Beethoven: die Streichquintette

  • Liebe Forinanerinnen und lieber Forianerer,


    Beethoven hat drei Streichquintette geschrieben, nämlich in Es-Dur op. 4, in C-Dur op. 29 und in c-Moll op. 104. Keines davon kenne ich und habe heute erst einen kurzen Ausschnitt vom C-Dur Quintett (von der Kremerata) im Radio gehört.


    Daher die Frage an euch:


    Was sind empfehlenswerte Aufnahmen?


    Danke!

    Gruß ab


    ---
    Und ich meine, man kann häufig mehr aus den unerwarteten Fragen eines Kindes lernen als aus Gesprächen mit Männern, die drauflosreden nach Begriffen, die sie geborgt haben, und nach den Vorurteilen ihrer Erziehung.
    J. Locke

  • ja, stimmt. an mir sind die auch spurlos vorübergezogen. 8o
    sie stehen selten auf dem programm und werden kaum gesendet. sind die so unerheblich im vergleich zu seiner übrigen km? wenn man bedenkt, was der zeitgleiche kollege mit seinem einen für eine resonanz erfährt....
    oder sich anschaut, welch prominenz die streichquartette (beethovens) darstellen...

  • Ich kenne nur das einzige "richtige" und bekannteste (die anderen sind meines Wissens beide Bearbeitungen, jedenfalls das c-moll) Quintett op. 29. Und das nicht besonders gut und nur in einer historischen Aufnahme mit dem Budapester Quartett.
    Es ist natürlich kein schlechtes Stück, ich finde es aber weniger interessant als das meiste aus op.18, ein wenig in Richtung oberflächliche Brillanz (ähnlich wie das Septett).


    viele Grüße


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Zitat

    Original von Johannes Roehl
    Ich kenne nur das einzige "richtige" und bekannteste (die anderen sind meines Wissens beide Bearbeitungen, jedenfalls das c-moll) Quintett op. 29. Und das nicht besonders gut und nur in einer historischen Aufnahme mit dem Budapester Quartett.
    Es ist natürlich kein schlechtes Stück, ich finde es aber weniger interessant als das meiste aus op.18, ein wenig in Richtung oberflächliche Brillanz (ähnlich wie das Septett).


    Worauf gründet sich Dein abwertendes Urteil, wenn Du nach eigener Aussage op. 29 "nicht besonders gut" kennst?


    Das Quintett op. 104 ist eine Bearbeitung des Klaviertrios op. 1 Nr. 3, bei den anderen beiden ist mir nicht bekannt, dass es sich um Bearbeitungen handelt. Falls da jemand mehr weiss, bitte Opuszahl des Originals nennen.


    Die Auswahl bei den Aufnahmen ist eher mager. Ich habe eine Aufnahme mit dem Züricher Streichquintett (Brilliant), die allerdings nicht mehr lieferbar zu sein scheint.


    :hello: Andreas

  • Zitat

    Original von Fugato


    Worauf gründet sich Dein abwertendes Urteil, wenn Du nach eigener Aussage op. 29 "nicht besonders gut" kennst?


    Ich kenne es nicht so gut wie manch anderes Werk von Beethoven, aber gewiß gut genug, um es beurteilen zu können. :D Außerdem schreibe ich nur, dass ich es weniger interessant finde als die Quartette op.18 (größtenteils). Das ist nur eine subjektive, vorsichtige und relative "Abwertung", wenn überhaupt.
    Ich muß auch ein Quartett von Dittersdorf nicht so genau kennen wie eins von Beethoven, um es zu bewerten (womit ich op.29 nicht in parsec-Nähe zu Dittersdorf stellen möchte...).


    Zitat


    Das Quintett op. 104 ist eine Bearbeitung des Klaviertrios op. 1 Nr. 3, bei den anderen beiden ist mir nicht bekannt, dass es sich um Bearbeitungen handelt. Falls da jemand mehr weiss, bitte Opuszahl des Originals nennen.


    op. 29 ist keine Bearbeitung. Bei op.4 bin ich unsicher. Ist das das Stück, wo es eine spätere Bearbeitung für Cello & Klavier gibt? oder ist das op.3? Ich habe jedenfalls im Hinterkopf, dass op.29 das einzige komplett als solches konzipierte Quintett ist.


    viele Grüße


    JR

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  • Zitat

    Original von Johannes Roehl
    op. 29 ist keine Bearbeitung. Bei op.4 bin ich unsicher. Ist das das Stück, wo es eine spätere Bearbeitung für Cello & Klavier gibt? oder ist das op.3? Ich habe jedenfalls im Hinterkopf, dass op.29 das einzige komplett als solches konzipierte Quintett ist.


    viele Grüße


    JR



    Op. 4 (1795 entstanden) ist eine (allerdings ziemlich tiefgreifende) Überarbeitung des 1792 noch in Bonn entstandenen Bläseroktetts, das später als op. 103 herausgegeben worden ist.


