Haydn: Lo Speziale

  • Alfred hat dankenswerterweise schon eine gut geschriebene Inhaltsangabe geliefert. (Formatierungs- uind Tippfehler müssten bei Gelegenheit noch ausgemerzt werden.)


    Irgendwann möchte ich ein paar Gedanken zur Musik los werden. Meine Aufnahme ist diese:



    [Deutsche Kammerakademie Neuss (Johannes Goritzki); Meszaros, Browner - Morino, Möller]


    Sie ist eigentlich ganz in Ordnung (wenn auch nicht so gut wie die Dorati-Aufnahmen der anderen Haydn-Opern), hat aber den Nachteil, dass sie nur das von Haydn überlieferte Fragment enthält. Speziell vom 3. Satz gibt es nur eine Arie und das Finale. Ich hätte daher als Ergänzung gern eine rekonstruierte Aufnahme. Kennt jemand diese:



    [In Canto Association Chamber Orchestra (Fabio Maestri); Forte, Broganelli - Gil, Pellegrini]


    Gibt es weitere?





    Thomas Deck

  • Zitat

    Original von thdeck
    Alfred hat dankenswerterweise schon eine gut geschriebene Inhaltsangabe geliefert


    Wobei inhaltlich noch zu korrigieren wäre, dass die Uraufführung nicht in Eisenstadt, sondern in Eszterháza (Schloss Esterházy, bei Fertöd im heutigen Ungarn), Haydns langjähriger Wirkstätte, stattfand.


    [Quelle: Eine meiner Haydn-Biografien; Booklet meiner Aufnahme]



    Thomas Deck

  • Zitat

    Original von thdeck
    Wobei inhaltlich noch zu korrigieren wäre, dass die Uraufführung nicht in Eisenstadt, sondern in Eszterháza (Schloss Esterházy, bei Fertöd im heutigen Ungarn), Haydns langjähriger Wirkstätte, stattfand.


    So steht es auch bei mir in dem Booklet zu



    einer DVD mit einer Aufführung von Lo Speziale in Lugano 1982.


    Gruß Peter


  • Diese Aufnahme hatte ich auch gefunden, leider habe ich (noch) keinen DVD-Player. Aber jetzt spann' uns mal nicht auf die Folter:


    Der dritte Akt (auch teilweise der erste?) ist vermutlich rekonstruiert. Falls ja, findest du die Rekonstruktion gelungen? Wird tatsächlich eine Arie aus dem "Orlando Paladino" verwendet?


    Wie findest du die Sänger? Ich sehe auf dem Cover Luigi Alva erwähnt, der gefällt mir in Doratis Einspielung von "Il mondo della luna" als Ecclitico sehr gut...



    Thomas Deck


    PS: Das Original von Goldoni findet man z.B. hier.


    PPS: In die von mir genannte Aufnahme von Fabio Maestri kann man z.B. [URL=http://www.cduniverse.com/search/xx/music/pid/1454520/a/Haydn:+Lo+Speziale+%2F+Maestri,+Pellegrini,+Gil,+Forte,+et+al.htm]hier[/URL] reinhören. Zur Goritzki-Aufnahme gibt es hier Hörbeispiele. Ich habe den Eindruck, dass es bei Goritzki spritziger und somit besser zu Goldoni passend klingt.

  • Zitat

    Original von thdeck
    ...
    Diese Aufnahme hatte ich auch gefunden, leider habe ich (noch) keinen DVD-Player. ...


    Sehr unwahrscheinlich, oder hast du tatsächlich noch einen Computer ohne DVD-Laufwerk?

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!


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  • Zitat

    Original von thdeck
    Diese Aufnahme hatte ich auch gefunden, leider habe ich (noch) keinen DVD-Player. Aber jetzt spann' uns mal nicht auf die Folter:


    Der dritte Akt (auch teilweise der erste?) ist vermutlich rekonstruiert. Falls ja, findest du die Rekonstruktion gelungen? Wird tatsächlich eine Arie aus dem "Orlando Paladino" verwendet?


