• Da ich ein Foto von mir als Avatar eingestellt hatte, wurde ich oft in Konzerten und Opernhäusern von wildfremden Menschen erkannt und angesprochen. Manchmal gab es interessante Gespräche. Manchmal auch eher unerfreuliche. Am ärgerlichsten fand ich, wenn dann die Vorwürfe, die man dem Tamino-Forum machen wollte, an mich gerichtet wurden - als könnte ich was ändern.

    Ich kann sehr gut verstehen, dass Du das nicht möchtest.

    Der Traum ist aus, allein die Nacht noch nicht.

  • Es gibt übrigens aus der Rembrandt-Reihe einen Band, der Anja Silja gewidmet ist. Autor war der Dramaturg und Übersetzer Josef Heinzelmann. Erschienen ist das Buch (Bd. 52) 1965 in Berlin, hat 58 Seiten und viele SW-Fotos.

  • Lieber Caruso41, kann es sein, dass es diesen "Fidelio"-Querschnitt auch in einer Version mit Farbdias gibt? Ich habe dummerweise einen Großteil meiner Schallplatten bei meinen Eltern gelagert, aber meine mich daran zu erinnern, dass ich diese Ausgabe auf einem Flohmarkt gekauft habe. Gruß Calatrava

    Ich habe diesen Querschnitt in der einfachen Ausgabe, also ohne Farbdias, in meiner Schallplattensammlung gefunden und angehört. In der Tat ist die Sängerriege, wie ich finde, eher schwach (Pizarro), solide (Florestan), und das wirkliche Highlight ist Anja Silja, die wirklich sehr überzeugend und emotionsreich die Leonore singt. Auch Lovro von Matacics Dirigat hat mir sehr gut gefallen. Klangtechnisch hatte ich auch den Eindruck, dass es aus der damaligen Zeit noch besser Klingendes gibt, aber es wurde ja auch schon erwähnt, dass die Übernahme durch Eurodisc zu einer gewissen Einbuße der Qualität geführt hat. Insgesamt leuchtet Anja Siljas Stern in dieser Aufnahme m. E. umso heller angesichts des wenig herausragenden sonstigen Ensembles.

  • md19926208050.jpg

    Es gibt übrigens aus der Rembrandt-Reihe einen Band, der Anja Silja gewidmet ist. Autor war der Dramaturg und Übersetzer Josef Heinzelmann. Erschienen ist das Buch (Bd. 52) 1965 in Berlin, hat 58 Seiten und viele SW-Fotos.

    Und so sieht das Buch aus. Es ist auch bei einigen Anbietern antiquarisch zu haben.

    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Zitat von Rheingold1876

    Und so sieht das Buch aus. Es ist auch bei einigen Anbietern antiquarisch zu haben.

    Und hier mit Link für Interessenten....


    41Inx2TCnjL._SY300_BO1,204,203,200_.jpgKlick


    LGFiesco

    Il divino Claudio
    "Wer vermag die Tränen zurückzuhalten, wenn er den berechtigten Klagegesang der unglückseligen Arianna hört? Welche Freude empfindet er nicht beim Gesang seiner Madrigale und seiner Scherzi? Gelangt nicht zu einer wahren Andacht, wer seine geistlichen Kompositionen anhört? … Sagt nur, und glaubt es, Ihr Herren, dass sich Apollo und alle Musen vereinen, um Claudios vortreffliche Erfindungsgabe zu erhöhen." (Matteo Caberloti, 1643)


  • Es gibt ja einige sehr gute Aufnahmen des Werkes, diese kann durchaus mithalten. Mich beeindruckt der laszive Ton der Silja, den sich auch im fortgeschrittenen Alter noch hat. Produziert wurde im September 2002. Inzwischen fusionierte das ausführende SWR Rundfunkorchester mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester Saarbrücken zur Deutschen Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern.

    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Lieber Rüdiger,


    danke für diesen Hinweis. Ich bin immer wieder erstaunt und beeindruckt über welchen Schatz an Aufnahmen Du verfügst. Da ich dieses Erstaunen bereits schon einmal an anderer Stelle im Forum äußerte ist mein heutiges WOW verstärkend.

