Schostakowitsch – Lieder und sonstige Vokalwerke

  • Liebe Taminas und Taminos,


    Schostakowitsch hat sehr viele Vokalwerke komponiert, weit mehr als typischerweise bekannt, und zwar nicht nur während einer kurzen Phase, sondern sein ganzes Komponistenleben lang.


    Nicht behandelt werden sollen an dieser Stelle die Bühnenwerke Schostakowitschs, also die Opern Die Nase und Lady Macbeth von Mzensk sowie die Operette Moskau-Tscherjomuschki.


    Ebenfalls soll hier nicht der Ort sein für die Diskussion der Symphonien mit Chor, wenn auch insbesondere die 14. Sinfonie ein ausgesprochenes Vokalwerk ist.


    Wohl aber sollen hier besprochen werden die sonstigen Vokalwerke, insbesondere also die Lieder und sonstigen Chorwerke, die man K. Meyers Unterscheidung im Anhang seiner Biographie folgend unterteilen mag in: Werke für Chor und Orchester, Werke für Chor a capella, Werke für Singstimme und Orchester, Werke für Singstimme und Klavier.


    Am ehesten bekannt und vielleicht deshalb schon empfehlenswert sein dürften:


    Aus jüdischer Volkspoesie, op. 79 und op. 79a
    Das Lied von den Wäldern, op. 81
    Vier Monologe nach Puschkin, op. 91
    Die Hinrichtung des Stepan Rasin, op. 119
    Suite nach Worten von Michelangelo, op. 145a
    Antiformalistischer Rajok, o. op.


    Ich selbst habe zuletzt diese beiden CDs gekauft und mit großem Genuss gehört:



    Jetzt habe ich Lust auf mehr und frage daher mit großem Interesse: Welche Vokalwerke von Schostakowitschs schätzt ihr besonders? Aus welchen Gründen? In welchen Einspielungen?


    Über viele Antworten freut sich
    Thomas

  • Liebe Taminas und Taminos!


    Da die Antworten nicht gerade hereinpurzeln, habe ich mich nochmals auf die Suche gemacht, um aus dem Fundus bisheriger Beiträge Geeignetes hier zusammenzuführen. Das (dürftige) Ergebnis ist:


    Zitat

    Original von Uwe


    Genosse Schostakowitsch bereitet mir bei der Rezeption seiner Werke nicht unerhebliche Schwierigkeiten. Zwar wurde er mir aus allen Richtungen als legitimer Nachfolger Mahlers, den ich sehr schätze, anempfohlen, doch vermag ich seiner (Orchster)Musik - egal, wer dirigiert, nicht viel abzugewinnen: unmelodiös und ohne Spannung. Ganz anders dagegen seine Kammermusik (Streichquartette), die ich sehr schätze und seine Orchsterlieder: die Michelangelo-Suite Op.145a, die allerdings nicht sehr oft aufgenommen wurde: ich besitze eine alte Melodiya-Aufnahme aus den 70ern mit dem Bassisten Yewgenij Nesterenko und Maxim Schostakowitsch, der das RSO Moskau dirigiert – das ist wundervolle, unglaublich eindrucksvolle Musik - (leider ist sie meines Wissens nie als CD erschienen, so dass ich sie selber überspielen musste); Fischer-Dieskau hat’s auch aufgenommen, allerdings nicht ganz so eindrucksvoll.
    Wie steht ihr zu Schostakowitsch? Stehe ich allein damit? Und kennt jemand die Lieder?


    Grüße aus Hamburg
    Uwe


    Auch Uwe musste also schon die Erfahrung machen, dass die Lieder Schostakowitschs in diesem Forum offenbar weniger Liebhaber haben als sie verdienen.


    Für mich wird das Anlass sein, von Zeit zu Zeit an dieser Stelle für sie zu werben.


    Freundlich grüßt
    Thomas

  • Hallo Thomas,


    ich würde gerne berichten - aus Mangel an Kenntnis bin ich dazu leider nicht in der Lage.


    Insgesamt solltest Du berücksichtigen, daß die Gattung des Lieds ja eher ein Nischendasein führt. Viele identifizieren diese Form automatisch mit Schubert und einige kennen vermutlich auch ausschließlich Schubert in Zusammenhang mit Lied (böswillige Unterstellung, ich weiß :beatnik: ). Insbesondere scheint das Lied bei den meisten mit dem Zeitalter der Romantik, höchstens noch Spätromantik, oder in Form des Orchesterlieds mit Mahler zusammenzufallen.


    Also, net böse sein - es liegt am Nischendasein der Gattung, denke ich.


    :hello:
    Wulf

  • Hallo Wulf,


    danke für die netten Worte.


    Böse sein? Nein, davon bin ich weit entfernt. Selbst die Threads über Schostakowitschs Sinfonien laufen schlecht (über ein Meisterwerk wie die vierte Sinfonie existiert nicht einmal ein Thread). Wie könnte ich da ausgerechnet bei den Liedern großes Interesse erwarten? Nur hatte ich auch nicht damit gerechnet, dass gar nichts kommt.


    Macht aber nichts. Wie gesagt: Ich werde vorkosten und euch die Sache schon schmackhaft machen.


    :hello:
    Thomas

  • Zitat

    Original von ThomasNorderstedt


    Macht aber nichts. Wie gesagt: Ich werde vorkosten und euch die Sache schon schmackhaft machen.


    :hello:
    Thomas


    Ich wäre an den Ergebnissen des Vorkostens durchaus interessiert. Ich gehört nämlich zu den "Banausen" (ja, Wulf, ich weiß, es war nicht so gemeint ;) ), deren Lied-Kenntnisse mit Richard Strauss aufhören.
    Da ich aber durch Wulf auf Shostakowitsch neugierig wurde und mir der Gesang einfach näher ist als die reine Instrumentalmusik, kämen mir ein paar Tipps sehr gelegen. :hello:


    Gruß
    Rosenkavalier

  • Hallo Thomas,


    durch die Lektüre der Biografie der Galina Vishnevskaya angeregt, hatte ich vor Jahren einmal begonnen, mich ein wenig mit Schostakowitschs Werk zu befassen - bis dahin kannte ich nur das 2. (?) Klavierkonzert - das mit Trompete.


    Ich habe allerdings überhaupt keine Russischkenntnisse und merke schon, dass mir das Fehlen dieser den Zugang zur vokalen Musik russischer Komponisten erschwert. Aber ich hatte mir damals ein Paket mit allen Sinfonien unter Kondrashin gekauft - die fand ich teilweise recht ansprechend - aber dann fristete das Paket doch sein Dasein eher im Regal...


    Durch dies Thema angeregt, fiel mir nun wieder eine CD ein, die ich irgendwann mal entdeckt hatte und die der o.g. Biografie die Stimme verleihen sollte - Galina Vishnevskaya und Mstislav Rostropovitch "Russian live Recordings from the Sixties". Auch in diesem Fall reingehört - ganz interessant gefunden (darauf singt sie u.A. die ihr gewidmeten Romanzen op. 127 sowie die Lieder und Tänze des Todes in der Orchestrierung von Schostakowitsch) - und wieder im Regal vergessen.


    Ich fürchte, dass mir tatsächlich weitgehend der Zugang durch die fehlenden Sprachkenntnisse schwer gemacht wird, denn harmonisch/musikalisch finde ich die Werke sehr ansprechend und interessant. Ich werde mal das Conservatoire Rachmaninov kontaktieren, vielleicht finde ich da einen Language-Coach, der mich da weiterbringen könnte.


    Dank Deiner Bemühungen habe ich aber immerhin mal wieder reingehört - und es gefällt mir gut.


