Anton Zimmermann (1741 - 1781)

  • [Zu den eher unbekannten Komponisten der Wiener Klassik gehört der am 25. oder 26.12.1741 in der schlesischen Gemeinde Breitenau (heute: Siroká Niva - Tschechische Republik) geborene Johann Anton Zimmermann.
    Er war das 3. Kind von Tobias und Elisabeth Zimmermann, jedoch sind über seine Kindheit und seine frühe musikalische Ausbildung keine Nachrichten auf uns gekommen bis auf die Vermutungen, dass er die Grundschule seiner Heimatgemeinde besuchte und möglicherweise nach 1763 in der Bischofskirche bei Königgrätz als Organist tätig war.
    Als er Anfang der 1770er Jahre nach Preßburg / Bratislava kam galt der 30-jährige bereits als bekannter Musiker.
    Allerdings musste er sich in den ersten Jahren dort hauptsächlich mit Auftragswerken über Wasser halten und beklagte seine unbefriedigende finanzielle Situation.
    Seine Pläne sich nach einer besseren Stelle umzusehen gab er auf als er die gebürtige Preßburgerin Elisabeth Lichtenegger (*1755? - 8.7.1835) kennen lernte und sie schließlich am 15.8.1775 heiratete. Aus dieser Ehe gingen fünf Kinder (vier Töchter: Maria Barbara, Elisabeth Antonia, Franziska Romana und Johanna Barbara / ein Sohn: Josef Ignaz) hervor. Johanna Barbara wurde übrigens erst drei Monate nach dem Tod des Vaters geboren.
    1778 endlich wurde der Kardinal - Erzbischof und Fürstprimas von Ungarn Joseph von Batthyány (1727 - 1799) auf den nun schon sehr bekannten und geschätzten Zimmermann aufmerksam und machte ihn für ein Jahresalär von 500 fl zum künstlerischen Direktor des Orchesters, "fürstlichen Hofkompositeur", Kapellmeister und Geiger.
    Anton Zimmermann verstand es viele Musiker von europäischen Rang für diese Kapelle zu begeistern. U.a. war Johann Matthias Sperger (1750 - 1812) Kontrabassist des Orchesters. Insgesamt umfasste das Orchester etwa 24 Musiker.
    Zwei mal wöchentlich trat das Orchester auf. In den Sommermonaten waren zu den Konzerten nicht nur die Adeligen sonder auch die beriete Öffentlichkeit zugelassen sofern sie "anständig bekleidet" war.
    Am 1.5.1780 ging für Zimmermann ein Traum in Erfüllung als er das vakante Amt des Domorganisten von St. Martin in Preßburg erhielt.
    Das sein Ruhm auch bis nach Wien drang belegt die erfolgreiche Aufführung seines Melodrams "Andromeda und Perseus" am 23.4.1781 im Wiener Hoftheater.
    Auch sonst ist die starke Verberitung seiner Werke in Europa ein deutliches Indiz für Zimmermanns Popularität.
    Das genaue Datum seines offenbar völlig überraschenden Todes ist nicht bekannt, jedoch lag er in den Tagen zwischen dem 8. und 14.10.1781. Im Nekrolog welcher wortgleich am 24.10. in der Preßburger Zeitung und am 27.10. in der Wiener Zeitung abgedruckt wurde wird die aufrichtige Trauer über das viel zu frühe Ableben eines hochgeschätzten Komponisten deutlich.
    Die Witwe Zmmermanns erhielt als Ausdruck der Wertschätzung seitens des Kardinals 1782 das volle Gehalt ihres verstorbenen Mannes ausgezahtl und anschließend jährlich 200 fl, ein Betrag, der auch nach dem Tod Batthyánys 1799 weiter ausbezahlt wurde.


    Anton Zimmermann schrieb 277 Werke (202 weltliche / 75 kirchliche).
    Zu den weltlichen zählen u.a. 40 Sinfonien, 9 Quartette, 10 Konzerte, 5 Kassationen, 1 Singspiel, 4 Melodramen.
    Zu den kirchlichen 16 Messen, 1 Kantate und 1 Oratorium.


    Von seinen Werken ist bis heute noch nicht sehr viel aufgenommen worden.


