Vom Olymp zur Hölle und zurück - Offenbachs Operetten auf CD und DVD

  • Vorbemerkung: Der etwas sprunghafte Einstieg in diesen Thread erklärt sich durch eine Auskopplung aus diesem Thread, in dem sich ein OT entwickelte: Orpheus in der Unterwelt an der Volksoper


    Ich habe es endlich geschafft und mir die Aufnahme unter Rene Leibowitz (Paris 1951) gekauft - und jetzt liegt sie gerade im CD-Player. Nach der ersten von zwei CDs sage ich einmal, dass ich den Kauf nicht bereue (nicht nur, wegen de geringen Preises bei jpc).


    Wer das französische Musiktheater besser kennt als ich, möge mich bitte verbessern. Aber für mich klingt dieser "Orphee aux Enfers" so, wie Offenbach klingen soll - spritzig und transparent. Und auch die SängerInnen wirken auf mich nicht so erdig, wie in vielen (nicht nur deutschsprachigen) Einspielungen, sondern locker und leicht, soubrettenhaft im positiven Sinne.


    an Fairy Queen - kennst du diese Aufnahme, und (wenn ja) wie ist dein Eindruck davon.



    Jacques Offenbach - ORPHEE AUX ENFERS
    Bernard Demigny - Jupiter
    Janine LINDENFELDER - Diana
    Andre JONQUERES - Merkur
    Monique Chalot - Venus
    Simone Pebordes- Cupido
    Lucien Mans - Mars
    Andre Dran - Pluto, Aristeus)
    Jean Hoffman - Styx
    Jean Mollien - Orpheus
    - Claudine Collart - Eurydike
    Cheurs et Orchestre Philharmonique Paris
    Dirigent: Rene Leibowitz


    viele Grüße aus dem derzeit sonnigen Wien
    Michael 2


  • Ich bin zwar weder Fairy noch Queen, erlaube mir aber dennoch einen Kommentar, da ich die Aufnahme sowie die unter Minkowski und Plasson und noch einige DVDs einigermaßen gut kenne.


    Wie Fairy Queen schon geschrieben hat, ist die Aufnahme unter Minkowski die derzeit unübertroffene, wobei ich die DVD wegen der herrlichen Inszenierung und der offensichtlichen Spielfreude aller Beteiligten vorziehen würde. Leider gibt es m. W. keine kommerziell verfügbare Aufnahme der Aufführung an der Berliner Komischen Oper in der Inszenierung Harry Kupfers mit Jochen Kowalski. Wenn die mal wieder ausgestrahlt wird (zuletzt im ZDF Theaterkanal) sollte man die unbedingt mitschneiden, denn es ist die beste Aufführung in deutscher Sprache, die ich je gesehen oder gehört habe. Das sage ich allerdings, ohne die Liebermann-Inszenierung unter Marek Janowski zu kennen, die u.a. mit Liselotte Pulver, Inge Meysel und Theo Lingen besetzt ist, dessen Styx man einfach kennen muss.


    Zu Leibowitz: leider ist die Aufnahme grausam gekürzt und auch klanglich ziemlich angestaubt, aber ich finde sie besser als die absolut vollständige Aufnahme unter Michel Plasson, die trotz der mit dem Repertoire bestens vertrauten Besetzung erschreckend fad geraten war. Als Platzhalter für einen späteren Erwerb der Minkowski-Aufnahmen ist sie allerdings mehr als achtbar, denn Du hast ihre primäre Qualität des authentischen Klangs einer Offenbach-Operette, die eben keine Jessye Norman verträgt, richtig gekennzeichnet.


    :hello: Rideamus

  • Cher Brunello, leider habe ich deine Frage übersehen :O und bin froh dass der Fairy King of the Operette Rideamus statt meiner geantwortet hat!
    Mal wieder eine Einspielung, die ich als NICHT-Sammlerin noch nicht kenne.... daher kann ich keinen weiteren Kommentar abgeben. Allerdings finde ich alle stark gekürzten Versionen ziemlich daneben, weil meist ganz entscheidend witzige Nummern fehlen, wie ich selbst schon schmerzlich erlebt habe auf der Scuhe nach einem Cupido-Couplet.
    Etwas Besseres als die Minkowsi-Version kann ich mir nur schwerlich denken. Allein das Fliegenduett ist einfach unvergleichlich :hahahaha: :jubel:
    Als DVD würde ich auch noch mit gewissen Einschränkungen empfehlen:
    Patrick Davin, Herbert Wernicke Thetare de la Monnaie Bruxelles
    Es singen/spielen: Alexandru Badea, Elisabeth Vidal, Dale Duesing u.A;
    Nciht uninspiriert, allerdings gegen Minkowski........


