Weiß jemand zufällig, ob die beiden Beethoven-Lieder "Wonne der Wehmut" und "In questa tomba oscura", die Ney mit Margarete Klose 1936 für die Electrola aufgenommen hat, irgendwo noch vorhanden sind?
Elly Ney - - Pathos, Pose oder Innerlichkeit?"
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Die DGG-Aufnahmen von Elly Ney haben sie tatsächlich nie auf CD veröffentlicht?
Auf CD nicht, aber 2018 ist es zumindest digital erschienen auf dem Album "DG 120 - Piano 1 (1949-1971)".
Ludwig van Beethoven / Elly Ney
Klaviersonate Nr. 8 c-Moll op. 13 "Pathétique" (9:40 - 6:23 - 4:56)
Klaviersonate Nr. 14 cis-Moll op. 27 Nr. 2 "Mondschein" (6:58 - 2:22 - 8:08)
Klaviersonate Nr. 23 f-Moll op. 57 "Appassionata" (10:05 - 6:50 - 5:40)
Klaviersonate Nr. 31 As-Dur op. 110 (6:37 - 2:32 - 11:36)
All jene hat sie aber später für Colosseum nochmal eingespielt, so dass man nicht zwingend auf die DG-Aufnahmen angewiesen ist.
Die Spielzeiten bei Colosseum im Vergleich:
Klaviersonate Nr. 8 c-Moll op. 13 "Pathétique" (9:57 - 6:28 - 4:44) [1967]
Klaviersonate Nr. 14 cis-Moll op. 27 Nr. 2 "Mondschein" (7:29 - 2:14 - 8:20) [1967]
Klaviersonate Nr. 23 f-Moll op. 57 "Appassionata" (10:04 - 7:08 - 8:31) [1967]
Klaviersonate Nr. 31 As-Dur op. 110 (7:07 - 2:35 - 4:22 - 7:56) [1968]
Abgesehen vom Finalsatz der "Appassionata" sind die Spielzeiten beinahe identisch, tendenziell ein wenig langsamer.
Ferner sind dort noch enthalten die Sonaten Nr. 4 Es-Dur op. 7, Nr. 12 As-Dur op. 26, Nr. 17 d-Moll op. 21 Nr. 2 "Der Sturm", Nr. 18 Es-Dur op. 31 Nr. 3, Nr. 21 C-Dur op. 53 "Waldstein", Nr. 30 E-Dur op. 109 und Nr. 32 c-Moll op. 111 (zweimal); ferner das Adagio aus der "Hammerklaviersonate".
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Als die CD eingeführt wurde (1981), waren bei der DGG bereits andere Entscheidungsträger verantwortlich, und das Thema Nazi-Vergangenheit spielte eine wesentlich größere Rolle als zu Schillers Zeiten. Das mag der Grund sein, weshalb man die durchaus gut klingenden Ney-Platten nicht auf das neue Medium überspielt hat.
Lieber Nemorino,
heute, da es so viele historische Wiederveröffentlichungen, sollte man auch Elly Ney herausbringen, finde ich! Wenn man wirklich Ernst machen würde damit, keine Künstler, die Nazi-Vergangenheit haben, auf CD herauszubringen, dann müsste das auch für Richard Strauss gelten!
Schöne Grüße
Holger
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Doch, die Nachkriegs DGG-Aufnahmen sind schon auf CD erschienen:
https://www.amazon.de/Deutsche…a-1948-1957/dp/B0195SDSGA
Ebenfalls die Telefunken-Aufnahmen (Beethoven Cellosonaten mit Hoelscher) sind auf CD:
https://www.amazon.de/Complete…g-Hoelscher/dp/B01LY40BHB
Nur die op. 111 (aufg. 1958 für Electrola) ist noch nicht auf CD.
Für Somerset (Miller Int.) hat sie im Jahre 1965 Stereo-Einspielungen gemacht: op. 111 und Mozart KV331. Nur op. 111 ist auf CD gewesen, allerdings einen Halbton zu hoch.
Auch ein paar Colosseum-Aufnahmen sind nicht in der Colosseum-Box.
M_P
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Auch ein paar Colosseum-Aufnahmen sind nicht in der Colosseum-Box.
Das würde mich jetzt interessieren, welche das genau sind, lieber Maestro Peter.