    Wie findest du die Sänger? Ich sehe auf dem Cover Luigi Alva erwähnt, der gefällt mir in Doratis Einspielung von "Il mondo della luna" als Ecclitico sehr gut...


    Leider kann ich die Antwort nicht so schnell geben, wie ich es gerne möchte. Da die DVD die erste Einspielung der Oper war, die ich in die Hand bekam, der Klavierauszug offensichtlich nicht auf dem Stand der Dinge war, hatte ich Probleme, mich in der Oper zu orientieren. Der Vorschlag mit Dorati gefällt mir gut, dann kann ich beides dann auch vergleichen. So kann ich im Moment nur folgendes sagen: Offensichtlich waren Akt 1 und Akt 3 erweitert, denn da kam ich mit dem Klavierauszug ins Schwimmen. Womit sie erweitert waren, dafür brauiche ich einen anderen Klavierauszug, bzw. versuche ich es mal mit dem angegebenen Libretto.


    Die Aufführung hat mir gut gefallen, sie ist sehr "historisch" orientiert, liebevoll umgesetzt, soweit ich im Moment sagen kann, auch sängerisch hat es mir gefallen. Aber insgesamt fehlen mir da ein wenig die Vergleiche.


    Gruß Peter


  • Ok, wenn du vergleichen willst, kommst du um die Anschaffung der Goritzki-Aufnahme (nicht Dorati, der hat die Oper leider nicht eingespielt) nicht herum. Sie gibt es z.B. für stark 10 Euro bei Amazon. Die Anschaffung lohnt sich m.M., und sie enthält wirklich nur die von Haydn überlieferten Originale. Laut Booklet sogar gekürzt, was sich aber sicher nur auf die Rezitative bezieht.


    Mit dem verlinkten Libretto wird's schwierig, es ist das Original von Goldoni. Dieses wurde von Haydns unbekanntem Bearbeiter für die Verhältnisse in Esterháza stark gekürzt, z.B. wurden 3(!) Rollen gestrichen. Der restliche Text scheint aber exakt mit Goldoni übereinzustimmen, soweit ich das stichprobenartig überprüft habe.


    Meine Frage zur Rekonstruktion bezieht sich vor allem auf die Musik, da das Einfügen von Rezitativen aus Goldonis Original kein Problem darstellen sollte.


    Zur Orientierung hier die von Haydn vorhandene Musik:


    Ouvertüre


    1. Akt:
    Nr. 1 Arie: "Tutto il giorno, pista, pista" (Mengone)
    Nr. 2 Arie: "Questa è un'altra novità" (Sempronio)
    Nr. 3 Arie: "Per quel che ha mal di stomaco" (Mengone)
    Nr. 4 Arie: "Caro Volpino amabile" (Grilletta)
    Nr. 5 Arie: "Amore nel mio petto" (Volpino)
    Nr. 6 Finale: "Quanti son di questa polvere" (Mengone, Grilletta, Sempronio)


    2. Akt:
    Nr. 7 Arie: "Un certo tutore in Francia vi fu" (Volpino)
    Nr. 8 Arie: "Ragazzaccie, che senza cervello" (Sempronio)
    Nr. 9 Arie: "A fatti tuoi badar tu puoi" (Grilletta)
    Nr. 10 Finale: "Colla presente scrittura privata" (Sempronio, Volpino, Mengone, Grilletta)


    3. Akt:
    Nr. 11 Arie: "Salamelica, semprugna cara" (Volpino)
    Nr. 12 Finale: "Signor Sempronio, il matrimonio si è fatto qua" (Mengone, Grilletta, Volpino, Sempronio)


    Bis auf die Nr. 9 ist alles original Goldoni. Aber wie man sieht, fehlt vom 3. Akt der größte Teil.



    Thomas Deck

  • Zitat

    Original von Theophilus


    Sehr unwahrscheinlich, ...


