Tierisch gut - Camille Saint-Saens KARNEVAL DER TIERE

  • Ausgelöst wurde dieser Thread durch Radagasts cellophones Adventsrätsel, dessen letztes Türchen eine der bekanntesten Cellomelodien überhaupt freisetzte. Sie charakterisiert einen elegant über das Wasser gleitenden, stolzen Schwan. Er spielt die Hauptrolle in dem vorletzten Teil einer vierzehnteiligen Suite, die zunächst gar nicht für die Öffentlichkeit gedacht war, sondern als scherzhafter Höhepunkt eines Hauskonzertes, bei dem ihr Komponist, Camille Saint-Saens (1835-1921) , sie auch das einzige Mal selbst hörte.


    Erst ein Jahr nach seinem Tod wurde diese "Grande fantaisie zoologique", wie Saint-Saens sein Werk scherzhaft nannte, erstmals öffentlich aufgeführt und erzielte auf Anhieb den riesigen Erfolg, der bis heute anhält und das Stück trotz starker Konkurrenz zum bekanntesten und beliebtesten Werk seines Schöpfers machte.


    Ich eröffne diesen Thread schon mal in Absprache mit Radagst, damit er ihn gleich bei seinen Lösungen verlinken kann, muss aber vorerst um etwas Geduld bitten, da ich erst noch das Werk und meine Aufnahmen davon intensiver recherchieren bzw. anhören möchte, bevor ich den eigentlichen Text dazu schreiben kann, zumal mich gerade derzeit einige andere Verpflichtungen davon abhalten, mich intensiv darum zu kümmern.


    Einstweilen sei es Euch aber unbenommen, schon mal eigene Berichte über Eure Reaktion zu dem Stück, Eure Lieblingsaufnahme(n) etc. zu posten.


    Bis demnächst hier


    :hello: Rideamus

  • Kurz von unterwegs: in Frankreich ist diese Suite natürlich erst recht der Hit und das m.E. mit vollem Recht:ich finde dieseMusik im allerbesten Sinne amüsant und gut gemacht. :jubel:
    Es gibt zahllose Bearbeitungen für alle Instrumente und auch für Gesang. auf Vokalisen.Zu hause habe ich Noten einer Umarbeitung einiger Teile für Gesangsgruppen und ich erinnere mich,dass wir uns in einer Musikfreizeit vor vielen Jahren an der Loire damit mal köstlich amüsierten.
    Der Schwan ist und bleibt der Renner als Zugabe bei alen möglichen und unmöglichen Gelegenheiten.
    Fairy Queen

  • Eine wunderbare humoristische Suite, für zwei Klaviere und Orchester,


    in der Saint-Saens nicht davor zurrückschreckt, auch zwei seiner Kollegen


    (Berlioz und Offenbach), die allerdings nicht mehr lebten, zu karikieren.


    Ich bevorzuge die Version, ohne gesprochenen Text.


    :hello:Herbert.

    Tutto nel mondo è burla.

  • Zitat

    Original von Fairy Queen
    ...in Frankreich ist diese Suite natürlich erst recht der Hit und das m.E. mit vollem Recht


    Ebendies hatte Saint-Saens wohl vorausgeahnt. Er unterband eine Veröffentlichung des Werkes zu Lebzeiten. Erst 1922, ein Jahr nach dem Tod des Komponisten, wurde der Karneval der Tiere in Paris uraufgeführt.


    Wenn ich dieses Werk höre, dann auch nur in der Fassung ohne Sprecher. Ich besitze die Aufnahme, an der u.a. Philippe Entremont und Gaby Casadesus - Klavier, Yan-Pascal Tortelier - Violine, Gerard Caussé - Viola und Yo-Yo Ma - Cello beteiligt sind.



    Allerdings hatte ich als Kind auch die gesprochene Fassung mit dem Text von Loriot, die mir damals sehr gefiel.


    LG
    B.