    Es grüsst LaCastafiore

  • Hallo,


    ich reihe mich hiermit ein und bekenne auch meine Interesse an diesem "Vorkosten"! :)
    Meine bisherigen Kontakte mit Schostakowitsch-Liedern beschränken sich auf eine Aufführung von "Aus jüdischer Volkspoesie", welche ich als Zuhörer auf dem Podium der Kölner Philharmonie sitzend erleben durfte und darauf, dass ich eine CD mit Orchesterliedern (Järvi) besitze. An Höreindrücke kann ich mich leider in beiden Fällen nicht erinnern! :stumm:
    Zumindest in die CD könnte ich natürlich mal wieder hineinhören!


    Viele Grüße
    Frank

    From harmony, from heavenly harmony
    this universal frame began.

  • Hallo Thomas,


    du hast ja dankenswerterweise meine - noch immer gültige - Empfehlung selber hervorgekramt. Ich habe fast alle bisher in D erhältlichen Michelangelo-Lieder mal angehört, aber keiner kommt an Nesterenko heran. Die Evtodieva/Sokolova/Kuznetsov - Aufnahgmen habe ich allerdings noch nicht gehört, ichch meine mich allerdings zu erinnern, dass genau jene CD's mit Evtodieva/Sokolova/Kuznetsov als Interpreten vor ca. 2 Jahren von - ich meine MStauch - erworben und für sehr gut befunden wurde. Die Diskussion darüber (es war nur eine kurze Nachfrage) fand im "heute gekauft"-Thread statt.


    Ansonsten ist mir Schostakowitsch mittlerweile etwas näher gerückt, auch dank entsprechender Werkeinführungen.


    Gruß :hello:
    Uwe

  • Beginnen wir mit der Hinrichtung des Stepan Rasin, op. 119, einer Dichtung für Bass, Chor und Orchester, komponiert 1964.


    Das leicht zugängliche Werk ist eine eigentümliche Mischung aus Kantate und großer opernhafter Szene. Rund 27 Minuten lang berichtet der Bass von der, kommentiert der Chor die Hinrichtung des Donkosaken Stephan – Stjenka – Rasin, der 1671 auf dem Roten Platz enthauptet wurde, nachdem er einen Aufstand gegen zaristische Bojaren angeführt hatte.


    Die Tonsprache ist am ehesten als urwüchsig zu bezeichnen. Kraftvoll ist der Bericht des Bassisten, ausgelassen wild singt der Chor. Die Schilderung ist nicht modern existentialistisch, gar schräg, sondern naturalistisch. Bezüge zum Boris Godunow von Mussorgsky – den Schostakowitsch überaus schätzte –, insbesondere zur Krönungsszene drängen sich auf.


    Das Stück beginnt mit einer recht wilden Massenszene. Das politisch naive Volk begrüßt die Hinrichtung, versteht sie als Spektakel. Lautmalerisch vertont Schostakowitsch die anfeuernden Rufe der aufgepeitschten Menge. Retrospektiv und in deutlich zurückgenommenem Tonfall wird sodann an Rasins Aufstand erinnert, der nicht gelingen konnte. Gute Zaren? Gibt es nicht. Glockengeläut läutet die Hinrichtung ein. Der Henker hebt das Beil. Stjenka aber verweigert der Menge das erwartete Schauspiel. Er schlottert nicht um Angst, fleht nicht um sein Leben, sondern beweist Stärke, indem er still sein Haupt auf das Schafott legt und der in der Enthauptung – die musikalisch drastisch geschildert wird – liegenden Demütigung dadurch trotzt. Das Volk, von diesem Verhalten tief beeindruckt, kippt in seiner Stimmung. Es begrüßt nicht mehr – wie von der politischen Führung gewollt – den Tod des Rebellen, sondern verstummt und erweist dem Stepan Rasin durch das Abnehmen der Mützen die letzte Ehre. Die toten Augen Stjenkas, die zu verschließen einem Pfaffen nicht gelingt, lachen den Zaren und seine Machtansprüche aus. Das Volk, der Chor, greif die Musik des Anfangs wieder auf. Nun aber ist die aufgeregte Wildheit nicht mehr gegen Stepan Rasin gerichtet, sondern gegen den Zaren.


    Handelt es sich also um ein weiteres sowjetfreundliches, ideologiekompatibles Werk des verdienten Stalinpreisträgers Schostakowitsch? Oberflächlich betrachtet ja. Doch gab es eben auch den subversiven Schostakowitsch, den Meister der Doppelbödigkeit, den musikalischen Regimekritiker. Man bedenke, 1964 war die Stalinzeit zwar lange vorbei, herrschte noch Tauwetter, gleichwohl waren die Künstler nicht frei.


    Zu allem Überfluss war der Dichter des vertonten Stückes Jewgenij Jewtuschenko – mit knapp dreißig Jahren etwa halb so alt wie Schostakowitsch –, dessen den Antisemitismus auch in der Sowjetunion anklagendes Gedicht Babij Jar Schostakowitsch in seiner 13. Sinfonie so aufsehenerregend vertont hatte (s. dazu Dmitri Schostakowitsch: Sinfonie Nr. 13 "Babi Yar" Op.113). Die Paarung Schostakowitsch Jewtuschenko konnte aus Sicht der Herrschenden nichts Gutes bedeuten.

    Folgerichtig gab es bei der von Kondrashin dirigierten Uraufführung Probleme. Der vorgesehene Solist Iwan Petrow weigerte sich am Tag der Aufführung plötzlich, das Konzert zu singen, so dass, weil kein anderer Bassisst das Stück geprobt hatte, ernsthaft daran gedacht wurde, das Stück abzusagen. „Die Aufführung wird nur verschoben, wenn überhaupt niemand da sein wird, um zu singen“, beharrte Schostakowitsch. Die Uraufführung fand also statt und wurde zu einem großen Erfolg beim Publikum. Die Machthaber aber hielten sich zurück. Sie warteten ab. 1968 hatten sie sich dann entschieden: Schostakowitsch erhielt für das Werk den Michail-Glinka-Staatspreis.


    Begeistern für das Stück dürften sich nach dem Geschriebenen eher nicht die (Nur)Liebhaber des intimen Schubert-, des Straussschen Orchesterliedes, wohl aber die der großen russischen Oper, die Verehrer des Boris Godunow in der Originalfassung.


    Nur die oben gezeigte Aufnahme von Jurowski ist mir bekannt. Ohne vergleichen zu können halte ich sie für sehr empfehlenswert. Die Einspielung ist klanglich sehr gut. Sowohl die orchestralen als auch die sängerischen Leistungen sind von erster Güte. Der Text ist in deutsch und in englisch beigefügt, leider nicht in russisch, was das Mitlesen nicht immer leicht macht.


    Freundliche Grüße
    Thomas

  • Der Liedkomponist Schostakowitsch ist noch zu entdecken, schrieb ich oben sinngemäß. Und wahrlich, hört man die beiden Lieder op. 84 ohne die Urheberschaft zu kennen, man käme nie auf Schostakowitsch. 19. Jahrhundert, da wäre man sicher. Mussorgsky, Rimsky-Korsakow, vielleicht Balakirew würden einem als mögliche Komponisten in den Sinn kommen. Aber Schostakowitsch? Das ist doch der, der so schräge Musik schreibt. Der, bei dem immer das Politische mitschwingt, bei dem man erst einmal neuere sowjetische Geschichte studieren muss, um ihn zu verstehen. Nein, von dem kann das nicht sein.


    Und doch: Die beiden am 25. und 26. Juli 1950 von Schostakowitsch für Singstimme und Klavier komponierten Lieder sind beste Romantik. Herrlich lyrisch und zum Dahinschmelzen schön, in dem romantischen Stil der Gedichte wunderbar angepasster, leicht zugänglicher Tonsprache fließt der Gesang dahin, begleitet vom umspielenden Klavier, das sich in Arpeggien ergießt und die harmonischen Gefilde nie verlässt.


