Eure "Hitliste" der deutschen Rundfunk-Sinfonieorchester?

  • Moin zusammen,


    "inspiriert" durch meinen eigenen thread ;) zum digitalen Aufzeichnen von Rundfunkübertragungen möchte ich gern eine kleine "Umfrage" starten, welches der Sinfonieorchester der deutschen Rundfunkanstalten Ihr am meisten schätzt.


    Hier ist meine selbstverständlich höchst subjektive Einschätzung, wobei ich vermutlich noch nicht alle deutschen Rundfunk-SO überhaupt schon gehört habe:


    Für mich rangieren derzeit an der Spitze ziemlich gleichauf das Sinfonieorchester des Bayerischen Rundfunks und das des NDR. Dann vielleicht das WDR-Sinfonieorchester und inzwischen unbedingt auch das SO des Hessischen Rundfunks, das unter Hugh Wolff deutlich an Profil gewonnen hat. Ein beachtenswerter "Aufsteiger" ist in meinen Augen die Radiophilharmonie Hannover des NDR, die früher ein wenig den Ruf des "NDR-Salonorchesters" zu haben schien, aber inzwischen mehr und mehr "ernstzunehmende" Vorstellungen abliefert.


    Bei den Orchestern des Saarländischen Rundfunks und des Südwestfunks fällt mir dann doch auf, daß von diesen nur sehr selten mal etwas "haften" bleibt.


    Rundfunkorchester, die ich nicht erwähnt habe, gehören da natürlich irgendwo mit hinein, aber von denen kenne ich zu wenige Aufnahmen, um mich an eine Einschätzung heranzutrauen.


    Bin gespannt auf Eure "Hitparade".


    Gruß aus dem Norden - Ralf

  • Ich kann leider keine Hitliste beitragen - dazu gibt es einfach (Gott sei Dank !) (noch) zahlreiche Rundfunkorchester.
    Welches ich ungemein schätze ist jedoch das RSO Stuttgart unter der Leitung von Norrington. Nun kann man zu Norrington stehen wie man will - und ich stehe seinen Experimenten sehr positiv gegenüber - aber die Resultate sind oft verblüffend. Besonders in Erinnerung bleiben wird mir sein Benjamin Britten-Abend vor einem Jahr, der wie immer ohne Vibrato bestritten wurde - was musikhistorisch eigentlich Blödsinn ist. Trotzdem zauberte er ein wunderbares Klangbild...

  • Hallo Ralf,


    mit einer HIT-Liste kann ich nicht dienen, denn von allen von Dir genannten RSO habe ich schon Highlihgts gehört, die nicht miteinander zu vergleichen sind.
    :yes: Diese RSO haben ein sehr hohes Niveau in Deutschland.


    Die Highlights wären:


    1. Kölner RSO - Schostakowitsch-Sinfonien mit Barshai


    2. Bayrisches RSO München - Dvorak: Sinfonische Dichtungen mit Kubelik


    3. Stuttgarter RSO - Zahlreiche Tonbandaufnahmen mit Gielen und anderen, haben mir sehr viele neue Werke von Hindemith und anderen Komponisten des 20.Jhd. nähergebracht. Ein unheimlich brillanter und präziser Klangkörper.
    Aus dieser Persektive muß ich Dir wiedersprechen, wenn Du schreibst:

    Zitat

    Bei den Orchestern des Saarländischen Rundfunks und des Südwestfunks fällt mir dann doch auf, daß von diesen nur sehr selten mal etwas "haften" bleibt.


    Ich hatte mir damals extra eine Riesen-UKW-Antenne aufgestellt, damit ich den SWFII in Bonn sauber und rauschfrei rein bekomme !
    Später hatte man Kabelanschluß und heute alles über DVB-S (Satellit).

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Zitat

    Ein beachtenswerter "Aufsteiger" ist in meinen Augen die Radiophilharmonie Hannover des NDR, die früher ein wenig den Ruf des "NDR-Salonorchesters" zu haben schien, aber inzwischen mehr und mehr "ernstzunehmende" Vorstellungen abliefert.


    Die Radiophilharmonie Hannover ist schon immer zweigleisig gefahren. "seriöse Abonemmentskonzerte" und Popkonzerte mit Grönemeyer und co. Nur treten sie inzwischen bei den Popveranstaltungen unter dem Namen NDR Pop Orchester oder so .ä. auf.


    Das letzte Konzert was ich hier in Zürich von diesem Orchester auf Tournee gehört habe, war schlicht grauenhaft. Laut und undifferenziert, allerdings war das auch nicht unter ihrem Chef Eiji Oue sondern unter Kristian Järvi.


    Gruss Syrinx

  • Lieber Wolfgang,
    das RSO Saarbrücken gibt es nicht mehr.
    Es heißt jetzt"Deutsche Radio Philharmonie Saarbrücken-Kaiserslautern"
    und ist ein Zusammenschluß des RSO Saarbrücken und des Rundfunk-
    orchesters Kaiserslautern. Der Chefdirigent heißt Christoph Poppen.
    Das SWR Rundfunk Sinfonie Orchester hat schon einige bleibende
    Aufnahmen mit seinen Chefdirigenten hinterlassen (Hans Rosbaud,
    Ernest Bour und zur Zeit, Michael Gielen.) Beim RSO Stuttgart war
    es gans sicher Sergiu Celibidache, der dem Orchester entscheidende
    Impulse vermittelte.


    :hello:Herbert.

    Tutto nel mondo è burla.

  • Auch ich möchte mich mit einem Vergleich zurück halten, da ich zu wenige der Rundfunkorchester wirklich kenne. Hinweisen möchte ich aber auf das MDR Sinfonieorchester Leipzig, das 1991 aus der Fusion des Rundfunk - Sinfonieorchesters Leipzig und der Radio-Philharmonie Leipzig hervorging. Fabio Luisi, neuer GMD der Semperoper Dresden, hat in seiner Zeit als Chefdirigent (1999 - 2007) hier einiges geleistet.


    Zu den Einspielungen zählen sie Symphonien von Franz Schmidt, sein Klavierkonzert und das Oratorium "Das Buch mit sieben Siegeln". Weiterhin Symphonien und Orchesterlieder von Mahler sowie Beethovens Messe C.Dur op. 86.

  • Zum besseren Verständnis habe ich versucht, mich etwas schlau zu machen über die Stuktur der öffentlich-rechtlichen - gebühren-finanzierten - Rundfunkorchestern. Wie Herbert schon feststellte, hat es aus Ersparnisgründen etliche Fusionen und Umstruktuierungen gegeben. Ohne Big-Bands, Chöre und Tanzkapellen gibt es z.Zt. nach meinen Informationen noch folgende Rundfunkorchester:


    Rundfunkorchester in Deutschland:
    • Deutsches Filmorchester Babelsberg
    • Deutsches Symphonie-Orchester Berlin
    • Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin
    • WDR Sinfonieorchester Köln
    • WDR Rundfunkorchester Köln
    • SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg
    • SWR Radio-Sinfonieorchester Stuttgart
    • Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks
    • Münchner Rundfunkorchester
    • MDR Sinfonieorchester
    • NDR Sinfonieorchester
    • Radio-Philharmonie Hannover des NDR
    • Radio-Sinfonie-Orchester Frankfurt
    • Rundfunk-Sinfonieorchester Saarbrücken und Kaiserslautern


    Daraus eine Hitparade zu erstellen würde ich mir nicht zutrauen. Es gibt aber eine gute Möglichkeit, die Qualitäten der einzelnen Orchester kennenzulernen und zu vergleichen:


    Das "ARD-Nachtkonzert".
    Täglich von Mitternacht bis 6 Uhr morgens über alle Kultur-Sender in Deutschland. Das Programm wechselt täglich, d.h. jeden Tag ist einere andere Rundfunkanstalt dran, das Programm zu gestalten. Gesendet werden neue Aufnahmen, aber auch Schätze aus den Archiven der einzelnen Sender, und da ist viel Interessantes und Hörenswertes dabei. Manchmal auch echte Raritäten und Ausgrabungen, die man tagsüber nicht senden würde.


