WAGNER, Richard: Rienzi


  • Entschuldige, mir wird spontan übel. :kotz:


    Mit unwohlen Grüßen,
    Max

    Sie werden Shakespeare erst richtig genießen, wenn Sie ihn im klingonischen Original lesen.

  • War mittlerweile schon jemand in der Neuinszenierung des "Rienzi" an der Deutschen Oper Berlin?

    »Das ist sehr groß, ganz toll! Man möchte sich fürchten, das Haus fiele ein.«

    – Goethe über den Kopfsatz der 5. Sinfonie von Beethoven

  • Hallo Joseph,


    Zitat

    War mittlerweile schon jemand in der Neuinszenierung des "Rienzi" an der Deutschen Oper Berlin?


    Ja, ich; am gestrigen Ostermontag, in einem vollbesetzten Opernhaus.


    Vorneweg: Ich kannte bis dato nur Libretto sowie Ausschnitte aus dem Stück, so dass ich nicht viel über die Kürzungen sagen kann. Von den fünf Akten blieben zwei Hälften, in einzelne Bilder unterteilt.


    Um den Versuch einer Schilderung der Inszenierung Philipp Stölzls zu unternehmen:



    Zur Ouvertüre beherrscht ein riesenhaftes Arbeitszimmer, ganz im Stil des Nazi-Klassizismus gehalten, die Bühne; am Schreibtisch, den Rücken zum Publikum, Rienzi.
    Bühnenrückwand: Ein Fenster (Videoprojektion) mit dramatischem Alpenpanorama.
    Zunächst dirigiert Rienzi verhalten mit, steigert sich in einen Tanz, schlägt schließlich Rad um den Schreibtisch, auf den er springt. Aus der Berglandschaft wird weggezoomt, bis schließlich der sich drehende Globus vor dem Fenster zu sehen ist – Rienzi in triumphierender Geste.


    Rascher Wechsel des Bildes zur ersten Szene: Expressionistische Großstadtkulisse (Metropolis), Häuserschluchten lassen nur engen Spielraum. Die Nobili kämpfen, das Volk, bunte Mäntel, Masken vor den Gesichtern, schaut weg. Steffano rettet Irene (Blonder Zopf streng um die Schläfen, Dirndel). Rienzi erscheint mit schwarzuniformierten Fahnenträgern (Fahnen mit Runenartigem „R“).


    Während sich das Volk Rienzi nach dessen Ansprache anschließt, wirft es die farbenfrohe Kleidung ab: Männer in Uniform, blankbestiefelt, Frauen in schwarzen Kleidern mit weissen Schürzen. Alles dezent mit „R“-Rune gekennzeichnet.
    Rienzi auf dem Höhepunkt: Große Ansprache von einer Rednertribühne am Bühnenrand. Jubelndes Volk, das allerdings nicht zu ihm schaut, sondern zu seinem filmischen Abbild der parallel laufenden „Live-Übertragung“ auf der Videoleinwand („Wochenschau“-artiger Vorspann: „Das neue Rom“).


    Attentat: Nach Steffanos Einschreiten begnadigt Rienzi die Attentäter, die (wiederum Live-übertragen auf der Videowand) nach ihrem Abtreten vom Volk erledigt werden.


    Pause: Einzelne Buhruhfe (höchstens zwei oder drei), überwiegend Applaus. Praktisch kein Publikumsschwund.


    Neue Szene. Die Bühne horizontal geteilt, unten Bunkerräume (mit Stadtmodell von „Germania“ auf einem Tisch), oben das unter den Kämpfen gegen die Nobili leidende Volk. Rienzi imitiert Bruno Ganz, der Hitler imitiert und geht nur noch nach oben, um für die „Das neue Rom“-Schau Kinderköpfe zu tätscheln. Während seines Gebets spielt er -offenssichtlich unter Realitätsverlust leidend- mit seinen Architekturmodellen.
    Das Volk stürmt den Bunker, zertritt die Modelle und erschlägt Irene. Steffano darf überleben und sich weinend über den Leichnahm beugen, während Rienzi oben gemeuchelt wird. Vorhang.


