Nicolai Gedda – vielseitiger unverwechselbarer Tenor

  • Die für mich beste Interpretation dieser Arie ist von Vladimir Grishko. Er verkörpert dabei die russische Seele beim Singen, dagegen klingt Gedda wie eine mechanische Spieluhr. Auf YouTube nachzuhören.

    Freundliche Grüße Siegfried

  • Die für mich beste Interpretation dieser Arie ist von Vladimir Grishko. Er verkörpert dabei die russische Seele beim Singen

    Hallo Siegfried,


    ich denke, Du meinst diese CD?:

    Ich kenne die Aufnahme leider nicht, habe sie aber sofort bestellt.

    dagegen klingt Gedda wie eine mechanische Spieluhr.

    Das soll doch wohl ein Witz sein?! Gedda war ein Stilist von hohen Graden, mit untadeligem Geschmack! Man kann ihn vielleicht mögen oder nicht mögen, aber die Aussage löst bei mir Kopfschütteln aus, sonst nichts. :no:


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Die für mich beste Interpretation dieser Arie ist von Vladimir Grishko. Er verkörpert dabei die russische Seele beim Singen, dagegen klingt Gedda wie eine mechanische Spieluhr. Auf YouTube nachzuhören.

    Dann wollen wir sie uns mal anhören diese Arie mit Grishko:



    Interessant finde ich immer wieder, wie die Wahrnehmungen weit auseinander liegen können. Hier Grishko, dort Gedda, von dem ich allerdings die Studioaufnahme der Arie mit dem Belgrader Orchester nicht finde. Diese hier kommt daran nicht ganz heran:



    Für mich liegen da schon Weit zwischen. Bei Gedda ist nach meinem Empfinden mehr musikalische Linie vorhanden, die Höhe ist leichter und offener. An sich ist die Arie ja ein Unikum. Sie verschwand aus der späteren Fassung der Oper, weil sie stilistisch da nicht hineinpasste und wohl ehr eine Huldigung der italienischen Operntradition darstellt.

    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Selbst die ziemlich unbekannte Aufnahme Geddas mit dem SWR Sinfonieorchester Baden Baden und Freiburg unter Ernest Bour (bei Hänssler Classic) übertrifft die Grishkos. - Gerade gehört.

    "Menschen, die nichts im Leben empfunden haben, können nicht singen."
    Enrico Caruso


    "Non datemi consigli che so sbagliare da solo".
    ("Gebt mir keine Ratschläge, Fehler kann ich auch allein machen".)
    Giuseppe di Stefano

  • Zitat

    Bei Gedda ist nach meinem Empfinden mehr musikalische Linie vorhanden, die Höhe ist leichter und offener.

    Und nicht nur das: er ist einfach in allen Belangen besser als Grishko! Die vielen hohen C's nimmt er völlig ohne Anstrengung, zudem nicht zaghaft, im Mittelteil singt er mit überwältigender Voix mixte das Des (Referenz: Zdrawkowitsch-Aufnahme). Man muss nicht immer einer Meinung sein, aber Geddas Klang hier als "mechanische Spieluhr" zu bezeichnen, halte ich für völlig abwegig.

    "Menschen, die nichts im Leben empfunden haben, können nicht singen."
    Enrico Caruso


    "Non datemi consigli che so sbagliare da solo".
    ("Gebt mir keine Ratschläge, Fehler kann ich auch allein machen".)
    Giuseppe di Stefano

  • Auch ich wurde mit Gedda, den ich übrigens noch live erlebt habe, nie so richtig "warm". Selbstverständlich verfügte er über eine unglaubliche Technik, aber seine Stimme war mir irgendwie zu wenig sinnlich. Unerreicht war er für mich im russischen Repertoire.

    Lieber m.joho,


    mit dem Prädikat "irgendwie zu wenig sinnlich" liegst Du sicher nicht falsch. Das haben viele, auch manche seiner Verehrer, bemängelt. Jürgen Kesting, der deutsche "Stimmenpapst", bringt es zutreffend auf den Punkt: "Geddas Stimme war nie ein sinnlich-erotisches, sondern ein keusches Instrument. Ihr Zauber lag in ihrer Feinheit und Reinheit."

    Was ihn m.E. über sämtliche Tenöre seiner Zeit erhebt, ist seine unbedingte Stilreinheit, sein riesiges Repertoire (er hatte, wie Jürgen Kesting richtig feststellt, "mehr Raritäten im Angebot als Pavarotti Hauptrollen), sein praktisch akzentfreies Singen in sieben Sprachen, die absolute Leichtigkeit und Unangestrengtheit seines Singens (noch einmal Kesting: "Er kann die Stimme - in Nadirs Arie 'Je crois entendre encore' - in der furchterregenden Tessitura mit den Bögen bis zum H strömen lassen und selbst das hohe C mit perfekt fokussierter Voix mixte pflücken wie eine reife Frucht."

    Oder nehmen wir das berühmte Postillon-Lied aus Adams Oper "Der Postillon von Lonjumeau", das Gedda dreimal im Studio aufgenommen hat. Viele namhafte Tenöre wagen sich erst gar nicht an das Stück heran. Ich will nicht zu weit in die Historie gehen, aber soweit ich sehen kann, hat nur Josef Traxel eine mit Gedda vergleichbare tonschöne, höhensichere Version vorgelegt. Rosvaenge, um das zu erwähnen, hat auch keine Angst vor dem hohen D, aber er klingt angestrengter, nicht ganz so mühelos. Bei Gedda hat man den Eindruck, daß er dieses Bravourstück nicht um des hohen D willen singt, aber er singt es so, daß viele Kollegen ihn um sein hohes D beneiden müssen.

