Der Tontechniker als "Graue Eminenz" ?

  • Liebe Forianer


    Gern wird ja Karajans "Breitwandsound" zitiert - es gibt auch weniger schmeichelhafte Beschreibungen - ich wiederum greife diverse deutsache HIP Ensembles ihres spröden Klanges wegen an.....


    Gelegentlich wechselt aber eion Küntler oder eine Formation das Label - und siehe da - allen Vorurteilen zum Trotz klingt das ganz anders als erwartet


    So trauere ich im Fallle von Hilary Hahn oder Giuliano Carmignola der Sony Aufnahmetechnik nach, wo der harzige Geigenklang nach meinem Empfinden viel typischer eingefangen wurde, als bei deren neuen Label...


    Concerto Köln - normalerweise ein Reizwort für mich - hat eine Aufnahme für Capriccio gemacht, wo das Orchester zwar mit Attacke spiel, dier Liebreiz des Klanges jedoch nicht auf der Strecke bleibt....


    Keine Spur von spröde...



    Der Tontechniker dürfte also - ich behaupote das schon seit langem - eine WESENTLICHE Rolle spielen ob eine Aufnahme als ge- oder mißglückt zu betrachten ist.


    Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht ?



    Frühert war es ja einfacher, da hatte jedes Label seine Tontechniker, die man per Namen kannte - heute wird ausgelagert und zugekauft - Pfui Deibel...Wer soll sich da noch ein Bild von einem Label machen können ??


    mfg aus Wien


    Alfred

    Ich bitte alle Mitglieder, die über 25 Beiträge verfasst haben und noch keinen AVATAR besitzen

    sich im Thread Baustelle Avatarpool neu einen auszusuchen und am Threadende (gaaaanz weit untenI zu bestellen

  • Nabend Alfred & Taminos,



    Nicht von einem Label, aber dafür von mehreren. ;)


    Bei den Aufnahmen des französischen Labels Astrée aus den späten 80er und frühen 90er Jahren fallen immer wieder mal zwei Namen auf. Zunächst Pierre Vérany, der bald ein eigenes Label gründete. Aber vor allem Musica Numeris. Dieses belgische Tonstudio hat mit seinem Team unter der Leitung von Nicholas Bartholomée (früher) und Nicolas de Beco viele der Aufnahmen für Astrée, z.B. mit Jordi Savall durchgeführt, und arbeitet heute regelmäßig mit Labels wie Alpha, Alia Vox oder Ambroisie zusammen, um nur einige zu nennen.


    Der Name bürgt in der Regel für sehr gute Aufnahmequalität.


    "http://www.musica-numeris.eu/



    :hello:



    PS: Karajans "Breitwandsound", ist der nicht eher Ergebnis von Karajans Interpretationsansatz? Oder schmeiß ich da was durcheinander?

    "Das ist zeitgenössische klassische Musik. Dann unterstelle ich, daß da kein intellektueller Zugang..."
    Miroslaw Lem, Tenor

  • Normalerweise bestimmen der, oder die Künstler nach dem abhören
    einer Aufnahme, ob sie in ihrem Sinne gut ist, oder ob etwas
    geändert werden soll. Das kann das Künstlerische, oder das
    Tontechnische betreffen. Der Künstler hat das letzte Wort.
    Was dann, vielleicht Jahre später, im fernen Osten bei einer
    Neuedition der Aufnahme geschieht, ist eine andere Sache.


    :hello:Herbert.


    (Ich war einer von denen, die oben als "Graue Eminenz" bezeichnet werden.)

  • Besonders deutlich werden Manipulationen bei Orgelaufnahmen. Ich kenne Orgeln, die ich auf CD nicht wiedererkenne. Ein besonders krasses Beispiel sind die Bach-Aufnahmen von Preston. Da wurden kleinere Instrumente am Mischpult derart aufgebohrt, dass man meint, ein sehr viel imposanteres Instrument zu hören.


    Eine weitere verbreitete Sünde ist das Runterpegeln des B. c. bei Ensembles bzw. des Cembalos bei kleinen Besetzungen. Das klingt oft so, als hätte die Tontechnik noch die alten Eierschneider im Ohr und würde die historisch richtigen Instrumente auf deren Niveau absenken.