  • Der "Karneval" ist wirklich ein Meisterwerk! Saint-Saens war ein eigentümlicher Komponist: Meiner Meinung nach ist das meiste, was er komponiert hat, vernachlässigbar. Es erinnert mich an Zuckerwatte: Schmeckt (=klingt) gut, hat aber keine Substanz. Aber dann gibt es Werke, in denen wirkliches Genie aufblitzt, etwa im "Samson", in der Orgelsymphonie - und zu diesen vereinzelten Werken, deretwegen man Saint-Saens tatsächlich geradezu verehren muß, gehört auch dieser "Karneval".


    Der "Schwan" ist logischerweise ein Dauerbrenner - aber es gibt da noch wesentlich mehr zu entdecken. Etwa eine für mich sehr interessante Parallele zu Francis Poulenc. Man höre sich etwa die "Hühner" des "Karneval" an: Das klingt fast wie "Les Biches". Und die Idee, Offenbachs Can-Can für die Schildkröten im Zeitlupentempo abzuspielen, könnte auch von Poulenc oder Milhaud stammen - ebenso wie die Aufnahme der "Pianistes" samt ihrer Klavierübungen unter die Tiere.
    Außerdem gibt es im "Karneval" melodische Wendungen, die geradewegs zu Poulenc führen. Ja, auch der "Schwan". Der ist nur so bekannt, daß man ihn dermaßen eindeutig Saint-Saens zuordnet, daß man auf eine andere Idee gar nicht kommt. Aber diese Melodie in Horn und Klarinette, von den identischen Harmonien umspielt (nur mit Oboen und leisen Trompeten angereichert), und wir sind in nächster Nähe von Poulencs "Sinfonietta".
    Wie gesagt: Der "Karneval" ist ein Meisterwerk!


    Übrigens: Ich persönlich ziehe auch die Aufnahmen ohne Sprecher vor, am liebsten ist mir diese:

    Prêtre hat unendlich viel Gefühl für diese Musik - und scheint mir den quasi modernen Kontext mitzudirigieren: Sehr französisch ist dieser Humor, also ohne Derbheiten, aber mit viel feiner Ironie und Delikatesse. Besser geht's meiner Meinung nach nicht!
    Abgesehen davon: Man bekommt die Suite von Poulencs Ballett "Les animaux modèles" mitgeliefert (sozusagen Poulencs "Karneval") - und kann sich an den direkten Vergleich machen, wie sehr diese Werke miteinander verwandt sind!


    :hello:

    ...

  • Zu den zeitlosen Werken von Saint-Saens, die Edwin in seinem Beitrag genannt hat. dem ich nur voll zustimmen kann, würde ich noch den Danse macabre hinzu zählen, den Jean Renoir in seinem Meisterwerk La regle du jeu so wunderbar versinnbildlicht hat, und zu den Komponisten, die von Saint-Saens Karneval ersichtlich beeindruckt wurden, auch Eric Satie.


    Mein prägender Eindruck des Werks stammt neben einer ganz frühen "Concert Hall" - 17 cm LP, die ich leider nicht mehr habe, von der LP-Box "Bernstein Conducts for Young People", in der Bernstein das Stück mit einigen Jugendlichen und den Streichern seiner damaligen New Yorker Philharmoniker spielt und mit seinem sehr eigenen, unaufdringlich pädagogischen Talent kommentiert. Für englischsprachige Kinder und solche, die es werden sollen, ist diese Aufnahme nach wie vor die erstrebenswerteste, zumal es sie in einer Koppung mit Prokoffievs PETER UND DER WOLF und Brittens YOUNG PERSON'S GUIDE TO THE ORCHESTRA gibt bzw. wieder mal nur gab, aber noch antiquarisch greifbar ist:



    Kopplungen werden allgemein und neben dem Preis der wesentliche Grund für die Wahl einer bestimmten Aufnahme des Stückes sein, und eben wegen der eigentlich offensichtlichen, trotzdem aber ungewöhnlichen Kopplung mit Poulencs LES ANIMAUX MODELES würde auch ich zu der vorzüglichen Aufnahme greifen, die Edwin soeben schon empfohlen hat.