    Jetzt dachte ich glatt, du würdest meinen PC besser kennen als ich selbst. Das hätte er mir nach 7 1/2 Jahren gemeinsamen Lebens sicher übel genommen. Nein, der Gute hat kein DVD-Laufwerk. Er wird auch voraussichtlich noch dieses Jahr in den verdienten Ruhestand gehen.


    Im Prinzip könnte ich jetzt schon die von Peter erwähnte DVD kaufen. Zumal man sie bei Ebay für 2-3 Euro nachgeschmissen bekommt. Frage an die Experten: Wieso kostet die so wenig? Ist das normal, oder sind das Raubkopien?



    Thomas Deck

  • Zitat

    Original von thdeck
    Ok, wenn du vergleichen willst, kommst du um die Anschaffung der Goritzki-Aufnahme (nicht Dorati, der hat die Oper leider nicht eingespielt) nicht herum. Sie gibt es z.B. für stark 10 Euro bei Amazon. Die Anschaffung lohnt sich m.M., und sie enthält wirklich nur die von Haydn überlieferten Originale. Laut Booklet sogar gekürzt, was sich aber sicher nur auf die Rezitative bezieht.


    OK gebongt ...



    Zitat

    Zur Orientierung hier die von Haydn vorhandene Musik:


    Vielen Dank, das hilft schon mal ein gutes Stück weiter. Aber ich werde mich noch den Goritzki besorgen. Auf einem halben Bein ist schlecht stehen.


    Gruß Peter

  • Zitat

    Original von thdeck


    Im Prinzip könnte ich jetzt schon die von Peter erwähnte DVD kaufen. Zumal man sie bei Ebay für 2-3 Euro nachgeschmissen bekommt. Frage an die Experten: Wieso kostet die so wenig? Ist das normal, oder sind das Raubkopien?


    So weit ich das beurteilen kann, sind das keine Raubkopien, sind aber auch nicht im freien Handel erhältlich. Ich habe - nachdem mir die Gluck-Aufnahme recht gut gefiel - einfach noch bei denen nachgelegt, die mir interessant erschienen - bei dem Preis ...


    Die musikalische Qualität ist allerdings unterschiedlich. Die Internet-Adresse des Labels ist übrigens http://www.cascade-medien.com


    Gruß Peter

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  • Zitat

    So weit ich das beurteilen kann, sind das keine Raubkopien, sind aber auch nicht im freien Handel erhältlich.


    Ich habe die erwähnte Haydn-DVD und ein paar andere (meist Mitschnitte von Symphoniekonzerten ebenfalls aus Lugano) aus dieser DVD-Reihe vor zwei oder drei Jahren an einem "Wühltisch" bei Saturn für 2 Euro das Stück ergattert. So gesehen ist der niedrige Preis, der im Internet dafür verlangt wird, also durchaus nicht ungewöhnlich.

    Es scheint sich bei allen diesen DVDs um ehemalige TV-Produktionen des Schweizer Fernsehens aus den 1980er Jahren zu handeln.
    Derartige Wiederverwertungen von TV-Material auf DVDs sind ja keineswegs ungewöhnlich und da es sich bei Orchester und (den meisten) Solisten um keine allzu bekannten Namen handelt und die Produktionen aus der Provinz teilweise 20 Jahre und mehr auf dem Buckel haben UND das Ganze auch keine so besonders überragende Bild- und Tonqualität hat, scheint mir damit der Preis der DVDs einigermaßen plausibel erklärbar...


    Ich nenn' es mal kurz und bündig: Resteverwertung alten Sendematerials auf DVD... :]

    "Es ist mit dem Witz wie mit der Musick, je mehr man hört, desto feinere Verhältnisse verlangt man."
    (Georg Christoph Lichtenberg, 1773)

  • Zitat

    Original von MarcCologne
    Ich nenn' es mal kurz und bündig: Resteverwertung alten Sendematerials auf DVD... :]


    Lieber MarcCologne,


    vielen Dank für die Aufklärung, das passt auch in das Fahndungsraster, das ich mir inzwischen von den erworbenen DVDs gemacht habe. Es sind als Bonus-Material immer auch Konzertmitschnitte als Audiomaterial beigefügt, die mich nicht so sehr vom Hocker rissen.