    Löbliche Ausnahmen gibt es aber auch, alpha und dabringhaus & grimm fallen mir auf die Schnelle ein.

  • Daß die Tontechniker in der Lage sind, auf CD Klangbilder zu "komponieren", die mit Opernhaus und Konzertsaal nur noch entfernt zu tun haben, ist seit langem kein Geheimnis. Ich kenne einige CD-Enthusiasten, die an diesen künstlichen, manipulierten Klängen weit mehr interessiert sind als an dem Live-Erlebnis.


    Es heißt, der Dirigent habe das letzte Wort bei der Freigabe einer Aufnahme. Daß um dieses letzte Wort hinter den Kulissen auch zäh gerungen werden kann, dafür ist die Tristan-Aufnahme Carlos Kleibers von 1982 ein trefflicher Beweis. Kleiber war über technisch-manipulative Eingriffe so erbittert, daß er an die zwei Jahre seine Zustimmung zur Veröffentlichung verweigerte und wohl auch einige Korrekturen durchsetzte. So stand es jedenfalls zu lesen in einigen Besprechungen. Kleiber hat nach diesen Erfahrungen für die Schallplatte keine Opernaufnahmen mehr dirigiert.


    Florian

  • Ein gutes Beispiel für den Einfluß der Tontechnik:


    CD 1: Augustin Barrios, Naxos 8.554558, Interpretin: Antigoni Goni, Stück Nr. 2, Un sueno en la floresta, Dauer: 7:10, aufgenommen 1999 in der John Chrysostom Church, Gitarre von Jose Romanillos, Produktion: Norbert Kraft


    CD 2: derselbe Komponist, dasselbe Label (8.55374), dieselbe Interpretin, dasselbe Stück (diesmal Nr. 9), Dauer 6:55, 1996 aufgenommen in derselben Kirche, mit derselben Gitarre gespielt, derselbe Produzent.


    Und ja, es ist nicht zweimal exakt dasselbe auf die Silberscheiben gelocht worden, es sind definitiv zwei verschiedene Aufnahmen.


    Die zweite Aufnahme: top eingespielt, guter Gitarrenklang, technisch brillant, wenige "Arbeitsgeräusche".


    Die erste Aufnahme: top eingespielt, technisch brillant, wenige Arbeitsgeräusche


    - aber der Klang ist ein anderer, es perlt und funkelt mehr, die Gitarre ist hörbar schlanker und trockener, der einzelne Anschlag noch präziser, fast, als sei analog zum Klavier einmal ohne und einmal mit Pedal gespielt worden.


    Das Geheimnis: die erste Aufnahme ist eine 24-bit Aufnahme, bei der zweiten Aufnahme steht nichts dergleichen.


    Ich hätte nicht gedacht, daß der Unterschied - oberflächlich klein, aber in der Tiefenwirkung dann doch ziemlich dramatisch - so viel ausmacht.

  • Hallo,


    es beginnt ja schon mit der Wahl des Mikrofons, seines Abstandes zum Interpreten, ja überhaupt der Frage wie viele Mikrofone eingesetzt werden, wie der Interpret in den Raum gestellt wird, ob in einem "natürlichen" Raum aufgenommen wird oder in einem Studio und so weiter und so fort. Der Toningenieur oder Tonmeister hat auf das, was wir hören, einen großen Einfluss. Mir hat ein früher DG-Mitarbeiter mal erzählt, dass nach seiner Vermutung der etwas gläsern-fragile-durchsichtige Klang von Wilhelm Kempff bei den Einspielungen der 60er-Jahre auf aufnahmetechnischen Problemen beruhe und Kempff eigentlich einen kraftvollen und tragfähigen Klavierklang erzeugt hätte. Das Klangbild beeinflusst unsere Wahrnehmung der musikalischen Leistung - wir können's nicht ändern, sollten uns dessen aber bewusst sein.