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die Nachkriegs DGG-Aufnahmen sind schon auf CD erschienen
Hallo, Maesto Peter,
vielen Dank für den Hinweis, das war mir nicht bekannt. Doch wer kauft solche umfangreichen Kisten (51 CDs!), dazu noch ausschließlich Mono-Aufnahmen? Das ist nur etwas für ganz hartgesottene Sammler. Ich habe mir den Inhalt angeschaut, von wenigen Ausnahmen abgesehen würden die ungehört in meinem Regal verstauben.
LG Nemorino
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Das würde mich jetzt interessieren, welche das genau sind, lieber Maestro Peter.
Es sind nur 3 Aufnahmen: Für Elise und 6 Variationen über 'Nel cor piu non mi sento' (beide auf modernen Flügel - die gleichen Stücke auf Beethovens Graf-Flügel sind in der Box) und Adagio aus op. 26 (auf Beethovens Graf-Flügel).
M_P
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Doch wer kauft solche umfangreichen Kisten (51 CDs!), dazu noch ausschließlich Mono-Aufnahmen?
Lieber Nemorino, anscheinend gibt es genug Leute die solche Sammlungen kaufen, vor allem weil einiges noch nicht auf CD war. Ich hätte es gekauft, wenn mehrere 'Raritäten' dabei gewesen wären. Decca hat etwas ähnliches gemacht und da waren ganz viele interessante Sachen dabei:
https://www.amazon.de/Decca-Sound-Mono-Years/dp/B00QHL0V3C
Das Label 'Eloquence' macht genau das und mit Erfolg, z.B.:
https://eloquenceclassics.com/…plete-philips-recordings/
Für mich persönlich sind Mono-Aufnahmen grundsätzlich viel interessanter als Stereo-Aufnahmen - aber das ist ein anderes Thema!
M_P
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Für mich persönlich sind Mono-Aufnahmen grundsätzlich viel interessanter als Stereo-Aufnahmen
Lieber Maestro_Peter,
damit wir uns recht verstehen: Ich habe grundsätzlich nichts gegen Monoaufnahmen, wenn der künstlerische Wert der Aufnahme das klangliche Defizit überragt. In meiner Sammlung befinden sich mindestens ca. 300 Mono-CDs, aber mir eine willkürlich ausgewählte Kiste (Aufnahmen 1949-1957) ins Regal zu stellen, das widerstrebt mir, zumal ich aus dieser Box schon eine ganze Reihe Einzel-CDs besitze. Man will das ja alles auch einmal hören können, und der Tag hat nun einmal leider nur 24 Stunden. Außerdem bin ich kein Freund dieser Riesenkisten, aus denen man sich mühselig einzelne CDs herauskramen muß, die zudem meist noch in unpraktischen Papierhüllen stecken. Das spart zwar Platz, aber es schont nicht die Nerven
.Aber ich würde nicht so weit gehen und sagen, daß für mich Mono-Aufnahmen viel interessanter sind als solche in Stereo. Die klangliche Komponente spielt nämlich auch eine nicht geringe Rolle. Ich ziehe zwar eine künstlerisch hochwertige Mono-Aufnahme einer spannungslosen, langweiligen Stereoproduktion vor. Trotzdem bin ich sehr froh, daß es inzwischen von praktisch allen gängigen Werken auch hochwertige Stereoaufnahmen gibt, die natürlich fürs Ohr ein größerer Genuß sind als eine eindimensionale Monoversion. Es ist gut, daß viele großartige Künstler der Vergangenheit auch heute noch mittels ihrer klanglich antiquierten Aufnahmen zu erleben sind, doch deshalb möchte ich auf die moderne Technik neuerer Produkte nicht verzichten.
LG Nemorino
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Für mich persönlich sind Mono-Aufnahmen grundsätzlich viel interessanter als Stereo-Aufnahmen - aber das ist ein anderes Thema!
Hallo Peter,
das freut mich sehr, dass wir mit Dir einen "nicht-monophoben" Foren-Mitstreiter bekommen!
Herzlich willkommen! Gerade die älteren Monoaufnahmen sind oft die interessantesten. Mit "grundsätzlich" hast Du vielleicht ein bisschen übertrieben! Aber ohne die historischen Aufnahmen wäre jede Klavier-Interpreten-Sammlung arm! 
