Alessandro ROLLA [1757-1841]

  • Holla!


    Bevor es zu spät ist, diesem Komponisten noch die ihm zustehende Ehre zu seinem 250. Geburtstage zu erweisen, will ich schnell noch etwas losweden:


    Am 6. April 1757 erblickte Alessandro Rolla das Dunkel der Welt.



    Alessandro Rolla


    Ausschnitt aus einem Kupferstich
    von Vincenzo Raggio.


    Ersten Kompositionsunterricht erhielt Rolla bei G. A. Fioroni [1716-1778] in Mailand. Man nimmt an, daß Rolla als Schüler auf der Violine Renzi und Giacomo Conti zur Weißglut brachte, welhalb er schnell das Fach wechselte, um das Bratschenspiel zu erlernen. Ebenda - in Mailand - soll er bereits als 15jähriger mit seinen Kunststücken auf der heute sogenannten Viola großes Aufsehen erregt haben. Er folgte dem Ruf nach Parma 1782 und bekleidete in der dortigen Hofkapelle zunächst das Amt des ersten Bratschers, einige Jahre später trat er an die Stelle des Konzertmeisters Giacomo Georgis, welcher kurz zuvor zum ersten Harfenisten berufen wurde... Zwischenzeitlich gebahr ihm seine Gemahlin 1798 den Sohn Giuseppe Antonio, der später neben B. Ferrara und E. Cavallini zu seinen besten Schülern zählte. 1803 wurde Rolla Orchesterdirektor der Mailänder Scala, parallel dazu 1805 Soloviolinist [!] des Vizekönigs Beauharnais. Die Schüler des Mailänder Konservatoriums beglückte Allessandro Rolla seit dessen Gründung 1808 als Lehrer im Fach Violine und Viola.


    Rolla beendete 1833 seine Tätigkeit an der Mailänder Scala, 1835 zog er sich vom Unterrichten am Konservatorium zurück. Zwei Jahre später verstarb krankheitsbedingt recht früh am 19. Mai 1837 sein Sohn Antonio in Dresden. Rolla selbst folgte diesem ins unendliche Licht am 15. September 1841.


    Zitat


    Daß sich Alessandro Rolla auf die bis dahin als Soloinstrument wenig begübstigte Bratsche spezialisierte und ihr in seinen Kompositionen zu technisch und ausdrucksmäßig der Violine ebenbürtiger Bedeutung verhalf, sichert ihm einen wichtigen Platz in der Geschichte des Streichinstrumentenspiels [...]


    schreibt Folker Göthel [Quelle: MGG, Die Musik in Geschichte und Gegenwart]


    Alessandro Rolla hinterließ weitaus mehr als 250 Werke, darunter 3 Sinfonien, 7 Violinkonzerte, 12 Violakonzerte. Auch der Kammermusik war Rolla unbedingt zugetan: Er komponierte mindestens 1 Streichquintett, 2 mal 3 Streichquartette, sowie Trios [Terzetti] und Duos [Duette], desweiteren Serenaden und Divertimenti. Einem wenig glaubhaften Hinweis zufolge soll Rolla auch Werk[e] für das Violoncello komponiert haben...!?


    Besonders hervorheben möchte ich sein Violakonzert Es-Dur op. 3, wohl eines der früh veröffentlichten Werke. Die Intensität und Melancholie des Mittelsatzes [Largo] steht jenem aus Mozarts Sinfonia Concertante Es-Dur KV 364 um nichts nach - im Gegenteil: Die überflüssige Violine lässt Rolla gleich weg... Dieses Largo hat im Übrigen - auch unHIP gespielt - folgendes verdient:


    :faint:
    :jubel: :jubel:
    :faint: :faint: :faint:
    :jubel: :jubel: :jubel: :jubel:
    :faint: :faint: :faint:
    :jubel: :jubel:
    :faint:


    Ich erhoffe mir von diesem Thread noch ein paar Einspielungsempfehlungen seiner Violakonzerte sowie der Kammermusik, bestenfalls auf historischem Instrumentarium.


    Herzlichst
    Ulli

    Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen.
    (Vincenzo Geilomato Hundini)

  • Ich kenne Musik van Rolla schon Jahrzehnten. Und schätze sie sehr.
    Meine LP mit Musik von Rolla ist n.m.M. nie digitalisiert. Die CDs die ich habe, Bratschekonzerten von ihm sowie ein Violinekonzert, sind auch schon so alt, daß ich nirgendwo ein Bild finden konnte.
    Er schrieb herrliche Musik, und jeder Liebhaber von Wiener Klassik kann, wenn er je das Glück hat sie zu finden, ohne zaudern und ohne hineingehört zu haben, sofort eine CD mit Musik von Rolla kaufen.