    Aber Einzelnes kann man durchaus empfehlen, wie etwa Glucks Orfeo, wo man eine gute konzertante Aufführung für wenig Geld bekommt. Und bei Lo Speziale ist man ja erst einmal froh, dass man diese Oper überhaupt einmal in einer Aufführung sehen kann.


    LG Peter


  • Dank freundlicher Hilfe kann ich doch schon jetzt antworten. Bis dahin entspricht alles der angegebenen Liste, wenn man die Rezitative Nr. 4 ("Mengon amico"), Nr. 6 ("Oh che bravo garzone"), Nr. 8 ("Maledetta fortuna!"), Nr. 10 ("Ho fatto la fatica"), Nr. 12 ("Canaglia maledetta!"), Nr. 14 ("Eh capisco") , Nr. 16 ("Ancora il cor mi trema"), Nr. 18 ("Deh! son pur sfotunato!") einfügt, was die Zahl der Musikstücke auf 19 bringt.


    Zitat

    3. Akt:
    Nr. 11 Arie: "Salamelica, semprugna cara" (Volpino)
    Nr. 12 Finale: "Signor Sempronio, il matrimonio si è fatto qua" (Mengone, Grilletta, Volpino, Sempronio)


    Bis auf die Nr. 9 ist alles original Goldoni. Aber wie man sieht, fehlt vom 3. Akt der größte Teil.


    Akt 3 gibt es nach Szene 1 eine Arie des Sempronio, in der Szene 3 ein Duett Mengone und Grilletta, in Szene 4 folgt nun die Nr. 20 "Salemica" und dann nach dem Rezitativ die Nr. 22 "Signor Sempronio".


    Mit den sängerischen Leistungen kann ich gut leben, für den Preis offensichtlich ein Schnäppchen.


    Gruß Peter

  • Neulich mal wieder gehört. Hier eine etwas ausführlichere Zusammenfassung:


    Haydn: Lo speziale – Chaos in der Apotheke

    Haydns dritte erhaltene Oper Lo speziale (Der Apotheker) entstand 1768 nach einem Libretto von Carlo Goldoni. Wie üblich wurde Goldonis Text nicht komplett übernommen, sondern an die Verhältnisse in Esterháza angepasst. Leider ist die Musik nicht vollständig erhalten, vom 3. Akt gibt es nur eine Arie und das Finale.


    Goldoni schrieb das Libretto 1755 für den Karneval von Venedig, vertont wurde es von Vincenzo Pallavicini (1. Akt) und Domenico Fischietti (2. und 3. Akt) und aufgeführt im Teatro San Samuele (Quelle: Italienische Wikipedia und http://www.carlogoldoni.it). In der Originalfassung gibt es drei ernste und fünf komische Rollen. Haydn strich die drei ernsten und eine der komischen Rollen, so dass folgende Personen übrig bleiben:


    Sempronio (Tenor): Apotheker, will sein Mündel Grilletta heiraten, um an ihre Erbschaft zu kommen

    Mengone (Tenor): Gehilfe von Sempronio, in Grilletta verliebt

    Grilletta (Sopran): Sempronios Mündel

    Volpino (Sopran(!)): reicher junger Geck, hat es auf Grilletta abgesehen


    Drei Männer wollen dieselbe Frau, aber der aufgeklärte Leser weiß jetzt schon, wer das Rennen machen wird...



    I. Akt


    Die Ouvertüre (G-Dur) besteht aus einem schwungvollen ersten Teil, einem pastoralen Mittelteil in C-Dur und einer Wiederholung des ersten Teils.