    Da ich normalerweise um die Zeit zu schlafen pflege, lasse ich dann und wann - wenn etwas für micht interessantes kommt - ein Band mitlaufen. Selbst bei bekannteren Stücken ist es erstaunlich, wie gut diese Aufnahmen meist sind, die sich hinter den kommerziellen Einspielungen der renommierten Luxusorchester der Major-Plattenlabels nicht zu verstecken brauchen!

    Harald


    Freundschaft schließt man nicht, einen Freund erkennt man.
    (Vinícius de Moraes)

  • Hallo Harald,


    Zitat

    Original von Harald Kral
    • Radio-Sinfonie-Orchester Frankfurt


    nur zur Berichtigung:
    das ehemalige RSO Frankfurt ist mittlerweile leider umbenannt worden in:
    hr-Sinfonieorchester


    :hello:
    Johannes

  • Ein Ranking kann ich nicht erstellen - abgesehen davon, dass auch ich einen Teil der Klangkörper gar nicht oder nur flüchtig kenne, stellt sich die Frage der Kriterien. Sollen die derzeitigen Leistungen zugrundegelegt werden, diejenigen der letzten 5/10/20 Jahre, die gesamte Geschichte der Orchester? Zudem spielen natürlich die jeweiligen Repertoirevorlieben, Präferenzen für bestimmte Dirigenten oder Musizierstile eine Rolle.


    Ich ergänze aber mal die von Harald dankenswerterweise zusammengestellte Liste mit ein paar Informationen über die Orchester, ihre Geschichte und ihre Chefdirigenten (Quellen: Websites der Orchester, Wikipedia, diverse Berichte in Presse und Rundfunk). Außerdem füge ich dort, wo ich sie mir zutraue, eine eigene Einschätzung hinzu, verbunden mit anderen Bewertungen und Eindrücken überwiegend aus Printmedien. Letzteres natürlich subjektiv, unvollständig und für Korrekturen sowie Ergänzungen dankbar.





    Deutsches Filmorchester Babelsberg


    Chefdirigenten:
    1993-1999: Frank Strobel
    seit 1999: Scott Lawton


    Sitz: Berlin/Potsdam. 1993 gegründet, ging aus den aufgelösten Ensembles Defa-Sinfonieorchester und Radio Berlin Tanzorchester hervor. Spielt Konzerte und Crossover-Programme, ist aber vor allem für Filmmusikproduktionen zuständig (bisher über 220). Angeblich das einzige Filmorchester Westeuropas.


    Kann ich leider nix zu sagen, weil ich das Orchester nur vom Hörensagen kenne.


    Korrektur: Das Filmorchester Babelsberg ist, wie ich dem nachfolgenden Beitrag von Michael entnehme, kein Rundfunkklangkörper!




    Deutsches Symphonie-Orchester Berlin



    1946 als RIAS-Symphonieorchester gegründet. Zweimal umbenannt, was mit der wechselvollen Nachkriegsgeschichte Berlins zusammenhängt.
    1956-1993: Radio-Symphonieorchester-Berlin
    seit 1993 der aktuelle Namen


    Chefdirigenten:
    1948-1954 und
    1959-1963: Ferenc Friscay
    1964-1975: Lorin Maazel
    1982-1989: Riccardo Chailly
    1989-2000: Vladimir Ashkenazy
    2000-2006: Kent Nagano
    seit 2007: Ingo Metzmacher


    Gehört sicherlich zu den bekanntesten deutschen Rundfunkorchestern. Zahlreiche Einspielungen, von denen vor allem diejenigen unter Friscay, aber auch die unter Maazel im Forum sehr häufig auftauchen. In den Jahren unter Nagano großes Medienecho, originelle Programmzusammenstellungen (auch viel Musik vor 1750 und nach 1950). Ich habe das Orchester zweimal live mit Nagano und ein paarmal im Radio gehört. Fast immer hervorragende Leistungen, die natürlich stark durch Naganos Klangideal geprägt waren. Unter diesem Dirigenten auch als Opernorchester tätig, u.a. mit Schrekers "Gezeichneten" in Salzburg und mit "Lohengrin" in Baden-Baden (beide Produktionen auf DVD).




    Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin


    Das älteste Berliner Rundfunkorchester, bereits 1923 gegründet. 1949-1990 war es das Symphonieorchester des DDR-Rundfunks. Wie sein ehemals West-Berliner Gegenpart, das jetzige Deutsche Symphonie-Orchester, ist es Bestandteil der 1994 gegründeten Rundfunk Orchester und Chöre GmbH Berlin - einer Trägergesellschaft, die überwiegend vom Deutschlandfunk, dem Bund und dem Land Berlin finanziert wird.


    Chefdirigenten seit 1945:
    1945-1946: Sergiu Celibidache
    1953-1956: Hermann Abendroth
    1959-1973: Rolf Kleinert
    1973-1993: Heinz Rögner
    1994-2000: Rafael Frühbeck de Burgos
    seit 2002: Marek Janowski


    Ich habe das Orchester nie live erlebt, kann mich auch nicht an ein bewusst im Rundfunk gehörtes Konzert erinnern. Aufnahmen vor allem unter Heinz Rögner sind in den letzten Jahren relativ häufig auf CD herausgekommen und wurden hier im Forum gelegentlich lobend erwähnt. Es existieren auch einige CDs unter Janowski, u.a. Hindemiths "Harmonie der Welt".




    WDR Sinfonieorchester Köln


    1947 gegründet (damals noch im Nordwestdeutschen Rundfunk).


    Chefdirigenten habe ich, warum auch immer, erst seit 1964 gefunden (auf der Website des Orchesters wird die Geschichte des Klangkörpers ziemlich stiefmütterlich behandelt):
    1964-1969: Christoph von Dohnanyi
    1970-1974: Zdenek Macal
    1977-1983: Hiroshi Wakasugi
    1983-1991: Gary Bertini
    1991-1997: Hans Vonk
    seit 1997: Semyon Bychkov


    Das Orchester hat darüber hinaus sehr häufig mit zahlreichen berühmten Dirigenten zusammengearbeitet: Fritz Busch, Erich Kleiber, Karl Böhm, Otto Klemperer, Georg Solti und Dimitri Mitropoulos. Dessen letztes Konzert überhaupt war eine Kölner Aufführung von Mahlers Dritter, von der auch ein Mitschnitt existiert. Auch die anderen genannten Dirigenten haben mit dem WDR-Orchester zahlreiche Aufnahmen hinterlassen, von denen inzwischen viele auf CD veröffentlicht worden sind.


    Extra erwähnt werden muss die enge Zusammenarbeit des Orchesters mit Günter Wand in den 70er und frühen 80er Jahren, die u.a. durch Gesamtaufnahmen der Symphonien Schuberts und Bruckners dokumentiert ist.


    Mit den eigentlichen Chefdirigenten ist es dagegen dem Hörensagen nach nicht immer harmonisch zugegangen. Das hat sich wohl spätestens mit dem Amtsantritt von Bychkov geändert. Ich habe das Orchester mehfach Anfang/Mitte der 80er Jahre und dann erst wieder zweimal in letzter Zeit live erlebt - der spieltechnische Standard ist noch einmal besser geworden. Bychkov schätze ich durchaus; es kommt allerdings auf das Repertoire an (Brahms und Mahler fand ich zwar ok, aber nicht mehr; herausragend ein Konzert vor etwa zwei Jahren mit Schostakowitschs Vierter). Viele CD-Veröffentlichungen auch in den letzten Jahren, überwiegend mit Bychkov (auch eine sehr gelobte, aber mir unbekannte Aufnahme von Straussens "Daphne" mit Renee Fleming und eine "Elektra" mit Polaski sind dabei). Am verbreitetsten dürfte wohl die Gesamtaufnahme der Schostakowitsch-Symphonien mit Rudolf Barshai sein.