    Fairy Queen

  • Zitat

    Original von Rideamus



    Gibt es eventuell ein Interesse an einem eigenen Thread mit den besten Offenbach-Einspielungen? Oder gibt es den schon?


    Lieber Rideamus,


    aus Deinen Beiträgen im Operettenführer schließe ich, dass wir dann auch gute Aufnahmen zu den (bislang) unbekannteren Werken kennenlernen - ich für meinen Teil kann da nur großes Interesse bekunden! :yes:


    Und eine Suche ergab, dass es entsprechendes noch nicht gibt.


    :hello:


    Elisabeth

  • Zitat

    Original von Elisabeth


    aus Deinen Beiträgen im Operettenführer schließe ich, dass wir dann auch gute Aufnahmen zu den (bislang) unbekannteren Werken kennenlernen


    Liebe Elisabeth, ich danke Dir für die Suche. Deine Hoffnung würde allerdings nur sehr bedingt in Erfüllung gehen. Die ORTF hat zwar mal (fast?) alle Offenbach-Operetten eingespielt, und eine Zeitlang gabe es viele davon auch auf LP für teures Geld, aber inzwischen kursieren die nur noch im Internet und das wenigstens praktisch umsonst, aber eben auch ohne jeglichen Begleittext. Deswegen fing ich ja mit dem Operettenführer zu den Einaktern an, zu dessen Fortführung ich leider zu wenig komme.


    Was verfügbare Aufnahmen angeht, und nur die lohnen ja wohl eine Beasprechung, bleibt es leider weitgehend bei dem bekannten Kanon der Offenbach-Meisterwerke plus ein paar Ausreißer auf deutsch.


    :hello: Rideamus

  • Lieber Rideamus, ich stimme dir in allen Punkten zu. was mich besonders störte an der Aufnahme ist die öffentlcihe Meinung und die überartikulierende Gesichtsgymnastik der Eurydice, die ihre Saches timmlich eigentlich sehr hübsch macht. Wenn auch gegen Nathalie Dessay....... :no:
    Gut fand ich Dale Duesing als Jupiter, wobei auch da Laurent Naouri einfach von Natur aus charmanter und spielfreudiger wirkt.


    Hast du Aufnahmen mit Felicity Lott als Herzogin oder Belle Hélène?
    Das sind zwei ihrer Paraderollen und sie ist einfach umwerfend!
    Noch mit über 60 bezaubert sie auch live das Publikum mit ihrem komödiantischen Talent - ein Phänomen! :jubel:
    Als sie hier in Lille ien Programm mit dem Namen "Femmes perdues et epouses vertueuses" gab, sang sie darinnen auch etlcihe "Offenbäche" und das in unglaublichen Diven-Gewändern, die sie viermal im Laufe des Abends wechselte. Eine Frau, die ihren Mangel an natürlciher "Schönheit" auf der Bühne mit soviel bezauberndem Charme vergessen macht, ist immer wieder eine Freude und ein Geschenk, finde ich. :jubel:

  • Zitat

    Original von Rideamus
    Was verfügbare Aufnahmen angeht, und nur die lohnen ja wohl eine Besprechung, bleibt es leider weitgehend bei dem bekannten Kanon der Offenbach-Meisterwerke plus ein paar Ausreißer auf deutsch.



    ... damit würde ich mich ja auch schon zufrieden geben :D:yes:


    :hello:


    Elisabeth

  • Zitat

    Original von Fairy Queen


    Hast du Aufnahmen mit Felicity Lott als Herzogin oder Belle Hélène?
    Das sind zwei ihrer Paraderollen und sie ist einfach umwerfend!
    Noch mit über 60 bezaubert sie auch live das Publikum mit ihrem komödiantischen Talent - ein Phänomen! :jubel:
    Als sie hier in Lille ien Programm mit dem Namen "Femmes perdues et epouses vertueuses" gab, sang sie darinnen auch etlcihe "Offenbäche" und das in unglaublichen Diven-Gewändern, die sie viermal im Laufe des Abends wechselte. Eine Frau, die ihren Mangel an natürlciher "Schönheit" auf der Bühne mit soviel bezauberndem Charme vergessen macht, ist immer wieder eine Freude und ein Geschenk, finde ich. :jubel:


    Ja, ich habe beide (die Hélène "nur" als cd und die Großherzogin als DVD) und zum Glück auch einen Mitschnitt des "Femmes perdues - Konzertes" vom Cheltenham International Festival of Music.


    Aber wir kommen jetzt sehr weit weg vom Orpheus in der Volksoper. Also verspreche ich Elisabeth, dass ich in Kürze den Offenbach-Thread starten werde, wenn mir nicht jemand zuvorkommen will. Vorher muss ich aber nachforschen, (ob) was hier schon über ihn existiert.