    Nr. 1: Arie Mengone (G-Dur) Tutto il giorno, pista, pista

    Mengone beklagt seinen monotonen Arbeitsalltag: Immer nur mit dem Mörser Zutaten zerstoßen („pistare“), und im gleichen Rhythmus schlägt auch sein (Grilletta) liebendes Herz. Das rhythmische Stoßen bzw. Schlagen ist natürlich auch in Haydns Musik zu hören.


    Sempronio kommt hinzu, und man erfährt von seinem Spleen: Er ist das, was man heute „internetsüchtig“ nennt. Den ganzen Tag surft er im Internet, sprich: liest er Zeitung und verliert sich in irgendwelchen fantastischen Meldungen wie „auf den Molukken wurde eine Perücke aus Drahtgeflecht erfunden“, „in China hat ein Mann aus Moskau ein Kind geboren“, „in Paris hat ein Apotheker sein Mündel geheiratet“. Letzteres bezieht er sofort auf seine Pläne mit Grilletta, was Mengone ironisch kommentiert.


    Volpino kommt unter dem Vorwand, etwas kaufen zu wollen, in die Apotheke, wird von Sempronio aber an Mengone verwiesen. Jener interessiert sich nämlich nur für seine Zeitung:


    Nr. 2: Arie Sempronio (B-Dur) Questa è un’altra novità

    Hier geht es um einen Streit zwischen der Arena von Verona und dem „Turm von Cremona“ (gemeint ist der berühmte Torrazzo), welches das würdigere Bauwerk sei. Argumente wie „lunghezza“ (Länge) und „larghezza“ (Breite) werden von der Musik lautmalerisch unterstrichen. Der Streit wird vom Kolosseum in Rom geschlichtet.


    Anschließend versucht Volpino, von Mengone etwas über Grilletta zu erfahren. Mengone zeigt sich aus naheliegenden Gründen wenig kooperativ.


    Nr. 3: Arie Mengone (A-Dur) Per quel che ha mal di stomaco

    Bei der Analyse des Textes muss man wissen, dass in dieser Szene ursprünglich zwei Bewerber für zwei Frauen unter einem Vorwand in die Apotheke kommen und ein Mittel gegen Magenprobleme („mal di stomaco“) bzw. Verstopfung („corpo stitico“) kaufen wollen. Nach der oben erwähnten Streichung von drei Rollen bleibt nur noch Volpino übrig, aber Mengone erklärt in seiner Arie immer noch die Wirkung von zwei verschiedenen Medikamenten. Köstlich ist hierbei die musikalische Umsetzung der letzten Zeile „le viscere anderà“ (er wird Stuhlgang haben): Das „a“ wird in einer Koloratur so gesungen, dass es sich anhört wie „ah-ah-ah-ah-aaah“ als hörbare Folge der Erleichterung nach Einnahme des Abführmittels.


    Mengone verlässt die Szene. Volpino hat Glück und trifft auf Grilletta, diese lässt ihn aber abblitzen:


    Nr. 4: Arie Grilletta (F-Dur) Caro Volpino amabile, siete de’ pazzi il re

    „Lieber teurer Volpino, ihr seid der König aller Verrückten.“

    Durch die Flöten bekommt diese Arie einen lieblichen Ausdruck. Vom Typ her erinnert die Arie eine ähnliche aus den Pescatrici. Auffallend ist der recht frühe Beginn des zweiten (schnellen) Teils.


    Grilletta geht ab, und Volpino zieht Bilanz:


    Nr. 5: Arie Volpino (g-Moll) Amore nel mio petto si è convertito in isdegno

    „Meine Liebe hat sich in Empörung verwandelt“, außerdem will er seinen Rivalen umbringen. Dabei fällt ihm ein, dass er das Duell auch verlieren könnte, aber Grilletta habe es ja so gewollt. Eine dramatische Rachearie (daher Moll), die Haydn oft an ungefähr dieser Stelle im ersten Akt bringt.