    LG, Paul

  • Ich erinnere mich dumpf an eine Aufnahme mit "I Musici". Mittlerweile wird sie so aussehen



    ______________

    Abraten möchte ich von folgender Aufnahme, auch wenn ein seltenes Triangelkonzert von Guiseppe Rocka (1701-1876) darauf enthalten ist. Der belgische Bratschist Judas Priest ist der Partitur hoffnungslos unterlegen...



    Der 2. Teil dieses Beitrags wird von der Moderation als Scherz eingestuft...

    und in Anbetracht dessen daß er bis heute (19.8.2021) !! von niemandem

    erkannt oder beanstandet wurde - soll er bleiben....

    Wir schliessen uns desungeachtet der Warnung des Verfassers - wenngleich aus anderen Gründen -an.

    Mod 001 Alfred

  • Zitat

    Original von Blackadder
    Ich erinnere mich dumpf an eine Aufnahme mit "I Musici". Mittlerweile wird sie so aussehen



    Genau jene Bratschekonzerte sind es, die ich habe. Nur ist diese CD bereits ein Wiederpressung der alte Aufnahme. Auf meine CD findet man nur Rollakonzerte.


    LG, Paul


    PS Ich fand bei weder bei JPC, noch Universal oder Amazon ein Bild. Wie hast Du dieses gefunden?

  • Zitat

    Original von musicophil
    PS Ich fand bei weder bei JPC, noch Universal oder Amazon ein Bild. Wie hast Du dieses gefunden?


    Indem ich mich dumpf an "I Musici" erinnerte und diesen Namen zusammen mit "Rolla" bei amazon eingab :beatnik:


    Meine Erinnerung bezog sich auch nur auf Rolla-Konzerte. Der Vivaldi kam wohl erst neulich drauf :D

  • Der italienische Violonist und Komponist Alessandro Rolla (1757-1841) wurde bei uns im Forum zwar gelegentlich erwähnt, eigenen Thread hat er bis jetzt noch keinen*)


    Vermutlich ist das auf die doch geringe Anzahl von Einspielungen zurückzuführen. An sich hat Alessandro Rolla recht viel komponiert, aber es hat eben noch nicht den Weg auf Tontäger gefunden.


    Hier einige seiner Werke
    • 12 Sinfonien
    • 20 Violinkonzerte
    • 15 Violakonzerte
    • 1 Flötenkonzert
    • 1 Fagottkonzert
    • Ca 8 Streichquartette
    • Balletmusiken
    • 126 Duette für 2 Violinen
    • 78 Duette für Violine und Viola
    • 32 duetti für 2 Violen
    • 3 Duette für Violine und Violoncello


    Dazu kommen ZAHLREICHE Werke für den Gebrauch im Unterricht....


    Schon früh wurde sein musikalisches Talent endeckt, und man ermöglichte ihm eine entsprechende Ausbildung. Ursprünglich sollte das Klavier sein Instrument werden, indes studierte erschliesslich in Mailand Violine und Kontrapunkt.
    Ab nun waren die Violine und die Viola seine Instrumente, welche er schon in seiner
    Jugen virtuos beherrschte.


    Schon in einem frühen österreichisen Lexikon von Constantin von Wurzbach ist zu berken, dass sich sein Lebenslauf schon kurz nach seinem Ableben nicht mehr genau verfolgen ließ, schon damals waren die Quellen , die Wurzbach zur Verfügung standen, oft widersprüchlich. Gesichert ist, dass Allessandro Rolla Lehrer und Freund Paganinis war.


    Soweit ich eruieren konnte gibt es ein Werkverzeichnis, verfasst von Luigi Alberto Bianchi und Luigi Inzaghi – (BI) Ich kenne dessen Systematik nicht, aber es dürfte über 550 Werke verzeichnen


    Mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred


    *) Das war ein Irtum.

    Daher habe ich meinen Threadbeginn - der nun keiner mehr ist - in DIESEN THREAD verschoben ...

    Man merkt die Absicht und man ist verstimmt ......


