Günter Wand - sein später Weltruhm

  • Welche findest Du davon am besten, wenn man fragen darf?


    Ich habe zwar keine zehn von Wand, aber wohl zwei oder drei. Die bei weitem überragende ist für mich jene mit dem NDR-Sinfonieorchester von 1987 aus dem Dom zu Lübeck, die ich auch als eine der großartigsten Aufnahmen der Achten von Bruckner überhaupt betrachten würde.


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    Hallo, ich finde die Live Aufnahme aus dem Jahre 3.11.1990 am besten, da der Tubaklang unter Walter Hilkers wunderschön ist und danach kommt die aus der Lübecker Katedrale.


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    Diese Box würde ich dir noch empfehlen, da es die späteren Live Aufnahmen sind und soagr viel besser .


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    Bruckner+Wand So und nicht anders :)

  • Für mich war GÜNTER WAND mit dem SINFONIE-ORCHESTER DES NORDDEUTSCHEN RUNDFUNKS mein bevorzugter Dirigent für die BRAHMS-Sinfonien. Ich besitze die Gesamtaufnahme der 4 Sinfonien erschienen bei EMI/deutsche harmonia mundi. Für BRAHMS' Vierte ziehe ich allerdings die gefühlsbetontere Aufnahme durch SIR JOHN BARBIROLLI, mit auch etwas langsameren Tempi im 2. und 4. Satz, vor, und zwar mit seinem von ihm besonders geliebten HALLÉ ORCHESTRA.


    wok

  • Man sollte unbedingt diese Boxen auch erwähnen, weil die späteren Aufnahmen von Bruckner viel besser sind, als die aus dem Jahren 1990,1992, und 1993 ect.

    Bruckner 3. Sinfonie 23.12.1985

    Bruckner Sinfonie Nr.7 Live 18-21.4.1999

    Bruckner Sinfonie Nr.8 Live 30.4-3.5.2000

    Bruckner Sinfonie Nr.9 Live 5-7.4.1998

    Mozart Posthornserenade lie 3.4.1989

    Haydn Konzert für Oboe und Orchester in C-dur Live 12-14.1992

    Schumann Konzert für Klavier und Orchester in A-Moll Live 3.3.1983

    Mozart Sinfonie Nr 40 in G-Moll Live 29.1.2000






    Bruckner Sinfonie Nr.4 Gedenkkonzert zum 100. Todestag des Komponisten Live 11-13.10.1996


    Bruckner Sinfonie Nr.5 Gedenkkonzert zum 50. Jahrestag der Gründung des Norddeutschen Rundfunks Live 8-10.1995


    Brahms Sinfonie Nr.1 C-Moll Live 14.2.1990 Köln Philharmonie

    Brahms Sinfonie Nr.2 Live 29.11-1.12.1992 Musikhalle Hamburg

    Brahms Sinfonie Nr.3 Live 14.2.1990 Köln Philharmonie

    Sinfonie Nr.4 Live 17.12.1990 Musikhalle Hamburg


    Musorgsky Live 20.9.1982

    Tchaikovsky Klavier Konzert Nr.1 Live 14.1.1985

    Bruckner+Wand So und nicht anders :)

  • Der späte Weltruhm von Günter Wand gründet sich im Wesentlichen auf diese 4 Gesamtaufnahmen:

         

    die allesamt zwischen ca. 1975 und 1986 entstanden, mit dem Kölner RSO (Schubert, Bruckner) bzw. dem NDR Sinfonieorchester Hamburg (Beethoven, Brahms).

    Alle diese Zyklen, die z.T. zunächst auf Einzel-LPs bzw. -CDs erschienen, später dann als GA auf dem Markt gebracht wurden, lösten bei Kritik und Publikum ein fast einhelliges positives Urteil aus. Vor allem die Bruckner- und schließlich die Beethoven-Sinfonien wurden über die Toppen gelobt. Ich erinnere mich noch lebhaft an die Kritik im SPIEGEL (zu den Beethoven-Sinfonien), der ja nicht unbedingt der "Hurra"-Presse zuzurechnen ist: "Drei Sterne im Platten-Michelin!"


