Betrachtungen über die deutsche Oper

  • Liebe Opernfreunde



    Wenn wir uns genauer ansehen was von der Deutschen Oper geblieben ist, brauchen wir gar keine Spezialisten zu sein, um zu erkennen, daß wir hier vor einem Trümmerhaufen stehen, aus dem
    lediglich der Monolith Richard Wagner unbeschädigt hervorragt.


    Natürlich könne man noch Weber nennen, aber das wäre eigentlich falsch, lediglich sein Freischütz hat einigermaßen überdauert, nicht aber "Oberon", Abu Hassan, Euryanthe etc...
    Wilhelm Kienzl, Engelbert Humperdinck, (nicht der Schlagersänger !! :stumm: :D) Gustav Albert Lortzing ,Friedrich von Flotow, Otto Nicolai, Peter Cornelius,Hans Pfitzner und Siegfried Wagner, sie alle sind mehr oder weniger vergessen, ja mehr noch: einige sind verpönt (besonders jene, die sich einer "volkstümlichen" Tonsprache bedienen)
    Dieses Schicksal teieln sie übrigens mit ihrem Leidensgenossen, der französischen Oper, auch hier wieder besonders geprügelt, jene mit "volksnahem " Stil.


    Dieser Thread soll einerseits versuchen die Ursachen für dieses Phänomen zu beleuchten, andererseits als Trailer dienen, der abchecken soll inwieweit Einzelthreads zu bestimmten Opern, zumindest aber Komponisten tragfähig wären.....


    Die Themen werden kommen, das hab ich bei mir schon beschlossen, die Frage ist lediglich WANN .


    Vieleicht möcht sich der eine oder andere zum Thema äussern, die Spezialthread kommen später


    Beste GRüße aus Wien


    Alfred

    Interpreten SIND Sklaven !

  • Hallo Alfred,


    sooo schwarz sehe ich für die deutschsprachige Oper eigentlich nicht. Bei uns an der Hamburger Staatsoper wurden und werden in dieser Saison folgende deutschsprachige Opern gegeben:


    - "Fidelio"
    - "Der fliegende Holländer"
    - "Freischütz"
    - "Der lächerliche Prinz Jodelet" (Keiser)
    - "Die Fledermaus" (zähle ich jetzt mal zu den Opern)
    - "Die Frau ohne Schatten"
    - "Meistersinger"
    - "Zauberflöte"
    - "Elektra"
    - "Hänsel und Gretel"
    - "Lohengrin"
    - "Lulu"
    - "Moses und Aron"
    - "Parsifal"
    - "Salome"
    - "Wozzeck"
    - "Zar und Zimmermann"


    Keine schlechte Ausbeute für eine einzige Saison, finde ich. Sicher, Wagner, Strauss (den hattest Du in Deiner Aufzählung vergessen) und Mozart dominieren.


    Die "deutsche Spieloper", die Du wohl im Auge hast, hat heute sicher einen etwas schweren Stand, was zum einen an den Sujets liegen mag (etwa der "Evangelimann" mit seiner die Kitschgrenze mehr als nur streifenden Frömmelei) oder auch an den Libretti (wirklich jammerschade, daß Weber für seine musikalisch herausragende "Euryanthe" keinen besseren Text zur Verfügung hatte).


    Humperdinck ist eben der "Weihnachtsonkel", Jahr für Jahr werden die Kinder in "Hänsel und Gretel" geschickt, da ist für die "Königskinder" eben kein Platz mehr. Siegfried Wagner steht trotz in letzter Zeit verstärkter Bemühung um sein Werk im alles überragenden Schatten seines Vaters (richtig Konjunktur hatten seine Werke eigentlich nie, sein Geld verdiente er ja als Dirigent) und bei Titeln wie "Hütchen ist an allem schuld", "Das Flüchlein, das jedem entfuhr" und "Bruder Lustig" ist es fraglich, ob sich je eine breitere Öffentlichkeit für ihn interessieren könnte.