  • Immerhin erschienen innerhalb der verstrichenen Zeit seit dem letzten Eintrag in diesem Thread einige Neuerscheinungen, Die hier gezeigte Aufnahme ist seit knapp einem Jahr im Handel und enthält neben 2 Sinfonien auch 2 Konzerte für Viola und Orchester, was die Freunde der Viola vermutlich freuen wird. Leider spielt das Orchester IMO ziemlich plakativ und hemdsärmelig, es klingt meiner Meinung nach nicht wie ein "Kammerorchester" - oder das was man sich gemein darunter vorstellen mag. Der Stil der Konzerte ruft in der Tat in Erinnerung, daß Rollo dereinst auch Paganinis Lehrmeister war. Ein leichter Hang zu gefälligem Bombast ist nicht zu überhören, der etwas zu starke Hall der Kirche auch nicht.
    Trotz dieser eher marginalen Einschränkungen eine hörenswerte Aufnahme, die zudem durch den moderaten BRILLIANT CLASSIcs Preis von 7,99 Euro ein attraktives Produkt ist......

    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred


    PS. Die in Beitrag Nr 3 gezeigte Philips-Aufnahme mit 3 Rolla-Violakonzerten gespielt von "I Musici" ist bereits vergriffen.

    Man merkt die Absicht und man ist verstimmt ......


  • Hier ein Lexikoneintrag zu Alessandor Rolla aus:

    Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich ( 1856 )

    von Constantin von Wurzbach (1818-1893)


    Dieses Lexikon ist mit 60 Bänden im Lexikonformat (Bilderlos) und der Beschränkung auf ein Spezialgebiet (nur Personen - und nur welche die in Österreich wirkten oder lebten) eines der umfassendsten seiner Art - und deshalb bis heute unverzichtbar. Da Lexikon wurde von einer einzigen Person verfasst. Wenn auch der Stil antiquier ist, die Genauigkeit (nach heutigen Masstäßen) manchmal zu wünschenübrig lässt - so ist es doch ein Zeitzeugnis von unschätzbarem Wert, das ich gerne zitiere:

    -----------------------------------------------------------------------

    Rolla, Alessandro (Compositeur, geb. zu Pavia 22. April 1757, gest. zu Mailand 15. September 1841).


    Zeigte in früher Jugend so außergewöhnliche musikalische Anlagen, daß die Eltern bald für deren entsprechende Ausbildung angelegentliche Sorge trugen. So ertheilte ihm denn den ersten Unterricht in der Musik, u. z. im Clavierspiele welches er aber später aufgab, ein Priester, Namens Sampietro. In einiger Zeit aber schickten die Eltern den Knaben nach Mailand, wo er sich in der Schule Fioroni’s, der dort als Capellmeister angestellt war und durch seine ausgezeichneten Kirchencompositionen einen Namen hatte, in der Musik ausbildete. In Mailand vertauschte R., der sich bisher im Pianospiele ausgebildet, das Clavier mit der Violine, nahm zuerst Unterricht bei Renzi, einem damals ziemlich beliebten Lehrer des Violinspiels, und wurde später ein Schüler des Violinisten Canti. Mit 25 Jahren, 1782, war sein Ruhm als Künstler seines Instrumentes in Italien bereits festgestellt. Da muß denn auch die Angabe Gaßner’s, der Rolla im Jahre 1780 geboren sein läßt, berichtigt [297] werden, denn mit zwei Jahren ist dergleichen denn doch nicht möglich.


    R. wendete sich nun vornehmlich dem Musikunterrichte zu und wurde einer der gesuchtesten Lehrer im Violinspiele. In dieser Eigenschaft wirkte er in so ausgezeichneter Weise, daß Musikgelehrte keinen Anstand nahmen, es auszusprechen: es gab zu Rolla’s Zeit in Italien kaum einen Meister, der ihn in der Methode des Unterrichts und in den Erfolgen vollkommen zu ersetzen im Stande war, ohne deßhalb den großen Werth anderer bedeutender Violinspieler zu unterschätzen. Später soll er sich auch einige Zeit in Neapel aufgehalten und dort, wohin er in Folge günstigster Anbote sich begeben hatte, ein paar Jahre als Lehrer gewirkt haben. Indessen hatte sich sein Ruf über die Halbinsel immer mehr und mehr aus gebreitet und R. erhielt einen Antrag zur herzoglichen Capelle in Parma, welchen er auch im Jahre 1800 annahm. Er wurde nun vorerst Kammervirtuos, und als der herzogliche Concertmeister Giacomo Georgi mit Tode abging, wurde R. im Jahre 1802 an dessen Stelle ernannt. Damals galt R. als der erste Bratschenspieler in ganz Italien und sein Ruf verbreitete sich in der ganzen musikalischen Welt Europa’s.


