In diesem weiteren Sinne könnte man etwa auch die 4. Sinfonie von Schostakowitsch als "seinen Sacre" ansehen.


    maticus

  • Mein Favorit war auf Anhieb die Aufnahme des Dallas Symphony Orchestra unter Eduardo Mata, die auch aufnahmetechnisch ganz hervorragend ist, große Klarheit mit großer klanglicher Direktheit verbindet, aber nichts übertreibt - ich finde, die Musik ist so heftig, daß man als Dirigent da nicht noch einen draufsetzen muß.
    Die Kopplung mit der im vorhergehenden Post erwähnten Skythischen Suite Prokofievs macht die CD noch interessanter.



    Nach einem ausführlichen Hörvergleich mit einem guten Freund, der ein halbes Dutzend Sacre-Aufnahmen mitbrachte, u.a. auch Stravinskys eigene, ist diese Aufnahme immer noch mein Favorit geblieben.


    Chailly werde ich aber auch mal anhören ...

  • Ganz herrliche Neuaufnahme, scheints:


    le sacre du printemps
    Orchestre Philharmonique De Radio France
    Myung-Whun Chung
    DGG


    Bin auf eure Kommentare gespannt!



    Gruß ab


    ---
    Und ich meine, man kann häufig mehr aus den unerwarteten Fragen eines Kindes lernen als aus Gesprächen mit Männern, die drauflosreden nach Begriffen, die sie geborgt haben, und nach den Vorurteilen ihrer Erziehung.
    J. Locke

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  • Folgende Sacre-Aufnahmen hab ich mir kürzlich gekauft bzw konnte in sie hinein hören:






    Ein beeindruckendes Portfolio unterschiedlicher
    Auffassungen.


    Karajan hab ich mir eigentlich nur wegen des schönen Covers gekauft 8) - die Interpretation hat mich dennoch sofort angesprochen. Keine Abgründe, aber Karajan verstand halt was von Dramatik und Klangfarben (zumindest in seinen frühen Aufnahmen). Trotz ‚1969“ fulminante Aufnahmetechnik – vor allem was das Schlagwerk angeht.


    Ancerls Sacre besticht– mal wieder - durch den herrlichen Klang der (Holz-)Bläser; und die gibt’s ja hier reichlich. In die barbarischen
    Abgründe eines Gergiev oder Svetlanov dringt er nicht vor. Eine famose Aufnahme; quasi ein Opfer mit Svickova, Knödel und einem Krusovice ;-)


    Mariss Jansons bleibt auch hier seiner Linie treu und glättet alle Ecken und Kanten. Das wird „der Sache“ zwar nicht immer gerecht, aber ich höre sie dennoch gern. Vor allem, wenn ich die Musik des Sacre hören möchte und nicht das Erlebnis.


    Temirkanov hab ich mir gekauft, weil hier alle Stravinsky-Ballette auf einer Doppel-CD versammelt sind. Allerdings bemerkte ich erst zuhause, dass die Aufnahmen nicht mit einem russischen Orchester eingespielt wurden (wie das Cover auf den flüchtigen Blick vermuten lässt; wer lesen kann ist klar im Vorteil), sondern mit dem Royal Philharmonic Orchestra. Temirakanovs Interpretation ist auch eher dem Schönklang verpflichtet. Durchaus beeindruckend, aber für mich dann doch eher entbehrlich. Interessant macht diese Aufnahme die Tatsache, dass alle vier Ballette quasi "aus einer Hand", aus einem Guss stammen.


    Levine … ja, der gute Jimmy entfacht mit dem Orchester der MET ein Opfer der amerikanischer Art: Mit viel Cola, Pommes, Eiscreme und noch mehr Tschinderassabumm. Klasse anzuhören, da alles phänomenal aufgenommen und penibel auf Hochglanz gebracht wurde. Und das jetzt Geschriebene hört sich viel schlimmer an, als es eigentlich ist. Die Aufnahme macht Laune.


