Die schönsten Bläser-Soli in Opern

  • Grüß Gott zusammen!
    Die Idee zu diesem Thread kam mir gerade eben beim Zähne putzen ... aber halt, das tut ja gar nichts zur Sache!
    Gesucht werden hier also die schönsten Bläser-Soli in der großen Welt der Oper. Ich habe mich auf die Bläser beschränkt, weil es mit Streichern, Schlagzeug... viel zu umfangreich geworden wäre. Bei interesse kann man solche Threads ja noch erstellen.
    Also wo findet man die schönsten Soli für Flöte, Pikkolo, Oboe, Englischhorn, (Bass-)Klarinette, Saxophone, (Kontra-) Fagott, Horn, Trompete, Posaune, Tuba...?


    Ich freue mich auf eine interessante Diskussion!


    Liebe Grüße,
    Gerald

    "Das Höchste in der Kunst - vor Gott besagt's nicht viel.
    Hat doch die Welt zuletzt nur ein moralisch Ziel."
    (Hans Pfitzner)

  • Salü,


    natürlich: Mozart - La clemenza di Tito: "Non più di fiori vaghe catene" mit obligatem Bassetthorn.


    :jubel:
    :jubel: :jubel:
    :jubel: :jubel: :jubel:
    :jubel: :jubel: :jubel: :jubel:
    :jubel: :jubel: :jubel:
    :jubel: :jubel:
    :jubel:


    Ulli

  • Hallo Gerald,


    Donizetti, LUCIA DI LAMMERMOOR


    In der Wahnsinnsszene der Lucia das großartige Flötensolo.


    Das spielt übrigens der Soloflötist der Bayerischen Staatsoper Olivier Tardy ganz wunderbar...


    :hello:


    Elisabeth

  • Nochmal Mozart - diesmal 21 Jahre füher:


    Mithridate, re di Ponto: "Lungi da te, mio bene" mit romantischem Hornsolo.


    Überhaupt hat Sifre die besten Arien im Werk [bis auf Mithridates "Vado incontro"].


    Und dann - ich bin nicht sicher, ob Du es als Bläsersolo zählst - die "Martern-Arie" aus der Entführung - Soli: Violine, Violoncello, Flöte, Oboe. Vorbildlich - und deswegen ebenfalls nennswert - war hier eine Arie aus Johann Chrtistian Bachs "La CLemenza di Scipione".


    :hello:


    Ulli

  • Zitat

    Original von Elisabeth
    Hallo Gerald,


    Donizetti, LUCIA DI LAMMERMOOR


    In der Wahnsinnsszene der Lucia das großartige Flötensolo.


    Im Original übrigens für die Glasharmonika geschrieben.



    Wer diese Szene einmal "original" gehört hat, der mag sich danach nicht mehr so recht an die Flöte gewöhnen...

    Grüße aus der Nähe von Hamburg


    Norbert


    Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten.

    Gustav Mahler


  • Hallo Norbert,


    ich nehme an, dass Du gerade diese Aufnahme mit Beverly Sills hier präsentierst, weil dort die Glasharmonika statt der Flöte zu hören ist?
    Kann ich mir irgendwie gar nicht vorstellen, wie das klingen soll - macht aber neugierig :yes:


    Ansonsten möchte ich auf 2 Arien verweisen, in denen die Trompete zum Einsatz kommt - beide entstammen demselben Themenkreis und sind - dem Instrumentarium entsprechend - eher martialisch-kriegerischer Natur:


    Händels Rinaldo enthält kurz vor Ende die Arie des Titelhelden "Or la tromba in suon festante mi richiama a trionfar" - in der die Altstimme Rinaldos mit der Solotrompete wetteifern kann, soll und muss!
    Wer einmal Marilyn Hornes furiose Version dieser Arie gehört hat (ist meines Wissens auf einem Arien-Recital von ihr enthalten), weiß was ich meine :jubel:


    Und in Haydns Armida ist es ebenfalls Rinaldo, der direkt zu Beginn der Oper eine ähnlich kriegerische Arie zu meistern hat, in der es ebenfalls mit fanfarenartigem Pauken- und Trompetensound direkt zur Sache geht! :hello:


    Ach ja, wo ich gerade bei der Trompete bin:
    Das wundervolle, getragene Vorspiel zur großen Szene des Ernesto in Donizettis Don Pasquale ist auch ein einziges Fest für Trompetenfreunde: Hier geht es nämlich nicht martialisch-schmetternd zur Sache, sondern der Trompeter kann hier zeigen, dass er mit seinem Instrument auch eine zu Herzen gehende, sehnsüchtige Kantilene erzeugen kann! :jubel:

    "Es ist mit dem Witz wie mit der Musick, je mehr man hört, desto feinere Verhältnisse verlangt man."
    (Georg Christoph Lichtenberg, 1773)

  • Schon wieder Mozart :D


    Diesmal das offensichtlichste Solo überhaupt, weil schon die ganze Oper danach heißt:


    das Solo der Zauberflöte, wenn Pamina und Tamino zu ihrem Klang durch Feuer und Wasser gehen.