    Ueber seine nächste Thätigkeit weichen die Angaben merklich von einander ab. Wie die Einen melden, so ward Rolla schon im Jahre 1802 in Mailand als Orchester-Director an der Scala angestellt und im Jahre 1805 von dem Vicekönige Eugen Beauharnais zu seinem ersten Violinisten und zum Professor am Conservatorium ernannt; nach Anderen wieder wäre R. seit dem Jahre 1803 auf Kunstreisen gegangen und hätte in Paris, Wien und an anderen Orten Concerte mit dem glänzendsten Erfolge gegeben.


    Was nun Wien betrifft, so vermissen wir seinen Namen in Ed. Hanslick’s Geschichte des Concertwesens in Wien, welche denn kaum einen Namen von einiger Bedeutung übersieht.

    Hingegen berichtet Schwaldopler in seiner Geschichte des neunzehnten Jahrhunderts mit besonderer Rücksicht auf die österreichischen Staaten. 1803 (auch als historischer Almanach für das Jahr 1803 bekannt), über mehrere Violin-Compositionen Rolla’s, welche sich mehr durch eine glänzende Behandlung der Principalstimme als durch harmonische Verarbeitung empfehlen. Immerhin mußten diese Musikwerke von großer Bedeutung sein, wenn ihrer in der Geschichte eines Jahres unter den Musikleistungen besonders gedacht wird.


    Nach den ferneren Mittheilungen dieser von der ersteren so sehr abweichenden Quelle wäre R., als im Jahre 1809 in Mailand die Stiftung des Conservatoriums erfolgte, zum Professor an demselben und im Jahre 1815 auch noch zum Concertmeister ernannt worden. Diese Stellen behielt er auch dann noch, als Oberitalien unter die österreichische Regierung kam. Er wirkte auf derselben bis in sein hohes Alter und starb, 84 Jahre alt.


    Als Compositeur für sein Hauptinstrument, die Violine, war er vielfach thätig. Außer vielen Concerten, Serenaden u. dgl. m. sind von ihm bekannt über 80 Duette, 20 Trio’s, dann mehrere Gammen, Etuden, Quartette und Quintette. Besonders berühmt und noch heute hochgeschätzt sind seine Schulwerke. Von seinen übrigen Compositionen, welche in Zürich, Paris, Mailand, Leipzig u. a. O. im Stiche erschienen sind, wird hier nur der in der Musikwelt geschätztesten Erwähnung gethan:


    „III Duos p. V. et A.“, Op. 1 (Paris und Offenbach)

    „Serenata a 2 V.,“ [298] „2 Alti, 2 Corni obl.“, Op. 2 (ebd. 1795)

    „III Duos conc. p. 2 V.“, Op. 3 (Bonn 1803)

    „Tre Duetti a due Violini“, Op. 5

    „Tre Duetti facili“, Op. 6

    „Serenata accordata una terza bassa“, Op. 8

    „Tre gr. Duetti“, Op. 9

    "Tre Duetti progressivi“, Op. 10 u. 11

    „Tre Duetti facili“, Op. 14

    „Tre Duetti progressivi composti pei giovannetti studiosi“, Op. 18

    „Tre Duetti dedicati agli amatori“, Op. 19

    „Tre Duetti a due Violini per la gioventù studiosa“, Op. 21

    „Adagio e Polonese“, Op. 22

    „Tre Duetti progressivi per giovannetti studiosi“, Op. 27.


    Außer den bisher angeführten, denen die Opus-Zahl beigesetzt, sind noch bemerkenswerth die nach seinem Tode herausgegebenen (postume) und mehrere andere, deren Opus-Zahl nicht bekannt ist:


    „Piccolo Adagio e Tema con Variaz. con accomp. di Pianoforte“ (Opera postuma)

    „Divertimento per due Violini e Viola con accomp. di Pfte.“ (Opera postuma)

    „Quattro Valzer per Flauto, Violino e Chitarra“ (Opera postuma)

    „Andante e tema con variazioni“ (Opera postuma); – „Cinque Duettini“ (Opera postuma)

    „Concerto per il Violini“ in G“ (Paris 1795)

    „III Trios p. V., A. et B.“, (ebd. 1795)

    „Il Conc. p. Alto princip.“, Nr. 3 u. 4 (Offenbach 1800)

    „III Gr. Duetti concert. a V. et A.“, (Zürich 1803)

    „III Trios p. V., A. et B.“, Liv. 2 (Paris)

    „Divertimento ad uso di conversazione con. accomp. di Pfte.“

    „Rondo alla Polacca preceduto un Adagio d’Introduzione con accompagnamento di Pfte.“

    „Ventiquattro Scale et ventiquattro Solfeggi progressivi per Violino con accompagnamento di altro Violino. Sei solfeggi ossiano piccoli“

    „Esercizi progressivi per Violino con accomp. d’altro Violini“. Parte I.

