Rund um Boccaccio

  • Hallo,


    wie ich schon an anderer Stelle erwähnt habe, möchte ich mich mehr mit der Operette beschäftigen und z.Zt ist es Boccaccio.


    Da ich hier im Forum schon so manche CD-Tipps von Boccaccio gesehen habe und sich hier wahre Operettenkenner tummeln, wage ich einfach mal nach und nach meine Fragen hier zu stellen.


    Ich hoffe, daß meine Fragen nicht zu pingelig oder unverständlich sind und ihr mir dabei helfen könnt, etwas klarer diese Operette zu sehen. Grund für meine Fragen sind div. Fassungen die ich nachgeschlagen habe........


    *******************************
    Zum einen geht es um die Szene im 1. Akt in dem Scalza auf Dienstreise ist und frühzeitig nach Hause kommt.


    Einmal ist sowohl Leonetto als auch Boccaccio bei einem Rendevouz mit Beatrice. Als Scalza überrascht früher nach Hause kommt, spielt Beatrice eine von zwei Männern belästigte Frau ............


    Die andere Fassung ist, daß lediglich Leonetto bei Beatrice ist und diese als sie Scalza ankommen sieht um Hilfe ruft. Boccaccio dann lediglich dazukommt um seinem Freund Leonetto zur Seite zu stehen und ihm behilflich ist zu verschwinden.........


    Leider habe ich momentan die beiden Operettenführer nicht zur Hand um zu zitieren, ich hoffe ich habe da nichts verwechselt und blamiere mich gerade :O
    *********************************
    Für mich steht gerade Boccaccio bei den beiden Variationen in zwei ganz verschiedenen Lichtern, aber ich überlasse zuerst euch einmal das Feld und die Tasten.


    Würde mich über Beiträge von euch sehr freuen



    Liebe Grüsse
    Chero

  • Ein Abhören von 2 verschiedenen Aufnahmen brachte keine Klarheit. Alle mir zur Verfügung stehenden Opernführer mogeln sich um diese Frage herum- aber nicht nur das: Die meisten begnügen sich mit einer sehr allgemeinen Inhaltsangabe.


    Die Versione scheinen also von der Inszenierung abhängig zu sein.
    Dennoch habe ich den Eindruck, daß Boccaccio hier lediglich als Statist fungiert hat, er hätte zwr gerne mit Beatrice getändelt - es ist davon die Rede, daß er und Leonetto sich ins Gehege gekommen waren- jedoch dürfte das eher eine scherzhafte Aussage sein - Boccaccio ist inzwischen schon für seine entflammt.


    Die Textfassungen bei Operetten wurden einst bei jeder Inszenierung "adaptiert" In der Boskovsky-Aufnahme sagt Bocaccio


    "Ich liebe eineAndere , nur eine gewisse Neugier trieb mich in Beatrices Haus"


    in der älteren (IMO besseren) Schüchter Aufnahme singt Boccacio eine Aria, die in der neuern Aufnahme offensichtlich gestrichen wurde.


    "Ich hab auf der Piazza sie gesehen"


    Nein sie wurde nur umgetextet


    "Ich sehe einen jungen Mann dort stehen"



    Es handelt sich um dieselbe Musiknummer


    In der ersten Version handelt es sich um ein Liebeslied


    In der 2. Version erzählt Boccaccio wie er seine Novellen schreibt,
    indem er nämlich Leute beobachtet und schon im voraus die Entwiickluingen vorherahnt - ein zynisches Couplet...



    Hiezu muß gesagt weden, daß Operetten an sich sehr doppelbödig sind - nicht so simpel wie zumeist angenommen:


    Bleiben wir gleich bei Boccacio:


    Das Ständchen "Holde Schöne"
    wird beispielsweise auf der Boskovsky-Aufnahme von Adolf Dallapozza und seinen Genossen mit viel Schmelz fast schon überirdisch schön vorgetragen -aber es ist die Frage ob das von Suppe so beabsichtigt war.