    Danach war Wand keine Kölner Lokal-Größe mehr (was ohnehin seinem Können nicht gerecht wurde), sondern ein weltweit gefragter und berühmter Dirigent, dessen Aufnahmen forthin auch stets entsprechende Beachtung und Würdigung fanden.


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Ich habe davon zwar bewusst nur den "Abschluss" Ende der 1980er, als Wand innerhalb von Deutschland schon mehr als ein Geheimtip war, mitbekommen, aber der Kern des Durchbruchs lag m.E. in den Bruckner-Aufnahmen. Erstens waren es die frühesten (beginnend mit der 5. 1975), zweitens war Bruckner (und in geringerem Maße Schubert) eben ein Gebiet, dass damals noch lange nicht so "beackert" war und in dem sich ein zunächst nur regional bekannter Dirigent mit einem Rundfunkorchester einen Namen machen konnte. (Wenige Jahre später in den 1980ern dürfte Inbals Frankfurter Bruckner, in dem wohl einige der früheren Fassungen zum ersten Male aufgenommen wurden, auch zur weiteren Etablierung dieses Dirigenten beigetragen haben.) Zumal Wand hier eben auch in dem damals diskographisch noch stark von Jochum und vielleicht Karajan dominierten Feld eine sehr eigene, "unromantisch-nüchtern-klare" Lesart anzubieten hatte. Vielleicht stärker als später bei Beethoven und Brahms, was weniger an Wand liegt, sondern daran, dass diese Werke schon eine weit vielfältigere und auf Platten gut dokumentierte Interpretationstradition besaßen.


    Aus heutiger Sicht ist auch bemerkenswert, dass Wand bei Bruckner nur die Endfassungen dirigierte, die nullte und f-moll-Sinfonie anscheinend ignorierte und bei den späteren Aufnahmen/Mitschnitten auch die ersten beiden nicht mehr berücksichtigte. Ein bißchen schade, aber bei einem in der Zeit über 70jährigen natürlich auch verständlich, ist, dass er keine? Chorwerke Bruckners eingespielt hat. Denen wäre der auf Klarheit bedachte Stil Wands m.E. sehr entgegen gekommen und anders als (inzwischen) bei den Sinfonien sind hier gute Einspielungen immer noch dünn gesät.

    Struck by the sounds before the sun,
    I knew the night had gone.
    The morning breeze like a bugle blew
    Against the drums of dawn.
    (Bob Dylan)

  • Es ist sicherlich richtig, dass die offiziellen RCA-Studioeinspielungen den späten Weltruhm Günter Wands begründeten. Ich würde, wie Johannes, ebenfalls besonders auf den Bruckner verweisen. Der war als erstes da und hier hat sich Wands Status als einer der Interpreten bis heute gehalten. Das ist nach meinem Eindruck ansonsten am ehesten noch bei Brahms der Fall, deutlich weniger bei Schubert und Beethoven, wo Wands RCA-Zyklen ja auch hier im Forum recht selten genannt werden (was nichts über ihre Qualität besagen muss).


    Trotzdem: Die ganz großen Wand-Aufnahmen sind m. E. nicht die "frühen" Studioeinspielungen, sondern die späteren, die sich aus mehreren Live-Konzerten zusammensetzten und die Vorteile von live und Studio miteinander verbanden. Besonders bei seinem Brahms fand ich den Studio-Zyklus nie so berauschend - ganz anders die späteren Darbietungen. Schubert und Beethoven hat er live ja nicht so oft dirigiert, sieht man mal von der Unvollendeten und Großen und der Eroica ab. Die stärksten Wand-Aufnahmen sind m. M. n. häufig die spätesten mit dem NDR-Sinfonieorchester und auch die mit dem DSO Berlin. Die mit den Münchner Philharmonikern haben für mein Dafürhalten nicht ganz dieses Niveau (liegt wohl doch am Orchester), diejenigen mit den Berliner Philharmonikern sind mir teils etwas zu glatt. Daneben gibt es noch ein paar Geheimtipps wie Brahms' Erste mit dem Chicago Symphony Orchestra.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Die ganz großen Wand-Aufnahmen sind m. E. nicht die "frühen" Studioeinspielungen

