REZNICEK, Emil Nikolaus von: BENZIN

  • Emil Nikolaus von REZNICEK (1860 - 1945)
    BENZIN


    Heiter-phantastisches Spiel mit Musik in zwei Akten (1929)


    Libretto: Reznicek frei nach Pedro Calderon de la Barca


    Ort der Handlung: Unbenannte Insel


    Zeit: Später


    Personen:


    Jeremias D. Thunderbolt, Milliardär – Baß
    Gladys, seine Tochter – Sopran
    Violet, deren Freundin – Koloratursopran
    Lissy – Sopran
    Nell – Alt
    Joe M. Plumkake, alter Verehrer der Gladys – Baß
    Die Alte – Alt
    Meyer, Hausknecht im Palast der Gladys – Baß
    Ulysses Eisenhart, Kommandant des Z 69 – Tenor
    Hans Freidank, Ingenieur – Bariton
    Emil Nikolaus Machulke, Funker – Tenor
    Franz Xaver Obertupfer, Koch – Baß


    Leute und Mannschaften des Z 69
    Begleiterinnen der Gladys
    Jazz-Musikanten
    Flughafenarbeiter
    Ein Diener



    Erster Akt


    Gladys ist im Besitz hypnotischer Kräfte und macht sich ein Vergnügen daraus: sie „verzaubert“ ihre männlichen Besucher in Tiere, sie hypnotisiert sie. Bisher hat ihr noch keiner widerstanden. Sie bewohnt ein prachtvolles Schloss und ist unumschränkte Alleinherrscherin auf dieser „unbenannten“ weil noch unbekannten und auf keiner Landkarte eingezeichneten Insel. Plumkake hat auf der Insel ergiebige „Benzinquellen“ entdeckt: „Es ist ein Naturwunder und das Öl destilliert sich von selbst“. Daher besitzt die Insel auch einen wohl eingerichteten Flughafen.


    Eisenhart muss mit seiner Z 69 während eines Wetterflugs auf der Insel notlanden und erlebt dabei so allerlei. Als erstes werden seine Leute von Gladys hypnotisiert und glauben nun, Tiere zu sein: ein Hahn, Esel, Hund, Schwein. Dienerinnen von Gladys haben ihnen gleich nach der Hypnose die entsprechenden Masken umgehängt. In dieser Verwandlung treten sie Eisenhart, dem Freidank davon berichtet, gegenüber. Inzwischen tritt Gladys mit ihren Damen auf und erblickt Eisenhart. Das neun stimmige Ensemble mündet schließlich in ein schwungvolles Tempo di Polacca.


    Nach der folgenden Tanzszene setzen Gladys und Eisenhart ihr Gespräch fort. Zuerst bildet der Sport das Thema, während Violet und Freidank schon gespannt sind, ob Eisenhart widerstehen wird. Gladys lässt inzwischen an die Strandkörbe servieren, die Dienerinnen müssen ihr aber gleichzeitig eine Löwenhaut mitbringen, sie hat nämlich die Absicht, Eisenhart in einen Löwen zu verwandeln. Sie versucht auch ihr hypnotische-magnetisches Spiel, aber es gelingt nicht. Nach der allgemeinen Freude darüber muss Gladys die Hypnose der Mannschaften Eisenhart lösen. Mit einem großen Finale schließt der erste Akt.



    Zweiter Akt


    Im Zweiten Akt beginnt die Intrige. Gladys kann ihre Niederlage nicht überwinden, scheint aber bereits von aufkeimender Liebe zu Eisenhart erfüllt sein. Sie beredet Violet ihn in sie, Violet, "verrückt zu machen", so dass er alles im Stich lässt und seine Wetter verliert. Violet geht, falsch wie sie sich Gladys gegenüber benimmt, auf diesen Vorschlag ein, weil sie hofft, dadurch Freidank eifersüchtig zu machen, auf den sie ein Auge geworfen hat.


    In der folgenden Szene versuchen Machulke und Obertupfer mit Lissy und Nell "anzubandeln". Eisenhart wird von Violet mit einem Brieflein in das Boudoir von Gladys gelockt, wie Freidank, der mit einer dienstlichen Meldung kommt, sie beide überrascht; auch Gladys sieht aus einem Versteck zu und muss gestehen, dass Violet ihre Rolle sehr natürlich spielt.