    In der Schüchter Einspielung hingegen
    mutiert diese Ständchen zum ironisch Spottlieb
    allein die Stimmen, bzw ihr Zusammenspiel
    (eine nasal quäckig, die andere überspannt, beide übertrieben in
    Diktion und Sprachmelodie ein Meisterstück des Humors)


    Die verschiedenen Abweichungen scheinen daher zu kommen, daß es sich ja um Original-Novellen von Boccaccio handel - aber der Dichter selbst darin nicht vorkommt. Dies machte eine Umarbeitung notwendig - was zu nicht immer logischen Zusammenhängen zu führen scheint....


    und offenbar versucht jeder Regiseur die Logik wiederherzustellen.



    mfg aus Wien


    Alfred

    Man merkt die Absicht und man ist verstimmt ......


  • Hallo chero,


    laut Reclam Operettenführer:


    ....Entsetzt sieht Scalzas Frau Beatrice ihren Gatten vorzeitig heimkommen; sind doch gerade zwei verliebte junge Leute, Leonetto und Bocchaccio , bei ihr zu Besuch! Sie hilft sich mit der Lüge aus der Klemme, dass zwei streitende Studenten ins Haus eingedrungen seien....


    ...Boccaccio, der an derlei Streichen seine Spaß hat, liebt in Wahrheit ein ihm noch unbekanntes Mädchen.



    Ich hoffe Du kannst mit den Zitaten etwas anfangen.


    LG


    Maggie

  • Hallo chero,


    die derzeit in der Wiener Volksoper - das Haus ist beinahe ein Muss für Operettenfreunde und -liebhaber - gespielte Fassung (Regie: Helmut Lohner) entspricht in etwa der von Maggie gefundenen Variante. Diese Form scheint mir auch einigermaßen logisch, hat Boccaccio doch ein Auge auf Fiametta geworfen und hilft Leonetto im gespielten Duell aus der Patsche.


    Michael 2

  • Hallo,


    ich muß nun wirklich mal Entschulidigung sagen. Da eröffne ich ein Thread und dann kommt alles anders. Hatte leider aus priv. Gründe weniger Zeit und kommt meist nur schnell mal lesen. So habe ich diesen Thread vernachlässigt und ihr ward so behilflich. Sorry :untertauch:


    Also für mich macht es auch nur Sinn, wenn Boccaccio eine Liebelei gemeinsam mit Leonetto bei Beatrice hatte.


    Gerade in Bezug auf "Hab ich nur deine Liebe" welches Fiametta ja zu Boccaccio singt. Würde er die ganzen Liebelein nur beobachten, warum soll sie dann diese Zeilen singen von wegen "...die Treue brauch ich nicht". Nur aus ihrer Lebenserfahrung einem geliebten Menschen so etwas zu "sagen" hmm ich weiß nicht, aber wenn sie von seiner Treue bereits weiß, dann wohl schon eher......


    Oder wie würdet ihr dieses Lied gegenüber Boccaccio sehen???



    Viele Grüsse
    Chero

  • Hallo chero,


    Im Gegenteil sie hat zuwenig Erfahrung, denn als sie später die Novellen zu lesen bekommt, erfährt sie erst was für ein Casanova Boccaccio ist und stellt ihn diesbezüglich zur Rede. Sie lässt sich dann von ihm schon beschwören, dass er treu sein wird.


    Sie singt das Lied in einem anderen Zusammenhang. "Die Liebe kommt nach der Hochzeit..." ..."Als ob wahre Liebe nach Treue fragt..." Es heißt ja auch in dem Lied "... doch Treue ohne Lieb allein hat keinem noch genützt...."


    Sie will nur nicht mit jemanden verheiratet werden, den sie nicht kennt und nicht liebt, was nützt ihr ein treuer Trottel.


    Möglicherweise darf man das ganze nicht zu eng sehen, denn die Charakere der Operette tut das auch nicht. :]



    LG


    Maggie

  • Hallo Maggie,


    ohhh vielen Dank für deinen Beitrag, der mir wieder etwas mehr Licht ins Dunkle gebracht hat...........


