Die besten Booklets

  • Salü,


    als Pendant zu Die misslungensten Booklets... nun mal ein Thread, in dem es vor Lob nur so hageln darf.


    :]


    Khampan hat mir eine Einspielung der 6 Streichquartette op. 18 Ludwig van Beethovens ausgeliehen. Hier spielt das Ensemlbe Smithonian String Quartet, offenbar ein Vorläufer oder Ableger der The Smithsonian Chamber Players; denn es spielen Jaap Schröder, Marylin McDonald, Judson Griffin und Kenneth Slowik. Erst- und letztgenannter gehören auch dem Kammerensemble an.


    Nicht nur, dass diese Einspielung - die offenbar vergriffen ist, was sehr zu bedauern ist - ganz betimmt zu den allerbesten Interpretationen dieser Beethoven-Quartette gehört, auch das enthaltene Booklet ist von ganz besonderer inhaltlicher Qualität:


    Hier wird nicht nur manifestiert, dass die enthaltenen Werke komponiert und eingespielt wurden, wie oftmals üblich. Auf 5 1/2 doppelspaltigen Bookletseiten wird von Kenneth Slowik in einer hervorragenden Übersetzung durch Eckhardt van den Hoogen Beethovens Quartettarbeit beschrieben. Mehr dazu auch im entsprechenden Spezial-Thread. Der Text hat mich in seiner Art und Weise von Beginn an fasziniert, der Schreibstil gefällt mir überaus und die Fülle an Informationen - die wirklich neu waren - ist derart kompakt und dennoch ausführlich und verständlich dargelegt, dass hier ein ganz großes Lob her muß!


    Schade wirklich, dass es davon so wenig gibt!


    Wie erwähnt, ist das Doppelalbum offenbar vergriffen und wird auch nicht wieder aufgelegt - daher hier eine ähnlich Abbildung offenbar aus der selben Produktserie:



    Das Design ist für die deutsche harmonia mundi m. E. ungewöhnlich - es erinnert eher an die Ausgaben von SONY, was vielleicht an der Zusammenarbeit mit der BMG liegt?


    Auf jeden Fall ist die Quartett-Box jedem, der sie erhaschen kann, dringend anempfohlen. Zu den Sinfonien 1 & 3 kann ich noch nichts sagen - aber das Ding ist soeben durch mich bestellt worden.


    :jubel: :jubel: :jubel:


    Ulli I.

    Der Glaube kann Sätze verbergen.

  • Ich fliege jetzt haarscharf am Thema vorbei, aber die "Booklets", an die ich mich spontan gerne erinnere, lagen den seligen Langspielplatten bei und waren fast schon richtige Bücher (Gab/gibt es dafür eigentlich auch einen Terminus technicus? Ich erinnere mich nicht mehr... ?( ).


    Drei unterschiedliche Beispiele:


    - Die mit Abstand sinnvollste Nutzung einer LP-Beilage, die bei CDs nicht möglich ist (höchstens als beigelegte CD-Rom): das Abdrucken der Noten bzw. der Partitur. Einziges Beispiel, das mir einfällt: die Edition der Bachkantaten mit Harnoncourt/Leonhardt. Alles zwar ein bisschen klein gedruckt, aber zumindest damals hat das meinen Augen nichts ausgemacht.


    - Das am schönsten ausgestattete LP-Book, das ich kenne, war das zur Solti-Aufnahme der "Zauberflöte". Hier sind sämtliche (?) Aquarelle und Zeichnungen, die Oskar Kokoschka zur Oper angefertigt hat, enthalten, und zwar in ausgezeichneter Reproduktionsqualität.