    Mir sind derzeit 5 CDs bekannt, welche ausschließlich Zimmermanns Werken gewidmet sind.
    Dazu zählen:



    Sowie die vom hudobne centrum (http://www.hc.sk) veröffentlichten CDs


    mit Messen Zimmermanns (Missa pastoralis in D)


    Sinfonien (Symfonie)


    Dazu gehörennoch die auf TREVAK in der Slovakischen Republik erschienen CDs


    Instrumental Concertos


    und


    Cassations in G, D, D


    Auf Samplern liegen noch zwei Sinfonien vor.


    Eine in C (ursprünglich Joseph Haydn zugeschrieben) auf dem Klassiker "Die frühe Wiener Schule" (Archiv Produktion)


    Eine weitere in B auf der OPUS CD (Musical Classicism in Bratislava) zusammen mit Werken von Sperger, Tost und Lavotta.


    Gerade seine Sinfonien veraten eine ganz eigene ausgesprochen hörenswerte Behandlung des Genres. Es wäre zu wünschen, dass weitere Sinfonien Zimmermanns den Weg auf einen Tonträger finden zumal endlich auch ein vernünftiges Werkverzeichnis vorliegt ((Anton Zimmermann und die europäische musikalische Klassik - von Darina Múdra)

    HERNEN

  • Von den von Helge erwähnten Aufnahmen dürfte heute nur mehr die hier - und auch weiter oben - abgebildete erhältlich sein. Ich habe heute hineingehört - bewusster als damals, als ich sie kaufte - und kann jedem Freund von Streichquartetten des 18. Jahrunderts nur zum Kauf raten. Man höre als Beispiel in Samle Nr 10 hinein....
    Der Preis ist - wie immer - typisch naxos - auch für den schmäleren Geldbeutel erschwinglich....


    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred

    SPARE IN DER NOT - DA HAST DU ZEIT DAZU



  • EXKLUSIVE WIEDERAUFLAGE für jpc

    Ich - ils Besitzer dieser Aufnahme - wusst bislang ga nicht, daß sie getrichen war. Und egal ub si nu wirkich neu Aufgelegt wurde oder Naxos die letzen Exemplare an jpc verkauft hat: Es bedeutet, daß es diese Aufnahme für längere Zeit (also ewig) nicht mehr geben wird, wenn sie dann ausverkauft ist.

    Jeder Haydn Freund solllte mal in die Sound Samples hineinhören und dann überlegen ob das was für ihn ist -oder nicht. Preis 7.99

    Das Reizvollste ist die Nähe zu Haydn - aber dennoch Eigenständigkeit.


    Liest man bei der deutschen Wikipedia, so bekommt man ein Bild eines eher unbekannten und unbedeutenden Komponisten, der nur wenig geschrieben hat - (lebte nur 40 Jahre) Das ist aber falsch. mehr über sein Schaffen in einem meiner nächsten Beiträge....

    mfg aus Wien

    Alfred

    SPARE IN DER NOT - DA HAST DU ZEIT DAZU



  • Anton ZIMMERMANN (1741-1781) Sinfonie in e-moll


    Der folgende Beitrag wurde von mir bereits vor einigen Tagen im Thread:

    Paukenschlag! - Unbekannte oder wiederbelebte Orchesterwerke und Sinfonien auf CD

    veröffentlicht. Ich hatte diesen Thread hier aus den Augen verloren.

    Ich habe mich entschlossen hier eine Kopie des Beitrags einzufügen, weil ich vorhabe über weitere Sinfonien von Zimmermann zu berichten. Bei weniger bekannten Komponisten sind Doppelpostings oft sehr nützlich - sie bleiben besser im "kollektiven Bewusstsein"

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    Hier eine Sinfonie vom österreichischen Komponsten Anton Zimmermann, der zu Lebzeiten hochberühmt war (so leitete er beispielsweise die berühmte Pressburger Hofkapelle), heute aber so gut wie vergessen ist. Sieht man bei der deutschen Wikipedia nach, dann findet man unter seinen Werken "einige Sinfonien" . Auch der Rest seiner Kompositionen wird nur nebstbei genannt. Tatsächlich schrieb er er indes 39 Sinfonien (von denen 2 lange Zeit Joseph Haydn zugeschrieben wurden, eine Sammartini und eine weitere Pleyel - damit ist die Qualität bereits bestätigt.) und insgesamt 276 Werke!