    Ich muß zugeben, daß ich mich aus zwei Gründen mit dieser Operette beschäftige. Zum einen, weil ich mich mehr mit der Operette beschäftigen will und zum anderen, weil ich dieses Lied "Hab ich nur deine Liebe..." am einstudieren bin und nicht nur Töne singen will......


    Leider stoße ich da gerade bei den Operettenführer, das Thema hatte ich ja im sep. Thread schon angesprochen, immer an Grenzen. In diesen werden am Ende die Lieder einfach aufgelistet und nicht wie im Opernführer in der Handlung benannt. Zugegeben ich habe noch keine Gesamtaufnahme bzw. DVD, und noch nicht nachgesehen bspw. bei Amazon an welcher Stelle dieses Lied kommt. Habe mich mit dem Libretto beschäftigt und bin dann direkt auf die zwei Fassungen gestoßen und habe mich wohl daran festgebissen :D


    Du hast schon recht, wenn du schreibst man sollte es nicht zu eng sehen. Nur wenn ich es singe ist es für mich was anderes vom Gefühl und Ausdruck her, wenn ich es im Bewußtsein singe, daß ich als Fiametta weiß, daß er untreu ist oder es lediglich als Lebenseinstellung singe. Ach ja ist alles schon komisch, wenn man sich näher mit Dingen beschäftigt und dann kommen die Fragezeichen.


    Ach ich finde es einfach toll, daß ich hier mit Dir/Euch fachsimpeln kann, das vereinfacht die Sache. DANKE


    Liebe Grüsse
    Chero

  • Hallo chero,


    vielleicht hilft Dir zum Verständnis das wohl schönste Lied dieser Operette "Mia bella Fiorentina". Es ist auf dieser CD das einzige Lied in italienischer Sprache. Übrings mit Recht es klingt in italiensch fantastisch.




    Ich habe es aber auch auf deutsch:


    Boccaccio beklagt sich, das die schöne Florentinerinnen kalt wären


    Fiametta:
    ...kommt einst heran der rechte Mann dann nur vermag auch Amors Pfeil ins Herze sich zu bohren...


    Boccaccio:
    "Sprich Florentiner Schöne ob hoffen ich kann?"


    Fiametta:
    "Ob treu du dich bewehrtest, darauf kommt es an."


    Boccaccio:
    Willst du gefühllos bleiben, mich zur Verzweiflung treiben?


    Fiametta:
    Wenn Wahrheit.....erst dann erhör ich dich


    im Wechsel und zusammen
    "Erst das ich seh,"
    "stets sollst du sehn"
    "ob du in treuer heißer Glut für wahre Lieb...


    "treu und wahr, treu und wahr" wird dann mehrfach wiederholt. Sie läßt ihn also sehr wohl so lange zappeln bis er ihr Treue schwört. Allerdings wird dieser Treueschwur zum Schluss der Operette etwas abgeschwächt, da er bei dem Wettbewerb um den besten Dichter singt. "Hab ich nur deine Liebe..."
    Es scheint ihr zu reichen, denn sie fällt ihm um den Hals.


    Resultat: Wir stehen wieder am Anfang, die Treue ja oder jein, nur nach außen oder wie oder doch nicht. Sie machen es halt spannend die Florentiner. :]



    LG


    Maggie

  • Hallo Maggie,


    ach du bist ein Schatz, vielen vielen Dank für deine Mühe.


    Wollte eben schon näher auf deinen ersten Beitrag eingehen, jedoch wollte ich alles noch etwas sacken lassen und mir nähere Gedanken machen.


    Hier der Beitrag, sogar mit Text aus dem Operette zeigt es ja dann noch näher. Dann ist es doch wirklich so, daß er nicht nur Augenzeuge seiner Novelleninhalte ist, sondern Beteiligter ist/war.


    Leider fehlten mir diese ausschlaggebenden Dialoge bzw. Puzzleteile :)
    Hieraus kann man ja sehr gut erkennen, daß es ihr um Treue geht und sie diese von ihm abverlangt und nicht einfach locker darüber hinaussieht.