    Im Moment geht die Tendenz nach meinem Eindruck stark dahin, in "natürlicher" Akustik aufzunehmen, ja vielfach wird direkt im Konzertsaal live aufgenommen. Dabei spielen natürlich auch Kostenfaktoren eine Rolle: Es ist schlicht und einfach billiger ein Konzert mitzuschneiden als ins Studio zu gehen. Aber selbst Studioaufnahmen finden mittlerweile nicht mehr in Studios statt. Dabei nimmt man vermehrt sogar Nebengeräusche in Kauf. Natalie Zhus und Hillary Hahns Einspielung der Mozart-Sonaten für Klavier und Violine sind beispielsweise voll davon, wenn man sie mit einem Lautsprecher hört, der wirklich tiefe Frequenzen wiedergeben kann. Wenn ich mich richtig erinnere, konnte man zwischenzeitlich eine Klimaanlage hören. Ich finde diese Tendenz, in "normale" Räume zu gehen, übrigens ganz gut und habe keine Sehnsucht nach dem aseptischen und "perfekten" Klang der 80er-Jahre.


    Freundliche Grüße


    Heinz

  • Zitat

    Original von heinz.gelking
    ... Wenn ich mich richtig erinnere, konnte man zwischenzeitlich eine Klimaanlage hören. ...


    Es soll auch gelegentlich in Tonstudios Klimaanlagen geben...

  • Zitat

    Original von Theophilus


    Es soll auch gelegentlich in Tonstudios Klimaanlagen geben...


    Klar. Wobei ich mich ja auch gar nicht festlege, dass es eine Klimaanlage ist. Es gibt einfach Nebengeräusche, die in einem schallisolierten Studio nicht auftauchen würden. Habe mal nachgesehen: Die Aufnahme fand im Fishercenter for the performing arts at Bard College statt.


    Grüße,


    HG

  • Hallo m-mueller,

    Zitat

    Das Geheimnis: die erste Aufnahme ist eine 24-bit Aufnahme, bei der zweiten Aufnahme steht nichts dergleichen.


    Die Mikrofonwahl und Aufstellung ist wesentlich entscheidender.
    Ebenso unterschiedliche Geschmäcker bei der Abmischung bezw. Bearbeitung.


    Es gibt da so viele Faktoren, daß die Anzahl der Bits erst einmal nebensächlich ist.


    Ich könnte einen echten Vergleich zwischen verschiedenen Mikrofonen bieten:
    Und zwar mit meinen eigenen Aufnahmen.
    Vielleicht ist das ja von Interesse?


    Diese Aufnahmen wurden im selben Streichquartett- Konzert am selben Tag mit identischem 24 Bit Equipment gemacht.
    Die Mikrofonaufstellung war dieselbe, der einzige Unterschied waren die Mikrofone.


    Das Haydn Streichquartett G-Dur op.77 Nr.1 (Hob.III:81) wurde mit zwei Neumann KM 183 aufgenommen.
    Dies sind sehr gute Kleinmembran-Mikros.


    Das Dohnanyi Streichquartett Nr.3 a-moll op.33 wurde mit zwei Röhrenmikros aufgenommen.
    In diesem Falle bin ich mir nicht mehr völlig sicher, welche es waren.
    Dazu müßte ich den Aufnahmeleiter, meinen Freund Tobias Schreiter fragen, aber es müßten die Neumann M 149 Tube gewesen sein.
    Jedenfalls waren es Großmembran-Röhrenmikros von Neumann.


    Finden kann man diese Aufnahmen hier:
    Taministen@rapidshare


    Oder auch gleich hier:
    Haydn:
    http://rs75tl.rapidshare.com/files/41993792/Haydn.rar


    Dohnanyi:
    http://rapidshare.com/files/41947932/Dohnanyi.rar


    Das sind jetzt nur MP3, aber als Vergleich sollten sie ausreichen.
    Den Dohnanyi habe ich unter dem ersten Link auch schon als Orginal-Wave eingestellt, der Haydn wird bald als Wave folgen.


    Hoffentlich ist dies interessant.


    Ich persönlich bin mir nicht sicher, was ich bevorzuge.
    Es ist ja schon ein Unterschied, ob man Kleinmembran- oder Großmembran- Mikros verwendet.
    Dann kommt noch der Unterschied von Transistor zur Röhrentechnik hinzu.


    Ich empfinde beide Aufnahmen als auf ihre Weise ausgewogen, beide haben ihre klanglichen Stärken und Schwächen.
    Vielleicht tendiere ich bei diesen Aufnahmen leicht zum Röhren-Großmembran-Mikro hin....