    Die Sinfonie in e-moll (offenbar existiert kein numeriertes Werkeverzeichnis) ist die erste die ich gehört habe. Sie befindet sich auf der abgebildeten CD zusammen mit zwei weiteren - alles Ersteinspielungen.

    Die Sinfonie ist 4 sätzig:

    1) Allego

    2) Andantino (con espressione)

    3) Menuett und Trio

    4) Finale : Allegro


    Es ist einerseits verdienstvoll, daß gewisse Musikerpersönlichkeiten verschollene und unbeachtete Sinfonien ans Licht der Werlt holen, andrerseits aber IMO kontraprodukitiv, daß man Rhytmus uns Tempo gegenüber Eleganz und Wohlklang den Vorrang einräumt und "wie auf der Stuhlkante musiktiert"

    Man nehme sich hier ein Beispiel an englischen Oprchestern (z. B."The English Conzert" unter Trevor Pinnock)

    So verbreiten die schnellen Sätze eine gewisse Unruhe, der zudem noch mit einem eher spröden Klang verbunden ist.

    Lange Zeit habe ich geglaubt, daß überzogene Tempi und spröder Klang untrennbar miteinander verbunden sind. Aber gerade in letzter Zeit stieß ich auf einige Aufnahmen , die zwar ein (IMO zu) hohes Tempo vorlegten, aber den schönen Klangeindruck ebenfalls erreichten.

    Meine Kritik bezieht sich auf die schnellen Passagen (beim heutigen Zweithören empfand ich das weniger störend als gestern), die gemässigten sind oft beeindruckend schön, man nehme hier als Beispiel die Stellen mit den Hörnern im 3. Satz...

    Interessant auch der leise Ausklang der Sinfonie, quasi ein Verlöschen...


    mfg aus Wien

    Alfred

    SPARE IN DER NOT - DA HAST DU ZEIT DAZU



  • Anton ZIMMERMANN: Sinfonie in B-dur


    Wer lesen kann ist klar im Vorteil. Hätte ich den Eröffnungsbeitrag von Helge Faller aufmerksamer gelesen, so hätte ich nicht behauptet, es gäbe noch kein Werkeverzeichnis vo Zimmermann.


    ......zumal endlich auch ein vernünftiges Werkverzeichnis vorliegt ((Anton Zimmermann und die europäische musikalische Klassik - von Darina Múdra)

    Aber das nützt natürlich nichts, wenn die Produzenten auch nicht darüber informiert sind oder es einfach nicht benutzen wollen - wegen allfälliger Lizenzgebühren (???)



    Wie dem auch sei: Ebenfalls auf der schon im vorigen Beitrag gezeigten CD befindet sich auch die knapp 15 Minuten dauernde Sinfonie in B-dur. Sie ist dreisätzig und erinnert stellenweise an Joseph Haydn.


    Die Sätze:


    1) Adagio, Allegro

    2) Allegretto scherzando

    3) Finale: Tempo die Menuetto


    Schon zu Beginn fällt der bläserbetonte Charakter dieser Sinfonie auf. Ein richtiger Ohrwurm, ein Idyll. Das Booklet präzisiert es, indem es auf Anklänge an sogenannte Harmoniemusiken hinweist.

    In der Mitte des ersten Satzes werden sich alle jene freien, die mehr eine spritzige Gangart bevorzugen - hier kommen die Streicher zum Zug und sie bieten geradezu einen erfrischenden Kontrast und eine optimale Balance dem Sinfoniebeginn gegenüber. Auch im 2. Satz ist diese Balce vorhanden - allerdings treten die Bläser mit den Streichern in eine Art Dialog. Hier meine ich gelegentlich Joseph Haydn durchzuhören.

    Der Finalsatz ist dann wied noch forscher, gegen Ende zu beinahe aggressiv -aber das kann den vorzüglichen Eindruck den diese Sinfonie bei mir hinterließ nicht trübeen. Optimaler Hörgenuss.