    Gibt es eigentlich einen besonderen Grund warum gerade dieses Lied auf italienisch gesungen wird?


    Habe genau von dieser CD hier im Forum von einigen Usern schon gelesen, daß sie sehr zu empfehlen ist. Jetzt bin ich erst recht neugierig auf die Gesamtaufnahme und so wie ich mich kenne wird heute abend dann doch noch eine Bestellung gemacht :pfeif:



    Liebe Grüsse
    Chero :hello:

  • Hallo Maggie,
    mia bella Fiorentina ist auch für mich das schönste Lied aus Boccaccio. Ich glaube, dass ich diese CD vor ein paar Tagen in der Wohltat'schen Buchhandlung im Angebot gesehen habe. Ich werde doch wohl jetzt nicht auch noch anfangen, Operetten zu sammeln? :faint::faint:


    LG :hello:


    Emotione

  • Hallo Emotione,


    warum soll es dir besser gehen als mir!


    Operette war immer ein Buch mit sieben Siegeln und von der Literatur gibt für mich nicht unbeding viele Lieder. LEIDER! So hatte ich keinen Bezug zur Operette, was sich aber nun geändert hat. Literaturauswahl ist die gleiche geblieben aber das Interesse hat sich eindeutig vergrößert.


    Es werden sich nun wohl neben den Höhepunkte aus Operetten auf CD nun auch Gesamtaufnahmen finden, direkt neben Oper und Oratorium...... Zugegeben die ersten haben sich schon dazugesellt :D


    Gestern hat mich das Operettenrätselfieber so gepackt, daß ich es absolut nicht fassen konnte. Tamino schürt das Interesse ja auch noch und das ist auch gut so......



    Liebe Grüsse
    Chero

  • Hallo Ihr Zwei,


    es freut mich ungemein, dass ich Euch angesteckt habe.


    Nun Boccaccio scheint die Frauenherzen eben doch im Sturm zu erobern.:hahahaha::hahahaha::hahahaha:


    chero - Warum dieses Lied in italienisch gesungen wird, kann ich nur mutmaßen. Es ist zum dahinschmelzen schön.


    LG


    Maggie

  • Zitat

    Original von Maggie
    Nun Boccaccio scheint die Frauenherzen eben doch im Sturm zu erobern.:hahahaha::hahahaha::hahahaha:



    Hmmm zugegeben, wo du Recht hast da hast du recht. :O :O


    Boccaccio weiß halt Frauenherzen zu erobern :hahahaha: :hahahaha:, meins jedenfalls für die Operettenwelt aber keinesfalls für ihn als Kasanova :baeh01:.


    Liebe Grüsse
    Chero

  • Liebe Chero,


    Als eine Schöpfung von Künstlern des 19.Jahrhunderts weiß Fiametta zu unterscheiden zwischen dem Verhalten eines Mannes in einer festen Verbindung (wie zwischen ihr und Boccaccio, auch schon vor der offiziellen Verbandelung) und seinen Erfahrungen von früher, die damals zwar auch als Sünde, aber als läßliche galten. Man kann sogar streiten, seit wann sie bei Herren von Stand wirklich ernsthaft als Sünde angesehen wurden. Goethe hatte deswegen überhaupt kein schlechtes Gewissen, und ein gescheiter Mensch hat einmal von Edelleuten des 18.Jahrhunderts gemeint: Wer von denen keine Mätresse hat, galt als impotent oder ruiniert - beides gleich unehrenhaft.
    Entsprechend dem romantischen Empfinden, der Charakterisierung Fiamettas in Text und Musik ist sie sozusagen die reine Seele ("jugendliche Naive"), die den Nixnutz Boccaccio auf den rechten Weg führt. Naiv natürlich auch nur cum grano salis, denn solche Edelgestalten müssen immer gleich einspringbereit sein, wenn die angeblich so überlegenen Männer wieder etwas vermasselt haben. Eine Klischeevorstellung der Romantik, aber doch recht zeitlos (man läßt nicht von solchen Klischees bis in die direkte Gegenwart). Manche Feministinnen empören sich - prinzipiell rechtens - darüber, aber es geht ja um die Art, wie und in welchem Geist diese Operette geschaffen wurde. Siehe auch "Wiener Blut", wo die Gräfin ihrem flatterhaften Ehemann zu verstehen gibt, daß er ihr als zum "Wiener Blut" gewandelter Ex-Hallodri mit einigen moralischen Flecken jetzt lieber ist als der fade Zipf, der er früher war. Überhaupt ist das in der Operette ja nicht selten, daß - Patriarchat hin, Patriarchat her - die Frauen eigentlich die Klügeren sind, vgl. Rosalinde und Eisenstein! Das 19.Jahrhundert war nicht so einseitig und auch gar nicht so prüde, wie das manchmal hingestellt wird.
    War das nicht Leo Slezak, der geschworen hat, vor dem Kennenlernen seiner Elsa überhaupt nicht gewußt zu haben, daß es zweierlei Geschlechter gibt? :D