    Wenn es um mein eigenes Cello geht, dann weiß ich, das ein KM 183 Kleinmembran-Mikro, 1-2 Meter hoch schräg über dem von mir aus gesehenen linken F-Loch aufgestellt, gute Resultate erbringt.
    Jedes Instrument findet seine klanglich beste Entsprechung bei irgendeinem der vielen Mikrofontypen.
    Man muß sie nur herausfinden............ :D
    Aber das kostet sehr viel Zeit und Enthusiasmus für dieses Gebiet.


    In Budapest hatte der Tonmeister von Kossuth-Radio einfach zwei Neumann U87 Großmembran-Mikros auf dem Boden unterhalb vom linken F-Loch meines Cellos aufgebaut...... ?(
    Warum zwei Mikros eng beieinander?
    Eines hätte m.e. gereicht.
    Und warum am Boden auf weniger als einem halben Meter Höhe? ?(


    Aber- auf diesen Aufnahmen klingt mein Cello.........ziemlich gut.
    Hätte ich nicht gedacht.


    Und das bringt mich zu folgendem:


    Ein sehr guter Tontechniker muß ein hervorragendes Einfühlungsvermögen, große Erfahrung, Wissen, sowie Kunst und Musikverstand und- natürlich- Geschmack haben, den zur jeweiligen Musik, Raum und Ensemble passenden Mikrofontyp und seine Position auszuwählen.


    Das ist ein sehr weites Feld und nicht umsonst muß man sich dieses weite Feld in einem der härtesten Studiengänge, die es gibt, erarbeiten.


    Aber damit ist es natürlich noch nicht getan.
    Bei Live-Aufnahmen geht es ja nur um die jeweilige Aufnahmecharakteristik.
    Ein sehr guter Aufnahmetechniker oder gar Aufnahmeleiter muß auch in der Lage sein, Partitur zu lesen- und zwar perfekt- und vor allem sehr, sehr großes Einfühlungsvermögen und Sachkenntnis mitbringen, um bei einer "Studio" -Aufnahme die Musiker zu führen, auf Fehler hinzuweisen und auf Korrekturen zu bestehen, auch wenn diese den Musikern erst einmal nicht ersichtlich sind.


    In diesem Falle ist der Tonmeister, um den es hier eigentlich geht, wirklich die ganz große und mitunter entscheidende "Graue Eminenz" hinter Aufnahmen.


    Bisher habe ich noch nicht darauf hingewiesen:
    Es ist hier in der Threaderöffnung die Rede gewesen vom "Tontechniker" .


    Nun ja, der Tontechniker, für den es auch einen eigenen Studiengang gibt, muß im Prinzip fast dasselbe können wie ein "Tonmeister" :
    U.a. selber zwei Instrument gut beherschen.


    Aber die Königsklasse ist der "Tonmeister" .


    Er teilt den Tontechnikern seine klanglichen Wünsche mit und hat, einem Dirigenten gleich, die volle Entscheidungsmacht und Verantwortung für den Klang einer Aufnahme-so ist das jedenfalls m.W. beim Rundfunk üblich, wo es diese hierarischen Strukturen bei Aufnahmen immer noch gibt.


    Ein Tonmeisterstudium an einer Musikhochschule wie Detmold- dort gibt es einen besonders geachteten Tonmeisterbereich- ist mit das härteste, was man sich vorstellen kann.
    Die Aufnahmebedingungen sind so brutal, daß ein Aspirant eigentlich gleich mehrfach bei "Wer wird Millionär" siegen müßen könnte.
    Es ist nicht nur technisches Wissen, sondern auch absolut professionelles musikalisches Wissen plus einer ungeheuren Allgemeinbildung gefordert.


    Abseits vom Rundfunk arbeiten viele Tonmeister und Tontechniker für CD-Firmen mittlerweile in Personalunion selbständig- früher war das in den goldenen Tagen bei EMI oder DECCA anders.


    Hier das ultimative Buch für alle, die sich für die Klemperer, Dieskau/Moore, J. Dupre , Barbirolli, Previn, überhaupt für Aufnahmen aus der Großzeit der Firma EMI interessieren:


    http://www.amazon.de/Partitur-…produzenten/dp/3726366016


    Dies sind die Erinnerungen des mittlerweile leider verstorbenen Suvi Raji Grubb.
    Er war Zögling von Walter Legge und einer der berühmtesten Aufnahmeleiter überhaupt.