    Entgegen den meisten CDs die ich hier vorstelle ist die hier gezeigte noch bei jpc erhältlich zum Budgetpreis von 6.99 Euro.



    mfg aus Wien

    Alfred

    SPARE IN DER NOT - DA HAST DU ZEIT DAZU



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  • Anton Zimmermann: Sinfonie in c-moll


    Heute habe ich die dritte auf dieser CD enthaltene Sinfonie gehört, nämlich die Sinfonie in c-moll.

    Es ist schwierig sie zu beschreiben, sie zeichnet sich durch ziemlich abrupte Stimmungswechsel aus - vermutlich durch das ausführende Orchester "L' Parte del mondo" unter Werner Ehrhardt verstärkt. Man muß sagen, daß die lyrischen Stellen oft betörend schön klingen, ironischerweise grade mit Trompeten und Posaunen ausgeführt, im Gegensatz zu den oft aggressiven Streichern - mit Paukenklängen rhythmisch unterstützt. Wir finden also Düsteres, Gefälliges und Rhythmisch-Aggressives in stetem Wechsel.

    Alles in allem - man mag diese Kontraste mögen oder nicht - ist diese Sinfonie durchaus originell. Nach Abhören der bislang einzigen 3 verfügbaren Sinfonien von Anton Zimmermann kann ich keinen einheitlichen Stil ausmachen. Jede Sinfonie klingt grundsätzlich verschieden - Er scheint ein begeisterter Experimentator gewesen zu sein-


    Die Sätze der ca 30 minütigen Sinfonie:


    1) Adagissimo

    2) Allegrissimo

    3) Andante

    4) Finale Allegro moderato


    und damit pausiert dieser Thread - bis zur nächsten Neuerscheinung


    mfg aus Wien

    Alfred

    SPARE IN DER NOT - DA HAST DU ZEIT DAZU



  • Die e-moll-Sinfonie aus Vol. I ist ein typisches Sturm-und-Drang-Werk. Mehr noch: das Menuett erinnert mich stimmungsmäßig stark an Haydns Hexenmenuett aus dem Quintenquartett Hob. III:76.




    Inzwischen ist auch ein Vol. II erschienen:



    Sinfonie B-Dur MúdZi, AZI/I:B1

    Sinfonie e-moll MúdZi, AZI/I:e3

    Sinfonie D-Dur MúdZi, AZI/I:D4


    L'Arte del mondo

    Werner Ehrhardt


    Die Werkverzeichnisnummer der beiden unterschiedlichen e-moll-Sinfonien in denVolumia I & II sind gleich - da stimmt was nicht.

    Der Glaube kann Sätze verbergen.

  • Die Sinfonie c-moll (MúdZi, ARI/I:c8) ist ein in mehrfacher Hinsicht kurioses, gleichwohl faszinierendes Werk:


    Die beiden Abteilungen des ersten Satzes lauten Adagissimo und Allegrissimo. Das verspricht also ein Satz der Extreme zu werden: er beginnt mit einem düsteren Thema, das unisono von den Bässen und Fagotten wortwörtlich vorgetragen wird. Es verbreitet sich eine der mozartschen Maurerischen Trauermusik ähnliche Stimmung: choralartig stimmt das Blech ein und wird von den Violinen umspielt. Nach einer Fermate (in T. 17) wird das schleppende Eingangsthema in Es-Dur wiederholt - die Stimmung scheint sich aufzuhellen, doch plötzlich schlägt der gesamte Orchesterapparat in c-moll zu und kann sich gar noch steigern. Das hat eine recht angstmachende und apokalyptische Wirkung: im folgenden Allegrissimo scheinen sich dann auch tatsächlich die Höllentore zu öffnen. Unterbrochen wird das Inferno von einem cantus firmus im Blech (ab 4:55), der tatsächlich mit jenem von Mozart in der Trauermusik verwendeten identisch ist: Lamentationes Jeremiæ.



    In der Schlußgruppe beruhigen sich die peitschenden Wogen und münden nach einer formelhaften transzendenten Cadenz in einem friedvollen Es-Dur. Die Durchführung wird für ein Zwiegespräch zwischen den chorgleich „singenden“ Hörnern und Posaunen und dem übrigem Orchester genutzt. Die 1. Posaune spielt die Melodie zu „Misericordiæ Domini, quia non sumus consumpti“ (Die Barmherzigkeit Gottes war es, daß wir nicht versehrt wurden) und bestätigt damit den von mir verorteten Tenor.