    Svetlanov mit der legendären Aufnahme aus den 1960er (?) Jahren. In der Tat höchst beeindruckend, wie ein Massaker mit musikalischen Mitteln darzustellen ist. Exzellente Durchhörbarkeit bis ins Kleinste. Allerdings gestehe ich zu, dass es mir bisweilen bisserl zu arg ist…


    Gergiev steht dem Svetlanov in Sachen „Brutalität“ sicher kaum nach, allerdings hab ich bei ihm dann doch eher das Gefühl, dass es sich beim Sacre noch um Musik handelt. Gergiev tangiert nur die Grenze zur Barbarei und überschreitet sie nicht. Für mich eine klare no 1.



    „Hängenbleiben" werden bei mir mittelfristig vermutlich Gergiev und Jansons – je nach Gemütslage.
    Aussortiert hab ich gleich Solti, da ich bei ihm kaum mit dem Schnaufen nachkomme. Das ist mir dann doch bisserl an der Sache vorbei.

  • Svetlanov mit der legendären Aufnahme aus den 1960er (?) Jahren. In der Tat höchst beeindruckend, wie ein Massaker mit musikalischen Mitteln darzustellen ist. Exzellente Durchhörbarkeit bis ins Kleinste. Allerdings gestehe ich zu, dass es mir bisweilen bisserl zu arg ist…


    Hallo Thomas,


    es mag ja für Deinen persönlichen Geschmack bei Swetlanow zu arg sein - aber ich finde absolut richtig und dem Werk und der Thematik voll gerecht werdend. Ich kenne Gergiev von zahlreichen anderen Aufnahmen russuischer Komponisten - leider muss ich feststellen, das er seine Arbeit durchweg immer ganz passabel meistert; aber immer einen "Softtouch" drauflegt (besonders im Vergleich zu Swetlanow). Für meinen Geschmack nicht angemessen.


    :thumbup: Die Swetlanow-Aufnahme ist die russische Ersteinspielung von Le Sacre. Eine revolutionäre Aufnahme, die mich als meine Erstaufnahme bereits auf EURODISC_LP umgehauen hatte.
    Die Aufnahme wurde 1966 in Moskau gemacht ! (Das müsste auf deinber CD-Version von Mokow Studio Archives aber auch in der Innenseite des Textheftes stehen.)
    Bis auf Bernstein / New Yorker PH (SONY, 1959, ADD) habe ich das Werk nie packender gehört (nicht mal LIVE, trotz des umwerfenden Live-Erlebnisses !) Wenn Dir Swetlanow schon zu viel ist und Du mit dem soften Gergiev zufrieden bist, wird Bernstein dich schocken, da er nochmal einen "brennenden Steinkohlenhaufen" drauflegt.


    Ich besitze die Swetlanow-Aufnahme auf dieser WARNER-CD, die klangtechnisch alles aus der Aufnahme rausholt und damit auch meine Eurodisc-LP überflügelt (trotzdem gehört diese zu den wenigen LP-Edelsteinen, die ich behalten werde) :



    WARNER, 1966 (Le Sacre), 1999 (Petruschka), ADD


    :thumbsup: Während Swetlanow für den Sacre im Jahre 1966 noch den absolut möglichen Mega-BISS spüren lies, :thumbdown: ist seine späte altermilde Petruschka-Aufnahme von 1999 Live in Paris sehr gewöhnungsbedürftig, da er dort sehr lange auszelebriert und selbst die Tänze dadurch langatmig(weilig) erscheinen. Da favorisiere ich die Aufnahme des Petruschka die Du aussortiert hast - Solti (Decca) und ebenfalls TOP Chailly (Decca).


    Neben Swetlanow und Bernstein möchte ich als dritte Le Sacre-TOP-Aufnahme Chailly (Decca) aufzeigen, die nicht nur duch ihre rhythmisch packende Perfektion glänzt, sondern durch ihre audiophile Klangtechnik, die einfach umwerfend ist. Man ist quasi dabei (mit der richtigen Anlage) !