    „Sei Studi progressivi per Violino con accomp. d’altro Violino”. Parte II.

    „24 Scale et 24 Solfeggi progressivi con accomp. di altro Violino“

    „12 Intonazioni a foggia d’Esercizi ne’ toni di terza maggiore“

    „12 Intonazioni a foggia d’Esercizi nei toni di terza minore“

    „6 Solfeggi progressivi con accomp. d’altro Violino“. Parte Ima. e IIda

    „Divertimento, Introduzione a grand’ Orchestra, Adagio e Tema con Variazione per Violino solo“.


    Am höchsten stehen unstreitig seine „Dodici Intonazioni .. di terza maggiore et minore“, worin kaum etwas fehlen dürfte, was Jemand, der sich zum tüchtigen Geiger heranbilden will, üben und in die Gewalt bekommen soll. Ein von Rolla componirtes Liedchen: „Se tacciono i labbri“, das in Italien fast zum Volksliede geworden, war ursprünglich eine Einlage der von Pacini componirten Oper: „La Gioventù d’Enrico V.“ Rolla hat auch mehrere tüchtige Schüler herangebildet, unter denen in erster Reihe sein eigener Sohn Anton, dann sein Nachfolger auf dem Posten in der Professur des Mailänder Conversatoriums, Eugen Cavallini, dann Nicolò Paganini, und unter den Deutschen der berühmte Franz Schubert[WS 1] in Dresden zu nennen sind. – Rolla’s Sohn Antonio[WS 2] (geb. zu Mailand, nach Anderen zu Parma im Jahre 1798, gest. zu Dresden 19. Mai 1837), kam im Jahre 1823 nach Dresden, wo er, als Polledro nach Turin abging, an dessen Stelle zum ersten Concertmeister ernannt wurde. Auch war er ein tüchtiger Orchesterdirigent und vortrefflicher Violinvirtuos, von dem einige [299] Compositionen, meist Violin-Variationen mit Begleitung des Pianoforte, erschienen sind. Als ein ganz tüchtiges Werk werden von Musikern seine nach dem Tode als posthumes Werk herausgegebenen 24 Cadenzen bezeichnet. Eine Kränklichkeit, welche ihn im J. 1836 befiel, führte nach langem Leiden seinen Tod herbei. Nach Versicherung von Musikkennern soll R. im Adagio unter lebenden Violinisten nur Spohr in seiner schönsten besten Zeit zum Nebenbuhler gehabt haben. Den größten Schwierigkeiten gewachsen, kokettirte er nicht mit denselben. An kühner Bogenführung, Zartheit des Ausdrucks kamen ihm nur Wenige gleich; er spielte so leidenschaftlich wie Paganini und mußte wie dieser nach jedem Concertabende mit einem mehrtägigen Unwohlsein dafür büßen. So berichtet ein längst vergessenes Blatt. „Der Eremit“, im 12. Jahrgange (1837), Nr. 64, das von Antonio Rolla’s Zurückgezogenheit und seinem stillen, anspruchslosen Charakter erzählt, in Folge dessen er alles Aufsehen zu vermeiden suchte, so daß seine Blödigkeit* oft geradezu an Menschenscheu grenzte.


    mfg aus Wien

    Alfred


    *) alte Bezeichung für ex
    zessive Schüchternheit


    Man merkt die Absicht und man ist verstimmt ......


  • All der Aufwand für einen Komponisten mit so wenigen Aufnahmen ?

    Komplette Threadrestaurierung und Beitragsergänzung ?

    Nun - da kann ich eine frohe Botschaft verkünden !

    Es gibt einige neue Aufnahmen !!

    Der Thead hier endete eigentlich 2002, wurde allerding 2016 von mir flüchtig durch eine weitere Neuerscheinung ergänzt. Der Beitrag von 2015 stmmt von einer widerrufenen Threaderöffnung, die als allgemeine einführung gedacht war. Anlass diesen Thread fortzuführen war eine in meiner Sammlung neu hinzugekommene 7 CD BOX (von 2017) mit Kammermusikwerken. Ein Fortschritt - wie ich meine.