    WDR Rundfunkorchester Köln


    Der WDR leistet sich am selben Standort noch ein zweites, wesentlich kleineres Orchester, das überwiegend (aber nicht nur) für die sogenannte leichte Muse verantwortlich ist. Bis 1999 trug das Ensemble den Namen "Kölner Rundfunkorchester". Chefdirigent war von 1997 bis 2006 Helmuth Froschauer, seit 2006 amtiert Michail Jurowski.


    In den 80ern wurde eine Reihe von Werken Kurt Weills für Capriccio aufgenommen, meist unter Jan Latham-König. Aus früherer Zeit gibt es viele Einspielungen von Operetten unter Franz Marszalek (Chefdirigent zwischen 1949 und 1965) - leider habe ich in diesem Bereich keine Ahnung und überlasse die Einschätzung Befugteren.




    SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg


    Das Rundfunkorchester mit dem umständlichen Namen wurde 1946 als Philharmonisches Orchester des Südwestfunks gegründet, hieß seit 1966 Sinfonieorchester des Südwestfunks und hat schließlich nach der Zusammenfügung von SDR und SWF zum SWR und dem Umzug von Baden-Baden nach Freiburg (1996-98 ) die heutige Bezeichnung erhalten. Darf nicht mit dem SWR Radio-Sinfonieorchester Stuttgart verwechselt werden, wie in diesem Thread schon wieder geschehen.


    Chefdirigenten:
    1948-1962: Hans Rosbaud
    1964-1979: Ernest Bour
    1980-1986: Kazimierz Kord
    1986-1999: Michael Gielen
    seit 1999: Sylvain Cambreling


    Kein deutsches Rundfunkorchester hat wohl den Auftrag, zeitgenössische Musik aufzuführen, so ernst genommen. Ungefähr vierhundert Uraufführungen sind verzeichnet, darunter Klassiker der Moderne wie "Le Marteau sans maître" von Boulez, Ligetis "Lontano" und Berios "Sinfonia". Seit 1999 leitet Sylvain Cambreling das Orchester, Michael Gielen und Hans Zender sind ständige Gastdirigenten. Als Gäste dirigierten in den 50er Jahren auch Igor Strawinsky und Pierre Boulez, der den Durchbruch in seiner Karriere als "artist in residence" in Baden-Baden schaffte. Das Orchester ist seit jeher eine der wichtigsten Säulen der Donaueschinger Musiktage. Mit dem Konzerthaus in Freiburg hat es Ende der 90er Jahre auch endlich einen vernünftigen Konzertsaal bekommen.


    Auf CD ist die Geschichte des Orchesters reich dokumentiert, inzwischen auch durch Aufnahmen mit Rosbaud und Bour. Da gerade Gielen und Cambreling zu meinen Lieblingsdirigenten zählen, würde das Orchester bei meinem persönlichen Ranking auf dem ersten Platz landen. Ich habe es seit Anfang der 90er Jahre mehrfach live erlebt, oft im Rundfunk gehört und besitze auch ziemlich viele CDs. Die Beethoven- und Mahler-Zyklen mit Gielen zähle ich nach wie vor zu den besten überhaupt. Cambreling hat inzwischen mit dem Orchester ein enormes Messiaen-Repertoire (einschließlich der Franziskus-Oper) erarbeitet, das in Umfang und Qualität nicht nur in Deutschland unübertroffen sein dürfte. Sehr empfehlenswert auch eine neue Strawinsky/Debussy/Dukas-CD sowie eine Aufnahme mit Berlioz-Ouvertüren. Hinzu kommt eine hervorragende Einspielung von Lachenmanns "Mädchen mit den Schwefelhölzern".




    SWR Radio-Sinfonieorchester Stuttgart


    Das Radio-Symphonieorchester Stuttgart wurde 1945 gegründet und ist das ehemalige Rundfunkorchester des Südfunks Stuttgart (später: Süddeutscher Rundfunk), der in den 90er Jahren mit dem Südwestfunk zum SWR fusioniert wurde.


    Chefdirigenten:
    1948-1969: Hans Müller-Kray
    1971-1977: Sergiu Celibidache
    1983-1989: Neville Marriner
    1989-1995: Gianluigi Gelmetti
    1996-1998: Georges Prêtre
    seit 1998: Roger Norrington


    Außerdem muss erwähnt werden, dass das Orchester seit 1950 regelmäßig mit Carl Schuricht zusammenarbeitete, was inzwischen auch auf CD ganz gut dokumentiert ist. Ansonsten hat der Klangkörper auf Tonträgern vor allem mit zwei Dirigenten Furore gemacht: zum einen mit Celibidache, dessen Stuttgarter Aufnahmen bei der DG als CD erschienen sind und von vielen höher geschätzt werden als die späteren Münchener Aufnahmen des Dirigenten. Und zum anderen mit Norrington - hier ist bei Hänssler bereits enorm viel erschienen, meist Standardrepertoire zwischen Haydn und Mahler.


    Man kann von Norrington halten, was man will (ich sehe ihn partiell durchaus kritisch): Er hat das Stuttgarter Orchester markant positioniert - mit dem berühmt-berüchtigten Non-Vibrato und anderen HIP-Spielpraktiken steht es in einer Zone zwischen HIP und "traditionellem" Orchesterspiel in der Landschaft der deutschen Rundfunkorchester einzig da. Beachtlich, wie bereitwillig sich der Klangkörper darauf eingelassen hat. Großes Medienecho. Ich selbst kenne das Orchester nur von CDs und aus dem Rundfunk.




    Die restlichen sieben Orchester folgen morgen.



    Viele Grüße


    Bernd

  • Hallo,
    das Filmorchester Babelsberg ist KEIN Rundfunkklangkörper.


    Es handelt sich bei diesem kleinen Orchester um einen eingetragenen Verein.
    Außerdem ist dieses Orchester in seiner Existenz massiv bedroht.


    Ein Ranking der großen Rundfunksinfonieorchester halte ich für schwierig.
    Es handelt sich ausnahmslos um (deutsche) Spitzenorchester, kein Wunder, denn am Rundfunk gibt es die fettesten Gehälter und Zulagen.
    Was da alleine die GVL-Pauschale ausmacht........die GVL (GESELLSCHAFT ZUR VERWERTUNG VON
    LEISTUNGSSCHUTZRECHTEN mbH ) schüttet jedes Jahr Gelder für die Mitwirkung an prof. Aufnahmen aus.


    Ob bei jemanden nun mehr vom SWF oder vom NDR hängenbleibt, das liegt wohl eher am Repertoire und Dirigenten.


    Auf allerhöchstem Niveau spielen können alle, auch wenn es wie im Falle von Syrinx Konzerterlebnis auch hier natürlich mal schlechte Tage gibt.


    Mir sind unzählige Aufnahmen von jedem dieser Orchester bekannt und die allergrößten Unterschiede machen neben den Dirigenten für mich eher die Räumlichkeiten, in denen aufgenommen wird, aus.


    In früheren Zeiten hatte z.B. der WDR oder der SWF keine besonders guten Säle zur Verfügung.
    Aber das hat sich mittlerweile geändert.



    Gruß,
    Michael


    Zwielicht:

    Zitat

    Beachtlich, wie bereitwillig sich der Klangkörper darauf eingelassen hat.