    Lortzing ist immer noch ein Opfer des Bildes, das sich seine Zeitgenossen von ihm machten. Er wurde auf den braven biedermeierlichen Opernhandwerker reduziert, seine starke freiheitliche Ader und seine Sympathie für die 48er Revolution (siehe die Oper "Regina") wurden aber geflissentlich ignoriert. Pfitzner ist wohl immer noch ein wenig politisch kontaminiert, allerdings wurden seine Werke selbst zu seinen Lebzeiten (zu seinem größten Leidwesen) nicht sehr oft aufgeführt. Der "Palestrina" wäre es sicher wert, mehr gespielt zu werden, stellt aber an ein Opernhaus kollossale Anforderungen an Menschen und Material (sehr kostspielig!) und ist dabei eben sehr spröde und wenig kulinarisch. Und einige Opern lassen sich heute kaum aufführen, weil man die Sänger nicht findet (wer könnte heute etwa eine rundum befriedigende "Rezia" singen?).


    Bei der französischen Oper verhält es sich eigentlich wesentlich schlimmer, weil kaum jemand mehr den französischen Stil der geraden, klaren Linie, der absoluten Textverständlichkeit und Schönheit der Phonation beherrscht (der letzte wirklich große Stilist dürfte mit Nicolai Gedda von den Bühnen der Welt abgetreten sein, heute existiert bestenfalls eine Schwundstufe á la Alagna und Co.). Das betrifft Bizet (der stilistisch heutzutage zum Veristen verkommt), Berlioz und insbesondere auch Meyerbeer, der eben höllisch schwer zu singen ist. Ich würde auch gern mehr von Auber oder Boieldieu hören, vielleicht werden sie ja mal wieder ausgegraben.


    Grüße


    GiselherHH

    "Mache es besser! (...) soll ein bloßes Stichblatt sein, die Stöße des Kunstrichters abglitschen zu lassen."


    (Gotthold Ephraim Lessing: Der Rezensent braucht nicht besser machen zu können, was er tadelt)

  • Sagitt meint:


    Habe eben den Freischütz in Bremen gesehen und bestätige,wir schwer wir uns mit der deutschen Oper tun. Weber wird als museal verspottet, der Regisseur holzt nicht nur den Wald ab, sondern greift munter in Text und Handlung ein, Kugeln werden keine gegossen, der Fürst ist Samiel, der Eremit der Komponist, Agathe überlebt den Schuss, den schützenden Kranz vom Eremiten hat aber Ännchen, im Jägerchor treten die Herren mit Waffen von skins auf,Putzfrauen singen den Jungfernchor.........
    Die Oper ist nur noch Folie für eigene Ideen und an die Ideenwelt eines Kind und eines Webr traut man sich nicht heran.
    Vielleicht ist dieses Genre übrholt, aber dann kommt man schnell zur Frage, warum überhaupt Oper ?
    Loriot, der Freischütz sehr märchenhaft,aber nicht ohne Ironie in Ludwigsburg iscenierte, hat dies unnachamlich-sinngemäß- beantwortet: ja.ja.. man sollte für das Geld Wohnungen und Krankenhäuser,Panzer und Atomkraftwerke bauen....


    Vielleicht haben wir in der deutschen Oper Probleme mit unserer eigenen Tradition, die so vergiftet ist, weil sie missbraucht wurde ?

  • Hallo Alfred


    Zitat

    Wenn wir uns genauer ansehen was von der Deutschen Oper geblieben ist, brauchen wir gar keine Spezialisten zu sein, um zu erkennen, daß wir hier vor einem Trümmerhaufen stehen


    Ich glaube, dass deine Ausführungen etwas zu salopp dahergekommen sind und ein wenig an den Tatsachen vorbeizielen. Schauen wir einmal, welche deutsche Opern zur Zeit einen Fixplatz auf den Spielplänen haben:


    Mozart
    Entführung, Zauberflöte


    Beethoven
    Fidelio


    Weber
    Freischütz


    Lortzing
    Zar und Zimmermann, Wildschütz
    (Beide nicht mehr so häufig wie noch vor 30, 40 Jahren, aber sie sind keineswegs verschwunden; und das mit Recht!)


    Wagner
    10 Opern


    Humperdinck
    Hänsel und Gretel


    Strauss
    Salome, Elektra, Rosenkavalier, Ariadne, Frosch, Arabella


    Berg
    Wozzeck, Lulu


    Korngold
    Die tote Stadt (hat in den letzten Jahren eine richtige Wiedergeburt erlebt.)