    Gäbe es eine Tamino - Hauptseite mit Ton, würde es uns bestimmt bei jeder Anmeldung begrüßen, wenn Alfred nicht die weihevollen Orchesterakkorde vorzieht.


    :hello: Rideamus


    PS: muss mal wieder in ERNANI hinein hören, wie das Hornsolo dort ist.


    Und dann erinnere ich vage, dass Wagner dem Vater von Richard Strauss sogar dessen Abneigung gegen seine Musik verziehen hat, weil der seine Hornsoli im TRISTAN so schön spielte. Ich weiß aber nicht mehr, auf welche Stelle(n) er sich dabei bezog.

  • Zitat

    Original von MarcCologne
    Hallo Norbert,


    ich nehme an, dass Du gerade diese Aufnahme mit Beverly Sills hier präsentierst, weil dort die Glasharmonika statt der Flöte zu hören ist?
    Kann ich mir irgendwie gar nicht vorstellen, wie das klingen soll - macht aber neugierig :yes:


    Die Glasharmonika setzte auch Claudio ABBADO ein , als er mit AN für ein Recital die Wahnsinnsszene aufnahm.


    Die Wirkung ist großartig - die Musik wirkt noch wesentlich entrückter.


    Aber damit sind wir genaugenommen schon OT, weil es hier ja um BLÄSER-SOLI gehen soll.


    :hello:


    Elisabeth

  • Zitat

    Und dann - ich bin nicht sicher, ob Du es als Bläsersolo zählst - die "Martern-Arie" aus der Entführung - Soli: Violine, Violoncello, Flöte, Oboe. Vorbildlich - und deswegen ebenfalls nennswert - war hier eine Arie aus Johann Chrtistian Bachs "La CLemenza di Scipione".


    Wir sind ja nicht päpstlicher als der Papst... :) Natürlich kann man's dazuzählen.


    Ich möchte noch das Pikkolo-Solo in Kaspars Rachearie (Freischütz) erwähnen. - Ansonsten ist die Opfer ohnehin ein einziges Horn- und Klarinettensolo.


    Liebe Grüße,
    Gerald

    "Das Höchste in der Kunst - vor Gott besagt's nicht viel.
    Hat doch die Welt zuletzt nur ein moralisch Ziel."
    (Hans Pfitzner)

  • Eigentlich ist diese Anregung ein wenig off topic, weil es sich dabei um ein Trio für zwei Flöten mit Harfenbegleitung handelt und das Werk, in dem es ein wenig wie ein Fremdkörper steht, ein Muli zwischen Oper und Oratorium ist, aber seit ich diesen Thread gelesen habe, spukt mir andauernd das Trio des letzten Teils von Berlioz' L'ENFANCE DU CHRIST im Kopf herum.


    Auch wenn es hier nicht gelten sollte, es ist eines jener Stücke, die man unbedingt (mal wieder) anhören sollte, weil's so schön ist.


    :hello: Rideamus

  • Zitat

    Original von MarcCologne
    Hallo Norbert,


    ich nehme an, dass Du gerade diese Aufnahme mit Beverly Sills hier präsentierst, weil dort die Glasharmonika statt der Flöte zu hören ist?
    Kann ich mir irgendwie gar nicht vorstellen, wie das klingen soll - macht aber neugierig :yes:


    Korrekt.
    Es ist die erste und meines Wissens bisher einzige Gesamtaufnahme, in der die Glasharminika eingesetzt wird.


    Elisabeth hat die Wirkung mit "entrückt" gut beschrieben. Die Szene klingt erheblich feisninniger, "intimer" als mit der Flöte.

    Grüße aus der Nähe von Hamburg


    Norbert


    Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten.

    Gustav Mahler


  • Was wäre der zweite"Siegfried"-Akt oder die Rheinfahrt in "Götterdämmerung" ohne ein gelungenes Hornsolo ? In der ENO durfte der Hornist mit den Sängern sogar vor den Vorhang - fand ich eine nettes Geste.
    Oder der Anfang des dritten "Tosca"Aktes, wenn die Hörner tutti spielen - Gänsehaut pur !
    Und nicht zu vergessen das Englischhornsoli im dritten "Tristan"-Akt...!

