Warum will man Kinder zur klassischen Musik erziehen, wenn sie es nicht wollen ?
Das ist der entscheidende Unterschied. Ich beneide keinen Kreismusikschullehrer, der überspitzt gesagt in seiner Klavierklasse 10 mal in der Woche auf unmotivierte Kinder trifft, die nicht geübt haben und die auf Wunsch ihrer Eltern angemeldet worden sind. Er wird sich auf die zwei Schüler freuen, die Freude an der Musik haben und bestensfalls auch Talent.
Es kann uns eigentlich egal sein, ob künftige Generationen sich für klassische Musik interessieren werden oder nicht
Das ist mir schon deshalb nicht egal, weil ich (und viele andere Musikfreunde) ja eine große Liebe zur Sache der Klassischen Musik haben. Wer so empfindet hat mMn intrinsisch ein Interesse daran, dass diese Sache weitergetragen wird.
Es gibt einen großen Bereich zwischen "gegen ihren Willen" und "fördern". Seit ich Papa bin weiß ich das. Ein kleines Kind ist erstmal grundsätzlich begeisterungsfähig. Fängt man früh an, gibt es dieses "gegen ihren Willen" noch nicht, wenn man selber mit Freude solche Angebote wahrnimmt. Mit unserer Kleinen war ich als sei ein Jahr alt war in der Musikschule bei so einem Krabbelmusik-Kurs zum Entdecken von Geräuschen, Stimmen und Musik. Und jetzt, wo sie vier ist, gehen wir leidenschaftlich gerne zu den Hasi-Konzerten für Vorschulkinder in der Laeiszhalle, wo Musiker der Sinfoniker Hamburg ihre Instrumente vorstellen und ein erstes Konzerterlebnis spielerisch einüben. Moderiert und mit einer Stoffpuppe. Aber mit ersten Regeln (kein Essen während der Veranstaltung, möglichst Ruhe während der Musikstücke, Applaus für die Musiker). Ohne irgendetwas zu forcieren, ist meine Tochter nun völlig begeistert von diesen Konzerten und fragt mich schon regelmäßig, wann sie erstmals mit in die Elphi oder in die Staatsoper darf. Eine gewisse Selbstverständlichkeit im Umgang mit Kunst und Kultur kann man durchaus fördernd anlegen und sie wird im Leben wahrscheinlich nicht hinderlich sein. Schon im Sinne einer ganzheitlichen Bildung und auch im Sinne der Förderung von Kreativität, die in vielen Berufen wichtig ist.
Wenn man Kinder hat, ist es einem nicht mehr egal, wie es künftigen Generationen geht. Die stets ausverkauften Hasi-Konzerte und andere derartige Veranstaltungen geben mir da eine gute Hoffnung.