    Das erste, rund drei Minuten lange Lied heißt „Ein Morgen im Kaukasus“. In ihm wird erzählt, wie sich die Morgenröte auf einem Fluss am Fuße des Kaukasus spiegelt, wie junge Frauen, die in diesem Fluss baden, einen jungen Burschen bemerken, wie sie ebenso wie bereits der Fluss erröten, die Augen niederschlagen, aber nicht weglaufen, denn: Wie kann man weglaufen, wenn der Dieb ihrer Liebe so nah ist?


    Das zweite Lied, knapp sechs Minuten lang, heißt schlicht „Ballade“. Eine solche ist es auch. Eine Variation von Schillers Taucher wird in ihr erzählt: Eine schöne Frau fordert ihren Geliebten auf, ihre im tiefen See verlorene Halskette heraufzuholen. Das werde ihr seine Liebe beweisen. Der Mann riskiert sein Leben. Ihm gelingt die schwere Tat und er übergibt der Schönen die Kette. Sie aber, die von ihm hört, dass sich die Kette an dort unten befindlichen Korallen verfangen hatte, fordert ihn auf, ihr nun auch noch die Korallen zu bringen. Obgleich noch erschöpft, stürzt der Mann sich abermals in die Fluten, und stirbt.


    Aufgenommen worden sind die Lieder bislang – ich konnte es kaum glauben – ein einziges Mal. „World Premiere Recording“ ist auf der Rückseite der oben abgebildeten Delos CD „Complete Songs, Volume One“ zu lesen. Schön, dass gleich die erste Aufnahme so hervorragend gelungen ist. Natalia Biryukova, ein mir vormals unbekannter Mezzo-Sopran, singt hervorragend. Dunkel timbriert, breit und doch fest umrissen scheint ihre Stimme wie für die Lieder gemacht. Der Pianist fällt nicht positiv auf, wird den an ihn gestellten Anforderungen jedoch in jeder Hinsicht gerecht.


    Nach dem Geschriebenen kann man sich damit begnügen, zwei wunderschöne Lieder zu hören. Wer will, kann sich vor dem Hintergrund bestimmter Fakten aber auch noch einige Fragen stellen:


    Die Lieder, ich erwähnte es oben, wurden 1950 komponiert. 1950 litt Schostakowitsch unmittelbar unter den Folgen des Beschlusses des ZK der KPdSU aus dem Jahre 1948, der den Formalismus verurteilte, womit alles Schräge, Moderne, kurz alles Missliebige gemeint war. Schostakowitschs Werke wurden – abgesehen von den Filmmusiken und den Propagandawerken – kaum noch aufgeführt. Seine Lehrämter hatte er verloren. Es ging ihm wirtschaftlich schlecht. Warum also schrieb er zu dieser Zeit solche Lieder? War es eine Weltflucht? Oder wollte Schostakowitsch den kulturpolitischen Vorgaben nachkommen?


    Letzteres war sicher nicht der Fall. Denn die Werke – man höre und staune – wurden trotz ihrer offensichtlichen Qualitäten erst nach dem Tode Schostakowitschs im Jahre 1982 uraufgeführt! Die Frage drängt sich auf: Warum hat Schostakowitsch nicht die Uraufführung dieser Lieder betrieben, wenn sie doch so gut dem Geforderten entsprachen?


    Die Antwort könnte in der Antwort auf die Frage liegen: „Taten sie das wirklich?“


    Stellen wir als erstes fest, dass es in beiden Liedern um Verführung, vielleicht sogar um Missbrauch einer Machtstellung geht. Und erinnern wir uns nun noch – was in der Sowjetunion des Jahres 1950 allüberall bekannt war-, dass Stalin aus der Gegend des Kaukasus stammt – seine Geburtsstadt liegt im Tal zwischen Großem und Kleinen Kaukasus –, dann wird es plötzlich politisch brisant. Hat Schostakowitsch bei dem jungen Burschen des ersten, bei der unmenschlichen Frau des zweiten Liedes an Stalin gedacht? Ist eine solche Assoziation statthaft?


    Ich weiß es nicht, finde es jedoch reizvoll, über diese Fragen nachzudenken. Ein mögliches Gegenargument könnte lauten: Wenn Schostakowitsch tatsächlich derartiges im Sinn gehabt hätte, hätte er wahrscheinlich die romantische Tonsprache verlassen – man denke an das Porträt Stalins im zweiten Satz der zehnten Sinfonie. Oder ist gerade der Liebreiz des gerissenen Verführers das Gefährliche?


    Lermontow (1814-1841), das sei der Vollständigkeit halber hinzugefügt, ist in Russland weithin als einer der bedeutendsten Vertreter der romantischen Literatur bekannt. Der Zweite nach Puschkin, soll er sein. „Poet des Kaukasus“ wurde er genannt. Ich gestehe: Mir sagte der Name Lermontow bis zur Kenntnisnahme der Lieder nichts.


    Gruß
    Thomas

  • Hallo Thomas,
    ein höchst interessanter Beitrag. Theoretisch wäre es möglich, daß Schostakowitsch die Romantik als Zitat verwendete: "Das ist die Musik, die der aus dem Kaukasus hören will".
    Ich bin mir nicht sicher...
    Nur paßt eben auch Lermontow absolut nicht zum Temperament Schostakowitschs. Im Gegensatz zu Puschkin, ist Lermontow die Ironie nämlich weitgehend fremd. Seine Gedichte behandeln weitgehend ungebrochen die typischen romantischen Themata wie (unerwiderte) Liebe, Entsagung, Verlust, Tod, Parallelsetzungen des lyrischen Ichs mit Naturbeobachtungen etc., aber ohne die ironische Komponente, mit der Schostakowitsch diese Themen anging.
    Natürlich kann es auch sein, daß Schostakowitsch einfach zwei romantische Lieder als Fingerübung komponierte - wenn Du sie mit den deklamatorischen Michelangelo-Liedern vergleichst, merkst Du, wie völlig anders der Vokalstil Schostakowitschs ist, wenn es um ein "Hauptwerk" geht.


    A propos Lermontow: Lesenswert sind auch heute noch sein Roman "Ein Held unserer Zeit" und "Der Dämon" (der Rubinsteins Oper zugrunde liegt).


    :hello:

    ...

  • Hallo Edwin,


    der naheliegende Schritt zur Beantwortung der aufgeworfenen Frage ist meiner Auffassung nach der Vergleich mit anderen Liedern, insbesondere im Hinblick auf den musikalischen Stil und auf etwaige politische Inhalte der vertonten Gedichte. Du hast diesen Vergleich mit den Michelangelo-Liedern bereits angestellt. Nur stammen diese aus einer gänzlich anderen Zeit als jene, wurden sie doch etwa ein Vierteljahrhundert später komponiert als die Lermontow-Romanzen, und sind sie daher hinsichtlich der Lermontow-Romanzen wenig aussagekräftig.


    Als vorrangige Vergleichsbasis sollte man, meine ich, die Vokalwerke aus den fünfziger Jahren heranziehen. Ich sehe mich zurzeit jedoch noch nicht zu einer angemessen tiefgehenden Untersuchung in der Lage, bin ich doch gerade erst – als Vorkoster! – dabei, mir das Liedschaffen Schostakowitschs zu erschließen.


    Allerdings enthält die o. g. in meinem Besitz befindliche Delos-CD sämtliche Lieder aus der Zeit von 1950 bis 1956. Mein erster Eindruck lautet: Schostakowitsch bedient sich in dieser Zeit ganz überwiegend einer vielleicht nicht durchweg romantischen, aber doch einfachen und leicht zugänglichen Sprache. Das spricht dafür, den romantischen Stil der Romanzen eher nicht als besonderen Anknüpfungspunkt für eine Interpretation herauszugreifen.