    Op. 29 mag ich übrigens sehr gern. Insbesondere das spritzige Finale, aber auch der empfindsame langsame Satz haben es mir angetan. In der Tat ist es "einfacher" organisiert als noch die simpleren Werke aus op. 18, was die Verarbeitung des thematischen Materials etc. angeht. Aber auch den divertimentohaften Tonfall beherrscht Beethoven perfekt. Ich besitze nur eine alte Eterna-LP mit einem DDR-Ensemble (müsste zuhause nachschauen, welches) , die immer noch gute Dienste leistet.


    Viele Grüße


    Bernd

  • Zitat

    Original von Johannes Roehl
    Ich muß auch ein Quartett von Dittersdorf nicht so genau kennen wie eins von Beethoven, um es zu bewerten


    Das nicht, aber die Bewertung wäre dann glaubwürdiger und überzeugender. :D


    Zitat

    Bei op.4 bin ich unsicher. Ist das das Stück, wo es eine spätere Bearbeitung für Cello & Klavier gibt?


    Zwielicht hat das Geheimnis mittlerweile gelüftet, vielen Dank. Wieder etwas dazugelernt!


    Ich finde auch, dass op. 29 "einfacher" konzipiert ist als die Quartette op. 18 und mehr in Richtung Divertimento geht, aber ich würde es deswegen nicht als "weniger interessant" und "oberflächlich brilliant" beurteilen wollen - vor allem dann nicht, wenn ich einen Satz vorher schreibe, dass ich das Stück nicht besonders gut kenne.


    :hello: Andreas

  • Op. 29 ist meines Wissens nach das einzige original komponierte Streichquintett, die anderen sind Bearbeitungen von ihm selbst.


    Neben der Cd mit den Züricher Streichquintett habe ich




    Mir gefallen alle sehr gut, besonders das heitere Op. 29.
    Wieder weiß ich nicht mehr, wo ich es gelesen habe: In der Serie Op. 18 iist die Nr. 4 in c. Es fehlt ein dazugehörendes Quartett in C, und dieses sei eben zu einem Quintett ausgewachsen und sei Op. 29.


    Ich kann keine geringere Qualität gegenüber den frühen Streichquartetten sehen. Die Melodien sind freundlich, nicht pathetisch, es ist, was seine Op.-Zahl vielleicht nicht vermuten läßt, nicht so tragisch wie die darumherum gruppierten Werke (Op. 30, Op. 27/2, Op. 31) aber in allen Zügen nicht Haydn oder Mozart.Es hat mehr "Tiefgang" wie Op. 20


    Die Aufnahme mit Academy of St Martin gefällt mir am besten.


    Gruß aus Bonn :hello:

    Was Du nicht willst, das man Dir tu, das füg auch keinem andern zu

  • Zitat

    Original von Fugato


    Das nicht, aber die Bewertung wäre dann glaubwürdiger und überzeugender. :D


    Ich finde auch, dass op. 29 "einfacher" konzipiert ist als die Quartette op. 18 und mehr in Richtung Divertimento geht, aber ich würde es deswegen nicht als "weniger interessant" und "oberflächlich brilliant" beurteilen wollen - vor allem dann nicht, wenn ich einen Satz vorher schreibe, dass ich das Stück nicht besonders gut kenne.


    Gerade das wäre doch eigentlich eine zusätzliche Relativierung. Aus der Ferne ist ziemlich schwierig festzustellen, wie gut jemand ein Stück kennt und ja auch unklar, wie gut man es kennen muß, um urteilen zu können.
    Bei einem Dittersdorf-Quartett reicht ungefähr zweimaliges Hören (um festzustellen, dass das dritte Mal nicht wirklich lohnt...).
    Wenn ich das also nicht hingeschrieben hätte, hättest Du dann meinem Urteil mehr Bedeutung beigemessen?
    Ich kenne es nicht annähernd so gut wie die Quartette, von denen ich die meisten seit mehr als 15 Jahren zigmal und auch mit Partitur gehört habe und ich hätte auch nicht aus dem Stand die wichtigsten Motive vorsingen können, aber ich hätte wenigstens die Ecksätze beim Hören wohl recht schnell identifizieren können. Ich behaupte mal ganz dreist, dass hier in diesem Forum nicht selten wesentlich vollmundigere Urteile als mein eher vorsichtiges oben über Stücke fallen, die dem Urteilenden weniger gut bekannt sind als mir op.29. ;)
    Wie auch immer, nach dem Wiederhören muß ich mein Urteil nicht grundsätzlich revidieren. Selbstverständlich ist es ein ziemlich gutes Stück, alles andere wäre bei einem reifen Beethovenwerk eine Überraschung, aber ich finde dennoch op.18 (außer vielleicht #4) interessanter und es wird wohl nie ein Favorit von mir werden. Der langsame Satz ist m.E. der beste.
    Bei Mozart bringen die großen Quintette nicht nur eine äußerliche Expansion, sondern auch eine Zunahme an kompositorischer Dichte und (teilweise) an Expressivität. Das gilt für op.29 gegenüber op.18 m.E überhaupt nicht.