    Der berühmte US-Musikkritiker Irving Kollodin faßt seine Eindrücke mit folgendem Satz zusammen: "Geddas Anstrengungen zielen auf die Lösung von Problemen, die der meisten Sänger auf deren Umgehung." Das ist es, was Gedda zu einem Ausnahmesänger unter den großen Tenören des 20. Jahrhunderts gemacht hat.


    LG Nemorino


    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Zitat

    das berühmte Postillon-Lied aus Adams Oper "Der Postillon von Lonjumeau", das Gedda dreimal im Studio aufgenommen hat.

    Kleine Korrektur: Gedda hat es viermal im Studio aufgenommen (1952 unter Stig Rybrant, 1954 unter Ernest Bour, 1961 unter Georges Pretre sowie 1965 unter Fritz Lehan.

    "Menschen, die nichts im Leben empfunden haben, können nicht singen."
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    Giuseppe di Stefano

  • Für mich liegen da schon Weit zwischen. Bei Gedda ist nach meinem Empfinden mehr musikalische Linie vorhanden, die Höhe ist leichter und offener.

    ….. das ist auch mein Empfinden, lieber Rüdiger!


    Ich komme nicht umhin, noch einmal Jürgen Kesting zu zitieren, mit dem ich durchaus nicht immer einer Meinung bin, aber hier kann ich nur jedes Wort unterstreichen: "Mit einer unglaublichen Mühelosigkeit (nicht Stimmkraft!) attackierte er in Glinkas 'Ein Leben für den Zaren' (Markevitch, 1957) als Sobinin die vielen hohen C's der Arie 'Brüder, im Sturm', und im Mittelteil sang er mit seiner exquisit changierenden Voix mixte sogar das Des (später hat er das, mit noch mehr Verve, in dem Recital unter Gika Zdrawkowitsch - seiner vielleicht besten Einzelplatte - wiederholt)." Kesting zählt die letztgenannte von 1969 Version zu den berühmtesten Sammlerstücken!

    er ist einfach in allen Belangen besser als Grishko! Die vielen hohen C's nimmt er völlig ohne Anstrengung, zudem nicht zaghaft, im Mittelteil singt er mit überwältigender Voix mixte das Des (Referenz: Zdrawkowitsch-Aufnahme). Man muss nicht immer einer Meinung sein, aber Geddas Klang hier als "mechanische Spieluhr" zu bezeichnen, halte ich für völlig abwegig.

    Hallo Manfred,


    obwohl Vergleiche am Laptop immer ein bißchen problematisch sind (ich kann ihn nicht mit meiner Anlage verbinden) kann ich Dir nur zustimmen. Sicher spielt immer der persönliche Geschmack eine wichtige Rolle, und Grishkos "direkteres" Singen wird auf viele seinen Eindruck nicht verfehlen, aber Gedda auf die Stufe einer "mechanischen Spieluhr" zu bringen, ist völlig daneben und zeugt vin Voreingenommenheit. Und "russische Seele" kann man Nicolai Gedda auch nicht absprechen, sein Vater war Russe, und man muß nur an sein schon mehrfach erwähntes Recital mit russischen Arien erinnern:

    Berühmte russische Arien / 1C 063-28 070


    um m.johos Feststellung

    Unerreicht war er für mich im russischen Repertoire.

    bestätigt zu finden. Leider ist diese LP m.W. nie zur Gänze auf CD überspielt worden. Man muß sich die einzelnen Stücke in diversen CD-Ausgaben zusammensuchen.


    Ich bin jetzt gespannt auf die CD von Vladimir Grishko, die ich mir gestern bestellt habe.


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • 1954 unter Ernest Bour

    Hallo Manfred,


    das dürfte sich aber um eine Rundfunkproduktion des ehemaligen SWF handeln. Gibt es die irgendwo auf CD?


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Lieber Manfred,


    meine Frage hat sich schon erledigt, ich habe erst jetzt Deinen Eintrag 224 gesehen. Es handelt sich wohl um diese Hänssler-Ausgabe:

    Von deren Existenz hatte ich bisher nichts mitbekommen. Danke!


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

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  • Hallo Nemorino,


    so ist es. Auch die Arie des Sobinin ist hier drauf. Die CD erschien erst nach Veröffentlichung der Kesting-Bücher, daher sprach er auch immer von 3 Aufnahmen des Postillon-Liedes, die im Studio entstanden seien.



    LG

    Manfred

    "Menschen, die nichts im Leben empfunden haben, können nicht singen."
    Enrico Caruso


    "Non datemi consigli che so sbagliare da solo".
    ("Gebt mir keine Ratschläge, Fehler kann ich auch allein machen".)
    Giuseppe di Stefano

  • Lieber Manfred,


    nochmals vielen Dank für den Hinweis auf die Hänssler-CD, habe sie gleich bestellt!


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Ohne Zweifel war Nicolai Gedda einer der bedeutendsten Tenöre des vorigen Jahrhunderts.

    So vielseitig Nicolai Gedda auch war, er hat sich verhältnismäßig wenig mit Verdi beschäftigt.



    Und ich meine, das war auch gut so. Bei aller Wertschätzung, halte ich ihn und seine Stimme, weder für Verdi oder Puccini ideal.

    Im Laufe dieses Threads wurden ja schon viele seiner anderen großartigen Aufnahmen zurecht lobend erwähnt.