    Sehr starker Applaus für alle Beteiligten (vor allem für den Chor), kein Buh.


    Insgesamt lies mich der Abend recht ratlos zurück.
    Eine so massive Geleichsetzung Rienzi – Hitler lässt einfach zuwenig Luft. Alles ist äußerst plakativ bebildert, perfekt ausgestattet im letzten Detail (lustiges Zitateraten inklusive). Charakterisierungen finden fast gar nicht mehr statt, selbst das Paar Irene-Steffano wird zum Beiwerk: Hier geht es eben nur um einen und der heißt nicht Rienzi.
    Die Inszenierung erzeugt zwar sehr eindrucksvolle Bilder, die auf mich aber recht gehaltlos wirkten.


    Aber: Eine bewundernswerte Konsequenz in der Umsetzung des Konzepts. Und das ist mir nicht unlieb. Vielleicht findet sich ja noch ein weiterer Besucher der Inszenierung hier ein... Zweitmeinungen würden mich doch sehr interessieren.



    Liebe Grüße.

    "Der Aufführung fehlte es nicht an Sensibilität, Gefühl und Verstand, aber am Gleichmaß von Harmonie, Not und Glück" (J. Kaiser)

  • Rienzi, der letzte der Tribunen
    große tragische Oper in fünf Akten
    von Richard Wagner.
    Text vom Komponisten nach dem Roman Rienzi von Edward George Bulwer Lytton.
    Uraufführung: 20.10.1842 Dresden, Königlich Sächsisches Hoftheater
    mit Henriette Wüst-Kriete • Wilhelmine Schröder-Devrient • Joseph Tichatschek • Wilhelm Dettmer • Johann Michael Wächter • Friedrich Traugott Reinhold • Carl Risse • Anna Thiele,
    Dirig. Carl Reissiger.



    Die Oper handelt in freien Zügen vom Schicksal des spätmittelalterlichen römischen Staatsmanns und Volkstribuns Cola di Rienzo (1313–1354).
    Philipp Stölzl gab 2010 mit Rienzi sein Regie-Debüt an der Berliner Oper. Der Regisseur wagte den Schritt, das Werk als Parabel auf den Aufstieg Hitlers zu inszenieren. Das hauseigene Ensemble sowie die herausragenden Sänger unter der Leitung von Sebastian Lang-Lessing überzeugen das Publikum mit ihrer Leistung. Ausgezeichnet disponiert sind Torsten Kerl als Protagonist Rienzi, aber auch die erstklassige Camilla Nylund in der Rolle der Schwester Irene oder Ante Jerkunica als Steffano Colonna.

    LG


    :hello:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Auch wenn es 3 Jahre zurückliegt - mein Widerspruch zu Zauberton und Alviano muß einfach kommen. Hätte ich gewußt, daß in Bremen eine konventielle Inszenierung läuft, hätte ich den weiten Weg gemacht. Ich habe Rienzi (incl. Leipzig) nur in versauten Inszenierungen gesehen, wo Regisseure zeigen konnten, wie wenig sie von Oper verstehen.


    Wagner ist in Rienzi ein Werk gelungen, welches unverständlicherweise nicht zum Bayreuther Repertoire gehört. Natürlich erinnert die Musik eher an Verdi als an Wagner, aber sie ist von einer Dramatik, die den Besuch dieser leider selten gespielten Oper allein lohnt. Ich habe ich Dresden eine konzertante Aufführung gesehen (übrigens mit Peter Seiffert in seiner Glanzzeit), und der Beifall endete in minutenlangen standing Ovationen. Die Leipziger Aufführung habe ich nach der 2. Pause verlassen, die Miniatur-Kulissen waren kindergartenreif.


    Wer bei dieser Musik schläft, sollte zu Hansi Hinterseer gehen - oder den Besuch gar nicht erst einplanen, wenn die Regietheaterverunstalter ihr zerstörerisches Werk erkennen lassen.