    Über den Fortgang meiner Entdeckungsreise werde ich berichten.


    Vielen Dank übrigens für die Buchempfehlungen.


    freundlich grüßt
    Thomas

  • Hallo Thomas,
    wobei Schostakowitschs Lieder eben zumeist Nebenwerke sind. Wirklich Gewicht haben die "Jüdische Volkspoesie" und der Michelangelo-Zyklus, die übrigens beide sowohl in einer Klavier- als auch in einer Orchesterfassung vorliegen. Nach Schostakowitschs Frühzeit, in der auch die Lieder ein geschärftes Idiom haben, wendet sich Schostakowitsch eher einem mehr oder minder stilisierten Romanzen-Ton zu, allerdings wird er selten dermaßen romanzig wie in den Lermontow-Liedern.
    Übrigens: Wenn Du die Gesamtausgabe hast: Unbedingt den "Antiformalistischen Rajok" anhören - das ist Schostakowitsch auf der Höhe seiner satirischen Kunst!
    :hello:

    ...

  • „…Schostakowitschs Frühzeit, in der auch die Lieder ein geschärftes Idiom haben…“


    Das hört sich gut an, finde ich und greife zu den ersten beiden mit einer Opus-Nummer versehenen Liedern Schostakowitschs. Die „Zwei Fabeln nach Krylow, op. 4“ entstanden 1922, als Schostakowitsch sechzehn Jahre alt war. Erst seit 1919 erhielt er im Konservatorium Kompositionsunterricht. Was soll, darf man da erwarten?


    Ich nehme das Ergebnis vorweg: Nicht viel.


    Die von Schostakowitsch vertonten Texte handeln von einer Grille, die es sich im Sommer zu wohl hat sein lassen, so dass sie im Winter nichts zu fressen hat („Die Grille und die Ameise“) und von einem Esel, der die Schönheit des Gesangs der Nachtigall nicht erkennt, sich aber gleichwohl ein Negativurteil anmaßt („Der Esel und die Nachtigall“).


    Der Student Schostakowitsch traut sich eine Menge zu, indem er das Werk für Mezzosopran, Frauenchor und Orchester komponiert (alsbald entsteht aus aufführungspraktischen Gründen zudem eine Fassung für Singstimme und Klavier). Er beweist insbesondere an den vielen naturalistischen Stellen, ein Händchen für die Orchestrierung, für Stimmungen und Klangfarben zu haben. Gleichwohl bleiben die Lieder deutlich Werke eines Studenten, sind sie meilenweit von der Kunst des späteren Schostakowitschs, auch der Kunst des Komponisten der „Nase“ entfernt.


    So lese ich denn auch in Meyers Biographie: „Wenn gleich das zweite Märchen… dem ersten zweifellos an Originalität und Reife nachsteht, sollte dennoch dieser erste Versuch des sechzehnjährigen Komponisten im Bereich der Vokalmusik als Ausdruck seines überdurchschnittlichen Talents gewertet werden.“


    Ja, möchte ich hinzufügen. Aber nicht als mehr. Wüsste man nicht, was aus diesem Sechzehnjährigen später geworden ist, würde man die Lieder nicht mehr singen, geschweige denn aufnehmen. Das geschärfte Idiom, von dem Edwin oben gesprochen hat, kommt später.


    Zur Äußerung Edwins, nach der es sich bei dem Liedschaffen Schostakowitschs größtenteils um Nebenwerke handele, möchte ich bemerken, dass dies sicher richtig ist. Nur trifft diese Einschätzung auf das Liedschaffen der allermeisten Komponisten zu. Speziell im Fall Schostakowitschs wäre es überdies fast ein Wunder, wenn sich ein Lied insbesondere neben den einsame Höhen erreichenden Sinfonien als gleichrangig behaupten könnte. Anders formuliert: Dem Begriff "Nebenwerk" wohnt etwas relatives inne. Das Nebenwerk eines Schostakowitsch kann immer noch gehaltvoller sein als das Hauptwerk eines xy.


    Dort, wo das Liedschaffen Schostakowitschs Hauptwerkcharakter erreicht, bei den von Edwin im vorigen Beitrag genannten Stücken, werde ich noch ankommen. Vorerst werde ich aber noch ein wenig herumschlendern, mal hier und mal dort Halt machen und von meinen Erfahrungen berichten.


    Bis bald
    Thomas

  • servus aus Franken !!


    Bisher ist Shostas op.127...
    "7 Romanzen nach A.Blok f. Sopran, Violine, Cello u. Klavier" (1967)
    ...wohl gar nicht erwähnt worden ?(
    Beim "Kissinger Sommer" konnte ich es vor einigen Jahren hören, u.a. mit B.Pergamenschikow u. M.Helmchen - Ich hatte den Eindruck von einem Werk (es mag eine verklärte Erinnerung sein: Es war das einzige Mal, dass ich B.P. LIVE erleben konnte...), dass in seiner Kargheit ähnlich stark berührt wie die Bratschensonate op.147..................


    op.145 ist übrigens letztes Jahr von R.Holl u. O.Meissenberg packend vorgetragen worden (zumindest 1 "Tamino-Kollege" teilt meinen Eindruck - S. im Thread "Klavierbegleiter") - mir ist besonders O.M´s präzise, hingebungsvolle "Begleitung" in starker Erinnerung..............
    Der Auftritt im D`munder Konzerthaus ist vom WDR mitgeschnitten (u. natürlich längst gesendet) worden - viell. kann man ihn mal "pieksen", damit er`s wiederholt...................


    LG !!
    piet

  • Hallo Piet,


    schön, dass du das Liedschaffen von Schostakowitsch ebenfalls zu schätzen weisst. Zu op. 127 werde ich ganz sicher noch etwas schreiben. Allerdings kann das noch eine Weile dauern.


    Grüße nach Franken
    Thomas

  • :hello:
    grade kam Post von jpc - u.a. "aus jüdischer Volkspoesie" (in der K.Sanderling-Aufnahme) ... ohne die Texte im Booklet :no:


    hat die jmd. bzw. weiss wer, wie u. wo ich an sie rankomme ???


    bye
    piet

  • Zitat

    Original von pieter.grimes
    :hello:
    grade kam Post von jpc - u.a. "aus jüdischer Volkspoesie" (in der K.Sanderling-Aufnahme) ... ohne die Texte im Booklet :no:


    hat die jmd. bzw. weiss wer, wie u. wo ich an sie rankomme ???


    bye
    piet


    Ich könnte sie dir aus dem Booklet dieser CD einscannen und mailen, allerdings ist die Übersetzung jeweils auf Englisch:


    Bitte bedenken Sie, dass lautes Husten - auch zwischen den Stücken - die Konzentration der Künstler wie auch den Genuss der Zuhörer beeinträchtigt und sich durch den Filter eines Taschentuchs o. ä. erheblich dämpfen lässt.

  • Hallo Piet,


    ich könnte Dir den russischen Text mit deutscher, englischer und französischer Übersetzung aus dem Booklet der Järvi-Aufnahme zusenden. PN mit Deiner Mail-Adresse genügt. ;)


    Schöne Grüße
    Johannes

  • „Im Sommer 1948 entstand eines der bewegendsten Werke Schostakowitschs“, schreibt Meyer in seiner Biographie. Jeder, der die Lieder kennt, gibt ihm Recht. Wenige Takte genügen Schostakowitsch, um die den Zyklus beherrschende Stimmung der Tristesse und des Leides, der Not und Entbehrungen hervorzurufen. In höchstem Maße eindringlich sind die Lieder, atemberaubend ist es, wie sehr Schostakowitsch den Hörer mit ihnen ergreift.