    :hello: Rideamus

  • Hallo allerseits :hello:


    Volker Klotz hat im Auftakt seines Buches "Operette" etwas sehr Schönes und Richtiges geschrieben:


    "Jacques Offenbach hat etwas in die Welt gesetzt, das vorher nicht da war, ohne ihn nicht da wäre und seitdem immer noch unverkennbar da ist. Nicht bloß dieses Etwas behauptet, wann immer man es hört und sieht, unverwechselbare Eigenart und öffentliche Geltung."


    Die Rede ist natürlich von der Operette als Gattung allgemein und der französischen im Besonderen, die ohne ihn in der Tat kaum denkbar wäre. Trotz dieses im Wortsinne die (Musik-) Welt bewegenden Umstandes ist von Offenbach hier, von der Vorstellung einzelner Werke im Opern- bzw. Operettenführer und gelegentlichen Erwähnungen in diversen Aufstellungen von Lieblingsstücken abgesehen, so gut wie gar nicht, geschweige denn ausführlich die Rede gewesen, sieht man einmal von seiner Oper HOFFMANNS ERZÄHLUNGEN ab, die deswegen hier außen vor bleiben sollte. Das gilt erst recht für die übrige französische Operette, die bei uns allenfalls bruchstückhaft bekannt ist und bei
    entsprechendem Zuspruch in weiteren Threads die gebührende Berücksichtigung finden sollte. Es liegt jedoch nahe, erst einmal mit dem Pionier Offenbach als dem Bekanntesten zu beginnen.


    Meine Vorstellung ist zunächst einmal die einer Bestandsaufnahme. Ich möchte die mir bekannte(n) Aufnahme(n) jeweils eines Werk von ihm vorstellen, meine Lieblingsaufnahme nominieren und hoffe dann auf rege Beteiligung per Ergänzungen, Kritik, abweichender Meinung etc. Natürlich soll die Initiative nicht immer von mir ausgehen. Es fühle sich also jeder ermutigt, eigene Operettenvorschläge zu machen und dazu "seine" Aufnahmen vorzustellen.


    Ich beginne mal mit seiner wohl bekanntesten Operette, zu der es auch die meisten Einspielungen gibt, und zu denen in dem o.g. Thread (später vielleicht im Vorlauf hier) schon einiges gesagt wurde:


    ORPHÉE AUX ENFERS / ORPHEUS IN DER UNTERWELT


    Den dankenswerten Operettenführer von Musika findet Ihr hier: OFFENBACH, Jacques: ORPHEUS IN DER UNTERWELT


    Ich habe bzw. kenne davon folgende Aufnahmen, manchmal in früheren Editionen als hier von Amazon übernommen. Dazu kommen noch etliche TV- und Rundfunkmitschnitte, auf die ggf. zurückzukommen sein wird, die aber kaum empfohlen werden können, solange sie nicht kommerziell greifbar sind:


    CD:
    René Leibowitz (Regis) in folgender Besetzung (nur die größeren Rollen):
    Jean Mollien - Orpheus (O), Claudine Collart - Eurydike (E), Bernard Demigny - Jupiter (J),
    Andre Dran - Pluto, Aristeus (P), Violette Journaux - L'opinion publique (Op), Jean Hoffman - Styx (S),


    Michel Plasson (EMI): Michel Sénéchal (O), Mady Mesplé (E), Michel Trempont (J), Charles Burles (P), Jane Rhodes (Op), Bruce Brewer (S)


    und auf deutsch:
    Willy Mattes (EMI): Adolf Dallapozza (O), Anneliese Rothenberger (E), Benno Kusche (J), Ferry Gruber (P), Theo Lingen (S)


    DVD:
    Marc Minkowski (Naxos): Yannick Beuron (O), Nathalie Dessay (E), Laurent Naouri (J), Jean-Paul Fouchecourt (P), Martine Olmeda (Op), Stephen Cole (S)


    Patrick Davin (Arthaus): Alexandru Badea (O), Elizabeth Vidal (E), Dale Duesing (J), Reinaldo Macias (P), Désirée Meiser (Op), André Jung (S)


    Meine Lieblingsaufnahme (Minkowski) habe ich schon bekannt gegeben. Damit ich aber hier nicht die ganze Arbeit machen muss, würde mich zunächst mal interessieren, welche Aufnahmen Ihr (noch) habt oder kennt und wie Ihr zu denen steht. Außerdem natürlich, ob Ihr so einen Thread überhaupt sinnvoll findet.


    :hello: Rideamus

  • Vielen Dank für diesen thread, lieber Rideamus!