    Was für ein spannender Satz!



    Das nachfolgende Andante steht in Es-Dur. Die Streicher spielen mit Dämpfern, die Pauken haben zu schweigen. Auch dieser Satz hat für mich einen sakralen Beigeschmack - in der Art eines Benedictus. Auch hier fallen die Posaunen plötzlich choralartig ein, zunächst zerknirscht mahnend-schmetternd, dann eine mir unbekannte Melodie singend.


    Das finale Allegro moderato alla breve startet wieder in c-moll in Haydn-Manier. Auch hier haben die Posaunen solistische Aufgaben. Ein wenig eiert der Satz unentschlossen zwischen dem Sturm-und-Drang eines Haydn und Mozarts (moderner) Jupiter-Sinfonie hin und her. Ein Stretto in strahlendem C-Dur läutet den Schluß ein, ein letztes Aufbäumen - mündet dann aber überraschender Weise in einem Perdendosi: allmählich werden Tempo und Lautstärke bis zum kaum hörbaren Ende reduziert. Die Sinfonie haucht quasi ihr Leben aus.


    Wow. :umfall:


    Die Sinfonie sollte wohl im geistlichen Kontext - ähnlich wie Kraus' Symphonie funèbre - gesehen (vor allem: gehört) werden. Ich habe leider kein Booklet, das ggfs. darüber Auskunft geben könnte.

    Der Glaube kann Sätze verbergen.

  • Nicht explizit als Kindersinfonie bezeichnet



    Anton Zimmermann (1741-1781)

    Sinfonie G-Dur


    Musica Æterna (on original instruments)

    Peter Zajicek


    Kuckuck, Posthorn und anderes krachmachendes Zeugs ... *pop*

    Die englische Bezeichnung als „Toy Symphony“ wäre wohl zutreffender. Als CD wohl leider nicht erhältlich, dann muß man eben wörtlich in die Röhre schauen ...

    Der Glaube kann Sätze verbergen.

  • Während die deutsche Wikipedia recht unspezifisch „mehrere Sinfonien“ aufführt, wird die französische Wikipedia konkreter: „39 symphonies; plusieurs ont été longtemps attribuées aussi à Haydn (dont une en ut majeur imprimée en 1939), une à Sammartini et une autre possiblement à Pleyel. Sinfonia pastoritia“ (39 Sinfonien, von denen einige lange Zeit Haydn, je eine Sammartini und möglicher Weise Pleyel zugeschrieben waren).


    Ein thematisches Verzeichnis von Darina Múdra ist in der Peter-Lang-Verlagsgruppe erschienen, es kam 2011 auf den Markt; , es ist mit 716 Seiten recht umfangreich:



    Online ist es leider nicht verfügbar.


    Neben den von l'arte del mondo unter Werner Erharts (vormals Concerto Köln) Leitung eingespielten Sinfonien in zwei Volumina hat sich offenbar das bereits eingangs erwähnte Ensemble Musica Æterna mit Zimmermanns Sinfonien (eingespielt auf Originalinstrumenten) befasst. Die Einspielungen konnte ich auf physischem Datenträger bislang nicht ausmachen, aber irgendwo muß der YT-Anbieter die Einspielungen ja her haben ... ? Eine Art „Toy-Sinfonie“ („Pastoritia“ AZ.I / I.G3) habe ich bereits präsentiert; gefunden habe ich diese Sinfonie E-Dur ohne nähere WV-Angaben:


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  • Sinfonie B-Dur MúdZi, ARI/I:B3 (l'arte del mondo Vol. I)



    Die langsame Einleitung startet mit einem Harmonie-Ensemble, also ohne Streicher, was erst einmal ungewöhnlich klingt; nach gut 2 Minuten geht das Adagio attacca ins Allegro über, diesmal mit auffallend kontrastierendem Streicherkorpus. Die Blasinstrumente bleiben dennoch stets - quasi konzertant - im Vordergrund. Ungewöhnlich ist auch, daß die langsame Einleitung nach einer kurzen Durchführung wiederholt wird, an die sich nochmals der Allegroteil anschließt.


