Sind Opernsänger die Idealbesetzung bei Operetten ???

  • Zitat

    Original von oper337
    Opernsänger als Operettensänger!


    Da kann ich nur diese CD empfehlen, von Lilie Claus über Gitta Alpár zu Hilde Güden von Jussi Björling (in Schwedisch) zu Charles Kullmann, Franz Völker der Wagner Tenor, eine traumhafte und billige CD: :jubel:




    Peters Lob kann ich nur ganz dick unterstreichen. Die Aufnahmen sind meist hervorragend remastered, in punkto Dirigat vielfach Lehrstücke und die Stimmen sind traumhaft. Hjördis Schymberg als Saffi z.B. wäre allein wert, sich die CD anzuschaffen (und der"Zigeunerbaron" klingt schwedisch gar nicht übel, wenn Jussi Björling als Barinkay einstimmt).


    Man hört auch ganz gut, daß sich manche Sänger einige Freiheiten nehmen und schöne Töne auch schön lange aushalten, aber nie so, daß es unharmonisch wirkt. In diesem Sinn kann man die Titelfrage des Threads wieder einmal mit "ja" beantworten.


    LG


    Waldi

  • Lieber Waldi!


    Ganz Deiner Ansicht, aber wir hatten da in Wien ja schon so oft, z.B.:




    Leider hat ja Hilde Güden, außer der Rosalinde, nie auf der Bühne der Staatsoper eine Operette gesungen,


    jedoch in den Jahren 1945 - 1958, in etwa, war war es Usus, dass die Sänger der Staatsoper an der Volksoper Operette sangen, und da sangen Hilde Güden, Hilde Zadek, Sena Jurinac, Gerda Scheyrer die Rosalinde,


    wie es viele LPs / CDs beweisen.


    Schließlich hat ja auch Lotte Lehmann in Wien, am Silvesterabend, die Rosalinde gesungen, also alles was früher war, ist nicht schlecht.


    Liebe Grüße sendet Dir Peter. :hello: :hello:

  • Zitat

    Original von oper337
    ...
    Leider hat ja Hilde Güden, außer der Rosalinde, nie auf der Bühne der Staatsoper eine Operette gesungen,
    ...


    Ich würde sagen, sie konnte bei bestem Willen nicht anders, da im genannten Zeitraum ja an der WSO keine anderen Operetten gespielt worden sind, oder?


    :hello:

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!


  • Zitat

    Original von Theophilus


    Ich würde sagen, sie konnte bei bestem Willen nicht anders, da im genannten Zeitraum ja an der WSO keine anderen Operetten gespielt worden sind, oder?


    :hello:


    Lieber Theophilus!


    Da hast Du einesteils Recht, da ja bei der Volksoper, durch die Selbständigkeit, gerade Ester Réthy als Diva geblieben ist, oder Sonja Mottl-Preger.
    Es war für die Opernstars der Staatsoper ein Aus für das Rollensingen an der Volksoper, die hatte in allen Dingen einen"Torso", ob im Chor, Orchester oder bei den Solisten, und musste erst langsam ein eigenes Ensemble aufbauen, was ihr erst bis 1958 in etwa gelang.


    In den Plattenstudios sangen aber weiterhin eine Hilde Güden oder Schwarzkopf Operette, nur eben auf der Bühne nicht.


    Und im Haus am Ring sang erst am 31.12.1960 Hilde Güden wieder in der Lindtberg Inszenierung, die Rosalinde mit Eberhard Waechter als Eisenstein, die gibt es als CD Gesamtaufnahme.



    Ein gesegnetes Jahr 2009 wünscht Dir Peter aus Wien. :hello: :hello:


  • Liebe Diotima!


    Diese CD ist eine derart gelungen Aufnahme, Angelika Kirchschlager und Simon Keenlyside singen hier Operette,


    von denen man Oper gewohnt ist, in einer Perfektion, die muss man haben und sie ist auch recht günstig, im Preis, geworden.


    Zu Theophilus muss ich noch etwas bemerken, es wurde sehr wohl an der WStO nach 1990 Operette gespielt,


    ein schlechter "Zigeunerbaron", inszeniert von Heinz Marecek und eine miese "Lustige Witwe".