    Orphée aux enfers habe ich wohl vor vielen Jahren in einer Inszenierung am Landestheater Coburg gesehen, seither das Werk aber :untertauch: etwas aus den Augen verloren…


    Präsenter ist mir seine „Großherzogin“ - LE GRANDE-DUCHESSE DE GEROLSTEIN – die ich in zwei verschiedenen und jede auf ihre Art köstlichen Inszenierungen in den achziger Jahren erst in Coburg und später am Südostbayerischen Städtetheater in Passau gesehen habe.


    Eine amüsante Komödie um eine kriegspielende und auf Freiersfüßen wandelnde Großherzogin, die ihren aufgeblasenen General Boum zugunsten des einfachen Soldaten Fritz entmachtet, auf den sie ein Auge geworfen hat. Boum intrigiert zusammen mit den von der Großherzogin abgewiesenen Bewerbern gegen Fritz, der zum Schluss froh ist, wieder degradiert zu sein und dafür seine Wanda heiraten zu können, während sich die Großherzogin mit dem Prinzen Paul vermählt und Boum seinen Generalsrang zurückerhält…


    Neben einer nichtkommerziellen Aufnahme kenne ich aus eigenem Hören diesen Livemitschnitt hier:


    Jacques Offenbach (1819-1880)
    Le Grande-Duchesse de Gerolstein


    mit Lucia Valentini-Terrani als Großherzogin, Carla di Censo als Wanda, Carlo Allemano als Fritz, Thomas Morris als Puck, Richard Plaza als Prinz Paul und Etienne Ligot als General Boum,
    Dds Orchestra Internazionale d'Italia spielt unter der Leitung von Emmanuel Villaume
    Label: Dynamic , DDD, LA



    [jpc]7980219 [/jpc]


    JPC 7980219 - ein Bild gibt es wohl derzeit nicht dazu.


    Und beim Wiederhören vermag mich Lucia Valentini-Terrani nicht zu überzeugen, sie ist bei der Aufnahme hörbar über ihren Zenit hinaus.



    Weiter erhältlich, mir aber nicht bekannt, sind folgende Aufnahmen:


    Zunächst aus dem Jahr 1958 auf CD erhältlich


    Zareska, Prevet, Dran, Riley, Lacour, Mollien,
    Pasdeloup Orchestra Paris, Leibowitz
    Label: Preiser , ADD, 1958




    Und sowohl auf CD als auch auf DVD gibt es diese Produktion des Theatre du Chatelet Paris, deren Besetzung sehr vielversprechend klingt:


    Felicity Lott, Sandrine Piau, Francois Le Roux, Yann Beuron,
    Les Musiciens du Louvre, Marc Minkowski



    (JPC zitiert Pressestimmen auszugsweise wie folgt „Eine herrliche Typenparade geisterhafter Scheißbudenfiguren von latenter Gefährlichkeit…..“) (sic!) :hahahaha:


    :hello:


    LG, Elisabeth


  • :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel:
    Freud läßt grüßen...

  • Unter den neueren Offenbach-Aufnahmen sind die von Minkowski nach ziemlich einhelliger Meinung die besten, unter den älteren scheinen diejenigen unter Leibowitz musikalisch eindeutig überlegen, allerdings sind das z.T. gekürzte Versionen.


    LG


    Waldi

  • Hallo zusammen,


    Zitat


    original Rideamus
    und auf deutsch:
    Willy Mattes (EMI): Adolf Dallapozza (O), Anneliese Rothenberger (E), Benno Kusche (J), Ferry Gruber (P), Theo Lingen (S)


    Ich habe diese Aufnahme und bin nicht allzu angetan. Ich kann gar nicht mal sagen warum, spricht mich einfach nicht an. Möglicherweise muss ich sie auch nur noch ein paarmal hören.


    Theo Lingen ist ganz lustig zu hören. Ich muss aber zugeben, dass ich ihn als Schauspieler liebe. Möglicherweise finde ich ihn daher in der Rolle des Hans Styx so gut.


    LG


    Maggie





  • Ich habe es ja in einem anderen Zusammenhang schon einmal angerissen (Premiere von "Orpheus in der Unterwelt" in der Wiener Volksoper), aber im deutschsprachigen Raum fehlt offenbar der für Offenbach erforderliche Charme. Das ist eben auch der Unterschied zwischen dem Mainzer Karneval und dem Carnevale in Italien (ich hoffe, ich habe die Freunde am Rhein mit diesem Vergleich nicht zu sehr beleidigt). Im Carnevale in Venedig habe ich vor ein paar Jahren im La Fenice (noch vor der Renovierung, die in Schutt und Asche endete) einen Orpheus von Offenbach in italienisch erlebt, der ebenfalls leichter und spritziger war, als in unseren (deutschen und österreichischen)Theatern.