    Ein wenig möchte ich die Freude dämpfen. Wie zumeist bei solch an sich lobenswerten Projekten ist die Over all Performance eher durchwachsen, verschiedene Locations, verschiedene Tontechniker, Aufnahmezeitraum 1995- 2004 Oft nicht überragend Aber IMO durchaus passabel. Etwa so, wie wenn man in einer Kleinstadt in einem beliebigen Saal einem Gastspiel beiwohnt. Aber Man kann ja immerhin in ein paar Stücke hineinhören....

    Den Gesamtpreis von 35 Euro wird mancher ungern ausgeben - aber genau genommen ist die Edition bei einem Enzelpreis von ca 5 Euro pro CD eine Mäzie.....


    mfg aus Wien

    Alfred

    Man merkt die Absicht und man ist verstimmt ......


  • Auf der ersten CD befinden sich die Duette für Violine und Viola op 7 Nr 1-3.

    Sehr eingängig und einschmeichelnd, was dem Zusammen- oder Gegenspiel von Violine und Viola zu danken ist. Diese Kombination ist schon a priori ohrwurmverdächtig. Die Violine war Rollas Instrument, die Viola indes sein Lieblingsinstrument.

    Die Aufnahme der ersten CD entstand 1997 in Pisa mit den Interpreten


    Ruggiero Marchesi (violine) und Stefano Marcocchi (Viola)




    Die Anzahl von 13 !!! Seitenaufrufen des Videoclips bei youtube ist ein guter Indikator dafür, wie unterschätzt dieser Komponist eigentlich ist...!!


    mfg aus Wien

    Alfred

    Man merkt die Absicht und man ist verstimmt ......


  • Tamino Beethoven_Moedling Banner
  • Überraschenderweise ist Rolla sehr ergiebig, was Informationen betrifft


    So gibt es beispielsweise ein Werkeverzeichnis, das man allerdings nur auf der französischen WIKIPEDIA-SEITE findet:


    Das thematische Werkverzeichnis Rollas wurde 1981 von Luigi Inzaghi und Luigi Alberto Bianchi erstellt. Es verzeichnet 576 Werke, davon 275 veröffentlicht und 301 Manuskripte. das „BI“ vor den Zahlen verweist darauf


    Wir können schon daraus ersehen, daß die 7 CD Box nicht die komplette Kammermusik Rollas enthält -, sondern allenfalls einen Bruchteil davon, notabene dass etwa die Hälfte der Werke nur als Manuskript überliefert wurde, beispielsweise die 126 Duos für 2 Violinen.


    mfg aus Wien

    Alfred

    Man merkt die Absicht und man ist verstimmt ......


  • Die zweite CD der Box befasst sich wieder mit Duetten für Violine und Viola. Sie stammt von 2002 und wurde in der Schweiz aufgenommen. Ein anders Interpretenduo, nämlich Isabelle Faust und Thomas Riebl sind hier am Werke.

    Ein Werk von CD 1 ist auch hier vorhanden, nämlich op 7 Nr 2.

    Dazu kommen op 9 und op 13, sowie das Duett op 4 Nr 2.

    Was ich i priori vermutete hatte, scheint sich zu bestätigen: Bei der 7 CD Box handelt es sich um eine Wiederveröffentlichung einstiger Aufnahmen unterschiedlicher (?) Provenience.

    So ist CD2 mit der hier abgebildeten - und derzeit noch immer erhältlichen- CD - identisch.

    Ich werde sehen was die künftigen CDs der Box enthalten, wie sie klingen und obe es sich hier ebenfalls um Wiederveröffentlichungen handelt.

    Hier nun eine Kostprobe aus CD 2 der Box, das Allegro aus op 13

    Es mag Einbildung sein, aber ich gabe den Eindruck, daß hier spielfreudiger interpretiert wird als auf CD 1 (?)



    mfg aus Wien

    Alfred


    clck 3500

    Man merkt die Absicht und man ist verstimmt ......


  • Heute nachmittag habe ich die dritte CD der Rolla Box gehört auf der sich 2 Sonaten für Violine und Klavier befinden. Rolla hat an sich drei geschrieben, aber eine ist ohne Klavierpart überliefert und somit unaufführbar. Ferner sind ein Adagio und ein Divertimento enthalten, beide mit Variationen. Die Sonaten weisen lt. Booklet einen gewissen Einfluß Beethoven auf, ohne deren Qualität zu erreichen

    Mir ist der durchwegs freundliche Charakter aufgefallen, es gibt auch nachdenkliche Stellen, aber nichts dramatisches oder Verstörendes, keine überzogenen Kontraste, sondern immer einen Hauch von Eingängigkeit und Effekt. Man kann - wenn man mag - in Rolla einen Vorläufer von Nikolo Paganini sehen, Er galt zeitweise als der beste Bratischist der Welt und der beste Violinist Italiens seiner Zeit. Hier steht er in Konkurrenz mit Viotti.