Schöne Grüße
Holger
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...aber mir eine willkürlich ausgewählte Kiste (Aufnahmen 1949-1957) ins Regal zu stellen, das widerstrebt mir, zumal ich aus dieser Box schon eine ganze Reihe Einzel-CDs besitze.
Lieber Nemorino, genauso sehe ich das, weshalb ich mir diese Box nicht angeschafft habe. Wenn DGG andere Mono-Aufnahmen ausgewählt hätte, vielleicht wäre es interessanter gewesen. Da hat Decca viel mehr 'ausgegraben', weshalb die Decca-Box durchaus interessanter war.
Ich kann auf Stereo gut verzichten, aber sollte mir trotzdem eine interessante Stereo-Aufnahme über den Weg laufen, wandle ich zuerst die Aufnahme in Mono um, dann kann ich sie (hoffentlich) geniessen. Es gibt aber natürlich Ausnahmen, z.B. wenn Dutzende Mikrofone zu 'eindringlich' platziert sind: dann hilft nichts mehr. Man hört absolut alles, auch die 4. Klarinette, und das stört mich enorm. Das kann zwar auch bei Mono-Aufnahmen der Fall sein, aber es ist relativ selten.
M_P
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das freut mich sehr, dass wir mit Dir einen "nicht-monophoben" Foren-Mitstreiter bekommen!
Herzlich willkommen!Hallo Holger, vielen herzlichen Dank!
Gerade die älteren Monoaufnahmen sind oft die interessantesten.
Da kann ich nur zustimmen. Die Künstler, die mich am meisten interessieren, haben Stereo nicht mehr (oder nur am Rande) miterlebt.
Stereo konnte ich nie geniessen. Da hört man zu viele Details und alles ist oft zu getrennt (mit Kopfhörern ist alles noch schlimmer, aber Kopfhörer waren früher sowieso nicht üblich). Die einzigen Stereo-Aufnahmen die ich geniessen kann, sind die, die fast Mono-Aufnahmen sein könnten :))
M_P
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Da kann ich nur zustimmen. Die Künstler, die mich am meisten interessieren, haben Stereo nicht mehr (oder nur am Rande) miterlebt.
Stereo konnte ich nie geniessen. Da hört man zu viele Details und alles ist oft zu getrennt (mit Kopfhörern ist alles noch schlimmer, aber Kopfhörer waren früher sowieso nicht üblich). Die einzigen Stereo-Aufnahmen die ich geniessen kann, sind die, die fast Mono-Aufnahmen sein könnten :))
Lieber Peter,
ich hatte auch ca. 3 Jahrzehnte mich vom Kopfhörer-Hören entwöhnt, jetzt gewöhne ich mich wieder dran!
Ich glaube, ich verstehe was Du meinst. Beim großen Orchetser sitze ich im Konzertsaal auch lieber weiter weg, um den Gesamteindruck zu haben, anders, als wenn man ganz vorne sitzt. Es gibt natürlich auch Stereo-Aufnahmen, die ganz bewusst diesen "integralen" Eindruck betonen.Ich kann auf Stereo gut verzichten, aber sollte mir trotzdem eine interessante Stereo-Aufnahme über den Weg laufen, wandle ich zuerst die Aufnahme in Mono um, dann kann ich sie (hoffentlich) geniessen.
Das sollten hier einige "monophobe" Tamino-Freunde lesen! 
Liebe Grüße
Holger
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Zu Elly Neys Aufnahme der "Waldstein"-Sonate und Kagels Parodie:
"The Frog"
Schöne Grüße
Holger
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Die Pianistin Elly Ney (1882-1968)
Vielleicht als Ergänzung und zur Auflockerung hier über Elly Ney:
Entweder das Konzert 1964 oder jenes 1967 in der Bonner Beethovenhalle durfte ich vorne in der 2. Reihe links vorne mit Blick auf die Tasten miterleben.
Ich hatte eine Freikarte von meinem in Bonn bekannten Klavier- und Orgellehrer, der als Eingeladener der Stadt unter gar keinen Umständen wegen der Vorgeschichte von Elly Ney in dieses Konzert wollte.
Genau aber weiß ich, dass man in Bonn damals vom "Abschiedskonzert" sprach. Die Zugabe war op. 129.