    Michael 2

  • Zitat

    Original von brunello


    Ich habe es ja in einem anderen Zusammenhang schon einmal angerissen (Premiere von "Orpheus in der Unterwelt" in der Wiener Volksoper), aber im deutschsprachigen Raum fehlt offenbar der für Offenbach erforderliche Charme.


    Lieber Brunello,


    ich habe darum gebeten, diesen, oben zitierten, "anderen Zusammenhang" hierher zu kopieren, wo er hingehört. Dort habe ich auch meine Bewertungen der Einspielungen von Leibowitz und Plasson gepostet. Bislang stehen sie noch hier: Orpheus in der Unterwelt an der Volksoper


    Tatsächlich sind die (derzeit) besten deutschen Aufnahmen einer Offenbach-Operette regelmäßig die, zu denen es keine französische Alternative gibt, etwa COSCOLETTO oder, mit starken Abstrichen, SALON PITZELSBERGER. Offensichtlich liegt der französische Esprit ziemlich quer zum "deutschen Wesen". Das lässt sich ja auch in den (eher wenigen) deutschen Einspielungen und Aufführungen französischer Opern beobachten. So lange ist es ja gar nicht her, dass man Gounods FAUST nur unter dem vermeintlich weniger denkmlsschänderischen Titel "Margarete" aufführte. Schon das spricht für eine Aufführung in der Originalsprache, wobei natürlich voprauszusetzen wäre, dass die Ausführenden die Sprache einigermaßen beherrschen, was bei den vielen Dialogen einer Operette natürlich schwer fällt.


    @ Maggie


    Das von Dir angeführte Beispiel verkörpert für mich im zum Glück seltenen Extrem den Grund, warum ich im Threadtitel von einer Hölle statt nur der Unterwelt sprach. Sie verent fast alles, was man bei der Einspielung einer Offenbach-Operette NICHT tun sollte: falsche Stimmauswahl (Dallapozza!), Humorlosigkeit (Rothenberger), dafür deutsche Operettenseligkeit, plumpsige Rhythmen und kümmerlich aktualisierende Dialoge, die schon heute wieder viel unaktueller sind als das übersetzte Original, etc.). Unnötig gekürzt ist sie auch noch, aber das hat sie leider auch mit vielen französischen Einspielungen gemein, auch der von Leibowitz. Tatsächlich ist die Aufnahme das Anhören nur wegen des Styx von Theo Lingen wert, der sich die Partie so zu eigen gemacht hat, dass zwar nur noch teilweise Offenbachs Musik, aber sehr viel Lingen dabei heraus kommt, was in diesem Zusammenhang absolut legitim ist.


    Dass man diese Operette durchaus mit Gewinn auf deutsch sehen kann, belegt die TV-Aufzeichnung der Inszenierung von Harry Kupfer an der komischen Oper Berlin mit Jochen Kowalski und Gabriele Fontana. Wer die Gelegenheit dazu hat, sollte diese bei einer erneuten Ausstrahlung unbedingt mitschneiden oder sie sich anderweitig besorgen. Ich habe zwar meine Probleme mit einem Kontratenor als Orpheus, aber der Witz, mit dem Kowalski seine Rolle interpretiert, ist wirklich sehenswert, zumal er das auch sehr musikalisch macht. Leider gibt ausgerechnet Anny Schlemm, welche die Partie im Gegensatz zu ihren sonstigen deutschen Pendants wirklich singen kann, eine Interpretation der öffentlichen Meinung, die für meinen Geschmack zu sehr von dem sozialistischen Realismus der DDR imprägniert, also mindestens zu zeitgebunden ist. Das ist für mich auch die einzige Schwachstelle der Inszenierung Harry Kupfers, die mit einem umwerfenden Prolog einsetzt und auch ansonsten die beste ist, die ich bislang kenne. Da kommt sogar die Inszenierung Jean-Pierre Brossmanns in Lyon nur teilweise (etwa in dem Fliegenduett) heran, und das oft auch nur, weil er von brillianten Sängerdarstellern wie Nathalie Dessay, Laurent Naouri und Yannick Beuron unterstützt wird, denen man anmerkt, dass sie mit dem Werk aufgewachsen sind.


    Dem gegenüber vereint die DVD mit der Inszenierung Herbert Wernickes in Brüssel für meinen Geschmack deutsche Schwerfälligkeit mit einem wenig mehr als ordentlichen Ensemble und wäre allenfalls als Ergänzung der Sammlung eines Offenbach-Liebhabers interessant, wenn der Preis dem angemessen wäre, statt mit dem der Minkowski-DVD mitzuhalten.