    Lieber Joseph II.,


    ….. da stimmen wir überein, aber die von mir genannten GA (die drei "großen B" und Schubert) haben für ihn den internationalen Durchbruch geschafft, wobei natürlich der Bruckner-Zyklus den Auftakt machte und auch mit besonderer Aufmerksamkeit bedacht wurde.

    Bevor diese Zyklen erschienen, war Wand bestenfalls eine lokale Größe. Natürlich kannte in Köln und "drumherum" jeder Musikfreund zumindest seinen Namen. Aber auf Schallplatte (wenn man von einigen Veröffentlichungen in - vor allem ausländischen - Plattenclubs absieht) war er kaum vertreten. Meine erste und lange Jahre einzige Wand-Aufnahme war das Klavierkonzert von Schumann mit Wilhelm Backhaus und den Wiener Philharmonikern (DECCA), auf einer 25 cm-LP (aber bereits Stereo). Davor und danach Fehlanzeige. Im meinem Fundus befinden sich noch auf CD die Haydn-Sinfonien Nr. 82 & 103, aufgenommen 1959, mit dem Kölner Gürzenich-Orchester (EMI). Im Beiheft heißt es: Aufnahme: Musidisc. Das ist bzw. war, wenn ich es recht erinnere, ein französischer Plattenclub. Es müßte sich um diese Aufnahme handeln:

    "Kölner Philharmonisches Orchester" ist allerdings irreführend (obwohl sich das Gürzenich-Orchester einige Zeit, aber viel später, zusätzlich so nannte). Ich habe eine andere Ausgabe aus der deutschen EMI-Serie "Meisterwerk". Da wird das Orchester korrekt genannt.


    Daneben gibt es noch ein paar Geheimtipps wie Brahms' Erste mit dem Chicago Symphony Orchestra.

    Es müßte sich um die folgende handeln:


    Das ist echt eine Hammeraufnahme! Dagegen kommt Brahms' Erste in der Studio-GA mit dem NDR-Orchester ziemlich zahm rüber. Für mich ist das eine der tollsten, schlüssigsten Aufnahmen dieser Sinfonie (obwohl ich sonst Live-Mitschnitte nicht sonderlich mag:)). Hier mache ich gerne eine Ausnahme.


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Günter Wand hat später die erste und zweite Sinfonie von Bruckner sowie wie Schumann nicht aufgenommen, weil er sie als Krankheit empfand.

    Bruckner+Wand So und nicht anders :)

  • In seinem letzten Interview nannte er die Zweite von Schumann und die Erste von Bruckner explizit "kranke Werke". Das fand ich schon beim ersten Lesen höchst befremdlich, da in einer fragwürdigen Weise abwertend.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Mal was zu Mahler

    Waren es bei Bernd Alois Zimmermann wohl eher formale Aspekte (Notation von „ungefähren“ Notenwerten etc.), die schließlich zum „Bruch“ zwischen Wand und Zimmermann geführt haben, so lagen die Gründe bei Mahler anscheinend in erster Linie im emotionalen Bereich. In einer älteren Ausgabe (2/2000) des Scala-Magazins (gibt’s wohl auch nicht mehr) fand ich ein längeres Interview, das Alfred Beaujean mit Günter Wand geführt hat. Darin äußert sich Wand wie folgt zu Gustav Mahler:



    „(...) die Musik Mahlers ist mir zu privat. Ihre Aus- und Abbrüche, ihre Sentimentalitäten, ihre manchmal bis zur Hysterie gehenden Aufschwünge vermag ich nicht nachzuvollziehen. Mahler spricht immer von sich, Bruckner spricht nie von sich. Ich habe mich intensiv mit der Neunten Mahler befasst. Der erste Satz ist ja das Beste seines Gesamtwerks. Ihm gegenüber fällt das Adagio-Finale meines Erachtens ab. Und die wilde Burleske erst recht. Ich kann diese Musik nicht vermitteln, deshalb lasse ich die Finger davon. Seine Lieder schätze ich mehr. In meiner Kölner Zeit habe ich mehrere aufgeführt. (...)“

    Bruckner+Wand So und nicht anders :)

  • Die drei großen Elberfelder Dirigenten Hans Knappertsbusch (geb. 1888), Günter Wand (geb. 1912) und Horst Stein (geb. 1928) hatten wohl alle keinen rechten Zugang zu Mahler. Knappertsbusch hatte zumindest die Kindertotenlieder im Repertoire (es gibt auch eine Aufnahme). Bei Stein wüsste ich gar nichts.

    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid

  • Die drei großen Elberfelder Dirigenten Hans Knappertsbusch (geb. 1888), Günter Wand (geb. 1912) und Horst Stein (geb. 1928) hatten wohl alle keinen rechten Zugang zu Mahler.

    Ich glaube, lieber Joseph, das hatten zu ihrer Zeit die wenigsten deutschen Dirigenten: Furtwängler, Böhm, Jochum machten (von minimalen Ausnahmen abgesehen), alle einen Bogen um Mahler, und Karajan fand erst in seinen späten Jahren, da war er schon fast 70, Zugang zu diesem Komponisten. Aber auch Fricsay schätzte Mahlers Musik nicht, und der war Ungar. Lediglich Klemperer und Bruno Walter waren Mahler-Jünger, sie hatten sogar persönliche Beziehungen zu ihm. Ob das vielleicht mit ihren jüdischen Wurzeln zu erklären ist? Wobei ich den Vorgenannten keineswegs unterschwelligen Antisemitismus unterstellen will.


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Zurück zu Günter Wand: Ich habe ihn 1965 oder 1966 persönlich erlebt, beim Schlußkonzert des Internationalen Beethovenfestes in Bonn. Da dirigierte er Beethovens Neunte Sinfonie in einer ganz großartigen Aufführung, die schon damals auf mich, der ich gerade mal um die 20 war, gewaltigen Eindruck machte. Ich war mit meinem Freund, der mit mir das Konzert besuchte, der Meinung, daß dieser Dirigent weit unterschätzt wäre - was sich in der Folge ja auch als richtig erwiesen hat.


    Uns hat erstaunt, mit wie wenigen knappen Gesten der Dirigent den riesigen Apparat aus Chor, Orchester und Solisten im Griff hatte! Das war schon ein tolles Erlebnis.


    LG Nemorino

    Die Welt ist ein ungeheurer Friedhof gestorbener Träume (Robert Schumann).

  • Debussy: Le Martyre de Saint Sébastien (arr. Caplet)

    Ein Komponist, den man kaum mit Günter Wand in Verbindung bringen würde, ist Claude Debussy. Tatsächlich scheint er sich auf ein einziges Werk konzentriert zu haben: Le Martyre de Saint Sébastien. Genau genommen auf die Symphonischen Fragmente, die Debussys Schüler André Caplet zusammenstellte und die eine gut 20-minütige Orchestersuite ergeben:


    I. La Cour des lys (Der Lilienhof)

    II. Danse extatique et final du premier acte (Ekstatischer Tanz und Finale des 1. Aufzuges)

    III. La passion (Die Passion)

    IV. Le bon pasteur (Der gute Hirte)


    RCA hat eine Aufnahme mit dem NDR-Sinfonieorchester von 1982 veröffentlicht. Zudem spielte Wand dieses Werk mindestens zweimal für den WDR ein (1969 und 1975).


    »Finis coronat opus.« (Das Ende krönt das Werk.) – Ovid