Seither trage ich mit mir herum, dass sie im letzten Teil die Oktav-Sprünge n i c h t gespielt hat - sondern als Akkorde nur angeschlagen.
Eine abgöttischere Verehrung eines Konzertpublikums habe ich nie wieder erlebt.
Für mich hatte dadurch jene Verehrung diesen Makel - zusätzlich zur nationalsozialistischen Geschichte der Künstlerin.
Also bestimmen auch beim Zuhorer nicht selten die Hintergrundabläufe eine betrübte oder ungetrübte Rezeption.
GC
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Anmerkung ......

Wenn ich den Namen Elly Ney lese wird mir dermaßen ÜBEL, dass ich es kaum beschreiben kann!
MfG Fiesco
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Lieber Siegfried,
leider gibt es in der Biographie dieser klavierspielenden Frau so einige Fakten und Äußerungen, die mich ihre Platten haben meiden lassen - Interessierten sei Ernst Klees Kulturlexikon zum Dritten Reich empfohlen. Auch Google führt einen auf Äußerungen übelster Art, die ich nicht weiter zu kommentieren wünsche.
Ich wende mich ab mit Grausen!
FloAuch wenn der User nicht mehr aktiv ist, spricht er mir aus der Seele!
Und noch einige in dieser Rubrick!
Fiesco
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Ich sollte vielleicht die ganzen Beiträge, die sich nicht mit der Pianistin sondern befassen, sondern in Missfallensbekundungen ergehen, in einen eigen Thread pacen. Elly Ney Pranger könnte man ihn nennen (oder ähnlich), dann könnte man sich in Ruhe mit der Pianistin befassen, die lange schon ein internationaler Star war, bevor es zur Machtergreifung der braunen Pest kam und die im Januar 1933 nicht mal mehr die deutsche Reichsbürgerschaft besaß.
Liebe Grüße vom Thomas

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Das Thema Elly Ney kam hier ja hier ursprünglich aus dem thread "Musiker-Ehepaare".
Inzwischen wurde diese Person/Pianistin als Stichwortgeber für Beiträge anderer Zuordnung wiederbelebt.
Ich finde sowas spannend!
Immerhin zeigt sich daran, daß ich mit meiner Vorliebe für die Erkundung der Hintergründe von Kompositionen und den Menschen ihrer Verwender -
sei es als Arbeitsmaterial oder als Hörer/Zuseher - nicht ganz daneben liege.
Elly Ney als Stichwortgeberin für Verantwortung im Rahmen der Geschichte zu sehen, ist sicherlich überzogen. Eine Etage tiefer in ihrer Rolle als Vertreterin der Menschenverachtung reicht aber völlig, um sie als schlechtes Beispiel für heute lebende Kulturschaffende bei deren Mitläuferschaft zu brandmarken.
Siehe: Die Themen dieser Tage.
Im Sport ist das üblich, dass man "Regime vertretende" Spitzenkönner mit Buhrufen zu strafen versucht - auch wenn ihre körperlichen Leistungen noch so hoch zu bewerten sind.
In der Musik bin ich da nicht gepalten: Bei mir ist die Leistung untrennbar ebenfalls mit ihrer Geschichte und ihrer Haltung verbunden.
So bin ich erzogen, daß ich deshalb Richard Wagner niemals zu meinen Freunden werde zählen können - oder potentatophile lebende Kunstschaffende.
Der Jubel erstirbt mir bei denen im Halse - unabhängig von live oder Konserve.
GC
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Ich hätte es mir denken können
und konnte es trotzdem nicht lassen ...Wenn ich den Namen Elly Ney lese
... dann denke ich an einen unvergeßlichen Konzertabend im September 1964 (oder war es ein Jahr später?), als ich, damals gerade mal 20, mit meinem Freund in der Bonner Beethovenhalle saß und sein Konzert Nr. 5 genießen konnte, gespielt von Elly Ney, die traumversunken Beethovens Musik verströmen ließ und uns in eine andere, schönere Welt versetzte. Und zum Schluß noch - als Zugabe - die Mondscheinsonate spielte. Ich habe viele Konzertabende erlebt, in Köln, Bonn, Villach, Dubrovnik, Koblenz, aber dieser eine bleibt unauslöschlich in meinem Gedächtnis, und kein Mensch der Welt kann ihn mir vermiesen!