    Dazu kommen einige Werke, die weniger im Repertoire als zu Festspielen gezeigt werden, wie einige Schubert-Opern. Auch Werke wie 'Moses und Aaron' oder 'Dr. Faustus' findet man immer wieder aufgeführt. Für einen Trümmerhaufen ist das entschieden zu viel.


    Was zur Zeit fehlt, sind die leichten Komödien und jene romantischen Werke, deren Inhalt heute sehr schwer vermittelbar ist. Das ist aber beim Theater nicht anders. Nestroys Possen werden nicht mehr als Lustspiele aufgeführt, sondern man packt ihn an seiner Gesellschaftskritik oder an seinem Zynismus. Daher sind seine aktuellen Inszenierungen zumeist auch nur bedingt unterhaltsam. Sein Zeitgenosse Ferdinand Raimund ist mit seinen Zaubermärchen momentan vollständig out. Und wie steht es mit den großen Komödien der deutschen Literatur? Minna von Barnhelm, Der zerbrochene Krug, Kätchen von Heilbronn - wenn man sie überhaupt zu Gesicht bekommt, dann von Innen nach Außen gewendet oder als totale Verballhornung. Auf deutschsprachigen Bühnen darf zur Zeit nicht gelacht werden, das geht nur im Kino und dann meist auf dem Niveau von Maulwürfen.
    Leichter erklärlich ist das Fehlen von romantischen Stoffen, die in unserer hektischen, schnelllebigen und teilweise brutalen Zeit schwer erträglich sind oder von der Thematik her überhaupt nicht mehr verstanden werden können. Da gibt es einige sehr schöne Werke, die wahrscheinlich nur auf Tonträger überleben werden, da es für Aufführungen wohl kaum mehr genug Publikum geben wird. Ich will da aber nicht Prophet spielen, die Geschichte zeigt, dass sich alles in irgendeiner Form wiederholt. Sollte die Instiution Oper überhaupt überleben, dann bedarf es - wenn die Zeit wieder dafür reif ist - nur einiger guter Regisseure, die die Werke gekonnt wiederbeleben wollen, und nicht sich selbst inszenieren.


    Hoffnung dafür gibt ein Blick nach Italien: die Italiener hatten die ganzen Belkanto-Opern schon vergraben. Aber seit Maria Callas einige Schätze erfolgreich gehoben hat, wurde und wird in den letzten Jahrzehnten alles wieder ausgebuddelt.


    Ähnliches wie bei der deutschen Oper mag auch für die französische gelten. Ich verstehe allerdings nicht ganz, was du in diesem Zusammenhang mit 'volksnah' meinst, mir fallen mehr die exotischen Stoffe ein (Perlenfischer, Lakmé, Afrikanerin), die damals sehr modern waren und heute vom Stoff her nicht mehr attraktiv sind. Außerdem kommt hier der Verlust des französichen Gesangsstils hinzu, der kaum mehr eine brauchbare Realisierung dieser Werke zulässt. Da müssen wir aber vielleicht auch nur auf den nächsten Georges Thill oder die nächste Mady Mesplé warten, und es geht wieder aufwärts.


    Um wieder auf die vergessenen Kostbarkeiten der deutschen Oper zurückzukommen, könnte man den Bestand an vorhandenen Aufnahmen durchforsten und Empfehlungen fürs Wiederentdecken posten. Da gibt es genug für einige lange Abende, falls man da nichts besseres zu tun hat...


    Ciao

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • Voerst lieber Alfred, das ist wirklich ein superbes Thema, das sich natürlich in einigen Sätzen nicht so abhandeln läßt.


    Deutsche Oper:
    Hier haben GiselherHH und Theophilus schon soviel aufgezählt, daß ich mir die Funktion "Kopieren" und "Einfügen" ersparen kann.


    Ich glaube, daß Du die Deutsche Spieloper meinst.