    Das Buch ist unbezahlbar und eines meiner größte Schätze.
    Aber es ist auch leider "out of Print" . :no:


    Bitte: UNBEDINGT kaufen! :yes:
    Solange es noch Exemplare gibt!


    Ein Tonmeister muß in der Lage sein, auf Augenhöhe mit dem jeweiligen Dirigenten oder Musiker( :D ) zusammenzuarbeiten.


    Einem sehr guten Tontechniker oder Meister gegenüber muß man sich während des Aufnahmeprozesses als Musiker unbedingt in der Lage fühlen können, dessen Urteil nahezu kritiklos zu folgen und ihm zu vertrauen.
    Ansonsten würde die ganze Aufnahme völlig ausufern und nicht in der vorgesehenen Zeit fertiggestellt werden können.


    Und das muß heutzutage, besonders bei den allseits beliebten, da preisgünstigen Naxos-Produkten, wahnsinnig schnell gehen.


    Eine gigantische Bax-Sinfonie in zwei 3-Stunden-Sitzungen inklusiver Probe?
    Bitte schön, der Tonmeister macht es möglich mit enormer Schnittkunst, seiner Erfahrung und penibel vorbereiteter Aufnahmesession.
    Im Falle von diesen Bax- Naxos-Aufnahmen z.B. (und vielen anderen vergleichbaren Werken) hat niemand im Orchester das jeweilige Werk auch nur einmal am Stück durchgespielt, geschweige denn überhaupt kennengelernt und seine Struktur erfassen können.
    Was wir zuhause dann in diesem Falle hören, ist ein absolutes Kunstprodukt, von den jeweiligen Musikern so niemals am Stück aufgeführt und verstanden.
    Vielleicht noch vom Dirigenten :untertauch: , sicher aber vom Tonmeister.
    So ist das.


    Von "Star" Dirigenten oder ähnlichen "Göttern" abgesehen ist vor allem der Tonmeister oder der jeweilige Aufnahmeleiter einer Studioproduktion in der Lage, einen Musiker zu absoluten Höchstleistungen zu bringen.
    Wenn er dies beherscht.


    Das Naxos-Beispiel war ein Extrembeispiel, beliebt sind ja auch schon lange Live-Mitschnitte, welche nachträglich ergänzt werden.


    Das ist mir lieber.
    Ansonsten hilft ein Blick in das Buch von Grubb, um zu wissen, wie es von den 50er bis in die frühen 80er Jahre zuging. :jubel:
    Es ist schon beachtlich, wie penibel und mit welchem Verantwortungsgefühl damals gearbeitet wurde.


    Und ich finde, daß man dies heute noch anhand dieser Aufnahmen hören und erleben kann.
    Wie schon gesagt, dieses Buch ist ein Schatz!


    Na ja, hier gibt es noch sehr viel zu klären und zu sagen.
    Ich würde mich extrem freuen, hier etwas von Khampan lesen zu können, denn ich kann dieses sehr weite Feld auch nur rudimentär beschreiben und der Fachmann für dieses Gebiet ist in jedem Falle er.


    Ach ja, zum Thema Nebengeräusche bei einer Aufnahme:
    Wer diese nicht ertragen kann, soll sich doch bitte ein MIDI-File am Synklavier anhören.
    Aber dann bitte nicht atmen oder mit den Füßen scharren. :D


    Aufnahmen ohne Nebengeräusche, wenn es sie denn wirklich gäbe, wären m.E. Aufnahmen von Toten für Tote.
    Einfach nur tot.
    R.I.P.


    Gute Nacht,
    :hello:


    Michael

  • Zitat

    Original von Michael Schlechtriem


    Ich könnte einen echten Vergleich zwischen verschiedenen Mikrofonen bieten:
    Und zwar mit meinen eigenen Aufnahmen.
    Vielleicht ist das ja von Interesse?


    aber klar !!!!



    gerade bei Amazon Marketplace in einem Antiquariat erstanden.