    Die Aufnahme wurde 1997 in Italien gemacht, die Interpreten sind Ruggiero Marchesi Violine und Roberto Guglielmo, Klavier.


    Nachbemerkung: Ein Teil der hier auf dieser CD veröffentlichten Aufnahmen wurde vor Jahren auf dem Label "Symphonia" auf 4 CDs veröffentlicht. Diese Edition ist gestrichen und wird nun antiquarisch um ca 150 Euro angeboten. Ein guter Hinweis darauf, daß die Anbieter nicht nur "kriminelle Preise" verlangen, sondern auch vom aktuelle Klassikmarkt keine Ahnung haben. Der Wert ihrer Version dürfte den von 4 Getränkeunersetzernkaum überschreiten.........


    mfg aus Wien

    Alfred

    Man merkt die Absicht und man ist verstimmt ......


  • Alessandro Rolla: 3 Trios op 1 Nr 1-3


    Rolla lässt mich nicht los - und ich bin froh darüber. Lange genug habe ich gezögert und gezaudert, ob diese Box die Anschaffung lohnt...

    Wir kommen nun zur vierten CD, welche die 3 Trios für Violine, Viola und Violoncelle op 1 Nr 1-3 enthält.

    Sie entstanden wärend seines Aufenthalts in Parma. Er war dort ab 1782 erster Bratscher im herzoglichen Orchester und ab 1792 erster Geiger, was indirekt der Position des Dirigenten entsprach. Diese Position bekleidete er bis 1802, dem Jahre des Todes des Fürsten Ferdinand I von Parma. Diesem sind aich die hier vorgestellten Trios gewidmet.



    Die Trios sind dreisätzig und haben eine Spieldauer zwischen 18 und 24 Minuten.


    Das Trio Nr 1 errinnert zu Beginn frappant an frühen Joseph Haydn. Ausgewogen, eingängig, frisch und unkompliziert.

    Besonders eingängig ist der 2. Satz, der ein Variationssatz ist - etwas das ich liebe. Diese Variationen sind einerseits sehr abwechslungsreich, andrerseits nie entstellend, wie das gelegentlich bei Werken vorkommt.-Soll heissn, daß man das Thema noch eindeutig erkennt.


    Trio Op 1 Nr 1

    1) Allegro

    2) Tema con Variazioni - andantino mosso

    3) Rondo Allegro


    Das Trio Nr 2

    besitzt keinen Variationssatz und schien mir zu Beginn ziemlich unauffällig. Indes ist der 3 Satz eine optimale Balance zwischen den obersten Lagen der Violine und dem Abrundtie grollenden Cello - hat mich sehr beeindruckt.


    Trio Op 1 Nr 2

    1) Allegro

    2) Adagio von troppo sustenuto

    3) Rondo Allegro


    Das Trio Nr 3 besitzt wieder einen Variationssatz, der IMO recht ausgefallen ist (nicht wirklich - aber realtiv zu jenem aus Trio 1)

    und der vom Autor des Booklets begeistert beschrieben wird, wogegen er den Finalsatz als kantig und weniger gefällig bezeicnet. Ich persönlich hatte den gegenteiligen Eindruck: der Finalsatz - gelegentlich rhyhmisch betont - stört er aber den cantable Eindruck in keiner Weise. Rolla schafft in vieler Hinsicht den Spagat, scheinbar Unvereinbares miteinander zu vereinen (nicht nur bei diesem Stück)....


    Die Aufnahmen stammen von 1997, Pisa


    Ruggiero Marchesi (violine)

    Stefano Marcocchi (Viola)

    Jorge Daniel Rossi (Violoncello)


    mfg aus Wien

    Alfred

    Man merkt die Absicht und man ist verstimmt ......