    Der Grund diese Werke nicht aufzuführen, sehe ich weniger in einer Belastung durch die NS-Vergangenheit als vielmehr dadurch begründet, daß die bereits vergangene Generation der Theaterdirektoren sich zu progressiv dünkte, diese Werke zu spielen.
    Das ist ein induktiver Schluß basierend auf dem Repertoire der Wiener Volksoper. So waren die Werke "Wildschütz", "Zar und Zimmermann", "Martha", "Die lustigen Weiber von Windsor", "Evangelimann", etc. Säulen des Repertoires, die mehr oder weniger plötzlich verschwanden.
    Zum Leidwesen dieser Oper verschwanden mit diesen Werken auch immer mehr die Besucher.
    Auf Grund des riesigen Erfolges der "Martha" (auch als "altmodische Inszenierung" und als CD-Produktion) wird da sicher ein Umdenken einsetzen.


    Zusammenfassend glaube ich daher, daß wir vor einer Renaissance dieser Operngattung stehen. Es werden uns mehr oder weniger originelle Inszenierungen nicht erspart bleiben, Hauptsache, die Opern werden wieder aufgeführt.

    Otto Rehhagel: "Mal verliert man und mal gewinnen die anderen".
    (aus "Sprechen Sie Fußball?")

  • Warum sehen wir so schwarz? Wenn wir die schon so häufig genannten
    Repertoire-Füller(hier im besten Sinne gemeint) Mozart,Beethoven,Weber,Wagner und Strauss einmal weglassen...so gab es doch immer wieder Bemühungen das Repertoire zu erweitern bzw. bei Festivals zumindest mit konzertanten Aufführungen selten gespielte Opern in Erinnerung zu bringen.
    Die tote Stadt, wie schon genannt ist derzeit ein Renner.
    Aber auch Schreker und Zemlinsky kamen in dn letzten Jahren wieder auf die Spielpläne, auch großer Häuser.
    Die VOP brachte heuer Irrelohe(Schreker) als Eröffnungspremiere.
    Der König Kandaules(Zemlinsky) wurde auch in Hamburg und in Salzburg sowie in der VOP gegeben.
    Braunfels "Die Vögel" sind auch wieder da. Der Doktor Faustus dank Hampson nach Salzburg auch an der MET.
    Ich finde gerade in den letzten zwanzig Jahren taten die Intendanten viel für das Repertoire.
    In meiner Wiener Stahplatzzeit(Studium) vor 35 jahren waren immer wieder die selben Werke auf dem Spielplan.(Es gab keinen Donizetti, von Rossini nur den barbiere, fix im Spielplan war allerdings die verkaufte Braut,) kein Massenet von den Franzosen nur Carmen und gelegentlich Margarethe und Pelleas.
    Bevor ich mich zusehr entferne aber mir fehlen von den deutschen Opern vor allem die Undine(diese prächtigen Einspielungen mit Karl Friedrich und Nicolai Gedda) zeigen ja welch tolle Oper dass ist.
    Alessandro Stradella(vor einigen jahren in Wexford aufgeführt) das müßte etwas für Jonas Kaufmann und Endrik Wottrich sein.
    Tiefland wieder szenisch - Gould müßte ein toller Pedro sein.
    und das ließe sich fortsetzen....

  • Hi Manrico,


    Zitat

    Es gab keinen Donizetti, ...


    Also der Don Pasquale müsste auch vor 35 Jahren am Spielplan gestanden haben (und Liebestrank eventuell auch), gibt es doch aus den 60ern eine entzückende Einspielung mit Graziella Sciutti, Fernando Corena, Juan Oncina und Tom Krause unter Kertesz und dem Orchester der Wiener Staatsoper. Diese Sänger waren alle auch häufig in Wien zu hören, und die Besetzung klingt mehr nach Staats- als nach Volksoper.


    Ciao

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • Salut,


    haben wir vielleicht Franz Schubert's Fierabras vergessen...?


    Später mehr dazu, muss leider arbeiten!


    Grüße, Ulli

  • Hi,


    nein, eigentlich nicht. Wie ich schon weiter oben angedeutet habe, schaffen es die Schubert-Opern noch immer nicht auf den Repertoire-Spielplan, werden aber gleichwohl auf Festspielen des öfteren gezeigt.


    Warum das so ist, bleibt mir ein sowieso Rätsel. Man muss wieder einmal daran erinnern, dass die Schubert-Opern es überhaupt erst in den letzten dreißig Jahren auf die Opernbühne gebracht haben (und es ist gerade einmal ca. 10 Jahre her, dass in Graz die Welturaufführung von 'Alfonso und Estrella' erfolgte - immerhin die erste durchkomponierte Oper in deutscher Sprache).