    Vielleicht kennt und weiß es nicht jeder und deshalb möchte ich mit einem Hinweis ergänzen:

    Nicolai Gedda hat auch in zwei Aufnahmen von 1958 und 59 die Tenorpartie in Beethovens "Missa solemnis" gesungen.

    Diese Aufnahme habe ich seit vielen Jahrzehnten:


    Ludwig van Beethoven - Missa Solemnis, op. 123

    Elisabeth Schwarzkopf (soprano)
    Christa Ludwig (mezzosoprano)
    Nicolai Gedda (tenor)
    Nicola Zaccaria (bass)
    Philharmonia Orchestra Wiener Singverein
    Herbert von Karajan
    recorded in 1958


    Und dann gibt es noch diese Aufnahme in teilweise anderer Besetzung:

    Leontyne Price, soprano
    Christa Ludwig, contralto
    Nicolai Gedda, tenor
    Nicola Zaccaria, bass
    Franz Sauer, organ

    Singverein der Gesellschaft der Musikfreunde Wien
    (choral master: Reinhold Schmid)
    Wiener Philharmoniker (Vienna Philharmonic Orchestra)
    Willi Boskovsky, violin solo
    Conducted by Herbert von Karajan
    Salzburger Festspiele, 19. VIII. 1959


    CHRISSY

    Jegliches hat seine Zeit...

  • Und ich meine, das war auch gut so. Bei aller Wertschätzung, halte ich ihn und seine Stimme, weder für Verdi oder Puccini ideal.

    Lieber Chrissy,


    zumindest bei Puccini würde ich diese Ansicht so nicht teilen; hier kann man zum Beispiel "Recondita armonia" hören aus Puccinis Tosca, das klingt für mich schon sehr ünberzeugend; für mich widerlegt es auch die in vorherigen Beiträgen geäußerte Ansicht, er habe eine "unsinnliche" Stimmfärbung; das kann ich jetzt überhaupt nicht finden; man höre ihn nur in Massenets "Thais", da singt er temperament- und glutvoll, mit Verve und Hingabe, da finde ich keineswegs, dass es ihm da an sinnlichem Schmelz gemangelt hätte.



  • Lieber Chrissy,


    Du glaubst gar nicht, wie sehr ich erfreut war, heute früh - nach langer Pause - mal wieder einen Beitrag von Dir zu sehen! Sei herzlich willkommen, verbunden mit der Hoffnung, hier wieder mehr von Dir zu hören. Die "Opern-Fraktion" ist sehr ausgedörrt, da braucht es dringend neuer Impulse!

    Ohne Zweifel war Nicolai Gedda einer der bedeutendsten Tenöre des vorigen Jahrhunderts.

    Darin sind wir uns sowas von einig, lieber Chrissy! Ich werde im Lauf des Tages zu dem Verdi-Sänger Gedda noch ein paar Worte sagen, wollte Dich vorerst nur hier begrüßen.

    Nicolai Gedda hat auch in zwei Aufnahmen von 1958 und 59 die Tenorpartie in Beethovens "Missa solemnis" gesungen.

    Die Studio-Aufnahme davon hatte ich schon auf LP und später auf CD neu gekauft. Ich habe sie hier an anderer Stelle schon mehrfach gepriesen:

    Den Live-Mitschnitt kenne ich allerdings nicht.


    Ganz liebe Grüße,

    Nemorino :hello:

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Bei aller Wertschätzung, halte ich ihn und seine Stimme, weder für Verdi oder Puccini ideal.

    Lieber chrissy,


    so generell würde ich das nicht sagen. Da stimme ich mit Don Gaiferos völlig überein. Vor allem hat er in der Schippers-Aufnahme (EMI) mit Mirella Freni einen lupenreinen Rodolfo gesungen, vielleicht nicht so emphatisch wie Bergonzi oder Tagliavini, aber mit einer makellosen Stimmführung und wunderbaren Schattierungen. Neben Callas in Karajans Butterfly von 1956 singt er ebenfalls sehr schön, aber hier fehlt ihm in der Tat der erotische Ton in der Stimme, die nun einmal die Rolle des Pinkerton verlangt.

    Als Cavaradossi kann ich ihn mir auf der Bühne nicht vorstellen, er hat diese Rolle wohl auch nicht gesungen. Doch die beiden Arien aus der TOSCA werden wiederum von ihm sehr schön illuminiert, besonders gefällt mir die Sternen-Arie des 3. Aktes. Da braucht er keine Konkurrenz zu fürchten. Weil er eben ein "denkender" Sänger war, dem es nicht um Effekthascherei, sondern um eine optimale Darstellung der Rolle ging. Ähnliches gilt für die Kalaf-Arie aus TURANDOT. Auch hier war er klug genug, diese stimmenmordende Rolle nicht im Opernhaus zu singen. Doch die Arie ist von einer Vollkommenheit, von der manche "Rampentenöre" nur träumen können.


    Auch was Verdi angeht, so hat Gedda sehr klug alle Partien gemieden, die seiner Stimme hätten Schaden zufügen können. Er sang komplett m.W. nur den Alfredo in der "La Traviata" sowie den "Rigoletto", und in beiden Rollen kann er sich hören lassen, obwohl er hier starke Konkurrenz hatte: vor allem Bergonzi, aber auch Alfredo Kraus (der als Duca ohnehin nicht zu toppen war) und Domingo. In seinen GA dieser Opern ist er leider nicht von idealen Partnern umgeben, wie schon früher ausgeführt.