    Allerdings sollte ich mir vielleicht mal eine etwas besser klingende Aufnahme
    zulegen; diese Hausmusik-Box wirkt verlockend...


    viele Grüße


    JR

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  • Guten Tag,
    zu den Beethoven'schen Streichquintetten gibt es für den ,der's mag,eine handliche Urtext-Ausgabe in der Reihe Studien-Edition vom G.Henle-Verlag.
    Sie enthält neben den erwähnten Quintetten op.4,op.29,op.104 und der kurzen Fuge op.137 noch einen Quintettsatz ohne Opuszahl (Hess 40).Bis auf diesen letztgenannen Quintettsatz sind alle Werke - wie ja auch aus den bisherigen Beiträgen ersichtlich ist - schon irgendwann einmal auf LP oder CD erschienen.
    Zunächst zu meinem LP-Fundus:
    hier sind zunächst die Aufnahmen mit dem einzigen "echten" Streichquintett op.29.: Pascal Quartett mit Walter Gerhard (wohl aus den 50-iger Jahren) als US-Pressung der Chamber Music Society ; Budapest String Quartet mit Walter Trampler auf Columbia;Guarneri Quartet als junges Ensemble mit Pinchas Zukerman auf RCA,eine DDR-Aufnahme mit dem Erben-Quartett und Manfred Schumann bei Eterna sowie noch das Heutling-Quartett mit Heinz-Otto Graf bei EMI.
    Gekoppelt sind die Platten mit Beethoven op.104 (Quatuor Pascal),Dvorak op.97 (Budapest),Mendelssohn op.87 (Guarneri),Beethoven-Sextett 81 b und Quintett-Fuge op. 137 (Erben) sowie Beethoven Streichquintett op 4 (nach dem Bläser-Oktett op.103) beim Heutling-Quartett.
    Daneben liegt mir von op.104 noch eine Rundfunkaufnahme mit dem Berliner Westphal-Quartett und Siegbert Ueberschaer vor (ob sie jemals auf LP oder CD erschienen ist entzieht sich meiner Kenntnis).
    Bei den CD-Aufnahmen sind es mit dem Suk Quartet und Karel Spelina op.4 und op. 104 (Supraphon),Academy of St.Martin in the Fields op.29 mit Bläsersextett op.71 und Sextett op.81 b (Philips),Tokyo String Quartet mit Pinchas Zukerman in einer Box mit den Streichquartetten op.18 (RCA),Wiener Streichsextett op.29 und Fuge op. 137 (zusätzlich Sextett von Ervin Schulhoff bei EMI),Amadeus Quartet mit Cecil Aronowitz (im Rahmen der Beethoven-Edition bei DGG).Außerdem gibt es noch eine Aufnahme der Fuge op.137 mit dem "Endres-Quintett" bei dem Chaos-Label ZYX (gekoppelt mit Streichquartett op. 130 und Großer Fuge op.133 mit dem "Köckert-Quartett" - sicher nicht identisch mit der alten DGG-LP vom Koeckert-Quartett;weder von Endres-Quintett noch vom Köckert-Quartett werden die Ausführenden namentlich erwähnt).
    Nach meinem Geschmack die herausragende Interpretation ist die Aufnahme mit dem Heutling-Quartett und Heinz-Otto Graf (op.4 und op.29).Dieses heute fast vergessene Ensemble hat sich zusammen mit Graf gerade um die Quintett-Literatur äußerst verdient gemacht.Leider haben diese Quintett-Spezialisten nicht auch op. 104 und 137 eingespielt.
    Es wäre ein Verdienst von EMI diese Reverenzaufnahmen wieder auf CD herauszubringen - bei der Gesamtaufnahme der Mozart-Quartette und Quintette ist dies ja schon geschehen (hier sind die Quintett-Einspielungen den Quartett-Aufnahmen um einiges überlegen - man hat den Eindruck,daß sich die "Heutlings" als Quintett wohler fühlen).
    Sehr gut gefällt mir auch das Quatuor Pascal mit Walter Gerhard - auch hier gilt für mich das über das Heutling-Quartett Gesagte: als Quintett laufen sie zu großer Form auf (während die alte Gesamtaufnahme der Beethoven-Streichquartette nicht mit meinen Favoriten Koeckert-Quartett und Budapest String Quartet konkurrieren kann).
    Amadeus Quartet und Guarneri Quartet lassen erwartungsgemäß nichts anbrennen , reichen aber in puncto Quintett nicht an die Heutlings heran.
    Das Tokyo String Quartet spielt zwar wunderschön , wirkt aber wie so oft etwas glatt und farblos.
    Die CD mit dem Wiener Streichsextett ist vor allem wegen der Schulhoff-Einspielung interessant;deutlich abfallend sind das Suk Quartett und die Academy of St,Martin in the Fields.
    Insgesamt gilt für die Quintette das gleiche wie für die Beethovenschen Streich-Trios - die Beschäftigung mit ihnen ist lohnend und erleichtert manchmal den Weg zum Olymp seiner Streichquartette.
    Viele Grüße
    Santoliquido