    - Sodann die von Ulli in erster Linie ins Auge gefasste Variante: das Abdrucken eines intelligenten Aufsatzes/Essays zu den eingespielten Werken. Komischerweise fällt mir auch hier zuerst eine LP ein - die von Alfred Brendel Anfang der 80er Jahre aufgenommene Auswahl später Klavierwerke Liszts. Brendels gar nicht mal so langer, aber überaus sachkundiger, engagierter und liebevoller Essay "Liszts Bitternis des Herzens" hat mir die Ohren für diese faszinierenden Werke geöffnet. Komischerweise ist die LP m.W. in dieser Form nie als CD veröffentlicht worden. Brendels Aufsatz ist immerhin in seinen Aufsatzband "Nachdenken über Musik" gewandert. Warum schreiben die Interpreten in den Booklets nicht öfter mal was über die von ihnen interpretierten Werke bzw. über ihre Interpretationen? Da gibt's doch eine ganze Reihe, die nicht auf den Mund gefallen ist. Doch: da fällt mir ein schöner Aufsatz von Giuseppe Sinopoli zur zweiten Symphonie Schumanns ein, der der Aufnahme mit den Wiener Philharmonikern beilag (besitze ich auch nur auf LP :D). Michael Gielens Gespräche mit Paul Fiebig über die Mahler-Symphonien, die die entsprechenden CDs teilweise (?) begleiten , sind auch enorm aufschlussreich. Gibt's aber auch in Buchform.



    Viele Grüße


    Bernd

  • Ich besitze eine 1994 erschienene Ausgabe des Klavierkonzert Nr. 1, sowie
    des Konzert für Violine und Orchester D-Dur op. 35, veröffentlicht als
    Zusammenstellung auf DG. (Es spielt Martha Argerich unter Dutoit, sowie
    Nathan Milstein unter Abbado)


    Das ganze wurde in Buchform rausgegeben (B & S Verlag) und bietet außer biografischem Material, die komplette Analyse der Konzerte,
    deutlich bebildert und wunderbar übersichtlich gestaltet -
    Ein Lehrwerk in Sachen Bookletgestaltung.


    Kennt dies noch wer?


    Grüße Jan


    :rolleyes:

  • Hallo, miteinander!


    Kaum noch wurde ich den Beiheften der Firma cpo enttäuscht.


    Man nehme als wohl beliebiges Beispiel die Sinfonien von Allan Pettersson. Ich habe mir etliche davon einzeln angeschafft, und naturgemäß wiederholen sich die ausführlichen und informativen Angaben zu biographischen Daten des Komponisten. Aber zumindest die Kleinigkeit, das jeweils eingespielte Werk drucktechnisch hervorzuheben, so dass man auf den ersten Blick eine chronologische Einordnung vornehmen kann, hat man sich erlaubt. Es schließen sich Zitate des Komponisten an, die sich auf das Werk beziehen, und andere Fakten und Wertungen. Formale und Interpretationsaspekte werden dann oft mit einer Reihe von Notenbeispielen verdeutlicht. Zumindest je ein Photo des Komponisten - insgesamt steht ein halbes Dutzend zur Verfügung - und des Dirigenten finden sich ebenso.


    Die Angaben liegen in deuscher, englischer und französischer Sprache vor.


    Besten Gruß, Wolfgang

    Lieber Fahrrad verpfänden denn als Landrat enden!

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  • Zitat

    Original von Zwielicht
    Ich fliege jetzt haarscharf am Thema vorbei, aber die "Booklets", an die ich mich spontan gerne erinnere, lagen den seligen Langspielplatten bei und waren fast schon richtige Bücher (Gab/gibt es dafür eigentlich auch einen Terminus technicus? Ich erinnere mich nicht mehr... ?( ).


    Dem kann ich mich nur anschließen.


    Zitat

    - Die mit Abstand sinnvollste Nutzung einer LP-Beilage, die bei CDs nicht möglich ist (höchstens als beigelegte CD-Rom): das Abdrucken der Noten bzw. der Partitur. Einziges Beispiel, das mir einfällt: die Edition der Bachkantaten mit Harnoncourt/Leonhardt. Alles zwar ein bisschen klein gedruckt, aber zumindest damals hat das meinen Augen nichts ausgemacht.


    Auch bei der Gesamtaufnahme der Orgelwerke Bachs und Buxtehudes von Chapuis gab es die Noten dazu.
    Am schönsten war allerdings die Beilage zu Kremers Aufnahme der Soloviolinsachen: Bachs kalligraphisches Handschriftenexemplar als komplettes Facsimile.



