Früher war alles besser ... - die Alten leben hoch !!

  • Dann ging das Programm weiter wie ursprünglich geplant mit dem Schlager: "Im Leben, im Leben, geht mancher Schuss daneben ..."


    In der Fortsetzung des Programms hätte da das Volksmusik- Duo Hauff/Henkler gepaßt: " Das war ein Meisterschuss "....
    Man, man, man... da gibt es schon makabre geschmacks- und gefühlslose Dinge.

    Jegliches hat seine Zeit...

  • Zehn Jahre ist es her, daß dieser 2004 gestartete Thread nun eingeschlafen ist und MEINE Meinug zu diesem Thema hat sich - eigentlich erst vor kurzem - einigermaßen geändert. Das wird (für mich) Konsequenzen haben, allerdings nur teilweise.

    EINE Kernaussage möchte ich an dieser Stelle machen - oder besser gesagt ein ganzes Bündel , das aber dann letztlich in die geliche Kerbe schlägt.


    1) die heute so berühmten "großen Alten" sind lediglich die Spitze eines Eisbergs von Interpreten, das sogenannte "Mittelmaß" ist in der Versenkung verschwunden. Man kann von diesen Spitzen nicht auf den Level der Vergangenheit schliessen.


    2) Die "vergangenen" Interpreten waren für ein ganz bestimmtes Zielpublikum zurechtgeschnitten, in gewisser Hinsicht ein Spiegel des damaligen Zeitgeschmacks. Dieses Publikum - soweit es noch am Leben ist - ist durch diesen Zeitgeschmack geprägt - und vergöttert sie alten Interpreten noch immer. Dieser Effekt ist umso ausgeprägter, als mal gewöhnt ist Konserven zu hören und wenig bis gar nicht Livekonzerte aufzusuchen.


    3) Man wird beobachten können, daß ein nicht unerheblicher Prozentsatz heutiger Hörer, historische Interpreten ablehnt - nicht nur auf Grund der Tontechnik, welche ich ab ca 1955/60 als durchaus gut bewerte - sondern auf Grund der "Lebenseinstellung" und der daraus resultierenden "Ästhetik"



    Was soll denn bitte 60 jahre alte Fernsehwerbung in diesem Thread ?

    Ganz einfach - sie bringt uns das Zielpublikum von damals, als die "Großen Alten noch sehr jung waren, oder zumindest in der Mitte ihrer Karriere standen - nahe, fast möchte man sagen: beängstigend nahe.



    und als besonderes Zuckerl



    Luftfahrtsgesellschaften leisten im Augenblick in der Tat einen merklichen Beitrag zum Umweltschutz -

    Allerdings nicht ganz freiwillig....

    Und ich bin der festen Überzeugung, daß hier das Wort "nachhaltig" in der Tat Realität werden wird

    Ebenfalls nicht ganz freiwillig..

    Das immer wieder bewusst verzapfte Dogma: "Man kann die Zeit nicht zuzrückderehen"

    wird hier gerade auf trefflichste - und zynischeste - widerlegt


    Nach diesem kleinen Seitenhieb wieder zurück zum Thema:


    Über neue Interpreten , über die (mögliche) Zukunft der Klassikszene folgen heute noch mindestens 2 weitere Threads


    (Namen werden nach der Erstellung hier eingefügt)


    Der bestehende Thread kann indes bei Bedarf fortgeführt werden...


    mfg aus Wien

    Alfred

    Wenn ich schon als Vorbild nicht tauge - lasst mich wenigstens ein schlechtes Beispiel sein !



  • 1) die heute so berühmten "großen Alten" sind lediglich die Spitze eines Eisbergs von Interpreten, das sogenannte "Mittelmaß" ist in der Versenkung verschwunden. Man kann von diesen Spitzen nicht auf den Level der Vergangenheit schliessen.