    Normalerweise gilt für mich höchste Zurückhaltung bei sogenannten Kinderplatten. Die Aufnahme mit Vater Karl und Sohn Karlheinz Böhm, der die Texte von Loriot liest, kann ich aber gerne jedem empfehlen, der bei der Wahl einer Platte ein Kind im Auge hat, zumal es sie auch in einer sehr preiswerten Edition in der Kopplung mit Poulencs Vertonung der Geschichte von "Barbar, der kleine Elefant" gibt:



    Ich habe auch noch eine weitere sehr empfehlenswerte Einspielung des Stückes ohne Kommentar mit Katja und Marielle Labeque und französischen Solisten. Sie ist enthalten auf einer BMG - Scheibe namens CARNIVAL!, eine Benefiz-Platte für die Rainforest-Foundation, die deshalb Beiträge quer durch den Gemüsegarten von Elton John und Madonna bis hin zu Zuccheros "Va pensiero" und Luciano Pavarotti enthält. Die Zusammenstellung ist kaum noch Geschmackssache, aber die Einspielung der Labeques sehr empfehlenswert. Da es sie woanders wohl nicht zu geben scheint, sei sie hier aufgeführt:



    Wer sie irgendwo findet oder antiquarisch bestellen möchte, kann wegen dieses Hauptwerks bedenkenlos zugreifen und sich die ihr/ihm passenden Bonustracks anhören.


    :hello: Rideamus

  • Hallo,


    Ich liiiebe den Karneval!
    Er ist sicher mitschuld, dass ich zum "Klassikfreak" mutiert bin; Meine erste Studienpartitur war die vom Karneval und ich höre ihn immer und immer wieder gerne!


    Es gibt in dieser vermeintlich flachen Komposition doch immer wieder neues zu entdecken - gerade im sprühenden Finale habe ich immer noch mühe alle Protagonisten nochmal rauszuhören. Mein Lieblingssatz ist übrigens (dicht gefolgt von ALLEN anderen) "Le coucou au fond des bois"


    Meine Einspielungen (mit beiden bin ich nicht 100%ig zufreiden):


    LG
    Raphael

  • Hallo Raphael,

    Zitat

    Mein Lieblingssatz ist übrigens (dicht gefolgt von ALLEN anderen) "Le coucou au fond des bois"


    In versunkenen Kathedralen ruft kein Kuckuck...
    Debussy dürfte diesen Satz Saint-Saens ganz besonders geschätzt haben. Kein Wunder...! :D
    :hello:

    ...

  • 8o Huch! Mensch Edwin, die Parallele ist mir ja noch nie aufgefallen...Vielen Dank! La Cathédrale engloutie - na klar...Bin grad völlig platt... :faint:


    LG
    Raphael

  • Den französischen Humor glänzend umsetzen und gleichzeitig eine hervorragende Klangqualität bieten kann auch Charles Dutoit auf Decca auf dieser schönen CD mit Roge und Ortiz am Klavier:



    Pascal Roge und Christina Ortiz, Pianos
    London Sinfonietta / Dutoit

    Decca, 1986, DDD


    Bei mir noch als Decca-Ovation-CD mit der Orgelsinfonie gekoppelt und die in der Abb. vorhandenen sinf. Dichtungen als weitere (andere) Decca-Einzel-CD.
    Diese Decca-Aufnahmen übertreffen meine alten LP-Aufnahmen der saint-saens-Werke um Längen.

    Gruß aus Bonn, Wolfgang

  • Tamino Beethoven_Moedling Banner
  • Hallo ihr Lieben,


    ich habe lange überlegt welche Aufnahme ich mir zulegen soll. Gewählt und erst einmal bestellt habe ich mir diese:



    ich fand die elefanten bedächtiger im Schritt und das Klavier kommt klar heraus. Außerdem fand ich die zusätzliche Aufnahme, Allegro moderato, so bombastich.