    Aber auch bei manchen CDs werden die Kunden mit dem Booklet gut bedient.
    Vorbildlich sind sie etwa bei Weinbergers Bach-Einspielung: Die Instrumente werden ausführlich vorgestellt, Weinberger selbst kommentiert die Kompositionen und schreibt zusätzlich einen kleinen Essay über einen allgemeineren Aspekt der Orgelwerke.




    Den Vogel schießt allerdings das Buch hierzu ab:


    Ein über 200 Seiten starkes Hardcoverbüchlein mit Lesebändchen (!) – ich liebe Lesebändchen – und Inhaltsverzeichnis.
    Trotz Mehrsprachigkeit entfallen auf den deutschen Text 45 Seiten, die sich auf Aufsätze zu verschiedenen Themen verteilen.
    Am Schluss werden die Instrumente mit Bild, kurzer Geschichte und Disposition aufgeführt.
    Besser gehts kaum noch.


    :jubel: :jubel: :jubel:

  • Hallo,


    Mein liebstes Booklet stammt von Gilbert Kaplan.


    Gilbert Kaplan ist Herausgeber von Wirktschaftsjournalen in den USA. Nebenbei dirigiert er - allerdings nur Gustav Mahlers 2. Symphony - und das auf beachtliche Weise.


    66 Seiten umfaßt das komplett in deutsch und vom Dirigenten selbst verfaßte Booklet seiner ersten Einspielung aus 1988. Es ist eine liebevolle und detailierte Einleitung in Mahlers zweite, bestehend aus 6 Kapiteln:


    1) Eine Anleitung zur Auferstehungssymphonie
    2) Die Musik und Mahlers Programm
    3) Die Geburt einer Sinfonie
    4) Wie Mahler die 2. Symphony dirigierte
    5) Die Künstler
    6) Ausschnitte aus 'Mahlers handschriftlicher Paritur'



    So sollten Booklets aussehen.


    Das Heft der neuen Aufnahme mit den Wienern unter Kaplan bei DG ist mit 4 Seiten deutlich spartanischer.


    Gruß Jörg

  • Zitat

    Original von Ulli
    Khampan hat mir eine Einspielung der 6 Streichquartette op. 18 Ludwig van Beethovens ausgeliehen. Hier spielt das Ensemlbe Smithonian String Quartet, offenbar ein Vorläufer oder Ableger der The Smithsonian Chamber Players; denn es spielen Jaap Schröder, Marylin McDonald, Judson Griffin und Kenneth Slowik. Erst- und letztgenannter gehören auch dem Kammerensemble an.
    515wj6BCuBL._SS500_.jpg
    Das Design ist für die deutsche harmonia mundi m. E. ungewöhnlich - es erinnert eher an die Ausgaben von SONY, was vielleicht an der Zusammenarbeit mit der BMG liegt?


    Seinerzeit hatte Sony meines Wissens noch nix mit BMG zu tun. Silber mit dem roten Balken scheint eine ganze Reihe gewesen zu sein; allerdings eben um 1990, daher lange vergriffen. (Ich habe die Quartette mal preiswert auf Ebay erworben, es ist wirklich eine sehr gute Aufnahme, und meine einzige, die die 2. Wdh. in den Kopfsätzen von 5 &6 beachtet ;)).


    LP-Boxen boten einfach mehr Raum. Irgendeine Ausgabe von Doratis Haydn-Sinfonien hatte angeblich ausführliche Kommentare von Robbins-Landon, die so nirgendwo mehr erschienen sind (bei Wiederauflagen der LPs oder gar CDs wurde das eingespart).


    cpo hat in der Tat häufig sehr gute Booklets, teils sogar mit Notenbeispielen.