    :D Meinst Du, die wurden um ihre Meinung gefragt?
    Sie müssen das machen, egal ob bereitwillig oder nicht. :D
    :hello:

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  • Zitat

    Original von Michael Schlechtriem
    Zwielicht:


    :D Meinst Du, die wurden um ihre Meinung gefragt?
    Sie müssen das machen, egal ob bereitwillig oder nicht. :D
    :hello:



    So naiv bin ich nun auch wieder nicht, dass ich diese Möglichkeit nicht in Betracht gezogen hätte. :D Meine Aussage steht zweifellos auf dünnem Boden, denn sie stützt sich zum einen auf eine Aussage aus zweiter Hand (der Bekannte einer Freundin von mir spielt im Orchester): danach habe zumindest ein Großteil der Orchestermitglieder die Vorgaben Norringtons wirklich akzeptiert.


    Zum anderen - auch da musst Du mich korrigieren, wenn ich falsch liege - hat ein solches Orchester doch wenigstens gewisse Möglichkeiten, passiven Widerstand gegen einen Dirigenten zu leisten. Sowas soll ja schon öfter vorgekommen sein, z.B. (Vorsicht Gerücht! :D) bei der kurzen Ehe zwischen NDR-Orchester und Gardiner.



    Viele Grüße


    Bernd

  • Lieber Zwielicht,

    Zitat

    hat ein solches Orchester doch wenigstens gewisse Möglichkeiten, passiven Widerstand gegen einen Dirigenten zu leisten


    So etwas ist mit Gefahren verbunden, denn niemand möchte ja nun eine Klage wegen Arbeitsverweigerung an den Hals bekommen.
    Insofern sehe ich eigentlich wenig Möglichkeit.
    Man darf das Orchester auch nicht immer als mächtiges Kollektiv sehen.
    Es gibt so viele Grabenkämpfe innerhalb eines Orchesters, daß man schlußendlich ganz schön alleine dastehen kann, wenn man sich auflehnt.
    Die meisten Kollegen wollen einfach nur ihre Ruhe.


    Ich habe ein einziges mal einen Dirigenten, den ich jahrelang kannte und dessen Sympathie ich mir sicher war, angeschrien, als er einen Kollegen ungerechtfertigter Weise zur Sau machte.
    Zum Glück bin ich damit durchgekommen, aber so etwas mache ich nicht noch einmal.



    Gardiner muß allerdings ein echtes Ekelpaket sein, ich weiß jetzt nicht, ob er vorzeitig gegangen wurde oder sein Vertrag einfach nicht verlängert wurde.
    Das zweite wäre für mich verständlich und möglich.
    Und in diesem Falle wird es auch ein Meinungsbild vom Orchester gegeben haben.
    So etwas kann man machen, wenn der Arbeitgeber damit einverstanden ist.


    Zitat

    danach habe zumindest ein Großteil der Orchestermitglieder die Vorgaben Norringtons wirklich akzeptiert.


    Ich denke auch.
    Sie spielen ja nicht immer unter Norrington und irgendwann geht er ja auch wieder.


    Ich kann nur für mich sprechen, aber wenn ich jahrelang grundsätzlich immer am Vibrato durch den Dirigenten gehindert würde, wäre ich reif für die Klappse.


    Auf der anderen Seite verdient man am Funk wirklich herausragend gut, da sollte man auch entsprechend flexibel sein.
    Ist ja für einen guten Zweck-das Bankkonto nämlich.


    LG,

    Michael

  • Dann auch noch ergänzend etwas zur Geschichte des MDR - Sinfonieorchesters Ledipzig (Quelle: HP des MDR):


    Kein zweites Sinfonieorchester in Europa ist so eng mit der Entstehung des Rundfunks verbunden wie das des Mitteldeutschen Rundfunks. Der bereits 1923 gegründete Klangkörper (Leipziger Sinfonie-Orchester) wurde mit Beginn der Rundfunksendungen aus Leipzig im Frühjahr 1924 von der Mitteldeutschen Rundfunk AG (MIRAG) übernommen. Fortan vollzog sich die Entwicklung des Orchesters in enger Verbindung mit der des damals neuen Mediums. Die Musiker spielten aber nicht nur während der Sendungen, das Orchester gab regelmäßig Sinfoniekonzerte und spielte zudem an Gewandhaus-Konzerttagen in der Leipziger Oper.


    Innerhalb kurzer Zeit erlangte das Orchester Achtung und Anerkennung bei der Musikkritik. Berühmte Dirigenten und Komponisten wie Alfred Szendrei, Hermann Scherchen, Carl Schuricht, Ernst Krenek oder Richard Strauss sorgten für ein weithin beachtetes Repertoire.

    Pflege des klassischen Repertoires sowie Erstaufführungen
    Nach der kriegsbedingten Auflösung des Orchesters 1941 begannen bereits mit einem ersten Konzert im August 1945 die Bemühungen um einen neuen Aufschwung. 1946 war das "Große Sinfonieorchester des Senders Leipzig" neu formiert, produzierte vornehmlich für die Sendungen des Mitteldeutschen Rundfunks und unterhielt zunächst eine Konzertreihe in Leipzig. Unter dem Dirigat Hermann Abendroths wurde das klassische Repertoire erweitert, Herbert Kegel erarbeitete ab Mitte der fünfziger Jahre mustergültige Interpretationen der bedeutendsten Werke des 20. Jahrhunderts. Komponisten, die die Entwicklung jener Zeit prägten, übernahmen vielfach die Aufführung ihrer Musik. Die lange Reihe der Ur- und Erstaufführungen setzten Ende der siebziger Jahre Wolf-Dieter Hauschild und später Max Pommer fort.

    Fusion zweier großer Orchester
    Nach der Neugründung des Mitteldeutschen Rundfunks 1991 (Sendebeginn am 1. Januar 1992) fusionierten das bisherige Rundfunk-Sinfonieorchester und die Radio-Philharmonie Leipzig. Das MDR Sinfonieorchester gibt jährlich über 60 Konzerte, viele von ihnen gemeinsam mit dem MDR Rundfunkchor. Regelmäßige Konzertreihen veranstaltet der MDR in Leipzig, Magdeburg, Erfurt, Weimar und Suhl. Gastspielreisen führten das Orchester in den letzten Jahren unter anderem in die Schweiz, die Niederlande, nach Tschechien, Polen, Italien, China, Kuba, Japan, Österreich und Spanien.


    Von 1992 bis 1996 war Daniel Nazareth Chefdirigent des MDR Sinfonieorchesters. Mit Beginn der Spielzeit 1996/97 teilten sich Manfred Honeck, Fabio Luisi und Marcello Viotti als Hauptdirigenten die künstlerische Leitung. Im September 1999 übernahm Fabio Luisi die Position des Chefdirigenten, seine Nachfolge trat mit Beginn der Spielzeit 2007/2008 Jun Märkl an.

  • Früher gab es bei jeder Sendeanstalt ein "großes" Orchester für das sinfonische Repertoire und ein "kleines" für den unterhaltenden Bereich.


    Einige dieser "kleinen" Orchester sind in der Zwischenzeit eingegangen bezw. aufgelöst worden:


    Das Radio-Orchester Stuttgart (zu hören u.a. in der EMI-Aufnahme des Korngold-Violinkonzertes mit Ulf Hoelscher unter Willi Mattes) gibt es schon lange nicht mehr.
    (Willi Mattes ist einer der äußerst fähigen Pianisten und Dirigenten der deutschen Radioorchesterszene gewesen, denen ein Denkmal in Form eines threads gebüren würde!)
    Dieses Orchester ist nicht identisch gewesen mit dem damaligen Radio-Sinfonieorchester Stuttgart, welches heute noch den Namen des SWR miteinbezieht.


    Auch das HR-Rundfunkorchester, dessen letzter Chef Peter Falk war, ist vor Jahren aufgelöst worden.