    Der Zyklus besteht in zwei Fassungen: 1948 entstand die originale Klavierfassung, 1964 die Orchesterfassung (es wird auch die Auffassung vertreten, auch die Orchesterfassung sei 1948 entstanden). Gesungen wird von drei Solisten, Sopran, Alt oder Mezzosopran und Tenor, solo, im Duett und im Terzett. Uraufgeführt wurde das Werk wegen der politischen Brisanz erst 1955, Schostakowitsch spielte das Klavier.


    „Die Klage über das tote Kind“, heißt das erste Lied, ein Klagegesang. Der Text lautet:


    “Sonne und Regen, Licht und Schatten, der Nebel hat sich gesenkt, der Mond ist verblasst.Wen hat sie zur Welt gebracht? Einen Knaben, einen Knaben. Und welchen Namen hat man ihm gegeben? Moischele, Moischele. Und worin hat man Moischele gewiegt? In einer Wiege. Und was hat man ihm zu essen gegeben? Brot und Zwiebeln. Und wo hat man ihn begraben? In einem Grab. Oi, der Knabe ist im Grabe, im Grabe ist Moischele, im Grabe.“


    Schlichte Texte wie dieser sind es, die dem Werk zugrunde liegen, deren Inhalt gleichwohl berührt.


    Die Musik ist melodisch und harmonisch vergleichsweise simpel. Der Zugang fällt leicht. Fast alle Lieder sind langsam. Dynamische Aufschwünge, Ausbrüche, Dissonanzen gibt es nur selten. Die Noten sind sparsam gesetzt, in der Orchesterfassung zudem sparsam instrumentiert. Kein Ton ist zuviel, keiner zu wenig.


    Im zweiten Lied „Die sorgsame Mutter und Tante“ singen die Frauen eine humorig-traurige Weise vom Väterchen, das ins Dorf gehen und Essen kaufen soll.


    Das „Wiegenlied“ ist ein unglücklich-trauriges Lied einer Mutter, die ihrem Kind vorsingt: „Mein Söhnchen… schlafe… Dein Vater ist in Ketten in Sibirien. Der Zar hält ihn unter Arrest. Schlafe... Dein Vater ist weit weg in Sibirien, und ich leide im Elend. Schlafe, solange du noch sorglos bist…“


    „Vor der langen Trennung“ handelt von einem Abschied nehmenden Ehepaar, das sich wehmütig an die schönen Stunden erinnert und sich nicht trennen möchte. Die Frau fragt den Mann: „Oi, Abram, wie soll ich leben ohne dich?“ Der Mann erinnert sich an früher und möchte seine Frau noch einmal küssen. „Ich ohne dich, du ohne mich, wie sollen wir leben ohne Glück?“


    „Eine Warnung“ nimmt Bezug auf das Leben der Juden in Angst: „Du darfst nicht ausgehen, geh´ ja nicht aus, fürchte dich davor, mit irgendjemandem auszugehen, fürchte dich, fürchte dich! Wenn du ausgehst, bis zum frühen Morgen ausgehst, oi, dann wirst du viel weinen.


    „Der im Stich gelassene Vater“, heißt das sechste Lied. Die erwachsene Tochter Zirele hat sich vom Vater und dem jüdischen Leben abgewandt. Sie wird gegen den Willen des Vaters einen Polizeibeamten heiraten. Mit immer größerer Verzweiflung ruft der Vater Zirele zurück, erntet aber nur Widerworte. Der Vater weiß, dass er sein Kind verloren hat, kraftlos sackt er zusammen.


    Gleich darauf folgt das sarkastisch fröhliche „Lied über die Not“. „Das Dach schläft süß auf dem Dachboden unter dem Stroh. In der Wiege schläft ein Kind ohne Windeln, ganz nackt“, erfahren wir. „Hopp, hopp, höher, höher! Die Ziege frisst das Stroh vom Dach. Hopp, hopp, höher, höher! Die Ziege frisst das Stroh vom Dach, oi!“, lautet der Refrain.


    Im „Winter“ treten die drei Sänger gemeinsam auf: „Mein Scheidl liegt im Bett, Und mit ihr ein krankes Kind. Kein Span ist in der ungeheizten Hütte, Und hinter der Wand heult der Wind. Ah… Ah... Ah… Ah…Ah… Ah…“, singen sie verzweifelt und leidvoll.


    Mit diesem Lied endete der im August komponierte Zyklus.


    Im Oktober hat Schostakowitsch dann noch drei Lieder hinzugefügt („Ein gutes Leben“, „Das Lied des jungen Mädchens“ und „Das Glück“), die zu den im August komponierten weder inhaltlich – in diesen Liedern ist das Leid vorbei, die Arbeit auf den Kolchosenfeldern wird gepriesen – noch musikalisch passen. Das Lied von den Wäldern lässt grüßen.


    Meyer mutmaßt in seiner Biographie, dass Schostakowitsch geglaubt haben mag, durch die Anfügung einer positiven Lösung des Dramas eine Aufführung und wohlwollende Kritiken erlangen zu können.


    Nein, bestimmt nicht. Deutlich überzeugender ist, was Eric Roseberry im Booklet der Polyansky-Aufnahme schreibt:


    „…hängte Schostakowitsch… an den Zyklus ein fröhliches Finale aus drei Liedern an, die die Schönheit des jüdischen Lebens unter Stalin preisen: offenkundige Parodien und Entwürdigungen des echten Leid und der Trauer, die in der reinen, direkten Sprache der ersten acht Lieder offenbar werden.“


    Wie dem auch sei, den Bruch zwischen den ersten acht und den folgenden drei Liedern empfinde ich als derart stark, dass ich regelmäßig nach den acht Liedern die CD stoppe. Für mich besteht die jüdische Volkspoesie daher nur aus acht Liedern.


    Es ist Musik bei der ich schlucken muss, die derart bedrückt, dass ich, wenn sie verklungen ist, oft noch dasitze, nachsinne und erschüttert mit dem Kopf nicke.


    Man mag sich die Frage stellen, was Schostakowitsch dazu bewogen hat, sich mit jüdischen Themen zu beschäftigen.


    Eine Antwort findet sich in den Memoiren nach Wolkow:


    „Ich glaube, wenn man von musikalischen Einflüssen spricht, so hat die jüdische Volksmusik mich am stärksten beeindruckt. Ich werde nicht müde, mich an ihr zu begeistern. Sie ist so facettenreich. Sie kann fröhlich erscheinen und in Wirklichkeit tief tragisch sein. Fasst immer ist es ein Lachen durch Tränen. Diese Eigenschaft der jüdischen Volksmusik kommt meiner Vorstellung, wie Musik sein soll, sehr nahe. Die Musik muss immer zwei Schichten enthalten. Die Juden wurden so lange gequält, dass sie es gelernt haben, ihre Verzweiflung zu verbergen…


    Viele meiner Stücke spiegeln den Eindruck jüdischer Musik. Das ist keine rein musikalische Frage, es ist auch eine moralische. Oft prüfe ich einen Menschen an seiner Einstellung zu Juden. Heutzutage kann kein Mensch, der den Anspruch auf Anständigkeit erhebt, Antisemit sein. Das scheint so augenfällig, dass man eigentlich darüber kein Wort zu verlieren braucht. In Wirklichkeit aber streite ich über diesen Punkt schon seit dreißig Jahren.