    Einen Othello hätte er niemals glaubhaft darstellen können, dafür fehlte ihm die Stimmkraft, ebensowenig den Manrico in "Trovatore" oder den Alvaro in "Die Macht des Schicksals". Die große Arie daraus hat er (in deutsch) allerdings vorbildlich gesungen. Auch der Radamès lag außerhalb seiner Möglichkeiten, immerhin hat er die große Arie des 1. Aktes hinterlassen und das Schlußduett in einer frühen Aufnahme. Und nicht zu vergessen die Tenor-Partie im Requiem, unter Giulini (EMI), eine seiner Sternstunden.


    Den Arrigo in "Die sizilianische Vesper" hat er in der MET gesungen - und die Rolle gleich wieder aufgegeben, weil er spürte, daß er damit seiner Stimme schaden würde. Hingegen habe ich immer bedauert, daß ihm nicht die Chance geboten wurde, den Carlos in einer GA zu verkörpern. So müssen wir uns mit dem schon weiter oben genannten deutschen Querschnitt unter Patané begnügen. Immerhin singt er da wesentliche Teile der Partie, die Arie des 1. Aktes, das Freundschaftsduett und die Sterbeszene mit Rodrigo.


    Es gab ein Recital "Gedda singt berühmte italienische Arien" von ca. 1969:

    Singt berühmte italienische Arien / Vinyl record [Vinyl-LP]

    das m.W. nie komplett auf CD übertragen wurde, aber man findet mit etwas Geduld die einzelnen Stücke auf diverse CD-Ausgaben verteilt. In ähnlicher Aufmachung gab es auch LPs mit russischen, französischen und deutschen Arien.


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Den Arrigo in "Die sizilianische Vesper" hat er in der MET gesungen

    Wer sich von seinem Auftritt im März 1974 selbst ein Bild machen möchte, der hat hier die Gelegenheit:

    I Vespri Siciliani

    Er singt hier an der Seite von Montserrat Caballé (Elena) und Sherrill Milnes (Montfort), Dirigent des Abends war James Levine.


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Lieber Chrissy,


    Du glaubst gar nicht, wie sehr ich erfreut war, heute früh - nach langer Pause - mal wieder einen Beitrag von Dir zu sehen! Sei herzlich willkommen, verbunden mit der Hoffnung, hier wieder mehr von Dir zu hören.

    Lieber Nemorino,

    zunächst einmal ganz herzlichen Dank für Deine freundliche berührende Begrüßung, worüber ich mich wiederum ganz sehr gefreut habe.


    Zitat von chrissy
    Nicolai Gedda hat auch in zwei Aufnahmen von 1958 und 59 die Tenorpartie in Beethovens "Missa solemnis" gesungen.

    Die Studio-Aufnahme davon hatte ich schon auf LP und später auf CD neu gekauft. Ich habe sie hier an anderer Stelle schon mehrfach gepriesen:

    Den Live-Mitschnitt kenne ich allerdings nicht.


    Da muß ich mich entschuldigen, das habe ich nicht gelesen oder übersehen, dachte, ich teile etwas Neues mit.


    Mein Dank auch an Dich und Don Gaiferos für Eure interessanten Antworten.

    Selbstverständlich stimme ich Euch zu, daß Gedda auch die von Euch erwähnten Aufnahmen großartig singt.

    Alleine schon der hohe langgehaltene Schlußton in der Tosca - Arie klingt großartig. Und doch habe ich das Empfinden,

    die Verdi und Puccini Partien sind irgendwie nicht ganz ideal für ihn, sind ihm "nicht auf den Leib komponiert".

    Bei aller wohlklingenden Klangschönheit ist er für mich nicht der berührende, leidenschaftliche Typ.

    Natürlich spielen da auch bei mir persönliche manifestierte Hörgewohnheiten eine große Rolle.

    Wenn ich z. B. an den Rodolfo in der Bohéme denke, da gibt es viele großartige Interpreten, die ich schätze und auch mag.

    Aber für mich ist einzig und allein nur Pavarotti mit weitem Abstand ideal in dieser Partie.

    Das alles ändert aber nichts daran, daß auch ich Gedda für einen der bedeutendsten Tenöre des vorigen Jahrhunderts halte.


    Nochmal meinen Dank an Euch beide. Und falls wir vorher nichts voneinander hören, bzw. lesen,

    wünsche ich Euch schon jetzt mit herzlichen Grüßen einen schönen 4. Advent und ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest.


    CHRISSY

    Jegliches hat seine Zeit...

  • Da muß ich mich entschuldigen, das habe ich nicht gelesen oder übersehen

    Lieber chrissy,


    das ist kein Grund zur Entschuldigung! Das war in ganz anderen Threads, einmal unter "Beethoven Missa Solemnis", und dann noch in irgendeinem Karajan-Thread. Wenn man hier alles lesen wollte, müßte der Tag 26 Stunden haben.

    Und doch habe ich das Empfinden, die Verdi und Puccini Partien sind irgendwie nicht ganz ideal für ihn, sind ihm "nicht auf den Leib komponiert".

    Bei aller wohlklingenden Klangschönheit ist er für mich nicht der berührende, leidenschaftliche Typ.