  • Zitat

    Original von ulfk179
    Was wäre der zweite"Siegfried"-Akt oder die Rheinfahrt in "Götterdämmerung" ohne ein gelungenes Hornsolo ? ...
    Und nicht zu vergessen das Englischhornsoli im dritten "Tristan"-Akt...!


    Genau das waren die Soli, mit denen Herr Strauss Sr. Richard Wagner so beeindruckte. :]

  • Vor Cavaradossis Arie "E lucevan le stelle" komt ein sehr einfühldames Klarinettensolo, welches unter die Haut geht. :jubel:

    Freundliche Grüße Siegfried

  • Leonores Arie "Abscheulicher, wo eilst du hin?" aus dem 1. Fidelio-Akt wird von Hörnern begleitet, was Leonores Entschlossenheit zur kühnen Rettung anschaulich untermalt.
    :hello:

    Freundliche Grüße Siegfried

  • Im veristischen Schauerdrama "Tiefland" von Eugen d'Albert wird das eröffnende Klarinettensolo mit dem charakteristischen Sehnsuchtsmotiv manchmal vor dem Vorhang gespielt wird, so schon zu Beginn die Gleichberechtigung von Szene und Musik signalisierend.

  • Zitat

    Original von musica
    Die Glöckchenarie aus der Oper Lakmé von Leo Delibes


    :hello:


    Wer bläst denn dort die Glöckchen? :D

    Freundliche Grüße Siegfried

  • Ich weiß nicht, ob es wahr ist. Aber in der Zauberflöte wurden einige Noten durch irgendeiner hinzugefügt für Trompete oder Horn, die wunderschön klingen (könnte es sein beim Anfang des Duetts "Bei Männern, welche Liebe fühlen). ?(


    LG, Paul

  • Zitat

    Original von Siegfried


    Wer bläst denn dort die Glöckchen? :D


    Du hast vollkommen recht, es ist ein Glockenspiel. :untertauch:

  • Zitat

    Original von Jacques Rideamus


    Genau das waren die Soli, mit denen Herr Strauss Sr. Richard Wagner so beeindruckte. :]


    Was hatte Herr Strauss senior mit einem Englisch Horn zu tun?
    Beeindruckende Leistungen von ihm auf diesem Instrument sind mir jedenfalls nicht überliefert, im Gegensatz zu denen auf seinem Waldhorn (French Horn)


    Aber bleiben wir beim zweiten Siegfried-Akt und dem dortigen Englisch-Horn-Solo. "Auf dem Rohre taugt die wonnige Weise mir nicht", singt Siegfried. Seine Versuche, auf der selbstgeschnitzten "Flöte", den Waldvogel nachzuahmen, werden vom Englisch Horn übernommen.


    Ebenfalls auf dem Englisch-Horn im Ring begleitet sind die Versuche Alberichs, sich in eine Kröte zu verwandeln, oder weniger humoristisch das kleine Solo vor "war es so schmählich" in der Walküre.


    Oder wechseln wir zu Wagners italienischem Kollegen Verdi und zu Otello - was wäre das Lied von der Weide ohne die Begleitung durchs Solo Englisch Horn und die Echos auf das Saliche.

    mit freundlichen Grüßen
    Martina
    Auf dem Rohre taugt die wonnige Weise mir nicht!

  • Hallo liebe 'Lauschfreunde' :hello:


    zuerst fällt mir da die begleitende, himmelwärts leitende Oboe in der Florestan-Arie ''Und spür ich nicht linde, sanft säuselnde Luft...'' aus Beethovens Fidelio ein. Neben dem mir atemlos anmutenden Duktus der Singstimme (bei mir W. Windgassen) entfaltet die Oboe mit ihrer girlandengleichen, weich gebundenen Linienführung einen bezaubernden Höreindruck für mich.


    Hier von euch habe ich eben gelernt, daß die auch von mir geliebte Wahnsinnsszene der Lucia aus Donizettis Meisterwerk ursprünglich statt Flöte die Glasharmonika vorsah - was für eine geniale Idee von Donizetti!
    Natürlich darf hier dann auch das mitsingende Fagott in Una Furtiva Lagrima aus L'Elisir d'Amore von Donizetti nicht fehlen.


    Zum Schluß will ich hier auf die Wahnsinnsszene der Maria am Schluß von Tschaikowskis Oper Mazeppa hinweisen. Da wirken mehrere Bläser und Bläsergruppen an dem Wahngespinst von Marias 'Schlaflied' für den sterbenden Andrej mit. Besonders tief hat mich beeindruckt der kurze Ruf der Hörner, der den Flashback an die Ermordung von Marias Vater in der Szene wachruft und den Wahn antreibt.



    Ein hitzefreies Wochenende wünscht euch cygnus :hello:

    2 Mal editiert, zuletzt von cygnus ()

  • Für mich gibt es da nur eins: AIDA... und zwar mit eigens dafür erfundenen Blasinstrumenten!