  • Alessandro Rolla: 3 Trios ohne Opuszahl (1827)


    Über 40 Jahre sind seit den Trios op 1 vergangen als Rolla die hier vorgestellten Trios komponierte - gewidmet lt. Booklet einem Grafen Giulio Orsine, den ich allerdings bei Wikipedia nicht finden konne - die Familie ist zu groß (Es gab im 16. Jahrhundert einen Orsin mit gleichem Vormahmen, der kann allerdimgs nicht gemeint sein)

    Diese Trios des 70 jährigen Rolla sind noturgemäß wesentlich komplexer als jene des Op 1. (Dazwischen gibt es zahlreiche weitere Trios - kaum eruierbar wie viele, denn der Wirrwar an Opuszahlen, BI Nummern und unummerierten Werken macht eine Übersicht fast unmöglich.

    Teilweise gibt es Anklänge an Beethoven zu hören, stellenweise an Rossini, die Werke sind der virtuos geschrieben und stellen die Ausführenden vor erhebliche Technische Herausforderungen. Man kann - so man will auch Paganini herauslesen. WIKIPEDIA behauptet ja,Rolla sei eine zeitlang Paganinis Lehrer gewesen.

    Zitat

    Rolla war ein Lehrer von Nicolo Paganini und erfand das meist Paganini zugeschriebene linkshändige Pizzicato.

    Ich konnte diese Behauptung allerdings an keiner anderen Quelle finden. (?)


    Mit CD 5 bin ich fast am Ende dieser Edition gelandet - Es fehlen noch die Streichquartette


    Die Edition besteht nämlich aus 6 CDs

    Die CD Nr 7 wird als BONUS-CD bezeichnet und enthält das Violinkonzert in A-dur von 1802

    und das ist definitiv keine Kammermusik....


    Sollte ich das nicht transparent gemacht haben:

    Diese Box ist keineswegs eine Gesamtausgabe aller Kammermusikwerke Rollas - da fehlt noch ein Vielfaches.

    Indes werdene einige kleine Lücken gefüllt.

    Mir persönlich wurde Rolle wesentlich näher gebracht - und ich hoffe, daß im Laufe der Zeit - noch etwas nachkommt.


    mfg aus Wien

    Alfred

    Man merkt die Absicht und man ist verstimmt ......


  • Alessandro Rolla: Streichquartett op 2 Nr 1


    Insgesamt 6 Streichquartette mit Opuszahl hat Allessandro Rolla hinterlassen, auf zwei Opuszahlen aufgeteil: Opus 2 und opus 5 -jeweils 3 Quartette.

    Weder sagt die Opuszahl etwas über die Zeit des Erscheinens oder der Komposition, noch ist das Erscheinungsdatum inerhalb eines Opus einheitlich.

    Ich wurde stutzig, als ich im Booklet den Vermerk fand, daß die Konzerte op 2 moderner seien, als op 5.

    Da hab ich dann die Erscheinungsdaten gesucht und gefunden. Auf der hier vorgestellten Aufnahme sind ohnedies nur die Streichquartette op 2 enthalten, wo Nr 1 und 2 von 1822 stammen, Nr 3 indes von 1804-1807.

    von 1804 gäbe es 3 Quartette op 5, die sind aber ind dier hier gezeigten Box nicht enthalten. Eine eins erhältliche Aufnahme von op 5 ist bereits gestrichen. Dazu kämmen weitere Werke ohne Opuszahl, die aber scheinbar nie eingespielt wurden.

    Die Quartette des pop 2 sind sämtlich viersätzig. Das hier vorgestellte Quartett Nr 1 hat eine Spieldauer von über 26 Minuten.

    Das Booklet spricht ihnen eine gewisse Beethovennähe zu - gepaart mit italienischer Cantabilität. IMO eine gewagte Kombinaton, wobei sich dieses Attribut insbesondere auf das Quartett Nr 2 (das ich noch nicht gehört habe) bezieht. Dazu mehr in den nächsten Tagen...

    Ich hörte stellenweise Paganini heraus, wobei es sich - sollte das zutreffen - eher so verhält, daß Paganini von Rolla beeinflusst wurde.

    Zumindest Wikipedia behauptet das.

    Die hohen ("quietschenden") Lagen der Violine sind sehr ähnlich. (spetiell 4. Satz !)

    Bei dieser Gelegenheit soll noch darauf hingewiesen werden, daß (ich sagte es bereits früher) die Aufnahmetechnik nicht optimal ist - die Violinen stechen ein wenig )

    Aber das ist angesichts dessen, daß wir seltene - vor Ideenreichtum nur so strotzende - Werke eines hervorragenden, aber kaum auf Tontröger verfügbaren Komponisten zu hören bekommen, ein eher kleiner Wermutstropfen...


    mfg aus Wien

    Alfred

    Man merkt die Absicht und man ist verstimmt ......