    So wie Du das formulierst, kann ich dem nur zustimmen! Die italienische Oper war nicht Geddas "ureigenstes Gebiet", da waren ihm andere voraus. Ihm fehlt, was ja auch viele andere feststellen, die "Italianità", die z.B. sein Landsmann Jussi Björling souverän beherrschte. Der ist, neben Carlo Bergonzi (Serafin, Decca 1959) in seiner EMI-Aufnahme von 1956 unter Sir Thomas Beecham für mich der überzeugendste Rodolfo. Pavarotti hat natürlich sehr viel Schmelz und auch Erotik in der Stimme, dazu noch mit Karajan einen vorzüglichen Puccini-Kenner und eine schier umwerfende Klangtechnik zur Verfügung, aber mir gefallen ganz einfach Björling und Bergonzi in dieser Rolle am besten. Doch das ist sicher reine Geschmacksache und soll keineswegs Pavarottis Leistung abwerten.


    Zurück zu Gedda: Er war ein Universalkünstler, der sieben Sprachen perfekt beherrschte und praktisch auf allen musikalischen Hochzeiten, sei es Oper, Operette, Oratorium, Sakralmusik, Lied, "tanzen" konnte. Aber selbst ein Jahrhunderttenor, wie man ihn zu Recht genannt hat, kann nicht überall gleich gut sein. Was die Oper angeht, so waren seine Stärken vor allem das französische und russische Fach, da war er m.E. unschlagbar, und selbstverständlich auch die deutsche Oper, von Mozart bis zu Lortzing und Nicolai. Klugerweise hat er um Wagner einen Bogen gemacht; dessen Werke lagen außerhalb seiner Möglichkeiten, obwohl er einige Stücke daraus so wunderbar gesungen hat, wie sie wohl auf dem berühmten Grünen Hügel in Bayreuth nach dem Krieg nicht mehr zu hören waren. Ich denke da vornehmlich an die beiden Lohengrin-Ausschnitte, die Gralserzählung und Lohengrins Abschied "Mein lieber Schwan" (EMI). Er hat die Rolle in seiner Heimat Schweden sogar einmal auf der Bühne gesungen, doch festgestellt, daß er damit seiner Stimme keinen Gefallen tun würde.

    Warum er die beiden Stolzing-Arien aus den "Meistersingern" nicht aufgenommen hat, ist eigentlich unverständlich, sie wären ihm doch wie reife Früchte in den Schoß gefallen. Auch die Partie des Steuermanns im "Holländer" hätte ihm liegen müssen, aber soweit ich sehen kann, gibt es davon weder Aufnahmen noch Mitschnitte.


    So bleibt es dabei, daß Verdi und Puccini in Geddas Karriere nur eine Nebenrolle gespielt haben. Auch Bellini, Donizetti und Rossini blieben Randerscheinungen. Doch was er in Recitals und den wenigen GA uns auf diesem Gebiet hinterlassen hat, sollte man trotzdem nicht geringachten. Was ihm an sinnlicher Ausstrahlung fehlte, das ersetzte er reich durch seinen geschmackvollen, stets stilreinen Gesang.


    In der Hoffnung, in Zukunft wieder öfter von Dir zu hören, wünsche ich Dir ebenfalls schon jetzt einen schönen 4. Adventsonntag und ein friedliches, schönes Weihnachtsfest.


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Zurück zu Gedda: Er war ein Universalkünstler, der sieben Sprachen perfekt beherrschte und praktisch auf allen musikalischen Hochzeiten, sei es Oper, Operette, Oratorium, Sakralmusik, Lied, "tanzen" konnte. Aber selbst ein Jahrhunderttenor, wie man ihn zu Recht genannt hat, kann nicht überall gleich gut sein.

    Das ist wohl wahr. Insofern kommt es mir bei Gedda immer ein wenig so vor, als habe er doch nicht sein können, was er alles sein wollte. Mit Verdi und Puccini sehe ich ihn - so wie Chrissy das beobachtet hatte - auch nicht sehr gut beraten. Immerhin hat er einiges davon gesungen. Den "Ballo"-Riccardo sogar zweimal in Wien, den Arrigo und den Alfredo an der Met. Die Platten-"Traviata" mit der Sills gefällt mir immer noch sehr gut. Er wirkt da sehr sensibel auf mich. War Gedda nicht einer der ersten, der die Stetta im Landhaus auf Platte sang?


    Und dann, lieber nemorino, hat er Sachen gemacht, die mich regelrecht umhauen, so perfekt empfinde ich sie. Du wirst Dir denken können, dass ich damit auf die Introuvables-Box anspiele, die ich nach Deiner Empfehlung anschaffte. :) Die nordischen Lieder zum Beisiel habe ich so noch nie gehört. Er vollbringt das Wunder, sie so zu singen, dass man sie versteht, ohne die Sprachen, in denen sie komponiert sind, zu beherrschen. In die Kategorie der Perfektion Geddas würde ich auch diese Aufnahme einordnen:


    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

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  • Insofern kommt es mir bei Gedda immer ein wenig so vor, als habe er doch nicht sein können, was er alles sein wollte.

    Lieber Rüdiger,


    … das paßt eigentlich wenig zu seinem Charakter und zu seiner Einstellung. Er hat aus weiser Einsicht (fast) immer die Partien gemieden, die seiner Stimme nicht zuträglich waren. Und daß er ein bescheidener, fast demütiger Mensch war, kann man sehr gut in seinen Memoiren nachlesen:

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    Das hochinteressante Buch war lange sündhaft teuer, z.Zt. ist es beim großen Urwaldfluß für wenig Geld zu haben. Ich mußte seinerzeit fast 50 € dafür hinblättern:(.

    War Gedda nicht einer der ersten, der die Stetta im Landhaus auf Platte sang?