    LG


    Waldi

  • Hallo zusammen,


    Zitat

    original chero
    keinesfalls für ihn als Kasanova :baeh01:


    Aaaaccchhhh, ich weiß nicht so recht, ob ich da mitgehen soll.:untertauch:



    Aber natürlich hat Waldi vollkommen Recht. In der Operette, und das ist das Schöne, sind meistens die Frauen die Klügeren. Möglicherweise als Ausgleich für die schwerenötigen Herren. Lustig nur, dass genau diese Herren vergessen, dass sie auch eine Frau haben, die es ihnen gleich tun könnte und auch tut.
    Um bei Boccaccio zu bleiben.


    - Der Liebhaber im Essigfass -


    In der Operette, wurden eben auch Moralvorstellungen auf die Schippe genommen. Aber eigentlich auch wieder nicht. Denn wie Waldi schon schrieb, galten derartige Verfehlungen bei den Herrn als ehrenhaft. Moralvorstellung schienen eh für unterschiedliche Schichten auch einen unterschiedlichen Stellenwert zu haben.
    In Boccaccio wie auch in Wiener Blut scheint zu gelten, lieber einen Casanova als einen der aus dem Mustopf kommt.


    LG


    Maggie

  • Hallo,


    ja man vergisst beim studieren einer Operette/Oper sehr gerne in welcher Zeit diese gespielt hat. So kommt es dann dazu, daß man Dinge nicht versteht oder den Kopf schüttelt, obwohl die Gegebenheiten für damalige Verhältnisse gaaaaanz normal waren.


    Um wieder zu Boccaccio zurückzukommen: Die Männer dürfen die Treue locker flockig nehmen und es war normal. Auf der anderen Seite aber die Männer besonders Scalza, Lotteringhi und Lambertuccio aufgebracht sind über die Novellen von Boccaccio, die ja die Treue der Ehefrauen ins wanken bringen. Was der eine darf ohh das darf der andere noch lange nicht :D


    Liebe Grüsse
    Chero

  • Hallo chero,


    Mit dürfen oder nicht dürfen hängt das eher nicht zusammen, sondern mit wollen oder nicht wollen oder besser noch mit können oder nicht können.


    Möglicherweise lag es dem Altersunterschied. Es war ja gang und gebe, das ein nicht mehr ganz frischer Herr ein blutjunges Mädchen geheiratet hat. Naja und wenn dieser ältere Herr, sagen wir mal etwas bequem wurde, hatte die arme Frau doch gar keine andere Möglichkeit, wenn sie denn nicht versauern wollte. Da kamen so ein paar tunichtgute junge Studenten wie Boccaccio und Leonetto gerade recht.


    In der Operette ist es so gestaltet, dass die Frauen Boccaccios Novellen nicht nur lesen, sondern auch erleben wollen.



    LG


    Maggie

  • Wir müssen ferner beachten, daß man es bei der Operette mit der Logik nicht so genau nahm. "Charakterzeichnung" war kaum gefragt - und oft genug ließ man vor einer Neueinstudierung die scheinbar unlogischen Sprechstellen , duirch neue (meist ebenso unlogische) ersetzen.