    Dem würde ich nur zum Teil zustimmen. Ich rede mal von Sängern. Nicht alle konnten singen wie Caruso, Ruffo oder die Callas, was viele Gründe hat. Teilt man die Vergangenheit in Epochen ein, wird man schnell feststellen, dass auch das so genannte "Mittelmaß" nicht vollständig in der Versenkung verschwand. Zahlreiche Mitschnitte (Met, Salzburg, Bayreuth, Wien, London, Moskau, Scala etc.), die keiner mehr zählen kann, Rundfunk- und Schallplattenproduktionen von kompletten Werken aller Genres haben unglaublich viele Sänger, die in der zweiten oder dritten Reihe standen, dokumentiert. Da sind nach heutigen Maßstäben echte Stars bei. Hier im Forum werden oft solche Künstler wiederentdeckt, was ich sehr gut und wichtig finde. Verglichen mit bestimmten Sängern der Vergangenheit herrscht heute Mittelmaß ganz allgemein vor. Ich sehe kaum einen Namen, der noch in 50 oder 100 Jahren wird genannt werden wie Fischer-Dieskau, Wunderlich, Schwarzkopf, Nilsson, Corelli, Bastianini, Ludwig, Mödl oder Jurinac. Diese Reihe ließe sich endlos fortsetzen. Ich möchte hier die Vergangenheit nicht verklären. Und ich möchte sie bei Gott nicht wiederhaben. Nicht für einen einzigen Tag - siehe den Werbefilm. Dann doch lieber Gegenwart mit durchschnittlicher Kunst. :) Früher war eben nicht alles besser. ;)

    2) Die "vergangenen" Interpreten waren für ein ganz bestimmtes Zielpublikum zurechtgeschnitten, in gewisser Hinsicht ein Spiegel des damaligen Zeitgeschmacks. Dieses Publikum - soweit es noch am Leben ist - ist durch diesen Zeitgeschmack geprägt - und vergöttert sie alten Interpreten noch immer.

    Kann man Interpreten für ein Publikum zurechtschneiden? Wer heute noch vergöttert wird, musste sich seinen Platz in der Musikgeschichte oft sehr hart durch eigene Leistungen und viel Verzicht im persönlichen Leben erkämpfen. Sehr viele Biographien in Buchform geben darüber Auskunft. Sie sind oft äußerst lehrreich. Beziehungen brachten noch nie jemanden dauerhaft an die Spitze.


    3) Man wird beobachten können, daß ein nicht unerheblicher Prozentsatz heutiger Hörer, historische Interpreten ablehnt - nicht nur auf Grund der Tontechnik, welche ich ab ca 1955/60 als durchaus gut bewerte - sondern auf Grund der "Lebenseinstellung" und der daraus resultierenden "Ästhetik"

    Das sehe ich ähnlich. In die ästhetische Abteilung würde ich aber auch einbeziehen, dass die hohen Ansprüche, denen sich Sänger der Vergangenheit aussetzten, um zum allerbesten Ergebnis zu gelangen, nicht mehr gelten. Die Callas war schon genannt. Serafin schickte sie nach Hause, weil er mit ihrem Italienisch nicht völlig zufrieden war. Es war ihm nicht hundertprozentig perfekt. Sie musste tagelang nachsitzen und pauken. Heute müsste sich dieser Maestro wegen Frauenfeindlichkeit öffentlich rechtfertigen und würde zur Rechenschaft gezogen. Die Schwarzkopf probte stundenlang bis zur Verzweiflung an einer einzigen Liedzeile herum. Heute geht das alles nicht mehr, was ich auch verstehen kann. Wir haben viel Zugewinn auf anderen Gebieten. Dafür müssen wir uns aber mit Mittelmaß und weniger begnügen, an das wir uns sukzessive gewöhnen wie an schlechtes Essen in Restaurants und miese Lebensmittel in Supermärkten.

    Es grüßt Rüdiger als Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Dafür müssen wir uns aber mit Mittelmaß und weniger begnügen, an das wir uns sukzessive gewöhnen wie an schlechtes Essen in Restaurants und miese Lebensmittel in Supermärkten.

    Wir müssen uns an nichts gewöhnen - Es ist natürlich einerseits manipuliert - andrerseits ist es den Leuten einfach egal.

    Ich denke hier an "vegane" Ernährung. Dereinst galten deren Anhänger als "Spinner" - derzeit mach man ein gutes Geschäft daraus "hühnerschnitzel" und "Lachs" aus Pflanzen und undefinierbaren Zutaten zu bsteln und das relativ untypische - und oft schlecht schmeckende Ergebnis teuer zu verkaufen.

    Die Akzeptanz des Mittelmaßes kommt aus den USA. Hier wurde dem Konsumenten - abgesehen von einer winzigen Oberschicht Bescheidenheit und Gleichgültigkeit eingeimpft.