    In der nächsten Szene trifft Mengone auf Grilletta. Sie will ihn. Aber Mengone hat Angst vor seinem Chef, was bei Grilletta nicht gut ankommt. Der ahnungslose Sempronio kommt dazu, und schon sind wir im Finale des ersten Aktes:


    Nr. 6: Finale I (C-Dur) Quanti son di questa polvere

    Grilletta und Mengone bekommen von Sempronio den Auftrag, irgendwelche Zutaten zu zerkleinern, während dieser Landkarten studiert, geistig also mal wieder an fernen Orten weilt. Grilletta und Mengone nutzen das zum Flirten. Sempronio muss kurz weg, einen Kompass holen, das Liebespaar kommt sich näher und wird prompt von Sempronio ertappt. Das Finale durchläuft die üblichen Beschleunigungen, und am Ende singen alle drei das Gleiche, wenn auch mit unterschiedlichem Hintergrund:


    Ho un tremore nel mio core:

    Non so dir cosa sarà.

    Che tormento che mi sento!

    Oh che rabbia che mi fa.


    (Mein Herz zittert: Ich weiß nicht, was wird. Welch eine Qual ich fühle! Welch eine Wut mir das macht!)



    II. Akt


    Sempronio ist erbost über Mengones Absichten auf „seine“ Grilletta. Damit nicht genug, kommt nun auch noch Volpino und bittet auf etwas naive Weise bei Sempronio um die Hand von Grilletta. Dies wird natürlich energisch abgelehnt. Volpino antwortet mit einem erfundenen Zeitungsartikel, der Sempronio aufhorchen lässt:


    Nr. 7: Arie Volpino (E-Dur) Un certo tutore in Francia vi fu

    In Frankreich habe ein Vormund dem Geliebten seines Mündels die Hand der jungen Frau verweigert und dies mit Stockschlägen gebüßt. Eine hübsche kleine Arie, bei der nur dezent die Schläge angedeutet werden.


    Sempronio signalisiert Verständnis, ist aber entschlossen, seine beiden Rivalen so schnell wie möglich vor vollendete Tatsachen zu stellen.


    Nr. 8: Arie Sempronio (D-Dur) Ragazzaccie, che senza cervello favellate

    Eine marschartige Droh-Arie, in der den jungen Leuten klar gemacht wird, dass es Schläge gibt, wenn das Flirten nicht aufhört.


    Grilletta zeigt sich davon wenig beeindruckt, Mengone aber um so mehr, er entpuppt sich geradezu als Angsthase, sehr zum Ärger von Grilletta, die ihre Konsequenzen zieht:


    Nr. 9: Arie Grilletta (B-Dur) A fatti tuoi badar tu puoi, da me alcun amor giammai non sperar

    „Du kannst dich um deinen eigenen Kram kümmern, von mir hast du keinerlei Liebe mehr zu erwarten“ und später: questa è finita, „die Sache ist erledigt“.


    Mengone ist niedergeschlagen. Er will Grilletta besänftigen, weiß aber nicht wie, und verschwindet erst mal von der Szene. Sempronio macht Grilletta einen Heiratsantrag, diese geht zum Schein darauf ein. Sempronio lässt sofort einen Notar rufen. Volpino und Mengone haben das unabhängig voneinander mitbekommen und geben sich beide als Notar aus. Sempronio ist etwas verwirrt, er hat ja nur einen Notar bestellt, aber da keiner von beiden bereit ist, das Feld zu räumen, akzeptiert er beide, Hauptsache er bekommt seine Grilletta.