    Dieser Hammer der Musikgeschichte lebt ja heute noch in der Pop-Kultur weiter. Ich sah im vollbesetzten Berliner Olympiastadion einmal ein Freundschaftspiel des FC Bayern gegen den AC Milan, und die Italiener kamen doch prompt zu den Klängen dieses herrlichen Marsches in die Arena marschiert. Sehr effektvoll...


    Irgendwann später bei Dussmann in der CD-Abteilung wurde ich Zeuge folgenden Gespräches:
    Kunde: "Hamse ooch det Lied aus AIDA, aba mehr so uffjemotzt wie beim Fußball?"
    (Konsternierter, etwas schnöseliger) Verkäufer: "Ääähm...."
    Kunde (singt): "Tä täääääää, tä tä tä tääää tääää tääää..."
    (Peinlich berührter) Verkäufer: "Äh, ja dort drüben, in der Opernabteilung"...


    woraufhin der arme Fußballfan zu einem hohen Regal mit dem Buchstaben V geschickt wurde und ratlos vor etwa 40 Gesamtaufnahmen und Querschnitten von Verdis Aida stand. Ich faßte mir ein Herz, ging hin und riet ihm, wenn er eine aufgemotzte Fußballstadion-Version haben wolle, solle er doch zu KARAJAN greifen... :hahahaha:


    :D
    M.

  • *grins*
    Im Tannhäuer gibt es auch ein hübsches Englisch-Solo bei dem Lied des Hirten im 1. Akt.

    mit freundlichen Grüßen
    Martina
    Auf dem Rohre taugt die wonnige Weise mir nicht!

  • Zitat

    Original von Mengelberg
    Für mich gibt es da nur eins: AIDA... und zwar mit eigens dafür erfundenen Blasinstrumenten!
    ...


    Die Aida-Trompeten bekommt man aber nicht sehr oft zu hören. Wenn ich mich recht erinnere, verwendet sie z.B. Georg Solti in seiner Gesamtaufnahme.


    :hello:

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!



  • Zitat

    Original von cygnus
    Hallo liebe 'Lauschfreunde' :hello:


    zuerst fällt mir da die begleitende, himmelwärts leitende Oboe in der Florestan-Arie ''Und spür ich nicht linde, sanft säuselnde Luft...'' aus Beethovens Fidelio ein. Neben dem mir atemlos anmutenden Duktus der Singstimme (bei mir W. Windgassen) entfaltet die Oboe mit ihrer girlandengleichen, weich gebundenen Linienführung einen bezaubernden Höreindruck für mich.


    Ich teile zwar im Prinzip die Begeisterung über diese Stelle, aber ich glaube, ich habe sie kaum je überzeugend gehört. Es scheint zu hoch für die Oboe zu liegen, jedenfalls klingt sie in dieser isolierten Stelle mir meistens zu gequetscht und spitz.
    Nicht vergessen werden sollten die Klarinetten im Hauptteil der Arie, Trompetensolo im Kerkerquartett und in Leonore III, wo es auch schon einige schöne Flötensoli gibt (in der langsamen Einleitung und der Reprise des Allegro-Teils)


    :hello:


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Hallo Johannes,


    da muß ich dir zustimmen! Darüber hinaus habe ich mir damals (~1963) auch andere Tenöre mit dieser 'Arie' angehört (Anders, Vickers, an die Namen der anderen erinnere ich mich nicht mehr definitiv), war aber nicht mit einer eigentlich zufrieden.
    Als 16-Jährigen interessierte mich eigentlich zuerst die Musik und ihre himmelsstürmende Ekstase :angel:


    Das hohe f''' der Oboe ist in den meisten Aufnahmen auch eher zu hoch und möglicherweise auf den Wiener Oboen auch etwas zu laut.


    Windgassen kaut mir auch zu sehr auf den Tönen herum und teils ist er auch unsauber - wer soll so ein Zeug denn auch anständig singen :O - aber das tut meiner Gänsehaut keinen Abbruch; wie soll man auch mit 'allem Gepäck' so schnell ''ins himmlische Reich'' kommen? :pfeif:


    Grüße von cygnus

  • Es klingt häufig ein wenig angestrengt - da habt Ihr sicher recht.


    Aber zurück zu meinem Englisch Horn-Solo im Tannhäuser. Ein Englisch-Hornist erzählte uns mal, dass er in seinen jungen Jahren dort anstelle des komponierten Notentextes "Ein Jäger aus Kurpfalz" gespielt habe. Es wäre kaum aufgefallen.

    mit freundlichen Grüßen
    Martina
    Auf dem Rohre taugt die wonnige Weise mir nicht!