    Aber vielleicht geht es mit den Schubert-Opern ein klein wenig wie mit seinen Klaviersonaten. Um 1970 gab es sie in der Öffentlichkeit nicht. Kaum ein Pianist spielte sie jemals in einem Konzert, es gab nur gelegentlich eine Sonate auf Platte (meist sehr alte Aufnahmen), dafür jagte in den 60ern eine (Gesamt-)Einspielung der Beethoven-Sonaten die andere, Schubert am Klavier galt als langatmig - um nicht zu sagen langweilig. Da schlug Brendels Schubert-Kassette förmlich wie eine Bombe in der Klassik-Welt ein, man macht sich heute keine Vorstellung von diesem Elementarereignis in der Pianistenwelt. Brendel spielte ab da landauf landab eine Zeit lang sicher viel mehr Schubert als Beethoven in Konzerten, und heute ist Schubert aus den Veranstaltungsreihen für Klavierabende überhaupt nicht mehr wegzudenken.


    Ciao

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • Da würde ich nachhacken: Warum denn ausgerechnet Brendel? Richter spielte doch Schuberts Sonaten schon immer. Hat jemand entsprechende Daten parat?

  • Das Thema Schubert ist ja hochinteressant - aber da haben wir einen eigenen Thread laufen....



    (Es ist mir klar, daß man mal geringfügig vom Thema abweicht, manchmal muß man es sogar. Meine Aufgabe ist es jedoch darauf zu achten, daß alles möglichst in der Bahn bleibt)


    Hier also bitte weiter mit "Deutscher Oper" !!!


    Gruß Alfred
    Moderator

    Interpreten SIND Sklaven !

  • Hi peet,
    Richter kam erst in den 60ern in den Westen, war vorher nichts anderes als ein Mythos. Und dann spielte er natürlich erst einmal das Standardrepertoire ein. Live-Mitschnitte gab es von den großen Labels so gut wie überhaupt nicht, für teures Geld musste es natürlich schon eine Studioeinspielung sein. Erst als Brendel die Lawine losgetreten hatte (dank Philips, die sich getrauten, eine 8LP-Kassette zu veröffentlichen, deren Inhalt der breiten Öffentlichkeit nahezu unbekannt war), getrauten sich mehrere Labels an Neueinspielungen, bzw. wurden auch alte Aufnahmen wieder ausgegraben (Schnabel!).


    Ciao

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • Hallo Theophilus!
    Liebestrank kam erst Ende der 70er Jahre ich glaube die Premiere war mit Cotrubas, Dvorsky und Taddei unter Lopes-Cobos.
    Der Don Pasquale war was ganz Eigenartiges .. mit dem gastierte die Staatsoper in der sogenannten Provinz ich glaube sogar in Mürzzuschlag unter Hector Urbon, sonst habe ich mir leider niemanden gemerkt.
    Ich kam im Herbst 65 nach Wien und war dann ab 1970 wieder weg und kehrte erst in den frühen 80ern wieder zurück.
    Damals war das Repertoire wirklich eng. Aber es gab herrliche Repertoire Dirigenten wie Varviso, Klobucar, Cluytens, Krombholc(!!!!)
    das war eben kurz nach Karajan ..und diesen Schock merkte man.
    In der Volksoper gab es aber Masnadieri, Lucia, Nabucco u.v.a. ..
    da kam dann ja die Dallapozza Zeit(Werther, Regimentstochter, Postillon usw. der Christ sang nioch Hoffmann, Evangelimann


    ja die Studioproduktion des Don Pasquale gab es live nicht, ich weiß gar nicht ob der Kertesz überhaupt an der Staatsoper dirigiert hat.
    Die Christ erlebte ich als Gilda und vor allem als sehr gute Zerbinetta.
    den Oncina einmal etwas später in Luisa Miller mit der Sukis....
    Corena erlebte ich nurmehr als Melitone ..meist neben Siepi.