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Hallo Wolfgang,



    ich kann alles, was Du schreibst, vollkommen nachvollziehen und
    in gewissen Weise hast ja auch völlig „recht“. Was der Svetlanov damals
    abgeliefert hat, ist schon phänomenal und kommt der „Sache Sacre“ sicher am nächsten
    – keine Frage. Und ich kann vollkommen akzeptieren, dass für viele das
    tatsächlich das Maß aller Dinge ist. Für mich ja schon „irgendwie“ auch, aber
    trotzdem fühle ich mich bei Gergievs Aufnahme bisserl wohler – auch wenn das
    sicher das falsche Wort ist ;-) Soo weit ist er ja von Svetlanov gar nicht weg;
    aber wie schon gesagt, bei ihm habe ich wenigstens bisserl das Gefühl, dass es
    sich noch um Musik und nicht um eine Hinrichtung handelt. Aber ich bin trotzdem
    froh, mir die Sveltanov-Aufnahme (für preiswertes Geld) aus Amerika hab kommen
    lassen.


    Aber so sind halt die Geschmäcker … für viele ist Bernsteins
    3. Mahler Zyklus das Beste, ich komm gar nicht klar damit. Für viele ist ein
    Sassicaia das Höchste, ich finde den nur öde… Und selbst Jansons Sacre, der ja
    vom „Ideal“ doch recht weit weg ist, kann ich gut hören; quasi die Sacre zum
    Sonntag-Nachmittag-Café. ;-)


    Neugierig bin ich ob Deiner Beschreibung aber dann schon auf
    den Bernstein-Sacre. Vielleicht werd ich mir die auch noch zulegen. Ich lern ja
    gern dazu ;-)



    Herzlichst
    Thomas

  • ... Keine Abgründe, aber Karajan verstand halt was von Dramatik und Klangfarben (zumindest in seinen frühen Aufnahmen). Trotz ‚1969“ fulminante Aufnahmetechnik – vor allem was das Schlagwerk angeht.


    Dem über 60jährigen Karajan eine "frühe" Aufnahme zuzubilligen finde ich süß!


    ;)

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • Dem über 60jährigen Karajan eine "frühe" Aufnahme zuzubilligen finde ich süß!


    ;)

    Das ist sicher das erste mal, dass hier Forum im Zusammenhang mit "Karajan" das Adjektiv "süß" fällt ... :pfeif:


    Ich wollte mit den "frühen Aufnahmen" auf seine Nicht-Digital-Aera (in der er dann doch viel von seiner Dramatik und Klangfarbenwelt zugunsten von Glätte und Mainstream-Klang aufgegeben hat) hinweisen. :)

  • Meine Empfehlung ist eindeutig die Pierre Boulez-Einspielung für SONY-CBS. Trotz des analogbedingten Grundrauschens geb ich ihr den Vorzug vor allen anderen mit bekannten Einspielungen. Mag die ein oder andere Detailfrage bei den Konkurrenten besser gelöst sein, in Sachen Over-All-Performance gebe ich persönlich ihr die Palme.


    Ohne die Swetlanow-Einspielung zu kennen, möchte ich hier Alfred vollumfänglich Recht geben! (Was ich sehr gerne tue.) Boulez hält das Stück vor allem in der Balance zwischen entspannteren und exzessiveren Abschnitten. Die alte Sony/CBS-Aufnahme ist nebenbei sehr gut durchhörbar, wenngleich das Niveau von Decca (Solti/Chailly) nicht erreicht wird.


    Solti, Chailly, Haitink, Bernstein, Colin Davis, Jansons werden von der Boulez-Aufnahme auf die Plätze verwiesen.


    Bei der Boulez' digitaler Neuaufnahme (DG) ist die Dynamik so extrem, dass ich zu oft die Lautstärke nachregeln muss. Leider. Darum ziehe ich die Sony/CBS-Aufnahme vor.