    Hingegen ist der Text des entsprechenden Liedes alles andere als unlogisch - im Gegenteil - er ist IMO ein Sophismus: Fiametta verzichtet auf die Treu nur scheinbar - sie weiß, sie ist eine logische Folge der (wahren) Liebe:


    Hab ich nur deine Liebe,
    die Treue brauch ich nicht.
    Die Liebe ist die Knospe nur,
    aus der die Treue bricht.
    Drum sorge für die Knospe,
    daß sie auch schön gedeih,
    auf daß sie sich in voller Pracht
    entfalten mag, o gib drauf acht,
    ob mit, ob ohne Treu’!


    ----------------------------


    mfg aus Wien


    Alfred

    Man merkt die Absicht und man ist verstimmt ......


  • Hallo zusammen,


    Zitat


    original Waldi
    Als eine Schöpfung von Künstlern des 19.Jahrhunderts weiß Fiametta zu unterscheiden zwischen dem Verhalten eines Mannes in einer festen Verbindung (wie zwischen ihr und Boccaccio, auch schon vor der offiziellen Verbandelung) und seinen Erfahrungen von früher, die damals zwar auch als Sünde, aber als läßliche galten.


    Das beweißt folgender Dialog:


    Boccaccio: "Verzeih mir noch einmal, dass ich Boccaccio bin."


    Fiametta: "Es fällt mir schwer, aber du bist ja nicht schuld daran."


    Sie akzeptiert seine Vergangenheit durchaus und entschuldigt seine wie sie sagt ungezogenen Geschichten. Für sie ist wichtig wie er sich jetzt und in Zukunft verhalten wird.


    @ Alfred - Ich denke ebenfalls, dass dieses Lied sehr wohl tiefsinning und logisch ist. Es enthält so gar noch mehr als nur den Verweis auf die Treue. Denn wenn die Kospe sich nicht in voller Pracht entfaltet, sondern eventuell sehr schnell verblühen würde, wäre demzufolge auch die Liebe verblüht. Wenn die Knospe aber sich überhaupt nicht entfaltet, gibt es auch keine Treue, weil keine wahre Liebe.


    LG


    Maggie

  • Hallo,


    auch auf die Gefahr, daß ich mich nun restlos blamiere aber so langsam verliere ich ohne CD bzw. DVD (..kommen noch)und ohne nähere Infos aus meinen Operettenführer den Überblick.


    Also im Operettenführer heißt es Fiamettas Lied "Hab ich nur deine Liebe..." und somit bin ich davon ausgegangen, daß dieses Lied auch Fiametta singt. Darum bin ich auch auf die Überlegung gekommen warum Fiametta die Treue so verlangt bzw. im Lied erwähnt.


    Nun habe ich hier im Thread und im Internet schon gelesen, daß Boccaccio das Lied "Hab ich nur deine Liebe..." in einem Wettbewerb singt.


    Ach ich beanstande ja schon lange in den Operettenführer, daß dort lediglich am Schluß die Höhepunkte aus der Operette genannt sind. Warum nicht wie im Opernführer ein Hinweis, wer wann was singt :motz:


    Der Inhalt des Liedes ist für mich absolut logisch und der Vergleich mit einer Knospe ist auch schön. Maggie, so wie du es weiter ausgelegt hast, habe ich es auch schon gesehen und finde gerade deshalb den Vergleich mit deiner Knospe schön.



    Nur jetzt bin ich etwas verwirrt und zugegeben zu ungeduldig bis ich die Aufnahmen habe.............Darum meine evt. total blöde Frage :O, wer singt denn nun dieses Lied???


    Liebe Grüsse
    Chero



    P.S. Ich hoffe ich verliere durch diese Frage nicht total mein Gesicht hier im Forum :untertauch:

  • Hallo chero,


    ganz einfach - Beide.


    Zuerst Fiametta und Bocchaccio hört heimlich zu. Später Boccaccio bei dem Dichterwettbewerb.