    Als heiteres Zwischenspiel folgt eine komische Szene mit Obertupfer, einem biederen Münchner. Danach setzt sich die Haupthandlung mit einer Aussprache zwischen dem bereits eifersüchtigen Freidank und Violet fort. An ihrem Ende aber finden sich beide und ziehen als glücklich sich küssendes Liebespaar ab.


    Gladys dagegen ist sehr beunruhigt. Eisenhart muss eine Wette gewinnen, sie will Eisenhart erobern (weil er ihr imponiert) und hat ihn deshalb für abends mit allen anderen eingeladen. Man sieht die Gäste ankommen und tanzen. Nur Eisenhart fehlt noch. Endlich tritt er ein, um sich zu verabschieden. Gladys aber bekennt, dass sie wünscht, Eisenhart möge hier bei ihr bleiben. Dieser aber weist sie ein zweites Mal ab. Gladys verlangt einen letzten Tanz, dann scheidet Eisenhart. Nun versucht sie noch ein äußertes Mittel: sie verbietet die Benzienlieferung an Z 69. Der herbei befohlene Plumkake weigert sich und zur Strafe dafür in einen Papagei verwandelt. Gladys Weigerung verursacht große Aufregung. Die Personen der vorigen Szene wirbeln in einem komischen Furioso durcheinander. Da erscheint Eisenhart, zu allem entschlossen, auf der Szene und stellt Gladys zu Rede. Hart auf hart fallen die Worte, bis Gladys meint, er könne sie ja erschießen. Eisenhart hat eine Waffe, wendet sie aber gegen sich selber, und in dem Augenblick verrät Gladys ihre Gefühle für ihn; sie entreißt ihm in einem Aufschrei den Revolver. Eisenhart aber verlässt sie. Gladys betrachtet die Waffe in ihrer Hand und muss entdecken, dass sie gar nicht geladen war. Da sie ich nun einmal verraten hat, zeiht sie die Forderungen, begibt sich an den Flugplatz, auf dem Z 69 gerade klar gemacht wird zum Abflug, und mit der sehr bescheiden vorgebrachten Frage: "Wollen Sie mich mitnehmen, Herr Eisenhart?" gibt sie sich geschlagen und folgt ihm, "der sie besiegt hat".



    Die Musik


    Die Musik von "Benzin" ist sehr stark von Tanzformen durchsetzt. Das verhilft einerseits zu einer Charakterisierung der Geselschaftsschichte, in der die Handlung der Oper spielt, ergibt aber anderseits im Gesamteindruck den von Reznicek beabsichtigten "leichten Ton", den der Komponist für dieses Werk wünscht.. Polacca und Foxtrott, Boston lente und Tempo di Valse stehen neben einem Tango und einem Galopp presto. Außerdem kommt zweimal ein Tempo di Gavotte vor, das erste mal mit dem bezeichnenden Beisatz: "etwas steif", das zweitemal im Molto moderato alle tedesca bei einem Dreiviertelgesang des Obertupfer; er erzählt vom Münchner Oktoberfest, und da meldet sich der Ländler.


    Rezniceks Humor fiert in seinem "Benzin" Triumphe. Mann kennt es der Partitur an, dass sie mit Hingabe komponiert wurde. Die klangliche Einkleidung lässt nichts zu wünschen übrig; sie bringt natürlich auch Propellergeräusche, Sirenen, Hammer und Amboss unter, wie es sich für einen Flughafen gebührt.

    Verachtet mir die Meister nicht

    Einmal editiert, zuletzt von Davidoff ()

  • Für alle Radiohörer schon mal ein Tipp:


    SENDUNG AM 04.12.2010 - Deutschlandradio Kultur, Berlin


    Späte Uraufführung


    Emil Nikolaus von Rezniceks Oper "Benzin" wird in Chemnitz aus der Taufe gehoben.
    1928 komponiert, war sie vollends in der Versenkung verschwunden.


    Näheres demnächst unter "Oper - heute im Radio"


    LG


    :hello:

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Die Liveübertragung aus Chemnitz konnte man bereits am 28. November auf MDR Figaro hören. Ich habe mal ein Ohr riskiert: Nett, gefällig, sehr tanzorientiert (ein bisschen das Bühnenpendant zu E.N. v.R. "Tanzsymphonie"), aber insgesamt eine Nuance zu belanglos, um als "Große Musik" zu gelten. Eher eine schöne Operette als eine schwergewichtige Oper.


    Gruss,


    Hendrik