    Es folgt ein Andante scherzando als Mittelsatz, dessen Thema sich für einen Variationensatz geeignet hätte, sowie ein abschließendes Tempo di Minuetto in Rondoform, das in der Interpretation von l'arte del mondo allerdings weniger schreitend als laufend dargeboten wird (was mir durchaus entgegen kommt). Für Abwechslung sorgt ein mollgetünchtes Couplet.

    Der Glaube kann Sätze verbergen.

  • Die nächste B-Dur-Sinfonie MuZi, AZI/I:B1 (l'arte del mondo Vol. II) startet direkt in medias res mit einem militärisch anmutenden Allegro molto. Sie beinhaltet einige Mannheimerismen (Walze) und räumt Clarinetten und gelegentlich Fagotten einen konzertierenden Raum ein.



    Im Scherzando. Andantino neckt ein gebrochener Dreiklang im Kontrabaß den ansonsten lieblichen Melodiefluss.


    Kaum als solches erkennbar zeigt sich das Menuett, das sich durch Synkopen und hauptsatzartige Melodieführung zu tarnen weiß. Ein konzertantes Trio mit Trillern ruft mir ein wenig die Durchführung des 1. Satzes von Mozarts B-Dur-Sinfonie KV 319 in Erinnerung:



    Das Finale startet mit einem liedhaften Andante, als würde ein weiterer langsamer Satz folgen. Clarinette und Fagott, später auch das Horn, haben solistische Auftritte während der Variationen. Zum Abschluss wird das Gaspedal richtig durchgetreten: befreiender Kickdown mit Allegro vivace. Doch halt! Erstmal müssen alle Solisten einzeln nochmals á la Haydn ausgebremst in einem Adagio kurz Ciao sagen, bevor die Tür endgültig zuknallt.

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  • Die Werkverzeichnisnummer der beiden unterschiedlichen e-moll-Sinfonien in denVolumia I & II sind gleich - da stimmt was nicht.

    Die weitere e-moll-Sinfonie befindet sich ebenfalls auf Vol. II der Erhart-Ausgabe.



    Flöten lockern die anämische Tonart deutlich auf und verleihen ihr einen frischen Duft. Auch diese e-moll-Sinfonie bewegt sich im Dunstkreis des Sturm und Drang. Ein arienhaftes Allegretto folgt auf den hektischen Kopfsatz. Das Menuett ist leicht melancholisch, aber wiederum durch Soloflöte im Trio aufgelockert.


    Leise und mit einem tollen Fugato, das zunächst etwas orientierungslos wirkt, startet das Finale in der Art von Carl Philipp Emanuel Bach. Ganz in dessen Stil beugt sich der Finalsatz auch dem plötzlichen und unscheinbaren Ende.


    Insgesamt ist die Sinfonie auf Kürze angelegt, zeigt aber gerade hier den „geradezu entfesselten Erfindungsreichtum“.

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  • Den vorläufigen Abschluss derzeit besprechbarer Sinfonien macht die Sinfonie D-Dur MúdZi, AZI/I:D4.



    Der Kopfsatz (Allegro) könnte eine Opernouvertüre von Johann Christian Bach sein. Gelungen ist das absteigende Quartmotiv von Flöte über Oboe und Horn. Bei 2:32 klingt ein Motiv an, das Mozart ebenfalls verwandte - allerdings in seiner unvollendet gebliebenen Sinfonia concertante A-Dur KV 320e:



    Etwa gleichgewichtig ist das folgende Larghetto, dem damaligen Zeitgeschmack gefallend pastoral gehalten (Flöten/Oboen/Hörner). Geschickt leitet Zimmermann in einen trüben moll-Teil über und kostet die melancholischen Möglichkeiten der Instrumente aus.


    Ein kurzes und spitziges Menuett dient als Intermezzo. Interessant ist das Trio mit ungewohnten Fagott-/Bassfiguren.

    Allegro sostenuto. Ein nicht zu geschwindes Rondo im typischen Wiener Dekadenz-Stil anstelle eines raschen Kehraus wird als Finale angeboten. Die Couplets sind jeweils als Hinhörer konzipiert. Nach einem abrupten Einschnitt endet die Sinfonie strahlend und zufrieden.