    Einer der ersten mag sein, aber ganz sicher nicht der erste! Ich habe die beiden GA mit Bergonzi (Pritchard, Decca 1962 & Prêtre, RCA 1967), in beiden ist sie mit dabei. Da ich nicht alle GA der "La Traviata" kenne, weiß ich nicht, wer die Stretta als erstes darin gesungen hat. Auf deutsch gibt es sie übrigens großartig mit Josef Traxel in einem Recital. Die meisten Tenöre haben Angst vor dem Stück!

    Mit Verdi und Puccini sehe ich ihn - so wie Chrissy das beobachtet hatte - auch nicht sehr gut beraten. Immerhin hat er einiges davon gesungen.

    Er hat sich aber auf die Partien beschränkt, die in seiner Reichweite lagen. Den "Maskenball" gibt es leider nicht als GA mit ihm, der Riccardo war für ihn doch wie geschaffen. Auch den Herzog im "Rigoletto" (EMI) hat er sehr einfühlsam und edel gestaltet, aber da ist die Konkurrenz mit Alfredo Kraus, Tagliavini, Bergonzi und Björling ihm um eine Nasenlänge voraus.

    Die Platten-"Traviata" mit der Sills gefällt mir immer noch sehr gut.

    Da kann ich Deine Begeisterung nur partiell teilen. Gedda singt zwar stilrein und schön, der Alfredo war für ihn eigentlich eine Paraderolle, aber mir gefällt die Sills nicht sonderlich, sie bleibt mir als Violetta zu blaß, und Ceccato verschleppt mit seinen lethargischen Tempi schon das Vorspiel, und auch im Stück selber ist er mir zu langsam. Ich hatte die Aufnahme auf LP, habe aber nur einen Querschnitt auf CD neu gekauft.


    Die nordischen Lieder aus der "Introuvable"-Box habe ich lange nicht gehört, da ist meine Erinnerung nicht ganz frisch.

    Aber die Operetten von Léhar und J. Strauß aus der 50er Jahre-Serie unter Karajan (Fledermaus) und Ackermann (Zigeunerbaron, Nacht in Venedig, Wiener Blut, Lustige Witwe, Land des Lächelns, alle EMI) sind wirklich alle unschlagbar, auch wegen seiner Partner. Walter Legge hat sie zu Recht Aufnahmen aus der "Goldenen Zeit der Operette" genannt, obwohl diese eigentlich schon längst vorüber war. Sie entstanden alle in den frühen 50ern, leider noch Mono. Aber das vergißt man gerne wegen der herrlichen Leistungen. Ich habe sie sämtlich auf CD, obwohl ich eigentlich kein Operetten-Fan bin.


    Schönen Abend und

    LG, Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Als Cavaradossi kann ich ihn mir auf der Bühne nicht vorstellen, er hat diese Rolle wohl auch nicht gesungen.

    Lieber Nemorino,


    das stimmt nicht ganz! Es ist sicher wahr, dass er diese Rolle eher selten gesungen hat, aber er hat sie durchaus in Gänze auf die Bühne gebracht!


    Hier kannst Du sogar ein Liveaufnahme aus Nizza aus dem Jahre 1987 hören (Als Scarpia Theo Adam!).


    https://www.podcasts.com/hande…de/nicolai-gedda-in-tosca


    Aus ziemlicher Distanz und mit klanglichen Einschränkungen versehen, kann man diesen Mitschnitt dennoch, wie ich meine, durchaus mit Genuss hören; ich finde, dass dieses Zeugnis sehr eindrucksvoll ist.


    Liebe Grüße an Dich, lieber Nemorino, und an Chrissi, Deine neuerliche Beteiligung im Forum freut mich sehr, beste Wünsche für die Adventszeit

  • Aus gegebenem Anlass möchte ich nochmals auf eine nie veröffentlichte Studioaufnahme der "Tosca" mit Gedda zu sprechen kommen. Sie spielte bereits einmal eine Rolle im Forum. Ich darf mich zitieren:

    Im Juni 1988 (das sind meine Informationen) wurde bei Sony sogar eine Studioeinspielung der "Tosca" mit Anna Tomowa-Sintow produziert. Cavaraossi ist Nicolai Gedda, Scarpia Ingvar Wixell. Sie wurde von dem bulgarischen Dirigenten Emil Tschakarow geleitet. Diese Aufnahme wurde schließlich nicht freigegeben, fand aber doch einen heimlichen Weg in Sammlerkreise. Wer sie je gehört hat, kann verstehen, warum sie im Archiv bleiben sollte. Sie kommt für die Sängerin zu spät. Und auch Gedda macht - wie ich finde - keine glückliche Figur. Es war nicht sein Fach.

    Ich habe nochmals hineingehört und blieb verstört zurück. :no: Die Tomowa und Gedda klingen grau, müde und sind nicht mehr in der Lage, Töne zu halten. Wenn meine Rechnung stimmen sollte, entstand diese Produktion ein Jahr nach dem von Don eingestellten Mitschnitt aus Nizza, den ich - mit Verlaub - auch für ziemlich grenzwertig halte. Nicht zuletzt wegen Adam, der stimmlich nach meinem Endruck auch am Ende ist und nur noch brüllt. :(


    Weiß jemand, ob in dem von Nemorino weiter oben empfohlenen Buch Geddas dazu etwas zu der verunglückten Studioaufnahme steht? Ich habe mir das Buch auf diesen Rat hin bestellt, es ist aber noch nicht eingetroffen.