    Wesentlich besser erging es dem NDR-Rundfunkorchester in Hannover:
    Dieses Orchester hat den Sprung geschafft, sich unter dem neuen Namen NDR Radiophilharmonie Hannover einen beachtlichen Ruf als hochklassiges Sinfonieorchester zu erkämpfen.
    Unter ihrem "Pops" - Namen führt dieses Orchester darüberhinaus seine Tradition als Crossover-Ensemble weiter.


    War die Qualität dieses Orchesters noch vor 30 Jahren eher mittelmäßig(sorry :untertauch: ), so hat sich dies nun grundlegend geändert und das Orchester hat den Anschluß an die führenden Rundfunksinfonieorchester geschafft.


    Das Kölner Rundfunkorchester ist eine schlagkräftige Truppe, es gibt einige lohnende Aufnahmen mit ihnen auf CD, z.B. die Weill-Einspielungen aus den 80er Jahren.


    Meine ganz besondere Symphatie gehört allerdings dem Münchner Rundfunkorchester.


    Dieses Orchester stand letzthin vor der Schließung, welche glücklicherweise abgewendet wurde.
    Im Grunde macht dieses ganz hervorragende und sehr leistungsstarke Orchester all die Arbeit, welche dem um Profilierung als Weltspitzenorchester und bestes deutsches Orchester neben den Berliner Philharmonikern hinterherhechelndem BR-Sinfonieorchester erspart bleibt:


    Nämlich sehr, sehr viele interessante Aufnahmen von nicht so bekannten zeitgenössischen Komponisten, unbekannteren Komponisten der sog. 2. Reihe oder auch Werke von Komponisten der Region ( in diesem Falle Bayern und Franken), die hier eine Plattform für die Aufführung oder Aufnahme ihrer Werke erhalten.


    Jeden Tag kann man hochinteressante Werke auf Bayerns Radiostationen mit dem Münchner Rundfunkorchester kennenlernen.


    Dieses Orchester hat auch unter Leinsdorf die maßstabsetzende Einspielung von Korngolds "Die tote Stadt" in den 70ern für RCA eingespielt.


    Und dieses Orchester, welches eine ungemein verdienstvolle Basisarbeit auf allerhöchstem Niveau anbietet, wollte man auflösen.
    :no:


    Insofern muß ich es wirklich einmal sagen:


    Wenn es eine "Hitliste" der deutschen Rundfunkorchester geben soll, dann stände auf Platz 1 für mich ganz klar das Münchner Rundfunkorchester.


    Nicht, weil es so besonders gut oder besser spielt.
    Dieses Orchester spielt auf demselben höchstklassigem Niveau wie alle anderen Rundfunkklangkörper auch.
    Nein, das Repertoire, diese unglaublich große Menge an interessanter Musik, welche nur in Einspielungen dieses Orchesters vorliegt und welche auch regelmäßig gesendet wird, macht für mich den Unterschied.


    Wobei das allermeiste überhaupt nicht auf CD erschienen ist.
    Aber jeden Tag ist dieses Orchester mindestens einmal- meistens mehrmals- im Rundfunk zu hören.
    Sehr oft mit interessanten Werken, welche man ansonsten nicht zu hören bekommt.
    Was dies angeht, ist anscheinend der BR die letzte Rundfunkanstalt, die noch darauf ein wenig Rücksicht nimmt.


    Deswegen ist dieses Orchester im Rundfunk für mich persönlich präsenter und wichtiger als der ( zugegebenermaßen großartige) "Luxusdampfer" BR-Sinfonieorchester.


    Ähnlich verdienstvoll-das hat Bernd ja auch schon angesprochen- ist die seinerzeitige Arbeit des SWF-Sinfonieorchesters im Bereich moderner Musik gewesen.
    (Für die Kollegen ist es natürlich gesundheitlich besser, daß diese Zeiten mehr oder weniger vorbei sind..... :D )
    Dafür u.a. wurden allerdings die hochbezahlten Rundfunk-Sinfonieorchester gegründet, und das war oder ist immer noch ihr eigentlicher Auftrag, der ja nun auch durch unsere Gebühren finanziert wird.
    Dies unterscheidet einen Rundfunkklangkörper von einem "normalen" städtischen Orchester-egal ob Opern oder reinem Sinfonieorchester.


    Die Rundfunk-Sinfonieorchester sind nicht ausschließlich gegründet worden, um einem breitem Geschmack oder einem künstlerischem Erfolg nachzujagen( wie das BR-Sinfonieorchester seinerzeit mit Lorin Maazel-was bekommen diese Dirigentenhalbgötter extraorbitante Gagen in Millionenhöhe..... :no: :kotz: ), sondern um die Musik zu spielen, die an den Stadttheatern und bei den städtischen Orchestern ansonsten nur wenig oder gar keine Chance hätte, da diese Institutionen wirklich wirtschaftlich rechnen müssen.


    Das sehr gute und für Generationen von Musikliebhabern für immer mit dem Namen Emmerich Smola verbundene Rundfunkorchester Kaiserslautern ist, wie Herbert schon geschrieben hat, mit dem ebenfalls hervorragendem RSO Saarbrücken fusioniert.


    Schade, und für die Kollegen aus Kaiserslautern bedeutet das jetzt eine Menge an Pendelei zwischen Kaiserslautern und Saarbrücken.


    Aber nichts gegen das RSO Saarbrücken!
    Oder wie es sich nun nennt:
    Deutsche Radio Philharmonie Saarbrücken-Kaiserslautern


    Dieses Orchester stand immer etwas im Schatten der andern "großen" Rundfunkorchester.
    Völlig zu Unrecht, da auch dieses Orchester über Jahrzehnte eine hochklassige Qualität abgeliefert hat.
    Vor allem in den letzten Jahren sind die Einspielungen unter Stanislaw Skrowaczewski sehr gelobt worden, aber es gibt tatsächlich auch Aufnahmen dieses Orchesters unter Leopold Stokowski.
    Zu Recht!



    Zum SWR Radio-Sinfonieorchester Stuttgart möchte ich auch noch zum vorläufigen Schluss etwas beisteuern:


    Dieses Orchester hat eine Reihe von sehr namhaften Chefs gehabt, vor allem natürlich Celibidache.
    Trotz all dieser großen Namen(Marriner, Pretre, etc) möchte ich hier einmal eine Lanze brechen für den ersten und langjährigen Chef dieses Orchesters: Hans Müller-Kray


    Ich besitze einige für mich sehr wertvolle Aufnahmen mit Müller-Kray(gehört habe ich seinerzeit noch weitaus mehr- als seine Aufnahmen noch regelmäßig gesendet wurden), vor allem Aufnahmen von deutschen Komponisten, welche während der Nazi-Zeit nicht -oder nur sporadisch- aufgeführt wurden.
    So gut wie alle dieser Aufnahmen zeichnen sich durch ein sehr spannungsvolles und energiegeladenes Musizieren aus.


    Dieser Dirigent war in jedem Falle ein Könner oder sogar ein großer Meister( wie ich finde), aber er hat für die Nachwelt natürlich nicht den glamourösen Namen wie ein Celibidache oder Marriner.
    Und so ist er heutzutage leider fast völlig vergessen.
    Es gibt unzählige Aufnahmen mit ihm, aber leider so gut wie nichts auf CD.
    Hier seine Wiki-Seite:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Hans_M%C3%BCller-Kray


    Er war tatsächlich auch in Münster tätig... :D
    hat ihm aber anscheinend nicht geschadet...... :pfeif:


    Überhaupt liebe ich den Sound alter Rundfunk-Mono-Aufnahmen der verschiedenen Rundfunksinfonieorchester.


    Was da ungeschönt grobkörnig im trockenem Mono-Sound der 50er und 60er Jahre aus den Lautsprechern kommt, ist zum größten Teil von einer musikalischen Intensität, welche heutige Luxusproduktionen m.e zum großem Teil nicht erreichen.
    Ich denke da z.B. auch an WDR-Produktionen des Sinfonieorchesters unter Mitropoulus, Szell oder Ormandy.
    Für mich einfach umwerfend!