    Mit Frau Silja habe ich vor wenigen Tagen telefoniert. Sie hat sich über ihren neusten Bühnenauftritt gefreut. War mit den Umständen der Realisierung jedoch nicht glücklich. Übrigens es geht ihr trotz schwieriger Zeit gut. Wir haben fest vereinbart, dass sie, sofern es Corona bedingt möglich ist und der liebe Gott es zulässt, wir uns beim Künstlertreffen der Gottlob Frick Gesellschaft am 9./10. Oktober 2021 sehen werden. Halte die Daumen, dass das klappt, denn jede persönliche Begegnung mit der großen Künstlerpersönlichkeit ist für Ingrid und mich eine Bereicherung. Die könntest Du, lieber Rüdiger, auch haben, wenn es gelänge, Dich endlich für einen Besuch des Künstlertreffens zu gewinnen.

    Herzlichst

    Hans (Operus)

    Umfassende Information - gebündelte Erfahrung - lebendige Diskussion- die ganze Welt der klassischen Musik - das ist Tamino!

  • Mit Frau Silja habe ich vor wenigen Tagen telefoniert. Sie hat sich über ihren neusten Bühnenauftritt gefreut. War mit den Umständen der Realisierung jedoch nicht glücklich. Übrigens es geht ihr trotz schwieriger Zeit gut. Wir haben fest vereinbart, dass sie, sofern es Corona bedingt möglich ist und der liebe Gott es zulässt, wir uns beim Künstlertreffen der Gottlob Frick Gesellschaft am 9./10. Oktober 2021 sehen werden. Halte die Daumen, dass das klappt, denn jede persönliche Begegnung mit der großen Künstlerpersönlichkeit ist für Ingrid und mich eine Bereicherung. Die könntest Du, lieber Rüdiger, auch haben, wenn es gelänge, Dich endlich für einen Besuch des Künstlertreffens zu gewinnen.

    Lieber operus, natürlich drücke ich alle Daumen, dass das Künstlertreffen 2021 stattfinden kann. Es wird stattfinden! :) Für jemanden aus Berlin, der kein eigenes Auto zur Verfügung hat, ist es sehr beschwerlich und umständlich, die Reise nach Ölbronn anzutreten. Und wenn ich ganz ehrlich sein darf, mir liegt nicht mehr so sehr an persönlichen Begegnungen mit Sängern. Es sei denn, man will sie für ein ganz konkretes Projekt befragen. Das könnte ein Interview sein. Am Ende hätte ich sie doch lieber in einer Rolle auf der Bühne. Einfach so als Zuschauer, der hinterher nichts sagen muss. Die Silja habe ich unter diesen Umständen einige Male erlebt. Es war magisch für mich. So will ich sie in meiner Erinnerung behalten. Als aktive Künstlerin aus der Distanz. Nach meiner Erfahrungen erwarten Sänger auch noch im fortgeschrittenen Alter, dass man ihnen huldigt. Sie sind nicht eigentlich an Kritik und offenen Gesprächen, wozu es auch gehörte, manches zu hinterfragen, interessiert. Eine Ausnahme bildete vielleicht die Inge Borkh. Ich kann mich total irren, weil ich nur von eigenen Erfahrungen ausgehe. Den Zeiten, wo man wie ein Gymnasiast in Ehrfurcht Auge in Auge vor Sängern steht, bin ich entwachsen. Damals suchte ich auch - war es jugendliche Eitelkeit? - die Nähe zu Sängern. Viele von ihnen sind inzwischen tot. Ich erinnere mich beispielsweise sehr gern an eine solche Begegnung mit Elisabeth Schwarzkopf in Prag. Der Zufall wollte es, dass ich erst unlängst mit einer noch heute sehr aktiven und gefeierten Sängerin zusammentraf. Wir sprachen über Kochrezepte, eine Novelle von Keller, die Kinder, die sie gern gehabt hätte und über ihren Bruder. Sie wollte auch einiges von mir wissen und fragte mich aus. Wir kamen vom Hundertsten ins Tausendste. Nach zwei Stunden gingen wir auseinander, und sie bedankte sich überschwänglich, dass ich sie nicht über Gesang ausgequetscht hätte. Das hat mich beeindruckt. ;)