  • Lieber Theophilus, lieber Manrico,


    Don Pasquale:
    Zitiert aus der Chronik der Wiener Staatsoper 1945 bis 1995:


    Wiederaufnahme im Theater an der Wien 24.11.1945
    Neueinstudierung im Theater an der Wien 31.12.1954
    Neuinszenierung im Theater an der Wien 14.12.1962


    Kertesz hat an der Staatsoper lt. dieser Chronik nie dirigiert.
    Die Staatsopernvorstellungen in der LP-Besetzung gab es (leider) nicht.
    Corena ist öfters als Interpret vertreten.


    Die Aufnahme ist allen Freunden dieser Oper sehr, sehr zu empfehlen.


    Die "Provinz-Vorstellungen" (für einen Grazer in Wien noch immer ein schreckliches Wort) wurden wie von Manrico erwähnt, von Hector Urbon dirigiert.
    Die Besetzung dieser Vorstellungen kann man sich heute sehr wünschen.
    Gruberova - Alva - Czerwenka - Helm - Pernerstorfer

    Otto Rehhagel: "Mal verliert man und mal gewinnen die anderen".
    (aus "Sprechen Sie Fußball?")

  • @Manrico, Rienzi


    Vielen Dank für die Infos. Ein für mich etwas überraschendes Ergebnis. Die Besetzung der Decca-Don Pasquale-Aufnahme roch förmlich danach, dass sie aus einer erfolgreichen Staatsopernproduktion hervorging. Ich bin auch ganz Rienzi's Meinung, dass diese Einspielung des Don Pasquale noch immer eine ganz dicke Empfehlung wert ist.


    Ich erinnere mich auch noch ganz dunkel an eine Übertragung im ORF, der eine Aufführung in Mürzzuschlag aufgezeichnet hat. An Luigi Alva kann ich mich konkret erinnern, weil ich ihn damals schon kannte (als Almaviva in Abbados Barbiere), Gruberova kannte ich damals noch nicht und statt Oskar Czerwenka hätte ich mir Erich Kunz eingebildet. So kann man sich irren.


    Ciao

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • Liebe Forianer,



    wie wenig gerade die deutschen Spielopern auf den Spielplänen stehen, und wie gering daher auch der Anreiz für junge Sänger ist, sich damit zu beschäftigen, war beim Internationalen Gesangswettbewerb 2007 Festspielstadt Passau deutlich zu merken.


    Thema war "Giuseppe Verdi und die deutschen Opern-Meister seiner Zeit". Für dieses Thema waren im Wettbewerbsprogrmm neben Verdi und Wager Lieder und Arien Von Schumann, von Flotow, Nicolai, Lortzing und Humperdinck vorgesehen, aber leider von den Teilnehmern kaum zu hören...


    Schade eigentlich, ich mag auch die deutsche Spieloper sehr!


    Nähere Infos zum Wettbewerb (der nächste findet voraussichtlich 2009 statt, das Thema steht wohl noch nicht fest):


    http://www.gesangswettbewerb-passau.de/index.htm


    Viele Grüße


    Elisabeth

  • Hallo Elisabeth, :hello:
    es ist bei dem Teilnehmerfeld nicht verwunderlich, daß die Deutsche Oper zu kurz wegkam. Nur 1 deutscher Name unter 12 Finalisten...
    Künftig wird man "Madama Butterfly" oder "Das Land des Lächelns" als Asia-Snacks genießen können. :rolleyes:

    Freundliche Grüße Siegfried

  • Die zukünftigen Stars müssen sich logischerweise drauf einstellen, was *international* gefragt ist. Außerhalb des deutschsprachigen Raums spielen nur Wagner, Strauss und die Zauberflöte eine Rolle. Schon Freischütz, Hänsel&Gretel oder die Entführung sind im Vergleich international weit abgeschlagen. Von Lortzing oder Flotow gar nicht zu reden. Muß man nicht gut finden, war aber wohl nie groß anders. Nur mußten sich früher Sänger nicht notwendigerweise so international orientieren wie heutzutage...


    :hello:


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Eine interessante Parallele zum Thread Operette. Beide sind sanft entschlummert. Ohne dass ein Klassiker des Genre erwähnt wurde, Nicolais „Die lustigen Weiber von Windsor“.