    Einmal, nach dem Krieg, kam ich an einer Buchhandlung vorbei. Ich entdeckte ein Bändchen mit jüdischen Volksliedern. Ich war immer sehr begierig auf Folklore. Aber das Büchlein enthielt nur die Texte, nicht die Melodien. Da vertonte ich einige dieser Texte selbst, um damit vom jüdischen Schicksal zu erzählen. Mir schien das wichtig, denn ich sah, wie ringsum der Antisemitismus zunahm. Damals gelang es mir nicht, den Zyklus aufzuführen, sehr viel später wurde er zum ersten Mal gespielt. Noch später orchestrierte ich ihn.


    Meine Eltern hatten den Antisemitismus als ein barbarisches Vorurteil verabscheut und mich entsprechend erzogen. In meiner Jugend stieß ich hin und wieder bei meinen Mitschülern auf Antisemitismus. Sie behaupteten, man bevorzuge die Juden. Die Progrome, die Gettos, die Ansiedlungszonen und die Prozentnormen hatten sie vergessen. In jenen Jahren gehörte es zum guten Ton, über die Juden zu spötteln. Es war eine Art Auflehnung, Opposition gegenüber den Machthabern. Ich habe diesen Ton nie gemocht. Ich erzählte auch nie jüdische Witze weiter. Sie waren damals ungemein populär. Aber ich war diesem unwürdigen benehmen gegenüber nicht so unduldsam, wie ich es heute bin. Ich habe mittlerweile mit so manchem Freund gebrochen, der antisemitistische Ansichten an den Tag legte…


    Nach dem Krieg versuchte ich, dieses Empfinden in meinen Werken auszudrücken. Es war eine schlimme Zeit für die Juden. Übrigens hatten sie immer schlimme Zeiten.“


    Über diese allgemeinen Erwägungen hinaus hatte Schostakowitsch engen Kontakt zu Juden, z.B. zu dem Komponisten Benjamin Fleischmann, seinem sieben Jahre jüngeren Schüler, der 1941 zu Beginn des Krieges gegen die Deutschen starb und dessen kleine Oper „Rothschilds Geige“ Schostakowitsch vollendete. Bei der Komposition der jüdischen Volkspoesie mag Schostakowitsch an Fleischmann gedacht haben.


    Jüdische Musik erscheint über die jüdische Volkspoesie hinaus insbesondere im Klaviertrio Nr. 2 (Sollertinsky war Jude), in der Sinfonie Nr. 13 und im ersten Violinkonzert.


    Hinzuweisen ist überdies darauf, dass Schostakowitsch selbst soeben der Formalismus-Vorwurf gemacht worden war (siehe dazu z.B. den Thread zur Sinfonie Nr. 10). Eine gewisse Identifikation Schostakowitschs mit dem Leid der Juden ist mehr als nahe liegend.


    Der Biograph Laurel Fay sieht den Zusammenhang anders: Er weist in einem Artikel in dr New York Times (14.04.1996; „The Composer was courageous, but not as much as in Myth) darauf hin, dass Schostakowitsch sich bei der Komposition genau an die Vorgaben des damaligen ZK-Beschlusses gehalten und simple, eingängige Volksmusik geschrieben habe. Sein Pech sei nur gewesen, dass er sich das falsche Volk ausgesucht habe.


    Das, mit Verlaub, halte ich für völlig falsch. Das obige Zitat aus den Memoiren zeigt, dass Schostakowitsch sich nicht unglücklicherweise und zufällig für das „falsche“, sondern ganz bewusst für das jüdische Volk entschieden hat. Gerade weil es aus Sicht der Oberen das „falsche“ Volk war, setzte Schostakowitsch sich für es ein.


    Falls jemand der zuweilen anzutreffende Name „Aus der hebräischen Volkspoesie“ irritiert: Die Ersetzung des Wortes „jüdischen“ durch „hebräischen“ war der damaligen political correctness geschuldet. Inhaltlich handelt es sich um dasselbe Werk.



    Drei Aufnahmen des Werkes besitze ich:


    Haitink, Concertgebouw Orchestra, Söderström, Wenkel, Karczykowski (Orchesterfassung):
    [am] B00000IP3B[/am]


    Haitink und von den Sängern insbesondere Söderström treffen den Tonfall genau. Nur kommt die Haitink bei Schostakowitsch nachgesagte Sachlichkeit auch hier – meines Erachtens negativ – zur Geltung, vor allem beschränkt sie sich nicht auf das Orchester, sondern greift über auf die Sänger. Diese singen durchweg – leider auch noch mit ausgeprägter Opernstimme – die große Linie. Burschikosität, Mut zum Verlassen der Gesangslinie. Ausdrucksunmittelbarkeit ist ihre Sache nicht. Ein Beispiel: Das „Zirele“ des Vaters im sechsten Lied enthält Schrecken, Entsetzen, Verzweiflung, Hoffen und Flehen zugleich. Es handelt sich um einen Anruf von allerhöchster Emotionalität. Eben diese wird bei Haitink nicht transportiert. Die Musik springt mich nicht an, sondern wahrt immer die Distanz. Es ist ein bisschen, als singe ein Intellektueller Arbeiterlieder. Bei aller Richtigkeit der Ausführung haftet dem Vorgang stets etwas nicht Authentisches an. Wer allerdings eine allzu große Unmittelbarkeit als unangenehm aufdringlich empfindet, mag bei Haitink richtig sein. Vor allem Wenkel singt allerdings wenig idiomatisch. Das Booklet enthält den Text nur auf Englisch.



    Serov (Klavier), Sumatchova, Tarassova, Pluzhnikov (Klavierfassung):
    [am] B0007IO6DC[/am]


    Lange Jahre besaß ich nur die Haitink-Aufnahme. Als ich dann Serov das erste Mal hörte, rieb ich mir verwundert die Augen. Solch ein Mehr an Intensität hatte ich nicht für möglich gehalten. Ganz wesentlich: Hier singen Muttersprachler. Schon deshalb entsteht eine stärkere Unmittelbarkeit und somit Eindringlichkeit. Die Aufführung ist weniger operngesangartig, mehr gesprächsnah. Gerade deshalb entsteht der Eindruck, in ein fremdes Leben hineinschauen zu können, hineingesogen zu werden. Tarassova singt um Längen besser als Wenkel. Ihr Mezzo hat eine wunderbare Tiefe, ihr Gesang klingt erdiger. Rhythmisch akzentuierter ist die Aufnahme zudem. Herausragend! Leider ist auch hier keine deutsche Übersetzung beigefügt. Sinnvoll gekoppelt ist das Werk mit dem zweiten herausragenden Vokalwerk Schostakowitschs, ebenfalls in sehr guter Einspielung.



    Polyansky, Sharova, Kuznetsova, Martynov (Orchesterfassung):
    [am] B000005Z6J[/am]


    All die guten Dinge, die ich eben bei Serov geschrieben habe, könnte ich hier wiederholen. Auch dies ist eine großartige Aufnahme. Ganz schlichte Dinge (z.B. das „Bai, bai, bai“ im zweiten Lied) erfahren Beachtung und werden ausdrucksmäßig genutzt. Das „Zirele“ im sechsten Lied, hier wird es Ereignis, der Vater tut mir entsetzlich leid. Die Begleitung durch Polyansky ist ein Hochgenuss (bei Chorwerken ist er meines Erachtens ohnehin immer großartig). Noch eine Top-Empfehlung also. Hier ist der deutsche Text enthalten. Ob man allerdings die New Babylon Filmmusik braucht, wage ich zu bezweifeln.


    Zwei erste Plätze und ein abgeschlagener dritter, lautet mithin mein Resümee.


    Sanderling hat eine auf Deutsch gesungene Fassung eingespielt. Diese ist mir jedoch unbekannt.


    Festzuhalten ist nach all den Worten: Die jüdische Volkspoesie ist ein Meisterwerk. Wer es nicht kennt und für tragische, leidvolle Musik ein Faible hat, erhält hiermit einen Kaufbefehl.