    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • In der Talk-Show Boulevard Bio kam es 1994 zu einem recht interessanten und aussagekräftigen Auftritt von Anja Silja. Im Gespräch mit dem im vergangenen Sommer verstorbenen Alfred Biolek wird deutlich, wie wenig sie vom Wagner-Clan akzeptiert wurde, und dass ihre Beziehung mit Wieland Wagner der Familie - allen voran wohl der Mutter Winifred - ein Dorn im Auge gewesen ist. Es ist ja auch schon aussagekräftig, dass sie mit dem ebenfalls anwesenden Wolfgang Wagner per Sie ist. Überhaupt stimmt da die Chemie zwischen Silja und ihm überhaupt nicht.

    Ihre Aussage, dass sie nicht weiß, was Wolfgang Wagner in Bayreuth überhaupt für Funktionen hatte, zeigt schon deutlich, dass sie nicht viel von ihm hält. Für sie zählte nur Wieland, wie sie sagt. Wagner nimmt im Gespräch eine Verteidigungshaltung ein. Und Körpersprache sagt viel aus. Während er sie vehement mit einem eingefrorenen Lächeln ansieht und man das Gefühl hat, es brodelt schon in ihm, würdigt sie ihn keines einzigen Blickes. Die Spannung zwischen den beiden ist förmlich spürbar. Sie muss als junge Sängerin damals ganz schön was mitgemacht haben.


    Diese Ausgabe von Boulevard Bio hatte das Thema Mythos Bayreuth. Zu Gast war damals auch Bernd Weikl, der die Sendung in voller Länge auf seinem YT-Kanal hochgeladen hat.


    Wenn man das Video startet, springt es sofort zur oben beschriebenen Situation. Man kann dann aber natürlich zum Anfang zurückspringen.




    Gregor

  • Anja Silja, die ich als Künstlerin sehr schätze und verehre, lebte in ihren diversen Beziehungen sehr öffentlich. Insofern verkörpert sie für mich den Typ einer modernen und selbstbewussten Frau. Eine Feministin ist sie nach meinem Eindruck allerdings nicht. Diese Lebenshaltung ging offenbar auch in die Gestaltung ihrer Rollen ein. Ich fand sie darstellerisch immer überzeugender als stimmlich. Kaum eine Sängerin dürfte vielseitiger sein als sie. Bei ihr muss man sich schon fragen, was sie nicht gesungen hat. Dabei fing sie ganz früh an. War sie nicht erst sechzehn, als sie die Rosina sang? Seit dieser Zeit war sie auch eine Lieblingsfigur der bunten Blätter. Dass sie im erzkonservativen Bayreuth der Wieland-Zeit nicht gut ankam, kann ich mir lebhafte vorstellen. Und ich kann es auch nachvollziehen. Beide löckten wider den Stachel. Immerhin war Wieland, der ihr Vater hätte sein können, verheiratet mit einer Frau, die auch künstlerische Partnerin gewesen ist, und sie hatten Kinder. Alles ist um die fünfzig Jahre her, und es gibt keinen Grunde mehr, zu richten. Dennoch ist dieses Video, das Gregor aus der Versenkung geholt hat, ein spannendes Zeitdokument.

    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Dabei fing sie ganz früh an. War sie nicht erst sechzehn, als sie die Rosina sang?

    Ihr frühestes offizielles Tondokument dürfte eine Senta aus Bayreuth von 1961 sein. Da war sie gerade mal 21 Jahre alt. DAS ist ja schon beachtlich. Ihr Bayreuth-Debüt fand bereits ein Jahr vorher statt.


    Ihr bislang letztes TV-Interview gab sie 78-jährig wohl für Peter Fässlacher. Da war sie deutlich relaxter als damals bei Biolek. :yes: Vielleicht lag es daran, dass kein Wagner anwesend war ^^, oder kam das mit dem Älterwerden. Könnte auch an Fässlacher gelegen haben, der seinem (weiblichen) Gegenüber immer ein Strahlen entlockt. ;)


    Silja erzählt unter anderem, dass sie schon mit zehn Jahren erste öffentliche Konzerte mit Opernarien gegeben hat!