    Aber die wohl üppigste Ausstattung unter den in meinem Besitz befindlichen CDs ist hier zu finden (es gibt noch zwei oder drei weitere in ähnlicher Ausstattung):



    Dickes Beiheft mit Texten, Kommentar, einigen Facsimiles. Hier zeigt sich aber der Nachteil des CD-Formats Bilder, Noten, Facsimiles werden schnell zu klein.


    Die eigentlich auch sehr schön gestalteten Bücher, die Teldec oder Harmonia Mundi manchmal haben, und auch RCAs Rubinstein Edition haben leider den massiven Nachteil, dass die CDs zu eng drinsitzen; ich habe die alle umgepackt, um Kratzer zu vermeiden.


    Optisch und haptisch sehr schön, inhaltlich ordentlich, aber nicht überragend war auch die leider recht kurzlebige Reihe CBS Masterworks Heritage, m.E. immer noch die schönste aller Originals/Legends/Masters usw.


    :hello:


    JR

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Spontan fällt mir die Beilage zu den Beethoven-Streichquartetten vom Gewandhaus ein.
    Klar, das war durch das andere Format möglich, das andererseits aber auch verhindert, daß die Scheiben bei den anderen gelagert werden können.


    Gruß aus Bonn :hello:

    Was Du nicht willst, das man Dir tu, das füg auch keinem andern zu

  • Zitat

    Original von Johannes Roehl
    Irgendeine Ausgabe von Doratis Haydn-Sinfonien hatte angeblich ausführliche Kommentare von Robbins-Landon, die so nirgendwo mehr erschienen sind (bei Wiederauflagen der LPs oder gar CDs wurde das eingespart).



    Ha, die hab ich!


    Jedenfalls für die Londoner Symphonien. Das waren 1980 die ersten LPs, die ich von meinem eigenen Geld gekauft habe.



    Viele Grüße


    Bernd

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  • Ausführliche Booklets habe ich nur bei "Opera Rara" und Andante entdeckt.
    Hervorragende Booklets, respektive Textbeilagen bei LP´s fand eigentlich nur bei der DG und vor allem Hungaroton..


    :hello:Heldenbariton

    Wie aus der Ferne längst vergang´ner Zeiten
    GB

  • Zitat

    Original von WolfgangZ
    Kaum noch wurde ich den Beiheften der Firma cpo enttäuscht.


    Die finde ich in der Regel akzeptabel, manchmal auch schlecht, besonders tolle Beispiele weiß ich aber nicht.


    Am zufriedensten bin ich - was Labels betrifft - mit Wergo, ich denke vor allem an die Reihe des Deutschen Musikrates.
    :hello:

  • Zitat

    Original von Kurzstueckmeister


    Die finde ich in der Regel akzeptabel, manchmal auch schlecht, besonders tolle Beispiele weiß ich aber nicht.


    Am zufriedensten bin ich - was Labels betrifft - mit Wergo, ich denke vor allem an die Reihe des Deutschen Musikrates.
    :hello:


    Auch die der Bach/Weinberger-CDs?
    Sieh sie Dir mal an, zur Zeit werden sie einem für 1,99 (inkl. CD :D ) hinterhergeworfen.

  • Hallo, Kurzstückmeister!


    Ich will noch ein paar meines Erachtens gelungene Booklets von cpo aufzählen. Der Wert scheint mir gewiss auch darin zu liegen, dass es sich zum Teil um weniger zentrales Repertoire handelt, über das man sich nicht nach Belieben zu Hauf auch in Büchern oder im Internet informieren kann:


    Busoni, Orchesterwerke (Tanzwalzer etc.) (NDR-SO / Albert)
    Goetz, Symphonie und Violinkonzert (s.o.)
    die drei Hindemith-Boxen mit den Orchesterwerken (Albert)


    und vor allem die Box mit den Sinfonien von Wilhelm Peterson-Berger (Jurowski), die ähnlich gestaltet ist wie bei Pettersson.


    Ansonsten habe ich wohl noch zwanzig oder dreißig Platten dieses Labels und kann nichts "Schlechtes" finden - im Sinne von Minimallösungen, Platitüden oder völlig unübersichtlichen Informationen, wo man kaum das Entstehungsjahr einer Komposition ausfindig machen kann.