    So blieb uns die grandiose Schenk - Inszenierung der "Fledermaus" erhalten, schade nur, dass sie nicht mehrmals im Jahr gebracht wird,


    denn Wien kann auch zwei "Zauberflöten" und "Figaros" vertragen, aber auch zweimal die "Fledermaus", sowohl an der Staatsoper als auch an der Volksoper.


    Liebe Grüße sendet Euch Euer Peter. :hello: :hello:

  • Zitat

    Original von oper337
    ...
    Zu Theophilus muss ich noch etwas bemerken, es wurde sehr wohl an der WStO nach 1990 Operette gespielt,
    ...


    Meine Aussage bezog sich auf Hilde Güden und den Zeitraum von 1945 bis 1958!


    (Und die Witwe der 90er fand ich gar nicht so schlimm!)


    :hello:

    Ciao


    Von Herzen - Möge es wieder - Zu Herzen gehn!


  • Da ich neu hier im Forum bin, habe ich erst jetzt dieses Operettenforum entdeckt. Da ich über die Operette (im Rundfunk) zur Klassik gelangt bin, interessiert mich das Thema auch heute noch.
    Meine ersten Theatererfahrungen hatte ich am Stadttheater Bielefeld.
    Damals gab es noch ein recht großes Ensemble und darunter auch einige Sänger, die nur Operette sangen. Andere sangen außer Operette noch die deutsche Spieloper oder die "leichten" Italiener. Nur wenige - wie der damalige Starbass Richard Capellmann - sangen die seriösen Basspartien in allen Opern, aber auch den Fidelen Bauer.
    Heute - wo es ja kaum noch Ensembles gibt - reisen etliche Sänger mit einzelnen Operettenpartien von Haus zu Haus.
    ich weiss nicht, ob es am Gärtnerplatz in München, an der Wiener Volksoper, der Berliner Komischen noch reine Operettensänger gibt ?
    In den 50ern war ja beim Kölner Rundfunk Franz Marszalek der "Operetten-König" - er besetzte damals - in den Werken aus der Zeit zwischen den Weltkriegen - viele Rollen mit gut singenden Schlagersängern, z.B. Gitta Lind,Lonny Kellner, Peter Rene Körner, Peter Alexander oder der Kabarettistin Lore Lorenz (Kurfürstin Anna in Adrienne von W.W. Götze), Das hatte den Vorteil , dass diese Sänger viel typgenauer eingesetzt werden konnten, da sie ja nicht in einem Theater singen und ein grosses Orchester "übersingen" mussten.
    Die berühmten Sänger, die früher im Rundfunk und auf Platten die Operetten sangen - wie Schwarzkopf, Gedda, Wunderlich, Rothenberger, Köth, Schock , Holm usw. haben ja auf der Bühne kaum Operette gesungen , mit Ausnahme von der Fledermaus und vielleicht Zigeunerbaron und Lustige Witwe.


    Es gibt jetzt ein interessantes Buch von Kevin Clarke , einem grossen Operettenkenner, herausgegeben mit dem Titel "Glitter and be Gay",
    Dort wird darauf hingewiesen, dass die Operette in der Nazizeit wesentlich verändert wurde, die guten Regisseure und Interpreten waren in den meisten Fällen Juden und/oder homosexuell und flohen aus Deutschland oder wurden umgebracht. Es wird an Hand der Besetzungen dargelegt, dass die Interpreten nicht die grossen Opernsänger waren, sondern eher singende Schauspieler oder aber Sänger, die sich spezialisiert hatten und Komödie spielen konnten.
    Nach dem Krieg konnte man mangels entsprechender Talente die Operette nicht mehr so besetzen. Da sich die seriösen Regisseure auch zu gut waren, Operette zu inszenieren, wurden Spielleiter aus der zweiten Reihe beauftragt, das zu machen - mit dem entsprechenden Ergebnis, kein Witz, keine Leichtigkeit mehr. So ging es mit der Operette langsam zu Ende !
    Heute wagen sich ja langsam wieder grosse Regisseure an die Operette, allerdings wrd dann nicht selten eher ein Drama daraus, als eine beschwingte Unterhaltung.