    Kennt eigentlich jemand diese Hamburger DVD der Liebermann-Inszenierung und kann etwas dazu sagen?



    Ich zögere noch, trotz Theo Lingen, weil mir Liselotte Pulver und Inge Meysel zu sehr auf eine vom Sprechtheater geprägte Umsetzung hindeuten.


    @ Elisabeth
    Deinen Ausführungen zur GROSSHERZOGIN VON GEROLSTEIN stimme ich voll zu. Ich möchte jedoch darauf erst später eingehen, wenn ich meine Eindrücke von den anderen Aufnahmen dieser Operette etwas aufgefrischt habe, denn im Moment habe ich nur die in der Tat vorbildliche Einspielung/Aufführung Minkowskis vor Augen und Ohren.


    :hello: Rideamus

  • Lieber Brunello, ein italienischer Offenbach würde mich auch mal interessieren-vielleciht lassen die ein bisschen Commedia dell'arte Flair mit hinein? Oder hat da etwa Roberto Benigni den Styx gegeben? :]



    Lieber Rideamus, die von Dir genannte DVD hätte ich mir beinahe aus Verzweiflung gekauft, als ich unbedignt eine deutsche Ausgabe suchte. Als ich aber sah, dass da radikal mir serh Wichtiges zusammengestrcihen wurde und ausserdem keine richtigen Sänger mitmachen, habe ich sofort Abstand genommen. Lieselotte Pulver z.B. wird wohl kaum eine Eurydice stimmlich bewältigen, auch wenn sie sie sicher gut spielen kann. Alsö aus ähnlichen Gründen wie du verworfen :(


    Die Aufnahme von Maggie habe ich auch, stimmlich ist das gut, aber leider bis auf den Styx alles total bieder und null französchen Charme. Orpheus für Hausfrauen mit Kittelschürze oder so .....(wobei ich auch gerade eine solche anhabe und den Kochlöffel schwinge.... :D)


    Fairy Queen

  • Zitat

    Original von brunello


    Ich habe es ja in einem anderen Zusammenhang schon einmal angerissen (Premiere von "Orpheus in der Unterwelt" in der Wiener Volksoper), aber im deutschsprachigen Raum fehlt offenbar der für Offenbach erforderliche Charme. Das ist eben auch der Unterschied zwischen dem Mainzer Karneval und dem Carnevale in Italien (ich hoffe, ich habe die Freunde am Rhein mit diesem Vergleich nicht zu sehr beleidigt). Im Carnevale in Venedig habe ich vor ein paar Jahren im La Fenice (noch vor der Renovierung, die in Schutt und Asche endete) einen Orpheus von Offenbach in italienisch erlebt, der ebenfalls leichter und spritziger war, als in unseren (deutschen und österreichischen)Theatern.


    Michael 2


    Ich glaube, es ist mal wieder an der Zeit, an Karl Kraus und seine Offenbach-Lesungen zu erinnern. Wie es ausschaut, hat sich die Situation in den letzten hundert Jahren nicht geändert. Klügeres als von Kraus wurde von deutschen Autoren kaum geäußert... (vielleicht mal von Kracauer abgesehen)

  • Zitat

    Original von Fairy Queen
    . Lieselotte Pulver z.B. wird wohl kaum eine Eurydice stimmlich bewältigen, auch wenn sie sie sicher gut spielen kann. Alsö aus ähnlichen Gründen wie du verworfen :(



    Fairy Queen


    hm... ich habe es nicht auswendig im Kopf, aber meines Wissens ist Lilo Pulver die "Öffentliche Meinung", die Meysel Juno und Lingen natürlich wieder Jean Styx

  • Zitat

    Original von Armin Diedrich


    hm... ich habe es nicht auswendig im Kopf, aber meines Wissens ist Lilo Pulver die "Öffentliche Meinung", die Meysel Juno und Lingen natürlich wieder Jean Styx


    Da hast Du Recht, aber, wie schon oben gesagt: auch die öffentliche Meinung will eigentklich gesungen werden, wenn ihr Part auch längst nicht so anspruchsvoll ist wie der der Eurydike. Was den Part der Juno angeht, so fürchte ich, dass er im Dialog angeschwollen ist.


    Trotzdem werde ich mir die Aufnahme mal gelegentlich besorgen (allerdings nur bei einem kostengünstigen Angebot) und Euch berichten.


    :hello: Rideamus

  • Zitat

    Original von Armin Diedrich


    Ich glaube, es ist mal wieder an der Zeit, an Karl Kraus und seine Offenbach-Lesungen zu erinnern.