    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Es ist sicher wahr, dass er diese Rolle eher selten gesungen hat, aber er hat sie durchaus in Gänze auf die Bühne gebracht!

    Lieber Don Gaiferos,


    das war mir gänzlich unbekannt. Man lernt nie aus! Ich kenne weder die Live-Aufzeichnung aus Nizza noch die von Rheingold genannte, offiziell nicht veröffentlichte Studio-Aufnahme.

    Die Tomowa und Gedda klingen grau, müde und sind nicht mehr in der Lage, Töne zu halten.

    Lieber Rüdiger,


    mir ist unverständlich, daß ein Sänger vom Format Nicolai Geddas sich auf dieses Abenteuer überhaupt eingelassen hat. Welcher Teufel mag ihn da geritten haben? Wie heißt es in einem alten Sprichwort: "Alter schützt vor Torheit nicht!"

    Ich komme nicht umhin, wieder einmal Jürgen Kesting zu Rate zu ziehen. Er, ein bekennender Gedda-Verehrer, schreibt: ".... er hat zudem zu lange aufgenommen - noch in einer Zeit, als die Stimme ihre feine Permutt-Glätte verloren hatte und der Klang sauer geworden war."

    Theo Adam kann ich mir als Scarpia überhaupt nicht vorstellen, Ingvar Wixell schon eher - aber das nur am Rande. Wie gesagt, mir sind beide Tondokumente unbekannt, und was ihr davon berichtet, weckt auch nicht den Wunsch in mir, das zu ändern.


    Ehrlich gesagt, ich war überrascht und sogar recht verstört, als ich las, daß Gedda sich dazu verleiten ließ, überhaupt den Cavaradossi komplett zu singen, und das auch noch, nachdem seine Karriere sich bereits dem Ende zuneigte. Unglaublich, aber wahr ….:no:

    Weiß jemand, ob in dem von Nemorino weiter oben empfohlenen Buch Geddas dazu etwas zu der verunglückten Studioaufnahme steht?

    Das Buch steht bei mir im Schrank, ich habe jetzt nicht nachgeschaut, aber ich bin mir so gut wie sicher, daß darüber nichts darin steht. Sonst hätte ich das bestimmt noch im Sinn. Vermutlich hat er selber eingesehen, daß er sich damit keinen Gefallen getan hat, und seinen zahlreichen Verehrern auch nicht.

    ziemlich grenzwertig

    scheint mir da noch geschmeichelt! Doch wir sollten uns dadurch nicht unsere Zuneigung zu diesem großartigen Sänger verderben lassen. Unter tausend guten Früchten findet sich immer eine taube Nuß ….


    Liebe Grüße,

    Nemorino


    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Guten Tag zusammen!


    Ich glaube, die Anzahl der Sängerinnen und Sänger, die klug genug waren, wirklich zum bestmöglichen Zeitpunkt in ihrer Karriere auf die Aufzeichnung weiterer Tondokumente zu verzichten, ist weitaus geringer als die derjenigen, die es sich nicht verkneifen konnte, doch noch eine letzte und allerletzte Aufnahme (Abschiedstournee sowieso, aber das ist noch ein anderes Thema) zu machen. Auch die ganz großen Namen waren darunter. Sehr oft war das die falsche Entscheidung. Man fragt sich nur immer, warum machen die das, was ist es? Ist es das Geld, Überschätzung der eigenen Fähigkeiten, die Eitelkeit oder was sonst? Haben die Künstler keine guten Freunde und Berater, die ihnen abraten? Und warum wird dieser alte Fehler immer wieder von der nächsten Generation wiederholt ? Wie war das bei berühmten Pianisten oder Dirigenten, waren die i.d.R. klüger als ihre Sängerkollegen?


    Dies nur als kleine Nebenbemerkung, die mir bei der Erwähnung der 88er "Tosca" ( obschon nicht offiziell veröffentlicht) oben in den Sinn am. Sollten wir bei Bedarf vielleicht woanders diskutieren.


    LG...MDM schneemann_39.gif

    >>So it is written, and so it shall be done.<<

  • Lieber Rüdiger, lieber Nemorino

    Vielen Dank für Eure interessanten Antworten und Meinungen.

    Man möge mir verzeihen, wenn ich jetzt vielleicht etwas vom eigentlichen Thema abweiche, aber das muß ich unbedingt loswerden.

    Ich habe nochmals hineingehört und blieb verstört zurück. :no: Die Tomowa und Gedda klingen grau, müde und sind nicht mehr in der Lage, Töne zu halten. Wenn meine Rechnung stimmen sollte, entstand diese Produktion ein Jahr nach dem von Don eingestellten Mitschnitt aus Nizza, den ich - mit Verlaub - auch für ziemlich grenzwertig halte. Nicht zuletzt wegen Adam, der stimmlich nach meinem Endruck auch am Ende ist und nur noch brüllt. :(

    Auszugsweise Zitat Nemorino: Theo Adam kann ich mir als Scarpia überhaupt nicht vorstellen,


    Doch, lieber Nemorino, doch!!! Ich kann mir bis zum heutigen Tag keinen besseren vorstellen oder wünschen. Die Partie des Scarpia

    war ihm stimmlich, wie darstellerisch und optisch, wie auf den Leib geschrieben. Und das sage ich, der nie ein Fan von Adam war.

    Dasselbe gilt für die beiden anderen Solisten Anna Tomowa Sintow als Tosca und Ruggiero Orofino als Cavaradossi.