    Nr. 10: Finale II (A-Dur) Colla presente scrittura privata

    Der Ehevertrag zwischen Grilletta und Sempronio wird aufgesetzt, diktiert von Sempronio und niedergeschrieben von den beiden „Notaren“, unter Begleitung vor allem der Oboe. Grilletta (obwohl eigentlich noch unentschlossen) und Sempronio sollen unterschreiben, möchten aber den Vertrag vorher noch lesen, die Musik wird schneller. Die beiden „Notare“ versuchen, es zu verhindern, aber vergeblich, und so kommt es heraus: In dem einen Vertrag wurde „Sempronio“ durch „Volpino“ und in dem anderen durch „Mengone“ ersetzt, die Verkleidung der beiden fliegt auf. Der Akt endet im Tumult, wobei dieses Mal die beiden Parteien sogar unterschiedliche Texte haben:


    Volpino+Mengone: Viva gli sposi, viva l’amor. („Es leben die Eheleute, es lebe die Liebe.“)

    Grilletta+Sempronio: Via, maledetti, ma di buon cor. („Haut ab, Verfluchte, aber hurtig.“)



    III. Akt


    Von diesem Akt fehlen die Szenen eins bis drei und der Anfang der vierten Szene. Inhaltlich passiert folgendes: Volpino hat die Idee, Sempronio in die Türkei zu locken, so dass er Grilletta heiraten kann. Dazu erfindet er eine dieser Geschichten, die Sempronio so gern in den Zeitungen liest: Ein türkischer Herrscher wolle mit großem finanziellen Aufwand die Krankheiten in seinem Land bekämpfen. Dazu habe er Boten nach Europa geschickt, die nach fähigen Apothekern Ausschau halten sollen. Prompt wittert Sempronio das große Geschäft, und in die Ferne hat es ihn ja schon immer getrieben. Wie es der Zufall so will, ist die türkische Gesandtschaft schon im Anmarsch.


    Unterdessen versöhnen sich Grilletta und Mengone in einem reizenden Duett, leider ohne Musik von Haydn. Mengone hat für Grilletta ein schönes Band gekauft, will es ihr dann aber doch nicht schenken. Grilletta entdeckt es, ist ganz wild darauf, und nach einigem Hin und Her bekommt sie es auch.


    In der vierten Szene will Sempronio (ganz in türkischer Aufmachung) zusammen mit den türkischen Gesandten – in Wirklichkeit Volpino und Mengone als Türken verkleidet – in die Türkei aufbrechen. Volpino bittet um die Hand von Grilletta, Sempronio willigt ein, er hat jetzt Wichtigeres vor. Volpino feiert den nahen Erfolg:


    Nr. 14: Arie Volpino (D-Dur) Salamelica, semprugna cara

    Ein vollkommen absurder Text, der türkisch klingen soll. Es geht darum, dass man in Konstantinopel immer singt und tanzt. Haydn unterlegt dies natürlich mit einer Musik „alla turca“.


    Die fünfte Szene fehlt wieder: Grilletta kommt hinzu, während Volpino weg ist, um sie suchen. Sie fragt Sempronio, ob sie einen dieser „Türken“ heiraten darf. Kein Problem, sie könne auch vier auf einmal nehmen. Die Wahl fällt natürlich auf den als Türken verkleideten Mengone, und die Trauung wird sofort vollzogen, in Anwesenheit von vielen Zeugen.


    Letzte Szene: Endlich kommt Volpino zurück und muss feststellen, dass ihm Grilletta vor der Nase weggeschnappt wurde. Frustriert reißt er sich die Kleidung und den falschen Bart vom Leib. Der Rest der Szene ist zum Glück erhalten:


    Nr. 15: Finale III (G-Dur) Signor Sempronio, il matrimonio si è fatto qua. Constantinupola più non si va.

    Die Hochzeit ist vollzogen, Konstantinopel fällt aus, sagt Mengone und entfernt ebenfalls seine Verkleidung. Volpino und Sempronio ärgern sich aus unterschiedlichen Gründen, aber am Ende singen alle vereint:


    Amore s’ingegna; sa l’arte e l’insegna. Ma se uno è più scaltro, soffrire quell’altro, tacere dovrà.

    „Amor handelt; er kennt die [Liebes-]Kunst und lehrt sie. Aber wenn einer pfiffiger ist, muss der andere leiden und schweigen.“