LG Nemorino
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Konzertabend im September 1964, als ich, damals gerade mal 20, mit meinem Freund in der Bonner Beethovenhalle
da hast du recht: unvergesslich war ein Konzert mit EN, es will dir auch niemand hier die Erinnerung vermiesen. Lass ich mir auch nicht.
Immerhin habe ich damals fast nix von EN gewußt, außer dass mir Hubert Brings seine Ehrenkarte schenkte.....weil....usw.
Da sind wir wohl gleich alt, denn das war auch meine Schul- und Hallen-Zeit dort, bei mir war die Zugabe die "Wuth über......"
Wenn ich bezahlen mußte, hab ich stets ganz hinten billig gebucht, meistens, um kurz vor Beginn auf einen nicht eingenommenen Platz nach vorn zu stürmen....als Wangenheim schon reinkam......
GC
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Dann will ich hier den Namen Elly Ney, in diesem Zusammenhang in Verbindung mit ihrem Ehemann Willem van Hoogstraten, auch noch einmal bewusst unterstreichen. Zurecht wurden die Einspielungen des Ehepaars der Beethovenschen Klavierkonzerte Nr. 3 bis 5, die Anfang der 1960er Jahre für die Nürnberger Schallplattenfirma Colosseum gemacht wurden, in Erinnerung gerufen. Die Ney ist eine der Persönlichkeiten des Klavierspiels, wo ich den zu inflationär gebrauchten weiblichen Artikel gerne davor setze. Hier meine ich noch am ehesten den großen Beethoven-Stil des späten 19. Jahrhunderts zu vernehmen, weswegen ich ihre zahlreichen Aufnahmen immer wieder bevorzugt ansteuere, wenn es um eine Sonate geht. Dass mir ihre faschistischen Überzeugungen, an denen sie scheinbar bis zuletzt festhielt, nicht ferner stehen könnten, tut dabei nichts zur Sache.
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Vör einigen Jahren (vor 2010)waren die Angriffe gegen Ellie Ney im Forum besonders aggressiv. Aber darüber hinaus auch gegen Mitglieder, die sie als Künstlerin gelten liessen. Mir wurde berichtet, daß einige sogar per PN (damals noch nicht deaktiviert) persönlich bedroht wurden.
Ein Blick ins neue Lexikon der Musik (4 Bde, Metzler)beschreibt ihrenfrühen Ruhm als Pianistin von suggestiver Strahlkraft und ihre Lehrtätigkeit in Köln un später am Salzburger Mozarteum. Auch ihr priesterlichers Gebaren in Bezug auf Beethoven wird erwähnt, eine Art Kult, nicht aber ihr politisches Credo.
Ähnlich auch in der Brockhaus Enzyklopädie
Überrasschend auch der Eintrag im Groove (Nachgeschlagen in der Zentralbücherei Wien) der sich politischer Aussagen völlig enthält.
Gerade dort hätte ich derlei erwartet.
Heute als Einleitungstext für eine 3 CD Box:
Obwohl wegen ihrer Nähe zum Nationalsozialismus nicht unumstritten, muss Elly Ney (1882–1968) nichtsdestoweniger als eine der bedeutendsten Beethoven-Interpretinnen des 20. Jahrhunderts angesehen werden, die von ihren Bewunderern geradezu kultisch verehrt wurde ‒ und immer noch wird.
Mir ist es gelungen - quasi in letzter - Minute - einige Colosseum CDs zu erringen - bevor sie aus dem Programm genommen wurden....
Und hier ein Clip aus dem, Jahre 1962 wo sie sich mit Jugend trifft und Fragen beantwortet....
https://www.ardmediathek.de/vi…2LTllMjMtYTVmZTg0NzY2ODQ0
mfg aus Wien
Alfred -
Lieber Alfred,
eine ambivalente Haltung zu E.N. ist immer zu erwarten, wenn ihr Name genannt wird.
Bei der "Blindverkostung" von Audio-Aufnahmen würden die wenigsten hier auf eine(n) Pianist(in) tippen, deren menschenverachtende Haltung
während Teilen ihrer Entwicklung so viele Menschen stört und gestört hat. Diese Haltung ist nachgerade schizophren, wenn man sie später reden hört.