    LG,
    Michael


    ulfk179

    Zitat

    Besonders in Erinnerung bleiben wird mir sein Benjamin Britten-Abend vor einem Jahr, der wie immer ohne Vibrato bestritten wurde


    Aber die Sänger haben sicher Vibrato(r) in der Stimme gehabt?
    Wenn Sänger anwesend waren selbstverständlich.
    Ich komme nur darauf, weil ich es absolut ärgerlich finde, wenn ich non vibrato stark vibrierende Sänger begleiten muß.
    DIE dürfen das, und oft in einer Amplitude, welche einer kleinenTerz ziemlich ähnlich ist.
    Aber bitteschön: Die Streicher ohne Vibrato gefälligst!
    Nicht die Oboen-ist ja klar, warum auch immer.... ?(
    Und gefälligst mit Darmsaiten, aber nur, wenn mir alle drei Monate ein kompletter Satz vom Arbeitgeber bezahlt wird, denn ich habe eigentlich keine Lust darauf, alle paar Monate für 400,- neue Saiten zu kaufen.

    Zitat

    was musikhistorisch eigentlich Blödsinn ist. Trotzdem zauberte er ein wunderbares Klangbild...


    Ich persönlich bleibe dann eher bei Blödsinn.
    Das ist für mich Blödsinn in Reinkultur!
    :baeh01:


    Nicht böse sein, bitte, ich bin da nicht mehr objektiv. :stumm:
    :hello:

  • Zu Norrington:
    Ich habe mit Entsetzen letztes Jahr Tschaikowskis 6.Sinfonie unter Norrington gehört.
    Wenn DIES das Klangideal unserer Zeit sein soll, welchem ich mich, aus welchen Gründen auch immer, irgendwann zu unterwerfen habe, dann werde ich versuchen, mich umschulen zu lassen um als städtischer Angestellter, der ich bin, einen künstlerisch ergiebigeren Job bei der Müllabfuhr zu bekommen.
    Der Verdienst wäre dann zwar ziemlich derselbe, aber ich würde etwas sinnvolles machen.

  • Ein ungemein verdienstvoller Thread, zu dem ich leider gar nichts beitragen kann, weil ich die meisten Rundfunkorchester nur aus ihren sporadischen Mitschnitten kenne, da die Zeiten, in denen ich noch intensiv Radiomusik hörte, schon ziemlich lange vorbei sind.


    Dachte ich jedenfalls, bis mir durch die Beiträge von Michael und Zwielicht bewusst wurde, wieviel ich da schon vergessen (sicher nicht verdrängt) hatte.


    Wenn da aber jemand mehr zu den einzelnen Dirigentenphasen der Orchester beitragen kann, wäre das mehr als sinnvoll und hilfreich, denn eigentlich ist das eine ganze Buchreihe wert. Nur: wer kauft so etwas?


    Die kenntnisreichen Taminos haben da fast eine Chronistenpflicht zu erfüllen, denn wir können selbst im Wissen um die Namen der berühmtesten Chefdirigenten wahrscheinlich gar nicht ermessen wie viele ungehobene Schätze in den Rundfunkarchiven schlummern. Hätte ich da etwas zu sagen, würde ich schnellstens eine wachsende Download-Library einführen. :yes:


    :hello: Rideamus

  • Zitat

    Original von Michael Schlechtriem
    Ähnlich verdienstvoll-das hat Bernd ja auch schon angesprochen- ist die seinerzeitige Arbeit des SWF-Sinfonieorchesters im Bereich moderner Musik gewesen.
    (Für die Kollegen ist es natürlich gesundheitlich besser, daß diese Zeiten mehr oder weniger vorbei sind..... :D )



    Lieber Michael,


    soweit ich sehe, macht das SWF-Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg immer noch mehr zeitgenössische Musik als die meisten anderen Rundfunkklangkörper - es ist ja auch jedes Jahr in Donaueschingen mit zwei Konzerten präsent.



    Zitat

    Dafür u.a. wurden allerdings die hochbezahlten Rundfunk-Sinfonieorchester gegründet, und das war oder ist immer noch ihr eigentlicher Auftrag, der ja nun auch durch unsere Gebühren finanziert wird.
    Dies unterscheidet einen Rundfunkklangkörper von einem "normalen" städtischen Orchester-egal ob Opern oder reinem Sinfonieorchester.


    Die Rundfunk-Sinfonieorchester sind nicht ausschließlich gegründet worden, um einem breitem Geschmack oder einem künstlerischem Erfolg nachzujagen( wie das BR-Sinfonieorchester seinerzeit mit Lorin Maazel-was bekommen diese Dirigentenhalbgötter extraorbitante Gagen in Millionenhöhe..... :no: :kotz: ), sondern um die Musik zu spielen, die an den Stadttheatern und bei den städtischen Orchestern ansonsten nur wenig oder gar keine Chance hätte, da diese Institutionen wirklich wirtschaftlich rechnen müssen.



    Das kann man gar nicht genug betonen - und es ist schade, dass der ursprüngliche Auftrag meistens ziemlich in Vergessenheit geraten ist.




    Zitat

    Nicht böse sein, bitte, ich bin da nicht mehr objektiv. :stumm:



    Zum Thema Vibrato/Non-Vibrato haben wir doch schon diesen schönen Thread, der durchaus wiederbelebt werden könnte - da gibt's noch soviele offene Fragen...



    Viele Grüße


    Bernd

  • Weiter geht's mit der Kurzvorstellung der verbliebenen sieben Rundfunkorchester:



    Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks


    Sitz: München. 1949 gegründet.


    Chefdirigenten:
    1949-1960: Eugen Jochum
    1961-1979: Rafael Kubelik
    designiert für 1982: Kyrill Kondraschin (der aber 1981 verstarb)
    1983-1992: Colin Davis
    1993-2003: Lorin Maazel
    seit 2003: Mariss Jansons


    M.W. der deutsche Rundfunkklangkörper mit den meisten Planstellen und nach den Berliner Philharmonikern das bestbezahlte deutsche Orchester überhaupt. Das Orchester war auf dem Tonträgermarkt schon immer sehr präsent, erinnert sei an DG-Aufnahmen von Bruckner-Werken unter Jochum und beim gleichen Label Kubeliks Mahler-Zyklus. Gerade aus der Kubelik-Ära erscheinen in den letzten Jahren bei den Labels Orfeo und Audite zahlreiche, z.T. hervorragende Livemitschnitte. Mit Jansons war das Orchester u.a. an dem bei EMI erschienenen Schostakowitsch-Zyklus beteiligt, außerdem scheinen jetzt bei Sony regelmäßig Aufnahmen unter Jansons herauszukommen.


    Zu den Speerspitzen der zeitgenössischen Musik gehörte das Orchester nie, insbesondere unter Maazel konzentrierte man sich sehr stark auf das klassisch-romantische Repertoire. Der Gerechtigkeit halber muss man aber sagen, dass sich das Ensemble regelmäßig am Münchener Musica-Viva-Festival beteiligt hat - hier sind auch etwa 15 CDs mit Werken von Rihm, Feldman, Xenakis, Cage u.v.a. erschienen. Aus früheren Jahren verdient insbesondere die bei Wergo erschienene Einspielung der Symphonien von Karl Amadeus Hartmann unter verschiedenen Dirigenten Erwähnung.


    In den letzten Jahren habe ich das Orchester mehrfach live und ziemlich oft im Radio gehört - kein Zweifel, dass es sich um einen "Luxusdampfer" (Michael Schlechtriem) handelt mit allen Vor- und auch den wenigen Nachteilen. Viele vorzügliche Konzerte habe ich erlebt, irgendwie vermisse ich aber in Bezug auf das Repertoire oder eine spezifische Interpretation eine noch schärfere Profilierung (was natürlich vor allem an Jansons liegt).