    Man propagierte die "hauseigenen" "Marken" der Supermärkte, man machte die Jean "gesellschaftsfähig".

    "Mittelmaß" ist in gewisser Hinsicht aber gar nicht das richtige Wort - oder aber, was einst als "mittelmäßig" abgetan war - und somit als "uninteressant" galt - ist heut "Standard"

    Nicht, weil man nicht in der Lage wäre, "Spitzenleistungen" zu erbringen, sodern weil sie nicht wertgeschätzt - und oft gar nicht gewollt werden.

    Wirkliche Spitzenleistungen werden als "Hochkultur" in negativem Kontext bezeichnet, ebenso wie "Elite", "bürgerlich", "hochbegabt" - etc etc.

    Personen, wo man einst gesagt hätte, sie seien "ungezogen", Primitiv, und "präkriminell" werden heute als "Starker Charakter" bezeichnet :hahahaha:


    Aber auch wir selbst wurden durch den Zeitgeist gezeichnet, geprägt oder geschädigt - je nach sichtweise.

    Das wurde mir erst vor einigen Tagen bewusst, als ich eine Stücke von Schubert auf einer Liederplatte von Heinrich Schlusnus hörte, versuchte ich, sie mit den Ohren eines vom heutigen Zeitgeist geprägten jüngeren Hörers zu hören. Die Stimmwar ohne zweifel füllig und beeindruckend. Dennoch kam ich zu 2 Erkenntnissen:

    1) SOOOO könnte man das heute nicht mehr singen - schwülstig, deklamatorisch auf Klang getrimmt, den Inhalt nicht auslotend.

    2) Das immer wieder beschworene Vorurteil, die Sänger von einst hatten bessere Stimmen ist IMO in dieser Form nicht haltbar:

    Sie sangen in einer anderen Technik und passten ihren Gesang dem Zeitgeist an. Die stimmen wurdenkünstlich größer und voluminöser gemacht - unterstütz durch eine Aufnahmetechnik, die die Stimmmen gegenüber der jeweiligen Begleitung überbetonte, eine Praxis, die sich mit Einführung der Stereophonie allmählich verlor.

    Es sit schwierig das zu erklären und zu beweisen, daher greife ich auf ein Beispiel aus der Welt des Schlagers zurück: Max Raabe (Ab 1988 studierte Raabe Gesang an der damaligen Hochschule der Künste Berlin, die er 1995 als staatlich geprüfter Opernsänger (Bariton) verließ.)imitiert auf seinen Aufnahmen einen Singstil der in den 20er und 30er Jahren Standard war. Genauso wären viele heutigen Sänger in der Lage, ähnlich zu singen, wie beispielsweise Richard Tauber. Sie werden dies aber aus 2 Gründen nicht tun:

    Einerseits würden sie damit beim heutigen Publikum nicht ankommen - andrerseits ist diese Technik stimmenverschleissend und ungesund. Heute singt man "ökonomischer" und "gesünder"...

    Wir haben uns daran gewöhnt - aber nicht nur das: Die meisten Leute sind vonder alten Singweise "entwöhnt"


    mfg aus Wien

    Alfred

    Wenn ich schon als Vorbild nicht tauge - lasst mich wenigstens ein schlechtes Beispiel sein !



  • Alles war früher gewiss nicht besser, doch mir ist gerade beim Hören einer "Großen" von Schubert mit Gergiev ( YouTube) klargeworden, dass Böhms "Große C-Dur" bis heute einzigartig dasteht.

    Viel besser ausgearbeitet, viel klarer, viel überzeugender, ausbalanciert und in sich logisch.

    Außer Wand kenne ich da nicht viel, was bisher in Böhms Nähe gekommen ist....


    Da fragte ich mich, wie das eigentlich angehen kann.


    LG :hello:

    Glockenton

    "Jede Note muss wissen woher sie kommt und wohin sie geht" ( Nikolaus Harnoncourt)

  • Banner Trailer Gelbe Rose
  • Da solltest du bitte nochmal die Große C-Dur von Krips hören! Ist ja auch noch etwas älter…


    Herzliche Grüße

    Christian

    "...man darf also gespannt sein, ob eines Tages das Selbstmordattentat eines fanatischen Bruckner-Hörers seinem Wirken ein Ende setzen wird."