    Überhaupt ist sie hier sehr offen in ihren Erzählungen über Bayreuth und Wieland Wagner und spricht unter anderem auch über ihre Kraft in schweren Zeiten.




    Gregor

  • Silja erzählt unter anderem, dass sie schon mit zehn Jahren erste öffentliche Konzerte mit Opernarien gegeben hat!

    aus "Der Spiegel" Heft Nr. 19 / 10.05.1950: "Anja Silja, eine zehnjährige Koloratursängerin, präsentierte der Berliner Presse ein erstaunliches Repertoire: Arie der Butterfly, die Pagenarie aus Meyerbeers »Hugenotten« und den Frühlingsstimmen-Walzer. Nach dieser Demonstration ihrer frühreifen Kehlfertigkeit hatte die Kleine ihr Pensum für einen Tag absolviert. Anja Silva darf vorerst nur 20 Minuten täglich singen. Sie und ihr Kehlkopf müssen noch wachsen."

    Alles Gute und einen Gruß von Orfeo

  • Ich habe mir letzte Nacht die freundlicherweise eingestellte Ausgabe von "Boulevard Bio" von 1994 mit großem Gewinn angeschaut. Ich hatte es schon vor einiger Zeit vorgehabt, doch rückte es irgendwie aus meinem Fokus. Zunächst möchte ich die großartige Gesprächsleitung von Alfred Biolek, leider kürzlich von uns gegangen, würdigen. Das war wirklich noch ein Moderator der alten Schule. Die Zusammensetzung der Sendung war sehr klug gewählt und man hatte den Eindruck, dass wirklich jeder Gesprächsteilnehmer etwas Wesentliches zur Diskussion beitragen konnte. Das sicherlich alles andere als spannungsfreie Verhältnis zwischen Anja Silja und Wolfgang Wagner kam mir hier gar nicht so extrem verhärtet vor. Gewiss wäre ein solches Aufeinandertreffen zwanzig Jahre zuvor noch viel schärfer ausgefallen. Es gab ja sogar Entspannungssignale vonseiten Wagners, etwa an der Stelle, wo er ausdrücklich betonte, sogar seine Mutter Winifred hätte am Ende ihres Lebens die künstlerische Leistung der Silja zu würdigen gewusst. Das scheint die Sängerin auch ganz ehrlich überrascht zu haben. Dass Wolfgang Wagner in dieser Sache die Seite seiner Mutter ergriff, erstaunt mich nicht weiter, bedenkt man den ebenfalls existenten Gegensatz zu seinem Bruder Wieland. Die "Silja-Affäre" (um es mal so zu nennen) schien in den noch prüden frühen 1960er Jahre die hegemoniale Stellung Wieland Wagners durchaus ernsthaft gefährden zu können, das sollte man m. E. nicht unterschätzen. Dass der sich oft missverstanden und zurückgesetzt fühlende "ewige Zweite" Wolfgang hier eine etwaige Chance erblickt haben mag, die eigene Stellung innerhalb der Festspielleitung zu stärken, indem er sich klar auf der Seite der Silja-Kritiker verortete, kann den geneigten Beobachter nicht wirklich verwundern. Künstlerisch scheint ja auch die Silja keine allzu hohe Meinung von Wolfgangs Regieleistungen gehabt zu haben. Drohte nicht sogar Hans Knappertsbusch, in diesen moralischen Fragen gewiss ein Repräsentant der ganz alten Schule, angesichts der außerehelichen Liaison Wielands mit einem (neuerlichen) Rückzug von den Festspielen? Da war schon ein gewaltiger Druck vorhanden. Und man kann Wieland und vor allem Anja Silja eigentlich nur bewundern, dass sie diesem Druck standhielten. Dass sich die Silja kurz nach Wielands allzu frühem Ableben am 17. Oktober 1966 dann mit dem belgischen Dirigenten André Cluytens "einließ", mag ihre Gegner noch in deren schroffem Urteil bestärkt haben. Leider hatte sie ja auch mit Cluytens insofern Pech, als auch dieser nur ein gutes halbes Jahr nach Wieland, am 3. Juni 1967, ebenfalls verstarb. Die Silja erbte offenbar Cluytens' Haus in Paris, was sie bei den unversöhnlichen Kräften in Bayreuth wohl noch in den Ruf einer Erbschleicherin brachte. Kein Wunder, dass sie dann auch im Sommer 1967 zum letzten Mal bei den dortigen Festspielen auftrat und somit noch ihren vertraglichen Verpflichtungen nachkam. Interessant ist ja auch der Umstand, dass Anja Silja auf der Japan-Tournee in Osaka im April 1967 unter Thomas Schippers tatsächlich die Brünnhilde in der "Walküre" sang. Ein wohl einmaliges Experiment? Sie betont bei "Boulevard Bio" ja, dass sie nach Wielands Tod Jahrzehnte lang Abstand nahm von Wagner-Rollen, also offenbar seit Ende der Bayreuther Festspiele 1967 - bis zu einer Wagner-Rückkehr als Ortrud 1991 unter der Regie von Robert Wilson in Zürich. Sehr sympathisch und jovial in der Runde auch wie eh und je Bernd Weikl, der auch im realen Leben Züge des Hans Sachs hat. In ihrer kritischen Haltung gegenüber dem heutigen Regietheater scheinen sich Weikl und Silja nicht unähnlich. Natürlich ist alles differenziert zu betrachten, sonst würde die Silja ja kaum den Neuerer Wieland Wagner über alle anderen stellen.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Zunächst möchte ich die großartige Gesprächsleitung von Alfred Biolek, leider kürzlich von uns gegangen, würdigen. Das war wirklich noch ein Moderator der alten Schule.