    Alles, was mit Tontechnik und der Erzeugung (und Wiedergabe) von gutem Klang zu tun hat, interessiert mich. Insbesondere wäre es auch interessant, einen Vergleich derselben Aufnahme zum einen in herkömmlicher 16-bit-Technik und zum anderen in hochauflösender 24-bit-Technik zu hören. Bei dem von mir oben angeführten Beispiel scheinen die meisten Parameter ja wohl identisch zu sein, wissen kann man das aber nur bei zwei Aufnahmen derselben Session.


    Und Danke für die Insights - bin gespannt auf das Buch !

  • Lieber Micha,


    herzlichen Dank für Deine sehr aufschlussreiche Darstellung!



    Ich hab noch ein Exemplar ergattern können und freue mich schon sehr auf die Lektüre!


    Zitat


    Aufnahmen ohne Nebengeräusche, wenn es sie denn wirklich gäbe, wären m.E. Aufnahmen von Toten für Tote.
    Einfach nur tot.


    Du hast ja so recht!



    LG, Elisabeth

  • Was nützt denn das Buch, wenn die Aufnahmen schon verdorben sind.


    Außerdem hat ein Aufnahmeleiter keinen Einfluß auf die

    Tonbearbeitung. Dafür gibt es einen Tonmeister.


    Walter Legge war übrigens Produktionsleiter bei HMV.


    :hello:Herbert.

  • Hallo Herbert,


    Zitat

    Walter Legge war übrigens Produktionsleiter bei HMV


    Ja, stimmt, aber VOR Grubb.
    Grubb war sein Ziehsohn und designierter Nachfolger bei EMI.


    Vielleicht sollte man das Buch doch lesen? ?(


    Zitat

    Was nützt denn das Buch, wenn die Aufnahmen schon verdorben sind.


    Welche Aufnahmen meinst Du?
    Grubbs Produktionen sind allermeistens hochklassig.
    Jedenfalls- nicht nur- meine Meinung. :yes:


    Auf die weniger gelungenen Aufnahmen geht er in seinem Buch auch ein und ist sich auch nicht zu schade, genau zu beschreiben, was schief ging.


    Es ist ein sehr ehrliches und informatives Buch, und bis auf gewisse kleine Feindseligkeiten gegenüber dem damaligen Hauptkonkurrenten Decca ( Grubb war halt mit Leib und Seele ein EMI-Mann) auch ein sehr objektives und selbstkritisches.


    Zitat

    Außerdem hat ein Aufnahmeleiter keinen Einfluß auf die Tonbearbeitung


    Vielleicht sollte man das Buch doch erst einmal lesen? ?(


    Der jeweilige Produzent bei EMI hatte damals das letzte Wort und die Endkontrolle über die Nachbearbeitungen.
    Damals in den 60ern und 70ern waren der Produzent und der Tonmeister bei EMI, oder von mir aus auch HMV, echte und eingespielte Teams:
    Der Aufnahmeleiter Christopher Bishop und der Tonmeister Christopher Parker, Kollegen von Grubb, arbeiteten z.B. bei EMI sehr lange und erfolgreich als Team zusammen.
    Sie hatten den Spitznamen "The two Christophers" , so eng war die Zusammenarbeit.


    Ehrlich gesagt verstehe ich Deine Antworten nicht- überhaupt nicht!


    Zitat

    Was nützt denn das Buch, wenn die Aufnahmen schon verdorben sind.


    Damit kann ich überhaupt nichts anfangen. ?(
    Die Aufnahmen mit Jacqueline du Pré z. B. sind also verdorben? ?(
    Oder was meinst Du? :(


    Beim WDR mag man anders arbeiten, darauf habe ich auch hingewiesen, und eine Beschreibung Deines Berufes beim WDR von Dir wäre doch eigentlich sehr interessant! :yes:


    Also: Welche Aufnahmen findest Du verdorben? ?(


    Wieso schreibst Du so etwas nebulöses? ?(


    Deine Bemerkung über Legge verstehe ich auch nicht, es ist doch allgemein bekannt, daß Legge 1964 bei der EMI ausschied.


    Und Grubbs Erzählungen über Legge in seinem Buch sind für mich mit das aufschlußreichste, fairste und wertvollste, was ich jemals über den- äußerst schwierigen- Menschen und Produzenten Legge jenseits von irgendwelchen Legenden und Schönfärbereien gelesen habe. :jubel:


    :hello:
    Michael

  • Hallo Michael,
    ich meine damit nur, wenn man eine ältere Aufnahme, die man von einer LP kennt, heute von einer CD hört, die technisch bei irgendeiner dubiosen Billigpreisfirma technisch "verbessert"wurde, erkennt man die ursprüngliche Aufnahme kaum wieder. Das gilt auch für die alten Rundfunkaufnahmen. Ich denke, wenn man diese Einspielungen hört, nützt einem kein Buch über ideale Tonaufzeichnung etwas.