Mit anderen Worten: Pianistische Leistung und menschliche Haltung können nicht aneinander abgelesen werden.
Kein Konzertbesucher und der Konsument ihrer wenigen Musikkonserven wird das abstreiten.
So st es dem Hörer unbenommen, kein ganzheitliches Urteil, sondern ggf. nur Teilurteile über den Menschen dahinter abgeben zu wollen.
Das geschieht hier im Moment - wohl wieder einmal.
Umgekehrt genauso:
Die bewußte Ausklammerung, die der Konsument gelegentlich vornimmt, zeigt das Neujahrskonzert der W.Ph. 2026.
Es wurde von allen das neuartige Dirigat und der daraus entstandene Schwung gelobt, welches das ganze Event prägte.- also das Visuelle.
Hier war es die menschliche Komponente.
Am Programm und einigen Teilen beim Gesamkkonzept störten sich nur wenige. Aber auch diese gibt es.
Weder die Kritiker auf der einen Seite wollen denjenigen auf der anderen Seite etwas vermiesen.
Dankbar sollten wir sein, wenn jeder zu Wort kommt, der das möchte. Auch bei E.N.
Denn ähnliche Künstler wird es immer wieder geben, also auch die Diskussionen darüber.
Mir ist nicht klar, was der Filmschnipsel sollte: Hatte das den Grund, dass E.N. einen "Neger" anführte, der so wunderschön Lieder singen konnte?
Gruß GC
P.S.: Die Schülerfragen wurden in der Vorbereitung solcher Filme übrigens stets vorbesprochen.
Es wurde sogar darüber abgestimmt, wenn es zuviele gab, die fragen wollten.
Ich habe das in der Bundeshauptstadt Bonn am Gymnasium zweimal mitgemacht, einmal bei Kai-Uwe von Hassel und einmal bei Gerhard Stoltenberg.
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Mir ist es gelungen - quasi in letzter - Minute - einige Colosseum CDs zu erringen - bevor sie aus dem Programm genommen wurden....
Und hier ein Clip aus dem, Jahre 1962 wo sie sich mit Jugend trifft und Fragen beantwortet....
Ich habe tatsächlich das Glück, die ganze Colosseum Box zu besitzen, nebst einigen ihrer Schellacks und LPs, eine sogar mit Autorgramm (Füller). Man kann daran sehen, daß ich zu denjenigen gehöre, die sie durchaus schätzten. Zur Einschätzung ihreres Wirkens in braunen Zeiten sollte man nicht übersehen, daß Elly Ney von den Nazis überhaupt nicht geschätzt wurde. Das Schrifttum, das man ihr heute vorhält, waren persönliche, zugegebenermaßen einigermaßen widerwärtige Anwanzungen an die Staatsoberen, die allerdings m.W. ohne jede Auswirkungen waren. Das alles hätte die Öffentlichkeit nicht erfahren, wäre nicht der Nachlass Goebbels erschlossen worden. Was indes seltsam ist: auf die Künstlerinnen, die sich dem Regiem angedient hatten, ist nach dem Kriege erheblich mehr eingeprügelt worden als auf die Herren, die ihre Karrieren zumeist fortsetzen konnten (von den Juristen gar nicht erst zu reden). Elly Ney ging in den 1950er Jahren, als eine öffentliche Opposition gegen sie wuchs, ihrer Plattenvertraäge bei der DGG, sodann bei der Electrola (für die sie auch vor dem Krieg schon aufgenommen hatte und die ihr auch eine 19 minütige Arietta haben durchgehen lassen) verlustig. Zur Gesinnung des Labels "Colosseum", bezeichnenderweise aus Nürnberg, möchte ich mich nicht näher äußern, für die Musikwelt war es segensreich. Man hat die alte Dame machen lassen. Die konnte im Studio auftauchen, wann sie wollte, es wurde aufgenommen, was sie spielte und auch veröffentlicht, wenn sie zufrieden war. Von diesen Sitzungen sind ebenso Fragmente erhalten wie Rekonstruktionen von Klavierabenden, die sie zusammen mit ihrer Tochter, der Schasuspielerin Eliane van Hoogstraten bestritt, an denen die Jüngere alternierend zu dem Programm der Mutter Gedichte von Rilke zitierte. Ich fände es durchaus angemessen, daß es neben der Verirrungen der Ney auch die Normalität ihres Daseins, meinethalben auch ihre spleenige Besonderheit zur Kenntnis nehmen würde.