    Mal sehen


    Viele Grüße


    Detlef

    Werden im Wirken - Großes braucht seine Zeit

  • Zitat

    Original von Rideamus
    Zu den zeitlosen Werken von Saint-Saens, die Edwin in seinem Beitrag genannt hat. dem ich nur voll zustimmen kann, würde ich noch den Danse macabre hinzu zählen...


    Nicht zu vergessen (oder hab ichs bei jemand anderem überlesen?) hat Saint-Saens im "Karneval" ja neben verstorbenen Kollegen auch sich selbst persifliert - schließlich ist der Satz "Die Fossilien" doch nichts anderes als eine rhythmisch verschobene Parodie auf das Eingangsthema eben seines "Totentanzes". Witziger Einfall übrigens, dass da gleichsam auf Knochen Musik gemacht wird.


    Weiß jemand, ob das marschartige Seitenthema irgendwo geklaut ist?
    Alles in allem:
    Ein herrliches Werk - hatte es gestern gerade wieder im Auto laufen, mit dem Text von Loriot - sicher, er ist verzichtbar, aber bringt zum Beispiel was, wenn man Kinder an die klassische Musik heranführen will

    Jeanquirit


    Unterhaltungsmusik ist, wenn man sich dabei unterhalten kann.
    Hanns Eisler

  • Hallo,


    Zum einen hört man ja "Lieber guter Weihnachtsmann" (Oder wie man es nun auch immer im Original nennt), zum anderen (was du warscheinlich meinst) eine Anspielung auf die Kavatine der Rosine aus dem "Barbier von Sevilla" von Rossini.


    LG
    Raphael


    PS: Ich glaube es wurde hier noch nicht explizit gesagt: Berlioz wird hier im Elefanten "verunglimpft". Saint-Saens lässt das behäbige Tier den sonst so locker-flockigen "Elfentanz" aus "Fausts Verdammung" tanzen...

  • Es wurde, wie schon gesagt, von Saint-Saens 1886 für ein Hauskonzert geschrieben. Die Besetzung sieht vor: ein Streichquartett sowie je einen Kontrabass, Flöte, Klarinette, Harmonium, Xylophon und, am prominentesten, zwei Klaviere. Spätestens nach dem Erfolg dieses Konzerts war sich Saint-Saens der Wirkung seines Werkes nur zu bewusst, und - so jedenfalls die etwas boshafte, verbreitete Ansicht - da er fürchtete, es könne seine ernsthafteren Kompositionen überschatten, verbot er jede weitere Aufführung zu seinen Lebzeiten. Das Stück wurde also erst 1922, fast unmittelbar nach seinem Tod, veröffentlicht und auf Anhieb ein Riesenerfolg, der bis heute anhält.


    Es besteht aus 14 unabhängigen Teilen und steckt voller Witz und Anspielungen, überzeugt aber auch durch eine musikalisch kühne, virtuose Lautmalerei mit bescheidensten instrumentatorischen Mitteln, die es auch ohne detaillierte Erläuterungen schon für Kinder leicht nachvollziehbar macht und deshalb zu einem Klassiker für dieses besondere Publikum werden ließ.


    1. Einleitung und Marsch der königlichen Löwen
    Nach achtunggebietenden Klaviertrillern und dem gravitätischen Schreiten der Streicher brüllen die Könige der Tiere in virtuosen Klavierläufen, bis die beiden Klaviere den königlichen Marsch anstimmen. In einem chromatischen Lauf wechselt das Stück vom ursprünglich festlichen C-dur nach Moll.


    2. Hühner und Hähne
    Erstaunlich, wie selbstverständlich diese extrem moderne und musikalisch fast inkohärente Lautmalerei des "Gegackers" der Streicher und der Klarinette klingt.