    La Roche

    Ich streite für die Schönheit und den edlen Anstand des Theaters. Mit dieser Parole im Herzen leb' ich mein Leben für das Theater, und ich werde weiterleben in den Annalen seiner Geschichte!

    Zitat des Theaterdirektors La Roche aus Capriccio von Richard Strauss.

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  • Jener Herr Stölzl versucht morgen wahrscheinlich Parsifal an der Deutschen Oper Berlin zu verunstalten. Für ihn ist ja Rienzi eh wie die meisten anderen Opern viel zu lang und verdienen es deshalb so stark gekürzt zu werden. Bin gespannt wie er das morgen bei Parsifal macht. Ich habe Rienzi an der Rheinoper und zweimal konzertant am Aalto Theater in Essen gesehen.


  • Eine Aufführung in Bayreuth würde ich als sehr problematisch für die Musik sehen.
    Die Dichte der Instrumentierung würde sicherliche dazu führen, daß das Werk sich sehr "breiig" anhören würde.


    Der Holländer, der bekanntlich nach dem Rienzi geschrieben wurde, ist auch in Bayreuth nicht ganz unproblematisch.


    Von daher denke ich ist es schon richtig den Rienzi nicht im Festspielhaus aufzuführen.
    So wird es auch Wagner gesehen haben.


    Übrigens wird Rienzi in 2013 in der Bayreuther Festhalle aufgeführt.
    Also da gibt es dann Rienzi und Bayreuth ;)


    Gruss
    Holger

    "Es ist nicht schwer zu komponieren.
    Aber es ist fabelhaft schwer, die überflüssigen Noten unter den Tisch fallen zu lassen"
    Johannes Brahms

  • Zitat

    MSchenk: Magst Du sagen, welche Rienzi-Aufnahmen du besitzt?



    Und noch aus einer Box eine von 1950, muss ich erst raussuchen ... meinst du, ich kriege keine zehn mehr zusammen?

  • Wobei Du zugeben wirst, dass Zillig/Rienzi doppelt ist. Oder handelt es sich tatsächlich um verschiedene Aufnahmen? Lohnt sich die Anschaffung? - Den Hollreiser/Rienzi habe ich natürlich ebenfalls. Am meisten interessieren täte mich noch Bownes/Rienzi wg. m.W. nahezuer Vollständigkeit. Leider scheint die Einspielung momentan vergriffen :(

  • Wobei Du zugeben wirst, dass Zillig/Rienzi doppelt ist. Oder handelt es sich tatsächlich um verschiedene Aufnahmen? Lohnt sich die Anschaffung? - Den Hollreiser/Rienzi habe ich natürlich ebenfalls. Am meisten interessieren täte mich noch Bownes/Rienzi wg. m.W. nahezuer Vollständigkeit. Leider scheint die Einspielung momentan vergriffen :(

    Nein, das ist diesselbe und was noch viel schlimmer ist ...


    ... , die aus meiner Wagner-Box ist auch von Zillig! Ich habe die Aufnahme also dreimal; dazu habe ich übrigens auch Kollo doppelt, wollte ich nur nicht extra mit auflisten! Bleiben also fünf Aufnahmen, um mein Vorhaben in die Tat umzusetzen; aber soweit ich sehe, sind keine weiteren GAs auf dem Markt im Umlauf!

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  • aber soweit ich sehe, sind keine weiteren GAs auf dem Markt im Umlauf!


    1)
    2) (Entspricht wohl dem von Dir gezeigten Krips/Rienzi)
    3) (Ich vermute, italienisch gesungen ...)


    und


    (Enthält anscheinend auch 1) und 2))

  • Obwohl "Rienzi" nicht zu meinen Lieblingsopern gehört, wäre diese Aufnahme trotz des Aufnahmedatums, schon wegen Seider, Klose und Frantz sehr interessant. Mal vormerken.


    W.S.

  • Obwohl "Rienzi" nicht zu meinen Lieblingsopern gehört, wäre diese Aufnahme trotz des Aufnahmedatums, schon wegen Seider, Klose und Frantz sehr interessant.


    Auch diese findet sich auf der o.g. MP3-Zusammenstellung.