    Immerhin ist cpo oft fast so billig wie Brilliant, das - gänzlich unabhängig von der nicht selten guten Qualität der Einspielungen - in seiner Anfangszeit gerne auf die Beigabe von Informationen großzügig verzichtet hat und hier gewiss noch keine Vorreiterrolle einnimmt.


    WERGO finde ich nicht so viel im Schrank. Was mir aber beispielsweise auch vom Booklet her sehr gut gefällt, ist die Sammlung älterer Referenzaufnahmen der Hartmann-Sinfonien mit dem BR-Orchester.


    Mag aber sein, dass es in diesem Thread primär um bibliophile Besonderheiten geht. Dann wäre mein Posting von geringerem Interesse. :)


    Besten Gruß, Wolfgang

    Lieber Fahrrad verpfänden denn als Landrat enden!

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  • Hallo,


    Ein hervorragendes Booklet findet sich auch wieder bei CPO und zwar beim
    Klavierkonzert von Pfitzner. Selten kann man so eine genaue und objektive
    Annäherung und Bewertung finden.


    Gruß
    Rüdiger


    ________________________
    Lärm ist ... nur eines der Übel unserer Zeit, wenn auch vielleicht das auffälligste. Die anderen sind Grammophon, Radio und neuerdings die verheerende Television.


    C.G. Jung

  • Zitat

    Original von WolfgangZ
    Hallo, Kurzstückmeister!


    [...]
    Ansonsten habe ich wohl noch zwanzig oder dreißig Platten dieses Labels und kann nichts "Schlechtes" finden - im Sinne von Minimallösungen, Platitüden oder völlig unübersichtlichen Informationen, wo man kaum das Entstehungsjahr einer Komposition ausfindig machen kann.[...]


    Hallo WolfgangZ,


    Deine Beispiele kenne ich nicht, obwohl ich recht viele cpo-CDs habe. Die Negativbeispiele müßte ich auch wieder suchen, es gibt da so einen "Eckehart van der Hoogen" oder so, der nicht nur für cpo so schreibt, dass mir übel wird. Das gehört aber eigentlich nicht in diesen Thread.


    Ich werde aber auch einmal ein paar besonders gute cpo-Booklets suchen, ich glaube doch, dass es ein paar gibt (z.B. bei Manfredini?)
    :hello:

  • Hallo, Kurzstückmeister!


    Die folgende CD mit Manfredini besitze ich:



    Überzeugende Einspielung und gelungenes Booklet zu ... sagen wir es einmal so ... nicht sonderlich auffälliger Musik.


    Besten Gruß,


    Wolfgang, der jetzt ein wenig Angst hat vor der bedeutenden Locatelli- und Barocklobby in diesem Forum ... :D

    Lieber Fahrrad verpfänden denn als Landrat enden!

  • In der Regel finde ich die cpo-Booklets überdurchschnittlich - zumindest was den Informationsgehalt anbetrifft. Sehr gut und informativ sind IMO beispielsweise die Booklets zu den beiden bei cpo gelabelten Opern von R. Keiser (»Masaniello Furioso« und »Der geliebte Adonis«), zu Lullys »Thesee« oder zu Schrekers »Spielwerk« und »Christopherus«.


    Manchmal sind die Dinger aber auch schon ganz schön krude geschrieben. Ein Beispiel ist etwa der Booklet-Text zu dieser CD:



    Da liest man und liest man und ist am Ende vollkommen des-informiert, aufgrund eines zwischen Detailfreude und wilder Spekulation hin- und herhopsenden, unstrukturierten, verwirrend erzählenden und daher schwer nachvollziehbaren Text (vielleicht soll das aber auch Kunst sein). Ähnlich ging es mir mit dem Booklet zur Muffat-CD bei cpo (die Autoren müßte ich nachschauen). Aber das waren bisher eher Ausnahmen...