    Er bestätigt ihr damit seine Liebe.


    LG


    Maggie

  • Hallo Maggie,


    mal wieder habe ich lernen müssen, daß sich Geduld gelegentlich (hmm besser gesagt immer) auszahlen würde :O


    Die Gesamtaufnahme liegt mir nun vor und so werde ich mich die nächsten Tage daran machen. Klar konnte ich nicht wiederstehen und musste die besagte Stelle "Hab ich nur deine Liebe.." mir direkt anhören und siehe da..........


    Meine Frage von gestern hätte sich mit etwas Geduld von selbst gelöst. Trotzdem liebe Maggie vielen Dank für deine Aufklärung und für alle deine bisherigen Hilfen :hello:



    Liebe Grüsse
    Chero

  • Am 8.11.2008 hatte die Inszenierung von Staatsintendant Dr. Ulrich Peters, eine Kooperation mit dem badischen Staatstheater Karlsruhe, in München Premiere.
    Das Stück beginnt schon vor der Ouvertüre, der sich öffnende Vorhang gibt den Blick frei auf ein Wohnzimmer im Stil der Fünfziger Jahre. Die ersten Lacher sind garantiert, wenn aus dem Radio die Stimme des Staatsintendanten das Wetter vorhersagt und die Ouvertüre unter dem Motto "Klassik von gestern für Leute von heute" angekündigt wird. Im Verlauf des Stückes wird durch Requisiten immer wieder auf diese Epoche Bezug genommen, die ja im Prinzip im krassen Gegenteil zu der von, ich meine es ist Leonetto, propagierten Auffassung, dass eine Frau erst frei für einen Liebhaber ist, wenn sie verheiratet ist. Trotz dieses etwas ungewöhnlichen Ansatzes ist die Inszenierung in sich stimmig. Die Kostüme und das Bühnenbild sind bunt, die Melodien gehen sofort ins Ohr und machen gute Laune. Das Libretto wurde behutsam modernisiert, so ist zum Beispiel "Immerzu undici, dodici, tredici" und das Lied von Lambertuccio im dritten Akt mit aktuellem Bezug, wobei hier natürlich die Gefahr besteht, dass es sich schnell überholt und man nächste Spielzeit nur noch müde darüber gähnt.
    Der Boccaccio ist hier als Hosenrolle besetzt, sehr gut alternierend von Ann Katrin Naidu und Sybille Specht dargeboten. Überhaupt sind sämtliche Besetzungen wirklich gelungen, hier zeigen sich Sänger, die man eher aus dem Opernpartien des Theaters kennt, von einer ausgesprochen komödiantischen Seite. Die vollständige Besetzung:
    Giovanni Boccaccio: Ann-Katrin Naidu / Sybille Specht
    Pietro, Prinz von Palermo: Mario Podrecnik
    Majordomus, des Herzogs von Toskana: Holger Ohlmann
    Scalza, Barbier: Gregor Dalal / Johannes Wiedecke
    Beatrice, sein Weib: Elaine Ortiz Arandes / Marianne Larsen
    Lotteringhi, Faßbinder: Florian Simson
    Isabella, sein Weib: Heike Susanne Daum / Sigrid Plundrich
    Lambertuccio, Gewürzkrämer: Dirk Lohr / Gunter Sonneson
    Peronella, sein Weib: Snejinka Avramova / Rita Kapfhammer
    Fiametta, beider Ziehtochter: Christina Gerstberger
    Leonetto, Student: Daniel Fiolka / Julian Kumpusch
    Ein Kolporteur: Martin Hausberg
    Checco, Bettler: Christian Hübner


    Dieses Stück wurde zu Silvester 2008 gespielt, das war wirklich eine sehr schöne Einstimmung auf das neue Jahr. Leider gibt es in dieser Spielzeit keine Vorstellungen mehr, aber ab 11.11.2009 ist die Operette wieder im Programm.
    Vorgesehen ist jedoch eine konzertante Aufführung in der Kölner Philharmonie am 14.04.09, das wird bestimmt eine ganz spannende Geschichte. Ich freu mich drauf!


    edit: Vergessen habe ich natürlich die Chorszenen, die der wirklich gut Chor des Theaters nicht nur gesanglich, sondern auch darstellerisch exzellent darbietet.