    Ironischerweise hat dieses Luxusensemble keinen eigenen Konzertsaal, sondern spielt abwechselnd in der Philharmonie und im Herkulessaal der Residenz - beides Stätten mit eher problematischer Akustik. Anscheinend werden die Pläne für einen dritten großen Münchner Konzertsaal im ehemaligen Marstallgebäude aber immer konkreter.




    Münchner Rundfunkorchester


    1952 als zweites Orchester des Bayerischen Rundfunks gegründet, ähnlich wie etwa das Kölner Rundfunkorchester zunächst mit dem Auftrag, überwiegend die "leichte Muse" zu pflegen.


    Chefdirigenten:
    1952-1967: Werner Schmidt-Boelke
    1967-1975: Kurt Eichhorn
    1975-1981: Heinz Wallberg
    1982-1985: Lamberto Gardelli
    1988-1989: Giuseppe Patané
    1992-1998: Roberto Abbado
    1998-2005: Marcello Viotti
    seit 2006: Ulf Schirmer


    Michael hat die Tätigkeit dieses Orchesters ja oben schon charakterisiert: "sehr, sehr viele interessante Aufnahmen von nicht so bekannten zeitgenössischen Komponisten, unbekannteren Komponisten der sog. 2. Reihe oder auch Werke von Komponisten der Region (in diesem Falle Bayern und Franken), die hier eine Plattform für die Aufführung oder Aufnahme ihrer Werke erhalten." Diskographisch gibt's eine ganze Menge, u.a. einen Orff-Zyklus mit Eichhorn (der kürzlich ja wieder von Edwin sehr gelobt wurde), auch zahlreiche Aufnahmen bekannterer und unbekannterer italienischer Opern und vieles andere mehr. Unter Ulf Schirmer scheint auch wieder mehr Operette gespielt zu werden.


    2004 sollte das Orchester aufgrund von Sparmaßnahmen aufgelöst werden - das konnte nach einem Proteststurm verhindert werden, nur einige Planstellen wurden gestrichen.




    MDR Sinfonieorchester


    Sitz: Leipzig. 1923/24 als Rundfunkorchester Leipzig gegründet, 1991 nach der Neugründung des Mitteldeutschen Rundfunks mit der Radiophilharmonie Leipzig fusioniert und in MDR Sinfonieorchester umbenannt


    Chefdirigenten seit 1953:
    1953-1977: Herbert Kegel
    1978-1985: Wolf-Dieter Hauschild
    1987-1991: Max Pommer
    1992-1996: Daniel Nazareth
    1999-2007: Fabio Luisi
    seit 2007: Jun Märkl


    Zu diesem Orchester hat andythr ja oben schon einiges geschrieben. Aus der Ära Kegel sind zahlreiche Aufnahmen auf uns gekommen, insbesondere exemplarische Einspielungen von Musik des 20. Jahrhunderts, aber auch z.B. Beethoven-Symphonien und Wagners "Parsifal". Kegels Leistungen zu loben, würde in diesem Forum bedeuten, Eulen nach Athen zu tragen. Man betätige nur die Suchfunktion.


    Sehr viel mitbekommen habe ich vom MDR Sinfonieorchester seit 1991 nicht, vielleicht zwei oder drei Konzerte im Rundfunk. Ich war auch nie ein ausgesprochener Fan von Fabio Luisi (von Jun Märkl bin ich es allerdings noch weniger). Mit Luisi sind diverse CDs beim Label Querstand erschienen, u.a. „L’enfance du Christ“ von Berlioz, verschiedene Mahler-Symphonien und – vom Repertoire her besonders interessant – zahlreiche Werke von Franz Schmidt.




    NDR Sinfonieorchester


    Sitz: Hamburg. 1945 als Sinfonieorchester des Nordwestdeutschen Rundfunks gegründet, 1956 nach der Trennung des NWDR in WDR und NDR umbenannt


    Chefdirigenten:
    1945-1971: Hans Schmidt-Isserstedt
    1971-1976: Moshe Atzmon
    1979-1981: Klaus Tennstedt
    1982-1991: Günter Wand
    1991-1994: John Eliot Gardiner
    1996-1997: Herbert Blomstedt
    1998-2004: Christoph Eschenbach
    seit 2004: Christoph von Dohnányi


    Über zwei Jahrzehnte durch Hans Schmidt-Isserstedt geprägt, hat das Orchester seitdem eine recht illustre Liste von Chefdirigenten aufzuweisen. Berühmt wurde es spätestens durch die Zusammenarbeit mit Günter Wand, die länger währte als es durch den o.a. Zeitraum erscheint. Mit Gardiner hat sich das Orchester wohl nicht so gut verstanden; Blomstedt verabschiedete sich nach nicht einmal zwei Jahren zu seinem Traumjob beim Gewandhausorchester in Leipzig. Wie sich derzeit die Zusammenarbeit mit dem von mir sehr geschätzten Dohnányi gestaltet, weiß ich nicht. Leider wird in das hiesige Kabelnetz kein NDR eingespeist, so dass ich nur sehr selten in den Genuss einer Übertragung komme. Ich habe das NDR-Orchester aber zweimal live in Hamburg gehört – ein wunderbarer Klangkörper. An anderer Stelle hat hier Bernd Schulz mal den besonderen Klang der Holzbläser des Orchesters hervorgehoben.


    Die Beschäftigung mit zeitgenössischen Komponisten ist in den letzten Jahrzehnten auch hier wohl etwas zu kurz gekommen. Ansonsten kann man eine umfangreiche Diskographie bewundern: Mit Schmidt-Isserstedt ist in letzter Zeit einiges auf den Markt gekommen, darunter erstaunlich viele Opernaufnahmen. Am bekanntesten sind sicherlich die vielen Einspielungen und Konzertmitschnitte mit Günter Wand, wobei natürlich Bruckner im Mittelpunkt stand (manche Symphonien liegen sogar in zwei verschiedenen Aufnahmen vor). Mit Christoph von Dohnányi ist anscheinend noch keine CD produziert worden.




    Radio-Philharmonie Hannover des NDR


    Das Orchester wurde 1950 als „Rundfunkorchester Hannover des NWDR“ gegründet und seit 1955 vom NDR unter seinem heutigen Namen in Hannover weitergeführt; Chefdirigenten waren u. a. Willy Steiner und Bernhard Klee. Seit 1998 leitet Eiji Oue das Orchester. Genauere Informationen über die Geschichte des Orchesters habe ich auf die Schnelle leider nicht gefunden (auf der Website des NDR schweigt man sich diesbezüglich aus).


    Bewusst gehört habe ich das Orchester auch noch nie. Ich greife deshalb dankbar auf die obigen Erläuterungen von Michael Schlechtriem zurück: „Dieses Orchester hat den Sprung geschafft, sich unter dem neuen Namen NDR Radiophilharmonie Hannover einen beachtlichen Ruf als hochklassiges Sinfonieorchester zu erkämpfen. Unter ihrem ‚Pops’-Namen führt dieses Orchester darüberhinaus seine Tradition als Crossover-Ensemble weiter. War die Qualität dieses Orchesters noch vor 30 Jahren eher mittelmäßig, so hat sich dies nun grundlegend geändert und das Orchester hat den Anschluß an die führenden Rundfunksinfonieorchester geschafft.“ Bei der Durchsicht der Programme der laufenden Saison ist mir aufgefallen, dass es auch eine eigene Barock-Konzertreihe gibt, bei der das Orchester mit Dirigenten aus der HIP-Szene arbeitet (u.a. dirigiert Andrew Manze Händels „Jephta“). An CD-Produktionen ist bei cpo einiges erschienen, überwiegend mit weniger bekannteren Komponisten des 19. und 20. Jahrhunderts, u.a. Spohr, Draeseke, Herzogenberg, Fesca, Atterberg und Josef Tal.




    hr-Sinfonieorchester


    Sitz: Frankfurt am Main. Auch hier zunächst eine Geschichte der Umbenennungen: 1929 als Frankfurter Rundfunk-Symphonie-Orchester gegründet, 1950 in Sinfonie-Orchester des Hessischen Rundfunks, 1971 in Radio-Sinfonie-Orchester Frankfurt umbenannt. Seit 2005 heißt es – warum auch immer – wieder hr-Sinfonieorchester.