    Geht das etwas ausführlicher? Von Karl Kraus' Lesungen weiß ich nämlich (im Gegensatz zu Kracauer, der mir Offenbach zu einseitig auf die Sozialkritik zuspitzt) nur, dass es sie gab, und nicht, wie er ihn auslegte. Reduziert er ihn auch so auf "seine" Texte, wie weitgehend Kracauer und wie das Stichwort "Lesungen" erwarten lässt?


    :hello: Rideamus

  • Und wer singt dann da die Eurydice???? Wenn die Hauptrolle nciht gleich oben auf dem Cover steht ist das doch etwas seltsam oder? ?(
    Die öffentliche Meinung ist im übrigen eine keiensfalls anspruchslose Alt-Partie.
    Also mir scheint das wirklich eher eine Art Klamauk-Sprech-Version der Operette zu sein und ich bin gespannt auf Rideamus Bericht


    F.Q.

  • Zitat

    Original von Fairy Queen
    Und wer singt dann da die Eurydice???? Wenn die Hauptrolle nciht gleich oben auf dem Cover steht ist das doch etwas seltsam oder? ?(
    Die öffentliche Meinung ist im übrigen eine keiensfalls anspruchslose Alt-Partie.
    Also mir scheint das wirklich eher eine Art Klamauk-Sprech-Version der Operette zu sein


    Die Eurydike singt Elisabeth Steiner, den Orpheus immerhin William Workman, und die musikalische Leitung hat kein Geringerer als Marek Janowski. Ganz unmusikalisch kann die Aufführung also nicht (gewesen) sein.


    Im übrigen ist es leider eine deutsche Tradition, die öffentliche Meinung als komische Sprechnummer populären deutschen Schauspielerinnen anzuvertrauen, die vermeintlich satirische Zeitkritik verlautbaren, und den Gesangspart auf ein paar Stücke Sprechgesang zu reduzieren.


    Zum Glück betrifft ein derartig unpassender Umgang mit dem Original überwiegend den ORPHEUS und weniger die anderen Offenbach-Operetten - soweit die überhaupt noch bei uns aufgeführt werden. Die deutschen Einspoielungen der BANDITEN und DIE SCHÖNE HELENA sind schon anhörbarer, wenn auch weit von ihren besten französischen Gegenstücken (Minkowski / Gardiner) entfernt.


    :hello: Rideamus

  • Zitat

    Original von Rideamus


    Trotzdem werde ich mir die Aufnahme mal gelegentlich besorgen (allerdings nur bei einem kostengünstigen Angebot) und Euch berichten.


    :hello: Rideamus


    Seit kurzem gibt es die Hamburger Opern-DVDs komplett bei 2001 um 15.99 Euro pro Stück. Billiger wird man sie wohl kaum kriegen.

  • Zitat

    Original von Rideamus


    Geht das etwas ausführlicher? Von Karl Kraus' Lesungen weiß ich nämlich (im Gegensatz zu Kracauer, der mir Offenbach zu einseitig auf die Sozialkritik zuspitzt) nur, dass es sie gab, und nicht, wie er ihn auslegte. Reduziert er ihn auch so auf "seine" Texte, wie weitgehend Kracauer und wie das Stichwort "Lesungen" erwarten lässt?


    :hello: Rideamus


    Dazu gibt es ausfürliche Literatur und auch Aufnahmen:


    Knepler, Georg :
    Karl Kraus liest Offenbach : Erinnerungen, Kommentare, Dokumentationen / Georg Knepler. - Wien : Löcker, 1984. - 255 S. : Ill., Notenbeisp. + 1 Schallplatte . - ISBN: 3-85409-066-8


    Karl Kraus liest Eigenes und Angeeignetes [Medienkombination] : 3 CDs mit historischen Aufnahmen / Deutsche Schillergesellschaft Marbach. [Hrsg. von Friedrich Pfäfflin und Eva Dambacher in Zusammenarbeit mit Volker Kahmen].. - Marbach : Dt. Schillerges.. - (Marbacher Katalog / Beiheft ; 52,2)

    [4] . Karl Kraus und Jaques Offenbach. - Sonderprägung für die Ausstellung Karl Kraus im Schiller-Nationalmuseum Marbach , 1999. - 1 CD : mono, AAD ; 12 cm . - (... ; 52,2,[4])

  • Jetzt weiß ich's aber.


    Bitte entschuldige den frustrierten Ausruf, aber muss ich mir das wirklich alles zulegen und studieren, wenn ich nur ein wenig an der Essenz von dem schnuppern will, was Karl Kraus von Offenbach hielt und warum?


    Versuch doch mal, ein bisschen von dem heraus zu geben, was Du offensichtlich schon weißt, wenn Du Kraus mit Kracauer vergleichst.