    M.B.

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  • Salü,


    falls sich noch immer Interessierte an Beethovens Quintettschaffen finden, sollte man sich auf raschem Fuße zu 2001 bewegen und für 1,99 € diese Doppel-CD schnappen:



    Hier sind die Quintette op. 4 und op. 29 nebst der Bearbeitung von op. 1 Nr. 3 als op. 104 enthalten. Als Bonbon gibts noch die "kleine Fuge" für Streichquintett aus dem Jahre 1826 (!) op. 137, dazu ein Duo für Viola und Violoncello aus Beethovens Kindheit sowie Sechs ländlerische Tänze WoO 15, die ganz nett anzuhören sind.


    Das Zurich String Quintet spielt mit spitzem Bogen, manchesmal gar so geschwinde, daß er nicht mehr so besonders schön klingt. Aber für den Preis... zum Kennenlernen der Werke reichts allemal.


    :hello:


    Ulli

    Ist das HIP oder kann das weg?

  • Hallo,


    mit dem Quintett op. 29 konnte ich mich tief anfreunden. Das Werk stammt aus dem Jahre 1801 (Erstdruck 1802 bei Breitkopf & Härtel, Leipzig) und ist dem (Reichs-) Grafen Moritz von Fries (1777-1826) gewidmet. Es ist viersätzig angelegt:


    I Allegro moderato
    II Adagio molto espressivo
    III Scherzo. Allegro
    IV Presto


    Meiner Meinung nach ist das Quintett ein Übergang von den Quartetten op. 18, die etwa im 2. Halbjahr 1800 entstanden, zu den drei Quartetten op. 59 (1806). Dem Quintett selbst wohnt eine gewisse sehr deutliche Entwicklung inne: Es beginnt im ersten Satz eher klassisch und doch schon stellenweise gewagt. Nach dem espressiven Adagio, welches ich kaum schlechter als den Mittelsatz aus op. 59 Nr. 3 empfinde (ich liebe die Stelle mit den Pizzicati), folgt ein kühnes Scherzo, gefolgt von einem an Schubert grenzenden bizarren Finalsatz (besonders die Coda erinnert mich an das Schubertsche Durchbrechen des letzten Tunnelstücks am Ende diverser Werke, z.B. D929 - Beethoven aber bleibt am Fuß des Bergs, im Gegensatz zu Schubert, der einem die Welt aus himmlischen Höhen zeigt, wenn man aus dem Tunnel tritt). Insgesamt also wird das Quintett nach meinem Empfinden von Satz zu Satz zunehmend gewagter, kühner und letztendlich bizarr.


    Ich finde, das Werk sollte unbedingt in das Repertoire der Kammermusikliebhaber aufgenommen werden!


    :jubel: :jubel: :jubel:


    Übrigens ist dies auch eines von jenen C-Dur-Werken (analog Schuberts D956), in denen sich die Tonart C-Dur wenig freudeversprühend gibt, sondern eher nachdenklich stimmt und stellenweise ziemlich melancholisch daherkommt.


    ~ ~ ~


    Komisch, in meinem Opusverzeichnis ist in der Abteilung Quintette für Streicher von op. 4 keine Spur zu finden... zu offiziellen Opuszahlen (Werken also, die zu Lebzeiten Beethovens gedruckt wurden), sollte sich da doch ein Eintrag finden, selbst, wenn es sich 'nur' um eine Eigenbearbeitung handelt. Meinen Recherchen zufolge handelt es sich dabei um eine Bearbeitung des Bläseroktettes Es-Dur von 1792, op. 103.


    :hello:


    Ulli

    Ist das HIP oder kann das weg?