    3. Hemiones
    Diese wilden Esel der asiatischen Steppe rasen allein auf den Tasten der beiden Klaviere durch die Landschaft, aber wie! Hier ist extreme Fingerfertigkeit gefragt.


    4. Schildkröten
    Nach den schnellen Vierbeinern nun die besonders langsamen Schildkröten, dargestellt durch Cello, Viola und ruhige Pianotöne. Besonders witzig die Idee, diese schwerfälligen Tiere zu dem Thema eines der furiosesten Tänze überhaupt dahin kriechen zu lassen, dem CanCan aus Offenbachs ORPHEE AUX ENFERS, dem natürlich der Rhythmus wie in einem Prokrustesbett gestreckt wurde.


    5. Der Elefant
    Auch dieses schwere, angestrengt muntere Tier bewegt sich im Witz der Kontraste, denn der Kontrabass, der den Dickhäuter verkörpert, stimmt ausgerechnet den Tanz eines der denkbar leichtesten Elemente an, den der Irrlichter aus Berlioz' LA DAMNATION DE FAUST, und wechselt dann nach einer geschickten Modulation auch noch in das ursprünglich hell flirrende Scherzo der Elfen aus Mendelssohn-Bartholdys Musik zum SOMMERNACHTSTRAUM.


    6. Känguruhs
    Wieder ein Stück musikalisch zusammenhangloser Lautmalerei, wenn kurze Akkorde über die Klaviatur hüpfen, abgelöst von kurzen ruhigen Klängen, auf denen das ziellos herum hüpfende Tier sich auszuruhen scheint.


    7. Aquarium
    Ein besonders reizvolles, fast impressionistisches Stück, instrumentiert mit bescheidensten, aber effektiven Mitteln: einer Kantilene der Streicher, die con sordino spielen, flimmernde Klavierarpeggios und, nicht zu vergessen, das Xylophon, das hier besonders wirkungsvoll zum Einsatz kommt.


    8. Die Langohren
    Und wieder ein Stück, das keine Erläuterung braucht um seinen Inhalt zu signalisieren, den eseliger geht ein musikalisches I-ah nicht, als es hier von einem Streicherton mit Flötenkiekser dargestellt wird.


    9. Der Kuckuck tief im Wald
    Wiederum ein wunderbar ökonomisches Stück Klangmalerei. Wähend das Klavier mit einer kaum als solcher wahrnehmbaren Melodie die geheimnisvolle, leicht beängstigende Stimmung des dunklen Waldes evoziert, bringt die Klarinette ganze 21 mal dieselben zwei Töne des Kuckucksrufes hervor.


    10. Die Voliere
    Noch ein totaler Kontrast zum Vorangehenden. Rasche, virtuose Flötenläufe, zunächst solo, dann unterstützt von lautmalerischen Arpeggios der Klaviere und Streicher führen einem das bunte Geflirre in einem ordentlich bevölkerten Vogelkäfig vor Ohren.


    11. Pianisten
    Klavierspieler gehörten hörbar schon zu Saint-Saens Zeiten zu den besonders gequälten und schützenswerten Wesen abseits der menschlichen Welt, müssen sie sich doch durch endlose Tonleiterübungen quälen, während kurze Streicherakkorde den nicht weniger leidenden, gelegentlich auch antreibenden und dennoch nur halbwegs erfolgreichen Klavierlehrer in den Raum stellen.