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  • Kontrabasskonzert Nr. 1 D-Dur


    David Sinclair, Viennese double bass

    Leila Schayegh & Soko Yoshida, Violine

    Mariana Doughty & Lukas Hamberger, Viola

    Christophe Coin & Jonathan Pesek, Violoncello

    Alexandre Zanetta & Hsiang-Chi Lee, Horn

    Giorgio Paronuzzi, Cembalo


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    Kontrabasskonzert Nr. 2 D-Dur


    Radoslav Šašina, Kontrabaß


    Musica Æterna Bratislava

    Peter Zajíček


    Ein Kontrabaßkonzert (MúdZi I/2:D2) ist in einer Partiturabschrift von Johann Matthias Sperger (1750-1812), seines Zeichens Kontrabassist und Komponist, überliefert. Die Partitur nennt 2 Corni in D, 2 Oboen, 1 Fagott, die üblichen Streicher und das Soloinstrument. Es ist aber wohl nicht identisch mit dem hier eingespielten, es dürfte sich bei der Einspielung „Wiener Stimmung“ mithin um MúdZi I/2:D1 handeln. Das von Musica Æterna ist den Satzbezeichnungen nach (Allegro moderato - Andante cantabile - Moderato. Rondo) Nr. 2, von dem YT jedoch keine entsprechende Kostprobe bietet.



    Das Konzert ist klassisch dreisätzig: Allegro moderato - Adagio, poco Andantino - Allegro. Stilistisch 1760er Jahre.


    Nett anzuhören, ohne bleibenden Eindruck zu hinterlassen.

    Der Glaube kann Sätze verbergen.

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  • Neben den von l'arte del mondo unter Werner Erharts (vormals Concerto Köln) Leitung eingespielten Sinfonien in zwei Volumina hat sich offenbar das bereits eingangs erwähnte Ensemble Musica Æterna mit Zimmermanns Sinfonien (eingespielt auf Originalinstrumenten) befasst. Die Einspielungen konnte ich auf physischem Datenträger bislang nicht ausmachen, aber irgendwo muß der YT-Anbieter die Einspielungen ja her haben ... ?

    Es sind Produktionen des slowakischen Hudobné Centrum in Bratislava (Serie Monumenta musicæ Slovacæ). Das slowakische Ensemble Musica Æterna (nicht zu verwechseln mit Currentzis' musicAeterna) wurde 1973 gegründet und spielt seit 1989 auf Instrumenten des 17. und 18. Jahrhunderts bzw. auf Nachbauten. Unter Peter Zajíček haben sie auch geistliche Werke von Anton Zimmermann eingespielt. Die Aufnahmejahre sind 2005 und 2006.


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    »Das ist sehr groß, ganz toll! Man möchte sich fürchten, das Haus fiele ein.«

    – Goethe über den Kopfsatz der 5. Sinfonie von Beethoven


  • Um abermals auf die schon mehrfach hervorgehobene Sinfonie c-Moll zu kommen, die l'arte del mondo unter Werner Ehrhardt für DHM eingespielt hat. Der Dirigent selbst meint im Booklet, dass der Einsatz von Posaunen in einem sinfonischen Werk in den 1770er Jahren eigentlich "undenkbar" sei, diese "allenfalls in Oper und Oratorium" vorgekommen seien. Zimmermanns c-Moll-Sinfonie sei daher "zu dieser Zeit einmalig". Ehrhardt geht, wie Ulli , von einem geistlichen Kontext aus und hält eine Aufführung in der Karwoche, womöglich Gründonnerstag, für denkbar. Gewisse Ähnlichkeiten sieht er zu Haydns Sinfonie Nr. 26 d-Moll, die ja auch den Beinamen "Lamentatione" trägt. Ehrhardt spricht von "eine[r] wunderbare[n] Mischung aus Kontemplation und Dramatik" und schließt: "Klanglich und formal ist dieses Werk ein Unikat. Für mich ein Meisterwerk." D'accord, eine echte Entdeckung. Was für ein innovativer Komponist.

    »Das ist sehr groß, ganz toll! Man möchte sich fürchten, das Haus fiele ein.«

    – Goethe über den Kopfsatz der 5. Sinfonie von Beethoven