    :hello:Herbert,

  • Doch. Wenn es ein so wunderbares Buch ist.
    Unglaublich, ich hab's seinerzeit für 29 Mark gekauft, jetzt will jemand bei amazon 278 Euro dafür.
    ZVAB gibt*s ja zum Glück auch noch.
    Kann mich Michael nur anschließen: Wenn erschwinglich auffindbar, den Inder unbedingt kaufen.




    Hab's schon mal irgendwo anders gepostet, der Parallelknabe bei DECCA hat ein ähnlich informatives Opus geschrieben, dies allerdings speziell zur Solti-Ring-Aufnahme:



    Abenteuerlich und spannend, wie uns die Alten sungen.


    Grüße,



    audiamus



    .

  • Hallo Michael,


    Buch eingetroffen ( audiamus - habe 12 € + Versandkosten berappt), es ist nach dem ersten Eindruck außerordentlich interessant - so viele legendäre Musiker stehen einem plötzlich lebendig vor Augen) - Danke für den Tip !

  • Hallo Micha,
    danke für deinen ungemein interessanten Beitrag, der so manches Verdachtsmoment bestätigt hat. Deshalb reagiere ich oft leicht unwirsch, wenn jemand einen Live-Bericht über einen Sänger mit dem Hinweis auf X,Y,Z, von denen es ja sooooo tolle CDs gibt, runtermacht. Wie oft habe ich es nicht selbst schon erlebt, dass ich von einem Sänger auf der Bühne furchtbar enttäuscht war, weil sich der plötzlich im Unterschied zu seiner CD nur mehr als "Stimmchenbesitzer" entpuppte, und nicht einmal eines besondes schönen Stimmchens..... (Ich habe einmal in einer Diskussion im Freundeskreis überspitzt formuliert gesagt, mit dem richtigen Tonmeister könnte selbst ich eine Königin der Nacht singen.....)
    Die Qualität eines Sängers zeigt sich für mich erst auf der Bühne, daher fände ich es (für mich!!!) völlig unbefriedigend, Musik nur im stillen Kämmerlein in Form von Konserven zu genießen. Eine Ausnahme stellen natürlich die Künstler dar, die bereits im himmlischen Orchester spielen. Da gehe ich halt dann davon aus, dass sie live wirklich genauso schön geklungen haben ;)
    Und was du über die "sterile Perfektion" von Studioaufnahmen sagst, entspricht auch exakt meiner Einstellung.
    lg Severina :hello:

  • Zitat

    Original von severina
    Ich habe einmal in einer Diskussion im Freundeskreis überspitzt formuliert gesagt, mit dem richtigen Tonmeister könnte selbst ich eine Königin der Nacht singen.....


    Tonmeister zum Musiker: spielen sie einfach mal eine chromatische Tonleiter, ich setz daraus schon das Stück zusammen.

  • Zitat

    Original von Khampan
    Tonmeister zum Musiker: spielen sie einfach mal eine chromatische Tonleiter, ich setz daraus schon das Stück zusammen.


    Nee, Quatsch: Spielen Sie mal einen Ton, damit ich den samplen kann (geht doch auf allen Tonhoehen, wozu der Aufwand? :D )

  • So lustig das ist........
    Aber an der Wirklichkeit geht das gar nicht so weit vorbei.


    Ich war ja nur "Hobbyaufnahmeleiter" in einem früheren Leben, aber damals kam es auch vor, das wir z.B. ein Klaviervorspiel von einem sich an diesem Tage in miserabler Form befindlichen Profi- Pianisten zwar nicht erst Ton für Ton, aber dafür Takt für Takt und dann letztendlich auch noch mit tatsächlichen einzelnen Tonkorrekturen so zusammenschneiden mußten, damit dieser ansonsten fähige Pianist ( nur eben nicht an diesem Tag, das kommt vor) nicht sein Gesicht verliert.