Der Filmbeitrag des HR ist übrigen nicht ganz so glücklich, wenngleich sie sich da teilweise aus ihrer Sicht altersmilde äußert, aber die Jugend, die sich da in diesem Camp traf, war wohl doch eher patriotisch gestrickt, um es mal vorsichtig zu formulieren (was mich in den Nachkriegsjahren allerdings auch nicht wundert).
Ich werde also auch weiterhin diesen Blick ins Klavierspiel des 19. Jh. genießen, denn genau das ist das Interessante am Spiel von Elly Ney, besonders wenn man ihren Beethoven mit dem des Zeitgenossen Backhaus vergleicht.
Liebe Grüße vom Thomas

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aber die Jugend, die sich da in diesem Camp traf, war wohl doch eher patriotisch gestrickt, um es mal vorsichtig zu formulieren




Das war nicht zu übersehen. "Patriotismus" gepaart mit Einfalt und kritikloser Anbetung der "Großen alten Dame" - der das unübersehbar peinlich war.
Über ihre "politische Gesinnung" könnte man viel schreiben
Aus meiner sicht war sie auf der Suche "nach dem "Erhabenen" - mit einem Schuss Patriotismmus.
Patriotismus ist ers in unseren Tagen verfemt. Noch in meiner Jugend (in den späten 60er Jahren) hat man mir eingebleut, esw sei eine Schande, daß ich mich dem "Dienst fürs Vaterland" (Wehrdienst) entziehen wolle (und es erfolgreich getan habe - in einer Zeit wo das eigentlich gar nicht möglich war. Bei ihr war das wohl überdosiert. sie hätte aber mit ihrem Naturell genauso gut bei den Suffragetten, den Zeugen Jehovas,oder der Heilsarmee landen können etc. Aber sie war sich selbst gegenüber ehrlich: Bei den Soldaten an der Front gratis Konzerte zu geben - da gehört schon eine Menge Courage dazu.
Daß sie anschliessend darauf beharrte, ihre Überzeugung beizubehalten ist so etwas wie eine Schutzbehauptung:
Besser mit fliegenden Fahnen erhobenen Hauptes untergehen als mit eingezogenem m Schwanz in einer Ecke um Gnade winseln.
Letztlich zeigt der weitere Verlauf ihrer Karriere, daß ihre Strategie zumindest teilweise erfolgreich war....
Und auch heute: Sie mag umstritten, verfemt und gehasst sein - vergessen ist sie nicht.....................
mfg aus Wien
Alfred
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Immerhin habe ich damals fast nix von EN gewußt
Das trifft auf mich nicht zu. Mein Vater hatte in seiner 78er-Schellacksammlung ein paar Stücke mit ihr, und ich selber hatte - schon Jahre vor dem Bonner Konzert - zwei LPs mit Beethoven-Sonaten in meiner Sammlung, diese und eine weitere mit den Sonaten Nr. 8 & 14, in gleicher Aufmachung, nur statt blau mit violettem Seitenstreifen:

Von ihrer politischen Einstellung während der Nazi-Zeit wußte ich damals allerdings nichts, wie ganz sicher mindestens 90 % der Bevölkerung. Es hätte mich aber auch nicht interessiert. Erst viel später hat man das "an die große Glocke gehängt", um ihren Ruf zu schädigen bzw. zu untergraben, was zum Glück nicht gelungen ist.
Ich fände es durchaus angemessen, daß es neben der Verirrungen der Ney auch die Normalität ihres Daseins, meinethalben auch ihre spleenige Besonderheit zur Kenntnis nehmen würde.
Das sehe ich ganz genau so.
Und auch heute: Sie mag umstritten, verfemt und gehasst sein - vergessen ist sie nicht.....................
Und daran wird sich hoffentlich nichts ändern. Es wäre an der Zeit, endlich künstlerische Leistungen und geistige Verirrungen in unseliger Zeit voneinander zu trennen.
LG Nemorino
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Zitat von nemorino
Erst viel später hat man das "an die große Glocke gehängt", um ihren Ruf zu schädigen bzw. zu untergraben, was zum Glück nicht gelungen ist.