    Chefdirigenten (seit 1946):
    1946–1953: Kurt Schröder
    1955–1961: Otto Matzerath
    1961–1974: Dean Dixon
    1974–1990: Eliahu Inbal
    1990–1997: Dmitri Kitajenko
    1997–2006: Hugh Wolff
    seit 2006: Paavo Järvi


    Für den Zeitraum bis in die 70er Jahre kann ich nicht viel sagen, diskographisch sieht es da recht mau aus. Große Bekanntheit erlangte das Orchester seit etwa 1980 durch die Bruckner- und Mahler-Zyklen mit Inbal. Nicht nur, dass hier teilweise zum erstenmal einige Erstfassungen der Bruckner-Symphonien eingespielt wurden – auch sonst ernteten die Aufnahmen hymnische Kritiken. Ich stehe ihnen inzwischen etwas skeptischer gegenüber – zweifellos aber kann man hier ein fantastisches Orchester bestaunen, das seitdem auch international Furore machte. Inbal spielte im Zuge des Erfolgs auch weiteres umfangreiches Repertoire ein (allerdings kaum Zeitgenössisches).


    In den 90er Jahren habe ich in der Nähe von Frankfurt gewohnt und kam so öfter in den Genuss von Konzerten in der Frankfurter Alten Oper. Leider zeichnete sich m.E. die Ära Kitajenko eher durch Oberflächenbrillanz als durch Substanz aus. Das änderte sich mit Hugh Wolff, der nicht nur ein sehr vielseitiges Repertoire anbot, sondern im klassischen Bereich auch interessante Annäherungen an historische Aufführungspraxis bot. Davon legen auf CD seine Aufnahmen von Haydn-Symphonien Zeugnis ab; kürzlich ist auch ein vollständiger Beethoven-Zyklus erschienen. Bei Paavo Järvi haben mich kürzlich seine Beethoven-Aufnahmen mit der Kammerphilharmonie Bremen aufhorchen lassen, während ich eine Fernsehübertragung von Mahlers Dritter mit dem hr-Orchester aus der Klosterkirche Eberbach nicht sehr überzeugend fand. Wie dem auch sei: Ich habe diesem Orchester viele interessante Konzertabende in der Alten Oper und vor dem Radio zu verdanken.




    Deutsche Radiophilharmonie Saarbrücken Kaiserslautern


    So kompliziert wie der Name ist auch die Geschichte dieses Klangkörpers: Er existiert in dieser Form erst seit September diesen Jahres und ist aus der Fusion zweier Orchester entstanden – des Rundfunksinfonieorchesters Saarbrücken und des Rundfunkorchesters Kaiserslautern. Letzteres war ehemals als zweiter Klangkörper des Südwestfunks für die „leichte Muse“ zuständig. Nach der Fusion von SWF und SDR zum SWR hatte der neue Sender plötzlich drei Orchester zu bezahlen (Baden-Baden/Freiburg, Stuttgart und eben Kaiserslautern). Sehr schnell stand das am wenigsten prominente dieser drei Orchester auf der Kippe – die Fusion mit dem Rundfunksinfonieorchester Saarbrücken kann immerhin eine glimpfliche Lösung genannt werden.


    Offenbar war der Saarländische Rundfunk (SR), einer der kleinsten deutschen Sender, froh, die finanzielle Last eines großen Orchesters nicht mehr alleine schultern zu müssen. Das Rundfunkorchester Saarbrücken hatte u.a. folgende Chefdirigenten: Michael Stern, Hans Zender, Marcello Viotti, Myung-Whun Chung und Rudolf Michl. Seit 2001 leitete Günther Herbig das Orchester. Die Zeit unter Hans Zender (1972-1984) verdient besondere Erwähnung: damals erarbeitete sich das Orchester den Ruf, neben den Kollegen aus Baden-Baden der wichtigste Rundfunkklangkörper für zeitgenössische Musik zu sein. Auf dem CD-Markt gibt es da einiges, außerdem auch hervorragende Aufnahmen von Mahlers Sechster und Werken der Zweiten Wiener Schule. Besonders bekannt geworden sind die auch schon von Michael genannten Einspielungen mit Stanislaw Skrowaczewski, insb. Bruckner, aber auch Beethoven und z. Zt. Schumann. Skrowaczewski fungierte übrigens nie als Chefdirigent, sondern immer nur als Erster Gastdirigent.


    Nach der Fusion mit dem Kaiserslauterner Orchester ist die neue „Radiophilharmonie Saarbrücken Kaiserslautern“ unversehens zu einem der größeren deutschen Rundfunkorchester geworden (114 Musiker). Neuer Chefdirigent seit diesem Jahr ist Christoph Poppen, der seit 1995 sehr profiliert und mit einem Schwerpunkt auf zeitgenössischer Musik das Münchner Kammerorchester geleitet hatte. In der ersten Saison des neuen Orchesters werden offenbar aber erstmal konventionellere Akzente gesetzt (Tschaikowsky).



    Viele Grüße


    Bernd

  • Eine Hitliste zu erstellen, wage auch ich nicht. Was auffällt, ist aber, daß das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks mit großem Abstand ganz vorne steht, sowohl, was seinen Ruf als auch die Zahl der Aufnahmen angeht. Ich selbst schätze die Bayern sehr hoch ein, wobei ja München sowieso gesegnet ist: BRSO, Münchner Rundfunkorchester, Bayerisches Staatsorchester, Münchner Philharmoniker.


    Am präsentesten nach dem BRSO sind mir das MDR sowie das NDR Sinfonieorchester (Aufnahmen mit Kegel bzw. Knappertsbusch und Wand).


    Gar nicht genannt wurde bisher das Radio-Symphonieorchester Wien. Gegründet als Großes Orchester des Österreichischen Rundfunks, 1969-1996 ORF-Symphonieorchester, 1996-2009 RSO Wien, seit 2009 ORF Radio-Symphonieorchester Wien.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

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  • Ich sehe, lieber Joseph, das Bayerische RSO nicht so weit vorne, sondern auf einer Höhe mit dem NDR- und dem WDR-Sinfonieorchester, und ich glaube dies auch durch maßstäbliche Veröffentlichungen und eigene Anschauung erläutern zu können:


    durch mein jahrelanges Engagement von Konzertbesuchen des NDR- und WDR- Sinfonieorchesters bei SHMF und in der Kölner Philharmonie habe ich eine Vielzahl von herausragenden Konzerten erleben dürfen mit Dirigenten wie Günter Wand, Semjon Bychkov, Christoph von Dohnany, Kent Nagano u.a., und durch eine Vielzahl von CD-Aufnahmen der o.a. Orchester mit Werken von Beethoven, Brahms, Bruckner, Mahler und Schubert meine ich feststellen zu können, dass diese drei die großen Drei in der Rundfunklandschaft Deutschlands sind, gefolgt vom MDR-Orchester, RSO Suttgart, RSO Frankfurt und RSO Saarbrücken.


    Insgesamt können wir tatsächlich stolz sein auf eine solche Vielzahl von auch international erstklassigen Rundfunksinfoniorchestern in Deutschland.


    Liebe Grüße


    Willi :rolleyes:

    1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
    2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).