    Naja... Ob es wirklich "alte Schule" ist, den Intendanten der Staatsoper Hannover als "den Intendanten der Hamburger Staatsoper" vorzustellen? Und das blieb nicht der einzige Patzer. Ansonsten kam er mir etwas selbstveriebt vor, was ja alte Schule sein mag, noch eher freilich, dass er nicht wirklich nachhakte und recht schnell weiter ging, wenn es hätte wirklich spannend werden können. Ich habe die Sendung "Boulevard Bio" damals häufiger gesehen und auch seine Moderationen durchaus geschätz (ganz großartig etwa in der Primadonnen-Sendung mit Norman, Aliberti und Mödl), aber in dieser Bayreuth-Sendung schien er mir eher einen schwachen Abend erwischt zu haben.


    Übrigens weiß ich nicht, ob die Silja wirklich nach ihrem letzten Bayreuther Sommer 1967 keinen Wagner mehr gesungen hat. Angeblich hat sie Ende der 1960er Jahre in Köln noch alle drei Brünnhilden gesungen, ich kann das aber leider nicht belegen, habe es nur gehört (vielleicht war es doch vor 1967).

    Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

  • Übrigens weiß ich nicht, ob die Silja wirklich nach ihrem letzten Bayreuther Sommer 1967 keinen Wagner mehr gesungen hat.

    Warum sollte man ihr nicht glauben? In dem von mir weiter oben verlinkten Interview sagt sie doch: "When he [Wieland Wagner] died I gave up Wagner totally, and I’ve never sung Wagner until five years ago. I did Ortrud for Robert Wilson, which I have never done with Wieland. But I changed after Wieland’s death. My repertoire drastically turned more into the Russian/Czech repertoire, which I really adore to sing"

    Alles Gute und einen Gruß von Orfeo

  • Laut dieser Seite sang Anja Silja zumindest 1968 noch die "Walküren"-Brünnhilde in Genf sowie im selben Jahr die Senta in Hamburg.


    Hier behauptet jemand in einem der Kommentare unten, sie habe die "Walküren"-Brünnhilde lediglich viermal gesungen: 1963 in Köln (dort auch die "Siegfried"-Brünnhilde), 1967 in Osaka, ebenfalls 1967 in Paris sowie 1968 in Genf.