  • Hier liegt ein generelles Missverständnis vor: Die Gattung der Spieloper wird sehr zu Unrecht sogar an den deutschen Opernhäusern vernachlässigt. Außer "Wildschütz", "Zar und Zimmermann" und "Martha" wird kaum etwas aufgeführt. Ganz anders sieht es allerdings in Opern- und Arienkonzerten aus, da werden die herrlichen Melodien rauf und runter gesungen. Was täten z. B. die Bassisten ohne ihre 5000 Taler, ohne ihr "Büblein klein an der Mutterbrust", ihren "Jüngling mit lockerem Haar." Also eine geteilte Liebe. Auf der einen Seite leider tot, auf der anderen Seit als Erfolgsgaranten sehr lebendig. ich hoffe, das diese Perlen der Gesangskunst weiter leben und weitere Generationen noch lange erfreuen.

    Herzlichst

    Operus (Hans)

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Palestrina, Hänsel und Gretel, die Königskinder, der Wildschütz: das sind alles Werke, die sich durchaus behaupten. Vor allem aber eine Oper, die hier noch nicht genannt wurde, Mathis der Maler. Der Durchbruch von Palestrina und Mathis ist den beiden grandiosen Einspielungen von Rafael Kubelik zu verdanken. Beide Opern sind für mich nicht sperrig, sie bieten absolut singbare Musik (das weiß ich deshalb, weil ich beide Opern fast vollständig mitsingen kann; als Zuhörer sind allenfalls nervenstarke Hunde erlaubt). Nicht genannt wurde auch Carl Orff; die Kluge zählt zu meinen Top 20 von allen Opern.

    Der Mensch, vom Weibe geboren, lebt kurz und ist voll Unruhe, geht auf wie eine Blume und welkt, schwindet dahin wie ein Schatten und bleibt nicht (Hiob 14, u.a. vertont von Bach und Telemann)

  • Sei von meiner Seite ergänzt:


    "Die tote Stadt" von Erich Wolfgang Korngold, die in den letzten Jahren an vielen Häusern gezeigt wurde. Während "Der Barbier von Bagdad" von Peter Cornelius nur selten den Weg auf die Bretter findet. "Der Corregidor" von Hugo Wolf so gut wie nie. Auch die Opern von Werner Egk sind in der Versenkung verschwunden. Besser geht es "Simplicius Simplicissimus" von Karl Amadeus Hartmann, der ab und an in den Spielplänen auftaucht.


    Die Kunstform Spieloper ist, ähnlich wie ihr "Geschwister" Operette, durch den Musical-Boom weitgehend verdrängt. Wie hier schon mehrfach erwähnt, ist das am dramatischen Rückgang der Bühnenpräsenz von Albert Lorzing deutlich abzulesen. Seit Jahren ist Lorzing aus der Liste der 20 meist gespielten Komponisten verschwunden, in der er früher unangefochten einen Spitzenplatz einnahm.

  • Außer "Wildschütz", "Zar und Zimmermann" und "Martha" wird kaum etwas aufgeführt.

    Ich wage zu behaupten, dass auch die genannten drei Stücke heute kaum noch aufgeführt werden: In Berlin beispielsweise lief der letzte "Wildschütz" in den 80er Jahren, "Zar und Zimmermann" ging sowohl an der Staatsoper als auch der Deutschen Oper Ende der 90er aus dem Repertoire, "Martha" an der Deutschen Oper ebenfalls. In der laufenden Saison spielte die Staatsoper die "Lustigen Weiber" und diesem Unternehmen haftet schon der Geruch einer echten Ausgrabung an. Dass diese Werke nicht mehr gespielt werden hat den Grund, dass es eigentlich kaum noch Publikum für diese Stücke gibt. Das war vor 50 Jahren anders, da gehörten sie selbstverständlich zum Repertoire. Heute gehören andere Stücke selbstverständlich dazu. Auch der Repertoire-Kanon ist zu ein gewissen Maß dem Wandel unterworfen, die Gründe dafür sind vielfältig und vielschichtig.

  • Die Frage, welche deutschen Opern aus dem gängigen Repertoire verschwunden sind, kann man einfach nachvollziehen, wenn man auf der Wikipedia-Seite Oper in deutscher Sprache die Liste der 397 Werke studiert, die da angeführt sind.

    Orfeo wünscht euch allen, dass ihr gesund bleibt