    Viele Grüße
    Thomas

  • Lieber Thomas, diesem Befehl werde ich in jedem Fall Folge leisten und ich danke dir sehr herzlich für diese ausgiebige Vorstellung! :jubel:


    Nachdem ich nun den gesamten Thread studiert habe, ein Nachtrag: ich habe eine Notenausgabe der Romanzensuite op 127 für Sopran, Violine Cello und Klavier (Deutscher Verlag für Musik, Leipzig). Mit deutscher Übersetzung bzw Nachdichtung unter dem kyrillischen Originaltext von Alexander Blok.
    Leider bin ich in meiner Kammermusikklasse noch nciht so weit, das bereits musizieren zu können, aber ich finde diese Suite faszinierend. Das Problem ist natürlich auch für mich der Originaltext.
    Weiss jemand, wie gut die deutsche Version ist?(Manfred Koerth)


    Allerdings fürchte ich als Verteidigerin von Originalversionen, dass ganz Entscheidendes vom Klang verloren geht, wenn man die Lieder ihrer Sprache beraubt-das ist ja stets die Crux!
    Hat jemand Aufnahmen dieser Suite in deutsch oder russisch, die empfehlenswert sind?

  • Hallo FairyQueen,


    es freut mich, dass du dich von deinem Beitrag hast anregen lassen.


    Soweit ich weiß, gibt es keine Aufnahme der Blok-Lieder in deutscher Sprache, was ein deutliches Zeichen dafür ist, dass die deutsche Übersetzung dem Original bei weitem nicht gleichkommt.


    Die Blok-Lieder "gehören" Galina Vishnevskaya. Ihr sind die Lieder gewidmet, sie hat die Lieder uraufgeführt und vier Mal aufgenommen. Leicht greifbar und hervorragend ist diese CD:



    Irgendwann später werde ich zu den Blok-Liedern noch etwas schreiben. Daher belasse ich es jetzt erst einmal bei diesen knappen Worten.


    Liebe Grüße
    Thomas

  • Wie oben zu lesen ist, bin ich ein großer Freund der Lieder aus jüdischer Volkspoesie. Wenn ich also lese, dass es eine herausragende Aufnahme der Klavierfassung mit Dmitri Schostakowitsch himself am Klavier und u. a. der viel gerühmten Zara Dolukhanowa gibt, dann ist es nicht verwunderlich, dass mich eine große Besitzlust ergreift.


    (Für die, denen dieser Name nichts sagt, ein Zitat aus Kutsch/Riemens: "Die vielseitigen Ausdrucksmöglichkeiten der wohl bedeutendsten russischen Altistin ihrer Generation reichen von den Koloratur-Altpartien der Belcanto-Meister über das klassische Opernrepertoire und das Oratorium bis zum Kunstlied.[Lexikon: Dolukhanowa, Zara, S. 2. Digitale Bibliothek Band 33: Sängerlexikon, S. 6162 (vgl. Sängerlex. Bd. 2, S. 925) (c) Verlag K.G. Saur]"),


    Jetzt endlich, nach langer Suche, konnte ich diese Lust befriedigen. Die Aufnahme, die bis vor Kurzem nur sehr schwer und sehr teuer zu bekommen, ist nunmehr neu aufgelegt worden (remastered 2007, auf der CD sind noch das Klavierkonzert, das Concertino und das Klaviertrio 2 zu hören, alle mit Schostakowitsch am Klavier):



    Detailinformationen finden sich hier


    Leider, so muss ich sagen, wurden meine hochgesteckten Erwartungen nur zum Teil erfüllt. Solange Dolukhanowa singt, ist alles großartig. Vielseitige Ausdrucksmöglichkeiten, in der Tat, diese stellt sie hier nachdrücklich mit ihrem souveränen, intensiven, textnahen Singen unter Beweis. Nur ist an dieser Aufnahme nicht nur sie, sondern sind auch drei andere beteiligt. Schostakowitsch, wie immer wieder zu lesen ist, ein vorzüglicher Pianist, spielt die Lieder wenig farbig. Er gerät zuweilen sogar in die Gefahr, monoton zu klingen. Die Sopranistin Nina Dorliak hält sich, obwohl eine ganze Klasse schlechter als Dolukhanowa, noch ganz gut, wenn auch ihre Stimme in der Höhe unschön grell klingt. Der Tenor aber, Alexander Maslennikov, enttäuscht mich auf ganzer Linie. Wenn ich erst das herausragende „Der im Stich gelassene Vater“ ("Zirele!") aus der Polyansky-Aufnahme höre und anschließend das, was Maslennikov hier abliefert, dann sollte ich höflichkeitshalber lieber schweigen. Unglaublich, wie konnte dieser Mann mit seinem ausdruckslosen, pauschalen Singen am Bolschoj Erfolg haben?


    Ach ja, der Klang: Die Aufnahme entstand 1956. Der Klang ist für dieses Alter ziemlich gut. Beim Klavier gibt es Einbußen, bei den Stimmen jedoch kaum. Ein leises Grundrauschen ist zu hören (die Aufnahme des Klaviertrios klingt allerdings gruselig).

  • Die Blok-Lieder "gehören" Galina Vishnevskaya. Ihr sind die Lieder gewidmet, sie hat die Lieder uraufgeführt und vier Mal aufgenommen. Leicht greifbar und hervorragend ist diese CD:



    Bin auch stolze Besitzerin dieser CD und kann sie jedem Schosti-Fan empfehlen, wunderbar die Vertonungen der Blok-Gedichte und in den zusätzlich enthaltenen Satiren kommt gerade wieder sein Schalk und Sinn für Ironie sehr gut rüber, außerdem gibt es noch Schostis Orchestrierung von Mussorgskys Lieder und Tänze des Todes.


    Der ebenfalls in diesem Thread erwähnte "Tod des Stepan Rasin", diese verhinderte kleine Oper - obwohl es ist ja eigentlich sowas wie die perfekte Kürzestform einer Oper - kenne ich selbst und höre sie immer wieder gerne. Der Vergleich mit Boris Godunow ist sehr schlüssig, ich habe mich oft daran erinnert gefühlt. Vor allem sehr eingängig, spricht den Hörer unmittelbar an. Die oftmalige Doppelbödigkeit, die Schosti oft bietet, kommt meiner Meinung nach hier nicht vor, aber das gereicht dem Werk nicht zum Nachteil. Es lohnt sich in jedem Fall.

    "Die Glücklichen sind neugierig."
    (Friedrich Nietzsche)

  • Bin auch stolze Besitzerin dieser CD und kann sie jedem Schosti-Fan empfehlen, wunderbar die Vertonungen der Blok-Gedichte und in den zusätzlich enthaltenen Satiren kommt gerade wieder sein Schalk und Sinn für Ironie sehr gut rüber, außerdem gibt es noch Schostis Orchestrierung von Mussorgskys Lieder und Tänze des Todes.


    Solze Besitzerin? Obwohl das hier gar nicht hingehört, bin ich bis jetzt davon ausgegangen, dass Du, SchallundWahn auch in diesem konkreten Fall ein Besitzer bist. Darf ich das? Oder begehe ich in diesem Moment eine Grenzüberschreitung? Du hast Dich hier im Forum fulminant eingeführt, man trifft Dich auf Schritt und Tritt, und ich lese Deine Beitrage gern. Ich lese sie zuerst deshalb gern, weil sie so erfrischend sind und weil Du nicht mit fertigen Meinungen hausieren gehst, wozu nicht nur ich neige. Wie kommt es also, dass ich solche Eigenschaften männlich besetze? Nun sind hier tatsächlich Männer in der Mehrzahl, was schade ist. Es ist aber auch eine ganz persönliche Erfahrung, dass mir in meinem Leben persönlich nur eine Frau begegnet ist, die sich so leidenschaftlich auf unser aller Thema hier geworfen hat wie Du. Nach meinem Eindruck gehen Frauen mit Musik anders um. Und die Männer sind mit ihrer Leidenschaft oft einsam. Ein Freund von mir wurde von seiner Frau samt Musiksammlung in die Garage verbannt.