    Bitte verstehe das nicht als Angriff. Ich bin wirklich daran interessiert, warum Du an Karl Kraus erinnerst, den ich sehr schätze, nur im Zusammenhang mit Offenbach so gut wie gar nicht kenne bzw. erinnere. nuMein Interesse geht halt nur nich so weit, jedenfalls derzeit, dass ich jetzt die Details studieren will oder auch nur könnte.


    Ich verstehe Tamino ja nicht nur als Quellenbörse, sondern auch als Podium für einen Meinungsaustausch. Dazu muss ich aber, auch in Deinem Fall, etwas mehr von dieser Meinung kennen.


    Beste Grüße


    :hello: Rideamus


    PS: danke für den DVD-Tipp. Beim Amazon Marketplace gibt's die sogar noch für ein paar Cent weniger. Ich habe die DVD soeben in mene nächste Bestelliste dort eingetragen, muss nur etwas warten, weil mich Tamino in letzter Zeit schon ziemlich nachhaltig geschädigt hat, was musikalische Anschaffungen betrifft.

  • Da muß ich um Nachsicht bitten. Ich habe seinerzeit einmal ein Offenbachseminar besucht, und in diesem Rahmen kamen auch die Lesungen (oder besser Vortragsabende) von Kraus zur Sprache, wobei Fischer uns einige Ausschnitte daraus vorführte (daneben auch Max Pallenberg als Menelaus).Allerdings ist dies mittlerweile schon diverse Jahre her, und ich müßte mir das seinerzeitige Handout erst wieder heraussuchen. Kraus vertrat im Prinzip die gleichen Positionen wie etwa Volker Klotz und betonte die satirischen Ursprünge und Qualitäten der Operette, wobei er Offenbach als Gegenpol zum von ihm strikt abgelehnten Léhar betrachtete. Mit Details kann ich aber erst ein andermal dienen.

  • Zitat

    Original von Armin Diedrich
    Da muß ich um Nachsicht bitten. Ich habe seinerzeit einmal ein Offenbachseminar besucht, und in diesem Rahmen kamen auch die Lesungen (oder besser Vortragsabende) von Kraus zur Sprache, wobei Fischer uns einige Ausschnitte daraus vorführte (daneben auch Max Pallenberg als Menelaus).Allerdings ist dies mittlerweile schon diverse Jahre her, und ich müßte mir das seinerzeitige Handout erst wieder heraussuchen. Kraus vertrat im Prinzip die gleichen Positionen wie etwa Volker Klotz und betonte die satirischen Ursprünge und Qualitäten der Operette, wobei er Offenbach als Gegenpol zum von ihm strikt abgelehnten Léhar betrachtete. Mit Details kann ich aber erst ein andermal dienen.


    Danke dafür, denn es hilft mir schon mal, ihn zu positionieren. Auf den Rest warte ich gerne auch länger.


    :hello: Rideamus

  • Hallo zusammen,


    ich habe vor Jahren im WDR einen Mitschnitt einer Aufführung des Einakters "Pomme d'api" gehört. Die Aufführung war auf deutsch und (trotzdem) ziemlich witzig und auch musikalisch mitreißend.


    Diese Aufnahme gab es zeitweise mal auf einer vom WDR mitproduzierten CD (bei EMI erschienen???), die aber seit Jahren wohl nicht mehr erhältlich ist.


    Meine Frage: Kennt jemand diese Einspielung und kann mir ein paar nähere Details dazu nennen (Produktionsjahr, Solisten, etc.)?


    Ich habe es seinerzeit leider versäumt, mir die Aufnahme zuzulegen, jetzt ärgere ich mich natürlich sehr (aber wer hat das nicht schon erlebt?) :motz:

    "Es ist mit dem Witz wie mit der Musick, je mehr man hört, desto feinere Verhältnisse verlangt man."
    (Georg Christoph Lichtenberg, 1773)


  • Ich jedenfalls hab's schon zu oft erlebt, allerdings nicht mit POMME D'API, denn von der Aufnahme wusste ich bislang noch gar nichts. Wenn Sie jemand hat oder findet, bitte auch an mich denken. :D


    Ich habe nur eine Aufnahme unter Manuel Rosenthal mit Mady Mesplé, aber die ist schon mal gar nicht schlecht. Die Operette steht schon auf meiner Liste der in den Operettenführer einzuarbeitenden Einakter. Das wird aber noch etwas dauern.


    Zu der gefragten Aufnahme: im Internet habe ich einen Hinweis auf eine Aufnahme unter Helmut Froschauer gefunden, der auch COSCOLETTO eingespielt hat. Vielleicht hilft aber eine Anfrage beim WDR am schnellsten? Die dortige Musikredaktion ist ja noch sehr rührig.


    :hello: Rideamus