    If you don't make mistakes, you're not trying hard enough. (Jasper Fforde)

    2 Mal editiert, zuletzt von Nachtgedanken ()

  • Zitat

    Original von rita
    Ich mochte in meiner Jugend Operette sehr,besnders Boccacio hatte es mir angetan.
    Aber heute, ich weiss nicht.


    Rita


    Liebe Rita!


    Da kann ich Dir nur diese CD empfehlen:


    :jubel: :jubel:


    Es ist dies eine Aufnahme mit Künstlern der Staatsoper in der Volksoper, wie es in den 10 Jahren,


    des 3/4 Takt Bayreuths, am Währinger Gürtel gehandhabt wurde.


    Leider ohne Prosa, doch ist aber manchmal auch kein Nachteil.


    Liebe Grüße und gesegnete Osetern nach Berlin sendet Dir Peter aus Wien. :hello: :hello:

  • Für die konzertante Aufführung der Suppé-Operette "Boccaccio" in der Kölner Philharmonie am 14. April gibt es noch Karten (von 10,-- bis 48,-- EURO).
    Hier die Details:


    Franz von Suppé (1878-1879)
    Boccaccio

    Operette in drei Akten. Text von Friedrich Zell und Richard Genée nach dem "Decameron" von Giovanni Boccaccio


    Konzertante Aufführung - die Darsteller:


    Ann-Katrin Naidu Mezzosopran (Giovanni Boccaccio)
    Mario Podrecnik Tenor (Pietro, Prinz von Palermo)
    Holger Ohlmann Bass (Majordomus des Herzogs von Toskana)
    Gregor Dalal Bass (Scalza, Barbier)
    Elaine Ortiz-Arandes Sopran (Beatrice, sein Weib)
    Florian Simson Tenor (Lotteringhi, Faßbinder)
    Heike Susanne Daum Sopran (Isabella, sein Weib)
    Gunter Sonneson Tenor (Lambertuccio, Gewürzkrämer)
    Rita Kapfhammer Mezzosopran (Peronella, sein Weib)
    Christina Gerstberger Sopran (Fiametta, beider Ziehtochter)
    Daniel Fiolka Bariton (Leonetto, Student)
    Martin Hausberg Bariton (Ein Kolporteur)
    Christian Hübner Bass (Checco, Bettler)


    Chor des Staatstheaters am Gärtnerplatz, München
    Jörn Hinnerk Andresen - Einstudierung


    Orchester des Staatstheaters am Gärtnerplatz, München
    Henrik Nánási - Dirigent


    Dienstag 14.04.2009 20:00 Uhr bis ca.22:50 Uhr
    Pause gegen 21:20 Uhr


    LG


    :hello:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Ich war gestern in der konzertanten Aufführung und es hat mir sehr gut gefallen. Es war keine "statische" Aufführung, sondern die Solisten, teile vom Chor und der Dirigent haben durchaus Bewegung ins Spiel gebracht. das ganze aber ohne Kostüme und Maske, was einen sehr interessanten Effekt hatte.

    If you don't make mistakes, you're not trying hard enough. (Jasper Fforde)

  • "Boccaccio
    oder Der Prinz von Palermo"

    komische Oper bzw. Operette in drei Akten
    von Franz von Suppé.
    Das Libretto schrieben Camillo Walzel alias Friedrich Zell und Richard Genée.
    Uraufführung am 1.2.1879 Carl-Theater Wien
    mit Antonie Link • Rosa Streitmann • Karl Blasel • Franz Tewele.



    Boccaccio gilt als das erfolgreichste Bühnenwerk des Komponisten.
    Es handelt von Giovanni Boccaccio, dem berühmten Dichter des Decamerone, der hier selbst Held einer Liebesgeschichte wird.


    LG


    :hello:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)