    12. Fossilien
    Bei dieser satirisch als Fossiliensammlung bezeichneten Motivreihung (vornehmlich) des Xylophons handelt es sich um beliebte Melodiefetzen, die damals an den Pariser Straßenecken gesungen wurden. Teils sind es Volkslieder wie "Au clair de la lune" und "Ah-vous dirai-je Maman", das wir als "Morgen kommt der Weihnachtsmann" kennen, und das schon von Mozart als Variationsthema genutzt wurde, oder "En partant pour la Syrie", teils aber auch geschickt verkürzte Zitate populärer "klassischer Musik" wie das "saro una vipera, e cento trappole prima di cedere faro giocar" aus der Cabaletta der Arie "Una voce poco fa" der Rosina aus Rossinis BARBIER VON SEVILLA. Herrlich der Einfall, gerade diese Passage mit dem Thema von Saint-Saens eigenem DANSE MACABRE abzuschließen.


    13. Der Schwan
    Dieses grazöse Prunkstück des Werkes, und der einzige Teil, in dem man vergeblich einen ironischen Ton suchen würde, war der einzige, den Saint-Saens schon vor seinem Tod zur Aufführung frei gab, und zwar auf Bitten der Tanzlegende Anna Pawlowa, die zu dem über wogende Pianoarpeggien dahin gleitenden Cellosolo, das Radagasts diesjähriges Adventsrätsel abschloss, ihren sprichwörtlich gewordenen Tanz vom sterbenden Schwan kreierte.


    14. Grand Finale
    Wie zum Abschluss einer Zirkusvorstellung werden noch einmal vom gesamten Ensemble fast alle inzwischen bekannten Tierarten vorgeführt. Das muntere Nebeneinander dieser sich nicht unbedingt bestens vertragenden Tierarten könnte man auch als ein buntes Tongemälde der Arche Saint-Saens bezeichnen.


    Zur weiteren Charakterisierung der Musik verweise ich gerne auf Edwins treffende Darstellung weiter oben.


    Euch allen wünsche ich ein tierisch heiteres Sylvester und ein neues Jahr 2008 voll stolz brüllender Erfolge, gravitätisch schöner Erlebnisse, die selbst Dickhäuter und Schilkdkröten zum Tanzen und die üblichen Esel dazu bringen, sich selbst zu charakterisieren, so dass selbst die sicher nur rudimentär vorhandenen, fossilen Elemente in Euch so hübsch munter klingen wie in diesem karnevalistischen Mosaik von Camille Saint-Saens.


    :hello: Rideamus

  • Zitat

    Original von Rideamus


    Ich habe auch noch eine weitere sehr empfehlenswerte Einspielung des Stückes ohne Kommentar mit Katja und Marielle Labeque..


    Cher Cousin,


    diese Aufnahme besitze ich als eherner Labèque-Fan natürlich auch und kann mich Deiner Empfehlung nur anschließen.
    Zumal hier auch noch andere illustre Persönlichkeiten mir von der Partie sind: Richard Stoltzman, Yuri Bashmet, Viktoria Mullova und Misha Maisky, letztere mit Anhang in "Pianistes", wo es als Bonus noch einen kleinen Disput unter den Musikern gibt.


    Zoologischen Gruß,



    audiamus


    .

  • Hallo!


    Wie hier unschwer zu erkennen ist, hat mich meine neuerworbene Karneval-Aufnahme sehr begeistert.
    Unverbindliche Kaufempfehlung von mir, vor allem für die, denen das Werk eigentlich schon zum Hals raus hängt.



    Viele Grüße.
    Pius.

  • Hallo,


    Davon abgesehen das auf der CD noch ein recht interessantes Begelitprogramm ist, finde ich die Interpretation im allgemeinen ziiiemlich laaaangsaaaam...
    Allegrdings auch sehr klangschön... :D


    LG
    RAphaek


  • Der erste, der diese Empfehlung ausspricht, bin ich gewiss nicht, möchte es dennoch tun: Im Vergleich mit vier oder fünf anderen Aufnahmen, die teilweise hier schon genannt wurden, gebührt dieser die Krone (für das Septett gilt das erst recht).
    Äußerst schwungvoll und frisch, pointiert witzig bis sarkastisch, beste Aufnahmequalität.


    :angel: Gruß, Wolfgang

    Lieber Fahrrad verpfänden denn als Landrat enden!