    Schostakowitsch und Blok gehen gut zusammen. Ich kam erst vor ein paar Tagen über Anna Seghers wieder einmal zu Blok und bin ganz aufgewühlt davon, wie tief der in die menschliche Seele blicken konnte. Es ist mir völlig schleicherhaft, warum ich vor ein paar Jahren meine Blok-Bücher weggebenen habe. Jetzt musste ich sie mir sofort neu besorgen. Und ich werde auch die bewusste CD anschaffen.


    Es grüßt Rheingold (männlich)

    Es grüßt Rheingold (Rüdiger)


    Erda: "Alles, was ist, endet."

  • Stolze Besitzerin? Obwohl das hier gar nicht hingehört, bin ich bis jetzt davon ausgegangen, dass Du, SchallundWahn auch in diesem konkreten Fall ein Besitzer bist. Darf ich das? Oder begehe ich in diesem Moment eine Grenzüberschreitung? Du hast Dich hier im Forum fulminant eingeführt, man trifft Dich auf Schritt und Tritt, und ich lese Deine Beitrage gern. Ich lese sie zuerst deshalb gern, weil sie so erfrischend sind und weil Du nicht mit fertigen Meinungen hausieren gehst, wozu nicht nur ich neige. Wie kommt es also, dass ich solche Eigenschaften männlich besetze? Nun sind hier tatsächlich Männer in der Mehrzahl, was schade ist. Es ist aber auch eine ganz persönliche Erfahrung, dass mir in meinem Leben persönlich nur eine Frau begegnet ist, die sich so leidenschaftlich auf unser aller Thema hier geworfen hat wie Du. Nach meinem Eindruck gehen Frauen mit Musik anders um. Und die Männer sind mit ihrer Leidenschaft oft einsam. Ein Freund von mir wurde von seiner Frau samt Musiksammlung in die Garage verbannt.


    Eine Grenzüberschreitung ist das sicher nicht...du bist nicht der einzige, der sich da vertan hat :P . Ich wurde anfangs (und auch jetzt noch manchmal) von anderen als 'Lieber SchallundWahn' angesprochen (aber mache deswegen keinen Aufhebens), warum das so ist, das habe ich mich manches Mal auch gefragt (ist doch unter den Avatarbildern auch das Geschlecht angegeben). Sicher, weil, wie du sagst, die Männer hier in der Mehrzahl sind, was mir sehr schnell klar geworden ist, bedauerlich, aber nicht zu ändern. Vielleicht sind viele weibliche Klassikliebhaber auch einfach zu schüchtern für das Forum (gerade bei bestimmten Themen muss man hier schon Eselshaut und -gemüt haben). Eigentlich schade, dass ich erst die zweite Frau bin, die dir unterkommt, die so begeisterte Klassikliebhaberin ist. Ebenso, dass der Freund von dir in die Garage verbannt wurde (obwohl ich zugebe, dass ich so manchem in meinem Umfeld sicher auch auf die Nerven falle mit meiner Leidenschaft). Aber ich freue mich, dass du meine Beiträge gerne liest und tausche mich gerne mit dir aus (Hermann Uhde-Fans müssen zusammenhalten :D ) Übrigens glaube ich manchmal ganz pessimistisch, dass Klassik-Hören (unabhängig vom Geschlecht) einsam machen kann.
    Was meinst du übrigens mit Frauen gehen mit Musik anders um?

    "Die Glücklichen sind neugierig."
    (Friedrich Nietzsche)

  • Zit. SchallundWahn: "warum das so ist, das habe ich mich manches Mal auch gefragt (ist doch unter den Avatarbildern auch das Geschlecht angegeben). "
    Ja, aber nicht jeder guckt dorthin, wenn er auf einen Beitrag antwortet. Warum? Weil ihn nur das interessiert, was da drinsteht - und gar nicht so sehr, wer dahintersteht. Dies vor allem deshalb, weil das ja ohnehin ein Wesen ist, das sich hinter einem Pseudonym verbirgt.


    Das Kompositum "SchallundWahn" besteht aus sprachlichen Maskulina. Was liegt also näher, als dahinter ein männliches Wesen zu vermuten, - so einen dieser Gender-Aspekt hier im Forum denn überhaupt interessiert.


    (Dieser Beitrag stammt von einem, der auch zu den "anderen", gehört, die von SchallundWahn angesprochen wurden, - heißt: Er hatte auch anfänglich die Anrede "Lieber" gewählt, - bis er dann doch einmal - zufällig! - nach links blickte)

  • Zit. SchallundWahn: "warum das so ist, das habe ich mich manches Mal auch gefragt (ist doch unter den Avatarbildern auch das Geschlecht angegeben). "
    Ja, aber nicht jeder guckt dorthin, wenn er auf einen Beitrag antwortet. Warum? Weil ihn nur das interessiert, was da drinsteht - und gar nicht so sehr, wer dahintersteht. Dies vor allem deshalb, weil das ja ohnehin ein Wesen ist, das sich hinter einem Pseudonym verbirgt.


    Das Kompositum "SchallundWahn" besteht aus sprachlichen Maskulina. Was liegt also näher, als dahinter ein männliches Wesen zu vermuten, - so einen dieser Gender-Aspekt hier im Forum denn überhaupt interessiert.


    Hallo helmut,


    auch wenn das weiterhin offtopic ist...es gibt hier auch männliche Mitglieder, die sich Eelisabeth oder knusperhexe nennen, sollte man da gleich auf eine Frau schließen? Wie ich gesagt habe, finde ich das auch nicht schlimm, es läge mir fern mich zu beschweren, weil jemand statt 'liebe soundso' lieber soundso' schreibt, das habe ich niemandem angekreidet.
    Zum Thema auf das Geschlechtszeichen unterm Avatar schauen manche nicht...trotzdem wird also aber sofort angenommen, dass man es mit einem Mann zu tun hat, anstatt evtl. neutral zu bleiben und bezeichnende Wörter wie liebe oder lieber wegzulassen.
    Wie gesagt, mir macht das nichts, es gibt deutlich wichtigeres...Musik :D


    Liebe Grüße

    "Die Glücklichen sind neugierig."
    (Friedrich Nietzsche)

  • es gibt hier auch männliche Mitglieder, die sich Elisabeth oder knusperhexe nennen, sollte man da gleich auf eine Frau schließen?


    Unsere Elisabeth ist übrigens eine Frau. Zugegeben, hinter "Knusperhexe" verbirgt sich ein männliches Wesen (ein netter Kerl übrigens!), aber wird nicht die Hexe in "Hänsel und Gretel" sehr oft auf der Bühne von einem Mann (Tenor) gegeben? Peter Schreier, Helmut Pampuch, Horst Hiestermann sind nur einige Beispiele hervorragender "Knusperhexen"!


    :D

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Ja, aber nicht jeder guckt dorthin, wenn er auf einen Beitrag antwortet. Warum? Weil ihn nur das interessiert, was da drinsteht - und gar nicht so sehr, wer dahintersteht. ...


    Ja, ja, weil es auch gar so viel Aufwand macht, einem neuen Mitglied mit abstraktem Namen vor der ersten Anrede diese minimale Form von Respekt zu erweisen und sich über die korrekte Form der Anrede zu vergewissern...


    :no:

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!