Das hätte an eine noch viel größere Glocke gemusst, aber da waren noch die EWIGEN Altnazis die sie weiterhin hoffierten!
Und wie man merkt gibt es sie weiterhin! (Partei?)
Zitat von nemorinoEs wäre an der Zeit, endlich künstlerische Leistungen und geistige Verirrungen in unseliger Zeit voneinander zu trennen.
Nö, wieso!
Fiesco
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Das hätte an eine noch viel größere Glocke gemusst, aber da waren noch die EWIGEN Altnazis die sie weiterhin hoffierten!
Elly Ney war gewiss kein laut tönendes Sprachrohr über das hinaus, was ohnehin in breitesten Teilen der Bevölkerung gedacht und gesagt wurde. Das opportunistische Anwanzen dürfte wohl über den Kreis der Empfänger des Briefwechsel hinaus niemand mitbekommen haben. Auswirkungen hat's auch nicht gehabt, dafür war ihr Standing vor allem bei J.G. viel zu schlecht. Die Kontinuität des nationalistishen über das Kriegende hinaus ist nichts Neues (die Deutschen haben die Demokratie damals nicht gemocht, aber opportunistisch, wie sie nun mal waren, akzeptiert)
Und wie man merkt gibt es sie weiterhin! (Partei?)
Auch da kann Elly Ney nichts für.
Nö, wieso!
Ich hätte hinter das "Wieso" ja ein Fragezeichen gesetzt. Also:im deutschen Recht ist es so, daß jede Schuld irgendwann verbüßt und der Delinquent ein freier, unbescholtener Mensch ist. Vor der Gnade des Christentums, das Du durch Deine vielen und von mir sehr geschätzten Bach-Postings in Verbindung mit Losungen und Tagesperikopen offenbar sehr hoch hältst, rede ich jetzt nicht. Mit Verlaub: diese Unbarmherzigkeit würde ich am Ehesten bei Protestanten aus einem der beiden deutschen Bible-Belts vermuten.
Letztlich zeigt der weitere Verlauf ihrer Karriere, daß ihre Strategie zumindest teilweise erfolgreich war....
Und auch heute: Sie mag umstritten, verfemt und gehasst sein - vergessen ist sie nich
Sie ist ziemlich schnell geächtet worden, daß das Nürnberge "Colosseum"-Label als Ersatz für DGG und Elektrola eingesprungen ist (zu dem Label habe ich meine eigene Meinung) spricht Bände. Die Electrola hat in ihrer Serie "Unvergessen" zwar einige der Vorkriegsaufnahmen der Ney wieder aufgelegt, um schnell das Vinyl-Portfolio aufzupeppen, neu entstanden ist allerdings lediglich eine Aufnahme von op. 111, und das aus folgendem Grund: Eletrola wollte die 1936er Aufnahme wieder auflegen. Elly Ney wollte aber nicht zustimmen, da sie in den zurückliegenden 20 Jahren andere Ansichten zu dem Werk gewonnen hätte. Und so einigte man sich darauf, ein LP herauszubringen, die op. 111 zweimal enthielt:die Fassung von 1936 und die Neuaufnahme von 1956. Damit war dann bei den großen Labeln Schluß. Bonner Ehrentitel wurden aberkannt, bereits verabredete Auftritte wurden wieder abgesagt (was bei ihrem Kammermusikpartner Ludwig Hölscher nie der Fall war (ich vergaß zu erwähnen: mit dem zusammen entstanden Nachkriegsaufnahmen für DECCA). Aber alles in Allem ließ man sie fallen wie eine heiße Kartoffel. Posthum wird ihr die Ehrenbürgerwürde von Tutzing aberkannt, einen nach ihr benannte Straße wird umgetauft, erfolgreich, lieber Alfred sieht anders aus.
Ich gestehe, daß ich dergleichen einigermaßen fassungslos sehe, vor allem weil sich aktuell eine Generation ihr Mütchen kühlt, die in wärmsten Kissen und Pfühlen aufgewachsen ist, und wohl kaum in der Lage sein dürfte, damalige Vorgänge adäquat einzuordnen. Darin unterscheidet der liebe Fiesco sich immerhin von jenen, der an Jahren ein wenig älter sein dürfte als ich und generationsbedingt einen anderen Zugang hat.
Liebe Grüße vom Thomas