  • Hallo zusammen


    Auch ich bin ein großer Fan vom Karneval der Tiere. Bereits im zarten Alter von 8 Jahren haben wir dieses Werk in der Grundschule besprochen und ich bekam damals die Schallplatte dazu.

    Mein absoluter Favorit ist das Stück „Das Aquarium“.


    Ich finde die Darstellung dieses Lebensraumes so genial - man muß gar nicht wissen, wie das Stück heißt, wenn man es zum ersten Mal hört. Man muß nur die Augen schließen und weiß sofort - ich bin im Wasser. Es ist schon erstaunlich, wie Saint-Saen es schafft, mit wenigen Instrumenten, einer einfachen Konstruktion und in dieser Kürze ein so vollkommenes Bild vor dem Auge des Zuhörers entstehen zu lassen.


    Der erste Teil klingt ein bißchen unheimlich und erinnert an die Tiefe des Wassers oder auch die geheimnisvollen Ecken im Aquarium, dichtbewachsen und uneinsehbar im Zwielicht. Wunderbar dargestellt natürlich auch die Bewegung des Wassers und das Schwimmen der Fische – die Ruhe, die so ein Becken ausstrahlt – einzige Lichtquelle im dunklen Zimmer.


    Im zweiten Teil erlebt man durch die fallenden Sequenzen das langsame Sinken eines Gegenstandes im Wasser bis er auf dem Grund zur Ruhe kommt – dargestellt durch einen langen Ton am Ende und ein letztes Aufsteigen kleiner Luftblasen. Manche assoziieren diese fallende Bewegung auch mit einem Sog oder Strudel.


    Die beiden Teile werden immer wieder miteinander verbunden und hinzu kommt ein letztes, neues Thema - lustige Wasserbläschen, die aufsteigen und zerplatzen, dargestellt durch ein Aufwärtsglissando, ganz luftig, ganz leicht.


    Vielleicht ist ein Aquariumbesitzer im Vorteil – aber für mich ist dieses Stück einfach genial – Augen zu und blubb blubb...


    Viele Grüße
    Mimi

    che gelida manina....

  • Hallo Raphaell!


    Zitat

    Original von raphaell
    Hallo,


    Davon abgesehen das auf der CD noch ein recht interessantes Begelitprogramm ist, finde ich die Interpretation im allgemeinen ziiiemlich laaaangsaaaam...
    Allegrdings auch sehr klangschön... :D


    LG
    RAphaek


    (...oder RAphaek ? :D )


    Die Laaaangsamkeit stört keineswegs, wenn so wunderbar musiziert wird. Im Gegenteil: Vieles Wunderbares in dieser Komposition ist mir so erst transparent geworden. Und das Schildkrötenballett in Ultrazeitlupe ist einfach hinreißend! :jubel:
    Zum Ende hin werden die Obliques allerdings schneller, und z.B. die Fossilien oder der Schwan sind IMO wieder im "Normaltempo".
    Das Finale ist dann plötzlich gar schneller als bei meinen Vergleichsaufnahmen.
    Diese subtile Tempobeschleunigung über das ganze Werk hinweg finde ich ebenfalls :jubel:


    Viele Grüße,
    Pius.

  • Tamino Beethoven_Moedling Banner
  • I-aaah allerseits,


    mal eine Frage an die Fachcarnavalisten. Ich besitze aus Kinderzeiten noch die Aufnahme mit dem Loriottext, und zwar auf LP. Daher habe ich sie nicht griffbereit. In Rideamus detaillierter Beschreibung tauchen allerdings einige Teile auf, an die ich mich partout nicht erinnern kann. Kann es sein, daß die "Loriot-Version" gekürzt war? Oder bin ich schon verkalkt?



    :hello:

    "Das ist zeitgenössische klassische Musik. Dann unterstelle ich, daß da kein intellektueller Zugang..."
    Miroslaw Lem, Tenor