Lieber Flo,
zunächst einmal vorweg: Heinrich Schlusnus gehört zu meinen Lieblingssängern, und wenn auch bei meinen 10 Favoriten einige Namen von Jahr zu Jahr wechseln können - er ist immer dabei.
Gründe dafür sind zunächst einmal sein Timbre, das Helle, verhalten Strahlende, das Du so treffend mit einem Frühlingstag verglichen hast
ZitatOriginal von Barockbassflo: Mir klingt das, wie wenn man einem wunderbaren Frühlingstag den Mangel an Wolkenbrüchen vorwerfen wollte...
und die zarten Farben seines Singens (die ja auch gut zum Frühling passen).
Und ja, ich höre auch Wolkenbrüche in seinem Singen, deshalb habe ich weiter oben geschrieben, dass meiner Meinung nach auch das Verhalten-Leidenschaftliche zu seinen Stärken zählte, nicht nur in Verdi-Opern, sondern auch im Liedgesang, und, auch wenn es hier OT ist und besser in den Schlusnus-Thread gehörte, in seinem "Don Giovanni". Dem schreibe ich nicht, wie Jürgen Kesting es macht (Die großen Sänger, S. 383), in dem Duett mit Zerlina den "Charme eines Hofrats" zu, sondern eher das Leidenschaftlich-Getriebene, das diese Figur ja auch hat.
Was mir bei ihm manchmal in einigen Liedern fehlt, ist das Ambivalente, Abgründige (z.B. in der "Forelle" oder "Am See") oder der sehnsuchtsvolle, etwas schwärmerische Ton, den z.B. Björling oder
McCormack der "Adelaide" oder dem "Ständchen" mitgeben konnten.
Aber jeder Sänger hat Grenzen, und hier lagen halt die von Schlusnus, ohne dass seine sonstige Größe dadurch verringert werden soll.
Einen Sänger, der alles, was er gesungen hat, gleich grandios singen konnte, habe ich bisher jedenfalls noch nicht gehört.
Petra