    WERGO macht tatsächlich außergewöhnlich gute (wenn auch nicht immer schöne) und höchst-kompetente Booklets (ist bei den CD-Preisen aber eigentlich auch nicht mehr als angemessen... :D ).


    Opera-Rara-Booklets sind geradezu mondän, genauso wie die überaus üppige Ausstattung der Boxen. Da hat man wirklich etwas in der Hand, was schon beim Anfassen Spaß macht (ist bei den Preisen aber ebenfalls angemessen).


    Sehr schön und mit kompetenten Texten bestückt finde ich auch die Booklets vieler Alben von »Harmonia Mundi«. Exemplarisch ist etwa die
    Ausstattung der Aufnahmen von R. Keisers »Croesus« oder A. Scarlattis »Griselda«.


    Ganz herzlich,
    Medard

  • Zitat

    Wolfgang, der jetzt ein wenig Angst hat vor der bedeutenden Locatelli- und Barocklobby in diesem Forum ... :D


    ach das sehe ich genauso, besser als Locatelli ist Manfredini aber allemal :D

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  • Zitat

    Original von WolfgangZ
    Wolfgang, der jetzt ein wenig Angst hat vor der bedeutenden Locatelli- und Barocklobby in diesem Forum ... :D


    Ja, es wird wirklich Zeit für ein paar Quantz-CD-Reihen bei cpo, natürlich mit ausführlichen Booklets ...
    :D

  • Durch meine regelmäßige Scan-Tätigkeit von Booklets in der letzten Zeit sind mir ein paar Dinge aufgefallen.



    Boxen der DGG, die ich besitze, wie die mit dem LaSalle Quartet mit der zweiten Wiener Schule, die Boulez Box mit seinen Werken und viele andere sind mit ausgezeichneten Booklets versehen. Booklet ist da schon zum Teil der falsche Ausdruck. Es sind kleine Bücher mit zum Teil über 300 Seiten. Schrecklich zu scannen, aber welche Fülle an Informationen. Das habe ich früher immer ignoriert. Ich werde mich in Zukunft bemühen, das wertzuschätzen.


    Angesichts, der mir bei meinem Vorhaben begegnenden Fülle von bedrucktem Mist, sollte man das einmal erwähnen. :jubel:


    Die Budget-Boxen von Sony (die in meinem Besitz sind) haben außer den Papphüllen für die CDs nichts dabei. Da ist das Scannen sehr einfach. Aber der Produktionsprozess scheint es auch zu sein ... :( Aber die sind wenigstens ehrlich ... :saint:

  • Ich ergänze den vorigen Beitrag noch um eine Bemerkung. Hin und wieder trifft man auf ganz ausgezeichnete Booklets. Leider wechselt das bei Labels wie der Deutschen Grammophon oder Sony schon mal. Gerade, wenn sie Stars vermarkten, wirkt das Booklet nicht selten wie eine Bewerbungsmappe für Filmschauspieler und dank Leporello-Technik wird das zusammenhängende Lesen manchmal zu einer Knobelaufgabe.


    Wohltuend konstant auf hohem Niveau scheinen mir die Booklets des Labels cpo zu sein. immer kann man etwas Sinnvolles zur Musik und zu den Musikern lesen. Der Satz ist auch so gestaltet, dass - mit ein wenig Vergrößerung - das Lesen leicht fällt.


    Für Liebhaber des Schulnotensystems: 1- ;)


    PS: Dazu kommt nicht selten eine schöne Aufmachung.

  • Zwei Boxen mit weit herausragenden Booklets möchte ich dann auch noch erwähnen:



    und die alte Aufnahme der Wiener mit den LaSalle Quartet, die schon als Platte außergewöhnlich war.



    Booklets mit ausführlichen Kommentaren, Notenbeispielen, Informationen zu den Aufnahmen und vielem mehr mit fast 300 Seiten! und weil's so schön war, noch einmal die alte Plattenschachtel


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  • Das habe ich früher immer ignoriert. Ich werde mich in Zuzkunft bemühen, das wertzuschätzen.