  • Ich wollte mit den "frühen Aufnahmen" auf seine Nicht-Digital-Aera (in der er dann doch viel von seiner Dramatik und Klangfarbenwelt zugunsten von Glätte und Mainstream-Klang aufgegeben hat) hinweisen.


    Ich finde es dennoch unangebracht. "Frühe" Karajan-Aufnahmen datieren aus Ende der 30er, den 40ern und bereits mit ernstem Vorbehalt aus der ersten Hälfte der 50er. Eine Aufnahme von 1969 kann man beim besten Willen nicht als "frühe" bezeichnen - vielleicht als eine vor dem Spätwerk....


    :hello:

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!


  • Der türkische Pianist Fazil Say hat 1999 eine vierhändige Fassung von Sacre du Printemps mit Hilfe von verschiedenen Tonspuren eingespielt. Die rhythmische Struktur kommt in meinem Empfinden in dieser Aufnahme sehr gut rüber. Das Perkussive, das dem Klavier auch zu eigen ist, begeistert mich in dieser Einspielung. Auch die Klangfarben des Orchesters einzufangen ist Say bestrebt. Die vierhändige Fassung Strawinskys erweitert der Pianist, wenn es ihm nötig erscheint. Durch die Tontechnik wurde es möglich, gewisse Passagen sechs- bis zehnhändig zu spielen. Das Klavier präparierte man, um spezielle Effekte der Orchesterfassung nachzuempfinden. Dieser Interpretation wird man im Konzertsaal deshalb in dieser Gestalt niemals begegnen können. Man muss sich allerdings mit nur 31min 12 s Musik auf der CD begnügen. Man bekommt durch Fazil Say einen Sacre du Printemps der besonderen Art geboten.


    Ich erinnere mich in diesem Zusammenhang an eine Dokumentation über Strawinsky, in der der Komponist als alter Mann das Hotelzimmer aufsucht, in dem er Teile dieses Werk an einem Klavier komponiert hatte. Er beschreibt schelmisch, dass er ein Klavier zur Verfügung hatte und Sacre du Printemps in dieser kleinen Kammer entstanden ist.


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  • Auf der allseits bekannten Video-Plattform gibts zwei Filmchen von einer Aufführung des Nationaltheaters Prag, das die Uraufführung von 1913 rekonstruiert hat. Leicht lässt sich hier erkennen, welcher Schock das Stück damals tatsächlich für das ballettseelige Publikum gewesen sein muss.


    www.you tube.com/watch?v=bjX3oAwv_Fs Teil 1
    www.you tube.com/watch?v=vb8njeKBfqw&feature=related Teil 2
    (Bitte Leerraum beachten)

  • Bei der Boulez' digitaler Neuaufnahme (DG) ist die Dynamik so extrem, dass ich zu oft die Lautstärke nachregeln muss. Leider. Darum ziehe ich die Sony/CBS-Aufnahme vor.


    Hallo Wolfram,


    ich habe die Boulez-Aufnahme / Cleveland Orchestra (DG, 1982, DDD) auch. :?: Es wundert mich, dass Dich dort zuviel Dynamik stört. Dann muss die alte SONY-Aufnahme ja noch zurückhaltender sein ?
    Ich hatte es in diesem Thread schonmal geschrieben:
    Wenn Boulez hier beim Sacre genauso viel Temprament und Kraft wie beim Feuervogel (der mit dem Chicago SO) auf der gleichen DG-CD versprühen würde, wäre sie perfekt.
    8) So sehe und höre ich bei Boulez beim Sarce mehr seine typische Detailarbeit, als die gebotene und gewünschte Emotionalität und damit kein Vergleich mit den wirklich umhauenden Aufnahmen von Swetlanow (Melodiya/WARNER) und Bernstein (CBS/SONY).


    Ich habe diese DG-Version mit Sacre und Feuervogel auf einer CD:



    DG, 1982 (Sacre), 1993 (Feuervogel), DDD


    :thumbsup:Der Feuervogel ist was Interpretation vereint mit bester Klangqualität angeht, das Beste was ich je gehört habe.

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

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