    Für mich sind diese drei nach wie vor das Nonplusultra und unerreicht! Ich spreche natürlich von ihren Glanzzeiten!

    Ich hatte das Glück die Tosca viele, viele Male seinerzeit in der Deutschen Staatsoper Berlin zu erleben.

    Besonders nachhaltig ist mir die erste Vorstellung nach der Premiere in glücklicher und dankbarer Erinnerung geblieben.

    Man hat das ja nicht immer - aber an diesem Abend waren alle in absoluter Höchstform von Weltklasse.

    Diese Vorstellung war eine absolute Sternstunde, die auf jeder Bühne in der Welt ganz sicher gefeiert und bejubelt worden wäre.

    Der Beifall, die Bravo Rufe, mit jubeln, trampeln und klatschen wollten in der Staatsoper kein Ende nehmen. Ich weiß noch genau,

    wir als Zuschauer waren dann davon total erschöpft. Dieser Abend war vielleicht für mich der Allerschönste und für immer unvergeßlich!!!

    Ich bin unendlich dankbar, dies erlebt zu haben. Und mit den vielen anderen großartigen erlebten Vorstellungen muß ich immer

    wieder sagen - die Deutsche Staatsoper mit ihrem damals hervorragenden Ensemble und den großartigen werkgetreuen Inszenierungen,

    hat mich für alle Zeit geprägt und meinen Geschmack und meine Vorstellung, sowie meine Erwartung an eine Aufführung für immer beeinflußt.


    Aber um beim Thema Gedda zu bleiben, noch ein Hinweis:

    Lieber Nemorino, ich weiß nicht, ob Du diesen Thread ganz gelesen hast. Deshalb verweise ich auf meinen Btr. 189.

    Dort habe ich seinerzeit zwei Aufnahmen reingestellt mit russischen Volksliedern. Und hier muß ich sagen - großartig, das macht ihm keiner nach!


    Herzliche Grüße

    CHRISSY

    Jegliches hat seine Zeit...

  • auch bei dieser Aufnahme scheint der Lack schon etwas abgeblättert zu sein

    Hallo Siegfried,


    …. nicht nur der Lack;(! Wenn man dagegen seinen Herzog in der EMI-Aufnahme von 1967 vergleicht, da liegen Welten dazwischen. Dieser Mitschnitt hier hätte niemals ans Licht gelangen dürfen!


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Auszugsweise Zitat Nemorino: Theo Adam kann ich mir als Scarpia überhaupt nicht vorstellen,


    Doch, lieber Nemorino, doch!!! Ich kann mir bis zum heutigen Tag keinen besseren vorstellen oder wünschen. Die Partie des Scarpia

    war ihm stimmlich, wie darstellerisch und optisch, wie auf den Leib geschrieben. Und das sage ich, der nie ein Fan von Adam war.

    Lieber chrissy,


    bitte nimm mir diese Bemerkung nicht allzu übel, ich habe natürlich Theo Adam überhaupt nie auf der Bühne erlebt, erst recht nicht als Scarpia! Ich kenne überhaupt nur recht wenige Aufnahmen von ihm, und da hat er mir nie einen sonderlich guten Eindruck gemacht. Ich nenne spontan zwei Aufnahmen:

    1) Holländer unter Klemperer, 2) Hans Sachs unter Karajan, beide EMI. Als Holländer singt er IMO weit unter Form, und auch als Sachs ist er nicht sehr beeindruckend.

    Daß er den Scarpia überhaupt in seinem Repertoire hatte, wußte ich gar nicht. Eine Bühnenaufführung hinterläßt natürlich immer ganz besondere Eindrücke.

    Ich habe die "Tosca" dreimal auf der Bühne erlebt, das ist fast 40 bzw. 50 Jahre her, so daß ich da keine Vergleiche mehr ziehen kann. Meine "Lieblings-Scarpias" waren Taddei (Karajan, Decca), Gobbi (de Sabata & Prêtre, EMI) und Warren (Leinsdorf, RCA). Aber die kenne ich nur von der Platte.

    ich weiß nicht, ob Du diesen Thread ganz gelesen hast. Deshalb verweise ich auf meinen Btr. 189.

    Nein, leider nicht, lieber chrissy! Ich werde mir die Lieder später noch anhören, war bis jetzt außer Haus. Aber ich glaube Dir das auch so, im russischen Repertoire war Gedda nicht zu schlagen.


    Auch an Dich schöne Grüße,

    Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Lieber chrissy,


    bitte nimm mir diese Bemerkung nicht allzu übel, ich habe natürlich Theo Adam überhaupt nie auf der Bühne erlebt, erst recht nicht als Scarpia! I

    Ach was, lieber Nemorino, keine Sorge, weshalb sollte ich Dir das übel nehmen?

    Ich kann ja auch nur aus meiner Erinnerung sagen, als Scarpia war Theo Adam für mich für diese Partie in allem ideal!

    Zusammen mit Tomowa Sintow und Orofino waren alle Drei überragend und großartig. Wie gesagt, ich spreche von ihren Glanzzeiten!


    Die beiden russischen Volkslieder mit Gedda werden Dir, da bich ich mir ganz sicher, Freude und Genuß bereiten.

    Das macht ihm an Klangschönheit und Gefühl keiner nach!

    Hier zeigt sich aber für mich auch - er ist für mich nicht der Typ für einen Rodolfo und schon gar nicht der Duca im Rigoletto.


    Herzliche Grüße

    CHRISSY

    Jegliches hat seine Zeit...

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