    Angesichts, der mir bei meinem Vorhaben begegnenden Fülle von bedrucktem Mist, sollte man das einmal erwähnen. :jubel:

    :thumbup: Es kann schon sehr hilfreich sein, gute Texte über Musik zu lesen

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  • Wohltuend konstant auf hohem Niveau scheinen mir die Booklets des Labels cpo zu sein. immer kann etwas Sinnvolles zur Musik und zu den Musikern lesen. Der Satz ist auch so gestaltet, dass - mit ein wenig Vergrößerung - das Lesen leicht fällt.

    Das sehe ich auch so! Das ist oft von doppeltem Gewinn, weil viele Raritäten die cpo herausgibt weitgehend in der verbreiteten Musikliteratur fehlen.

    Beste Grüße von Tristan2511


    "Glaubt er, dass ich an seine elende Geige denke, wenn der Geist zu mir spricht?"

    (Beethoven zu Schuppanzigh)


  • Für mich sind die besten Booklets in dieser Reihe über die Semperoper Dresden enthalten, die bei Hänssler erschien und hoffentlich auch in Zukunft erscheinen wird. Sie strotzen vor wunderbaren Fotos, Figurien, Stichen, Gemälden und Porträts in gestochenem Druck. Man erfährt sehr viel über die Umstände der Aufführungen und Aufnahmen der jeweilien Werke zu Dresden. Beschworen wird ein wichtiges Kapitel deutscher Rundfunkgeschichte. Sänger, Dirigenten, Regisseure und Bühnenbilder werden vorgestellet. Zeitzeugen kommen zu Wort, Kritiker werden ausführlich zitiert. Im Grunde sind die Booklet sinnliche Bücher in CD-Format.

    Es grüßt Rüdiger als Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Die Reihe "Künstler im Gespräch" vom Labal cybele zeichnet sich ebenfalls durch ausgesprochen liebevoll gemachte Booklets aus. Sie sind zudem ausgesprochen informativ. Ich habe in dieser Reihe Werke von Zimmermann, Boulez und Hartmann und möchte ganz besonders auf das sinfonische Werk von Karl Amadeus Hartmann aufmerksam machen



    Zitat von jpc

    "Hartmann folgte einzig seinem ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit, Menschlichkeit und künstlerische Wahrhaftigkeit, frei nach Oscar Wildes Devise: Wer nicht auf seine Weise denkt, denkt überhaupt nicht. Diese außergewöhnliche Produktion beleuchtet Hartmann aus den verschiedensten Perspektiven, wodurch ein vielfarbiges, tiefendimensionales Bild des „Whitest of all German musicians“ entsteht."

    (CLASS aktuell 2010/3)

  • Manchmal ist der Verfasser des Booklet-Textes das Besondere. Die Qualität der gewählten Worte fällt auf.

    Im Falle dieser CDs ist es der Schriftsteller Peter Härtling (1933-2017), der sich den Werken schreibend angenähert hatte. Er hat einen eigenen Zugang zur Musik.


    Beide Male war ich davon eigenommen, was über die Musik geschrieben wurde. Sah ich dann nach dem Lesen der klug verfassten Texte nach, wer der Urheber ist, war es Peter Härtling.




  • Die Booklets zu den beiden Bänden Das Wohltemperierte Klavier Johann Sebastian Bachs ist in der Aufnahme der Pianistin Dina Ugorskaja (1973-2019) ein längeres Interview, in dem sie sich zu den Werken, ihrer Herangehensweise an den Notentext und den Gehalt der Musik äussert.


    Selten gewährt eine Interpretin bzw. ein Interpret Einblicke in ihre Arbeit. Das finde ich ist im Gespräch mit der Musikwissenschaftlerin und Lektorin des Suhrkamp-Verlages Katharina Raabe vorbildlich gelungen.


    Ich besitze die beiden Ausgaben (links und Mitte), in denen der Text auf das Doppelalbum und die Box aufgeteilt ist.


    Ich nehme an, der vollständige Booklettext ist auch in der Box (rechts) mit beiden Bänden von Das Wohltemperierte Klavier enthalten.



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