    Inwieweit das nun zutrifft, vermag ich auch nicht zu sagen. Es würde aber die Kölner Annahme mehr oder minder bestätigen. Mit 23 in diesen Rollen, Wahnsinn! Für die "Götterdämmerungs"-Brünnhilde finde ich keinen Hinweis.

    Mit Ende der 1960er Jahre erfolgte aber wohl wirklich ein langjähriger Abschied aus dem Wagner-Fach.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Wolfgang Wagner kam mir in dieser "Boulevard Bio"-Sendung schon etwas senil vor, aber vielleicht täuscht der Eindruck.

    Der Traum ist aus, allein die Nacht noch nicht.

  • Anja-Silja-DIE-SEHNSUCHT-NACH-DEM-UNERREICHBAREN.jpgAls Quelle möchte ich dieses Buch nennen, das 1999 im Parthas Verlag Berlin erschien. Daraus geht hervor, dass Anja Silja - wie teils schon erwähnt - 1967, also im Jahr nach Wieland Wagners Tod, in Osaka die "Walküren"-Brünnhilde und in Barcelona die Senta sowie in Budapest Elisabeth und Venus im "Tannhäuser" sang. 1968 folgten die Senta in Hamburg und in Genf Brünnhilde ("Walküre"). Als Elisabeth trat sie 1969 in Barcelona und als Senta in Chicago auf. Elisabeth sang sie 1970 auch in München. Darauf folgte eine Wagner-Pause bis 1991. In diesen Jahr ist sie als Ortrud bei Wilson in Zürich und bei Lehnhoff in Frankfurt aufgetreten. Auch an ein Gastspiel an der Staatsoper Unter den Linden in Berlin meine ich mich zu erinnern, nicht aber an das Jahr. en. Bis zum Redaktionsschluss des Buches sind keine weiteren Mitwirkungen in Opern Wagners auf Bühnen genannt. Lediglich 1993 gab sie ihr Debüt als Fricka in der Platteneinspielung der "Walküre" unter der Leistung vion Dohnanyi bei der Decca.

    Für die "Götterdämmerungs"-Brünnhilde finde ich keinen Hinweis.

    Lieber Joseph, im Erinnerungsbuch von Anja Silja findet sich auf Seite 108 der Satz: "Diese Brünnhilde habe ich nie gesungen ...". Es gibt nur den Schlussgesang auf Platte, nämlich hier:


    R-13806136-1561538554-9446.jpeg.jpg

    Es grüßt Rheingold1876


    "Was mir vorschwebte, waren Schallplatten, an deren hohem Standard öffentliche Aufführungen und zukünftige Künstler gemessen würden." Walter Legge (1906-1979), britischer Musikproduzent

  • Daraus geht hervor, dass Anja Silja - wie teils schon erwähnt - 1967, also im Jahr nach Wieland Wagners Tod, in Osaka die "Walküren"-Brünnhilde und in Barcelona die Senta sowie in Budapest Elisabeth und Venus im "Tannhäuser" sang. 1968 folgten die Senta in Hamburg und in Genf Brünnhilde ("Walküre"). Als Elisabeth trat sie 1969 in Barcelona und als Senta in Chicago auf. Elisabeth sang sie 1970 auch in München.


    Das deckt sich dann auch mit dem was Anja Silja im Fässlacher-Interview sagt. Dass sie die Verträge noch erfüllt hat, die Wieland Wagner gemacht hat. An den Spielorten wo er wollte, dass sie das singt. Sie hat danach keinen Wagner mehr gesungen. Die einzige Ausnahme, den Wilson-Lohengrin, erwähnt sie hier gar nicht mehr. So unbedeutend scheint das letztendlich zu sein.


    Erstaunlich finde ich, dass ihr Operndebüt dann tatsächlich schon mit 16 Jahren stattfand. Ich wüsste keine andere Sängerin, deren Debüt so früh gewesen ist. Das früheste was einem so unterkommt ist mit 19 oder 20. Das ist gar nicht so ungewöhnlich. Auch eine Ausnahme: Domingo soll 17 gewesen sein.


    Gregor